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Full text of "Die Schriften der römischen Feldmesser"

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DIE 


SCHRIFTEN DER RÓMISCHEN 
| FELDMESSER 


HERAUSGEGEBEN UND ERLAUTERT 


VON 


F. BLUME K. LACHMANN UND A. RUDORFF 


ZWRITER BAND 
ERLÄUTERUNGEN UND INDICES 


BERLIN 
DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 


1852 


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ERLÄUTERUNGEN 


ZU DEN 


SCHRIFTEN DER RÖMISCHEN 
FELDMESSER 


VON 


F. BLUME K. LACHMANN TH. MOMMSEN 
UND A. RUDORFF 


INDICES 
von 


_ E. BURSIAN 


BERLIN ! 
DRUCK UND VERLAG VON GEORG REIMER 


1852 


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UEBERSICHT. 


Ueber die Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 
Von Blume. S.1-—78. 


Ueberhaupt S. 1—6. Erste Classe. Die arcerianische Handschriftenfamilie 
$.6 —41. I. Codex Arcerianus S. 6 — 30. Il. Abschriften und Auszüge 
$.390—41. 1. Die Abschrift des Basilius Zanchi S. 30. 2. Der Auszug des 
Metellus Sequanus, später codex Memmianus, Colbertinus, Parisiensis regius 7229? 
5.31. 3. Die Abschriften des Tilius und Gentianus Hervetus S. 32. 4. Die 
nticanische Abschrift. Cod. 3132. S. 34. 5. Die jenaische Abschrift S. 36. 
6. Die Abschrift des Nansius (1 1595) S. 39. 7. Der Auszug des loseph 
Scaliger (T 1609) jetzt Ms. Scal. 56A in Leyden S. 39. 8. Die Abschrift des 
loh, Arcerius, jetzt in Weimar, Cod. G. 98. S. 40. 


Zweite Classe. Die Handschriften mit justinianischem Recht S. 41 — 50. 
l. Die Handschrift von S. Omer S. 42. 2. Die palatino-vaticanische Hand- 
schrift, Nam. 1564. S. 43. 3. Die Brüsseler Handschrift, Bibliotheque de Bour- 
gogne. N. 10629. S. 47. 4. Die Münchener Excerpte,S. 48. 5. Die Wiener 
Excerpte S. 48. 6. Abschrift in Leyden No. 53, Vossianus c. S. 48. 


Brite Classe. Die Trümmerhandschriften S. 50—64. 1. Die Handschrift 
des Gallesius Massa S. 51. 2. Die Alciati'sche Handschriftenfamilie S. 54. 
— Textabdrücke S. 63. 


Vierte Classe. Die Handschriften des Pseudo-Boethius S. 64-— 73. 


Zusütze der Herausgeber S. 73. 74. 

Vorarbeiten für künftige Ausgaben S. 74. 75. 

Ausgaben und Abdrücke der agrimensorischea Sammlungen, chronologisch 
geordnet S, 76 —78. 


Ueber die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen 
Stücke. Von Lachmann. S. 79— 96. 


. Demonstratio artis geometricae S. 82. Die Geometrie des Boethius S. 90. 
" „ontocker Handschrift in den auf die demonstratio folgenden Stücken 
: 931—996. 


HL, 


vI Uebersicht. 


Ueber Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 
Von Lachmann. $S. 97—142. 


Sextus lulius Frontinus S. 101. Frontins erstes und zweites Buch $. 112. 
Des Balbus (nicht Frontins) expositio formarum S. 131. Der ältere Hyginus 
S. 136. Aggeni Urbici commentum S. 142. 


Die bri coloniarum. Von Mommsen. S. 143—220. 


I. Zweck, Abfassungszeit, Schicksale des grossen Werkes des Balbus S. 145. 
1. Balbi expositio formarum S. 146. 2. HRalbus de asse S. 150. 3. Die - 
formae des aufgetheilten Ackers S. 151. 4. Das Städteverzeichniss I, 209—266. 
Unterscheidung einer ältern und jüngern Redaction, liber coloniarum I und II 
S.157. 5. Ungleichfórmigkeit der einzelnen Abschnitte in der Epitome S.160. 
6. Zweck der Abfassung und Epitome: Verzeichnung des ager:dipisus et ad+ 
signatus S. 102. 7. Palatinische Form der ältern Rédaction S. 165. 8. Die 
jüngere Redaction S. 167. 9. Zusammenhang mit: der spáter& italischen Pro- 
vinzialverfassung S. 172. Entstehung der Epitome im Bureau des Vicarius urbis 
um 450. Vermutblicher Titel liber regionum urbicariarum S. 174.  Damalige 
Stellung der Mensoren S. 174. 10. Notiz im Arcerianus üben Balbus unter 
Augustus als Verfasser des epitomirten Werkes S..1760. Vermischung mit dem 
Reichscensus S..177. Zeit, Nachträge, Ordnung des itbér Bate S. 178. 179. 
1H Anhang zum Stääteverzeichniss: die smenswrae miti et. terminorum 
S. 179. 12. Verhäliniss der expositio: zum Städteverzeichniss- S. 180. 13. Un- 
euverlässigkeit der Trümmer des St&dtevérzdichnisses: S. 181. 


]I.' 14. Bemerkungen über die Districtseintheilung Itatiens' S. 188. 15. Die 
eilf Regionen des Augustus S. 189. Bezirke für die Erbschaftsstener S. 190. 
Legati für Transpadana S. 190—192. 16. Gerichtssprengel seit Hadrian S. 192. 
17. Alimentar- und Polizeidistricte S. 195. 18. Die Aurelianischen Verwaltungs- 
und Jurisdictionsbezirke "S. 196. — 19. Maximian's Bestimmungen über die Lie- 
ferungen (Nord-) Italiens an den Hof S. 198. Lieferungen an die Stadt Rom 
S. 199. 20. Die annonarischen, urbicarischen und suburbicarischen Land- 
schaften S. 200.  Mittelinstanzen zwischen 306 und 320: vicarius Italiae und 
vicarius urbis Romae S. 202. 21. Provinzen des nördlichen Vicariats S. 203. 
99. Die suburbicarischen Provinzen. Lucania, Bruttii, Apulia, Calabria S. 204. 
23. Campania S. 205. 24. Samnium S. 206. 25. Tuscia und Umbria S.207. 
26. Flaminia und Picenum S. 208. 27. Die drei Inseln S. 211. ' 


Zusatz über den Arcerianus S. 215. 
Notiz über eine Handschrift des Petrarca S. 219. 


Ueber die ler Mamilia Roscia Peducaea Alliena Fabia. 
Von Mommsen. S. 221—226. 


Gromatische Institutionen. Von Rudorff. S. 227 — 464. 


Cromatische Institutionen der Römer S. 229. Neuere Bearbeitungen s. 233. 


Il. Wesen und Benennung der Gränze. 1. Scheidende und einigende Natur: 
finis und configium S. 234. — Ager, territorium, regio, fundus, locus S. 235. 
Rustike Bezeichnung des Bauerhofes: casa, casales, casalia S. 235. Doppelte 
Sicherung der Gränze. Grünzmark: observatio, observabilia S. 236. 


Uebersicht. vit 


H. Grönzfrieden. 2. Verbände der Gränznaehbarn nach dus sacrum, pagus 
und wies S. 238. Städtebildung S. 239. Stádtebünde:S. 240. Aufgehen im 
rmischen erbis S. 241. Bruch des Grünzíriedens S. 241. — Consecratio capitis 
des ältesten Rechts S. 243. Ackergesetz des Gaius Cäsar (sogenannte. fex 
Mamilia) S. 244. Gesetz Nerva's, Rescript Hadrian's S. 248. Die Rechts- 
sammlungen S. 249. 


III. Arcifinien und Territorien. 3. Kriegerische Gránzbollwerke nach tw 
gentium: arces S. 250. Bezeichnung. der durch Landwehren begränzten Gebiete: 
arcifinius ager, territorium, occupatorius, sotutus ager S. 251. Bedeutung 
im römischen Staate S. 253. 4. Arten der Lendwehren. Naturgränzen: Ge- 
birge S. 255. 5. Bäche und Flüsse S. 288. Gemischte Gränzen: Waldungen 
S. 259. 7. Haine: fines templares S. 260. 8. Hünengräber: fines sepullurarti, 
cinerarii S. 204. 9. Verschiedener Anbau 8. 267. 10. Grángbáume S. 267. 
11. Todte Einfriedigungen S. 289. 12. Wege S. 271. 13. Künstliehe Marken: 
termini S. 271. Material S. em. Gestalt S. 273. Belege S. 275. Aufschriften 
und Zeichen S. 276. 


IV. Lex und consecralio velus. 1%. Limitation nach ius proprium 
peregrinorum. ‘Anerkennung derselben in Rom S. 277. 15. Fortdauer der alten 
Landmaasse neben dem römischen Staatsmaass S. 278. 16. Die ägyptische 
Limitation insbesondere 8.283: - 


V. Die Rechteverschiedenheiten der andgebieie im römischen Reiche. 
17. Condiliones dgrorum nach ius civile S. 284. 18. 1) Staatsrechtliche und 
gromatische Eintheilung S. 284. 19. à) Aufgetheiltes Land (ager. dieisus: et 
adsignatms) :  Colemiegebiete, nicht Kaufland (ager q«taestorius) S. 285. 
20. Cesturistioea und Sirigation (Scamnation) des ager colonicus S. 288. 
2]. Ausdehnung beider Formen auf das Lager und die Eroberungen: S. 200. 
22. Erklärung des Unterschiedes S. 292. 23. b) Vermessung ohne Auftheilung 
(ager per eaciremitatem mensura comprehensus) S. 298. 24. c) Ungetheiltes 
und unvermessenes Land (ager ‘aroifinius) S. 300. 25. 2) Privatrechtliche 
Unterschiede S, 302.. 26. a) Privateigenthbum (ager prisatus). Die römischen 
Heredien S. 302. 27. Privatlard in den. Colonieen. 28..in den italischen Ban- 
desstaaten S. 305. 29. b) Freies Staats- oder Gemeindegut (ager publicus) 
in publico oder privato n S. 310. Compascua. Possessio S. 311. Einfluss 
der Vetustas S. 314. 30. c) Gemischtes Recht (ager publicus privatusque, 
privatus vectigalisque). Kaufland. Vectigalland. Provinzialland (ager redditue) 
S. 315. 31. 3) Landwirthschaftliche Verschiedenheiten. Bonitirungsclassen 
S. 318. 


VI. Die römischen Agrimensoren. 32. Augurn. Finitoren S. 320. _Regie- 
rungsfeldmesser S. 321. Thätigkeit: Beurkandung, bezugsweise Richteramt bei 
Militaircolonieen, Grundsteuern und Ganggerichten S. 323. - 


VII. Die Militaircolonieen und Landschenkungen; 33. Römischer Begriff 
der Colonie S. 323. 34. der Militaircolonie S. 328. Entschädigungscolonieen 
S. 331. 35. Stiftungsordre (iussus principis) S. 331. 36. Curatoren und 
Limitatoren S. 333. 37. Kreutzesform, stella, groma p 335.  Cyltellatio und 
varatio S. 340. 38. Die vier Regionen (partes). Grund dieser Vorstelfang 
S. 341. 39. Stelluhg gegen Abend, Zweitheiler (decumanus) und Viertheiler 
(cardo) S. 342, gegen Morgen S. 345, gegen Süden S. 346., Utilitátsprincip 
S. 348. 40. Fahrstrassen. Staatsservitut dés Durchmarsches S. 349. 41. Com- 
pagnieloose (centuriae). Decurien S. 351. 42. Beurkundung durch Steine und 
deren Aufschriften S. 352. 43. Anweisung S. 356. 44. Beschaffenheit der 


VIR Uebersicht. 


Loose S. 360. 45. Maass des Looses S. 362. 46. Verloosung S. 366. und 
Einführung S. 369. 47. Rechtsverhältniss der Veteranen S. 370. Recht der 
spätern ferrae limitaneae und castellorum S. 371. 48. Eigenthumsrecht. Ver- 
leihung zur Cultur? S. 372. 49. Römisches Eigenthum in den Provinzial- 
colonieen italischen Rechts? S. 373. 50. Optimum iue fundi privatif S. 378. 
51. Vererbung S. 380. 52. Veráusserung der Veteranenloose S. 381. 53. Ent- 
schädigung der expropriirten alten Besitzer S. 384. 54. Fundi excepti und 
cencessi S. 387. 55. Schnitzel (subseciru) S. 390. 56. Grössere ‚Reste (loca 
relictu) S. 393. 57. Gemeine Aenger und Weiden S. 395. 58. Gemeinde- 
waldungen S. 397. 59. Flussgebiet S. 309. 60. Landwege S. 400. 61. Zu- 
gekaufte Güter. Praefecturen S. 402. 62. Beurkundung der Limitation durch 
Documente S. 404. 63. Ueber die casae litterarum des Innocentius S. 406. 
64. Ergänzung. und Erneuerung einer Militaireolonie S. 409. 65. Titularcolenieen. 
Vorrang der Municipien in der republikanischen, der Colonieen in der kaiser- 
lichen Periode. Grund dieser Rangordnung S. 413. 

VIII. Strigae, scamna und latercult. 66. Bedeutung dieser Formen S. 418. 
67. Strigation und Scamnation der Privatpossessionen in den Provinzen S. 420. 
68. Laterculi bei den Domainen des Staats oder Princeps S. 420. 

IX. Die Ganggerichte (controversiae agrorum). Grundcharakter. . 69.. Dop- 
pelte Function der Agrimensoren: Beistand und Feldrichteramt S. 422. 70. Unter- 
scheidung der Nachbarstreitigkeiten (iurgia) von den lites. S. 424. 71. Be- 
sichtigung. Arbitri, euntes S. 427. Einzelne Controversen. 72. Kataloge S. 430. 
73. Ueber die Stellung eines Gránzsteins (de posilione terminorum) S. 431. 
74. den rigor finalis S. 432. 75. die Anwende (Anis) S. 433. 76. über 
einen Streitfleck (de lóco privato) S. 442. 77. das Flüchenmaass (de modo) 
S. 445. 78. das Eigenthum einer privativen Holzung (de proprietate) 8. 447. 
79. Besitz (de possessione) S. 448. 80. Anschutt und Abtrieb (de alluvione 
et ablvvione) , Inseln und Flussbett S. 451. 81. Hoheits- und Weichbilds- 
gröänze (de iure territorii) S. 454. 82. Subseciva S. 455. 83. Staatsgüter 
(de locis publicis) S. 457. 84. Reste (de locis relictis et extraclusis) S. 459. 
85. Heiligthümer und Gräber (de locis xacris et religioeis) S. 459. 86. Regen- 
wasser (de aqua pluvia arcenda) S. 462. 87. Wege (de itineribus) S. 463. 
Ueberfoll der Baumfrucht (de glande legenda) S. 464. 


Beilagen. S. 465 — 478. 


I. Ebert's Beschreibung des Codex Arcerianus S. 467. 
Il. Desgleichen des Codex Gudianus S. 471. 
III. Nachtráge zur ersten Abhandlung über die Handschriften und Auagaben der 


Agrimensoren S. 473. - u 
IV. Vergleichung der Römischen Feldmessersammlung mit der Geodäsie des 


Heron von Alexandrien S. 477. 
Indices. Von E. Bursian. S. 479—532. 


I. Index verborum S. 481. 
II. Index geographicus S. 521. 
HI. Index nominum S. 529. 


Zusammenstellung der Seitenzahlen in der Ausgabe von 
Goesius (1674) mit den entsprechenden Seiten der gegen- 
wärligen Ausgabe. Von Blume. S. 533— 536. 


—— Au f p —— 





e 


UEBER DIE HANDSCHRIFTEN UND AUSGABEN 
DER AGRIMENSORFN. 


VON BLUME. 


Römische Feldmesser II. l1 


I. Kunst der Handschriftenkritik würde leicht zu erlernen 
und anzuwenden sein, wenn dabei blos zu ermitteln wäre, 
ob ein Abschreiber sieh versehen, ob er falsch gelesen oder 
beim Dictiren falsch gehört, ob er etwas ausgelassen oder 
sonst sich verschrieben habe. Dies sind allgemeinere Fragen, 
welche allerdings bei jedem. überlieferten Texte einer Erle- 
digung bedürfen. Wenn aber der Zweifel entsteht, ob der 
Schreiber den Text absichtlich geändert habe, weil er 
sich zum Emendiren berufen glaubte, oder für seinen Privat- 
gebrauch zu excerpiren dachte, oder gar als eigentlicher 
Autor mitreden woke; dann verlassen uns die allgemeinen 
Regeln der Kritik, und die besonderen, welche für den vor- 
liegenden Fall geeignet sind, müssen oft erst mit glüklichem 
Tacte errathen werden, bevor sie sich demonstriren lassen. 
Deshalb darf denn ein redlicher Kritiker sich auch ein paar 
vergebliche Versuche nicht verdriessen lassen; denn ohne 
Gründe soll er niemals ändern, und was nicht durch den 
Erfolg selbst seine Bestätigung findet, bleibt nuzlose, oft 
gefährliche Wilkür. 

Diese Schwierigkeiten sind aber bei der Samlung rö- 
mischer Agrimensoren in solchem Grade und auf so com- 
plicirte Weise vorhanden, wie schwerlich in irgend einem 
ähnlichen Falle. Treffend und grossartig hatte Niebuhr sie 
in der ersten Ausgabe seiner römischen Geschichte (Th. II 
S. 533. wieder. abgedrukt in Niebuhrs kleinen historischen 
und philologischen Schriften. Zweite Samlung 1843. 5. 81 

l $ 





4 - BLUME 


bis 107) angedeutet, und ich darf seine Worte unverändert 
wiederholen, da sie leider in der zweiten Ausgabe seines 
Werkes weggelassen sind. „Wir verlieren uns in einem 
Bilde von Rom’s Schiksalen und der Umgestaltung Italiens, 
wenn wir in diesen sonderbaren Fragmenten ein Bruchstük 
der Schrift eines etruskischen Aruspex aus dem fünften Jahr- 
‚hundert der. Stadt finden, anderswo 'einen Ingenieur reden 
hören welcher Trajan bei der. Eroberung, Daciens diente, 
und die Höhe ‚der Siebenbürger Alpen, mass, und endlich, in 
der jüngsten der verschiedenen Samlungen, Auszüge aus 
‚einem Buch des weisen, sein Zeitalter unterrichtenden Pabstes 
Gerbert, vom Schluss des zehnten Jahrhunderts unserer Zeit- 
rechnung antzeffen, Alle Zeiten des römischen Namens ste- 
hen hier neben einander: die alte Aruspicin und Religion, 
und das Christenthum:, Plebiscite. und Titel. aus dem theo- 
dostanischen Gesezbuch und den Pandecten; uraltes Latein, 
‚und das beginnende Italienische des siebenten Jahrhunderts. 
Der Ort wo die Samlung gemacht ward, die Zeit in der sie 
entstand, smd ein Räthsel, und wenn: wir es lösen, so finden 
wir uns zu Rom in dem Zeitalter wo die gefallene Haupt- 
-stadt mit dem allerdichtesten Schleier verhüllt ist.“ — Doch 
die Eleniente dieser agrimensorischen Pandecten, von denen 
uns zweimal ein liber XII angeführt wird‘), waren gewiss 
schon früher zusammengetragen. Hyginus erzählt von 
seiner eigenen Samlung kaiserlicher Edicte aus der Zeit des 
Domitian; sie mäg den Kern gebildet haben, an welchen 
später die agrimensorischen Excerpte aus dem theodosischen 
Codex nocli später‘ die aus Justinians Samlungen sich an- 
Bezten; 

Die Schriften der ersten Meister in diesem Fache wur- 
zelten in dem Boden eines achtbaren, oft ehrenvollen und 


1) Seite 310 Zeile 1. S. 351 Zeile.20 ünserer Ausgabe. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 5 


‚einflussreichen Gescháftslebens; ohne alle Eleganz, sind sie 
doch correct und verstándlich geschrieben. Balbus, Fron- 
ünus, Hyginus, auch Siculus Flaccus waren zwar 
keine Classiker, aber doch Schriftsteller im wahren Sinne 
des Wortes; während [Innocentius ,.um die Mitte des vierten 
Jahrhunderts, inehr den Ton des gemeinen Technikers er- 
kennen lässt. Als aber zu grossartigen practischen Arbeiten 
die Veranlassungen schwanden, dienten jene Werke in den 
Geometerschulen zur Ausbeute für geistlose Repetenten, von 
denen sie verstümmelt und mit einem Wuste barbarischer 
Dialectik verbrämt wurden. So fanden sie die Abschreiber, 
die ohne alles Verständnis dessen was sie copirten, und 
ohne sichern Anhalt beim Auflösen zahlreicher Abbreviaturen, 
sich gedankenlos durcharbeiteten, auch wohl im Blinden nach 
vermeinten Verbesserungen tappten. Auszüge aus Boethius, 
Cassiodor und Isidor von Sevilla wurden eingemengt, 
und während der Name des wahren Autors öfter verschwand, 
ward ein Simplicius, der nie existirt hat, der Zahl der alten 
Gromatiker hinzugefügt. Selbst der gelehrte Abt Gerbert, 
(Sylvester II) der sich im zehnten Jahrhundert mit ihren 
Schriften beschäftiget hatte, ist später zum Autor in diesem 
Fache gemacht worden. 

Das ist, im Allgerheinen, das Schiksal der Samlung ge- 
wesen, deren Handschriften jezt näher naehzuweisen sind. 
Schon vor sechzehn Jahren (1835), im siebenten Bande des 
Rheinischen Museums für Jurisprudenz, war dieser Nach- 
weis von mir versucht worden; seitdem aber hat sich, haupt- 
süchlich durch Lange?) und Lachmann ?), zum Ergänzen 
und Berichtigen mehr als eine Veranlassung ergeben. - 


2) Hygini gromatici liber de munitionibus castrorum ed. Chr. Conr. 
Lud- Lange. 1848. pag. 7 —32 der Prolegomena. 

3) Zum Theil sthon durch seine tabellarische Uebersicht der von ibm be- 
nuzten Handschriften, pag. VII— XI vor unserdr Ausgabe. _ 


/ 


6 un BLUME 


Es hat sich keine einzige Handschrift erhalten, welche 
frei von den Interpolationen des Agenius Urbieus wäre; 
was wir besizen, kan nur nach den Zusäzen, Umstellungen 
und Abkürzungen noch spüterer Zeiten in bestimmte Classen 
gesondert werden. Vier solcher Classen lassen sich dabei 
mit Sicherheit unterscheiden: die arcerianische Hand- 
schriftenfamilie, die Handschriften mit justinianischem 
Recht, die Trümmerhandschriften und die des Pseudo- 
Boethius. | | 


b 3 


| ‚Erste Classe , 
Die arcerianische Handschriftenfamilie. 


L Ueber den Stammvater dieser Familie, den in Wolfen- 
büttet befindlichen Codex Arcerianus, oder Augusteus 
fol. 36, 23, aus dem sechsten oder siebenten. Jahrhunderte, 
bleibt auch jezt, nach Ebert's ausführlicher Beschreibung ‘), 
so Vieles nachzutragen und so manches Räthsel zu lösen, 
dass jede Wiederholung des dort schon Berichteten möglichst 
zu vermeiden, und vielmehr auf jene Beschreibung ausdrük- 
lich zu verweisen ist. Was aber hier vor Allem herauszu- 
heben bleibt, ist der Umstand, dass es eine Doppelhand- 
schrift ist, und noch dazu in doppeltem Sinne. 

Erstens ist es in sofern eine Doppelhandschrift, als sie 
aus zwei verschiedenen Abschriften besteht, so dass sie auch 
jezt noch mehre grössere Stücke doppelt” enthält. Die 
Grenze zwischen diesen beiden Hälften (bei Lachmann 
A und B) verräth sich ganz unverkennbar an der Quater- 
nionenzählung, mit der erst die zweite Abschrift beginnt; 
sie findet sich jezt zwischen fol. 85 und 86 der ganzen Hand- 


4) Bibliothecae Guelferbytanae codices graeci et latini classici. 1827. 
peg. 5— 12. Dazu Lange pag. 7 — 19. 


Handsehriften und Ausgaben der Agrimensoren. 7 


sehrift ). Die erste Hälfte ist (mit Ausnahme von fol. 2 
bis 8 und fol. 15 bis 22) in einer Columne, die zweite 
durchweg in zwei Columnen geschrieben *): die erste zählt 
28, die zweite 26 Zeilen auf jeder Seite; die erste enthält 
Zeichnungen und Bilder, die zweite nicht. Auch die Schrift- 
züge sind verschieden; die der ersten Hälfte sind altertüm- 
licher, am Ende der Zeilen oft eine Art Cursiv- und in 
Ueberschriften oft Capitalschrift; die der zweiten dagegen 
durchaus nur Uncialsehrift. Ueberdies ist die zweite Hälfte 
nur zum Theil eine echte Schwester der ersten (z. B. in 
der Pars II. des Agenus, wo sie nur das Wort respicit 
fol 94* col 1: vor der ersten Hälfte fol. 76^ voraus hat), 
wührend sie in anderen Stücken offenbar auf ein eigenes 
Original hinweiset. Dies Lezte ist nicht blos bei denjenigen 
Stücken der Fall, welche der ersten Hälfte ganz fehlen, 
d.h..beim Pseudosimplicius"), dem s. g. Hyginus de 
limbus, dem auch in unserer Ausgabe fehlenden Hyginus 
de castrametatione und dem liber Balbi ad Celsum 5); son- 
dern auch bei der lex Mamilia u. s.w., wo nicht nur statt 
der räthselhaften Unterschrift in der ersten Hälfte; „Exp. 
Hygini Gromatici constitutio feliciter“, auf fol. 157 
oben geschrieben ist: „liber Hygini gromaticus exp.“ 

5) d.h. nach Ebert’s Beschreibung p. 9, zwischen den Stücken lit. v 
und w. ’ 

6) In Lachmann’s Ausgabe sind nicht die Blätter, sondern die 
Columnen gezählt worden. 

7) Da der hernach zu erklärende Name Simplicius, der in unserer 
Ausgabe ganz verschwunden ist, für die Geschichte der Agrimensoren- 
Handschriften unvermeidlich bleibt, so muss hier sogleich bemerkt 
werden, dass er von den bei Ebert unter lit. x erwähnten Blättern 
95 — 108 des Arcerianus iu verstehen ist. In Lachmann's Tabelle 
pag. VIII sind dies die Columnen B 39—91, in der Ausgabe des Textes 
die Seiten 62— 77. 281—284. 59 — 62. 

8) Bei Ebert lit. y, z und cc; in Lachmann’s Tabelle col. 91 —206 
und 288. |. 


8 BLUME 


sondern auch eine Menge offenbarer Fehler vermieden sind. 
So namentlich das deinde statt d. d. (fol. 68» verglichen mit 
fol. 157*), die falsche Erklärung des d. m. durch: hoc est 
dummodo, welche sich fol. 68° in den Text eingeschwärzt 
hat; und endlich am Schlusse die falsche Stellung einer 
ganzen, Zeile in der ersten Hälfte (fol. 69*), welche in der 
zweiten (fol. 157^) mit Recht um zwei Zeilen hinaufgerükt 
ist. Solche Dinge für freie Verbesserungen eines Schreibers- 
zu halten, der doch so eben in dem zweiten, Theil des 
Agenius den. gröbsten Unsinn buchstäblich eopirt hatte, ist 
unmöglich. 

Zweitens ist der Arcerianus aber auch in sofern eine 
Doppelhandschrift zu nennen, als die vier lezten Quaternionen 
nebst dem Schlussblatt des vorhergehenden (fol. 125 — 157) 
eine Zeitlang abgerissen, und, besonders geheftet, als eigener 
Codex in anderen Hánden waren, als das übrige. Davon 
zeugt teils der noch (1835) vorhandene besondere Umschlag, 
teils die Aufschrift auf dem untern Rande desselben: „Sum: 
Petri Scriverij“, und wieder fol. 125 unten: „Petri 
Seriverij.“ | | 

Diese lezte Thatsache muss uns nun vor Alem: vor 
irrigen Zählungen der arcerianischen und scriveriahischen 
Handschriften bewahren. Denn nicht nur Rigaltius spricht 
im J. 1614, wenn auch nur von Hörensagen, von Arceriana 
ffagmenta und Arcerianae scidae, sondern auch noch 
in der Vorrede von Keuchen’s Ausgabe des Frontinus 
vom J. 1661 heisst es: „Veterem cod. MStum, qui alter 
Arcerianus fuit, nobis suppeditauit uir nobiliss. et coniunctiss. 
Pet. Heimbachius, Serenissimi Electoris Brandenburgici 
Consiliarius ac Historiographus.* Die Veranlassung zu die- 
ser Trennung scheint in der von Scriver unternommenen 
Ausgabe des Hyginus de munitionibus castrorum, zu einer 








Handschriften und Ausgaben .der Agrimensoren. 9 


Zeit, als ihm der ganze Codex noch nicht gehörte, gelegen 
zu haben: dieses Fragment ward ihm geborgt, er verborgte 
es weiter an Pontanus*), worauf er später den gan- 
zen Codex eigentümlich erwarb. In dem: Verzeichnis der 
Scriverschen Handschriften vom J. 1663 '°), als sie durch 
Meistgebot für Wolfenbüttel erstanden wurden, erscheinen 
alle Stücke des Arcerianus wieder in einen Band vereiniget, 
in welchen, wie der Augenschein und Ebert's Beschrei- 
bung lehrt, noch viele Excerpte und Notizen von Seriver 
und Anderen mit hineingebunden sind! . 

Seit der Erwerbung der arcerianischen Handschrift. für 
Wolfenbüttel hat sich nur noch durch die vorübergehende 


9) Lange Prolegomena pag. 4 — 17. 
10) Libri appendiciarii bibliothecae Scriuerianae. Amstelod. 1663. 4: 

N. 105. Fragmenta artis mensoriae ex cod. ms. Basilii Zanchi. 
Aggeni Vrbici de controuersiis agrorum. [Nicht nach Wolfenbüttel 
gekommen. ] 

N. 109. Yeterum aliquot de dimensionibus itemque qualitate agrorum 
fragmenta. .Hos scriptores ex antiquissimo codice descripsit et notis 
ac uariis lectt. instruxit Theodorus Arcerius. [Wahrscheinlich die 
jezt in Weimar befindliche Arcerianische Abschrift.] ' 

N. 118. Iul. Frontinus Siculus de diuersis agtorum mensuris 
e Mss. erutus a Pt. Scriuerio. [Nicht in Wolfenbüttel] 

N. 136. Scriptores aliquot ueteres finium regundorum in antiquissimis 
membranis ante mille annos literis capitalibus scripti. Hic liber olim 
fuit Magni Erasmi. Scripta quae in illo inueniuntur, superius reperies 
num. 109. Ille enim liber est huius antiqui apographum. [Unser 
Arcerianus. Der speeificirte Inhalt war schon bei Num. 109 angegeben.] 

N. 137. Alius codex membranaceus priori quidem recentior, sed et 
ipse peruetustus.ante 700 circiter annos scriptus, maximam partem 
eorundem agrimensorum continens. Fuit illustris uiri Ad. Turnebi. 
[Handschrift der zweiten Classe, der s. g. Gudianus, s. unten.] 

N. 138. lidem scriptores in antiquis membranis descripti. Quibus 
accedunt: Categoriae ab Augustino translatae. Boetii arithmetica et 
geometrica. Omnia sunt nitide scripta et pulchris figuris ornata. Is 
codex fuit olim V. Ck Fran[cisci Nansii]. Die eingeklammerten 
lezten Buchstaben finden sich in dem Leydner Exemplar des Katalogs, 
in dem Wolfenbüttler sind sie weggeschnitten. ' Handsobrift .der vierten 
Classe, nicht in Wolfenbüttel.] "oor 


10 | BLUME 


Entführung derselben nach Paris eine Veränderung mit ihren 
Besizern zugetragen. Verfolgen wir aber die Vorbesizer von 
Seriverius an rükwärts, so ergiebt sich im Ganzen fol- 
gende, wahrscheinlich ununterbrochene Reihe von Besizern 
der: Handschrift: 

1. Das Kloster Bobbio, wo schon der Abt Gerbert 

(Sylvester II seit 999) die Handschrift, wahrscheinlich 
um das Jahr 981, benuzt hat. 

Thomas Phádrus Inghirami aus Volterra, 1493. 

Angelus Colotius, bis 1527? 

Erasmus, bis 1536. 

D. a Lasco. 

Gerard Mortaingne 

Regnerus Praedinius, 1559. 

Ludouicus Miraeus, bis 1566? 

Johannes Arcerius, bis 1604. 

Sixtus Arcerius, wenigstens bis 1607. 

Petrus Scriuerius und sein Nachlass bis 1663. 
12. Die Wolfenbüttler Bibliothek, bis 1807. 

Die Pariser Bibliothek, 1807 bis 1814. 

Wolfenbüttel, seit 1814. 
Die Beweise für diese Reihefolge bestehen in folgenden 
Thatsachen: |o 

l. In Gerbert's geometrischen Arbeiten wird, wie 

Rigaltius angiebt!!, auf die Schriflen der Agrimensoren 
mit folgenden Worten verwiesen: „si quis uero de controuer- 


bis 1559. 


nzOwoupogmm»pM 


| d 


Bed mé 
9 


11) In den Noten seiner Ausgabe der Agrimensoren [1614] pag. 65. — 
Ich hatte früher auch noch geltend gemacht, dass in unserer Hand- 
schrift selbst fol. 774 die Worte gisebbertuf abbaf geschrieben stän- 
den; da «aber Lachmann statt des zweiten dieser Worte die ganz 
unverständlichen Sylben feu aluf [ ftux herausgebracht hat, so darf auch 
unter den ohnehin verschiedenen Namen gerbertus und giseberius kein 
Zusammenhang vermutet werden. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 14 


sis et de qualitatibus et nominibus agrorum, deque limitibus 
et de statibus controuersiarum scire desideret, Julium Fron- 
tinum, nec non Vrbicum Aggenum lectitet.“ In der gedruk- 
ten Geometrie des Gerbert ist diese Stelle freilich nicht zu 
fidden; aber sie enthält eine Stelle aus Hyginus (unten 
Note 128) und manche Spuren agrimensorischer Studien; 
diese Studien hängen mit der damals schon sehr reichen 
Bibliothek seines Kloster Bobbio !*) nahe zusammen, :so kan 
denn auch der Hyginus, Frontinus und Aggenus 
Urbicus, der ihm bekant war, kaum ein anderer gewesen 
sein, als der welcher uns in der uralten Handschrift von 
Bobbio erhalten ist. 

2. Diese Handschrift wird unter. denjenigen mitgenant, 
welche von Georgius Galbiatus, Merula's Amanuensis, 
im J. 1493 zu Bobbio gefunden, und kurz darauf durch 
Thomas Phädrus. Inghirami, den Custos der Vaticana, 
grossenteils. nach Rom gebracht worden sind '*). 

Dass aber diese Handschrift unser Arcerianus gewesen 
sei, wird durch die besonderen Auszüge des Volaterranus . 
aus den Agrimensorenschriften,. die in seinem dreissigsten 
Buche enthalten sind, sehr wahrscheinlich. Zwar wird sie 


12) S. mein Iter italicum Bd. I S. 44. 55— 58. 

13) Raphael Maphaeus Volaterranus commentariorum urbanorum 
lib. IV., fol. 56 der ersten [römischen] Ausgabe vom J. 1506: Hic 
Anno M. ccecıxxxxiii: huiuscemodi libri reperti sunt....  Agenius 
Vrbecus de Controuersiis agrorum.  Higinus de Limitibus agrorum 
et metatione castrorum. Balbus de nominibus mensurarum: Vitruuius 
de Exagonis heptagonis et id genus Frontinus de qualitate agrorum 
Caesarum leges: Agrariae et Coloniarum iura: quorum bona pars his 
annis proximis a meo Municipe Thoma Phaedro bonarum artium pro- 
fessore est aduecta in urbem. — Ich gebe diesen Text der ersten 

- Ausgabe nach Lachmann's Terentianus Maurus pag. V; früher konte 
ich nur den Basler Nachdruck vom J. 1530 benuzen, der, wahrschein- 
lich durch einen Drukfehler, das J. 1404 ais das der Entdeckung an- 
giebt. S. mein Iter italicum I, 59. 


12 BLUME 


hier nicht als eine Handschrift des Thomas Phüdrus, 
sondem als dem Angelus Colotius gehórig bezeichnet; . 
aber gewiss hätte er von jener ersten bei dieser Gelegenheit 
nicht geschwiegen (5; auch wenn ihm ausser ihr noch eine 
zweite zugänglich geworden wäre. Stand ihm wirklich mehr 
als eine einzige Handschrift zu Gebote, so konte doch, nach 
der Art wie er sich ausdrükte, das Alles jezt nur in der 
Hand des Cólotius vereinigt sein; und so lässt es sich er- 
klären, wie allerdings einige der von Volaterranus excerpirten 
Notizen einer Handschrift dritter Classe entnommen zu sein 
scheinen. Sie sind in dem unten’ stehenden Abdruk durch 
gesperrte Lettern ausgezeichnet worden !*) 

3. Dieser Angelo Colocci war bald nach jener Er- 
wühnung der Secretar Leo's X (1513— 1521) und dann 
Bischof von Nocera in Umbrien geworden. Sein Garten 
an der Fontana Trevi, reich geschmükt mit Altertümern, 


14) Noch im sechzehnten Buche (fol. 185 b der Basler Ausgabe) hatte er 
derselben gedacht: Higynus... scribit... librum quoque Gromaticon 
nuper inuentum. Est enim groma, ut ipse testatur, ars loca sta- 

. Aonesque in castris opportune capiendi ornandiue. 

15) Raphael Volat. conn. urb. lib. XXX fol. 357b ed. Basil. Mensuras 
limitesque agrorumi nunc attingam ex Jul. Frontino et M. Junio Nypso, 
quem [oder geht das nur auf Nypsus?] figuris pulcherime adnotatum 
mihi tradidit uir ornatus, omnisque uetustatis studiosissimus Angelus 
Colotius. Limites urbis duos aruspicum olim diseiplina (ut ait Varro) 
posuit, unum ab oriente in occasum, quem decumanum uocauerunt, 
quod is longior sit: nam decumana omnia principalia uocabant: alterum 
a septentrione in meridiem quem cardinem dixerunt, quod sub axe 
septentrionis mundus sicut in cardine uertatur. Decumanus'item dex- 
tram habet orientem et sinistrain occidentem, ex quo ager dextratus 
et sinistratus dieitur. Cardo autem habet ultra septentrionem et citra 
"meridiem, ex quo ultratus et citratus dicitur ager. Ab his duóbus 
omnes agri partes nominantur, reliqui limites fiebant angustiores, et 
inter se paribus interuallis distabant. Quum autem scire cupis in qua 
parte agri sis, respice scripturam lapidum terminalium: si enim numeri 
ab oriente incipient, et in occidentem crescent, Decumani erunt; si 
crescit in partem septentrionis, erit in parte ultrata et dextrata: si in 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 18 


(unter Arideren' auch mit emer Samlung römischer Fugs- 
maasse) war bei der Plünderung von 1527 verwüstet wor- 
den; und wie es scheint, hat er hei dieser Gelegenheit einen 
Theil seiner Handschriften, namenlich wohl den berühmten 
mediceischen Virgil und unseren Arcerianus, eingebüsst '*). 
Nur so wenigstens lässt ea sich erklären, dass dieser lezte 
noch an den, 1536 gestorbenen, Erasmus gelangen konte, 
während doch Colocci erst 1549 gestorben ist, und auch 
noch nach dem J. 1545 als Besitzer einer anderen Agrimen- 
sorenhandschrift erwähnt worden ist. 

Diese Erwähnung findet sich bei Metellus Sequanus, 
der sich von 1545 bis 1549 in Rom aufhielt '”), und dessen 
Zeugnisse in dieser Angelegenheit zwar sehr erheblich, aber 
nicht frei von Widersprüchen und Irthümern sind: Die Er- 
zählung die ich früher von ihm mitteilen konte, berichtiget 
sich jezt wesentlich durch eine andere, die gleichfals von 
seiner Hand, aber erst später wieder aufgefunden worden 


meridianum et cardines in parte occidentis, erit pars sinistrata et, ultrata, 
Ipsi autem lapides terminales diuersa fuerant figura: Orthogoni, 
Isopleuri, tetragoni, hexagoni, heptagoni, pyramides, 
rombi, semicirculi, cultellati, spatulae, triuertini, archi- 
finii, centusiati, syginati, semitali, Is est ille qui im agris 
semitas custodit Pani, Herculi et Cereri sacer. Nomina vero limitum 
haec sunt, Decumani, cardines, actuarii, intercisiui, linearii, sextani, 
nonarii, qui solis cursum sequuntur: Praefectuales, montani, qui 
angulo subiacent: Vstrenales, undecumani, solini, graeci, regulares, 
subruncini, quintani, scutellati, temporales, qui lunae cursum se- 
quuntur, Diabonales, diposentales, gallici, chronici, perpetui, passiui, 
limites qui per antica et postica diuiduntur. Agrorum autem nomina: 
tenturiatus, dextratus, sinistratus, citratus, ultratus, tetregonus, .nor- 
malis, Neronianus, Podimatus, Caesarianus, Adsignatus, Nigrius in 
quinquagenos: Meridianus in XXV. Commutatus ex beneficio Augusti. 
Subeisiuus, Tessellatus, epiponicus, Solitrius, Syluanus. Mensurae 
nomina in agris sunt Digitus, uncia, palmus: Sexta sive Du- [fol. 358^] 
trans, pes, cubitus, gradus, passus, decempeda, actus, stadium, miliarium. 
16) S. mein Iter italicum IIT, 190. 191. 
17) Andres praef. ad Antonii Augustini epitoles pag. 44 — 59. 


mit der Bemerkung: 


14 Uoc 7157 P£UUMEGéc 


ist!®). -Metelfus Sequanus hat ndinlich auch im ein Leydner 
Exemplar der "Turnebi'schen Ausgabe der Agrimensoren 
(33 A. Gron., früher dem Bernhard Rottendorf gehö- 
rig: zu Galland's Vorrede einige Randbemerkungen ein- 
getragen, welche in dem hier folgenden Abdrucke Beider, 
durch Klammern und gesperrte Schrift ausgezeichnet sind. 
Galand. sagt.nántlich von dem Abdrucke des Turnebus: 
Quibus i iam ad finem perduétis, cuni quaedam ália argu- 
menti fere eiusdem (quos: exscripsi ex codice Basilii 
Zanchi, sumpto ex Colotiano, Romae) Epaphroditi, 
Vitruuii, Rufi, Simplicii, Balbj, Hygeni de castris metandis .. 
nobis (per Jo. Tilium, qui et meum Codicem Romae 


habuit) oblata essent, quemadmodum his adiungi possent, 


rationem inire coepimus. Verum ita: deprauata ommia, mutila 


'et lacera deprehendimus, ut nisi repositis quae deessent, 
quaeque depraüata: essent correctis, frustra omnino a quo- 


quam in manus sumerentur  ltaque donec oblato meliori 


‚exemplari,.et per maius otium alicui formae restitui possent, 


in aliud tempus eorum editionem distulimus. “ 
An einer anderen Stelle dieses Exemplars | führt Metellus 
noch mit besonderer Zählung ‘die Namen auf: 
Vitruuii 
\ Ruffi 

Simplicii 
Balbi 
Epaphroditi, 

Exseripsi ex codice Basilii Zanchi, sump to 

ex Colotiano ac describendos dedi Jo. Tilio, 
|» qui Parisiensibus exhibuit. 


18) vgl. Rhein. Museum VII, 185. 377. 











Handschriften und Ansgaben der Agrimensoren. 35 


Also zweimal. erzählt er, dass er die eigentümlichen 
Stücke, welche nur unser Arcerianus in dieser. Vollständig- 
keit vor allen anderen alteri Handschriften voraus. hat, ‚aus 
Zanchi’s Absehrift des Colotjanus copirt, .und diese 
Excerpte . dem gelehrten Bischof von Meaux zur ferneren 
Abschreibung mitgeteilt habe. Dagegen behauptet. er nicht, 
das Original, den Colotianus selbst, bei diesen Stücken ge- 
sehen oder benuzt zu haben. Zanchi aber war. 1501 in 
Bergamo geboren, später lateranischer Chorherr seiner Vater- 
stadt; in Rom, we er 1558 im geistlichen Gefängnis geskor- 
ben ist, war.er, aber wohl nur m jüngeren Jahren, Scripter 
der Valicana gewesen. Bis zum Jahre 1527, seinemi 26gten 
Lebensjahre, konte er also die Copie des .Colotianus Jüngst 
vollendet haben. | 

So ist denn dieser Theil der Notiz des Metellus Se- 
quanus genauer und innerlich glaubwürdiger, als eine früher 
von mir initgeteilte, im ‘Sommer 1564 zu Cöln m die jezige 
palatino - vaticarische Handschrift der Agrimensoren ein- 
getragene Angabe desselben. Denn damals lautete seine 
Erzählung so, als ob er in Rom den Colotianus unmiltelbar 
benuzt hätte, was doch nach dem Jahre 1545 gar nicht melir 
möglich war, wenn Colotius die Handschrift schon vor 1536 . 
verloren oder veräussert hatte (s. Note 18.). Ä 

Metellus fügt aber bei beiden Gelegenheiten noch 
eine zweite Angabe hinzu, welche mit der ersten nicht ver- 
mengt werden darf. In dem gedrukten Buche sagt er: 
Julii Frontini, de Limitibus agrorum, figuris il- 
lustratus: ex Medicea exseripsi. Colotius Romae 
habebat, apud quem uidi; und diese lezten Worte sollen 
sich bei dem Namen Nypsus (pag. 19 des Turnebischen 
Appendix?) noch einmal wiederholen. Ebenso in der pala- 
tinischen Handschrift: Ex Medicea Florentina bibliotheca, ' 


16 (M S. BLUME 7 
descripsi quoque M. Junii Nypsi fragmentum, ad huius 
eliam Agrimensoriae scientiam pertinens: sed admodum cor- 


ruptum est. — Also eine andere Handschrift, geringer an 
Umfang und Bedeutung, ohne den s. g. Simplicius und die 


andern oben genanten Stücke, hatte er bei Colotius noch 


gesehen. Es war dies, wie wir unten sehen werden, eine 
Handschrift dritter Classe, wahrscheinlich dieselbe, die er 


"als medieeische unmittelbar benuzt hat. 


4. Die nun folgenden Besizer (4 bis 11) sind, mit Aus- 


-nahme des achten. und zehnten, sämtlich durch die Hand- 
‚schrift selbst beglaubigt. Sie enthält nämlich auf der Vorder- 
‚seite des ersten Vorsazblattes (früher' war es die Rükseite 


des zweiten Blattes) die Zeilen: 
| „Regneri nune sum Predinii 1559. 


- | At nunc Joannis Arcerii 1566.“ 


‚ferner auf dem ersten Blatte dreimal: Gerardus Mortaingne; 


-södann auf dem zweiten Blatte oben: . 


„D. a Lasco* (von Lachmaan nicht mehr gefunden) 

. ,E& hic ex bibliotheca Erasmi." 
Diese lezte Zeile hat anscheinend den Prädinius zum 
Urheber; wenigstens ist sie, wie sein eigener Name, mit 


‘rother Tinte geschrieben. Dass sie auf den berühmten 


Erasmus von Rotterdam zu beziehen sei, kan schen des- 


‚halb keinen Zweifel leiden, da sonst kein irgend bedeatender 


Gelehrter jener Zeit unter diesem Namen bekant ist; und 


dass die Bibliothek des Erasmus auf Johann von Lasco 
„übergegangen ist, steht urkundlich fest. Dass Erasmus schon 
‚während seines Aufenthalts in Italien (1506 bis 1509) mit 


Thomas Phädrus bekant geworden war '’), darf freilich 


19) Beati Rhenani Selestadiensis ad Carolum Caesarem epistola, vor 
dem ersten Bande von Erasmi opera omnia, Basil. 1540, S. 5 med: 
,» Vidit, ut audire memini, et Thomam illum Phaedrum facundia extempo- 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 17 


nicht in Anschlag kommen, denn vor seinen lezten Lebens- 
jahren dürfen wir uns die Handschsift nicht. in seinen Hän- 
den denken: teils weil Coletius’ und Zanchi’s Abschrift 
(Num. 3) vorhergingen, tels weil Erasmus einen solchen 
Schaz gewiss nicht sehr, lange. ungenuzt gelassen. hätte. 
Findet sich doch nicht einmal im J. 1528, als in Basel die 
Sichard'schen Bruchstücke der Agrimensoren erschienen, eine 
Spur von seiner Beihülfe zu diesem verdienstlichen Uater- 
nehmen. Sein Erwerb.des Arcerinnus seheint demnacli erst 
in: die Zeit seines Aufenthalis zu Freiburg (April 1529 bis 
Sommer 1535) zu fallen, womit die vorhin aufgestellte Ver- 
mutung über die Schiksale der Celolianischen Büchersam- 
lung ganz übereinstimmt. 04 
5. Unter den Briefen des Erasmus aus den Jahren 
1526 und 1527 haben sich noch drei an Jo. a Lasco, da- 
mals Domprobst zu Gnesen, erhalten??) Von seinem nahen 
freundschaftlichen Verhältnisse zu diesem Manne, der einen 
Monat bei ihm gewohnt hatte, und einmal als sein Schüler 
bezeichnet wird, zeugt aber ganz besonders die Dedication 
der Erasmischen Ausgabe des h. Ambrosius vom 13. August 
1527 **). Diesem: vornehmen Polen hat Erasmus schon im 
Juni 1525 seine Bibliothek für dreihundert Goldkronen oder 
vierhundert Gulden verkauft, die.zur Hälfte sofort, zur Hälfte 
im November 1536 bezahlt worden: sind; der. Besiz der 
Bibliothek verblieb Erasmus bis zu seinem Tode. Die Neben- 
bestimmung dieses Kaufcontracis, dass für ‚den Fall eines 
späteren Erwerbes kostbarer Manuscripte eine verhältnis- 
rali Incomporabiliter eloquentem, qui Ludis et Comoediis recensendis 
priseam antiquitatem. repraesentabat. 
20) Erasmi Opera omnia T. Ill. pag. 585. 609. 654. (Epistelr, üb, XVIII. 
XIX.) der Basler Ausgabe. 


21) Ibid. pag; 14328 sqq. (lib. XXVIII) Sie ist:an Lescos gleichnamigen 
Oheim, den Erzbischof von Gnesen, gerichtet. 


Römische Feldmesser II. 9 





18 BLUME 


mässige Erhöhung des Kaufpreises verabredet werden solle, 
scheint freilich, ‘nach der unter dem Kaufcontract befind- 
lichen Quittung des Testamentserben, des berühmten Juristen 
Bonifaz Amerbach**), so wie nach dem Testamente selbst, 
vom 12. Februar: 1536 **), nicht zur Anwendung gekommen 


zu sein. 

Dieser Jo. a Lasco ist erst im Jahr. 1560 in Polen 
gestorben, nachdem er in seinen späteren Lebensjahren für 
die Reformation in Ostfriesland sehr thätig gewesen war. 
Dass er unsere Agrimensoren mit nach Polen genommen, 
müssen wir nach den nun folgenden Angaben bezweifeln, 
denn sie haben schon früher ihren Herm von Neuem ge- 
wechselt. | 


22) Gedrukt in Burigni's vie d'Erasme Paris 1757. Tom. II pag. 422. 423. 
nach einer Mitteilung des Cardinal Passionei: „Erasmus Rotterodamus 
bibliothecam meam. uniuersam uendidi clarissime Polonise Baroni Joamni 
a Lasco trecentis coronatis aureis, hac lege, ut quoad uixero, usus 
librorum ex amicitiae iure sit illi mecum communis, proprietas tota 
penes illum sit perpetua: quod ius transibit etiam in illius heredes, si 
quod Deus ‚auertat, contingat illum prius ex humanis decedere. Interim 
indicem librorum, uelut arrabonem traditionis, habet. Quicquid interim 
accreuerit, et boc illius erit, nisi si quos codices manuscriptos magno 
contigerit emere. In his, ex:utrimsque consensu, flet moderatio noui 
contractus, dumtaxat quod attinebit ad illam accessionem. In cuius 
rei fidem dictus Erasmus hoc chirographum mea manu descripsi, affixo 
peculiari annuli mei signo Termino, ann. 1525: duodecimo Cal. Julias. 
Dimidium pretii numeretam est Hasileae 1525. alterum pretii. dimidium 
postridie D. Martini anno 1536. persolutum est. Bonifacius Amerbachius, 
nuncupatus incomparabilis D. Erasmi Roterodami heres, mea manu 
sttestor, et ego Joannes a Lasco praedicta manus meae subscriptione 

.feteor esse uerum, 

Bibliothecam meam jampridem vendidi D. Johanni a Lasko, polono, 
juxta synagraphum super hoc contractu inter nos confectam, "non tra- 
dentur libri nisi haeredi numeret ducentos florenos. Quod si ille 
pactum remiserit, aut me prior e mita excesserit, liberum. esto haeredi 
de libris statuere quod velit.“ Peignot choix de testamens anciens 
et modernes. T. I. 1829. pag. 186. 188, nach dem ia Basel befind- 
lichen Original. 


23 


A 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 19 


6. Gerard Mortaingne,.. der nun folgende Besizer 
der Handschrift, über dessen Person ich aber nichts zu er- 
mitteln vermogt habe, hat ausser seinem vollen Namen auch 
noch folgende, mit seinem Namenszuge Gm. bekräftigte 
Selbstanklage am Schlusse der Handschrift (fol. 157 ^) hin- 
zugefügt: 

Te mea rusticitas lacerauit et improbus error; 

Namque polonuın te, sed male, credideram. 

Jam perge ad doctos, melius tractandus ab illis. 

Te cheu vellem nostras non tetigisse manus. 
Auf dieses Geständnis hin können wir den Verlust einiger 
Blátter und Bilder, welche sich zu Rom noch in der Hand- 
schrift befunden hatten, und die unten bei den Abschriften 
des Arcerianus anzugeben sein werden, natürlich nur dem 
Mortaingne Schuld geben. Ob er sich auch die. Auflösung 
des alten Einbandes, und die dadurch veranlasste Verwir- 
rung in der Folge der Blätter vorzuwerfen hatte, lässt sich 
nicht mehr entscheiden. 

7. Regnerus Praedinius ist in demselben Jahre 1559 
zu Gröningen gestorben, in welchem er seinen. Namen in 
die Handschrift eintrug. 

8.. Dass die Handschrift zwischen 1559 und 1566 an 
Ludouicus Miraeus in Lyon gekommen sei, ist von Lange 
vermutet worden, weil Pierre Pithou im J. 1565 erwähnt 
hat, dass er einen dem Arcerianus jedenfals nahe verwand- 
ten Codex „aliquando“ dort gesehen habe *‘). Auch hat 
derselbe viele Varianten dieser Handschriftenfamilie in ein 


24) Pithoei aduersariorum subsiciuorum lib: ll. cap. 14: ,, Hyginus librum 
scripsit Gromatieum, im qup castra metandi et loca opportuna in bello 
capiendi rationem tradidit. eum me aliquándó. Lugdumi apud Ludouicum 
Miraeum cun aliis quibusdam Frontini de Coléniis, Limitrbus et Contro- 
uersiis agrorum libris nondum editis uidisse memini. * — 


9* 


20 BLUME 


Exemplar der Turnebischen Ausgabe eingetragen **). Indessen 
scheint doch das „aliquando“ auf eine entferntere Zeit zurük- 
zuweisen, und das gänzliche Schweigen Pithou's von dem 
hohen Alter der gesehenen Handschrift macht es mir wahr- 
scheinlicher, dass er nur eine Abschrift des Arcerianus. ge- 
sehen und benuzt habe. 

Dass Franciscus Nansius hier nicht als. Besizer der 
Handschrift eingeschoben werden dürfe, wie Niebühr ver- 
mutet hatte, häbe ich früher umständlich erörtert. Seitdem 
hat es sieh über allen Zweifel ‚herausgestellt, dass Nansius 
ausser seiner eigenhändigen Abschrift ** nur eine Hand- 

- schrift dritter oder vierter Classe besessen hat*") . 

9. Von dem nun folgenden Johann Theodoretus 
Arcerius, gestorben zu Utrecht 1604, lässt sich nur an- 
führen, dass er während seines 38jährigen Besizes der 
Handschrift mit Vorarbeiten zu einer Ausgabe der Agrimen- 
soren beschäftigt gewesen ist, welche Goesius später be- 
nuzt hat, und die sich jezt in Weimar (s. unten) befinden. 


25) Unter den gedrukten Büchern der Pariser Bibliothek mit geschriebenen 
Randnoten: F. 1791. Namentlich heisst es hier pag. 75: Quae sequun- 
tur... puto pertinere potius ad librum, qui in Cod. Ms. inscribitur 
Ageni Vrbici de cond. agrorum . . . aut rectius ad alium, qui Simplicii 
et Agenni de controuersiis agrorum titulo extat in eod. codice. ^ Ich 
verdanke meine Notizen von diesem und noch drei gleichen Exemplaren 
mit anderen Randnoten (F. 1790. 1792. 1793.) meinem lheuren Lehrer 
Savigny. vergl. Rhein. Museum VII, 205. 296. 

26) J. Rutgersius uar. lect. I, 11: „inter multa uetustatis monumenta, 
quae undique non sine ingenti labore conquisiui, agrimensorum uolumen 
habeo, descriptum manu V. C. Francisci Nansii: illud ipsum, quod 
et olim apud eum uidisse testatur Lipsius [Electorum I, 15, auch unter 
den vorgedrukten testimonia der Ausgabe ven.Goesius], et nuper non 
exiguo usui fuit Nic. Rigaltio, cui ego .ntendum miseram." vergl. 
Rigaltius in:den Noten seiner Ausgabe, peg. 92. 

27) s. oben Note 10 a. E. und: unten, die. Handschriften dritter und vier- 
ter Classe. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 21 


10. - Sixtus Arcerius, der Sohn :des vorigen, muss 
noch einige Zeit im Besiz der vüterlichen Samlung geblieben 
sein. Früher hatte ich es nur vermutet; jezt glaube ich, 
ungeachtet des von Lang e dagegen. erhobenen Widerspruchs, 
meine Vermutung beweisen zu können. Im Jahre 1697 
nämlich, als Scriver den Vegelius und Frontinus u. s. w. 
herausgab, konte er von dem Codex, den er als Arcerianus : 
bezeichnete, nichts benuzen als den abgelóseten Hyginus 
de munitionibus castrorum, nebst dem vorhergehenden Blatte; 
und er nennt noch unter denen, die ihm bei der Herausgabe - 
des Hyginus behülflich gewesen, ausdrüklich den Johann 
Arcerius und den Sixtus Arcerius. Was er vom Frontinus 
und von den Colonien angehüngt hat, das besass er, mit 
Ausnahme einiger arcerianischen Varianten, nicht aus dem 
Arcerianus, ‚sondern aus Handschriften dritter und vierter 
Classe. — So erklärt sich denn auch der oben (S. 8.) er- 
wähnte Umstand, .dass dieses abgelösete Stück die besondere 
Aufschrift: „Sum Petri Seriverii“ trägt, ganz einfach. 

11. Hierauf hat P. Scriver den ganzen Codex er- 
worben, ohne dass es dadurch zu einer weiteren directen 
Benuzung der Handschrift gekommen würe. | 

12— 14. In den lézten 189 Jahren (seit 1663) ist die 
Wolfenbüttler Bibliothek nur wührend der Jahre 1807—1814 
dieser Handschrift beraubt gewesen; denn ihre Ausplünde- 
rung durch franzüsische Commissare kan vor der unglük- 
lichen Schlacht von Jena nicht eingelrelen sein. Dass sie 
schon 1807 in Paris war, ergiebt sich allerdings aus Hase's 
Briefe an Bredow; in den Worten: „änte biennium cum 
alis ex Germania in hanc urbem apportalus “ **). 


28) Bredow epistolae Parisienses 1812 pag. 208. — Häse’s Brief ist 
datirt vom 1. März 1809; dass ‘er obige Worte schon im Jahre 1807 
gesprochen hätte, ist eine offenbare Fiction. Hienach berichtiget 


229 ' BLUMÉ 


‘Seit dem Jahr 1835 ist der Einbánd des Arcerianus 
durch einen neuen, (leider von Pappe!) ersezt, wodurch die 
früher von mir gerügten Unordnungen in der Folge der 
Blätter **) beseitiget, aber:auch die Vorsazblütter anders ge- 
ordnet worden sind *). Eine Beschreibung des. Codex von 
Ebert's Hand ist mit hinemgebunden worden . ; 

Die grosse Gefälligkeit, mit welcher die Handschrift den 
neuern Herausgebern von der Wolfenbüttler Bibliothekver- 
waltung anvertrauet worden ist, wollen wir dankbar zu rüh- 
men nicht unterlassen. 

Leider ist die Handschrift im Laufe so vieler Jahr- 
hunderte nicht aller Verderbnis entgangen. Nicht blos An- 
fang und Ende fehlen: auch in der Mitte sind Lücken in 
Menge, die sich indessen mit Hülfe der Quaternionenzáhlung 
sehr sicher berechnen lassen. Nypsus muss in der ersten, 
Agenus Urbicus in der zweiten Hälfte des Arcerianus von 
jeher vorangestanden haben; und dass die erste Hälfte als 
selbständiger Codex (bei Lachmann A) mit den nomina 
lapidum finalium (fol. 85") geschlossen war, darf aller- 
dings vermutet werden, da die Rükseite von fol. 85, welche 
nur Zeichnungen enthilt, ursprünglich wöhl die Vorderseite 
gewesen, und erst durch verkehrtes Einbinden zur zweiten 
gemacht sein könte. Was aber die lezten Stücke der zwei- 
‚ten Hälfte (bei Lachmann codex B) gewesen, ist völlig 
ungewiss; und wenn ich die Vermutung ausspreche, dass 

sich einerseits meine frühere Zeitbestimmung im Rheinischen Museum 
S. 189. 199. (1809 oder 1810) andererseits aber auch das Monitum 
von Lange, pag. 18 seiner Vorrede („ante annum 1807 *9. 

' 29) vgl. Rhein. Museum VII, 191. 195. Ebert bibl. Guelferhytana pag. 6 
lit. f. 


30) Hiemit glaube ich den mir gemachten Vorwurf . eines Irthums in mei- 
nen Blattangaben (Lange S. 12. Note 21. 24) ablehnen zu können. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 23 


mindestens noch die Auszüge aus dem theodosischen Codex 
hinter der Epistola ad Celsum gestanden, so muss ich auch 
dafür die Gründe.bis zur dritten Classe unserer Handschriften 
schuldig bleiben. Dagegen lassen sich in der Mitte folgende 
Lücken mit Sicherheit nachweisen: 

Erste Hälfte: Von Quat. I. fehlt das Susserste Doppel. 
blatt; die dret mneren smd erhalten (fol. 2 bis 7, bei Lach- 
mann A col. 1 bis 24.) | 

Quat. II ist vollständig, war aber bis vor Kurzem irriger- 
weise hinter den dritten Qualernio gebunden. (il. 15 bis 22, 
bei Lachmann col. 25 bis 56.) 

Von Quat. III (fol. 8 bis 14, bei Lachmann col. 57 bis 
pag. 72) fehlt das lezte, achte Blatt. (Goes. p. 42. 43. super- 
fuit sicut, bis cuius 'forte.) - 

Von Quat. IV (fol. 23 bis 29, pag. 73 bis 86) das zweite 
Blatt. (Goes. p. 215: limitum prima, bis diuidebat.) 

Quat. V. VI (fol. 30 bis 45, pag. 87 bis 118 sind voll- 
ständig und richtig geordnet. 

Von Quat. VII sind nur fünf Blätter (fol. 46 bis 50 
pag. 119 bis 128) vorhanden. Es fehlt, zwischen fol. 48 und 
49, das vierte Doppelblatt und die zweite Hälfte des dritten 
(Goes. p. 160: congressionum multitudines, bis p. 166: rectura 
seruetur.) 

Quat: VIII (fol. 51 bis 58, pag. 129 bis 144) sind in den 
Blattzahlen vollständig, allen von der neunten ist beim 
Hyginus de. limitibus, mit den Bildern ein grosser Theil 
des Textes weggeschnitten. | 

Die neunte Lage (fol. 59 bis 67. pag. 145 bis 158) be- 
steht nur-noch aus sieben Blättern, denn das zweite ist weg- 
geschnitten, war auch vermutlich nie beschrieben. Zwei 
verstümmelte Blätter sind dagegen doppelt gezählt, weil sie 
je aus zwei Stücken (59. 60 und 61. 62) bestehen. 


24 : . BLUME 


' Quat. X (fol. 68 bis 74, pag. 159 bis 172) fehlt das sie- 
bente Blatt (Goes. p.70 1. 10 sibi uindicare, bis pag. 7 7 ! 1. 14 
inter resp.) 

Quat. XI (fol. 76 bis 80, pag. 173 bis 184) fehlt das 
fünfte und siebente Blatt (Goes. p..346. 347 vor testimonium 
perennitatis, und p.'348 hinter der lex Tiberi:) Auf dem 
siebenten scheint nur die Zeichnung gestanden zu ‚haben; 
die sich jezt fol. 72^ der Jenaer Abschrift finder. 

Quat.-XII (fol. 81 bis 85, pag. 185° bis 103.) fehlt das 
fünfte, siebente und achte Blatt, Was darauf. gestanden, ist 
nicht mit Sicherheit anzugeben; wahrscheinlich ist aber auch 
das ‘Vorhandene gar nicht die Fottsezung des vorhergehen- 
den Quaternio, welcher mit der Rubrik: „Incipit liber Marci 
Barronis de geometria ad rufum feliciter silbium** endet; 
denn quat. XH beginnt mit Erläuterung der Casae litterarum, 
in der Manier des Innocentius, Für die Vermutung, dass 
ein ganzer (Juaternio verloren gegangen sei (beziffert sind die 
Blattlagen in der ersten Hälfte der Handschrift nicht) spricht 
"namentlich noch der Umstand,- dass die. Jenaer Abschrift 
hier wenigstens eine Seite (146) mehr- hat, . - 

Die zweite Hälfte der Handschrift besteht aus neun 
vollständigen Quaternionen (fol. 86 bis 157, bei Lachmann 
B col. 1 bis 288); doch bricht die neunte gleich am Anfang | 
der Epistola.ad Celsum (Goes, p. 28: ueniat omnia) ab. 

Diese. Lücken sind nun zwar gröstenteils schon im 
sechzehnten Jahrhunderte da gewesen; allein Einiges war 
. doch, wie zwei Abschriften des Arcerianus beweisen, damals 
noch vollständiger. Wir haben nämlich in einer vaticanischen 
und eiher jenaischen Abschrift, deren hernach näher zu ge- 
denken sein: wird, | 

l} den Hyginus de limitibas mit: vollständigen Zeich- 
nungen, also aus der ersten Hälfte, ohne die Lücken des 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 25 


siebenten und neunten Qualernio: nicht. aus der zweiten 
Hälfte des Arcerianus, welche gar keine Feichnungen ent- 
hält; 

2) die Epistola ad Celsum, welche den: Schluss des 
Arcerianus B bildet, . vollständig; ; 

3) ist das fünfte Blatt des elften Qusternio aus der 
ersten Hälfte, zwischen fol. 78 und 79 .in der valicanischen 
sum Theil, m der jenaischen Abschrift wahrscheinlich 
ganz erhalten. Die vaticanische Abschrift‘ enthält fol. 69^ 
nur den bei Goes. p. 346. 347 gedrukten Anfang der s. g. 
lex Tiberii de sepulchris, die jenaische fol. 71^ vorher noch 
die räthselvolle Stelle, welche S. 244 unserer Ausgabe ge- 
drukt, und deren. Verwandschaft mit Goes. p. 119..120. 145. 
unverkennbar ist. 

4) die jenaische Abschrift enthält fol. 73b noch zwei 
höchst eorrumpirte Bruchstücke, welche zu dem verstüm- 
melten zwölften Quaternio der ersten Hälfte gehört zu haben 
scheinen: in der vaticanischen Abschrift fehlen beide. Das 
erste war schon von Rigaltius aus der Heidelberger Hand- 
schrift herausgegeben (pag. 347. Goes. 117, in uns: Ausg. 
$.225, 3— 13), es.hat aber in der. jenaischen Handschrift 
die offenbar falsche Rubrik: „Incipit. liber Marci Baronis de 
geometria ad Rufum. Prouincia Calabria.^ — Das zweite 
ist nur durch zwei Zeilen aus M. Junius Nypsus: , Pyrrus 
Mensurarum sunt genera tria rectum Planum solidum| Rec- 
tum“ von dem ersten getrennt?!) 

Dagegen fehlt beiden Abschriften, so wie den bisherigen 
Ausgaben, was im Arcerianus den Schluss der ersten Hälfte 


31) Gedrukt im Rhein. Mus. VII, 193, in unserer Ausg. pag. 246, 10 bis 
23. Ob etwa diese eben so räthselvollen Fragmente von der ver- 
lorenen Constitutionensamlung des Hyginus (Rhein. Mus. VII. 169; 
in uns. Ausg. p. 133 lin. 14— 106.) herstammen? 


| 26 s BLUME 


(fol. 84^. 85*-^) ausmacht, und was jezt erst durch die Er- 
günzungen des. Erfurter Codex einen verständlichen Inhalt 
(S. 249. 250 unserer Ausgabe) erhalten hat. Denn fol.:84% 
enthält, ausser der Rubrik: ex libro Balbi nomina lapi- 
dum finalium, nur wenige der allereinfachsten geometri- 
schen Figuren, welche kaum ein Fünftel der ganzen Seite 
füllen; fol. 85^ ist mit Bäumen, Hügeln, Häusern und Flüs- 
sen bemali; und in der Mitte, auf fol. S5 ^, befinden sich 
neben. einander drei cippi, die beiden lezten unausgefüllt, der 
erste mit der S. 251 unserer Ausgabe, und früher schon bei 
Gruter pag. 1078 No. 6 abgedrukten Inschrift. _ 

Unter diesen drei cippi enthält dann jene mitlere Seite 
nur noch die von Lachmann meistens in die Note ver- 
wiesenen sechs Zeilen. | 

Wenn wir aber jene Verstümmelungen, die den Arce- 
rianus im l6ten Jahrhunderte betroffen, vorhin sofort dem 
Gerhard Mortaingne zuschrieben, so hat er dies zwar 
zunächst seiner eigenen Selbstanklage beizumessen;. es komt 
aber noch hinzu, dass seine Distichen gleich hinter der ver- 
stümmelten Epistola ad Celsum stehen, und dass das Her- 
ausschneiden der Bilder wohl gar als eine kleine Entschul- 
digung für die Vernichtung des Textes gelten dürfte. Denn 
aus reinem Muthwillen hätte ein Mann, der üchte Wissen- 
schaft ehrte, und dies in lateinischen Versen auszudrücken 
wusste, auch wohl einen vermeinten polnischen Autor nicht 
zerstückelt; die Manie, Miniaturbilder zu sammeln, mag ihn 
zu dem ersten Schritte verleitet haben, worauf dann die 
Verwahrlosung des Uebrigen, bis er seinen Irthum gewahrte, 
weniger Anstand finden konte. 

Nächst diesen Verstümmelungen komt aber noch die 
seltsame, Note 7 erwähnte Interpolation des Textes in Be- 
tracht, welche einen Theil des Agenus Urbicus dem gar 





Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 27 


nicht existirenden Autor Simplicius zugeschrieben hat. 
Der eigentliche Sachverhalt war schon von Rigaltius uhd 
mir errathen, ehe die nähere Untersuchung des Arcerianus 
im ausser allen Zweifel gesezt hat. Die Handsehrift ent- 
hält nämlich fol. 94^ die Worte: „Satis, ut puto diluade 
genera controuersiarum.exposui: nam et simplicius enar- 
rare conditiones earum existimaui, quo facilius ad 
intellectum. peruenirent (Lachmann pag, 89 lin. 25.). .Da nun 
auf dem nächsten Blatte schon von dem Schreiber der Hand- 
schrift der vermeinte Anfang eines neuen Buches durch die 
Worte INCIPIT LIB. bezeichnet war, so erinnerte eine andere, 
sehr: alte :Hand durch den Zusaz finpliciuf an das ver- 
meinte Vorhaben des Autors, die Sache noeh einfacher vor- 
zutragen; und eine zweile, die den Namen des Autors darin 
zu finden meinte, machte durch Correctur finplicii daraus. 
So steht es 95^ der Handschrift zu lesen. (vgl. Lachmann 
pag. 62 lin. 16.) 

Ich habe nach diesen Erörterungen über den Stammvater 
der arcerianischen Familie nur noch die bisherigen Abdrücke 
des ihm eigentümliohen Inhalts zusammenzustellen **). 

1) Der Anfang des. Nypsus stand, aber nur nach Hand- 
schriften der zweiten Classe, schon in allen Ausgaben (bei 
Goesius pag. 299—301) unter dem Namen des Dolabella: 
das übrige, samt Epaphroditus und Vitruvius Rufus 
teilweise, jedoch gleichfäls aus andern Handschriften, hinter 
den sämtlichen Werken des. Boethius (Basel 1570 fol.); 
sodann aus Papieren von Carl Lange, welche für Aus- 
züge des Arcerianus gelten kónten?), hinter Andreas 


32) Was in unsere Ausgabe aufgenommen ist, ergiebt sich aus Lach- 
mann’s Tabelle pag. VIII. 

33) „Ex schidis olim Caroli Langii, hominis doctissimi manu descriptis. ** 
Dié Lücken, welche diese Auszüge übrig lassen, finden sich pag. 20. 24 
von Schott's Ausgabe. 


28 BLUME 


Schott’s tabulae rei numariae, Antwerpen 1616: 8. ‘Un- 
mittelbar aus dem Arcerianus hat erst Hase, in Bredow's 
epistolae 'Parisienses, Lips. 1812. -8. p.201— 242, einige 
Bruchstücke sowohl in ächter als in verbesserter Gestalt ab- 
drucken lassen. ^ 

2) Die Einleitung zum Hyginus de limitibus (Goes. 
p. 150) ist, nebst Varianten zu andern Stücken,. schon von 
Turmebus p. 256. 257. gegeben worden.. 

3) Die arcerianischen Stücke de coloniis sind wahr- 
scheinlich schon bei der römischen Ausgabe von 1560, welche 
sie insgesamt dem Frontinus zuschrieb, mittels einer. Ab- 
schrift mit benuzt worden. Scriver’s Ergänzungen (1607) 
beruhen auf einer Handschrift dritter Classe, und dieser 
Text ist bei Keuchen (1661) unverändert geblieben, der 
nicht einmal Seriver's Noten vollständig wiedergiebt, und 
seine in der Vorrede angekündigte Benuzung des „alter 
Arcerianus * schuldig bleibt *?*). 

4) Hyginus de munitionibus castrorum nebst dem vor- 
hergehenden Blatte zuerst mit Vegetius, von P. Scriver 
(Leyden 1607. 4.), dann mit einer genauen Probe des hand- 
schriftlichen Textes, aber ohne das vorhergehende Blatt, von 


33a) Die Register der Colonien zerfallen bei Seriver in drei Hauptstücke: 

1. Die der römischen Ausgabe, pag. 173 — 185, Goes. pag. 102—119. 
. Die turnebischen Stücke, pag. 186—192, Goes. 119, 6—128, 4. 

3 Die Stücke des Codex Nansianus, pag. 197—208, Goes: 128, 5 bis 
143, 26. 

Dazu kommen bei Rigaltius und Goesius noch drei eingeschaltete 

Supplemente aus dem palatinischen Codex, und ein Anhang aus der 

demonstratio artis geometricae, nämlich : 

1. Goes. pag. 117, die lezten 10 Zeilen (Pars Piceni). 

2. Goes. pag. 119, 5: die Worte: ija et per Tusciam. 

3. Goes. pag. 143, 27 bis 147, 

4. Goes. pag. 147 bis 149: die angehängten fragmenta terminalia. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 29 


R(adbod) S(chele), Amsterdam 1660. 4. Endlich 1848 
wesentlich. verbessert von Lange (oben Note 2.). 

5) Zum zweiten Buche des Frontinus, von welchem 
Scriver 1607 ein Fragment de limitibus aus einem Codex 
dritter Classe herausgab (pag. 159—162, in uns. Ausg. 27, 
13— 34, 13) hat derselbe.am Rande arcerianische Varianten 
hinzugefügt. Den Arceriamus nennt er bei dieser Gelegen- 
heit nicht; er spricht nur (p. 164) von zwei sehr alten aber 
fehlerhaft geschriebenen Codices, die er benuzt habe. 

6) Im Jahre 1614 hat Rigaltius ein grosses Stük des 
Aggenius Vrbicus (cum per omnium u. s. w. pag. 144 
seiner, pag. 77 unserer Ausgabe) nach Abschriften des 
Arcerianus hinzugefügt; auch ‚sonst Einiges in seinen Noten. 
Den Innocentius und die pars Piceni (P 22A. 3a) nahm 
er aus dem Heidelberger Codex. 

7) Goesius lieferte im J. 1674 zuerst daà als Simpli- 
cius bezeichnete Stük des Aggenius Vrbicus, aber nicht 
vollständig (pag. 76-69, in unserer Ausg. p. 62, 17 ff.) 

8) Der Rest dieses Pseudosimplicius steht im Rhein. 
Museum Bd. V. Num. 7. S..369 —373. Das Ganze (6— 8) 
in Lachmann's Programmen zum Berliner Lectionskatalog, 
März 1844 und Juli 1844. 

9) Hyginus de controuersiis agrorum: zerstückelt in 
Rigault's Anmerkungen; vollstindig, hach August Hoff- 
meister's Abschrift, Bd. VII Num. 6. des Rhein. Museums. 

10) Endlich die -Fragmente des zwölften Quatermie, in 
der ersten Ausgabe dieser Abhandlımg (Rhein. Museum Bd. VII. 
S. 192—195.) “ 

Demnach ist nur noch von: Nypsus, Epa phroditus 
und Vitruuius Rufus Einiges ungedrukt geblieben; alle 
früher erschienenen Stücke aber bedurften einer durchgángigen 
neuen Collation des Textes, und bésonders einer treuen Nach- 


30 , BLUME 


bildung der noch vorhandenen Zeichnungen und Miniaturen, 
bei welchen die früheren Ausgaben sehr: ımzuverlässig waren. 


II. Die Zusammenstellung der Abschriften und Aus- 
züge des Ärcerianus würde vielleicht fast alle Codices, 
in welche der Name des Boethius eingemengt ist, mit 
umfassen können;. da aber diese Familie als ‚vierte Classe 
einer besonderen Untersuchung vorzubehalten ist,. so be- 
schränken wir uns vorerst ganz auf die neueren Copien 
des Arcerianus. Zwei derselben, die Jenaer und die valica- 
nische, haben Ergänzungen ihres später beschädigten Originals 
geliefert; Andere boten so manche: Abweichungen in ein- 
zelen Lesarten, dass man der Versuchung, sie -für selb- 
ständige Ueberlieferungen zu halten, nicht immer wider- 
standen hat. 

Es sind im sechzehnten Jahrhunderte wenigstens: sieben, 
vielleicht acht solcher Abschriften und Auszüge angefertigt 
‚worden; als jezt vorhanden können aber nur fünf noch nach- 
gewiesen werden. 


1. Die Abschrift des Basilius Zanchi. 


Nach den vorhm..(S. 13. 14.) mitgeteilten Angaben 
des Metellus Sequanus müssen wir annehmen, dass 
Basilius Zanchi gegen das J. 1525 die bobienser Hand- 
schrift copirt oder excerpirt habe.‘ Diese Abschrift war also 
verschieden von seinen Copien der Codices dritter Classe, 
deren erst unten näher zu gedenken sein wird. 

Nicht erweislich, aber doch wahrscheinlich ist es, , dass 
uns Zanchi’s Abschrift. noch jest in. dem vaticanischen 
Codex (No..4) erhalten ist. 


2. 


\ 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 3l 


Der Auszug des Metellus Sequanus, später 


codex. Memmianus, Colbertinus, Parisiensis 


regius 7229? 


Auch von diesem ist schen oben die Rede gewesen: 
er war, wie wir gesehen, nicht direct aus dem Original, 
sondern aus Zanchi's Abschrift veranstaltet worden. 

Von der Benuzung desselben durch Tilius und Gen- 
tianus Hervetus wird erst bei No: 3 zu reden sein; seine 
spätere Geschichte beruhet zunächst auf Angaben von Ri- 
galtius *5, Diesen zufolge hätte Aemar Ranconnel, der 
auch schon bei der Pariser Ausgabe von 1554 mit gehol- 
fen **), die Excerpte des Metellus Sequanus durch eigen- 
händige Correcturen und Zeichnungen. verbessert und ver- 
vollstindigt; so seien sie von ihm (Rigault) in der Sam- 
lung des Jean Jacques de Mesmes (Memmius) benuzt 
worden °°). 


34) 


35) 


36) 


pag. 6. 7. 9. 105. 107. der Noten seiner Ausgabe von 1614, bei 
Goesius pag. 210. 211. 212. 260. 261. 

Rigaltius pag. 7% In ceteris Agrimensorum, qui hoc volumine conti- 
nentur collectaneis, praeterquam in Fragmentis illis Terminalibus, quae 
una cum plurimis lectissimisque codicibus eximii uiri Nicolai Fabri 
testamento ad praestantissimum Thuanum peruenerunt, Turnebi editionem 
imitari atque exhibere placuit: eoque libentius, quod illam ab Aemaro 
Ranconeto Praeside Parisiensi, hortatu Ioannis Tilii Meldensium episcopi 
accuratam fuisse... deprehendi.“ — Ranconnet scheint eine be- 
sondere Ausgabe der Agrimensoren in Verbindung mit anderen vor- 
justinianischen Rechtsüberlieferungen beabsichtiget zu haben (vgl. Rhein 
Museum VII S. 200, 201); allein er starb schon 1559. 

pag. 6: „Frontini libellum parte illa, qua de mensuris agit, auctiorem 
edidimus, suadentibus in amplissimi viri To. Iacobi Memmii bibliotheca 
scidis, ex vetustissimo Angeli Colotii exemplari olim Romae ah Io. Metello 
Sequano descriptis. — Aggenum de Conutrouersiis hactenus ineditum 
eadem bibliotheca et scidae aliae. . . suppeditarunt.“ — pag. 105: 
„In lib. Mem. menu Aem. Ranconeti.. reperi... Sequentes figurae 
ipsius Ranconeti manu delineatae sunt. dejnde sequitur liber... ab 
eodem emendatus. — pag. 107: ,, Hic etinm Hygeni liber in eodice 
Meminiano Ranconeti manu emendatus est, figuris ab eodem delineatis.* — 


32 BLUME - 


Nach dieser Ueberarbeitung konten die Metellischen 
Exeerpte natürlich ‘nicht mehr durchweg mit dem - Original 
übereinstimmen ; die früher von mir nachgewiesenen Ab- 
weichungen ?"). brauchen jezt nicht mehr erwähnt zu werden. 

Metellus Sequanus ‚scheint. sich schon vor dem J. 1554, 
als er mit Antonius Augustinus nach England ging, 
seiner eigenen Handschriften entäussert zu haben; denn auch 
in die Vaticana und in die Barberina zu Rom sind deren 
gekommen *?). i 

Dass aber der Codex des Memmius mit dem spáteren 
Colbertinischen, der.sich jezt in der. grossen. Pariser Bibliothek 
befindet, identisch sei, beruhet auf der, nach den Handschriften- 
katalógen *^) sehr glaubwürdigen Angabe von Hase **). 


3. Die Abschriften des Tilius und Gentianus 
Hervetus. 


. Metellus legt ein besonderes Gewicht darauf, dass die 
Pariser Editoren durch ihn mit. den Cololianischen Stücken 
bekant geworden seien. In dem zu Cöln 1564 geschriebenen 
Blatte des Cod. Palatino - Vaticanus sagt er: er habe seine 
Handschrift dem Tilius zum Lesen gegeben *); in dem 


37) Rhein. Moseum Vii, 199. 200. 

38) Andres praef. ad Anton. Angustidi epistolas. 1804. pag. 41—59. —- 
Von der barberinischen Handschrift wird- unten bei der dritten Classe 
zu reden sein. - 

39) Montfaucon bibliotheca bibliothecarum pág. 946A: Cod. 1182. — 
Catalogus codd. miss. bibl: reg. T. IV. pag. 329 No. 7229. Dass die 
Handschrift hier'in.da& siebzehnte Jahrhundert gesest wird; ist sehr 
wohl einem. ganz verzeihliehen Irthum zuzuschreiben. vergl. Rhein. 
Museum VH. 201. 202. 

48) In Bredow's epp. Paris. 1812.. peg. 211: Nieolaus Rigaltius . ex 

. manco et recenti omnineque pessimo exemplari, quod . in 
Bibliotheca Parisiensi servatur No. 7229 inter codices latinos. = 

41) „Parisiensis codex [d. h. die von den Pariser Editoren 1554 erwähnten 

Mitteilungen’ des Her vetus, s. Note 43.] manauit a Jo. Tylio Angolemensi, 


- 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 33 


Rottendorfisehen Exemplar der Turnebiana zu Leyden hin- . 
gegen (oben S. 14) ist von einer. dem "ilius gestatteten 
Abschrift die Rede. Auch in diesem Puncte wird der 
zweiten Notiz, als der genaueren der Vorzug gebühren, da 
sich in die erste ein sehr arger Irthum über die Handschrift 
von S. Omer eingeschlichen hat, der nur sein Zeugnis über 
den Inhalt seiner eigenen Arbeit nicht zu schwüchen vermag. 

Auch Galland, in seiner Vorrede zu der Turnebischen 
Ausgabe von 1554, erzählt von einer nachträglichen Mit- 
teilung derselben Stücke aus Italien *); nur nennt er später 
nicht den Tilius, sondern den Gentianus Hervetus *?). 
Dieser Widerspruch ist leicht zu lósen, denn Hervetus 
stand. mit Tilius wie mit Metellus in näherer Verbindung. 
Er hat noch nach dem J. 1545 em Stük der Basiliken bei 
Antonius Augustinus, dem nahen Freunde des Metellus, 
abgeschrieben, und da er als Begleiter des Cardinal Cervini 
auf dem Concil zu Trient verweilte, so mag auch jene Ab- 
schrift des THius einige Zeit in seinen Händen geblieben sein. 

Der Inhalt dieser Papiere war, nach den von Turnebus 
pag. 247—256 mitgeteilten Varianten, mit dem Text unseres 
Arcerianus ganz übereinstimmend; eine einzige Abweichung 
muss auf einem Versehen beruhen, und bei emer anderen 


Episcopo Meldensi, cul et Romae codicem meum legendum 
dedi. sed adhibitus fuit alius uetustus, ex sancti Bertini apud Audomari 
fanum in Flandris bibliotheca, cui, ut et meo, inerant, Epaphroditi, 
Vitruuii, Ruffi; Simplicii, Balbi et Hygini de castris metandis fragmenta, 
sed uitiosissima. [Sie standen gar nicht in der Handschrift von S. Omer, 
dem jezigen Gudianus.] 
42) s. oben S. 14.. 
43) pag. 256: . . „collato libro nostro, quem de vetustissimo iam im- 
. presseramus exemplari, cum codice, quenx ex Italia exportatum impertitus 
est nobis candide Gentianus Heruetus. quibus vos vtemini literarum 
bonarum studiosi, dum et his alia maiora, et haec ipsa locu- 
pletiora paramus.* 


Römische Feldmesser II. 3 


34 BLUME 


Stelle muss ein Codex zweiter Classe, wahrscheinlich der 
Palatino-Vaticanus, benuzt worden sein *). | 

Dass die Notizen des Hervetus nach einmal gemach- 
tem Gebrauche noch sorgfältig bewahrt worden wären, ist 
kaum zu erwarten. ‚Rigault scheint zu sagen, dass er 
einen besonderen Codex Herueti benuzt habe; .aber seine 
Mitteilungen gehen nicht über die gedrukten Varianten der 
‚Pariser Ausgabe von 1554 hinaus *°). 


4. Die vaticanische Abschrift, Cod. 3132. 


Auf Papier in Grossfolio: seht sorgfältig und gleich- 
mässig geschrieben, mit Wiederholung aller Zeichnungen, 
nur ohne Farben. Auf dem sehr breiten leer gelassenen 
Rande finden sich, ausser dem Namen des .jedesmaligen 
Autors, mitunter auch einzelne im nebenstehenden Texte vor- 
kommende ‚Kunstausdrücke wiederholt, Eine neuere Hand 
hat bei den Worten Mons. est u. s. w. (dem Anfang des 
zweiten Quaternio des. Árcerianus) auf Schott’s Ausgabe 
verwiesen: ,Edidit haec And. Schottus . Antwerp. 1616 “, 
und beim Pseudosimplicius die Variante: „in alio codice: 
Incipit Ageniurbici de controuersiis agrorum, nachgetragen; 
dagegen hat schon der Abschreiber an, dieser lezten Stelle 
zu dem Worte Simplicius bemerkt: ,hoc additum aliis 
literis puto adulterum, und fol. 104*,. bei der Epistola ad 
Celsum, hinzugefügt: „Lege P. Crinitum Ii. XXI cap. X et 
commentaria, in poeticam. Lege Isidorum. Lege Censorinum.“ 
Ein angehängtes  alfabetisches Verzeichnis scheint etwas 
neuer, und hat jedenfals noch spätere Zusäze erhalten. — 
Der 110 Blätter füllende Text theilt zwar im Frontin alle 
Lücken des Arcerianus in seiner jezigen Gestalt; dass er 


44) Rhein. Museum VII, S. 187. 188. 
45) vgl. Niebuhr römische Geschichte Il, 549 der ersten Ausgabe. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren: 35 


aber mitunter aueh vollständiger. sei als dieser, ist schon 
vorhin (S. 24. 25.) erörtert worden. Unedirte Zeichnungen 
. finden sich noch bei der Pars II des Agenus (fol. 61. 62. 64. 
66.) zu Goesius (pag. 67. 68. 69. 72. 74. 75.) und hinter 
der fluminis uaratio (fol. 68. 69., zu Goes. p. 285) 
Das Citat aus Crinitus beweiset, dass diese Abschrift 
nicht vor dem J. 1504 entstanden sein kan; andererseits 
aber darf aus. mehreren Gründen vermutet werden, dass sie 
inRom gefertiget wurde, bevor der Arcerianus von dort 
weg über die Alpen entführt wurde. Denn ausser dem vor- 
anstehenden päbstlichen Wappen enthält sie am Ende das 
Wappen eines Cardinals — .einen aufrecht stehenden Löwen, 
im rechten Vorderfuss einen Degen: die Vaticana hat sie 
also.erst aus der zweiten Hand erworben. Dass sie vor 
dem J. 1636 dorthin gekommen, würde der vor diesem Jahre 
vollendete MRaynald’sche Katalog, in welchem sie bereits 
verzeichnet ist, sogar direct beweisen ‘°); da sie aber in der 
Numerirung fast unmittelbar auf die, Sixtus IV (f 1481) 
betreffenden Handschriften (z. B. Cod. 3084. 3103) folgt, und 
jedenfals vor den im J. 1600 hinzugefügten Orsinischen 
(z. B. Cod. 3226. 3867) noch ziemlich weit voransteht, so 
muss sie aller Wahrscheinlichkeit nach schon in der zweiten 
Hälfte des sechszelinten Jahrhunderts erworben sein. Denn die 
lateinischen. Handschriften der Vaticana sind, mit seltenen 
Ausnahmen, noch immer nach. der Zeit ihrer Erwerbung ge- 
ordnet *). Dies und das eben erwähnte päpstliche Wappen 
— der Basilisk der Familie Boncompagni**) — sezt es 

46) Montfaucon bibl. I, 108., verglichen mit meinem Iter italicum III, 105. 

AT) Iter italicum III, 104. 105. 

48) Freilich ohne Drachenschwanz, wenn ich mich recht entsinne; aber auch 
in Ughellis Italia sacra II, 394. 761. VI, 180. VIL, 860 der zweiten Aus- 
gabe finde ich meist nur die vordere Hälfte des geflügelten Ungeheuers 
in diesem Wappen. 

, 3* 


36 . .BLUME 


wohl ausser Zweifel, dass Gregor XIII (1572— 1585) die 
Vaticana mit dieser Handschrift bereichert -habe. 

Meiner Ueberzeugung nach kan diese Abschrift keine 
-andere sein, als die des Basilius Zanchi (Num. 1.). 


5. Die jenaische Abschrift. 


Einhundert und vier Blätter in Kleinfolio, Schrift des 
16ten Jahrhunderts; einzelne Blätter smd unbeschrieben. 

An dieser wichtigen. Handschrift, deren schon oben 
(S; 24. 25.) gedacht worden ist, haftet noch manches Räth- 
.sel. Sie ist im J. 1827 von dem leider zu früh verstorbenen 
‚Zimmern der Bibliothek zu Jena geschenkt worden; wo- 
her er sie hatte, wissen wir nicht. Ich habe die Schriftzüge 
für französisch oder niederländisch gehalten; Laehmann 
und Pertz halten sie eher für italienisch. Dass sie vor den 
:lezten Verstümmelungen des Arcerianus durch. Mortaingne 
(oben S. 19. 26), also vor 1559, ‘angefertigt worden, leidet 
keinen Zweifel; aber für vorerasmisch (1528) kan ich sie 
nicht halten, da síe die entschiedensten Spuren einer kritischen 
Beherrschung des Stoffes an sich trägt. In det Mitte des 
sechzehnten Jahrhunderts dagegen, nümlich in das Jahr 
1556, fält die erste Erwähnung einer Lesart des Arcerianus 
durch Cujas “) der von nun an öfter den Ággenus- Vr- 
bicus anführt?, ohne doch das hohe Alter der von ihm 
benuzten Handschrift hervorzuheben, oder wenigstens: wie 
Pithou*!, der verkehrten Lesart Simplicius auch nur 


49) Cuiacius ad fr. 4 de Vsurpationibus in fine (Opp. omn. T. D): „at 
ut ex libris scriptis: didicimus, sic apud Agenum legendum est.“ 

50) €uiacii obss. V, 17: „Aggenus Vrbicus libro: secundo.^ — X, 2: 
„integer Vrbicus.“ 

51) In der Randbemerkuug zur S. 75 des Pariser Exemplars F. 1791 der 
turnebischen Ausgabe: „Quae sequuntur... puto pertinere potius ad 
librum, qui in Cod. Ms. inscribitur Ageni Vrbici de condit. agrorum . . . 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 37 
zu gedenken: Bediente er sich nur der jenaer Abschrift, in 
welcher ‘dieser Name feblt, so verliert diese Nichterwähnung 
ales Auffallende. So kan ich denn auch jezt noch. nur an 
der Vermutung festhalten, dass diese Abschrift einem Freunde 
oder Schüler des Erasmus oder Cujas zuzuschreiben sei. 
Eine eigene Handschrift der Agrimensoren scheint Cujas 
nie besessen- zu "haben '*). 

Die vorhin behaupteten Anzeichen einer planmässigen 
Kritik aber lassen sich an dem Umstande erkennen, dass der 
Schreiber aus beiden Hälften des Arcerianus die gleichartigen 
Stücke zusammen geschrieben hat. Seine Anordnung ist, 
nach Lachmann’s Zusammenstellung 'mit seiner tabellari- 
schen Uebersicht des Arcerianus, folgende: 

fol 1°. Incipit hber Higini (de munitionibus ' castrorum, 

, z B. 157—207.) 

fol. 10^. Higini constitutio (= A. 110— 159. B. 208—283, 
mit den drei Lücken der Handschrift À, denn der 
ergänzte Text ist aus B, die Zeichnungen fehlen.) 

fol. 315. Lex Mamila (= A 159—161.) 

fol. 325. Dieselbe (= B 283—237.) 

fol.34*. Higinus de limitibus (= B 91—156.) 

fol. 46*. Ageni Vrbici de Controuersiis agrorum (= A161 bis 
179. B 1—38. Das Ausgeschnittene fehlte schon.) 

fol. 54*. Liber Ageni Vrhici II (— B 39— 91, aber ohne 
den Namen Simplicius. Am Schlusse: Exp. Liber 
Ageni,) 

fol. 62^. Liber Balbi (= B288, aber mit den Fortsezun- 
gen der Handschriften zweiter Classe, 
pag. 97—108 unserer Ausgabe.) 

aut rectius ad alium, qui Simplicii et Agenni de controuersiis agrorum 


titulo extat in eod. codice.“ s. oben S. 19. 20. 
52) vgl. Rhein. Museum VII, S. 206. 


38 


. fol. 71^. 
fol. 71^. 


fol. 725. 


fol. 73*. 


fol. 735. 
fol. 74*. 


BLUNE 


Incip& fluminum uaratio (= B 179. 180.) 

Incipit lib. nomina agrimensorum (ehlendes 
Blatt hinter A 180.) 

De Sepulchris (Desgleichen und.— A 181. 182.) 
Zeichnung von dem nach A 182 fehlenden 
Blatte. | 

Ratio militiae adsignationis prima (= A 183. 184. 
Am Ende, aber von anderer Hand: Incipit liber 
Marci Varronis de Geometria ad Rufum; nebst 
den Zeichnungen von A 184.) 

Prouincia Calabria (verlorenes Blatt von A.) 
lulii Frontini de agrorum qualitate (= A 60 bis 
82. Vor 72 und. nach 74 fehlten schon die Blät- 
ter, und pag. 69. 70- erscheinen eben so verstüm- 
melt wie jezt im Arcerianus. Dagegen finden sich 
67 und 68 jezt. fehlende Zeichnungen, 68 auch 
einige fehlende Worte.) 


fol. 82^ bis 84^. sind leer. 


fol. 85^. 
fol. 92^. 
fol. 925. 


fol. 93*. 


fol. 96^. 


Lib. Augusti Caesaris et Neronis (= A 2-10) 
Nomina Agrorum (= A 1%.) 

Nomina limitum (== A 191. Die nächstfolgenden 
Seiten 192 u. 193 von A fehlen; indessen sind fol. 92 
und 93 der jenaer Handschrift zusammengeklebt.) 
iugera ducentena etc, (= A 5—-20 zu Ende. 


Darunter steht: „Deficit“.) 


erit pars citrata (= A 1—4 zu Ende. Dann ohne 
Unterbrechung, als ob es dahin gehörte,. auf 
fol. 96^ Zeile 2: Zeichnung und Text von A 21 
bis 60 zu Ende. Schluss und Unterschrift auf 
fol. 104°.) 


Aus dieser Tabelle ergiebt sich, dass die ‚jenaische Ab- 
schrift alle Stücke des: Arcerianus enthält, mit Ausnahme 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 39 


der easae (A 185—190) und weniger Worte vom Schluss 
der ersten Hälfte (A 192—194). 


6. Die Abschrift des Nansius (+ 1595.). 


Diese Abschrift hatte schon Justus Lipsius gesehen?) 
und Rutgersius verborgte sie an Rigaltius '). Sie war 
von der eigenen Hand des Nansius‘’), stimmte i der 
Regel mit dem. Arcerianus überein °*), war aber verschieden 
ven der jenaischen Abschrift. Denn sie hatte, wie die vali- 
canische, die Pars II des Agenus unter dem Namen des 
Simplicius *"). Verschieden davon war auch ein Nansianus 
dritter und Einer vierter Classe **). M 


7. Der Auszug des Joseph Scaliger (t 1609), 
jezt Ms. Scal. 56 A in Leyden. 


Rigaltius, not. p. 4. 5. (Goes. 209. 210): „Bonam 
centonis illius [nämlich des Siculus Flaccus} partem in 
" complures diuisam lacinias reperi inter alia fragmenta, quae 
losephus Scaliger ex.peruelusto loannis Arcerii codice de- 
scribi curauerat, Hygeni nomine nuncupata. — Diese Schil- 
derung hat jezt der Augenschein bestätigt **). Es sind Ab- 


53) I. Lipsii elector. I, 15, auch vor der Ausgabe von Goesius. ^ 

54) Ian. Rutgersius uariarr. lectt. I, M, zum Theil ebenfals bei Go esius. 

55) Rutgersius a. a. O. 

56) Rutgersius l. c. (bei Goesius weggelassen): „Inter alios erat 
Hygini gromaticus, siue de castrametandi ratione liber, ut omnia illius 
uiri, doctus sed in quo uix ulla uox restabat, quae esset sana. Est 
quidem is uulgatus a Scriuerio, uerum ita, tt nihil a meo discrepet, 
cum ille ex Arcerii libris, e quibus Nansius meum de- 
scripserat, efiam suum hauserit. — Eine kleine Abweichung be- 
merkt Rigaltius not. p. 92. (Goes. p. 2523.) 

57) Rigaltius not. p. 6. (Goes. p. 210.) 

58) vgl. oben Note 10. Num. 138, und unten die beiden lezten Hand- 
schriftenclassen. 

59) Die früheren Berichte über diese Handschrift (Rhein. Mus. VII, 376) 
beruhen auf einem Misverständnis. 


- 40 BLUME 


schriften aus. beiden Theilen des. Arcerianus, zur Ergänzung 
der Pariser Ausgabe von 1554, Seite 41 steht: INCIPIT 
LIBER SIMPLICI, und zu dem lezten Worte am Rande: 
recenter adscriptum fuerat. Das hinter fol. 14 fehlende Blau 
des Arcerianus hat auch damals schon gefehlt. — Schon. 
vor Rigaltius, von dem diese Abschriftén früher als der 
Nansianus benuzt waren, hatte Carl Labbé sich im J. 1603 
Beiträge von Scaliger zu einer damals projectirten Auf- 
gabe der Agrimensoren nach Bourges hin erbeten *"). . 


8. Die Abschrift des Joh. Arcerius, 
jezt in Weimar, Cod. G%8. - 


Bestimmt erwähnt in dem Verzeichnis der Scriver- 
schen Handschriften *!), und von Goesius, der einige Rand- 
noten zum Pseudosimplicius daraus entnommen hat **). Ri- 
galtius hat sie so wenig benuzen können, als irgend eine 
andere Scriver'sehe Handschrift. 

In neuerer Zeit hat diese schon von Biener 1815 be- 
nuzte Handschrift sich in Weimar, wo schon Beck und 
Zeiss'" sie gesehen hatten, wiedergefunden.' Nach der 
von Mommsen vorgenommenen Durchsicht besteht sie' aus 
114 gezühlten Blüttern, welche im Text nichts mehr und 
nichts weniger enthalten, als das Original in seinem. jezigen 
Zustande. Statt der Zeichnungen ist oft nur leerer Raum 
gelassen. Däs Ganze hat den Titel: 

Veterum aliquot de re ruslica scriplorum, quorum 
omnium nomina sequens continet pagina, fragmenta, 

60) s. die testimonia bei Goesius. 

61) s. Note 10 num. 109. et 

62) not. pag..153: ,,Porro, duos nos codices habuimus manuscriptos, 
quorum unus pauculas habuit adscriptas Arcerü coniecturas, quas cum 


ipso auctore edi curauimus.“ 
63) Zeitschrift für Alterthumswissenschaft 1840" No. 106—108. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 41 


nunc primum in lucem edita ab . loanne Arcerio 
Theodoreto Frisio, una cum eiusdem in illos anno- 
latiunculis [späterer Zusaz: seu diuersis lectionibus 
et notis.] 
Auf dem Vorblatte steht: 
Tavıa ix nakaıorarov BißAov yeyoauuérvov, 0c nog 
: duoi ix và v doaouov. . - 
Darunter von anderer Hand: Taüra dx nralmoraeng Tıvög 
Bißkov yeıgoyoagov, Tig sag à&uoi, &x vÀv vov Epaoyov. 
Ungeachtet einiger Abweichungen in dem Titel scheint 
es mir unzweifelhaft, dass dies nur -der Codex 109 des 
Seriver'schen Handschriftenkatalegs (oben Note 10) sein kan. 
Wichtig ist er uns jezt nur durch seine, unten bei der drit- 
len Classe zu erwähnenden Varianten zum Hyginus de 
munitionibus castrorum. 


| Zweite Classe. 
Die Handschriften mit justinianischem Recht. 


Die gemeinsamen Kriterien dieser Handschriften bestehen 
darin, dass; sie nichts von dem zweiten Theil des Fron- 
linus oder Agenus, dagegen aber den Siculus Flaccus, 
$0 weit er gedrukt ist, vollstándig, und ausserdem, neben 
vielen kleinen Bruchstücken ülterer Agrimensoren, auch einige 
Excerpte aus dem justinianischen Pandectentitel Finium 
regundorum enthalten *). Die Auszüge aus dem theodo- 
sischen Codex und den ersten Theil des Agenus haben 
sie meist mit der dritten Classe gemein, während ein Stük 
mit der Ueberschrift: ex LIBRO Xu. INNOCENTIVS VP. AVCTOR 
(Goes. p. 220sqq.) sich selbst bei der zweiten Classe nur in 
einer Originalhandschrift befindet. 

64) vgl. Niebuhr róm. Gesch. II, 544—547. 560—602. der ersten Ausgabe. 


42 BLUNE T 


-. Wir kennen jezt drei alte Handschriften dieser Classe, 
die von S. Omer, die palatino- vaticanische und die 
zu Brüssel; ferner zwei.alte epitomirte Texte, und eine in 
den lezten Jahren entdekte neuere Abschnft. 


l. Die Handschrift von S. Omer. 


In der Bibliothek des Klosters: S. Bertin zu S. Omer 
gefunden, kam dieselbe zuerst an Adrian Turnebus, 
später an P. Scriver **), darauf an Marquard Gudius, 
und erst nach dessen Tode (1689) nach Wolfenbüttel, wo 
sie jezt als codex Gudianus num. 105. bezeichnet wird. 
Sie ist, mit dem Arcerianus, nach.Paris und von dort wieder 
zurükgekommen. = 

Der Inhalt dieser Handschrift ist ebenfals schon aus 
Ebert's Katalog bekant, auf welchen ich .hier wiederum 
zunächst verweisen muss °°). Indessen hätte seine Beschrei- 
bung bei weitem kürzer und zugleich viel verständlicher wer- 
den kónnen, wenn er statt der Ausgabe des Goesius die 
frühere von Turnebus zur Vergleichung gewählt hätte, 
da diese im Ganzen. als ein treuer. Abdruk des Gudienus zu 
betrachten ist. Beide entsprechen nämlich einander in fol- 
gender Weise: 2 

Cod. Gud. fol. 1 —24 z Turneb. p. 33—90. 


» .» PL. —38*fin =  , p. 1-38. . 

|,  » fol. 385—455 =  , append.p. 1—10. 
un fol45—108 = ,  p.91—246.268. 

»  » fol109 —111 = „ append. p.11—17. 


Die Handschrift ist aus dem neunten oder. zehnten Jahr- 


65) s. oben Note 10, Num. 137. 

66) Bibl. Guelferbytanae codd. classici p. 12 — 14. Die Inhaltsangabe von 
fol. 105—108* ist hier durch irgend ein Versehen ausgefallen; sie er- 
gänzt sich durch das, was in Lachmann's Tabelle pag. X. XI. über 
pag, 209—213 gesagt ist. 


Handsehriften und Ausgaben der Agrimensoren. 43 


hundert, und sehr regelmässig, mit äusserst wenigen Ab- 
breviaturen, die gegen das Ende noch seltener werden, ge- 
schieben. Jede Seite: hat 26 Zeilen: die Worte stehen 
meistens gesondert, zuweilen aber auch umichtig, wogegen 
die Buchstaben rt, re, ft meistens, mitunter auch nf in einen 
Zug verbunden sind. Farbige Buchstaben hat nür die erste 
Hälfte der Handschrift. — Der lezten (14ten) Quaternion 
fehlt das achte Blatt; doch scheint vom Text so wenig hier, 
als in den. ersten 13, mit Zahlen versehenen Quaternionen 
der Handschrift etwas zu fehlen. Sie ist bei Anfertigung, 
der Turnebischen Ausgabe unmittelbar gebraucht worden, 
was noch manche: Spuren, z B. die eingestreueten Kom- 
mala und viele Correcturen, erkennen lassen. 


2 Die palatino-vaticanische Handschrift, 
Num. 1564. 


Innere Numer 529. C 89/858. 626. 
Hintere Aufschrift: de agrimensoria auctores uarii. 
Quarthandschrift von 149 Blättern, auf jeder Seite zu 
26 Zeilen: mit dem vorigen Codex in. Alter und Schrift 
sehr übereinstimmend, nur etwas weitläufliger, und in den 
Zeichnungen sauberer gehalten. Zum Siculus Flaccus 
stehen kurze gleichzeitige oder wenig neuere Argumente am 
Rande; die Puncte und die äusserst seltenen Kommata sind 
etwas neuer. — Abbreviaturen hat der Schreiber, bis auf die 
allereinfachsten, fast durchgängig vermieden. Desto merk- 
würdiger ist das Zeichen 1 X für 1'U,, ganz so wie die 
Römer noch jezt es brauchen. ‘Auch verbundene Buchstaben, 
LB. ct, et, sind (ausser ae) nicht häufig; die ganzen 
Worte stehen aber in der Regel gesondert. Hyginus 
heisst auch hier immer Hygenus; einmal sogar Kygenus. 
Von den drei ersten Blattsehiehten (fol. 1 —28) haben 


44 ! BLUME 


sich nur 14 Blätter erhalten; das Fehlende ist durch einge- 
schaltete weisse Papierblätter (fol |—8. 14— 17. 21. 23.) 
nicht gariz richtig angedeutet worden. Zwar lässt sich, nach 
dem Umfange der fehlenden Stücke, vermuten, dass es im 
ganzen allerdings 28 Blütter, also zwei Quinternionen und 
ein (Quaternio gewesen: aber jene fehlenden Blätter hätten 
dann als fol. 1. 2. 3: 8—18 bezeichnet werden müssen, 
so dass, bei der jezt einmal feststehenden Blattzählung, fol. 4 
bis 8. 21 und 23 als überflüssig erscheinen, und dagegen 
hinter fol. 17 noch sieben leere Blätter einzusehälten sind. : 
Der Inhalt dieser drei ersten Blattschichten stimmt aber 
in allem Wesentlichen mit den drei ersten Quaternionen des 
Gudianus, und mit dem Turnebischen Abdruk p. 33— 90 
überein, wenn man Folgendes auf die verlorenen Blätter ab- 
rechnet: EM 
fol. 1. 2. 3 — Turneb. pag. 33— 38 fin., uerb. ||,, machinis 
amputatis «|| IE 
fol. 8—18: — Turneb. p. 49 post med. ||, fluminis ueterem* 
bis p. 71 post med. , quae in centurias 
erant.* || 
Es: fehlt also die Epistola ad Celsum , dei Anfang der 
theodosischen Constitutionen, und der gröste Theil des 
Agenus. Urbieus; der s. g. liber diazographus ist vorhan- 
den, aber die Ueberschrift: ,, Aggeni — ALAZOTPAP®OZ“ 
von sehr neuer Hand. 
Die nachfolgenden beiden Quaternionen (fol. 29 — 44) 
* enthalten, so wie im Gudianus (fol. 25—38*) den Siculus 
Flaccus; doch fehlt von dem fünften das mittelste Doppel- 
blatt (fol. 40.-41.), bei Turnebus p. 22 init. ||, professi aunt“ 
bis p. 26 init. perticam illam tamquam". || 
Dagegen zeigt sich im sechsten bis neunten Quaternio 
(fol. 45—72) eine merkwürdige Abweichung vom Gudianus: 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. | 45 


sie enthalten ausser den allerlezten kleineren. Fragmenten, 
welche Dieser erst gegen das Ende hat, (ex libris Dolabellae 
u.s. w. cod. Gud. fol. 102» —108, Turneb. p. 232—246. 268), 
auch noch 7 Stücke, welche der Palatinus teils vor allen 
anderen Handschriften, teils wenigstens vor dem Gudianus 
voraus hat, nümlich: 

1) fol. 51* hinter signum, Turn. p. 246. Goes. p. 311. 
Terminus si ungulam trifinium facit, wie Goes. p. 310 med.,, 
pag. 309 unserer Ausgabe. 

2) Gleich darauf (fol. 51*—61^*) der zuerst von Rigal- 
tius edirte Innocentius, pag. 310 unserer Ausgabe. 

3) fol 61^ ein sehr gross geschriebenes griechisches 
Alfabet, welches in allen Ausgaben weggelassen ist. 

4) fol. 61* lin. 9 bis fol. 62* med., dasselbe Alfabet, 
welches Turnebus p. 221—227 (Goes. 278—284) aus 
dem Gudianus fol.98^ mit Zeichnungen und Erläuterungen 
giebt”) so wie es auch im Palatino- Vaticanus fol. 144^ bis 
147^ noch einmal vorkomt — hier ohne Zeichnungen (pag. 
325 unserer Ausgabe.). 

5) fol. 62^, hinter den mensurarum genera *5), noch 
die Erläuterung der Gewichtszeichen, welche jezt S. 339 
unserer Ausgabe mit abgedrukt sind. 

6) fol. 63°, hinter beneficio Augusti®), und vor 
ager cineribus deputatus: 

ager relictus et extraclusus | ager noxiorum | ager inopum | 
ager locorum sacrorum | (vgl. S. 247 Note in unserer Ausgabe). 


67) Nur m falscher Ordnung, indem die, den Buchstaben enthaltende Zeich- 
nung jedesmal den Erläuterungen voranstehen solte. 

68) Turneb. p. 268, oder, da diese Seiten nicht gezählt sind, auf der 
Seite zwischen dem index und appendix Rigaltius und Goesius 
haben dieses Stük gar nicht. 

69) Turneb. pag. 32. Auch hier ist Goesius p. 26: viel unvollständiger 
als Turnebus. vgl. Goesius p. 72. 73. 


46 BLUME 


7) Endlich fol. 63—72 drei grosse von-Rigaltius p. 341 fI. 
benuzte Stücke über die Colonien: Goes. p. 111 med. bis 
119 lin. 5. p. 143 (Item) bis p. 147 lin. 2, und p. 102— 109 
lin. 9. (pag. 211. 218. 2401f. unserer. Ausgabe) — — 

Von der Mitte des neunten Quaternio (f0l.73°) an stimmt 
aber die Ordnung des: Palatinus wiederum ganz zum Gudia- 
nus (fol. 38*— 108), mithin auch zur Turnebischen Ausgabe, 
indem 

1) fol. 73*— 82^ init. = Turn. p. 32. u. append. p. 1 — 10 
sind, wo jedoch der Palatinus mehr Zeichnungen enthält; 

2) fol. 82*—149^ lin. 2 — Turn. 91—232 init. - 

Mit den Worten scamna. uocauerunt bricht. die Hand- 
schrift ganz oben auf fol. 149^ .ab, so dass hier allem An- 
schein nach nichts verloren gegangen. ist, obwohl wir von 
der lezten (neunzehnten) Blattsehicht nur dies eine Blatt 
haben. Die am Schlusse des Gudianus stehenden Mensu- 
rorum genera (fol. 109—111. Turneb. app. p. 11— 17. 
Goes. p, 320—25) fehlen also dem Palatinus gänzlich. 
Dagegen hat eine spätere Hand den leeren Raum der lez- 
ten Seite benuzt, um noch ein 44zeiliges "Gedicht eines 
Utrechter Geistlichen Ratbod auf die Schwalbe einzutragen, 
welches ich nicht copirt habe. Die Ueberschrift lautet: 
UERSUS RATBODI SCAE TRAIECTENSIS AECCLAE 
FAMULI DE HIRUNDINE . 
Anfang: „Est mihi“ Ende: „ut ipse creans.“ 

Diese palatinische Handschrift glaube ich nun unbedenk- 
lich für eben dieselbe halten zu dürfen, welche Sichard 
als den von ihm benuzten Fuldaer Codex der .Agrimen- 
soren bezeichnet”. Dass dieser Leztere zur zweiten Classe 


70) Cod.-Theod. ed. 1528. fol. 174. uers. in marg. (zum Ende des A genus 
de conditt. agror.) ,,Exemplar Argentoratense paulo plura habuit de 
limitibus prorsis et transuersis, quae tamen in Fuldensi codice, 
quem sumus secuti, non extabant.“ 





Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 47 


gehörte, ergiebt sieh schon aus der genauen Uebereinstim- 
mung des Sichard'schen Abdruks (fol. 170—177) mit 
Turnebus p. 33—77; auch hatte Sichard den liber diazo- 
graphus, den er nicht mit herausgegeben hat'*), den 
Sieulus Flaccus, und was ich für entscheidend halte, 
den Innocentius '*). Damals war also der Palatinus noch 
vollständig, und Sichard's Abdruk. darf, so weit er reicht, 
als Ersaz für die später entstandenen Lücken angesehen wer- 
den. Später hat Rigaltius den Codex, jedoch zuerst nur 
mittelbar und ‚hernach: nicht erschöpfend benuzt; namentlich 
verschafte ihm Gruter den damals noch ungedrukten Inno- 
centius und einige die Colonien betreffende Stücke, ins- 
besondere die Pars Piceni’°). Im J. 1623 kam der Palatinus 
mit der ganzen Heidelberger Bibliothek nach Rom, von wo 
er auch in neuerer Zeit nicht zurük erstattet worden ist'*). — 
Einzelne Stücke desselben habe ich in Rom vergleichen 
kömen; do«h bleibt'vor Allem noch eine treue Copie aller 
Zeichnungen zu, wünschen übrig. 


3. Die Brüsseler Handschrift, bibliothéque de 
Bourgogne, N. 10629. 


Ein aus der Abtei. Tongerloo, dann aus der Bollan- 
distenbibliothek stammender Pergamentcodex, meist in ge- 
spaltenen Columnen, aus dem litten und 12ten Jahrhunderte. 
Der Inhalt ist sehr gemischt; denn ausser den Agrimensoren, 
welche dem 12ten Jahrhundert angehören und fol. 36 bis 55 


71) ibid. „Aggeni liber diazographus a nobis omissus.* 

72) Bedic. ad Ferdinandum regem pag. 4: „Praeterea Siculum Flaccum, 
et Innocentium de notis iuris, quem Ammianus agrimensorem sub 
Constantio fuisse commemorat, fueramus adiecturi, nisi tempore ocioque 
exclusis aliud:in manus non minus e re studiosorum uenisset.* 

78) Rigaltii- (appeadiz) pag. 341. 347. Goes. 117, ums. Ausg. p. 225. 

74) s. mein Iter italicum Bd. III S. 43— 53. 


. 48 = BLUME 


stehen, finden sich noch Homilien und Gedichte des ‚Mittel- 
alters, Stücke aus Salvianus, Sidonius Apollinaris, Notker, 
und sehr vieles Andere darin *?). 

Unsere Agrimensoren sind aber sofort als reine Abschrift 
des palaünischen Codex (No.2) zu erkennen, doch ohne die 
Zeichnungen, namentlich ohne den s..g. liber diazographus. 
Dagegen ist sie noch vollständig in den ersten, jezt ver- 
lorenen Blättern des Palatinus, welche freilich von Sichard 
noch. benuzt worden waren. 

Die Wiederentdeckung und: die erste Beschreibung die- 
ser Handschrift verdanken wir Hänel, eine genauere Revi- 
sion dem Herrn Dr. Hertz. Vollständiger Collationen konte 
es nicht bedürfen. : | 


4. Blosse Excerpte aus Handschriften der zweiten 
Classe enthält eine Handschrift in München aus dem eilften 
Jahrh., in Octav (Cod. S. Emmerani K. 6), hinter mancher- 
lei mathematischen und geometrischen Stücken, auf fol. 83 
bis 93. Sie entsprechen dem bei Turnebus S. 198. 175. 94 
(Goes. 264..311. 153) Gedrukten. 


5. Ganz gleichlautend damit scheint eine Wiener Hand- 
schrift zu sein, welche in Endlicher’s catalog. cod. philolog. 
latin. bibl. palatinae Vindobon. 1836. pag. 261 beschrieben ist. 


6. Abschrift in Leyden No. 53, Vossianus C 


In dem. gedrukten Katalog der Leydner .Bibliothek 
(1716 fol) findet sich pag. : 372 unter der obigen Numer 
folgende Angabe: 7 

Excerpta uariorum auctorum de limitibus agrorum 
ut ex Tyrreno Saeculo Flacco, Euclide, Hygeno 


75) Hänel in Richter kritischen Jabrbüchern für deutsche Rechtswissen- 
schaft. Jahrgang 1837. S. 760—768. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 49 


Augusti liberlo, Caio et Theodosio, Latino et Misrontio 
Locati [l. toga] Magone et Vegoia Arruntio, Vel- 
iymno, Vitali elc. ... lex Mamilia, Roscia, Peducea, 
Aliena, Fauia. Tum ex Frontino. ltem de mensuris. 
Chartac. — Goesius erwähnt diese Handschrift in 
den Anhängen seiner Vorrede, ‚ohne ihr einen eigenen Werth 
beizulegen. Ich hatte sie früher (Rhein. Mus. VII, 225) in 
England geglaubt, und der dritten Claáse zugeschrieben. 
Dass die von Sichard erwähnte Strasburger Hand- 
schrift ebenfals in die zweite Classe gehört habe, muss ich 
schon wegen der von ihm berichteten Abweichung bezwei- 
feln. Zwar komt eine Stelle über limites prorsi und 
transuersi sowohl in dieser als in der ersten Classe vor, 
aber im Hyginus, nicht im Agenus '*, so dass sie wohl 
nur in einer Handschrift vierter Classe, wahrscheinlich in 
der zweiten von den jezt in Bern befindlichen, mit dem, 
Agenus de conditionibus agrorum zusammengewürfelt sein 
konte. Fest überzeugt aber bin ich, dass Sichard nur diese 
zwei Handschriften. der Agrimensoren gekant habe; denn die 
von Niebuhr für das Gegenteil angeführte Stelle ist gewiss 
nur von Handschriflen der westgothischen lex romana zu 
verstehen *"). 

Als Herausgeber der eigentümlichen Stücke dieser 
Handschriftenclasse sind zu nennen: Sichard 1528, Tur- 
nebus 1554, und für die Ergünzungen aus dem palatinischen 
Codex, Rigault 1614. 


76) Goes. p. 151, in unserer Ausgabe pag. 167. 

77) fol. 171 uers. in marg. (zu den Schlussworten der const. Theod. 
Semper magnam) , Haec clausula alicunde arrepsit, cum in non- 

- nullis codicibus non legeretur.“ Vgl. Rigalt. not. p. 63. 64. (Goes. 
239) Niebuhr II, 548 (kleine Schriften II, 96.). 


Rómische Feldmesser 1l. A 


50 BLUME 


Dritte Classe. 


Die Trümmerhandschriften. 


Es war schon von Niebuhr bemerkt worden, dass in 
einem florentinischen Codex der Agrimensoren der Inhalt der 
besseren Handschriften in der auffallendsten Weise verkürzt 
"erscheine; er hielt diese Abkürzung für ein absichtliches Mach- 
werk, wobei „nur das noch vorkommende Rechtliche und 
das Geometrische Zwek war“; das Alterthümliche, wie die 
Lehre von der Limitation: sei bis auf wenige Reste als 
unpraktisch übergangen ’°). Da nun in eben dieser und den 
ihr ähnlichen Handschriften Manches dem. Nypsus zuge- 
schrieben wird, was nach den übrigen Zeugnissen von an- 
deren Autoren herrührt, so ist in neuerer Zeit sogar die An- 
sicht aufgestellt worden, dass der, freilich auch ariderswo 
genante Nypsus nur ein Plagiarius sei, von dem dieses 
ganze elende Machwerk herstamme **). 

' Diese vermeinte Absichtlichkeit muss aber jezt, nach 
Lachmann's äusserst gründlichen Untersuchungen über die 
neu entdekte Erfurter Handschrift, geleugnet werden. Es 
sind vielmehr zerstreute und vermengte Ueberbleibsel einer 
grösseren Handschrift, deren ursprünglichen Bestand Lach- 
mann annähernd berechnet hat °°): einer Handschrift welche 
mit der zweiten Hälfte des Arcerianus und mit dem Gudia- 
nus am nächsten verwandt, vielleicht selbst die Quelle von 
jener gewesen ist °‘). Die Handschrift würde vor der zweiten 


78) Niebuhr römische Geschichte 11, 554 der ersten Ausgabe. 
79) Lange prolegomena ad Hyginum de munitionib. castrorum pag. 21. 
80) Die noch vorhandenen Stücke sind aus Balbus, Frontin, Agennius, 
Hyginus, Nypsus (Epaphroditus?) und den Verzeichnissen der 
^' Colonien. 
. 81) In diesem Puncte hat also meine frühere Vermutung (Rhein. Museum 
für Jurisprudenz VII, 191. 227. 228.) sich durchaus bestätigt. 


" 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. ol 


Hälfte des Arcerianus in seiner jezigen Gestalt Manches 
(z.B. die Auszüge aus dem theodosischen Codex. und ein 
Stük des Aggenus) voraus gehabt haben; aber gerade diese 
Stücke können sehr wohl in den untergegangenen Blättern. 
des Arcerianus gestanden haben. Marcus Varro oder 
Baro, dem der Arcerianus ein Werk de geometria zuschreibt, 
ward in einer Handschrift dieser Classe, der alciatischen, als 
Verfasser einer Arithmetik erwähnt; von den justinianischen 
Pandektenfragmenten aber, welche in den Handschriften 
zweiter Classe vorkommen, findet sich hier so wenig. eine 
Spur, als im Arcerianus. | 

Die Trümmer selbst sind aber schon früh in zwei 
Hauptstücke zerfallen, deren Eines zuerst in den Händen des . 
berühmten Alciat, das Andere in denen seines. juristischen 
Zeitgenossen- Antonio Massa da Gallese erscheint. Die 
Verwandschaft beider Hälften. verräth sich nicht blos durch 
ihren Inhalt und die gleiche äussere Verderbtheit der Hand- 
schriften; sie ist, wie es scheint, von einem der ersten Ab- 
schreiber, Basilius Zanchi, mit Sicherlieit erkant worden. 
Aber auch nur für verwandt, nicht für identisch, darf ihr 
Inhalt gehalten werden. 


I. Die Handschrift des Gallesius Massa. 


Dieser in Rom sehr angesehene Jurist und Historiker 
hat beide Hälften dieser Classe in Händen gehabt. Denn in 
seinem 1543 geschriebenen Buche de origine et rebus Fali- 
scorum °*) führt er eine Stelle aus dem vermeinten Fronti- 
nus de colonns ungefáhr mit denselben Worten an, mit 


82) Abgedrukt in Graeuii thesaurus antiquitatum italicarum Tom. VIII 
P. III, col. 24D: ,, Verba Frontini ex fragmentis libri inscripti de coloniis 
haec sunt: Colonia iunonia, quae appellatur Falisca [sic], a tribus 
uiris assignata est, in qua limites intercisiui sunt directi, in locis qui- 

" busdam riui finales, et caua quae ex pactione assignata sunt. Termini 


4* 


- 


52 BLUME . 


welchen sie zuerst zu Rom (1560) und später wiederholt 
unter Frontins Namen gedrukt worden ist. Indessen sagt 
er von diesem Stücke nicht ausdrüklich, dass er der Eigen- 
tümer desselben sei. 
Dagegen wird er in anderen Handschriften wiederholt 
als Besizer eines Hyginus de munitionibus castrorum 
erwühnt, der zwar eben so lückenhaft wie- der arcerianische, 
aber doch durch manche selbständige Lesarten ausgezeichnet 
gewesen sein muss. Auch einige mathematische Fragmente, 
vielleicht dieselben, die im Arcerianus fol. 125 stehen, waren 
mit jenem Werke verbunden. 
Folgende Abschriften dieses Massa'schen Codex sind 
bisher bekannt geworden: 
l. Das apographum Eyndianum, wie es von 
Radbod Schele, dem Herausgeber des Hyginus und 
Polybius (1660) genant wird. Jacob Eyndius war 1614 
gestorben; das ihm gehörige apographum war aber schon 
nach der Mitte des 16ten Jahrhunderts geschrieben. Es ist 
jezt dem Arcerianus beigebunden (Ebert pag. 11, lit. ee); 
Lange hat es als cod. B bezeichnet, In diesem Codex fin- 
den sich nun, nach Lange's Vorrede S. 28, folgende Notizen: 
fol. 7°: ,In cod. MS. valde deprauato praecedunt quaedam, 
quae ad mensuras formarum pertinent et videntur 
alterius esse libelli.* 

fol. 10^: ,, Nec plura habuit manuscriptum exemplar, ex quo 
ista descripsimus: sed neque alterum illud, si non 
idem, unde pauca quaedam transtulit Volaterranus 
in Comment. XXX. Caelerum ut in fine sic initio 


autem sunt silicinei et distant a se in pedes CCCLX, CCCCXX, CCCCLXXX 
et DC. Ceteri normales riuorum cursus seruant. Colonia Nepesis [sic] 
ea lege seruatur, qua et ager Faliscorum. vgl. Goes. pag. 113. 130. 
Lachmann p. 217. Ä n 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 53 


"nonnulla deesse videntur. Nam quae praecedebant 
in meo circa paginis tnbus descripta ad formarum 
praecipuarum pentagoni dimensionem pertinebant, 
et unius tractationis visa sunt cum illa, qua ex [sic] 
Epafroditi et Vitruvii Ruffi nom. in huiusmodi col- 
lectionibus reperiuntur. Reliqua etiam ita corrupta 
ut meliore omnino exemplari indigeant.“ 

Dass diese Notizen nicht etwa auf das losgetrennte Stük 
des Arcerianus (oben S. 5) zu beziehen sind, folgt teils 
aus den abweichenden Lesarten, teils auch daraus, dass. vom 
Arcerianus noch viel mehr abgetrennt war, als die Schrift 
de munitionibus castrorum, so wie dass diese Stücke um die 
Mitte des 16ten Jahrhunderts dem Arcerianus wohl noch 
nicht gefehlt haben. 

2. Die Abschrift des Basilius.Zanchi, welche in den 
beiden folgenden Abschriften (No. 3, 4.) benuzt ‚worden ist. 

3. Die Abschrift des Metellus Sequanus, (oben 
$. 14. 31) mit Zeichnungen; teils aus dem florentinischen 
Codex (s. u. Il.) teils aus dem des Gallesius Massa und 
aus Zanchi’s Abschrift: jezt in Rom, als Codex Barberinus 
1546. Derselbe enthält, nach Angabe meines italienischen 
Studiengefährten, des verstorbenen Dr. Maier aus Tübingen, 
folgende Notiz: „Jste codex fuit Jacobi Metelli Sequani. Ex 
Florentino codiee corr. ex Cod. Galesii Massae et ex Cod... 
[Basilii] Zauchi.^ Eine dieser beiden Handschriften, heisst 
es in der Notiz weiter, sei zwar neu, aber aus einem alten 
Codex abgeschrieben (vgl. num. 4.). Inhalt des Codex: 
1) Nypsus, 2) leges Theodosii etc. 3) Nomina limitum und 
andere kleine Stücke, 4) Frontinus de coloniis, alias Cl 
Caesaris. 5) De castrorum munitione u. a. m. Genauere 
Untersuchungen sind leider bei dem jezigen Zustande der 
Barberina nicht möglich. 


54 D BLUME 


4. Das apographum Wouverranum, aus dem Än- 
fang des 16ten Jahrhunderts, näher beschrieben von Lange 
(prolegg. pag. 25— 27. 38), der es als Codex C bezeichnet 
hat. Wouver starb 1635; er hatte die Handschrift dem 
Peter Scriver geschenkt oder vermacht, so dass sie jezl 
gleichfals dem Arcerianus angebunden ist (Ebert pag. 11. 
lit. gg). Ihren Ursprung und Inhalt hat schon Scriver 
dahin angegeben: „Apographum Wouverianum ex recent. 
Basilii Zanchi codice manuscripto, sed ex veteri Antonii 
Galesii Massae errorum plenissimo desumto [vgl num. 3] 
transscriptum, hunc titulum praefert: Hygini Gromaci??) 
liber de munitionibus castrorum. “ 

Andere Abschriften kennen wir nicht, die mit dem 
Massa'schen Codex erweislich zusammenkingen; die von 
Lange (prolegg. p. 32) noch genanten enthalten nur solche 
Bruchstücke, die sich auf den Alciati’schen, den Florentini- 
schen und den Erfurter Codex zurükführen lassen. 


» 


ll. Die Alciati'sche.Handschriftenfamilie. 


]. Andreas Alciatus hat schon im J. 1519, in sei- 
nen dispunctiones, sich umständlich über die Agrimensoren aus- 
gesprochen, teils unter Berufung auf ,, Junius Nipsus“®*), 
teils in Auszügen aus „Agennius Vrbicus in lib. de 
constitut. agrorum.“ Diese zweite Stelle schliesst er 
mit folgenden Worten °®): - 


83) Diese Form Gromacius findet sich auch bei Antonius Augustinus 
(de legibus cap. VI pag. 13 der ältesten Ausgabe), was von Lange 
(pag. 24) mit gutem Grunde von den eigentümlichen Lesarten der 
Massa'schen Handschrift hergeleitet wird. 

84) Im vierten Bande seiner sämtlichen Werke, Francof. 1617 col. 159: 
dispunctt. II, 6: „ut ex Junii Nipsi commentarüs alibi declaraturus sum.“ 

85) Ibid. col. 189: dispunctt. III, 15. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 55 


„Et haec quidem ille de mensoribus refert, quàe 
ideirco libentius in medium: attuli, quomam is autor 
nequaquam uulgatus est: una tamen cum Junio Nipso, 
Mar. Varrone de arıthmetica, et Balbo de coloniis 
Latinis breui in publieum.prodibit: si modo per otium 
mihi licuerit eos emendare: liber enim ipse tam abrosis 
characteribus est, ut uix legi possit. 

' Weitere Auszüge lieferte Alciat im J. 1529 zu Bourges, 
als er seine Schrift de quinque pedum praescriptione heraus- 
gab. Sie werden dem „Agennius Vrbicus de constitutionibus 
agrorum,* dem Junius Nypsus und dem „Julius Frontinus 
ad Celsum in libello de iure limitum, tit. de fin. regun.“ zu- 
geschrieben *^), scheinen jedoch nicht ganz wörtlich der 
Handschrift entnommen zu sein. Stücke der jusühianischen 
Pandekten sind nicht, wie Niebuhr*") meinte, darunter; 
wohl aber Stücke des Agenus, die wir jezt nur noch in | der 
zweiten Handschriftenclasse finden °°). ' 

Der Ausdruk: „abrosis characteribus“ kónte fast zu der 
Annahme bestimmen, dass Alciat einen Bobienser Palimpsesten 
der Agrimensoren besessen habe. Jedenfäls ist jezt jede Spur 
seines Codex verschwunden, und'da Alciat in Bourges nicht 
mehr von dem Plane ihn herauszugeben redet, so muss es 
dahin gestellt bleiben, ob er ihn damals noch besessen, oder 
in Italien zurükgelassen habe. 

Ganz eigentümlich war dieser Handschrift teils die 
Schreibung Agennius,. Aggenius, welche den inschrift- 
lichen Formen, Agennia°), Adgennius und Adgin- 


86) Opp. T. Ill. col. 345. 346. 350. 359. 360: de quinque ped. praescr. 
$. 18. 19. 21. 22. 74. 75. 

87) Róm. Gesch. II, 545. 548 der ersten Ansgabe. 

88) Goes. pag. 50. 53. 64, in unserer Ausgabe pag. 9. 12. 26: 

89) Orelli inscr. 2310. 


56 BLUME 


nius'?) am nächsten komt, teils der Titel seiner Schrift: 
de constitutionibus limitum. 

Wir kennen jezt noch drei ältere Pergamenthandschrifen, 
welche der Alciatischen nahe verwandt sind; im 17ten Jahr- 
hundert sind ihrer wenigstens vier vorhanden gewesen. 

2. Die wichtigste unter diesen eben genanten Hand- 
schriften ist die zu Erfurt; bibliothecae Amplonianae 
No. 362, angebunden an die Tabulae illustris regis Alphonsi. 
Sie besteht aus vier Ternionen (eder drei Quaternionen?) in 
Quart oder Kleinfolio, jede Seite zu 29 Zeilen, die aber 
durch Zeichnungen oft unterbrochen .werden; Schrift des 
eilften Jahrhunderts. Am Anfang fehlt etwa eine Seite, die 
aber in der florentinischen und medaneser Handschrift (N.3. 5.) 
noch vorhanden ist. In dem alten Original dieser Abschrift 
hat, naeh Lachmann's Berechnung, jedes Blatt nur ungefähr 
eilf Zeilen unseres Codex ausgemacht, so dass wir auf 
48 Quartseiten noch etwa den Inhalt von 120 Blättern des 
Urcodex besizen müssten. Dieser Inhalt zerfält aber, bunt 
durch einander gewürfelt, in 29 längere und kürzere Frag- 
mente, welche aus Lachmann’s Tabelle pag. VIII— X näher 
zu ersehen sind. Zur Ergünzung dieser Tabelle ist nur zu 
bemerken, dass die von Lachmann nicht erwühnten Stücke 
 (pag.28 lin.19 bis pag. 29 lin. 20. pag, 30. 3 bis pag. 31, 9. 
und pag. 33, 1 bis pag. 35, 23) geometrischen Inhalts sind, 
und sich zum Theil auch im Arcerianus (col. 19—23 der 
ersten Hälfte) finden. Sehr seltsam lauten die lezten Zeilen 
von pag. 35: 

„Hos ego libros sortitus ab asse coepi sed de unciis. 

computatis secutus digiti rationem cernere cunctis 

soluere ac reddere ueram rationem discussi. fateor 

agros sollertium non nullus predam promisit. sed 
90) Gruter inscript. pag. 13 num. 15. pag. 718 num. 9. | 





Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 57 


nichil ductus uacuare errorem rusticum paliens com- 

mittere falsis incerta cupiens audire libros in cuius- 
. dam dum circuo agros inueni aedem. Incipit siculi 

flaccı de condicionibus agrorum liber.“ 

Da auf der nüchsten Seite (pag. 36) nichts vom Siculus 
Flaccus steht, so muss auch hier das folgende Blatt des 
Urcodex verloren sein. . 

3. Die florentinische Handschrift (in der Lau- 
rentiana Phut. XXIX cod. 32), öfter als irgend eine andere 
genant; durch sie zunächst ist das Misverständnis verschuldet 
worden, dass das Ganze eine eigene Arbeit des Nypsus 
sei. Bandini. sezt sie in das eilfte Jahrhundert. Sie besteht 
aus 31 Pergamentblättern, von denen aber nur die ersten 28 
die Agrimensoren betreffen. Ihr speciellerer Inhalt, wie er 
früher von mir nach Bandini*') und Muratori’s Abdruk 
der Modaneser Handschrift angegeben worden ist**), hat 
jezt durch die Erfurter Handschrift an Interesse verloren. 
Den Anfang machen, wie in den Handschriften zweiter Classe, 
der Balbus ad Celsum (pag. 91 unserer Ausgabe) und dann 
die Auszüge aus dem theodosischen Codex (pag. 267 ders.). 

4. Ber codex Nansianus, eine Pergamenthandschrift 
worin der s. g. Frontinus de coloniis enthalten war, ist, wie 
Scriver erzáhlt**), schon in Ortel's Thesaurus geographi- 
cus, besonders bei der Prouincia Piceni erwähnt worden. 
Beide Nansii, der Vater wie der Sohn, hätten die Hand- 
schrift ,,tenerrime* gehalten; nach ihrem Tode (der Vater, 
Franz, starb 1595) sei dieselbe „una cum aliis monumentis * 
in seine Hände gelangt.. Sie werde jezt zum öffentlichen 


91) Bandini catal. codd. latin. bibl. Med. Laurent. T. II. 1775 pag. 47 bis 
50. vgl. Montfaucon bibl. bibliothecarum pag. 300. 

92) Rhein. Museum VII, S. 218 —221. 

93) In der Ausgabe des Vegetius und Frontinus 1607. pag. 195. 196. 


58 BLUME 


Gebrauche bestimmt **. — Hierauf folgt das Fragment de 
coloniis mit der vermeinten Vorrede des Frontinus, im Ganzen 
so, wie es auch bei Goesius (pag. 128—143 uerb. Augusteos) 
abgedrukt steht. ' 

Dass dieser Codex weder mit der Nansianischen Ab- 
schrift des Arcerianus °°), noch mit dem Nansianischen Per- 
gamentcodex vierter Classe, welche. später unter den von 
Seriver nachgelassenen Handschriften vorkomt °°), verwechselt 
werden darf, liegt am Tage; zweifelhafter aber bleibt es, ob 
er nicht ausser dem Abschnit über die Colonien noch 
Anderes enthalten habe. Jedenfals wird ihm, wie ich glaube, 
das Fronlinische fragmentum de limitibus zuzuschreiben sein, 
welches Scriver „in duobus antiquissimis sed mendosissime 
scriptis codieibus“ . gefunden halte, und gleichzeitig heraus- 
gab"). Im Arcerianus, dessen Varianten allerdings am 
Rande stehen, und in seinen Abschriften war der Anfang 
dieses Fragments . nicht enthalten; und: den Handschriften 
zweiter Classe fehlt es gänzlich. | 

. Wir dürfen aber noch weiter gehen, und alle. Stücke, 
welche Scriver im J..1607 aus einem Pergamentcodex dritter 
Classe entlehnte, oder künftig herausgeben welte, diesem 
Nansianus zuschreiben; nemlich die Varianten zu den rein 


94) „Nünc ille, quia bellissima occasio est, et de re litteraria mereri lubet, 
liberali de causa manu asseritur, et egregio publico conseeratur: ne 
aliquando situ et putrilagine obsitus aut male pereat, aut tineis blattisque 
ludibrium debeat.“ | 

95) Mit dieser verweehselt ihn Lange praef. ad Hyginum de munitionib. 
castr. pag. VII. 

96) s. oben Note 10. 

97) hinter Vegetius pag. 159—162 mit der Schlussbemerkung: describebat 
ex membranis et bona fide cum naeuis suis publicabat Petrus Scriuerius 
anno 1606. Goes. 215 —219, in uns. Ausgabe p. 27—34. Das darauf 
folgende kleinere Fragment (pag. 163) hat Scriver aus Turnebus p. 213 
his 245 abdrucken lassen (Goes. 308. 309, in uns. Ausg. 42. 43). 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 59 


juristischen Fragmenten (pag. 164— 170), bei welchen er, 
wie auch anderswo, auf Noten verwiesen hat, die aber in 
dem gedrukten Buche (wenigstens in den Bonner Exemplaren 
desselben) nicht zu finden sind; und 2) den ganzen s. g. 
Nypsus, mit dessen Herausgabe er eine genauere Prüfung 
über die ächte Autorschaft des Frontinus verbinden wolte**). 
Wolten wir diesen" Stücken einen anderen Ursprung zu- 
schreiben (was bei der s. g. lex de sepulchris*?) allerdings 
nothwendig scheint), so würden wir ihn in der anderen 
Nansianischen Pergamenthandschrift, dem B o ethius (s. unten) 
zu- suchen haben. 

Für den weiteren Umfang dieser Handschrift spricht aber 
auch der Umstand, "dass sie dieselbe gewesen zu sein scheint, 
aus welcher Goesius den Nypsus de [luminis uaratione 
(pag. 285—289) vollständiger herausgegeben hat, als er bis- 
her anderswo gefunden werden ist!^). Nur die Erfurter 


98) pag. 163: „„Ex quo apparet Frontinum nostrum plures de iure limitum 
et agrorum diuisiomibus libros reliquisse. Et sane inter Gromaticos 
illos Scriptores non pauca eius uiri emblemata agnosco, quamquam aliis 
auctoribus uulgo inscripta, consentientibus etiam membranis. Quarum 
fidem cum hic potissimum mihi sequendam esse arbitrabar, nihil prorsus 
eorum, quae Frontini esse odoratus sum, adscripsi. Dabitur, ut spero, 
alias de bis uberius disserendi occasio, cum M. Junium Nipsum ‚aliesque 
de finibus et re agraria libros hactenus non uisos in publicum orbis 
theatrum faciente Deo producam.* 

99) pag. 271. 272 unserer Ausgabe. Sie findet sich nur im Arcerianus, 
und-in einer Handschrift des Boethius. In den Noten des Goesius 
pag. 201. 202 werden freilich Varianten aus Nypsus zu derselben gegeben, 
aber auch dies kan, wie unten zu zeigen ist, von der vierten Hand- 
schriftenclasse verstanden werden. 

100) Goesii not. p. 176: Corruptissimum hoc fragmentum extat etiam apud 
M. Junium Nypsum, eo, quod prius editum, non quidem emendatius, 
uerumtamen multo locupletius. Quatuor enim integras paginas ex illo 
iam antea editis subjecimus hao editione. Et quamuis agatur non tan- 
tum de fluminis, sed et de limitum uaratione, attamen non alium habet 
titulum quam uaratio fluminis, cum uerius praeflgi posset: de 
uaratione. 


60 BLUME 


Handschrift komt dem Goesischen Text an Vollständigkeit 
nahe, ja einigemal hát sie noch mehr als dieser (pag. 285 
bis 290, 16 unserer Ausgabe). 

5. Die Handschrift der herzoglichen Bibliothek in 
Modena, welche Muratori teils mit der Ausgabe von 
Goesius verglichen, teils in grösseren Massen herausgegeben 
hat '°'), weicht von der florentinischen (oben Num. 3) wenig- 
stens in zwei Punclen ab. Denn erslens ist der Anfang 
nicht überschrieben: Junij Nipsi de limitibus, sondern M. Junij 
Nipsi de mensuris; und. zweitens fehlt am Schlusse des 
ersten Buches: die Unterschrift mit dem Namen des Frontinus. 
Von neueren Reisenden ist: sie, so viel ich weis, nicht unter- 
sucht worden. * 

6. Dienun folgenden Abschrift ten dieser Handschriften- 
classe sind zum Theil im funfzehnten; meistens aber im 
sechzehnten Jahrhunderte, und zwar nach dem florentinischen 
Codex angeferüget worden. Nur Eine der ältesten, die des 
Fabricius Varanus (Cod. bibl. paris. 3359) könte möglicher- 
weise von der. Alciatischen genommen sein. 

. Varanus war Bischof von Camerino in den J. 1482 
bis 1506, und seine Abschrift fält zum Theil noch in das 
funfzehnte Jahrhundert. Er nahm sie nach einer sehr alten, 
und beschádigten Handschrift, in welcher das erste Buch 
dem Frontinus zugeschrieben, und das zweite mit dem 
Zusaz: de fluminum (cod. Laur. fluminis) uaratione über- 
schrieben war!'' Die Abschrift wird einmal von Rigal- 


101) Muratori antiqq. italicae T. III. diss. 44 in fi. col. 981 — 998 der 
Folioausgabe. 

102) Catal. codd. mss. bibl. reg. T. lll pag. 408: Cod. 3359. membr. pars 
saec. XIV [XV] pars s. XV [XVI] exarata. Miscellanband; darin u. A.: 
16^ Iulii Frontini Siculi liber de arte agrimensoria. 
17^ Marci lunii Nypsi liber II de fluminum uaratione, quem exscripsit 
Fabricius Varanus ex codice uetustissimo et situ corrupto: porro in hoc 


Handschriften und Ausgaben der Ágrimensoren. 61 


tius als codex Memmianus alter bezeichnet (not. pag. 149, 
bei Goes. p. 283.) 

7. Von gleichem oder "wenig höherem Alter als die 
Varanische Abschrift ist die, welche Petrus Crinitus (Ricci) 
in Florenz im J. 1495 angefertigt hat. Sie ist noch jezt in 
München (im Codex Victorianus 49 oder latinus Monacensis 
756) vorhanden. Da sie in Florenz entstanden ist, und mit 
der florentinischen Handschrift bis auf geringe Abweichungen 
übereinstimmt, so kan sie wohl nur von dieser herstammen. 
Uebrigens hat Crinitus, der uns auch ein kleines Frag- 
ment des Juristen Pomponius über die Servituten erhalten 
hat, im J. 1504, in seinem Buche de honesta disciplina, 
ausser dem Nypsus auch den Boeth?us angeführt; wórt- 
lich aber giebt er nur Auszüge aus dem ersteren, d. h. aus 
seiner Copie der florentinischen Handschrift !**). 

8. Sodann hat Metellus Sequanus, wie er selber 
berichtet '°), die florentinische Handschrift copirt; und nach 
dem schon oben (S. 53) Bemerkten scheint es nicht zu be- 
zweifeln, dass diese Copie der codex Barbermus 1546 sei. 

9. Noch eine zweite barberinische Handschrift, N. 1676, 
ist mir von Hänel als Abschrift der florentinischen, ver- 
glichen mit einem vaticanischen und einem anderen Codex 
bezeichnet worden. War es etwa die Handschrift des Lukas 
Holstenius, auf dessen eigenhändige Randnoten Goesius 
sich mitunter bezogen hat !?5)? 

nostro exemplari menda plurima reperias, quae ıpse Varanus agnoscendo 
corrigere non tentauit. 

103) P. Crinitus de honesta disciplina XXI, 10. XXXV, 4. s. Rhein. Mus. 
VII, 216. 

104) s. oben S. 15. Die dort angeführten Worte des Metellus: ,,Colotius 
Romae habebat apud quem uidi*, sollen wohl nur sagen, dass er eben 
jene florentinische Handschrift bei Colotius gesehen und copirt habe. 


105) s. dessen Admonitie de litteris singularibus margini appositis: „H: 
Lucas Holstenius, qui coniecturas quasdam codici suo adiecit. 
d L| 


62 BLUME 


. 10. Genau mit dem florentinischen Origmal überein- 
sümmend ist der von Maier untersuchte Codex Vaticanus 
3894, dessen zweite Hälfte (fol. 15—23) jedoch unter fremd- 
argen Anhängen aueh noch fol 15^ em Fragment: „de 
limitatione agrorum. Diximus ut in media linea designaretur 
umbilicus . .. Apulia arbusta uineaeq.. spectent qui marer“ [sic] 
enthält. 

11. Mehr mit dem modaneser, als mit dem florentinischen 
Codex scheint eine zweite vaticanische:Handschrift, N. 3895, 
übereinzustimmen, welche ebenfals von Maier in Ansehung 
der Hauptmassen untersucht. worden ist.- Sie weicht minde- 
slens in zwei Puncten, so wie jene, von der florentinischen ab: 

a) Der Anfang ist nicht überschrieben: Iunii N ypsi de 
limitibus, sondern M. Iunij. Nypsi de. mensuris (so 
auch Crinitus). 

b) Am Schlusse des ersten Buches wird die Erwähnung 
des: Frontinus ausdrüklich nur als Variante. der floren- 
ünischen Handschrift angegeben: „In cedice Florentino 
sic: Iulii Frontini Siculi Explicit lib. primus.“ " 

Ausserdem hat c) das zweite Stük nicht die Ueberschrift: 
Ex corpore Theod.-u.s. w., sondern: Ex secundo titulo 
Theodosii libri de fin. reg. - 

d) Am Schlusse des zweiten Buches steht: M. lunii. 
Nypsi opusculum fragmentatum finit." — Endlich sind - 

e) auch die Anhünge verschieden: sie handeln de pon- 
deribus und de mensuris, sind aber neueren Ursprungs. 

Wünschenswerth wäse es zu erfahren, in wie fern etwa 
auch der dritte, vierle und fünfte dieser Puncte mit der 
Modaneser Handschrift zusammentrift, 

Endlich 12— 16) werden noch einige neue Pariser 
Handschriften angeführt, welche insgesamt zur dritten Classe 
zu gehóren scheinen: námlich eine schon bei Montfaucon 


- 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 63 


verzeichnete Handschrift von 5. Germain '?*), und vier bis 
fünf von Vesme in Turin im J. 1838 brieflich erwähnte 
Codices, die mit dem „Memmianus alter“ (oben Num. 6) über- 
einzustimmen scheinen '?”). 


Ich schliesse die Uebersicht dieser dritten Handschriften- 
classe mil einer Angabe der Textabdrücke, welche derselben 
entlehnt sind. 

Auf die fragmentarischen Ausaüge von Crinitus (1504) 
Alciat (1519. 1529) und Gallesius Massa (1543) folgte 
im J. 1560 zu Hom die erste. Ausgabe des vermeinten 
Frontinus de coloniis, vielleicht vorbereitet von Ant. Massa 
oder dem 1559 gestorbenen Bas. Zanchi.. Ich habe sie 
nicht gesehen; Scriver erklärt sie für das wörtliche Vor- 
bild der zweiten, zu Paris 1588 erschienenen !''*?j Demnach 
kan der liber Puteani, welcher als Grundlage dieser 
ıweiten Ausgabe bezeichnet wird, nur ein gedruktes Exemplár 
der römischen gewesen sein '”). 

Vervollständigt wurde dieser alfabetische liber regionum 
dureh Scriver 1607 (Note 33*), der zugleich die frontinischen 
Fragmente de limitibus binzufügte. Keuchen's Frontinus 
enthält nur den Scriver'schen Text, zum Theil ohne Scriver's 

106) Montfa ucon bibl. Il, 1153E: ,,3) Jun. Nupsii lib. I de limitibus 
4) Ex corp. Theod, “ 

107) Es sollen die Numern 86079 A. 8679 B (?). 8732 A. 8732B und 8812 sein. 

108) In der Ausgabe des Vegetius etc. pag. 185. 186: „cum romanam 
editionem, nullis alis codicibus instructi, verbotenus expresserint . .. 
nisi quod amplius legis Mamiliae, Rosciae etc. quaedam capita . . . 
addiderint, atque insuper fragmentum (ut uocant) de Agris assignatis 
et Limitum constitutionibus, desumptum ex Turnebi volumine Variorum 
Auctorum de limitibus. Den genaueren Titel der Pariser Ausgabe 
(angeblich von Opsopoeus) s. Rhein. Mus. VII, 226. 

109) Mehr sagt auch Opsopoeus in den pag. 70 angehängten Noten nicht. 


Erst Rigaltius, der den Opsopoeus irrig zum Herausgeber des Ganzen 
macht, spricht von einem codex Puteani, not. p. 86, bei Goes. p. 250. 


64 . BLUME 


Einleitungen; nur dafür darf auch er als Zeuge gelten, dass 
die von Scriver verheissenen. erláuternden Anhänge nie er- 
schienen sind,. denn Keuchen hat alle Verweisungen- auf 
dieselben ausgelassen. . 


Vierte,Classe 


Die Handschriften des Pseudo-Boethius.. 


In den Gesamtausgaben der Werke des Boethius ''?) 
findet sich am Schlusse zuerst eine angebliche Üebersezung 
des Euklides in zwei Büchern !!), und: dann auf zehn 
Seiten ein. Anhang mit der Ueberschrift: „Boethii liber 
de geometria^!'*. Halten wir .uns zunächst an diese 
Ausgaben, so finden sich im ersten Buche Euklid’s auch die 
agrunensorischen Excerpte.aus ihm wieder, und zwar um 
Vieles ausführlicher, als bei den Agrimensoren; am Eingang 
des zweiten steht eine Definition der mensura, „secundum 
Iulium Frontinum Geometricae artis inspectorem prouidis- 
simum“, die aber vielmehr von Balbus herstammt (pag. 94 


110) Ich citire die neueste Basler Ausgabe vom J. 1570 fol, mit einer Vor- 
rede von Henr. Glareanus vom J. 1546. Die älteren Ausgaben 
(Venet. 1491. 96. 99. Basil. 1546. fol,) babe ich nicht vergleichen können; 
doch stimmen sie nach Lachmann's Zeugnis namentlich in den 
geometrischen Stücken ganz mit der neuesten überein, wie denn auch 
in dieser nur eine Vorrede von Nicol. Judecus, Professor zu Padua, 
denselben vorangeht (p.1481— 86). In der von Lachmann ein- 
gesehenen Venedischen Ausgabe von 1499 fehlt gegen die Basler Aus- 
gaben von 1546 und 1570 nur Blatt 64 die Darstellung des abacus, 
welche Glareanus S. 1210 giebt (S. 1518 der neuesten Ausg. von 1570). 

111) pag. 1487 —1536. 

112) p. 1536 in fine bis 1546. Am Schlusse heisst es: „Finis Lib. de 
Geometria Anitii Manlii Seuerini Boethii. In quo opere si quid amplius 
requiri uidebitur cuipiam, boni aequiq; consulat: nam plurimos locos 
emendauimus, in quibusdam uisum est cuique suum indicium relinquere, 
nihilque temere mutare. Certe quantum diligentia, industria et impensis 
potuit fieri, a nobis nihil est omissum. ** 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 65 


unserer Ausgabe); und der Anhang des: Boethius besteht, 
ausser einer Art von Examinatorium und einigen arithmeti- 
schen Lehren (p. 1541— 46), fast nur m Excerpten und 
Reminiscenzen aus Cassiodor, Columella, und den 
Agrimensoren. Sie beginnen mit einer Einleitung aus Cas- 
sio dor's Geometrie (pag. 1536.37); das Uebrige (p. 1537—41) 
schliesst sich dem Arcerianus oft wörtlich, oft selbst buch- 
stäblich in sichtbar :corrumpirten Lesarten an; doch steht 
auch eine Stelle aus Cassiodor's Astronomie, und manches 
Andere darunter, was sich sonst gar nicht, oder doch nur in 
Handschriften zweiter Classe erhalten hat. Mit diesen 
Handschriften stimmt namentlich auch die Uebersezung des 
Euklid überein. Ein angeblicher Brief des Julius Caesar, 
welcher voranstehen soll, enthält nichts als ein paar Excerpte 
aus Hyginus, in welchen Julius Caesar genant wird‘); 
den Schluss aber (p. 1540. 41) bildet ein Verzeichnis aller 
Agrimensoren und aller Arten von Grenzsteinen. 

Ganz anders aber erscheint der Zusammenhang dieser 
Stücke nach den besseren Handschriften derselben. Nicht von 
Boethius allein, sondern von einem ungenanten Compilator 
ist jener aus Euklid '‘) und den Agrimensoren zusammen- 
gesezte Anhang, welchen Lachmann, gestüzt auf den Schluss 
des Bamberger Codex, als demonstratio artis geome- 
tricae bezeichnet, und so weit er irgend erheblich schien, in 
unsere Ausgabe aufgenommen hat (S. 393—412). Die meisten 


113) S. 176. 177 unserer Ausgabe; bei Goesius pag. 160. 

114) Cassiodor. Variar. I. 45. Als Bruchstücke einer ächten Uebersezung 
des Euklides durch Boethius dürften die zum 14ten und 15ten 
Buche eines Mathematikers ‘gehörigen Palimpsestenfragmente in Verona 
(Cod. 38. 101. 331—332. 336—343. 338—341) anzusehen sein, welche 
auch der gedrukten Uebersezung der Auszüge des Hypsikles (Basel 
1558 fol. pag. 468sqq.) sichtbar verwandt sind. vgl. mein Iter italicum 
I, 263. 264. 


Römische Feldmesser II. 5 


66 - BLUME 

Codices freilich. schreiben ihn dem Beethius zu; Einzelne 
aber dem Nypsus, oder Gerbert; noeh Andere nennen 
keinen Autor. Aber auch unter den ührigen dem Boethius 
sugeschriebenen Stücken ist manches offenbar Fremdarlige 
(9. 413—416 unserer Ausgabe), so dass zen wohl zweifeln 
darf, ob er überhaupt eine eigene Geometrie (Gerbert er- 
wühnt ihrer nicht) geschrieben habe. | 

Während aber vom Boethius uns nichts zu bleiben 
scheint, als seine Uebersezung des Euklid, dürfen wir eben 
a0 wenig in-den Exeerpten aus‘ Cassiodor''‘) eine Ver- 
suchung finden, uns etwa diesen als den Urheber der de- 
monstratio zu denken. Schon die Auszüge pus Isidor yon 
Sevilla verrathen einen Compilator des siebenten oder eines 
späteren Jahrhunderts; vielleicht eisen Zeitgenossen des 
Gerbert, der wie dieser auch die Handschrifi von Bobbio 
benuzte, nur íreilich ohne zu einem leidlichen Verständnis 
der Sache zu gelangen: Den Namen jedes grösseren Mannes 
würde, wie schon Niebuhr von Boethius sagte D diese 
Autorschaft nur entweihen. 

Versuchen wir, die zahlreichen Handschriften dieser 
vierten Classe. nach den darin genanten Verfassern zu u ordnen, 
so finden ich MEE 

A) als Handschriften, welche bei. der demonatzatio arts 
geometricae gar keinen Autor nennen: 

1). Der Codex Regino-Vaticanus 1023 im. Rom 
(Vol. CXV non Petauianum) aus dem ‚zehnten oder eilften 
Jahrhundert, in Grosquart, worin vor einer abgekürzten 
westgotischen lex romana, auf fol 16* ein Stük über die 


115) Cassiodor spricht von den Agrimensoren überhaupt, und von Hyginus 
insbesondere, in. folgender Stelle: „hoc auctor Hyrummeticus redegit 
ad dogma conscriptum *, (Variar. III, 52), wo schon Rigaltius (not. 
p. 128) die Aenderung „Hyginus gromaticus‘“ vorgeschlagen hat. 

116) Róm. Geschichte II, 555 der ersten Ausgabe. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 67 


eonirouersia de àlluuione mit der Ueberschrift enthalten ist: 
„Lex de alluuione Sumpta ex epistola .diui Julii Quae ad 
eriginem geometricae artis pertinet. ^ Das-nun folgende be- 
tft die controuersia de àlluuione aus Hyginus (pag. 124. 125. 
399. 400 unserer Ausgabe). . 


2) Die von Schmeller untersuchte Münchner Hand- 
schrift (Cod. lat. 560 saec. XII in Grosquart, bei Lach- 
mann codex m). Sie beginnt fol. 122 mit der demonstratio 
ohne Ueberschrift, und erst fol. 129—149 folgt Euclid in 
der angeblichen Uebersezung des Boethius. 


3) Vielleicht aueh die zweite, von Schmeller ver- 
glichene Münchner Handschrift, aus neun Octavblättern 
von Pergament bestehend, die einem neueren, von Friedrich 
Lindenbrög geschriebenen Codex beigebunden sind. Dies 
ist der Codex Augustanus Jes. 24, herstammend aus der 
Peutingerischen Bibliothek. Der Anfang fehlt; das noch 
vorhandene entspricht den Blättern 123—130 der vorigen 
Handschrift. In Lachmann's Tabelle codex a. 


B) Handschriften mit dem Namen Nypsus sind: 


4) Der älteste bisher bekante Codex dieser Classe, nàm- 
lich der Bamberger H J IV, 22, von Jäck in das eilfte, von 
Hrn. Professor von Jan. zu Schweinfurt mit besseren Grün- 
den in das neunte oder zehnte Jahrhundert gesezt '!")j Ent- 
hält auf 29 Seiten nur die demonstratio artis geometricae, 
unter dem Titel: „Lib. Junij Nipsj de mensuris.“ Wir be- 
sizen durch die Güte des Hrn. von Jan eine vollständige 
Abschriit. Von Lachmann als cod. b benuzt, und in der 
Tabelle pag. XI genauer zerlegt. : 


117) Jäck Beschreibung der öffentlichen Bibliothek zu Bamberg, Th. I. 1831 
S. 119. — Dazu L. von Jan in der Zeitschrift für Alterthumswissen- 
schaft 1844 Num. 55. 


5* 


68 BLUME 


5) Die von Goesius erwáhnte Handschrift, aus welcher 
er pag. 201. 202 seiner Noten Varianten des Nypsus zur 
s. g. lex de sepulchris (pag. 271. 72 unserer Ausgabe) mit- 
teilt. Denn in den Handschriften dritter Classe komt diese 
lex nicht vor (oben S. 52), wohl aber ist ein kleiner Theil 
derselben im Bamberger Nipsus (pag 409 unserer Ausgabe) 
vorhanden. Fand Goesius sie etwa in der Geometrie des 
Gerbert, die er dem Rutgersius verdankte !!5) ? 

C) Handschriften mit dem Namen des Boethius: 

6) Die Rostoker Handschrift IV. 111. 4, aus der ersten 
Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, welche Lachmann nach 
Huschke's Collationen als r(ostochiensis codex) und in ihren 
späteren Stücken als R(ostochiensia excerpta ) bezeichnet 
hat. In Folge der von Herrn Consistorialrath Leist neuer- 
dings angestellten Nachforschungen ist über die Herkunft 
dieser Handschrift nur so viel zu sagen, dass sie 1789 schon 
in Rostok war; auch lässt der Unischlag mit einigem Grunde 
vermuten, dass sie früher in Hildesheim gewesen sei. Auf 
Boethius weiset ausser der Aufschrift des Einbandes: „Geome- 
tria Manlii ^ nur noch die Ueberschrift der ersten 16 Seiten (r), 
welche übrigens, wie Lachmann’s Tabelle S. XI med. ergiebt, 
meist mit der Bamberger Handschrift übereinstimmen. Sie 
lautet: , Incipiunt libri Anicii Manlij severini boecij artis 
geometricae numero [III ab euclide translati de greco in 
latinum.“ Dagegen enthalten die angebundenen, in etwas 
grösserem Format geschriebenen Rostochiensia excerpta, 
d. h. S. 19—39 derselben Handschrift, gar keine Hinweisung 
auf Boethius; sie bestehen auch fast nur in Excerpten aus 
Nypsus, Balbus, Columella und Isidorus. An diese aber 
schliesst sich der dritte Haupitheil der Handschrift (S. 41 bis 
64) an, der hauptsächlich aus Gerbert's Geometrie cap. 14 

118) s. Goesii notae pag. 142. unten Num. 20. 





Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 69 


bis 94 entnommen ist. Von diesen. Stücken ist in Lach- 
mann's Tabelle (pag. XI. unter R) nur dasjenige enthalten, 
was für unsere Ausgabe benuzt werden konte; wir haben 
aber in seinem Nachlasse noch eine sehr genaue Analyse 
derselben gefunden, welche als Beilage auf diese Abhand- 
lung folgen soll. 

7) Der schon oben (S. 9. 59) erwähnte, von Scriver 
erworbene codex Nansianus des Boethius. 

8) Eine Handschrift in Bern, (Num. 299, in Quart) aus 
dem zehnten Jahrhundert, welche von Strasburg dorthin 
gekommen ist!!?), und worin sich ausser dem im Boethius 
Gedrukten auch die aus den Handschriften zweiter Classe 
bekante Abhandlung über die Längenmaasse (S. 371—376 
unserer Ausgabe) befindet. (Eben dieses Stük hatte Rigal- 
tius auch noch in einer Pariser Handschrift neben’ dem 
Volusius Maecianus de distributione assis gefunden. !*") 

9) Noch. wichtiger ist. die zweite Handschrift zu Bern 
(num. 87 in folio) ebenfals aus der Strasburger Dombibliothek, 
und im J. 1004 geschrieben: höchst wahrscheinlich der schon 
von Sichard erwähnte Strasburger Codex '*'). Sie umfasst 
nemlich ausser den im vorigen Codex enthaltenen Stücken 
auch noch fol. 14 Auszüge unter dem Namen Frontinus 
de qualitate agrorum, und Aggeni Vrbici; dann fol. 15 
bis 18 de limitibus, endlieh noch e libro Censorino [sic] 
de Geometrica. Die agrimensorischen Stellen stehen bei 

119) Die Strasburger Dombibliothek stammte hauptsächlich vom Bischof 
Werner I, der im J. 1015 den Dombau begann; sie wurde 1592, bei 
dem bischóflichen Schisma, zerstreuet, und kam 1603 grossenteils in die 
Hände von Paul Petau und von Bongars, von Lezterem aber teilweise 
weiter nach Bern. Sinner catal cod. mss. bibl. bernensis. Bernae 
1760 praef. pag. VI. VII. 

120) Sinner l. c. pag. 202—296. Streuber in der jénaischen Literatur- 


zeitung 1845 Num, 117. 118. Rhein. Mus. VII, 231. 32. 
121) Sinner pag. 297. 98. Streuber und Rhein. Mus. a. a. 0, - 


70 BLUNE 


Goesius pag. 39. 314—25. 290—92. 147—150. 199. 311. 
26. 38. 44—49. 151. 167 — 177. 30— 36. | 
. 10) Auch im Trinity College zu Cambridge ist eine, 
allem Anschein nach der vorigen ähnliche Handschrift, wenn 
man nicht etwa zweifeln will, ob die im Katalog aufgeführ- 
ten Namen !?*) auch wirklich in der Handschrift selber 
stehen, oder nur der Kürze halben aus einer verglichenen 
Ausgabe der Agrimensoren entlehnt seien. 
11) In der Malatestischen Bibliothek zu Cesena habe 
ich, ziemlich gegen das Ende der Platei sinistri, eine Hand- 


schrift des Boethius de geometra, Euklides u. A. in 


Händen gehabt, welche auch Stellen aus den Agrimensoren 
de controuersiis entlehnt. Zu genauerer Prüfung gebrach 
es leider an Zeit. 

12. 13) Zwei Wiener, neuerdings von Endlicher* 
beschriebene Handschriften des Boethius scheinen weniger 
ergiebig zu sein. Die erste (cod. 364) scheint ausser dem 
Euklid nur die demonstratio artis geometricae zu enthalten; 
die zweite (cod. 369) wiederholt noch Manrhes,. was bei 
Goesius (p. 26. 150. 151. 263—867. 270 —72. 278— 80. 
311—15. 153. 170—76) vorkomt, aber in verstümmelter Ge- 


122) Catal. mss. Angliae T. II p. 99, 100. Num. 49. 22: 

Boethii geometria. 
Hyginus de limitibus constituendis. 

' Frontini 
Aggeni _ 
Censorini 
Cassiodori 
Rhemnius Palaemon de ponderibus. 
Liber Musicus. 

Ganz übereinstimmend lautet die Angabe bei Montfaucon bibl. p. 670, 

nur dass hier der liber musious fehlt. 


123) Endlicher catal. codi. philol. latinor. bibl pelat. Vindob. 1836. 4°. 
pag. 254—257. 


C 


fragmenta. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. 71 


stalt. Den Schluss bilden Auszüge aus Macrobius und 
Martianus Capella. ! 

14) Ferner hat Andreas Schott, wie schon oben 
$27.28 bemerkt worden, im J. 1616 hinter einigen Tabellen 
über Münzen und Maasse, und vor Excerpten aus Epaphro- 
ditus und Vitruuius Rufus, auch geometrische ‘Stücke 
des Boethius -abdrecken lassen, die er in einer Cistercienser- 
abtei in Flandern mit dem Boethius de musica gefunden 
hatte !'.. Ob sonst etwas Agrimensorisches in diesem Codex 
gestanden, lässt sieh aus Schott's Vorrede nicht ersehen. 

15) Eben so wenig lásst sich errathen, ob und welche 
ammensoriSche- Stücke im einer zweiten Handschrift det 
Regino- Vaticana !'*) vorkommen mögen, wenn gleich 
de Vermutung immer dafür spricht, dass sich überall neben 
der Geometrie des Boethius auch eine Beimischung von 
&er Art finden werde. Dasselbe gilt endlich 

16) auch von einer Handschrift des Sir Thomas 
Philips zu Middiehill, welche aus der Abtei S. Martin 
M Tournay stammt 1**). 

Die. zahlreichen: Handschriften, welche nur die Arith- 
metik, und nichts von einer Geometrie des Boethius oder 
Euklides enthalten sollen, dürfen hier ganz unerwühnt bleiben, 

134) Tabulae rei Nummariae Bomanorum Graecorumque. Antuerpiae 1615. 
(die Vorrede ist aher vom J. 1616) 8. Angehängt sind ohne Titel: 
1) de mensibus rom. et atticis; 2) tabulae anomalorum uerborum Grae- 
corum; 3) unsere Fragmente mit folgender Vorrede: ,,Incidi nuper dum 
Belgicas, ut meus est mos, lustro bibliothecas, in Dunensis peruerteris 
[sic] Abbatiae, ordinis Cistercensium, codicem perantiquum, qui Boetium 


de Musica ac Geometria contineret, cuius initio haec erant, quae nunc 
damus. * . 
125) Nach der älteren Zählung (Montfaucon bibl. p. 25) Num. 508: 
Euclidis geometria cum expositionibus. Geometrica quaedam, inter 
quae Boetii liber ex Euclide, ad Patricium filium. 
126) Ránel catalogi libr. mss. col. 878: „2146. Boetii arithmetica, Euclidis 
geometria. ** | 


72 BLUME 


D) Was endlich die Handschriften anlangt, welche 
Gerbert's Namen enthalten, so findet sich freilich in der 
gedrukten Geometrie desselben nur eine Stelle aus 
Hyginus, die auch in den Anhängen des zweiten Bemer 
Codex des Boethius (Num.9) gefunden ist ‘*”); in den Hand- 
schriften wird sich aber wahrscheinlich noch manches Aehn- 
liche finden. Nachweisbar sind, ausser dem schon erwühn- 
ten Rostoker Codex (Num. 6): 

17) Die Handschrift des Peterstifis zu Salzb urg, nach 
welcher jene Ausgabe von Pez besorgt worden ist !**). 

18) Der schon von Mabillon !!*) erwähnte und von 
Rigault benuzte thuanische Codex, welchen de Thou 
durch Vermächtnis von. Nic. Faber erworben hatte‘); 
er ist später mit der Colbert'schen Samlung in die grosse 
Pariser Bibliothek gekommen !?‘). Rigault entlehnte ihm die 
Fragmenta terminalia (bei Goes. p. 147— 149) die auch in 
dem gedrukten Boethius (pag. 1539. 40.) vorkommen, und 
jezt als Theil der demonstratio artis geomeiricae. (Lachmann 
401—403) erkant worden sind. Auch hat er gewiss dieselbe 
Handschrift gemeint, wenn er anderswo das zweite Buch 


- 


127) cap. 93: ,Optimum* bis ,scribimus* (Goes. p. 174—176, in unserer 
Ausgabe pag. 188, 14—190, 12. Die oben (S.10. 11) aus Rigault' 
Anmerkungen angeführte Stelle findet sich in dem gedrukten Werke nicht. 

128) Gerberti tractatus de geometria, in Pez thesaurus anecdotorum 
Tom. III P. 2. 

129) Mabillon analecta Vol. II. pag. 212. Er bezeichnet iha als coder 28. 
Im Catalogus bibl. Thuanae T. II. pag. 434 ed. Lauenb. 1710. 8. wird 
die Handschrift beschrieben: „Boetii Musica. Arithmetica. Gerberti 
Geometria et Rhythmomachia. “ 

130) Rigaltii,notae pag. 7, bei Goes. p. 211: ,, Fragmenta terminalis . 
ex codice qui Nicolai Fabri testamento una cum plurimis lectnsimiequ 
codicibus ad praestantissimum Thuanum peruenit." 

131) Hock Gerbert und sein Jahrhundert 1837. S. 174, nach Oudin 
supplem. Bellarmin. p. 313. 


= 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. . 78 


des Boethius '**), oder „die Ueberarbeitung des Boethius durch 
Gerbert oder einen Anderen“ anführt '*!), 

20) Die Handschrift des Go esius, in welcher dieser 
den Namen des Gerbert, als Autors des Balbischen Briefes 
ad Celsum gefunden, kan mit der vorigen nicht identisch 
sein, obwohl er selber es zu glauben scheint. Dass er sich 
über seine eigene Handschrift täuschte, ergiebt sich schon 
daraus, dass er sie mit der Abschrift des Arcerianus von der 
Hand des Nansius verwechselt, welche Rigaltius von Rutgers 
erhalten hatte (oben S. 39. 68.). 

21) Eine von Haenel erwühnte Handschrift zu Mont- 
pellier, in der Bibliothek der école de médecine !**). . 

22). Auch in der Farnesiana (jezt in Neapel) sall früher 
eine Handschrift.der Geometrie gewesen sein !!5). 

23) Endlich vielleicht auch eine Handschrift der 
bibliotheca Regino- Vaticana in Rom ''5, wobei freilich 
zu bemerken ist, dass bisher in Gerberts Arithmetik sich 
eben so wenig als in seiner Correspondenz mit Adalbold 
irgend etwas agrimensorischen -Inhaltes gefunden hat. 


In.den vier Handschrienclassen, wie sie bisher dar- 
gelegt worden, ist unstreitig Alles enthalten gewesen, was 
jemals den alten agrimensorischen Pandekten angehört hat; 


132) z. B. not. p. 52. 53. 64., bei Goes. p. 234. 239. 

133) not. p. 65, bei Goes. p. 240: „Gerbertus, sine quis alus Boetii 
Geometrica sublegit.'* 

134) Hänel catalogi libror. ms. col. 236: B. A91. Gerbertus et alii de 
geometría, de ponderibus et mensuris. Membr. 8^. 

135) Hock &. a. O., nach Onuphrius Panuinius und Cave (hist. I litt. 
p. 512). 

136) Montfaucon bibl. pag. 24: „ 480. Gerberti Scholastici arithmetica 
Bernelini Abaci Musica, Arithmetica et Geometria. Gerberti ad Adal- 
boldum nonnulla. Adalboldi ad. Gerbertum nonnulla." Die Num. 480 
gebórt der alten Zählung an. ' 


74 PLUME | s 


die Herausgeber haben aber noch Einiges hinzugefügt, was 
gewiss nie darin enthalten war. So Rigaltius die capita 
legis agrariae des Seruilius Rullus (vor pag. 1), welche 
Goesius noch erweiterte (pag. 3854— 360),- und mit Frag- 
menten der lex Thoria (pag. 329—338) der lex Licinia und 
dergl. mehr (pag. 348-354) zusammenstelite. Sogar durch 
zwei Stellen der justihianischen Digesten ist auf diese wil- 
kürliche Weise seine Ausgabe (pag. 345.46) vermehrt werden. 


. Der Vollständigkeit halber ‚darf auch noch eine Angabe 
der handschriftichen Vorarbeiten, welche für künftige Aus- 
&äben der Agrimensoren unternommen zu sem scheinen, hier 
angeführt werden. Sie sind in Paris, Edinburgh, Dotpat und 
Mündhen zu finden. 

— ] |n Paris, auf der grossen Bibliothek, vier: von 
Savigny verglichene Exemplare der Ternebisehen Ausgabe 
mit handschriftliöhen Noten !*"), netheh: 

F. 1790: ‚von C. Puteanus. 

F.1791: von P. Pithou, deren dieser selber mit dem 
Wunsche,. gedacht hat, dass man sie aufbewähren möge 
und zwar: , avec les papiers qui sont dedans," ‘Auch Rand- 
dolen von Franz Pithou sollen darunter sein 1°); 

F.1792: von Perrot; am wenigsten bedeutend (Rhein. 
Mug. VII, 206. | | 

F. 1793: von Rigaltius. 

IL. In Edimburg, bei einem Buchliindler hat Hänel 
ein anderes Exemplar mit Higault's . Randnoten gesehen, 
welches von Leyden dorthin gekommen war. 

137) vgl. oben Note 51. -— Benuzt von Biener (?) in Hugo’s ius ciuile 


 antetostiniameum Vol. I. 1815 p. 1543 — 1556. - 
138) Boivin vita Pithoei pag. 90. 91. 94. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. Y5 


II. In Dorpat, unter Haubold’s handschriftlichem 
Nachlass, befinden sich, nach einer van Clossius mir mib- 
geteilten Notiz folgende Vorarbeiten: " 

„Num. 75: 184 Blätter, zum Theil gedrukte von der 
Goesischen Ausgabe. Ueberschrieben: Ad Auctores rei agra- 
riae, quae ad ius perlinent. Enthält: 1) Codices 2) Editiones 
3) Apparatus litterarius 4) die Agrimensoren selbst, mil 
Randbemerkungen. 5) Plan einer neuen Ausgabe des juri- 
stischen Theils der Agrimensoren, mit Angabe der einzelen 
Stücke; eine tabula collationem priorum editionum sistens, 
einen index historicus et geographicus, index uerborum et 
rerum." ] 

„Num. 81. Quartband aus Goeaius, enthaltend Fron- 
tinus, Siculus Flaccus, Hyginus. Netie Ueberschriften, 
Capiteleinteilungen u. s. w., aber wenig Anmerkungen. Auch 
Frontinus aus der Keuchen'schen Ausgabe, 1661, zer- 
schnitten, aber ohne Anmerkungen.“ | 

. IV. In München, die schon oben (S. 67) erwühnte 
Lindenbrogische Abschrift aus verschiedenen alten Hand- 
schriften (Cod. Aug. Jes. 24), überschrieben: Agrimensores 
seu geometrae ueleres ex antiquissimis sed  mendosissimis 
membranis cum naeuis suis descripti inanu' Friderici. Linden- 
brogii und enthaltend: 1) Hyginus de limitibus fol. 1. 
2) Hyginus Gromaticus de diuisionibus agrorum, fol. 8 
3) Simplicius [??] de nominibus lapidum finalium, limitum, 
agrorum ex Msto Florentino fol 27. :4) Marcus Baro de 
geomelria fol. 35. 6) Marcus Junius Nipsus fol. 38. 
7) Agenus Vrbicus de controuersis agrórum fol. 43. 
8) Apophroditus et Betruuius Rufus architecton fol. 51. 
9 Lucius Junius Moderatus [??] e codice florentino 
fol. 60. 10) Addenda ad finem L. Frontonis excusi p. 52. 
fol. 77. 


76 - BLUME 


Die Ausgaben und Abdrüeke der agrimensorischen 
Samlungen und einzelner Stücke derselben, 
chronologisch geordnet. 


1491. 1496. 1499. Venedische Ausgaben des Boethius, 
nach Handschriften vierter Classe, s. oben S. 64. 65. 

[1504. Petrus Crinitus de honesta disciplina XXI, 10. 
XXXV,4, nach Handschr. dritter Classe. s. oben S. 61.] 

[1519. 1590. Alciatus, nach Handschr. dritter Classe, 
oben S. 54. 55.] | 

1528. Jo. Sichardus, hinter dem Codex Theodosianus. 
Basil. 1528, fol. 170—177: Julius Frontinus [richtiger Bal- 
bus] ad Celsum, die juristischen Excerpte und 
Aggenus Vrbicus, nach dem Fuldaer Codex z weiter 
Classe. s. oben S.49. 

[1543. Gallesius Massa; nach Handschr. dritter Classe, 
oben S. 51.] 

1546. Basler Ausgabe des B oethius, Handschr. vierter 
Classe. s. oben S. 64. 65. und Beilage von Lachmann. 

1554. DE AGRORVM CONDITIOlnibus, et constitutionibus 
limitum, | SICVLI FLACCI lib. I. | IVLII FRONTINI 
lib. I. | AGGENI VRBICI lib. II. | HYGENI GROMA- 
TICI lib.II. | VARIORVM AVCTORVM | Ordines finitio- 
num. De iugeribus metiundis. | Finium regundorum. Lex 
Mamilia. Colonia|rum pop.Romani descriptio. Terminorum 
in|scriptiones et formae, De generibus lineamen |torum. 
De mensuris et ponderibus. | Omnia figuris illustrata. | 
PARISIIS, M. D. LIII. | Apud Adr. Turnebum typó- 
graphum Regium. | EX PRIVILEGIO REGIS. | Mit 
Vorrede von P. Galland. Der Text. auf 257. und 20 
besonders gezählten Quartseiten. Nach der Handschr. 
von S. Omer zweiter Classe, und nach Auszügen aus 
dem Arcerianus erster Classe, vielleicht auch nach 
einer Handschr. vierter Classe. Oben S.28. 42. 43. 

1560, Römische Ausgabe des s. g. Frontinus de coloniis, nach 
Handschr. erster und dritter Classe. Oben S. 63. 


Handschriften und Ausgaben der Agrimensoren. — 77 


1570. Neueste Ausgabe des Boethius zu Basel: 

1588. Die Pariser Ausgabe des Frontinus de colonis, Nach- 
druk der rómischen, mit einigen Noten von Opsopoeeus, 
oben S. 63. 

1607. Fl. Vegetii Renati aliorumque aliquot veterum de Re 
Militari libri. Accedunt Frontini Strategematibus eiusdem 
auctoris alia epuscula. Omnia emendatius, quaedam 
nunc primum edita a Petro Scriuerio. Cum Com- 
mentariis aut Notis God. Stewechii et Fr. Modii. (Lug- 
duni) In Officina Plantiniana Raphelengij. 4°. Nach 
Handschriften erster, dritter (und vierter?) Classe. 
s. oben S. 28. 29. 42. 54. In der Duodezausgabe von 
1633 fehlen die agrimensorischen : Stücke. 

1614. Auctores Finium regundórum. Nicolai Rigaltii 
observationes et notae. ltem glossae agrimensoriae. 
Lutetiae apud Joannem Libertum. Nach Handschr. erster 
zweiter und vierter Classe. Oben S. 29. 49. 72. 

1616. Schott's Ausgabe des Epaphroditus und Vitru- 
uius Rufus, nach Handschr. vierter Classe. s. oben 
S. 28. 71. | 

1660. R(adbod) S(chele's) Ausgabe H yginus et Poly- 
bius de castris romanorum. Amstelodami. 4*, mach 
Handschr. erster Classe. Oben S. 29. 

1661. Keuchen's Nachdruk des Scriverschen Frontinus: 
Amstelod. 8°. Oben S. 28. 

1674. Rei agrariae auctores legesque variae. Quaedam nunc 
primum, caetera emendaliora prodeunt: eura Wilelmi 
Goesii Cujus accedunt Indices, Antiquitates agrariae 
et Notae: Una cum Nicolai Rigaltii Notis et Obser- 
vationibus, nec non Glossario ejusdem. - Amstelredami. 
4°. oben S. 29. 68. 73. 

Da diese Ausgabe die einzige weit verbreitete, und 
in unserer sonstigen Literatur bisher regelmässig ange- 
führte ist, so soll in einer besonderen, diesem Bande. 
angehüngten Tabelle eine Nachweisung ihrer Seiten- 
zahlen nach der Anordnung unserer neuen Ausgabe 
gegeben werden. 


78 BLUME Handschriften und Ausgaben der Agrimengoren.- 


[1722. Pez thesaurus anecdototum nouissimus Vol. IIT. P. II. 
. eol 5sqq: Gerberts Geometrie, nach einer , Handschr. 
vierter Classe. Oben S. 72.] 

1738—42. Muratori antiquitatum italicarum T. Hl. diss. 44: 
Handschr. dritter Classe zu Modena. Oben S. 60. 
1812. Bredow epistolae Parisienses, pag. 201 sqq., von Hase: 

Epaphroditus und Vitruuius Rufus nach dem Arce- 
 rianus erster Classe. Oben S. 28. 

1815. (Biener?) in Hugo's ius ciuile anteiustinianeum 
T.II. pag. 1543— 1556: die juristischen Excerpte mit 
Berüksichtigung der Weimar schen Handschri erster 
Classe. Oben S. 40. 

1833. 1835. Meine Abdrücke des Pseudosimplieius und 
des Hyginus de controuersüs im Rheinischen Museum 
für Jurisprudenz Bd. V. VH. Oben S. 29. 

1842. Rei agrariae scriptorum nobiliores reliquiae. Accessit 
legum romanarum agrariarum delectus, ad usum scho- 
larum et optimorum librorum fide et MSS. codd. ope 
recensuit, edidit, notulis instruxit Carolus Giraud, 
iuris antecessor Aq. Sext. Paris chez Videcoq et fils 

1842. 8°. (,forme la 5° et. derniere livraison de la 
„chrestomathie, Prix 10 francs.“) vgl Giraud essai sur 
Phistoire du droit frangzis au moyen age. Tom. T. Paris 
1846. p. 256—269. 

1844. Lachmann's zwei Programme mit Abdrücken des 
Aggenus Vrbicus. Oben S. 29. 

1848. Hygini Gromatici liber de munitionibus castrorum ed. 

: — Chr. Conr. Lud. Lange. Goeltingae 1848. 8°. Nach 

‚ den Wolfenbüttler Handschr. erster und dritter Classe. 


Bonn den 15ten December 1851. 





UEBER DIE DEM BOETHIUS ZUGESCHRIEBENEN 
AGRIMENSORISCHEN STUECKE. 


VON LACHMANN. 


D. Ausgaben der Geometrie des Boethius sind nicht 
wesentlich von einander verschieden. Die älteste die mir 
zu Gebote steht, auf dem vorletzten 69sten Blatte mit der 
Unterschrift Uenetis. Impressum Boetii opus per loannem 
et Gregorium de gregoris fratres felici exitu ad finem vsque 
perductum accuratissimeque emendatum Anno humane re- 
staurationis. 1499. die 8. Julii. Augustino Barbadico Serenis- 
simo Uenetiarum principe Rempu. tenente. enthält Arithmetik 
Musik und Geometrie mit fortlaufenden Seitenzahlen von 2 
an; davor zwei Blätter Titel und Tabula, nach denen unter 
besonderer Záhlung De philosophie consolatione libri quinque. 
De scholariu disciplina liber un* nachfolgen sollen, die aber 
schon 1497 gedruckt sind. Es fehlt ihr gegen die Basler 
Ausgaben von 1546 und 1570 nur Bl. 64. die Darstellung 
des abacus, die. Glareanus S. 1210 giebt, S. 1518 der 
neuesten Ausgabe. 

Aus den Handschriften aber ergiebt sich, dass in der 
Ausgabe zwei verschiedene Werke vermischt sind, von denen 
das eine für uns wichtigere ohne allen Grund des Boethius 
Namen trägt, während das andere, die wirkliche Geometrie 
des Boethius, auch nicht ohne fremdarüge Zusätze überliefert 


Römische Feldmesser Il. 6 
* 


82 LACHMANN 


ist. Ich gebe dem 'ersten den Namen Demonstratio artis 
'" geometricae, den ich aus dem 412, 16 gegebenen Schlusse 
des Ganzen nehme. 


I. Von der demonstratio artis geometricae kenne 
ieh folgende Handschriften mehr oder weniger genau. 


a, In einer aus der peutingerischen Bibliothek her- 
rührenden neueren Handschrift von Friedrich Lindenbrog's 
Hand zu München (Cod. Aug. Jes. 24) sind aus Linden- 
brog's Bibliothek neun alte Membranen in 8°, bezeichnet 
Fragmenta geometriae A. M. S. Boethii. Die Blätter fangen 
395, 13 an: das Ende werde ich nachher angeben. Was 
ich von dieser und den übrigen Münchener Handschriften 
weiss , verdanke ich meinem Freunde Herrn A. Schmeller, 
der mir mit Aufwand von Zeit und Mühe über alles was 
ich fragte Bescheid gegeben hat: ich habe aber nicht nach 
allem ohne Unterschied, was keinen Erfolg versprach, gefragt. 


. b, eine vollständige Handschrift von 16 Blättern (H. T. 
IV. 22, fol. 1 verso — 16), nach Jáck in der Beschreibung 
der Bamberger Pergamenthandschriften S. 119 aus dem 
elften Jahrhundert. Herr Prof. Ludwig von Jan zu Schwein- 
furt, der eine Nachricht über die Handschrift in.der Zeitschrift 
für Alterthumswissenschaft, 1844 S, 433—444, gegeben und 
mir höchst gefällig das Ganze in Abschrift nebst durchge- 
zeichneten Figuren mitgetheilt hat, will sie dem 9ten oder 
lOten Jahrhundert zuschreiben, und hat gefunden dass ein 
chronologischer Abriss, der zu derselben Zeit geschrieben 
scheint, fol. 34v. so abschliesst, Et inde dominus carolus 
solus regnum suscepit, et deo protegente gubernat usque in 
praesentem annum feliciter, qui est annus regni eius XLII. 
imperi autem VIII. Sunt autem totius summae ab origine 


. 
e 


über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. : 83 


mundi anni usque in presentem annum ÍIIIDCCLXI. ‚was 
freilich“, sagt er, „keinen sichern Beweis giebt, da es ja 
auch eine spätere Abschrift sein könnte.“ 


m, eine ebenfalls vollständige Handschrift zu München 
aus dem !2ten Jahrhundert, Cod. Lat. 560, fol. 122—149. 


r, eine am' Ende unvollständige zu Rostock), von 
der ich theils Vergleichung theils Abschrift Huschke ver- 
danke. Es sind sieben Blätter. Eine nähere Beschreibung 
fehlt mir. 


Von den beiden Handschriften zu Bern weiss ich nichts 
näheres als was Sinner in dem catalogus codicum mss. 
bibliothecae Bernensis 1, S. 202—297 giebt, und die Be- 
schreibung von Dr. W. T. Streuber in Basel, in der neuen 
jenaischen allgemeinen Literaturzeitung, 1845 S. 465—468. 


Unter den zu Anfang vollständigen Handschriften haben 
b m keine Ueberschrift, der Druck (ich bediene mich nur des 
alten von 1499, gebe aber die Seitenzahlen des jüngsten 
von 1570) hat S. 1536 Eiusdem Boetii de geometria 
liber. In r ist die rothe Ueberschrift Incipiunt libri Anicii 
Manlij severi boecij artis geometricae numero Ill. ab 
euclide traslati de greco in latinum. Regula artis geome- 
triee quae est fons sensuum et origo diclionum. Eben so in 
den beiden Bernischen, nur nach geometricae mit dem 
Zusatz et arithmeticae. Die ersten Seiten sind überall gleich- 
lautend und bedürfen keiner Beschreibung, da sie in den 
Ausgaben S. 1536—1541 gedruckt sind, in der unsrigen 5.393 
bis 406. Neues, was nicht in unseren Sammlungen besser 


1) Sie ist vollständig auf den ersten 17 Seiten des Quartcodex. Er ist 
aus der ersten Hälfte des. XIII Jabrbunderts. 


6* 


84 | LACHMANN 


stünde, ist wenig oder nichts zu finden, mit Ausnahme des 
Anfangs: das Lob der Geometrie sieht ganz aus wie Agenius 
Urbicus de controversiis. / 

Nach der Aufzählung der Termini hat m ExPLiciT LIBER 
ARTIS GEOMETRICAE PRIMUS, Welche Unterschrift allen übrigen 
fehlt. Aber alle setzen Incipiunt capitula libri huius (m allein 
Incipiunt capitulatjones huius libri). Diese, Worte lässt der 
Druck aus, hat aber denn doch wie alle übrigen, die Capittel 
des folgenden Buches mit der Einleitung Tu qui vis per- 
feclus esse geometricus, lege ista omnia quae subterius, und 
mit dem Schlusse: Si scis ista omnia ad plenitudinem nosti 
locorum segregationem: nam qui ignorant regulam huius 
artis, mulia opponunt falsa pro. veris. 

Hierauf hat 5 Explicit liber primus, r Incipit liber secun- 
dus, m Incipit hber Anicii Manilii Severini Boetii Geomelr- 
corum elementorum ab Euclide translatorum ad omnem 
plenitudinem huius artis geometriae primus, der Druck nichts 
dergleichen: über a bin ich nicht unterrichtet, die Berner 
Handschriften bezeichnen den Anfang eines zweiten Buches. 
Das hier arfgekündigte oder nicht angekündigte neue Buch 
geht im Druck von S. 1541 unten, bei Quomodo inventa 
est geometria, bis 1546, desgleichen in m; in der unvoll- 
ständigen a nur bis arithmelicae usus est S. 1543 gegen die 
Mitte. Aber die erste Berner Handschrift (die zweite ist so 
genau, nicht beschrieben) soll nichts von S. 1544 und den 
folgenden des Druckes enthalten. r gieb& nur die Fragen 
und Antworten, Quomodo inventa est geometria, bis. Pro- 
posicio, dispositio, distribucio, descriptio, demonslracio el 
conclusio, (S. 1541. 1542 im Druck), und fügt dann hinzu 
Quod hic deest, in aritmetica habetur. Explicat liber secun- 
dus aritmetice artis. Incipit. lercius geometrice de figuris. 


über die dem Boethius zugeschriebesen agrimensorischen Stücke. 85 


In der That ist auch. alles, was hier die gedruckten Aus- 
gaben enthalten, nichts als Auszug und Umarbeitung vom 
ersten Buche der Arithmetik, welches man bei oberfläch- 
licher Vergleichung leicht findet. Die Handschrift 5 hat nichts 
daven, aber auch die Fragen und Antworten nieht hier, 
sondern, mit 47 und JM (040a0xaÀog und uaSgrvjc) be- 
zeichnet, ganz am Ende p. 29. 30 (auf dem 15ten und 16ten 
Blatte). Diese Einrichtung kann man nur als Willkür an- 
sehen: denn die capitula libri huius beziehen sich gerade n zu 
Anfang auf die arithmetischen Auszüge. 

Die Ueberschräft des nächsten Abschnittes ist aus r 
schon angeführt: als drittes Buch geben ihn auch die Ber- 
ner Handseliriften. m hat Incipit liber secundus artis geome- 
triae de figuris und 5 bloss Incipit de figuris. Alle fangen 
an Principium mensurae punctum vocatur, cum medium tenet 
fgurae, und hierauf folgt ohne weitere Ueberschrift die 
Uebersetzung des Anfangs der Elemente des Euklides [aber 
nicht die des Boethius, sondern] dieselbe welche die 
zweite Handschriftenclasse der Gromatiker enthält. 
Nur haben die Handschriften der Geometrie nach den Pro- 
legomenen blos die zweite und dritte Aufgabe des ersten 
Buchs, und nicht zu den drei ersten die Auflösungen bei 
Turnebus Append, p.9. 10, bei Goes. S. 318. 319, [welche 
die Feldmessersammlung wörtlich aus der Geometrie des 
Boethius S. 1515— 1517 entlehnt mit Auslassung der Einlei- 
tungen und der Nachschrift.] Statt dessen aber fahren die 
Handschriften der demonstratio artis geometricae noch in der 
Uebersetzung des Euklides fort, doch ohne Beweise und 
Auflösungen, auch sonst noch mit Auslassungen, mit fremd- 
arigen Zusätzen die agrimensorisch aussehen sollen, und in 
wunderlicher Ordnung. — Ich habe alles, in richtiger Ord- 


- 


86 LACHMANN 


nung, aber mit den Zusátzen, dem Anfang des übersetzten 
Euklides 381, 22 — 392, 17 angehängt. 

Zuerst, womit auch der gedruckte Boethius S. 1492 fort- 
fährt, die beiden ersten Definitionen des 2ten Buchs; dann, 
was im Druck hier fehlt, die erste Proposition des zweiten 
Buches. Hierauf die Definitionen -des dritten Buchs, dann 
die zwei ersten des vierten, wie im Druck S. 1492 bis S. 1495. 

Hier folgt, nachher wiederholt und hier im Druck feh- 
lend, die erste Frop. des 4ten Buchs, dann die 6te und Ste 
des dritten. - 

Mit der Ueberschrift De trianguli ratione et linearum in 
b und r, im Druck S. 1495 ff, folgt die zweite und fast voll- 
ständig die übrigen Propositionen des 1sten Buchs; dann 
nach der ersten Prop. des zweiten Buchs die Unterschrift 
Explicit (Explicat 7) ratio angulorum, und dann die folgenden, 
doch nicht alle, bis zur vierzehnten. Danach in 5 leerer 
Raum, in m (f. 141 v) Inc. liber tertius, in r Explicat liber 
tercius, Incipit quartus, auch in den Berner Handschriften 
Anfang des vierten Buchs. 

^ Dies dritte oder vierte fängt mit der 3ien Prop. des 
3ten Buchs an. Soweit folgt der gedruckte Boeth. bis S. 1510: 
die Handschriften haben aber auch noch die siebente mit 
tollen Zusätzen; im Druck übergangen. Dann, wie im Druck 
S. 1510—1514, vom 3ten Buche des Euklides Prop. 22. (diese 
. ohne Anfang) 27. 30—33 und vom 4ien Prop. 1. 2, 3. 4. 

6. 8. 12. 13 mit einem Zusatz am Schlusse der auch im 
Drucke steht. 

Nach den Auszügen aus Euklides fügt m hinzu Expl 
liber tertius A. M. S. B. geom- ab Eucl ir., qui continet 
numerorum causas et divisiones circulorum et omnium figu- 
rarum raliones, extremilalium et summitatium genera angu- 


^ 





über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 87 


lorum et mensurarum expositiones. In den übrigen dr und - 
den Bernischen ist hier kein Abschlass eines Buches be- . 
zeichnet, in allen aber folgt ein nur der zweiten Bernischen 
fehlender (wenn nicht etwa bloss der Titel fehlt) Abschnitt, 
Altercaio duerum geometrieorum. Diese höchst unpassende 
Ueberschrift ist in à in den leer gelassenen.Raum nicht ein- 
getragen. Die Worte stehen in unserer. Ausgabe 407,1 — 410,7 
mit dem folgenden Abschmitte, vor welehem m hat Explicit . 
altercatio. Diesen neuen Ábschnitt haben alle, auch die zweite 
Bernische: nur der Handschrift 5 fehlt auch hier:die Ueber- 
schrift, De interna ratione et non recipiendis limitibus, die 
ich übrigens nicht verstehe, obgleich der Inhalt nieht neu ist: 
Zwischen dem ersten . Abschnitt ist 408, 3— 9 unserer Aus- 
gabe etwas Euklid eingeschaltet, und am Ende des zweiten 
folgen des 3ten Buches Prop. 12. 13. 14. 16. 18. 19. 24. 22. 
Von der letzten nur der Anfang: aber wunderbarer Weise 
stand sie vorher, wie gesagt, ohne diesen Anfang, mit meh: 
teren folgenden. Also sind àuch in dieser Schrift Blätter- 
versetzungen, denen ich aber nicht. weiter habe nachgehen 
wollen. Hierauf folgt nun in 5 Stadius habet passos CXXV. 
VII stadia miliarium faciunt. .Centuria habet in se iugera; 
genau eben. so r. Ob, dies auch die andern. Handschriften 
hier haben, weiss ich nicht: denn von =» habe ich nur die 
Ueberschriften, und die Beschreibungen der ersten !Bernischen 
sind gar zu unvollständig. Die Worte sind aus Columella 
9,1,6. 7 ausgezogen. Auch das nächste in. 5 und r (in r erst 
hier mit Bezeichnung eines neuen Abschhittes) ist aus Colu- 
mella 5, 1, 13, Quoniam diversae formae agrorum veniunt in 
disputationem, sed.tamen cuiusque generis species subiciemus, 
qubus quasi formulis utemur. Diese Worte hat auch die 
ıweite Berner Handschrift, und vermulhlich an derselben 





88 LACHMANN 


Stelle, mit der Ueberschrift Incipit altercatio duorum geome- 
tricorum de figuris numeris et mensuris, die aber.auch .hie- 
her nicht passt. Die Handschriften .d fahren aus Colu- 
mella 5, 2, 1 fort, Omnis ager aut quadratus est aut longus 
aut triquercus aut rotundus -aut semicirculus aut minus quam 
semicirculus velut (velud r) arcus. Dies wird auch aus bei- 
den Berner Handschriften angeführt, und von der zweiten 
 gesagl dass sich daran unmittelbar das schliesse was auch 
in b (S. 25) und r. (S. 15) folgt. Prima autem figura huius 
artis punctus est cuius pars nulla est. Dies folgende ist nun 
eigentlich wohl das Gesprüch zwischen einem Lehrer und 
Schüler, deren Reden auch oft, aber sehr nachlässig, durch IN 
(Int. in 7) und 5 (interrogatio und responsie) bezeichnet sind. 
Einmahl antwortet der gefragte auch unrichtig und bekommt 
einen Verweis. (S. 16 r S. 27 5) IN (fehlt 7) Recordare, obse- 
ero, quem admodum altitudinem definieramus (diffinieramus r). 
R Recordor utique, et me iam respondisse pudet. Der An- 
fang ist Prima autem figura huius artis punctus est, cuius 
pars nulla est. Vtique principium mensurae punctum vocatur, 
cum medium tenet figurae. Secunda, linea, praeter latitudinem 
longitudo. Hecta linea est quae ex aequo in suis punctis 
iacet, Superficies vero quod latitudmes et longitudines solas 
habet. Nonne tibi tale aliquod (aliquid r) videtur etiam illud 
unde linea ducitur? etsi figura non sit, cuius medium in- 
tellegamus. Man sieht schon hieraus, dass das Gesprüch an 
die obige Uebersetzung des Euklides anknüpft. Ich habe den 
Schluss dieses Gesprüchs gegeben, 410, 8 — 412, 21 der Aus- 
gabe, aus b r und soweit ich die Worte in Schmellers Ab- 
schrift hatte (das heisst, soweit sie dem Balbus und Hygin 
entsprechen und also einigermassen wichtig sind) aus m. 
Nach m ist es zugleich der Schluss des ganzen Werkes. 


über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 89 


r bat schon vor der letzten Uebersicht . die Unterschrift Ex- 
plicat liber quartus geometricorum, und dann nach dem 
Schlusse Hi namque libri continent numerorum causas. et 
diuisiones circulorum et omnium figurarum raciones exiremi- 
tatum et summitatum genera angulorum et mensurarum ex- 
positiones. Eben dies führt Streuber aus der zweiten Berner 
Handschrift als Schluss des fünften Buches an: auch fan- 
den wir es schon oben in m als Schluss seines dritten 
Buches. 5 fügt noch hinzu was wir vorher in den andern 
richtiger als Anfang des zweiten Buchs fanden. 

In s» ist die Unterschrift (5 hat keine) Explicit A. M. S. B. 
liber artis geometriae ab. Euclide de greco in latinum trans- 
laus quartus. Bei Goes finde ich im Index unter super- 
dlium einen Satz als aus dem fünften Buch angeführt, der 
in unserer Ausgabe 412, 10 steht: hingegen schreibt er 
unter fasciatus und cultellare dem vierten zu was sie 408, 
. 18—21 und 409,3. 4 hat. In seiner Handschrift wird also 
— das fünfte Buch etwa bei De interna ratione oder bei dem 
letzten Gespräch ‚angefangen haben. Sinner giebt als den 
Anfang des fünften Buchs in den Berner Handschriften Po- 
dismi mensurarum sunt tria genera, rectum planum solidum. 
Das ist der Anfang?) des podismus des Nipsus, wovon aber 
meine Handschriften nichts haben. Ueberhaupt sind die Ber- 
nischen am Ende viel reicher, nur kann ich aus den An- 
gaben Streubers kein vollstándiges Bild gewinnen. 

So viel ist aber gewiss, dass der Verfasser dieses Wer- 
kes, der übrigens gewiss eher den Isidor ausgeschrieben hat 
als dieser ihn, seine Arbeit in keine Verbindung mit der 
Geometrie des Boethius gesetzt hat, und dass die Hand- 


2) Dieser folgt auch in r, aber auf dem 10ten Blatte und mit Recht ala 
. ein vóllig abgesondertes Werk. 


90 LACHMANN. 


schriften Recht haben, die seines Namens gar nicht er- 
wähnen, unter den meinigen à, vielleicht «.- 

IL Was nun nach Ausscheidung der demonstratio artis- 
geometricae in den Ausgaben übrig bleibt, S. 1487 bis 1536, 
das mag meinetwegen für die Geometrie des Boethius gelten, 
und nur dies ist in der Münchener Handschrift Cod.. Latin. zz. 
- Bil auf fol. 30—51 enthalten als Liber Geometriae 
Boetii viri clarissimi Aber freilich sollte wohl genauer 
untersucht werden, ob das gesamte zweite Buch de podismis 
dem Boethius gehört: ea ist wenigstens ‘ganz’ aus Schriften. 
von Feldmessern gezogen Da es indessen mit Nipsus und 
den übrigen nicht wörtlich übereinstimmt, habe ich mich ent- 
halten unsere Sammlung mit diesem für uns wenig wich- 
tigen Buche zu beschweren. Nur zwei Abschnitte, die gewiss 
nicht von Boethius sind, wenigstens nicht ganz, ivenn er auch 
das zweite Buch verfasst haben sollte, habe ich aufgenommen, 
weil der erste 413, 1. — 415,5 würdich aus Balbus abge- 
schrieben und in dem zweiten 415, 7 — 416, 4 eine Deßsition 
des Balbus. als von. Frontin herrübrend angeführt ist. Ge- 
braucht. habe ich dazu ausser dem Drucke von 1499 eine 
Vergleichung der oben erwähnten Handschrift zu München, 
die ich Schmeller 'zugemutet zu haben mich beinah schäme. 

Der erste Abschnitt folgt auf. die Ueberseizung des 
Euklides: er macht in den Ausgaben, noch nicht den Beschluss 
des ersten Buchs, in der Handschrift ist er . überschrieben 
Incipit prologus in: seeuadum librum und. bei Rationabilium 
ergo apgulorum ferner Incipit liber secundus. Der Anfang 
des zweiten Buchs der Ausgaben hat in der Handschrift die 
Rubrik. Incipit prologus Ill libri, und über dem aufgenonimenen 
zweiten Stücke steht Explicit prologus. Ineipit lib. III. 





über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 91 


Die Rostocker Handschrift in den auf die demon- 
stratio folgenden Stücken. 


Die Rostocker Handschrift, bezeichnet IV. nr. 4, ent- 
hält, obgleich von einer Hand geschrieben ?), mehrere Werke, 
die auch bestimmt genug getrennt sind. 

A. Auf die demonstratio artis geometricae folgt mit 
dem Anfang emer neuen Lage 5$. 19 zunächst der Podismus 
des Nipsus, Podismi mensurarum sunt tria genera, nachher 
übergehend in die Auszüge aus Betrubius und Aprofiditus, 
ganz wie im Arcerianus S. 9ff, auch mit dem Anhänge 
(oder der Einschaltung) Centuriarum quadratarum deformatio. 
Nach dieser, aber vot ihrem Schlusse, S. 56 des Arcerianus, : 
245,13 der Ausgabe, hört die Rostocker Handschrift auf, 
ergänzt aber das im. Arcerianus nach S. 24 fehlende: Blatt. 

B. In derselben Zeile, der 19ten der 27sten Seite, 
nach digitorum XVIII, lässt die Rostocker Handschrift ohne 
weitere Unterscheidung folgen Mensura est complurium et 
aequalium inter se intervallorum longitudó finita, also Balbus 
Definition. Es ist aber nicht viel aufgenommen, von der 
Definition f. 94, 9. unserer Ausgabe des Balbus bis 95, 10: 
nach der Ordnung und den Lesarten des hier verlorenen 
Arcerianus, nicht mit der zweiten oder dritten Classe der 
Handschriften übereinstimmend. 

C. Mit einem grossen Ánfangsbuchstaben folgt auf der- 
selben Seite Z. 32 (die Seiten haben 41 Zeilen) Mensura est 
quicquid pondere capacitate — animoque finitur, die oft wieder- 
holte- Definition Isidors in unserer Ausg. 367,8, von der 

3) Nach Leist sind die Excerpta (R) und der darauf folgende Gerbert in 


etwas grösserem Format geschrieben, als der Codex (r) und die lezten 
Stücke der Handschrift. (Blume.) Bl. 


92 LACHMANN 


. ich gern wüsste wo er sie hergenommen hat. Daran geknüpft 
ist aber gleich Cuius genera sunt tria, rectum planum solidum, 
nebst den nicht wértlich wiederholten Erklárungen aus Balbus 
96, 21; darin ein Paar bemerkenswerthe Varianten. Dann, aus 
derselben Stelle, aber vorher, Mensurae' autem aguntur ge- 
neribus nicht tribus, sondern XII, und es folgen aus Balbus 94,13 
die zwölf Namen der Masse. Darauf lenkt der Verfasser 
wieder in die Worte des Isidorus ein, giebt aber nur den 
nächsten Satz Maiores nostri itaque orbem.in partes — pal- 
mos uncias et digitos diviserunt. Mit der 6ten Zeile der 28sten 
Seite der Handschrift heben hierauf die beiden nur zum Theil 
auf Isidor beruhenden Abschnitte an, die bei Goes S. 322 
bis 325 (S. 373—376 unserer Áusgahe) aus dem Gudianus 
_ stehen. Sie gehen hier bis S. 29, Z. 14, in welcher ohne 
ausgezeichnete Anfangsbuchstaben ein neues Stück anfüngt. 
Si quis uoluerit per unum latus octogonum designare. 
ita ut habea [sic] pedes. X. aut quantum ugluerit. - super 
- mediam lineam circinum figis et facies emicirculum et a medio 
centro emicirculi lineam ducis per angulum rectam [sic] et 
iterum super ipsam lineam emicirculum facis. Et a centro 
emicirculi lineam per angulum ducis. Simili modo sicut supra 
scriptum est. per. VIII. lineas et. VIIL circulos octogonum 
designes. Auf diese abgeschriebene folgen dann die Aufgaben 
. Siquis exagonum facere uoluerit ut unum latus habeat ped'. X. 
und Si quis uoluerit per quadratum equilaterum oclogonum 
facere mit den Auflósungen. Die Quelle ist. mir unbekannt. 
Hierauf ) In pede porrecto semipedes II bis.unc. VIII 
digitos. XV (statt XII) aus Balbus 95, 2 und zwar merk- 
würdiger Weise dies in der Ordnung und Fassung der Hand- 
4) Uebereinstimmend mit der Berner Handschrift No. 299. s. Sinner 
pag. 295. Bl. 
- - T 


über die dem Boethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 93 


schriften zweiter Klasse. Unmittelbar daran der Satz Consue- 
tudine uulgari unus bonuarius (so, nicht bonnarius) seritur 
frumenti mod. III, sed minoris de filigine (so mit f) tribus, 
de spelta X, de auena VI, de baliarco (was ist das?) V, de 
pisis tribus, de fabis tribus. 

Folgt mit einem grossen Anfangsbuchstaben S. 29, Z. 37 
Supra positarum igitur speculationibus figuram ab euclide 
succincte obscureque prolatis — was im gedruckten Boethius 
S. 1514 bis 1516 zu lesen ist, bis zu den Worten sine omnis 
impedimenti reclamatione adinuenire potest et componere, 
mit welchen S. 30 Z. 41 schliesst. 


Dieses wunderliche letzte Stück giebt als Anweisung 
zım weiteren Verständniss der Dunkelheiten des Euklides 
die Auflösungen seiner ersten drei Aufgaben, wie sie auch ohne 
Vor- und Nachrede im Euklid des Gudianus stehen, und 
zwar reine Uebersetzung aus Euklides. Die Anord- 
nung ist in der Münchener Handschrift ebenso, die drei 
Probleme f. 32* (= S. 1495f.) getrennt von den Auflösungen 
f. 366 (= S. 1514—16). Kann man nun solch ein unsinniges 
Stück wohl dem Boethius zutrauen? 

Aber hat man denn Grund ihm die vorhergehende 
Uebersetzung der Prolegomena und vieler Probleme S 1487 
bis E514 zuzutrauen? Allerdings ist eine mit Quia vero, mi 
Patrici geometricorum exercitatissime, anfangende Vorrede 
vorausgeschickt, und das folgende unterscheidet sich oft 
im Ausdruck, besonders zu Anfang, von der Uebersetzung 
im Gudianus und in der demonstratio artis geometricae, und 
manches ist im Boethius richtiger. Aber schon in den Pro- 
legomenen kommt S. 1489 zwischen den Definitionen der 


94 LACHMANN . 


Figuren der Satz Finitima vero mensuralis est linea quae aut 
pro aliqua observationum aut aliquo terminorum observatur, 
der aus Frontin 72A genonímen ist und an derselben Stelle 
(die späteren Drucke weichen hier von der Ausg. von 1499 
ab) in die demonstratio gerathen war, p. 378, 8 unserer Aus- 
gabe. Ferner habe ich schon bei der Aufzählung der Stücke 
aus Euklides bemerkt wie Boethius überall mit der de- 
monsiratio übereinstimmt und sogar S. 1514 mit demselben 
unsinnigen Zusatze schliesst. 

Hat Boethius etwa gar keine Geometrie geschrieben ? 
Wenigstens Gerbrecht erwähnt ihrer in der seinigen gar- 
nicht, sondern bezieht sich nur auf die Musik und Arithmetik. 


Mit S. 31 der Rostocker Handschrift, mit grossem An- 
fang und nachdem die ersten beiden Zeilen leer gelassen 
sind, beginnt ein neues Werk, also das dritte. 

Zuerst bis S. 34 Z,3 der lange Abschnitt aus Colu- 
mella, von dem auch in der demonstr. art. geometr. Spuren 
waren, nämlich 5,1, 4 bis 5, 3, 9. . Anfang Quia a nobis 
praecepta mensurarum desideras, obsequar voluntati tuae. 
Schluss Et ne in infinitum procedat disputatio nostra, eadem 
proporlione utcvque laxiora spacia faciemus. 

Zweitens die Berechnungen des Flücheinhalts von ge- 
gebenen Aeckern, mit dem Anfang Castrensis iugerus qua- 
dratus habet perticas CCLXXXVIII wie bei Goes. S. 311 
bis 315, bei uns 354, 2 — 356, 23 am Ende mit einem klei- 
nen Zusalze, den ich, wie unvollständig er auch ist, dort hin- 
zugefügt habe. . 

Drittens, von S. 35 Z 4 an, starke Auszüge aus.Bal- 
bus, oder vielmehr der ganze zweite Theil seines Buches 


über die dem Beethius zugeschriebenen agrimensorischen Stücke. 95 - 


wie ihn die Handschriften der zweiten Classe geben, bei 
Turneb. append. p. 1—6, bei uns 95, 5 — 106, 8. 

Viertens, von S. 37 Z. 12 an bis in die 21ste das I5te 
Capittel der Geometrie Gerbrechts, dann das 55ste, das 
49ste, das: 56ste. Am Ende noch, was ich bei G. nicht fin- 
den kann, Circulum incrassare si uis diametrum cubice ipsam 


am 


cubieationem. XI. ducas. Ex ea summa XXI. accipias. et 
erit eius sperae crassitudo. 

Fünftens, S. 37 Z. 40 fangen die Capittel aus Isidor 
an, die auch der Gudianus hat, etwas vollständiger. Ord- 
nung und Lesarten habe ich in der Ausgabe 367, 9 — 370 
angemerkt. | 

Oben auf S. 39 Z. 12 endigt die ganze Schnít, Die 
Rückseite ist leer, wie S. 18 bei der ersten. Die zweite 
und dritte haben verbundene Blätterlagen. 


S. 41 folgen von Gerbrechts Geometrie Cap. 14 bis 
zu Ende, S.58 Z.8, wo hinter dem letzten Worte des 94sten 
Capittels scribimus steht^ Finit. 


Hierauf andere mathematische Sachen, die ich nicht 
genau untersucht habe. S. 61 oben Spaeram celi facturus 
ducas cireulum per medium globum. — Z. 10 schliessend 
Cetera necessaria spere docet yginus. 

Dann Dno suo summo pontifici et philosopho adalboldo 
G. uite felicitatem et felicitatis perpetuitatem. Es ist das 
Schreiben von Adalbold an Gerbert in Pez thes. anecd. 
noviss. 3, 2, S. 88 ohne die Vorrede; oben auf S. 63 Z. 6 
der Handschrift (die übrige Seite ist leer) schliessend in pu- 
teorum profunditatibus bei Pez S. 92 kurz vor dem Ende. 


96 — LACHMANN über die dem Boethius zugeschrieb. agrimensor. Gtücke. 


Auf der folgenden Seite (64), deren grössere Hälfte leer 
ist, Adalboldo nunc usque dilecto semperque diligendo, 
fidei integritatem integritatisque constantiam. In his geome- 
tricis figuris quas a nobis sumpserat trigonus quidam equila- 
terus ete. Noch mehrere Absätze bis S. 67, die noch fast 
vollgesehrieben ist. Zwischen S. 66 und 67 fehlt ein oder 
mehrere Doppelblätter in der Mitte der Lage. 





UEBER FRONTINUS, BALBUS, HYGINUS UND 
AGGENUS URBICUS. 


VON LACHMANN. 


Römische Feldmesser Il. 7 





Mechdem unser Freund Blume die Leser über die Hand- 
schriften und ihre Verhältnisse unterrichtet. hat, werden sie 
von mir Rechenschaft verlangen von dem Gebrauch den ich 
von den Handschriften zur Herstellung der ursprünglichen 
Texte gemacht habe. Ich werde diese Rechenschaft so geben, 
dass man meiner Darstellung die Freude anmerken mag, die 
wir die freilich höchst mühselige Arbeit gemaeht hat. Viel- 
licht dass doch einer oder der andere, was mir so anziehend 
gewesen ist, eben darum auch seiner Aufmerksamkeit werth 
hi Oder vielleicht lacht man auch über mein kleinliches 
Vergnügen àn'unwichtigem, und dass ich mich daran meines 
Fleisses rühıne. Immer besser, man lacht, als- wenn schon 
enmahl einer über meinen Hochmut ein ganzes verdriess- 
liches Werk geschrieben hat. ^ Dank wird mir, mein viel- 
jähriger Kraftaufwand doch nicht einbringen. Denn wer hat 
Lust und Geduld einem Kritiker seine Sorgfalt nachzu- 
rechnen? Wer wird nicht vielmehr klagen dass ihm hier 
doch wenig vollständige Schriften geboten werden, geschweige 
classische, als dass er fragen sollte wie wenige vereinzelte 
Sätze in den bisherigen drei Ausgaben auch nur versländlich 
gewesen sind, wie selten wohl irgend eine Seite im Zu- 
sammenhange? Für den Zusammenhang eben, für die Dar- 
stellung welche hier Kunstverständige von ihrem Gewerbe 
7 * 


100 Vorrede. 


geben, für das persónliche der einzelnen Schrifisteller, kurz 
gerade für das worin mein Vergnügen lag, werden vielleicht 
die Leser denen der Inhalt dieser Schriften noch .am ersten 
wichtig erscheint, den wenigsten Sinn haben. Wer nach 
einem ausgeführten Bilde des Alterthums strebt, ist geneigter 
in seinen schon fertigen Entwurf einzelne Züge hinein zu 
tragen, als dass er die alten Darsteller emes Theils alter 
Wissenschaft oder Kunst und die Weise ihrer Darstellung 
nun auch selbst als Erscheinungen des Alterthums einer 
frischen ' Betrachtung unterwerfen ‚möchte. Er giebt sich 
nicht ‘gern unbefangen dem Alterthum hin, sondern er will 
zu dem was er hat. nur zulernen. "Und zumahl der Jurist 
gewöhnt sich leicht, schen von den Pandekten her, zu der 
‚edeln aber oft gefährlichen. Kunst die gegebene Form für 
zufällig zu nehmen, .und den Gedanken, die, inneren Trieb- 
‚federn des gesagten, anderswo zu suchen und mit oft glück- 
 lichem Scharfsinn zu vermuten. Indessen wenn dieser Scharf- 
‚sinn ehrlich ist, so muss es ihm lieb sein so oft als möglich 
durch die ausdrücklich erklärte Meinung des’ Schriftstellers 
beschränkt und aus. dem Schwanken zu festem Stande ge- 
bracht zu werden, und so muss ihn die Wahrheit auch ohne 
. Dank gewinnen. Ich glaube eben dadurch der Wahrheit 
viel näher gekommen zu sein, dass ich.die einzelnen Schrift- 
steller und die einzelnen Schriften in: ihrer Eigenthümlich- 
keit aufzufassen und überall die Gedanken in ihrem Zu- 
sammenhang darzustellen gesucht habe. Mögen nun Kenner 
sehen was sich daraus bestimmteres für die Erkenniniss des 
Alterthums ergiebt. | 


101 


Sextus. Julius Frontinus. 


Welche Handschriften ich gebraucht habe, sagt das dem 
Text vergesetzte Verzeichniss. Unnütze habe ich versehmäht, 
und die gebrauchten sind gerade hinreichend. Nur. von 
Blumens dritter Classe .wäre noch eine.für einzelne Stellen 
wünschenswertb, um die zufälligen Lücken der erfurtischen 
zu ergänzen: aber die übrigen bekannten sind nach Beschtei- 
bungen und .Proben alle noch unvollständiger und höchst: 
unzuverlässig. 


Es ist natürlich, dass unsere Aufmerksamkeit zuerst auf 
dem ältesten und .gebildetsten unter den Schriftstellern über 
die Feldmesskunst ‚haftet. Wer sollte aber glauben dass 
Niebuhr der erste gewesen ist, der die Schrift des Sextus 
Julius Frontinus unter Domitian gesetzt hat, den er (S.54, 11) 
praestantissimus Domitianus nennt (róm. Gesch. 2, 
$.378. 542 der ersten Ausg.)? Aber er war freilich auch: 
der erste, der die Stücke welche Frontin gehóren heraus 
erkannte und ihm die fremden bestimmter absprach. Im. 
Agennius den Frontin :zu finden, war unbefangener Scharf- 
sinn nöthig: aber dass des Balbus geometrische Schrift und 
gar das Verzeichniss der Colonieen. dem Frontin zugeschrie- 
ben ward, kann man nur elwa dem Seriverius verzeihen, | 
der in -blindem Eifer seinem Vegetius und Frontin möglichst 
viel ungedrucktes aus seinem Reichthum beifügen wollte; 
nicht mehr Willem van der Goes, der von seinem Verwand- 
ten N. Heinse, der die Feldmesser viel las, doch ein wenig 
Kritik hätte lernen können, noch weniger den heutigen 
Philologen, die trotz: Niebuhr was sie nieht kennen getrost 
anführen, während sich jeder von ihnen schämen . würde die 
rhetorica ad Herennium als ein Werk von Cicero zu 


102 LACHMANN 


behandeln. Die Zweifel, ob etwa nicht derselbe Frontinus, 
von dem die zwei bekannten Schriften sind, eine Unter- 
weisung. für Feldmesser verfasst habe (s. Polen. zu Frontin 
de aquis, prelegom. p. 16), beruhen nur auf den falschen 
Stücken.. Vielmehr deutet Frontin selbst in den beiden andern 
auf eine noch ältere Lehrschrift. In. dem auch noch unter 
Demitian gesehriebenen Nachtrage zu seiner. Kriegskunst 
sagt er in der Vorrede Nam cum hoc opus, sicut cetera, 
usus polius aliorum quam meae commendationis 
causa aggressus sim: sicut cetera, wie die Feld- 
messerkunst und die Kriegskunst. Und eben so beziehen 
sich auf diese beide die Worte in der Schrift über die 
Wasserleitungen, die Frontin unter Nerva anfing, $. 2, In 
aliis autem libris, quos post experimenta el usum 
composu), succedentium res acta est. Es ist eben 
nicht wahrsehesmlich dass ein Geschäftsmann, ‚den niemand 
als Redner lobt, eine bestimmt ausgeprägte Schreibart, zu- 
mahl schon für sein erstes Buch, sich sollte erworben haben: 
und würden wir sie in den Auszügen (denn es ist ja wenig 
mehr was wir haben) mit Sicherheit. erkennen? Wenn also hier 
Fronün zu gemeinen Feldmessern in der Redeweise des 
Handwerks spricht, so dürfen wir uns eben.nicht wundern 
dass in. seiner letzten Schrift alles glätter und ausgebildeter 
ist. Auffallendes wird man in unserer genug finden, beson- 
ders wenn man den Sprachgebrauch dieser Schriftsteller noch 
nicht kennt. Ich will nur eines Wortes erwähnen, weil ich 
es in einer willkürlichen und kaum: erklärlichen Form habe 
geben müssen. Sescontrarium, wie ich S. 33, 21 ge- 
schrieben, würde etwa das halb gegenüber liegende bezeich- 
nen: der Begriff ist aber etwas bestiminter, in einer ent- 
sprechenden Lage oder Gestalt gegenüber stehend. Es ist 
die Rede von- einer im Thal zu :ziehenden Linie (rigor), 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 108 


welche der auf der undern Seite des Berges gesogenen 
(sescontrario) an Richtung und Länge gleich sein soll. 
Die Handschriften haben sisincontrario .und se in con- 
trario. Hyginus de limitibus constituendis S. 186,9. 187,5. 14 
braucht das Wort drei Mahl; zuerst dass er von den beideh 
Wendekreisen sagt, einer sei dem andern ordinatus, wel- 
ches bei diesen Schriftstellern, auch bei Frontin, der gewöhn- 
liche Ausdruck ist für parallel: dem arktischen sei der an- 
tarktische sescontrarius. — brumalem appellant: nam 
et solistitiali est ordinatus. septentrionali deinde 
sescontrarium austrinalem appellant. Hier geben 
die Handschriften sicontrarium, se contrarium, est 
contrarius, contrarium. In den beiden übrigen Stellen 
wird tetartemorio nostro entgegen gesetzt seseontraria 
pars, dem nordwestlichen das südwestliche Viertel der Erd- 
scheibe, wrelches er gleich darauf parallelon nostri 
letartemorii nennt, und "wieder gehört der nordöstliche 
Theil- der heissen Zone.zur sescontraria pars, der süd- 
westliche zu nostra pars. Hier hat zuerst die Handschrift 
G ses contrariae, die übrigen siscontrariae, sit con- 
trariae, si contrariae, zuletzt aber AEG sescontrariae, 
B sexcenturiae. Auch bei Balbus S. 102, 16 habe ich 
aus recontrarii rectis gemacht sesconirarii. Mit einem 
ganz ähnlichen ‚Sprachgebraüch sagt Vitruv 9, 4, 13 (9, 1, 
2 Schn.), die Natur habe den einen Cardo der Weltachse 
über Erde und Meer hinter den grossen Bären gesetat, alterum 
transcontra sub terra in meridianis partibus. - 

Der erste von den uns überlieferten Abschnitten, de 
agrorum qualitate überschrieben, bietet der kritischen 
Behandlung keine grösseren Schwierigkeiten ‘dar als jedes 
andere Stück aus dem Akerthum.. Mit dein zweiten, de 
controversiis, glaubt man beim ersten Anblick/eben so 


104 : LACHMANN 


leicht fertig zu werden. Würklich wird man in beiden Auí- 
sätzen, nur. selten etwas: nach Vermutung gebessert finden. 
Die beiden Handschriften. À und G, der ersten und.der zweiten 
Classe, stimmen ohne irgend .bedeutende- Abweichungen in 
Ordnung und Worten genau überem. Selbst dass von der 
‚ersten ein Blatt, verstümmelt ist, und eins ausgeschnitten 
bringt keinen erheblichen Nachtheil. Es ist schon beinah 
Ueberfluss, dass auch noch E, . eine Handsehrift .der.dritten 
Classe, in ihrer gewöhnlichen Verwirtung einige Seiten lie- 
fert, und auf diesen nichts besseres. Selbst das commentum: 
Aggeni Urbici, nur in den: Handsehriften der zweiten 
COlasse,. aueh für den Anhang su Boethius mehr benutzt, die 
jämmerliche Arbeit eines christlichen Schulmeisters, giebt zur 
Verbesserung dieser Abscbnitte nicht den kleinsten Beitrag. 
Fest genug ist also in diesen Stücken Frontins die 
Ueberlieferung: ob aber eben so echt, wird von dem zweilen 
bei näherer Betrachtung sehr ungewiss. Denn, was auch 
Blume schon bemerkt hat (rhein. Museum für .Jurisprudenz 5, 
S. 379), wo auf den Rechtsstreit über den, Rigor der über 
den.Finis folgt, S. 11. 12, wird doch kein vernünfliger. Mensch 
zu den Worten De fine similis est controversia hinzu 
fügen nec dubium est quin supra de finis condicione 
dixerim, „und ich habe sicherlich oben vom. Verhalten des 
Finis gesprochen“, wenn ınan unmittelbar vorher gesagt hat 
De rigore controversia est finitimae condicionis. 
Aber auch dies schon ist gegen die Weisé Frontins, der in 
dieser kurzen Aufzählung die Controversen nie auf die beiden 
materiae, wie er sie nennt, auf Finis oder Locus, zurück 
führt... Und wer erst die Weise seiner Ausleger kennen ge- 
lernt hat, wird bald finden. dass der Zusatz finitimae con- 
dicionis und der andere vollkommen in ihrem Geschmacke 
sind. Wie sollte ferner Fronün S. 16 zu den Worten De 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 105 


possessione conlroversia est de qua ad interdictum 
litigatur noch den. albernen Zusatz gemacht haben hoc 
est iure ordinario, „dag heisst, uicht vor einem Arbiter ?“ 
Desgleichen S. 19 quod si ad haec revertamur, „wenn 
wir nun aber auf folgendes achten, so hat die Sache ihren 
Grund“, und gleich. darauf sed si rationem appellationis 
huius tractemus, „aber um nun auch die Ableitung die- 
ser Bezeichnung durchzunehmen“, sind die leeren Formeln 
eines ungeschickten Lehrmeisters, der. die Knaben aufmerk- 
sam machen will Es könnte in demselben Absatze viel- 
leicht auch noch mehr als ich eingeklammert habe bezwei- 
felt werden. Sicherer ist dass nach der guten ‚Erklärung | 
De subsicivis controversia est quotiens aliqua 
pars centuriae sive lota non est adsignata et possi- 
detur,.S. 20, nicht eine zweite andre durch aut in einem 
besonderen Satz nachzutragen war. Und was, für eine Er- 
kürung! Aus der die Schüler lernen sollten dass der Streit 
um Subsiciva sich auf die äussersten Enden der Grundstücke 
zu beziehen pflege; und aus der sje dies nicht einmahl rich- 
üg lernten. Aut quidquid de extremitate perticae 
possessor proximus detinebit, ad subsicivorum 
controversiam pertinebit Wenn der. nächste Besitzer 
sich die Grenzlinie des assignierten Landes anmasst. Darüber 
kann die Gemeine allerdings klagen, wenn der Grenzrain ein 
lier publicum ist oder Scheidung zweier Stadt- oder -Dorf- 
gebiete (Frontin S. 41, 16). Aber was hat denn ein solcher 
Grenzrain von den Eigenschaften der Subsiciva an sich, die 
eben über-die extremitas perticae hinaus gehen? Es ist 
de fine controversia, nicht aber subsicivorum con- 
lroversia zu nennen, am wenigsten mit diesem Genitiv, 
der gegen den Sprachgebrauch unserer Schriftsteller ist; 


- 


106 | : EACHMANN - - 


der besseren wenigstens: Agennius sagt freilich S. 66, 4 finis 
enim incipit esse, nämlich controversia, aut loci. 

So viel Anstösse giebt der Inhalt, und vielleicht noch 
mehrere, wer schärfer ;aufachtet. Nun kemmt aber hinzu 
dass in dem: Anhange zu Boetkius Geometrie, oder mit 
Blume zu reden: in den Handschriften der vierten Classe, 
(genau soll man sagen in der demonstratio artis geo- 
metricae) noch ein Paar ähnliche Zusätze vorkommen, die 
unsern Handschriften fehlen. Wenn ich die Worte SS. 399, 3 
so gut als möglich einrichte, so kommt folgendes heraus: 
| De positione terminorum controversia est — inter 

plures, trifinium faciant, aliquibus locis et quadri- 
finium, secundum proximi temporis possessionem. dum 
hoc nesciunt, non eis convenit, et diversas 
controversias ipsi possessores inter se faciunt: alii 
de loco, alii vero de fine litigant. 
Sollte darauf, kann man wohl: ‚fragen, das folgen was unsere 
Texte haben? -S. 10, 4. - 

' "de horüm .opinione (so die Handschriften) cum ton- 
stitit; mensori, si secundum proximi temporis pos- 
‚sessionem non conveniunt, diversas attiguis possesori- 
bus faciunt controversias, et ab integro: alius forte 
de loco alius de fine litigat. | 

Oder war jenes Geschwätz von der Unwissenheit und den 
verschiedenen Streitversuchen der Grenznachbarn an die 
Stelle der echten Worte Frontins getreten? die ' so lauten, 
S. 10, 1. “ 
De positione terminorum controversia est — inter 
plures, trifinium faciant an quadrifinium. de horum 
"ordinatione cum constitit mensori — und weiter wie 
oben^ ' 


über Frontinus, Balbus, Hygines und Aggenus Urbicus. 107 


In beiden Fällen ist die Abweichung von dem uns über- 
lieferten gross und gewiss nicht lobenswerth. 
Aber noch merkwürdiger ist was wir. bei S. 15, 4 Enden. 
Der falsche Boethius hat nach den eben angeführten Worten 
(S. 399, 10) alii de fundis adtendunt (für contendunt?). 
Darin können wohl nur die Sätze des Frontinus stecken. 
Propterea proprietas ad quas fundos pertinere debeat 
. disputatur. — : 
est el pascuorum proprietas pertinens ad fundos, sed 
in commune. 
Aber weder darauf noch auf die weitere Ausführung kann 
unmittelbar gefolgt sein was bei Boethius hinzu geselzt wird: 
sondern erst nach den frontinischen Worten, aber aus seiner 
Abhandlung der Controversen im zweiten Buche, S. 48, 26, 
die hier auch das Commentum Aggeni anführt, S. 15, 28. 
et de eorum proprietate solet ius ordinarium moveri, 
non sine interventu mensurarum, quoniam demonsiran- 
. dum. est qualenus sit assignatus aget, . — 
erst hienach findet der Zusatz bei Boethius seine Stelle, 
sed avido (wohl provido) modo quaerenda 
est prius origo causae. 
Also ein Zusatz bei. Boethius, ‚ein ohne Zweifel unechter, der 
dem Sinne nach vollkommen, aber nicht in den Worten, mit 
dem Commentum: stimnit. Und gleich im folgenden hat 
Boethius. die nächsten Worte Frontins mit einer auffallenden 
Vermehrung ; 
Nam per hereditates aut emptiones huius generis 
coniroversiae fiunt; quare iure ordinarie liligatur. 
prius tamen in iudicio super possessione 
quaestio finialur, et tunc agri mensor ad 
loca ire praecipiatur, ut patefacta veritate 
huius modi litigium terminetur: 


88 |  .- . LACHMANN ^ 


Dies ist. wörtlich, mit Ausnahme von in iudieio aus einer 
Verfügung Constantins entlehnt, der ersten finium regun- 
dorum im Theodosischen Codex (S. 267). Nun steht aber 
auch in dem Commentum dasselbe, nur mit eigenthümlichen 
Zusützen. Ich lasse mit gerader Schrift drucken was der 
Verfasser weder hat von Frontin nehmen können noch nach 
seinen Gaben selbst erfinden. S. 16, 18. 
| De possessione fit controversia, quotiens 
de totius fundi statu per interdictum, hoc est 
iure ordinario, HKtigatur. hoc non est disciplinae 
‚nostrae iudicium, sed apud praesidem provinciae -agi- 
‚tur, et ex lege restituitur possessio cui pelerit obtineri. 
'' in his secundum locum habet disciplina 
nostra, sicut lex ait ,nisi de possessionis statu 
Quaestio fuerit terminala, ‚non licet mensori praeire 
ad loca. 0 
Was hierin nicht von dem Verfasser des Commentum ist, 
. setzt mich in grosse Verlégenheit. Denn woher er seine 
übrige Weisheit hat, das braucht entweder niemand zu wis- 
sen, oder-ich kann es nachweisen: nur diese Stelle, und eine 
ähnliche, die ebenfalls offenbar aus einer kaiserlichen Constitu- 
tion geflossen ist, hat | er aus einer mir. unbekannten Quelle. 
S. 8, 26. | 
Nam agri mensor omnis doctus centurias delimitare - 
«potest ac suis redintegrare limitibus, assignare autem 
nullo modo potest, nisi sacra fuerit praeceptione 
^^ firmatus. | 
Wie nun, wenn ich aus dieser Verlegenheit über die 
unerklärliche .Gelehrsamkeit in. dem Commentum, und aus 
den beiden andern über die Zusätze beim Boethius .und über 
die in unseren Texten, mich auf einmahl durch eine kühnere 
Vermulung reisse? Es wird. mir immer wahrscheinlicher 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 109 


dass allen dreien. eine gemeinschaflliche Quelle floss; dass 
ein älterer uns verlorener Commentar über die beiden ersten 
Stücke des Frontinus “die Erläuterungen in unsern Hank 
schriften und bei Boethius lieferte, dem Commentum aber 
derselbe vielleicht das meiste von dem was nicht gradezu 
nach dem Grammatisten aussieht. Aber der Grammatist 
brauchte seinen Verstand: so schrieb er, um die Kinder nicht 
zu belästigen, bei der Contrevers über Eigenthum die. eehten 
Worte der constantinischen Constitulion nicht ab, sondern 
lieber die ausführlichere Widerholung derselben bei der fol- 
genden Controvers über Besitz. Und ein für uns bedeutendes 
Verdienst muss dem Commentum bleiben, dass es uns, wie 
wir noch finden werden, so viel aus des Agennius Commen- 
tar über einen .Theil des zweiten Buchs des Frontinus, und 
dadurch so_ viel von Frontinus selbst, gerettet: hat. Denn 
der vermutete Commentar zu den Abschnitten de agrorum 
qualitate und de controversiis hat, wie ich glaube, 
noch nichts von Agennius gehabt: wenigstens passt von den 
Zusätzen keiner in den Agennius, und bei Boethius findet 
sich zwar manches aus Frontins zweitem Buche, aber nir- 
gend ein Satz des Agennius. Nur Frontins Vorrede zu der 
Abhandlung von den Controversen im.zweiten Buch, Satis, . 
ut puto, dilucide, hat auch der sogenannte Boethius 
schon mit den Vermehrungen gelesen, die wir also. wohl 
nicht erst dem Agennius zuschreiben dürfen, sondern der an- 
genommene ültere Commentator wird, wie nach ihm der 
Verfasser des Commentum (S. 25, 4), jene Vorrede mit Er- 
läuterungen .dem Commentar beigefügt haben. Ob auch 
Agennius selbst dies gethan hat, lässt sich weniger bestimmt 
sagen: denn möglich bleibt immerhin, dass er noch nicht, 
sondern erst. ein späterer Sammler, die Vorrede -an den 
Schluss seines Buches (S. 89, 25) gesetzt hat. . Ueberhaupt 


110 2 LACHMANN 


mag ich nicht. entscheiden ob Agennius jünger gewesen ist 
als der Commentator, und ob er diesen benutzt hat: ich finde 
hur.Zwei Stellen aus dem ersten Buch des Frontinus die er 
ausschreibt, aber nicht mit Interpolationen, obgleich. schon 
verderbt. S. 81, 13: hat er quod a -subsecante linea 
nomen accepit subsicivum, wie unser Text S.6, in 
dem aber das letzte Wort ohne Zweifel nur eine ungebür- 
liche Widerholung des folgenden subsicivorum ist. S. 79, 15 
steht. bei ihm quarum silvarum proprietas ad quos 
pertinere debeat vindicatur; richtig vielleicht quarum 
silvarum, welches unseren Handschriften S. 15, 3 theils 
fehlt, theils mit propterea vertauscht wird: aber vindiea- 
tur, oder was der ‘Sinn verlangt iudicatur, ist, wie bei 
Boethius de fundo adtendunt (contendunt), abwech- 
selnder Ausdrück, wahrscheinlich ein Versuch das uns. über- 
lieferte discutiatur zu verbessern, ein schlechterer freilich 
als disputatur sein würde. 

Mit ‘der Aufzählung der Controversen hört das. Com- 
mentum auf: aber die Interpolationen dauern noch fort in 
dem folgenden Abschnitte Frontins, S. 26. 27, den Hand- 
schriften aller drei ersten Classen ohne Ueberschrift anfügen, 
und aus dem auch der Anhang zum Boethius, wie es scheint, 
‘ein Paar Worte giebt. Ein störendes Einschiebsel ist offen- 
bar in dem Satze, quidquid huic universitati (nämlich 
der Pertica) adplicitum est ex alterius civitatis fine, 
[sive solidum sive cultellatum fuerit,] ptaefectura 
appellatur. Cultellatum hat schon' Turnebus für die 
Fehler. der Handschriften gesetzt: es war Fahrigkeit von 
Saumaise, wenn er dafür (exercitat. p. 486b) mutilatum 
wollte. Solidum ist freilich nicht der passende Ausdruck, 
sondem planum oder aequum: aber der ganze Zusatz ist 
müssig und giebt keinen zur Sache gehörigen Gedanken, 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 111 


sondern nur einen leeren Uebergang zu der folgenden Be- 
trachtung über die cultellatio. In dieser selbst ist aber. 
wieder der Satz Cultellamus ergo agrum eminen- 
tiorem, et ad planitiam redigimus inaequalitatem, 
nicht nur überflüssig und unnütz, sondern er nimmt auch 
dem folgenden hanc seine Beziehung auf das vorher gehende 
rationem, welches daher in der Handschrift G hier ganz 
verständig widerholt ist. 

Kurz vor dem Ende dieses Abschnittes S. 27, 9 brechen 
die Handschriften der zweiten Classe die lüngeren Auszüge 
aus Frontinus ab. Zufällig endigt eben da die 74ste Seite 
der ältesten Handschrift, und das nächste Blatt ist verloren. 
Seriverius, wenn :er in seiner Handschrift. der dritten Classe 
besser Bescheid gelernt hätte, konnte den fehlenden Satz 
ergänzen, und musste auf diesen das Stück folgen lassen, 
welches er unter dem Titel de limitibus zuerst heraus- 
gegeben hat. Jenen Schlusssatz giebt Muratori (antiq. 3, 995) 
aus einer Handschrift. zu Modena: ich hoffe aus den Ver- 
derbnissen der weit zuverlässigeren zu Erfurt den Gedanken 
richüg erkannt zu haben, mag aber nicht für die Worte 
stehen. Dem längeren Bruchstücke de limitibus (S.27,13 
bis 34, 13), hat der unkritische van der Goes, der es weit 
von Frontin entfernt hat, S. 215,- sogar den Namen desselben 
enizogen, weil er (notae p. 166) in irgend einer schlechten 
Abschrift Hy gini fand. Scriverius scheint wenigstens soviel 
gemerkt zu haben, dass auf dem fehlenden Blaue seiner 
eigenen alten Handschrift A der Anfang dieses Stückes ge- 
standen haben müsse, weil auf der 75sten Seite die Fort- 
setzung folgt, und dass also alles hinter den Abschnitt von 
der cultellatio gehöre: er hat aber das .Commentum 
zwischen beide geschoben und dadurch den späteren Heraus- 
geber verführt. Scaliger liess in den Auszügen aus der- 


12 — LACHMANN 


selben Handschrift, die ihm ein Franzose. machte, in dem 
Leidener MS. Scal. No. 56A, welches. ich durch Geels 
Gefülligkeit eben jetzt im Sommer 1844 vor mir liegen habe, 
vor der Abschrift von S. 75 A anmerken Addenda 1n fine 
Frontini de agrorum qualitate. pag. 52 (nämlich nach 
Turnebus Ausgabe, vor dem Commentum). Desyderabatur 
fol. in MS. "a - 


Frontins erstes und zweites Buch. 


Ob aber diese Stücke würklich hier an ihrer rechten 
Stelle stehn, und zu welchem Haupttheil des Frontinischen 
Werks sie gehören, ist eine schwere Frage; in deren. Ent- 
scheidung ich lange geschwankt habe. Es sind dem Inhalte 
nach eigentlich vier; der Schluss einer allgemeinen Aufzäh- 
lung der Verhältnisse der Limites und des limitierten Landes, 
éme Bemerkung über den natürlichen Grund der Flüchen- 
gleichung, historische Betrachtung der Anfänge und ersten 
Grundsätze des Limitierens, Anfang des Unterrichts im Aus- 
messen eines Ackers. Nach der Unterschrift in der Erfurter 
Handschrift endigt damit das erste Buch des Julius Fron- 
ünus Siculus. Aber weder giebt der unrichtige Zusatz. bei 
dem Namen. dem übrigen viel Sicherheit, noch endigt hier 
überhaupt ein Buch; so dass, wenn Gründe dagegen sind, 
diese Stücke nicht eben nothwendig dem ersten Buche zu- 
zutheilen sein werden. Die alte Handschrift des Johann Arcier 
hat Iuli Frontonis liber explicit feliciter;- womit nur 
gesagt wird, hier endigen die Auszüge aus den Schriften des 
Mannes dessen Name auch hier entstellt ist. Im Arcerianus 
folgen die Colonieen, in der Erfurter Handschrift und er- 
weislich schon in ihrer Quelle Nipsus mit der auch hier in 
der Zählung bedenklichen Ueberschrift Incipit Marei Iuni 
Nipsi liber II feliciter: denn es kónnte viélleicht gemeint 


P4 


über Frontinus, Balbus, Hyginms und Aggenus Urbicus. 11B 


sein, die Auszüge aus Frontm seien das erste Buch‘ der 
Sammlung, die aus Nipsus das zweite. Wenn wir uns nun 
nach andern Zeugnissen über Ordnung und Zahl der Bücher 
Frontms umsehen, so finden wir deren nicht mehr als zwei. 
Die Handschriften der zweiten Classe haben in einer Reihe 
von kürzeren Auszügen, G 213, (nach S. 308, 27 unserer 
Ausgabe) ein Stück über das Supercilium mit der Ueber- 
schrift Ex libro Frontini secundo. Dies selbe Stück 
aber findet sich: wörtlich wieder in dem sogeriabnten Sim- 
plicius S. 73,28; nur dass. hier die letzten Sätze S. 74, 11— 14 
fehlen, offenbar aber auch noch viel mehreres. Schon hier: 
aus wäre zu schliessen dass der Simplicius (S. 59 bis 77, 18, 
oder mit den Umstellungen der Handschrift bei Goes S. 76 
bis 89 und im rheinischen Museum für Jurisprud. 5, S. 360 
bis 373) Stücke von Frontiri enthält: und da er ohne Frage 
eine zusammenharigende Darstellung der. fünf ersten frontini- 
schen Controversen giebt, so. folgt dass'Frontinus im zweiten 
Buche noch einmahl die Controversen behandelt hat. Noch 
einmahl, und offenbar. ausführlicher: denn die Vermutang, 
dass die Abhandlung de controversiis, die ich bisher 
ohne strengen Beweis als einen Theil des ersten Buches be- 
handelt habe, etwa nur ein interpolierter Auszug aus dem 
zweiten Buche sein möchte, diese Vermutung, ob. sie gleich 
Blume im rheinischen Museum 5, S. 379 aufgestellt hat, 
muss bei dem ersten Versuch der Vereinigung ‚schwinden, 
und immer mehr schwinden’ je- genauer man die Art der 
Ueberlieferung im Simplieius. kennen lernt. Als zweites Buch 
scheint sich denn auch der Simplicius selbst zu bezeichnen 
in einem Theil der Sätze die von der Einleitung den Ueber- 
gang machen zu den Controversen, S. 64, 9 — neces- 
sariam studiis exercitationem huius quoque partis 
existimavi: uno enim libro instituimus artificem, 
Römische Feldmesser II. 8 


-— 


114 "a | .LACHMANN  .. 07 € 


alio:de arte-disputavimus. — superest nunc^ut de 


controversiis dispiciamus. Man könnte zwar denken, 
die Céntroversen gehörten nicht zur ars des Feldmessers 
und machten das dritte Buch aus: aber es. folgt .(ich nehme 
hier schon die erst später nachzuweisende richtige Ordnung 
der Blätter an, und die richtige Beziehung dieser Worte) 
S, 65, 19. queniam.in priore .parte, libh sequentium 
rerum ordo absolute. de his disputari inhibuit. Also 
was ich: angenommen habe, schon vorher waren die Contro- 
versen abgehandelt, .aber nicht vellstindig genug. Ich meine, 
im ersten Buche. Hier steht freilich in priorem partem 
(sb hat die Handschrift) libri: das kann. aber unmöglich 
heissen sollen Vorn im Simplicius, selbst wenn man. die 
. Worte nicht auf die Controversen sondern auf die Status 
bezieht: denn da ist von andern Dingen die Rede. Auch 
wird nachher im Agennius bei de possessione. contro- 
versia S.81, l.gesagt in superidre parte, und. damit 
ist gemeint de logo controversia im Simplicius, das 
heisst igı ersten Theil zu Agennius, S. 74,29. In unserer. Stelle 
konnte der Verfasser .des Simplicius gar nicht zurück ver- 
weisen; und-Frontin, wenn. ihm die Worte gehören: sollen, 
aur auf sein erstes Buch, es müsste denn auch die kürzere 
‚Abhandlung. von den Controversen sehon zu seinem zweiten 
Buche gehören. Da aber dies bei'der gänzlich verschiedenen 
Manier unwahrscheinlich ist, so wird wohl Frontin nur in 
priore geschrieben. und der' Verfasser des Simplicius dies 
abgeschrieben haben: parte libri ist vom einem dritten. 
Noch sicherer muss es ein dritter sein, der .nun in.derselben 
Stelle S. 64, 18 diese hier abgesonderte Darstellung der 
Controversen, im Widerspruch mit dem bisher betrachteten, 
den vierten Theil des Ganzen nennt, Quae pars, quamvis 
quarta sit universitatis, seiungitur. Und auch nur 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 115 


dieser dritte kann von dem Inhalt des dritten fünften ünd 
sechsten Buchs reden, wie er an das echte de arte dispu- 
tavimus 'anknüpfend sagt exigit enim ars seieritiam 
metiundi, cui datur libri tertii pars (ist dies gemeint? 
Die Handschrift hat exigit enim pars scientiam metiuna 
eludatur libra tertia pars), quam quinto et sexto 
libro continuabimus (die Handschnft conminua vimus). 
Was im ersten und zweiten der sechs hier angedeuteten 
Bücher behandelt sei, vieleicht auch nech in einem Thed. 
des dritten, ist schwer zu sagen: wir erfahren nur dass der 
Gegenstand der sechs Bücher, die gesammte Kunst des Feld- 
messers, eigentlich dreitheilig sei; cuius (artis) triper- 
titionem sex (die Handschr. ex) libris, ut puto, satis 
conmode (die Handsehr. conmodis) sumus executi. 
Nun kenne ich wohl eine solche Theilung ‘der Kunst, dfe 
Frontms nächster Nachfolger Hygin hat; de limitibus, de 
eondieionibus agrorum, de controversiis. ‘Ist hier 
dieselbe gemeint, so enthielt das erste Buch bis ins 'dritte 
ene Abhandlung wie Siculus Flaccus, de condicionibus 
agrorum, das dritte zugleich noch etwas von der Limitation, 
das vierte Frontins und Agennius Controversen, das fünfte 
und sechste die Fortsetzung der eigentlichen Messkunst und 
vielleicht. Aufgaben. Welche Schriften in^ die universitas 
aufgenommen waren, darüber liesse sich nur rathen: aber 
eine Sammlung verschiedener Schriften ist es, nach dem auf- 
genommenen Agennius zu urtheilen, wohl gewesen; wie ieh 
oben S. 112 in dem liber I und liber II der Erfurter Hand» 
schrift die Spuren einer andern Sammlung vermutete, und 
wie noch sichrer Niebuhr (róm. Gesch. 2, S. 536) aus dem 
zweimahlgen ex libro XIl Innocentius (S. 310; 1) und 
sicut in libro XH auctores constituerunt (9: 351, 20) 
auf weitläuftige Pandekten der Feldinesskunst geschlossen 
| g* 


416 LACHMANN | 


hat. Dergleichen Sammlungen wieder, herzustellen aüs den 
wenigen Resten die uns geblieben sind, kann nicht gelingen, 
und für die Kenntniss der Sachen dürfte auch der gelungene 
"Versuch nichts austragen. 

. Aber sagt uns nicht der dritte,. wie ich ihn genannt 
habe, der von der Sammlung aus sechs Büchern. spricht, 
(denn dass dies. Frontin. sei, wird wohl niemand mehr glayr- 
ben) sagt er nicht selbst, was in dem Anfange der Samm- 
lung enthalten sei? Sagt er nicht S.64,15 Et de adsigna- 
tionibus, et partitionibus agrorum et de finitionibus 
terminorum.hactenus, deputato arti (die Handschr. 
arlis) mensoriae ordine, meminimus, und ist dies nicht 
der Inhalt einer Schrift de condicionibus . agrorum? 
Allerdings, sofern es Worte des dritter sind: und ich lasse 
se vollkommen gelten, -sobald man die Worte deputato 
arti mensoriae ordine erst richtig verstanden bat, „in- 
dem wir zugleich der eigentlichen Messkunst ihren Platz an- 
gewiesen haben“, nämlich in einem. Theile des dritten und 
im fünften und sechsten Buche. Aber derselbe, Satz, natür- 
lich mit Ausschluss der eben erklärten Worte, ist auch zur 
Vollatändigkeit der echten frontinischen Rede nothwendig: 
depn: er. bildet den Gegensatz zu dem folgenden superest 
nunc ul de controversiis dispiciamus. Ist es aber 
Frontin der spricht, und habe ich mir seine Worte zum Ver- 
' ständniss gereinigt wie man sie jetzt .S. 37,13 im Zusam- 
menhange lesen kann, so entsteht die Frage, ob auch Fron- 
tinus schon Hygins tripertitio gemacht habe. Ich glaube 
nicht: denn .alles, was wir von ihm lesen widerstreitet.. Er 
hat die bei den. Alten so gewöhnliche’ Art zu theilen, erst 
von dem Künstler, dann von der Kunst; und zwar jedes in 
einem Buche. Vno enim libro instituimus artificem, 
alio de arte disputavimus. Die Handschrift hat zwar 





über Frontinus, Balbus, Hygimus und Aggenus Urbicus. 117 


substituimus: aber ich wüsste nicht was das sein sollte 
als instituimus. Ich glaube, die institutio des Künstlers 
war eine. allgemeine Belehrung, mit welchen Gegenständen 
er sich zu beschäftigen habe: das zweite Buch gab ihm An- 
weisung, auf welche Art er bei jedem zu verfahren habe. 
Vom ersten haben wir einen Unterricht über die verschie- 
denen Arten . der: limitierten und nicht limiüerten Aecker, 
dann was für Rechtssireitigkeiten über Aecker vorkommen. 
Das zweite Buch ‘handelte von der Kunst des Mensors in 
den drei angegebenen Theilen. - De adsignationibus ét 
partitionibus agrorum; wie er das angewiesene Land 
limitieren solle, wie die Grenzsteine beschréiben, die bestimm- 
ten Theile‘ verloosen, die Zeichnung des ganzen Gebiets an- 
fertigen: das Nachmessen bei Streitigkeiten und das Nach- 
sehen der Zeichnung ergab sich von selbst. De finitionibus 
terminorumi; was mit den Kunstausdrücken observatio 
demonstratio inspectio bezeichnet wird, die Prüfung der 
Richtigkeit "und Beweiskraft aller Arten von Grenzbezeich- 
nungen auf nicht limitierten Aeckern, wenn sie 'bestritten 
werden; De controversiis; was er vom Recht wissen 
müsse, damit er als Schiedsrichter "oder als Beirath der 
streitenden Parteien nicht‘ verstosse, 'sonderh sich in seinen 
Schranken halte. ‘Hatte Frontin diese Theilung, Bei der ge- 
wiss nicht só viel als die späteren’ Lehrer für nützlich hiel- 
len widerholt ‘ward, so hatten seine Worte einen anderen 
Sinn als wie sie verfälscht wurden, und von einer scientia 
metiundi-oder ars mensoria, die nicht in dem Abschnitt 
de adsignationibus et partitionibus schon sollte be- 
griffen sein, war'bei Frontin nicht die Rede. Dann ist aber 
auch deutlich dass die vier Stücke welchen meine ganze 
Untersuchung eigentlich galt, zu der' ersten Abtheilung des 
ıweiten Buches gehören, dass ich also die Ueberschrift des 


118 MEM LACHMANN 


vereinzelten Bruchstüeks in den Handschriften der zweiten 
Classe mit Recht .schon S. 26, 3 über den scheinbaren An- 
hang .des ersten Buches gesetzt halie... Leider sind diese 
Stücke, wie lehrreich sie auch für uns sein mögen, nur 
ärmliche Reste der ersten. Abtheilung: von der zweiten ist 
uns gar nichts ‚überliefert. Ä 

. , Gleichwohl können wir wenigstens ' von der ersten ı uns 
ungefähr ein Bild ınachen nach des jüngeren Hyginus Schrift 
. de limitibus constituendis: denn. er hat den Fromm 
stark benutzt oder eiyfach zu reden. abgeschrieben; selbst mit 
den bereits .eingeschlichenen Fehlern. Ich hahe zu S.27,17 
angemerkt dass er stalt. des nothwendigen. ab oriente ad 
occasum auch nichts als et oceasum hat, und S. 29,14 
die durch Klammern bezeichnete Interpolation, die doch sogar 
noch in unseren Handschriften nicht einmahl fest steht. Da- 
gegen hat: er aber. auch manches richtig, was ohne ihn 
minder leieht oder sicher zu bessern gewesen wäre. Bei dem 
dritten der ‚vier Stücke tritt ein was ich S. 101 sagte, es wäre 
.schön wenn sich noch eine alte Handschrift der dritten Classe 
fände: denn in der zu Erfurt ist von einem ganzen Blalte 
S. 27, 14—29, 14 die äussere Hälfte weggeschnitten, und 
der von Scriverius: gebrauchten, von der ich ihm sein bona 
fide cumenevis, suis publicabat nicht gana glaube, ist 
so.'stark nachgeholfen, dass ich ihre Lesarten, wo die andere 
nicht beschnitten, war, anzuführen nicht gewagt habe. Den- 
noch muss ich zugeben dass der Schreiber der scriverischen 
Handschrift (sie, war wenigstens Pergament) oder ihr Nach- 
besserer einige Stellen ganz vortrefflich hergestellt hat, ohne 
dass ihm, doch eben das abgehandelte überall klar.geworden 
ist. Uebrigens hat die älteste Handschrift hier wie überall 
im ersten Buche des Frontinus Zeichnungen, deren Milthei- 
lung !die Leser: Rudorff verdanken. Ich habe mich begnügt 


über Frontinus, Balbus, Hyginus and Aggenus Urbicus. 119 


Figuren hinzuzufügen wo die verderbten Worte des Textes 
die ‚Stelle einer. Zeichnung vertreten. Dies ist hier S. 30, 7 
der Fall, wo die Worte figuram similem nichts als die 
fehlende Figur bedeuten kónnen: das figurae quadratae 
similem der scriverischen Handschrift ist em alberner Ein- 
fall, und auch modus quattuor limitibus clausus 
figura similis wird nicht, wie ich emmahl geglaubt habe, 
ein Rechteck bezeichnen können. Aehnlich ist im Agennius 
.8. 78, 8 das im Zusammenhang sinnlose nihil deest gewiss 
nur eime Anmerkung, dass daselbst nichts fehle, sondern: der 
leer. gelassene Raum nur die Stelle emer Zeichnung vertrete, 
auf die sich der Schriftsteller im folgenden auch deutlich be- 
zeht. Ich habe sie im Frontin S. 47, 12 ergänat. 

:* Ieh komme nun zu dem letzten Abschnitte des frontimi- 
schen Werkes, S. 34-58, den ich dann S. 62, 19—90 noch 
einniahl in die: Auslegungen des Agennius eingefasst folgen 
lasse.‘ Fottan darf den Agennius niemand lesen ohne 'über- 
all auf den echten Frontin. zurück zu gehen. Ich wimsche 
meine .Leser zu überzeugen dass ich das 'Eigenthum des 
älteren Schriftstellers richtig ausgeschieden und dass ich diese 
Bruchstücke wie die des Agennius in :die richtige Ordnung 
gebracht habe. Von der Gestalt in welcher 'uns.:dies alles 
überliefert ist kann man sich ein hinlähgliches Bild machen, 
wenn man den- Abdruck .bei Goes S. 65— 89: mit Bhimene 
Ergänzung: im rhemischen Museum für Jurisprüdena 5, 8. 369 
bis 373 weitindet, nur dass bei Goes S. 75: am Ende beinah 
eine halbe Seite fehlt. - Nach dieser Ueberlieferung, von der 
ich hier nothwendig ausgehen muss, steht' der erste Thed, 
oder bei Goes S: 66.—75;, in der ersten arcerchen Fland- 
schrift mit. Zeichnungen nach Hyginus de limitibus con- 
stitu endis. und der sogeríannten Lex Mamilia, in der zweiten 
arcerischen. Handschrift aber zu Anfang und ohne Zeich- 


100 LACHMANN 


nungen. Die erste hat. die Ueberschrift Incipit: Ageni 
Vrbici de controversiis agrorum: am Ende steht in 
beiden: Ageni Vrbici liber explicit. Ein vereinzeltes 
Blatt der Handschrift aus der die der dritten Classe geflossen 
sind, enthält den Schluss dieses ersten Theils, von S. 75, 23 
an bei Goes, (jetzt S. 90, 3—21) und die Ueberschrift eihes 
andern Buches, Incipit liber de agrimensura. Ver- 
muthlich war das der zweite Theil, von S. 76 am bei. Goes 
bis 373 bei Blume: denn die zweite arcerische Handschrift 
lässt diesen zweiten Theil felgen unter der Ueberschritt 
‚laeipit liber. Zu diesem liber hat eine spätere Hand, 
etwa des neunten Jahrhunderts, gesetzt sinplicius; wie 
Blume (rhein. Mus. 5, 375) und schon Rigault (S. 249 Goes) 


seht. richtig vermutet, in Beziehung. auf die Worte am- 


Schlusse. des ersten Theils /S. 75, 16 bei Goes (jetzt S. 89, 
26), die ‚sich allenfalls auf eine folgende. einfachere Dar- 
stellung deuten liessen. Die Buchstaben us.sind aber durch- 
strichen , und darauf allein beruht - der alberne Gebrauch 
" diesen Theil dem Simplicius zuzuschreiben, obgleich . die 
Handschrift am Ende wieder nur hat Explicit liber. "Ich 
sage nichts: neües, und auch nur was keines Beweises be: 
darf, webn:ich widerhole was ich meistens auch schon an- 
gedeulet halie, dass der zweite Theil ebenfalls von Agennius 
ist; dass er vor den ersten gehört, dass beide sehr viel von 
Frontin enthalten, unter anderm die in den. Handschriften der 
&weiten Classe vereinzelte Stelle des zweiten Buchs; dass 
in dem Commentum zu Frontins erstem Buche vieles aus 
beiden Theilen abgeschrieben ist; einmahl mit Frontms Namen 
S. 10, 19 und grade etwas das dem Ausleger Agennius ge- 
hört, S. 68, 6; dass in dem Anhange zum Boethius nur 
weniges aus dem voranstehenden Theile vorkommt: eb allein 


frontinisches odes auch andres, habe ich S. 109 gesagt: Der 


x 


Pd 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 121 


erste Theil, also richtiger ‘der zweite, die Abhandlung der 
letzten zehn Controversen, .ist- uns in. der ursprünglichen 
inneren Ordnung, wie sie Agenhius eingerichtet hat,  über- 
liefert. In dem andern Theile findet man leicht S. 77 bei 
Goes den Anfang der zweiten frontinischen Controverse de 
rigore heraus, und S.80 den Anfang der fünften de modo: 
aber erst bei den. Worten Omne genus controversiarum 
$. 82 kommt das’ aMgemeine, was überhaupt Gegenstand 
einer Ackercentroverse sein kürme, und S. 86 superest 
nunc ut de controversiis disponam muss ursprünglich 
noch früher gestanden haben. Das ut superius significavi 
S. 80, 21 bezieht sieh auf S. 85, 27; im ersten Theil S. 66, 5 
memineram et superius auf den zweiten S. 81, 18. Also 
haben wir.in diesem zweiten Theil entweder ungeordnete 
Auszüge, oder es-sind Blätter versetzt. Den zweiten wün- 
schenswertheren Fall hat wohl: zuerst Niebuhr angenommen 
(rüm. Gesch. 2, 543): ihn zu beweisen genügt aber nicht dass 
man wisse an welche Stelle des Ganzen dieser oder jener 
verständliche Satz gehöre, sondern man muss von Punkten 
wo verständliche Sätze unterbrochen sind weiter lesen bis 
zu andern wo wieder der Sinn ausgeht. Dieser Versuch 
musste gemacht werden: und da ich glaube durch mein 
Verfahren das mögliche erreicht zu haben, so wird vielleicht 
es bestimmter darzulegen nicht ohne Natzen sein. Ich muss 
übrigens selber zugeben dass man, wie.ich nun sehe, hoch 
strenger und umsichliger hätte verfahren können. 
Wenigstens war.mein Anfang etwas verwegen. Ich sah 
wohl dass:S. 82, 6 ein ganz neuer Gedanke eintrat, Prius 
quam. de transcendentia controversiarum tractare 
incipiam, status eorum-exponendos existimo (denn 
so war der Fehler leicht zu verbessern, tractare incipit, 
alii status): aber ich nahm zu rasch an, dass der vorher- 


124 2E - LACHMANN 


gehende Satz unvollendet: sei (er:ist vollendet), wnd dass 
zweitens der ganze Gegenstand ‘desselben ih eine andere 
Region gehörte. : Indessen ‘dies zweite hat sich hernach doch 
a0 befunden: jetzt ist es kem Wunder mehr dass ich da- 
mals ziemlich ‚ungestört bis S. 83, 22 weiter las; freilich nicht 
anders als dass erst die meisten Verbesserungen. mussten ge- 
funden werden,: die,nun dem: Leser im Drucke S. 65, 14 bis 
67, 10 einfach unü-léicht scheimen.. Weiter war aber nicht 
1u: kommen als bis corporäle. esse decernitun Dem 
iin Anfang hiess es, die Status sollten ausemander. gesetzt 
werden: und ehe dies irgend vollendet ist, befinden wir uns 
bei dem folgenden nunc quem admodum positio est 
(jetzt S. 67, 16) schon.in den Transeendenzen ex vero in 
falsum durch Verlassung des Status, Das ausgeschiedene 
Stück war aber lehrreich:. denn es: zeigte recht wie Agen- 
nius in den Frontin. hinein geaibeitet hat. Vielleicht wird es 
den Lesern Vergnügen: machen selbst zu betrachteri, zwischen 
wie geriau verbundene Sätze Prontins hier der :;Erläuberer 
vier Mahl seine leicht erkennbaren. albemen :Zusätze gescho- 
-ben hat. Ob. freilich .der -Anfahg echt sei, ob Frontihus nicht 
doch vielleicht von status controversiae gehandelt:hätte, 
war bei .der eisten Betrachtung noch nicht zu entscheiden. 
Verständiger, wenn ich mich. selbst streng..beurtheilen soll, 
war die Wahl des aweiten Stückes. Die. Werte..5..85, 28 
(jetzt 64, 1) idoneas :volunt exhibere advocatianes 
sahen frontisisch aus und hatten offenbat. mit dem verher- 
gehenden Transeendenzeukram (vor der, jetzigen 8.70, 10) 
niehts gemein, auch war von Transcendenzen im -folgemden 
nicht mehr die Rede. ‚Hier ging’ es denn-abwechselnd durch 
Frontin und. Agennius (Zweifel war nirgends), bis dieser auf 
einmahl S. 87, 1. (jetzt .S..65, 12) mitten im Lobe der Geometrie 
verstummt: non facile geométzria vulgari tangitur 


über Frontinus, Balbus, Hypínus und Aggenus Urbicus. 123 


opinione' et 'ad intelléctum sui nisi quos ad mna- 
turalem philosophiae provehat adniittit. Denn das 
nächste, obgleich verderbi und damahls noch unverbesserlich, 
(jetzt S. 283, 21) órdinem naturalium rerum sub- 
stitwunt et geometrica et exercitationis abdicant 
saepe credunt ut vetustatem reservet speciebus, 
konnte unmdglich zu dem vorigen gehören, und was’ weiter 
nachfolgte sóch weniger. Das zuerst hbgesonderte Stück 
füllt 48 Zeilen: bei Gees [in der Handschrift 125],. das andre 
37 [95]: zwischen beiden (S. 83, 22-85, 28) liegen 70 [188]. 
Dies von jenen eingesolilossene Stück (jetzt S. 67, 16—70, 9) 
steht in ısnunterbrochenem Zusammenhange, der sich. ergab 
indem es in lesbaren- Stand gebraeht ward. Aber der An: 
fang inusste lauten falsa propositio ‘est: mithin gehörte 
nunc 'quem admedum noch zu dem ersten Stücke, und 
dies miltlere fing..aa mit-pesitio. Die drei .Stücke (sie 
werden sich bald als sechstes siebentes und achies zeigen) 
warea an. Umfang gleich genug, das mitllere schieh ein dop- 
pelles: genauere Uebereinsibmgung war nieht zu verlangen, 
in Prosa,: bei willkürliehen Absützen, bei’ manchen möglichen 
Auslassuagen; auch konnten hie und da die won Blume 
(rhein. Museum 5, 382) allzu sehr gefärchteten Zeichnungen 
das Verhültniss ändern. Da mithin die Versetzung der Blätter 
sicher zu sein schien, durfte nun anch von dem offenbar ver- 
stünsmelten, Anfang des Buchs ausgegangen werden, ..S.. 76, 1. 
Nach .eimem Paar wenig: verstündlicher Zeilen, .vermuthlich 
von Agennius, war es mir deicht mit. Hilfe. einiger: Verbes- 
serungen vori Rudorf. dem Frentin zu folgen, und nach einem 
Uebergang von ‚Agennius, abantıahls dem Frontin nachau: 
gehn, im ganzen durch 39 goesische [112. geschriebene] Zeilen 
(jetzt S. 62, 12.— 64, 1), bie S..77, 10 Nihil puto defor- 
hnius esse quam (quom) de eius modi causisinperiti, 


124 . LACHMANN . ^ 


Denn das folgende (jetzt S. 71, 18) seeundum locorum 
naturam movet causas vertrug sich mit causis auf keinen 
Fall Aber hóchst überraschend war, was mir freilich keinen 
Augenblick entgehn konnte, dass das schon durchgenommene 
aclite Bruchstück sich hier anschloss, an de eius modi 
causis inperiti nämlich idoneas volunt exhibere ad- 
vocationes, und die in diesem folgende Beziehung auf ein 
exiguum exemplum hier nun vollkommen deutlich ward. 
Zugleich ' aber erhellte dass dieses erste und achte Bruch- 
stück Theile der Einleitung vor den einzelnen Controversen 
waren, da hingegen das auf inperiti folgende S. 77, 11 offen- 
bar auf die erste Controvers.ging, de positione termino- 
rum, und gleich.die ersten: Worte (S..71, 18), secundum 
locorum naturam movet causas, dem 'ersten Buche 
S. 11, 2 entsprachen. Der ‘Anfang der zweiten, de rigore, 
‚nach 17 Zeilen war also gewiss noch ein Theil desselben 
Bruchstücks. Dies aber (jetzt S. 71, 18— 72, 21) liess sich 


nicht weiter als bis S. 78, 11 führen, also im ganzen durch: 
32 [93] Zeilen: denn der. angefangene Satz At si in agro 


arCifinio sit, qui nulla mensura continetur, sed 
finitur aut montibus — aut fossis aut quodam cul- 
turae discrimine, findet keine Lösung in dem folgenden 
agetur cum enim. Dies folgende -Bruchstick nun; von 
agetur an, also das dritte (jetzt S. 73, 11), handelt vom 
Supercilium, welches von andern Schriftstellern schieklich 
bei der dritten Controversia, nämlich de fine, abgehandelt 
wird: und wo es schliesst, wiederum nach 32 [90]:Zeilen, 
S. 79, 11. (jetzt S. 74, 10) sacrificalibus palis in totum 
non debet, fügen die Handschriften der zweiten Classe 
(denn aus dieser Stelle ist grade. das Excerpt Ex libro 
^ Frontini secundo) ein Paar Sätze hinzu (S. 74, 11), die 
sich ebenfalls auf den Finis beziehen. Das vierte Bruchstück 


über Frontinus, Balbos, Hyginus und Aggenus Urbicus. 125 


(jetzt S.:74, 17 —76, 17) fängt also an haberi ordinem 
legis Mamiliae excessum plurimum, mit offenbar ver- 
derbten Worten, die ich nicht zu bessern weiss, in denen 
. aber auf den Absatz den die Handschrift nach haberi macht, 
gewiss eben so wenig zu geben.ist als auf manchen andern. 
Man überzeugt sich leicht dass, hier von der vierten Contro- 
verse geredet wird, de loco, und man liest ungestört hinein 
in die folgende de modo, bis nach 61 goesischen [in der 
Handschrift nach 162] Zeilen, S. 81, 8 (jelzt 76, 17) die Hand- 
schrift eine offenbare Lücke selbst durch einen Zwischenraum 
bezeichnet. Ein alter Verbesserer hat in diesen Zwischenraum 
dragma geschrieben; welches ‚von Goes wohl richtig durch 
diagramma erklärt ist: es fehlt aber mehr als. eine Zeich- 
nung, obgleich die folgenden 30 [76] Zeilen ebenfalls zu der- 
selben Controvers gehören. Dies fünfte Bruchstück, S. 81, 
8-82, 6, (jetzt 76, 19—77, 18) enthält unter andern die Worte 
Frontins, habere enim debet aes primo locum, deinde 
modum, deinde speciem, mit deren Erläuterung sich 
der Anfang des. andern voran stehenden Theils unserer Schrift 
bescháftigt, S. 65 bei Goes, jetzt 5. 77. 78. Hier am Ende 
des fünften Bruchstückes sind wir also ganz nah am Schlusse 
des Theils der zwar in der Handschrift die beide hat der 
zweite ist, ursprünglich aber der erste von Agennius Werk 
über die Controversen war. Nach dem achten Bruchstücke 
stiessen wir vorher S. 87, 1 nach Goes auf ein anderes Stück, 
das mit jeder Zeile fremdartiger lautet, bis man in der 19ten an 
den Titel desselben kommt, Agrorum quae sit inspectio.. 
Wie weit es reiche, war freilich zu untersuchen eh ich den 
Stücken des Agennius weiter nachgehen konnte: aber hier 
würde die Untersuchung nur. stören durch Verwickeluggen - 
besonderer Art. Ich will mir also erlauben als zugegeben 
voraus zu ‚setzen dass mit den Worten et incrementis 


1266 dic. LACHMANN 5e 0 oin ^ 


artis: bei Góes-:$,.89, 14, oder S. 369, 4 bei Blume-im fünften 
Bande des :rhein. Museums, das eingeschobene fremdartige 
Stück endigt und das neurite des Agennius mi adversantur 
nequid in rerum natura anhebt. Was aber darduf- folgt, 
(216.Zeilen der.Handschrifl] bis S. 373 bei Blume (jetzt S. 59, 
4—-62, 15), das wird man, wie erbärmlch es ist und wie viel 
daran :hat müssen. verbessert werden, leidlich verständlich 
und in sich selbst im Zusammenhang finden; so dass also 
der anzuordnenden Stücke im ganzen neun sind. 

Die Ordnung derer welche die letzten sein müssen er- 
giebt sich aus der bekannten 'Folge der Controversen von 
selbst. Diese sind nach’der obigen Zählung das zweite dritte 
vierte fünfte. - Die übrigen schemen ihrem Inhalte nach zu 
der Einleitimg zu gehären: dass das achte unmittelbar an 
das erste passt, haben: wir schon gefunden. Wie was uns 
noch. fehlt zu-ordnen sei, erkennt man bestimmt aus mehreren 
Aeusserungen des Agennius über den Plan seiner "Arbeit. 
Im neunten Stücke sagt er S. 371, $'Bl. (jetzt S. 61, 7) 
Quoniam itaque de controversiis meminimus agre- 

— » rum, hae (die Handschr. hoc) quot partibus divi- 

dantur et‘ in quot génera possessionum, aut 
- quas habeant qualitates, tractemus. 
Die beiden ersten Abtheilungen scheint er hier nieht genau 
zu ordnen. Denn in dem ersten Bruchstücke werden S. 76, 1 
(8. 62, 17) die condiciones: possidendi aufgezählt, und 
dann heisst es 8. 77, 1 (S. 63, 23) | 
In omnibus .his-tamen agris superius nominatis quot 
'" genera: controversiarum: exerceantur, tractare 
incipiamus. - 
. Folgen muss was vorher qualitates controversiarum 
hiess, die Status und Effectus nebst ihren Transcendenzen, 
und zwar zunächst im sechsten Bruchstücke S. 82,6 (S. 65, 14) 


über Frontinus, Balbus, Hyginus:und Aggenus Urbicus. 127 


- Prius quam de transeendentia eontroversiarurh tráctere 
incipiam, status earum exponendos exisünrio, 
dann im siebenten S. 84, 13 (S. 68, 16). 
A .quoeumque autem: controversiae de agris moventur, 
effectus habentaut coniunctivum aut dibiunelivum etc. 
und in demselben S. 85, 9 (8. 69, 17) | 
Per hos effectus: omnium controversiarum status in- ' 
vicem habent transcendentias aut necessarias aut 
queuntes aut néqueuntes, saepe interibiles. 
Aus diesen Uebergängen, von denen einer den andern auf- 
nimmt, ist die Ordnung“ der ersten Stücke des Buches klar. 
Das neunte erste achte sechste siebente machen also den 
Anfang: dann folgen die vorher aufgezählten vier, das zweite 
dritte vierte fünfte, und’ daran ‚schliesst sich der andre Theil. 
Wieviel von Agennius Arbeit verloren ist, kann uns 
schr gleichgültig: sein: denn wie vortrefllich sie ihm selbst 
ohne Zweifel geschienen hat, wir lernen niehts daraus. Im 
Anfange muss er. all seine Weisheit ausgekramt haben: 
denn. S. 61, 15 sagt er schon zum zweiten Mahl (ut supra 
diximus) dass. die Erde in vier Theile getheilt werde. Das 
Lob der Geometrie, mit: dem der falsche Boethius die de- 
monstratio artis geometricae aufziert (S. 394, 11), ist 
ungefähr im.Stil des Agennius: der Schein mag aber triegen, 
da die Schrift. übrigens, wie gesagt, keine Bekanntschaft mit 
ihm 'verrüth. Wenn wir nur :heber wüssten, wie er mit 
Frontins Schrift umgegangen ist, an der uns allem etwas 
liegen kann. Wir wissen aus der-Aufaühlung der genera 
controversiarum dass nach Frontins- Anordnung die über 
Subsiciva die zehnte war:. bei Agennius ist sie die achte, 
wel er die welche status effectivi und welche status 
inieetivi sid auseinander halten. will. : Die Nachschrift 
Satis,ut puto, dilucide, von deren Interpolation ich S. 109 


128 - — LACHMANN 


geredet habe, ist: offenbar Frontins Vorrede zu diesem Theil 
seines zweiten Buchs (S. 34. 35). Nachdem er darin gesagt 
hat wie von dem Feldmesser als Richter und.als Advocatus 
^ Geschick in :seiner Kunst, Reehtlichkeit, und Kenntnis des 
Rechts gefordert werde, zeigt er in dem folgenden Bruch- 
stücke (S. 35, 12) dass er die verschiedenen Verhältnisse des 
Lanübesitzes kennen muss, und selbst die verschiedenen Be- 
dürfnisse der Länder, in sofern die richterliehe Entscheidung 
davon abhängt. Dann wird zur-Behandlung der Controversen 
selbst übergegangen: und zwar sogleich (denn ich meine, auf 
der 37sten Seite des jetzigen Druckes, Z. 15, zwischen dem 
achten und dem sechsten Stücke‘ des Agennius, fehlt wohl 
manches von diesem, aber nichts frontinisches) ‚gleich zuerst 
werden die beiden Gegenstände der Rechtsstreite, Locus und 
besonders F inis, abgehandelt. Die Status gehören ganz dem 
Agennius; initialis, materialis oder generalis, effe- 
ctivus, inieclivus: wenigstens ist uns kein Wort von 
Frontin erhalten, aus dem sie der Ausleger könnte genom- 
men haben. Aber den Ausdruck transcendunt contro- 
versiae habe ich S. 38,7 für das transcidunt der Hand- 
schrift um so mehr dem Frontin zuschreiben zu mügsen ge 
glaubt, als dem Agennius eigentlich bier S. 67, 24 die Sache 
ungelegen zu kommen scheint, .da er erst nachher S. 69, 17 
ausführlich von den Transcendenzen spricht. Frontin scheint 
gesagt zu haben, der Streit gehe oft über die eigentliche 
Demonstratio hinaus, indem nur aus der erkennbaren ferneren 
Richtung der Grenze auf den fehlenden Theil geschlossen 
werde mit grosser Gefahr des Imthums; oder wenn gar die 
erweisliche wahre Grenze verkannt und nach dem Schein 
eine unrichtige angegeben werde. Zum Schluss der Ein- 
leitung gab Frontinus S. 38, 18 Beispiele von dem verschie- 
denen Ausgange der Controversen, aus denen Agennius gans 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 129 


verkehrt sechs alberne Namen. für die effectus heraus- 
gedreht, hat. | 

Aber wir haben ausser den bisher betrachteten Quellen noch 
eine, aus der sich nicht unerhebliehe:Beitrüge zu deni zweiten 
Buch des Frentinus und zu des Agennius Commentar darüber 
schöpfen lassen. Diese Quelle, von-Blume schon nachgewie- 
sen und auch oben 8. 119. 120 erwähnt, ist das Commentum 
zu den beiden erhaltenen Stücken des .ersten Buchs, welches 
in den Handschriften der zweiten Classe; wie urisere Schrift 
in denen der ersten, ‘dem Agenhius zugeschrieben wird in 
der Ueberschrift Aggeni Urbici. Mir ist sehr gleichgültig 
wer Agennius Urbicus gewesen ist: aber Binem Menschen 
beide Commentare zuzutrauen, und den über die Controversen 
des ersten Buches pars prior zu überschreiben, den über 
die späteren Controversen des zweiten Buches pars altera, 
endlich den zu den ersten des zweiten Buchs mit der Ein- 
leitung Simplicius zu-nermen, dies ist so rein toll, dass 
. man glauben möchte, Mynheer van der Goes ‚habe sich deh 
Spass machen wollen flüchtige Leser damit auf Jahrhunderte 
zu teuschen: aber das :war seine Meinung nicht, sondern er 
zeigt sich durchaus so verkehrt, dass ihm nichts was andere 
längst vor ihm wussten gefüllt, sondern nur das ungereimte. 
Dass in dem Commentum zu den Controversen einige auch 
uns noch erhaltene Stellen aus dem: Werke des Agennius 
abgeschrieben sind, kann. jeder finden, und es ist nur zu be- 
merken dass sie nicht immer mit der pünktlichsten Genauig- 
keit abgeschrieben sind. Es sind aber in dem Commentum 
mehrere Stellen die beweisen dass der Verfasser den Agennius 
vollständiger hatte (wie viel vollständiger, lässt sich aus 
einem. so. planlosen Geschreibe nicht sehen), aber die Blätter 
waren schon versetzt. Dies zeigt sich S.25,31 in den 
Worten nam effectivus est cum de loco litigatur et 

Römische Feldmesser il. 9 


130 - LACHMANN - 


idoneas partes ad litigium advocationes instituunt: 
der Anfang gehört zu der S. 85, 28 bei Goes fehlenden 
weiteren. Ausführung der transcendentiae, das letzte ent- 
spricht dem daselbst folgeriden Anfang des achten Bruch- 
stüeks, idoneas volunt exhibere: advocationes:: das 
erste steht nach. der richtigen : ‚Anordnung auf S. 70, 9, das 
andere S. 64, 1. Wichtiger ist es das aus Agensius entlehnte 
mit Sieherheit zu erkennen: dass wir es ungefähr an die 
rechte Stelle bringen, hat eben keine Schwierigkeit, und stark 
kann ich beim Einfügen: der einzelnen Sätze micht gefehli 
haben. . Man -darf.sich aber nur. erst überzeugen dass der 
Verfasser des Gommentum ausser dem Werke des ilteren 
Hyginus beinah nichts als Agennius de controversiis ge- 
habi hät, so: schwinden die Zweifel bald, was aus Agennius 
und Fronün genommen sei, zumahl da wir Hygins Abhand- 
lung von den Controversen vollständig hesitzen. Nur führen 
die Auszüge im Commentum zm der traurigen Entdeckung, 
dass uns die beiden Theile des agennischen Werkes nicht 
in gleicher. Behandlung überliefert sind. In der Einleitung 
und in den ersten Controversen fallen die neuen Stücke’ aus 
dem Commentum jedes Mahl in die an der Unterbrechung 
der Rede erkennbaren Lücken: .in :der andern Abtheilung 
fügen sie sich fünf Mahl (S. 79. 80.-86. 88, 89) in das Ueber- 
lieferte und dienen zu wesentlicher Ergänzung. Mithin isi 
der erste Theil nur zufällig durch den Verlust vieler. Blätter 
verstümmelt, der zweite absichtlich verkürst von einem nase- 
weisen, der das ganze Werk für sich oder für seme Schüler 
zu weitläuftig fand. Einmahl hat er, wie mir scheint, nur die 
Erklärung des Agennius gegeben; S. 80, 10 Alia beneficia 
eliam quaedam municipia acceperunt et privatae 
personae quae de principibus illis temporibus bene 
meruerunt, während das Commentum: S. 16, 16: uns die 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 131 


echten Werte Frontins liefert, Sunt et aliae proprietates 
quae municipiis a princtpibus sunt concessae. Die 
Excerpte, aus denen-der zweite Theil besteht, wieder zu 
vereinzelen und überall: die. Lücken anzugeben, ist eine Auf- 
gabe die ich als für mich unlósbar vermieden habe. Nur 
einmahl S. 46, 20 = 77, 23, hat die gewonnene Ueberzeugung 
ven willkürlichen Auslassungen würklich Frucht gebracht: 
.. ohne sie‘ würde man, statt die Lücke anzuerkennen, die 
. Umgebung derselben. antasten. 


Des.Balbus (nicht Frontins) exposilio formarum. 


Eine Darstellung der ersten geometrischen Begriffe, aber 
von einem Mensor und mit einigen Beziehungen auf die 
Kunst des Feldmessers, ist als ein wesentliches Stück des 
Unterrichts in alle alten Sammlungen aufgenommen. In der 
weiten arcerischen Handschrift macht sie den Beschluss, 
meh Hygin de limitibus constituendis und der so- 
genannten Lex Mamilia. Freilich ist uns nur eben eine Spalte 
davon erhalten, so. dass ich für das übrige mich zuerst mit 
der vaticanischen Abschrift 3132 nach Blumens Vergleichung 
begnügen musste. Um zu zeigen dass auf sie nur wenig 
Verlass ist und dass man sie kaum für unmittelbare Ab- 
schrift halten kann, habe ieh auch zum Anfang ihre Lesarten 
gegeben; - obgleich sie an sich neben’ der Urschrift keinen 
Werth haben. Die nachher verglichene jenaische Abschrift 
(Göttling liess sie mir freundlich zukommen) hat mir, weil 
sie bei weitem genauer ist, zu vielen Nachbesserungen ge- 
holfen. Der von Rigaut gebrauchte Memmianus ist eben- 
falls eine - Abschrift des Arcerianus: ich habe aus Rigauts 
Anmerkungen emen guten Zusatz dieser Abschrift genommen, 
der nicht nurder vaticanischen sondern auch der jenaischen 

9 * 


132 LACHMANN 


fehlt. In der ältesten Ueberlieferung 'ist das Buch am um- 
. fangreichsten: aber es sind auch genug umechte Vermeh- 
rungen zu erkennen, und wiederum Lücken. Unechte Zu- 
sätze haben indess auch die andern Handschriften. Die Lücken 
mit Goes zum Theil, aus einer Handschrift unter .Gerberts 
Namen, wie er sagt, Auszufüllen,. hielt ich für unnüts und 
gewagt. Was mir unecht schien, darunter einiges unsinnige, 
habe ich eingeklammert. Dass ich eben alles verstehe oder 


alles in eine tadellose Form :gebracht habe, will ich nicht . 


behaupten: wieviel Mühe ich mir gegeben, mehr vielleicht 
als die Schrift werth ist, wird man sehen, wenn man das 
überlieferte mit dem Text vergleichen will. In den Hand- 
schriften. der zweiten. sowohl als der dritten Classe, die hier 
überhaupt näher zusammenstimmen, .ist das Buch in zwei 
Theile gesondert. Der erste von S. 91: bis S. 95, 4, mit einer 
eigenen aber werthlosen Nachschrift, macht in beiden Samm- 
lungen den Anfang, in der zweiten Classe würklich, in der 
dritten wenn man. die Blätter der ursprünglichen Handschrift 
ordnet. In beiden folgt auf dieses Stück. der Titel finium 
regundorum aus dem theodosischen. Codex. .Wohin in .der 
Sammlung deren Reste die dritte Classe enthält, das übrige 
gestellt war, ist nicht mehr zu sehen: ein bedeutendes zu- 
sammenhangendes Bruchstück ist. in drei Theile zerstreut. 
So viel ist deutlich, dass die Sammlung nech etwas mehr 
enthielt als die‘ Handschriften der zweiten- Classe. Diese 
lassen den zweiten Theil auf Siculus Flaccus und die ihm 
angehängten nomina limitum folgen unter der Ueberschrift 
ncipiunt genera lineamentorum: dann kommt der 
übersetzte Euklid. | 

Es: ist ohne grossen Schartsinn leicht zu.entdecken dass 
wir hier. kein vollständiges Buch haben, das etwa leistete 
was die Vorrede verspricht: suchen wir .aus der Ueberliefe- 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 133 


rung wenigstens den Namen der Sehrif& und des Verfassers 
z& gewinnen. In dem Commentum zu Frontin de agrorum 
qualitate S. 4, 33 ist ein Satz (S. 104,3) abgeschrieben, 
aber nur abgeschrieben und-daher ohne Namen. Die Samni- 
lung in den Handschriften der: dritten Classe .scheint keine 
Ueberschrift gehabt zu haben. Der einzigen alten, der.zu 
Erfurt, fehlt zwar leider die erste Seite: die zu Modena, 
deren - Abdruck bei Muratori mir da ihre Stelle vertreten 
musste, hat M. lunii N ypsi, aber die zu Florenz ist ohne 
Titel. Unter dem .ersten Theile steht in der Erfurter Hand- 
sehrift nichts. Hingegen die Anhänge zu Boethius Geometrie, 
für welche dies Buch stark benutzt worden ist, geben S. 1520 
(in unserer Ausgabe S. 415): die Definition des Masses aus 
demselben (S. 94, 9) mit dieser Vorrede. Quamvis etiam 
in superioris libri principio quid sit.nensura gene- 
raliter designaremus, libet tamen specialiter huius 
artis speculatoribus satis faciendo secundum Iulium 
Frontinum, geometricae artis inspectórem provi- 
dissimum, quid sit mensura definire. Und für Frontin 
sind auch die Handschnften der zweiten Classe mit ihrer 
Ueberschrift lulius Frontinus Celso. Ja selbst die Ab- 
schriften der ältesten Handschrift haben am: Schlusse Ex- 
plicit liber Frantonis .primus, wie wir oben (S$.-112) 
luli Frontonis liber unter Frontin de limitibus fanden. 
Aber wer kann in dem Buche die geringste Aehnlichkeit mit 
Frontin finden?, wer wird geneigt sein zu glauben dass Fron- 
tin eine Geometrie für Feldmesser mit einer besondern Vor- 
rede geschrieben hat? und wie.kann man die Vorrede des 
jungen ‚Schriftstellers mit Frontins Lebensalter vereinigen’? 
Wie klar_wird dagegen alles im Augenblick durch die Ueber- 
schrift des Arcerianus! Incipit liber,-:Balbi.ad Celsum 
expositio et ratio omnium formarum. Diesen Titel 


134 - LACHMANN 


fand Goes bei Rigaut angemerkt: wetin man nicht bakl auf- 
hörte sich bei ihm über irgend etwas zu verwundern, *o 
sollte man denken, er konnte sich. an Balbus ad Celsum 
de asse durch Gronowens Ausgabe eben so gut als endlich 
Blume (rhein. Museum f£. Jurisprudenz 7, S. 240) durch die 
Ausgabe von Bücking erinnern lassen. Wer kann zweifeln 
dass beide Schriften Theile desselben Werkes sind ?. Es mochte, 
nach S. 94, 3 zu urlheilen, expositio et ratio omnium 
mensurarum heissen, oder ungefähr so: für den aufge- 
nommenen Abschnitt. setzten .die: Sammler .formarunr statt 
mensurarum. Ja es scheint, der einzige Herausgeber. des 
Balbus de asse vor J. F. Gronow (denn Vinet hat ihn nie 
drucken lassen) fand. neben der Abhandlung über den As 
auch gromatisehes von Balbus, das er aber nicht mit heraus- 
gab. Der Titel des Buches, welches Böeking nicht gesehn 
hat, ist Hippocratis.Coi — 'octoginta Volumina — 
nunc tandem per M. Fabium Calvum. Rhavennatem 
virum undecunque doctissimum latinitate donata. 
Am: Schlusse des Foliobandes steht Romae ex aedibus 
Francisci Minitii Calvi Nevocomensis anno a: partu 
virginis upxxv. S. poxvn. sagt .Calvi Censuimus prae- 
terea necessario his addendum esse. tractatum de 
mensuris, et ponderibus Aphricani medici cum 
suis notis. —. ac ad huius maiorem intelligentiam, 
quaedam de Balbi. ad Celsum agrimensoria, ratiocinato- 
riaque de asse, minutisque eius partibus adscripsi- 
mus. notas autem horum non apposuimus (die Ze- 
chen der Astheile liess er weg), cum apud plurimos in- 
veniantur, praesertim Boetium, Baedam, Gilber- 
Uum et ante hos, Balbum ipsum (was heisst das. anders 
als bei Balbus in einem andern für jetzt unterdrückten Theile 
seines Werks?), et -Priscianum, latius, et pluribus 


über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 135 


modis, quae tamen cum'iis, quae in marmoribus, 
ét tabellis aeneis leguntur, non quadrant. S. poc 
und pcci findet inan das Buch selbst unter der Veberschrift 
Balbus ad Celsum de Asse minulisque eius por- 
liunculis. Dann S; pccı.zum.:Schlusse Nec Ais piura de 
Balbo addehda putavimus, quandoquidem si vita 
suppeditabitur, .totum opus de agrimensoria, et numero- 
rum ratiocinatoria (des Balbus ganzes Werk, oder ein eigenes? 
ich denke, des Balbus) cum Vitruvii, Plinii, Capel- 
laeque commentariis edemus. -Dazu auf dem Rande 
Fabii Calvi Commentarii in Plinium, in Vitruvium; 
in Capellam. Aus diesem allen das wesentliche hat 
JF. Gronow vor seinem Abdruck des Maecianus ausgezogen: 
nur ist es so gedruckt dass man es nicht leicht versteht. 
Von der Handschrift die Fabio Calvi muss in Rom gesehen 
und gebraucht haben (denn er kam nie aus der Stadt: s. 
Traboschi 2,3, 35), scheint jede weitere Spur verloren zu 
sin. Die Namen Balbus und Celsus hat er nicht aus den 
Worten des Buches vom As nehmen können: in unserer 
Vorrede steht zu. Anfang Celse, und an einer andern Stelle 
habe ich dasselbe aus dem celsi und celestia der Hand- 
schriften gemacht. Balbus selbst. bezeichnet sich in der Vor- 
rede als. eineri Feldmesser, der ein Jahr lang irí dem dacischen 
Kriege Trajans gedient, bis dem Kaiser „der Sieg Dacien 
geöffnet habe“: er sei dann heimgekehrt um sein Buch zu 
schreiben; wie es- scheint vor Trajans Rückkehr. Ich denke, 
der erste dacische Krieg wird genieint sein: denn der zweite 
wäre wohl durch irgend einen Ausdruck bezeichnet worden. 
Gegen dreissig Jahre später finden wir unter Hadrian im 
Jahr 882 (129 n. C.) zwei Consuln Celsus und Balbus, von 
denen aber meines Wissens nichts näheres bekannt ist. Eben 
s0 wenig finde ich einen Grund an Lucius Publilius Celsus 


136 LACHMANN 


zu denken, den Trajan- mit einer Bildseule; ehrte (Dio Cas- 
sius 68, 16), und der im Anfang der Regierung Hadriäns als 
sein Gegner getödtet wärd (Dio Cassius 69, 2.. Spartian. im 
Hadr. 4. 7). Unser Balbus bezeichnet seinen Celsus als den 
grössten Kenner der Feldmesskunst, der auch eine mir. nicht 
deutliche Erfindung an der Groma gemacht habe. - 


.Der ültere Hyginus. ' 

Ich komme zu einem: der. bedeutendsten unter. unsern 
Schriftstellern, den wieder zu. seinen Würden. zu bringen 
mir die grösste Freude macht. .[ch thue dies auf die 'ein- 
fachste Weise, indem: ich alles was ihm gehört in.möglichst 
guter Ordnung zusammenstelle, S. 108—134. Dass ‚Goes 
. diesen älteren Hyginus in Grund .und Boden verachtet, soll 
ihm nicht schaden. Hygine non tantum digna non sunt, 
sagt er S. 166 und meint. damit nach S. 162 nicht den Frei- 
gelassenen des Augustus, Gaius. Julius Hyginus,. sondern 
vermutlich den Verfasser. der Schrift de.limitibus consti- 
tuendis:, dieses Hyginus nicht nur sei das Stück de limiti- 
. bus nicht würdig, sed ne infimae quidem sortis ho- 
mine, qui horum. vel minutissima gustarit. Blume 
hat um den älteren. Hygin sich höchlich verdient . gemacht, 
indem er den letzten Theil desselben zuerst vollständig und 
durchaus lesbar herausgegeben,. und indem er' die. beiden 
Schriftsteller eines Namiens bestimmt unterschieden hat. Frei- 
lich aber dass er den Umfang des älteren Werkes nicht er- 
kannte, und der unglücklich erfundene Name Pseudohygin 
für den älteren, liess ihn diesen nicht hoch genug schätzen, 
und ein Irrthum Rudorffs führte ihn endlich auf eme gant 
falsche Fährte. Ich will damit anfangen diesen Irrthum aus 
dem Wege zu räumen. Die ‚zweite arcerische. Handschrift 


über Frontinus, Balbus, Myginus and Aggenus Urbicus. 137 


giebt die drei grossen Stücke des hyginischen Werkes. hinter 
einander in.riehüiger Ordnung: aber grade nach dem ersten 
und zwei Mahl in dem dritten finden sich eingeschaltete Stücke, 
von. denen-.nur das erste‘ etwas verführerisch mit einem 
würklichen" Abschnitt anhebt, aber nur zwei mit volleri Sätzen 
schliessen, und kaum eins mit schembarem Abschluss der 
behandelten Sache. Diese Einschaltungen aber sind nicht, 
wie es bei Blume ‘von der ersten heisst (rhein. Museum 7; 
$.141), „im ganzem wie bei Siculus Flaccus, sondern sie 
sind Wort für Wort dem. Siculus Flaceus der Handschriften 
1weiter. Classe gleichlautend. Auch sieht man deutlich dass 
hier einzelne Blätter des‘ Siculus Flaccus in den Hygin ge 
rathen sind. Denn das erste Stück füllt im Siculus Flaecus 
nach Goes 37 Zeilen, S. 3, 22— 4, 27; das zweite erstens 
die 43 Zeilen S. 4, 28 — 6, 7, dann, mit Uebergehung von 
öl goesischen Zeilen, zweitens die folgenden 39, &. 8; 24 
bi 9, 31; das dritte endlich die. nächsten 42, S. 9, 32—11, 9. 
Ja schon üusserlieh an: der Schreibweise sind die vier ein- 
geschobenen Blätter zu erkennen. Während im Hygin sehr 
vid Absätze. sind, -wie man aus dem Abdruck bei Blume 
(rhein. Mus. 7, S. 142— 154) sehen kann, fehlen sie hier fast 
gänzlich. Die Anfänge der drei ersten Blätter sind durch 
Absätze bezeichnet, das ‘dritte durch einen dem Sinne wider- 
streitenden, bei Una. re uidebuntur, S. 145, 2: nur bei 
dem yierten, fehlt er, per alienos agros. transeunt, 
S. 146, 21. ‚Das erste hat ausserdem nur zwei Absütze: In 
quibusdam vero regionibus, S; 138, 20, und .sehr un- 
passend bei Alii uero numeris, S.139, 14; das zweite 
einen gleich nach dem Anfang, Inspiciendum erit et illut, 
$.139, 23, dann wieder Nam in locis saxuosis, S. 46, 
und [n fossis autem, S.59, den vierten bei Tale ergo 
sacrificium; das dre drei, Uiae autem si finem fa- 


138 LACHMANN: 


ciunt, S, 145, 19, Etiam titulos; S. 146; 12, und dicht 
vor dem Schlusse Uiae sepe. necessario, S. 146, 21;- das 
vierte zwei, Uepres si finem facient, S. 147, 12, Si fos- 
sis finis. obseruabuntur S. 147, 49. Da nun.das.Buch 
des .Siculus . Flaceus vollständig. und in gutem. Zusamien- 
“ hang erhalten. ist, so kann auch nicht der. geringste. ‚Zweifel 
darüber sein, dass das übrige. ausser den Einschaltungen zu 
Einem Werke gehört und nieht von Siculus F laccus ist. Als 
Ein Buch bezeichnet es auch. die arcerische Handschrift, in- 
dem sie nach der Uebersehrift zu Anfang, Ineipit de limiti- 
bus Hygini, ur noch die eine S. 124,3 Item genera 
-controversiarum hat, zum: Schluss aber S. 134, 13 die 
erste widerholt, De limitibus Hygini explicit feliciter; 
wórauf dann eine Abhandlung über Polygone und: das Buch 
vom Lager folgt, dann de limitibus constituendis. Die 
Handschriften .der zweiten Classe geben auch alles ohne 
Unterbrechung. Auf Hygeni Augusti liberti de limiti- 
bus constituendis folgt unter, der. Ueberschrift Incipit 
eiusdem und durchaus mit übereinstimmender 'Lesart .der 
Schluss des ersten Theils der arcerischen, ‘und sich unmittel- 
bar anschliessend der zweite. bis an die Worte 8: 123, 17 
haec sunt condiciones agrorum quas cognoscere 
potui: dann ohne: Schlussschrift Buchstaben. von: Grenz- 
steinen aus :der Gegend von Volaterrae und vom Flusse 
Nemus (dem Quell der Egeria, denk ich, zwischen Aricia 
und Lanuvium). Die:Handsehriken der dritten Classe haben 
ven. dem älteren Hyginus- niehts: zum Boethius ist auch 
nichts ausgezogen als die erste der sechs Conlreversen, de 
alluvione und einiges aus der Controverse de fine. Aber 
die Casae litterarum beziehen sich S. 336, 2. auf eine uns 
erhaltene Stelle aus dem liber -Egeni: 

‚Was uns die arcerische ' Handschrift. giebt, ‘lässt den 





über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 139 


Plan des ganzen Werke sehr wohl: erkennen, Ganz anders 
sls Frontin halte dieser Schriftsteller, wie ich schon S. 115 
gesagt habe, die Kunst in drei Abschnitten behandelt. Von 
der Limitation ist uns (S. 111, 9 — 113,.18) etwa der Schluss 
erhalten, hauptsächlich nur die Bezeichnung der. Grenzsteine 
der Centurien und das Verloosen der Sortes. Dann fehlt 
der Anfang. der Agrorum condiciones, nämlich Munici- 
pum, Colonia, Territorium, Ager occupatorius: erhalten sind 
. (8. 15,15 — 123, 15) die Verhältnisse des Ager quaestorius, 
vecligahs, divisus et adsignatus. Durch einen Uebergang in 
den eigenen Worten des Schriftstellers verbindet sich damit 
der letzte vellständig überlieferte Abschnitt de contro- 
versiis (S. 123, 16—134, 13). In einem andern Buche hatte 
der Verfasser, wie.er uns sagt, Domitians Edict über Subsi- 
dva, desgleichen Constitutionen anderer Kaiser, auch des 
Divus Nerva, zusamunen getragen: es lässt sich aber nicht 
wahrscheinlich machen ‚dass davon noch etwas übrig sei. 
Das Lehrbuch ist genau gleichzeitig mit der Schrift des 
Babus. In Pannonien hat Trajan nuper Colonieen ge- 
gründet, S. 121, 7: von der Provinz Dacien ist wenigstens 
nicht die Rede. Die Veteranen die Vespasian in Samnium 
bedacht hat, leben nech, S. 131, 17. Die Schrift des Fron- 
ünus ist,. soviel . wir sehen können, nirgend ohne eigene 
Selbständigkeit bemutzt: die Darstellung ist etwas mehr hand- 
werksmässig, aber eines gründlichen Kenners, die Redeweise 
nicht eines Gelehrten, sondern des Technikers. Wollte Gott 
dass. in unsern Dissertationen :so gutes Latein geschrieben 
würde statt .der ekelhaften und ‚unverständlichen Eleganzen! 

Aber es kann mcht fehlen, wir müssen noch mehr von 
Hyginus haben. .Die sechs Controversen die er als die am 
meisten vorkommenden ausgewählt und in der Ordnung des 
Alphabets abgehandelt hat (AFLMSTV ), sind, sehr entstellt 


140 —. LACHMANN 


freilich, in das. Commentum zu Frontins Controversen auf- 
genomimen: wenn der Verfasser die hatte, wie sollte er sich 
nicht auch aus den andern Theilen des Werkes bereichert 
haben? Zwar von dem übrigen uns erhaltenen hat er aller- 
dings nichts: aber. das übrige steht auch, bis auf einen für 
den Commentator nicht erspriesslichen Abschnitt, in den 
Handschriften der zweiten Classe, wie das Commentum selbst. 
Fast sollte man denken, der Commentator: stünde mit det 
Anlage der Sammlung zweiter Classe in Verbindung: in der 
That hat er nichts weiter aus ihr widerholt als die fünferlei 
Figuren aus Balbus (s. oben S. 133). Aber zwei Mahl (S. 3) 
nennt er den Hygenus: zum Glück können wir sehn dass 
es nicht die Worte des jüngeren Hyginus sind, S. 167, 5. 
170, 3, die sich nah genug an Frontin S. 28, 7. 31, 4 schlies- 
sen. Hier also hütten wir wohl ein Paar Bruchstücke von 
unserm. Hyginus.- - Weiter S. 118, 6 sagt unser Hygin item- 
que exquirendum numquid post legem datam ali- 
quid, ut supra disi, commentariis aut epistulis aut 
edictis adiectum -est aut ablatum. Dies kann freilich 
mehrere Mahle vorgekommen sein: aber ähnlich- genug ist 
was wir. im Commentum $.8, 18 lesen, sed: videamus 
ne forte postea iussu principis alicui datus sit, qui 
terram metiri denuo praeceperit, (S. 111, 3) und wie- 
der S. 1,27 dum in se ducenta et eo amplius iugera 
contineret, postea iussu principum .intercisivis 
limitibus est distributus (S. 110, 8). In der ersten Stelle 
wird noch gesagt alia autem (subsiciva) Domitianus 
donavit; in den Controversen S. 133, 13 mit demselben 
Ausdruck Domitianus per totam Italiam subsiciva 
possidentibus donavit. Ueber das Recht der Territorien, 
heisst es in den Ceniroversen S. 133, 18, sei fast alles nóthige 
bei den Arten .der Condicionen gesagt (cum de condicio- 





über Frontinus, Balbus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 141 


nibus -generatim perscriberemus), und zumahl seien, 
utsupra dixeram, die Vorschriften der Deductionsurkunden 
genau zu beachten: das Coınmentum hat über die Territoria 
zwei nicht aus Agennius entlehnte Stellen, S. 4, 21 und 19, 15, 
oder jetzt unter den Fragmenten Hygins S, 114; in der letzten 
zwar nicht die Ermahnung, aber doch. weitläuftig ausgeführt 
wie bestimmt oft in. publicis instrumentis der Umfang 
der Territorien bezeichnet sei. Ueber das Supercilium wird 
m den Controversen S. 128, 18 genau mit denselben Aus- 
drücken geredet wie im Commentum S. 1L, 20 eder S..109. 
Und die Fortsetzung dieser letzten Stelle findet sich gariz eben 
$9, ich denke aus dem beliebten Lehrbuch abgeschrieben, 
in dem Verzeichniss der Colonieen.S. 220. In dieser.Fort- 
setzung der Ausdruck ut ab uno ad unum dirigantur; 
wörtlich so: in den Controversen, S. 127, 9. In diesen finden 
vir eine uns auffallende und gewiss seltene Weiidung S. 128, 11, 
siingis autem montium (observabuntur fines, vi- . 
denda sunt) quae ex. eo nomine accipiuntur, quod 
continuatione ipsa iugantur: ganz ehen so heisst es 
‚ über in dem.Commentum S. 18 oder 113 coloniae sunt 
. quae ex eo nomine accipiuntur, Colonieen sibd was 
man aus dem Worte versteht, quod Romani in eisdem 
tivitatibus colonos miserunt. Dass. der Commentator 
die Worte der ersten Stelle noch einmahl unpassend wider- 
holt; S. 2, 20 oder 115, ist von keiner. Bedeutung: wissens- 
Werther wird sein dass Probus zu Virgils Landbau 3,60 eine ähn- 
liche Formel braucht, .ex Lucina partus, ex Hymenaeo 
concubitus .accipiemus. Ohne die Präposition Paulus 
sentent, 2, 17, 14* Instrumentorum nomine ea ac- 
tipienda' sunt quibus causa instrui potest, und wie- 
der 5,3, 3 telorum autem appellatione-omnia ex qui- 
bus saluti hominis noceri possit aecipiuntur. 


142  LACHMANN über Frontinus, Baibus, Hyginus und Aggenus Urbicus. 


Aggeni Vrbici commentum, 


Es war meistens leicht den. von dem Commentator. aus- 
geschriebenen Sützen Hygins, wenn nicht immer die richtigen, 
dech sehickliche Stellen anzuweisen. Weniger sicher sind die 
einzelnen Worte: was offenbar dem Commentator gehört, habe 
ich cursiv drucken lassen. Mit dieser mehr dem Inhalt als dem 
Umfange nach-reichlichen Beisteuer hat uns nun aber der Aus- 
leger Frontins seinen letzten Dienst geleistet. -Ich habe ihn, 
eben weil. er sich nur so weniger Bücher bedient hat, mit 
Sicherheit nutzen kónnen: denn Frontin und Hygin zu unter- 
scheiden ist eben keine Kunst, wenn man sie kennt. Nun ist 
er ganz ausgedrückt, und ich habe zum besten der Leser ihm 
in seiner. ganzen Nacktheit dargestellt. Was er aus Frontins 
Text genommen hat, ist mit Gänsefüssen bezeichnet; was er 
von andern entlehnt, cursiv gedruckt: was ihm eigen bleibt, 
wird, fürcht ich, niemand lesen mögen, ob ich es gleich ge- 
treulich und zur. Genüge hergestellt habe: Die Warnung, dass 
man ihm ja nichts von anderen ‚unbezeugtes glauben möge, 
ist nach manchen Erfahrungen nicht unnóthig. Das Schicksal 
seines Anhamgs von Zeichnungen, liber diazografus über- 
sehrieben, steht in Rudorffs Hand: mir ist es, die Wahrheit zu 
sagen, gleichgültig. Wenn nur sein unglücklicher Name nieht 
so viel Verwirrung gestiftet hätte! Allerdings steht über dem 
Anfange, wie ich schon gesagt habe, Aggeni Vrbici, über 
der Auslegung der Controversen aber Explicit commentum 
de agrorum qualitate, incipit de controversiis, end- 
lich über den Zeichnungen Liber diazografus.. Was man 
mehr gedruckt findet, ist von den Herausgebern, denen es 
eben nicht zur Ehre gereicht dass sie die beiden Agennii so 
wenig, als die beiden Hygine unterschieden haben. 





DIE LIBRI COLONIARUM. 


VON MOMMSEN. 





I. 


D ie namentlich für italische Topographie wichtige Urkunde, 
welche S. 209—266 der ‚Schriften der römischen Feldmesser 
einnimmt, gehört zu den während längerer praktischer An- 
wendung erweiterten, verstümmelten und verdorbenen Quel- 
len, die zugleich die Spuren der besten Zeiten und der tiefsten 
Barbarei an sich tragen und deren Benutzung ‚auch im ein- 
ılnen Fall so lange misslich bleibt, als nicht die Beschaffen- 
heit des Ganzen durch eine kritische Prüfung festgestellt ist. 
Dies zu versuchen wäre thöricht gewesen, bevor die hand- 
schriftliche Ueberlieferung genügend dargelegt war; jetzt, wo 
durch Lachmapns unvergleichliche Arbeit eine feste Grund- 
lage gewonnen ist, wird ein Versuch erlaubt sein, den Zweck, 
die Abfassungszeit, die Schicksale des grossen Werkes, dessen 
Trümmer uns hier vorliegen, so weit festzustellen, als es 
geschehen kann ohne in das Einzelne der italischen Stadt- 
geschichten einzugehen *). | 
*) Durch Rudorffs Freundlichkeit wurden mir, da die vorliegende Abhand- 
lung zum Druck abgesandt werden sollte, Lachmanns Untersuchungen 
über den Balbus zur Einsicht mitgetheilt. Hätte ich sie gekannt 
ehe ich die meinigen niederschrieb, so wäre manches kürzer, auch 
wohl besser gesagt worden; jetzt mag und kann ich nicht nachholen, 
und kann.dies auch um so eber unterlassen, als in den wesentlichsten 


Puncten Uebereinstimmung stattfindet, Differenzen nur in dem, was 
wenigstens für Lachmann Nebensache war. 


Römische Feldmesser 1. 10 


146 MOMMSEN 


1. BALBI AD CELSVM EXPOSITIO ET RATIO 
OMNIVM FORMARVM ist eine Abhandlung (S. 91— 108) 
überschrieben, welche theils in der älteren gromatischen 
Sammlung, die uns durch den Arcerianus überliefert ist, und 
zwar in dem zweiten Theile derselben, theils in der jüngeren 
am reinsten in der zweiten wolfenbüttler Handschrift be- 
wahrten uns erhalten worden ist. Die Unterschrift in der 
älteren Sammlung nennt sie liber Frontonis primus; die 
jüngere legt sie desshalb dem Frontinus bei und giebt ihr 
statt jener Ueberschrift den‘ Titel Julius Frontinus Celso; 
ihr folgt wie immer der falsche Boethius (S. 94, 9 A. S. 415,9). 
Die Handschriften dritter Klasse enthalten nur einzelne Stücke 
des Werkes, das sie vielleicht dem M. Junius Nipsus bei- 
legen. Einen dürfügen Auszug aus derselben Schrift enthält 
der erste Theil der älteren Sammlung theils ala Einleitung 
zu dem podismus des Nipsus 295, 17 —296, 3, theils unter 
angeblich vitruvischen (s. zu 301, 14) Auszügen 245, 1— 246,8 
unter der Ueberschrift centuriarum quadratarum deformatio 
sive mensurartím diversarum ritus. Dass diese unserer er- 
positio entlehnt sind beweist weniger die nur in den wenig 
zuverlüssigen Handschriften der dritten Klasse vorkommende 
Ueberschrift des letzteren Abschnittes ex libro Balbi es libro 
Caesaris ex lege triumvirali, welche vielmehr ein Cento aus 
225, 14. 209, 2. 211, 24. 213, 6 zu sein scheint, als die Ver- 


. gleichung von 245, 5 und 96, 14; 245, I0 und 95, 2; 246,3 


— 295, 17 und 96, 21; 246, 7 — 296, 1 und 100, 1; die Zu- 
sätze über perfícae agnae porcae können nicht befremden. — 
Ein anderer Auszug aus unsrer Schrift findet sich gleichfalls 
im ersten Theil des Arcerianus, in der Ausgabe 249, 1 unter 
der Ueberschrift ez libro Balbi nomina lapidum finalium. 
Wenigstens die ersten zwölf Namen finden sich in der That 
wieder in der freilich jetzt defecten Stelle der ezpositio 106,18 fg., 


die Hbri colentarum. 147 


was genügt um die Ueberschrift zu rechtfertigen; die übrigen 
sind anderswoher zusammengelesen. Wir gewinnen hieraus 
nichts als eine Bestütigung .dafür, dass die expositio in der 
That von Balbus hesrührt. — Die Zeit der Abfassung dieser 
Schrift geht einigermassen hervor aus den Worten der Vor- 
rede 92, 7. 93, 8., wonach der Verfasser in seinen Vorarbeiten 
unterbrochen ward dureh die Theilnahme an dem Feldzug, 
der „kürzlich“ Dacien den Römern öffnete (reseravit) und 
erst nach der Rückkehr von dieser Expedition wieder an die 
Vollendung des begonnenen Werkes gehen konnte, gleich- 
sam zur Ablegung eines Gelübdes für glückliche Heimkunft. 
Damit kann nur gemeint sein entweder der Krieg Domitians 
gegen Dacier, Quaden und Markomannen seit dem J. 85 n. Chr. 
oder die Feldzüge "Trajans, welche mit der Verwandlung 
Daciens in eine römische Provinz im J. 106 endigten; in 
jenem Fall würde der sacratissimus imperator 92, 7 Domitian 
sin, in diesem Trajan. Die Abfassung fällt also entweder 
zwischen 85 und 96, oder zwischen 106 und 117 n. Chr. Der 
Celsus, dem die Schrift gewidmet ist, war ein Mann von 
hohem Ansehen (94, 2), der erste Meister des Faches (91, 3. 8), 
Dirigent einer schwierigen Ingenieurarbeit im dacischen Feld- 
zug ‘); auch der Verfasser muss, nach der Art wie er von 
seiner. Theilnahme an dieser Expedition und von dem Ruhme 
spricht, den er dabei zu.erringen hoffte, nothwendig ein Offizier 
von höherem Range gewesen sein’). Man kann in dem 

1) 92, 16, wo zu lesen scheint: Aos invento (oder inferventu) tuo per 
amplam Daciae partem ferramenti usus explicuit. Dass Celsus mit 
Balbus in Dacien war, deuten auch die Wendungen intravimus — 
poteramus — scriremus an. 

2) Insofern wäre die Schrift des Frontinus keinesweges unwürdig, dem 
man sie nach der Angabe der schlechteren Handschriften- bisher ge- 
wöhnlich zuschrieb. Der in der Vorrede erwähnte Wegebau ist sogar 
für denjenigen gehalten worden, den Domitian in Germanien ausführen 
liess nach Frontins Erzählung etrat. I, 3, 10; aber unser Verfasser 

10* 


148 | MOMMSEN - 


Celsus entweder den Ti. Julius Candidus Marius Celsus Con- 
sul 86 und 105 *) oder auch einen der Juristen dieses Namens, 
den Vater oder den Sohn, P. Juventius Celsus Prätor 101, 
Consul zum zweiten Mal 129 vermuthen ‘), in dem Balbus 
einen der Consuln Q. Julius Balbus von 85 *) oder 129, wo 
er College des Celsus war; doch lässt sich keine dieser 
Hypothesen mit wesentlicheren Gründen unterstützen als das 
Zusammentreffen gewöhnlicher Namen ist: 

Die Schrift, wie sie uns vorliegt, entspricht nicht ganz 
dem Titel und der Vorrede. Der 'Fitel verheisst eine ,, Dar- 
stellung und Theorie sämmtlicher Grundrisse“; aber nicht 
von den Grundrissen handelt der Verfasser, sondern zunächst 
von den Massen. Ergo nequid nos — beginnt er.— praeter- 
lisse videamur, quid mensura sit de qua quaeritur.tractemus*). 
Er giebt sodann die Definition des Masses, die Namen der 
gangbaren Masse, die Definitionen des Längen-, Flächen- und 
Körpermasses, und entwickelt die Lehren vom Punct, der 
. Linie, der Fläche, dem Winkel. Hierauf kommt er 104, 1 fg. auf 
die Grundrisse (formae) und deren fünf Gattungen, worauf 
vielleicht noch mathematische Anweisungen die. Grundrisse 
zu zeichnen und Dreiecke zu berechnen folgen ’). Dass in der 


spricht vielmehr von der Anlegung einer Militärstrasse durch Dacien. — 
Auch dem Hyginus ist unsere Schrift schon beigelegt worden, ohne 
Grund und mit geringer Probabilität; dieser Name deutet auf einen Frei- 
gelassenen und ein solcher hat die Vorrede gewiss nicht geschrieben. 

3) Henzen in den Jahrb. des rheinl. Vereins Bd. XIV S. 29. Doch war 
dessen Hauptname Candidus. 

4) Zimmern Rechtsgesch. I, 322. 323. Cardinali diplomi p. 178. 

5) Arneth Militärdipl. N. IV. 

6) 94, 3—8, wo wohl noch etwas mehr von späterer Hand zugesetzt ist 
als die Ausgabe bezeichnet. Omnium mensurarum appellationes zu 
sammeln konnte Balbus nicht in den Sinn kommen; in der That ver- 
zeichnet er nur die ,, gangbaren** (94, 13). 

7) Es ist bemerkenswertb, ‚dass sowohl im ersten als im zweiten Theil der 
älteren Sammlung an Abschnitte, welche dem Balbus gehören, sich 





die libri coloniarum. 149 


That die Grundrisse das Ziel sind, auf das die ganze Dar- 
stellung zuführt, zeigt sich allerdings im Ganzen wie im 
Einzelnen, wo er z. B. bei den Linien 98, 14 auf die formae 
hinweist; es müsste dies abhalten mit Lachmann (zu 94, 3) 
im Titel die mensurae an die Stelle der formae zu selzen, 
auch wenn nicht 239, 17 ausdrücklich ein Werk des Balbus 
über die formae cipitatium angeführt würde. Aber dennoch 
kann man nicht leugnen, dass Lachmann mit Grund an dem 
Titel Anstoss nahm; denn eine , Darstellung und Theorie 
sämmtlicher Grundrisse“ ist die Schrift doch keineswegs. — 
Aehnliche Bedenken wie der Titel erregt die übrigens muster- 
haft gedachte und geschriebene Vorrede. Im Ganzen schliesst 
sie sich eng und gewandt-an das Buch an — man vergleiche 
1. B. 92, 14. 98, 11; 93, 12. 100,5; aber nach dem ganzen 
Ton des selbstbewussten Fleisses, der „nicht geringen Ruhm“ 
(93, 15) vón einem Werke sich verspricht, zu dessen Beginn 
es „grossen Muthes“ (92, 6) bedurfte, und nach dem Nach- 
duek, welcher gelegt wird auf die Ordnung des Apparats 
(2,3), die Fülle des Materials’), erwartet: man eine weit 
grössere und mehr ins Einzelne gehende Arbeit. Ein Werk, 
in welchem „die auf die Profession bezüglichen Gegenstände- 
nach Gattungen, Beschaffenheiten, Verhältnissen, Massen und 
Zahlen erörtert waren“ (93, 13), muss mehr enthalten haben 


unmittelbar zwei mathematische Tractate anschliessen: p. 107, 10 — 
108, 8 und p. 297, 1 — 301, 14. Die Fassung, wonach die Auf- 
gabe im Infinitiv vorangestellt wird, ist in beiden Abschnitten gleichartig. 
Die Unterschriften legen die erste Partie dem Fronto, die' zweite dem. 
M. Junius Nipsus bei; Lachmann sah jene als spüteren Zusatz zu der 
Schrift des Balbus, diese als einen Theil der unter dem Namen. des 
Nipsüs bekannten Gromatik an, von der sie aber wesentlich sich unter- 
scheidet und überdiess durch die Excerpte aus Balbus getrennt ist. Es. 
mag in diesen mathematischen Aufgaben im Einzelnen viel zugesetzt 
sein; die Grundlage gehört doch vielleicht zu der Schrift des Balbus. 
8) 92, 4: omnium liberalium studiorum pars (nicht ars) ampla materia est. 


150 NOMMSEN 


als wir noch unter diesem Titel in dem Corpus der Gro- 
matiker besitzen. Es kann dies nur die Einleitung oder ein 
Theil der Einleitung desselben sein; auch die Worte „primum 
sedulitatis nostrae inpendium“ (91, 4) sollen vielleicht diese 
Schrift als das erste Buch. eines grósseren Werkes, nicht als 
eine Erstlingsschrift bezeichnen. 
2. Mehrfach, zuletzt von Bóckihg in der bonner Samm- 
lung der vorjustinianischen Rechtsquellen ist ein kleiner Tractat 
über die Lehre vom Ganzen und den Brüchen herausgegeben 
worden unter dem Titel: Balbus ad Celsum de asse minu- 
tisque eius portiunculis. Da nach den Regeln der Gromalik 
aus der Breite des Grenzsteins der Abstand des folgenden, 
aus der Höhe die Seitenlänge der Centurie berechnet ward, 
ist die Kenntniss des Fusses und der Brüche. eine unerläss- 
liche Vorkenntniss für die. Behandlung der Grundrisse und 
Grenzsteine; eine methodische Einleitung zu einet Darstel- 
lung der Grundrisse konnte den uns vorliegenden Tractat 
also recht wohl enthalten. Auch ist derselbe so präcis und 
kundig geschrieben, dass er sehr wohl: der espositio ange- 
hört haben kann. — Vor allen Dingen aber ist erst festzu- 
stellen, woher jene Ueberschrift rührt und aus welcher Quelle 
die Schrift überhaupt stammt. Alle Ausgaben beruhen einzig 
auf der ersten, welche Fabius Calvus aus Ravenna seiner 1525 
in Rom gedruckten Uebersetzung des Hippokrates ange- 
hängt hat?) Er leitet die Schrift ein mit den Worten: 
quaedam de Balbi ad Celsum agrimensoria ratiocinatoriaque 
de asse minutisque eius partibus adscripsimus. Notas autem 
horum non apposuimus, cum apud plurimos inveniantur, 
praesertim Boethium, Bedam, Gilbertum, et ante hos, Bal- 
bum ipsum, et Priscianum, latius, et plurimis modis: quae 


9) Diese Ausgabe selbst habe ich mir nicht verschaffen können; ich be- 
nutze den in Basel bei Andr. Cratander 1526 erschienenen Abdruck, 
wo Balbus Schrift f. 473 steht. 


die libri colonlarum. 151 


(amen cum iis, quae in. marmoribus, et tabellis aeneis 
leguntur, non quadrant. Am Schluss sagt er: Neo his 
plura de Balbo addenda putavimus, quandoquidem si vita 
suppeditabitur, totum opus de agrimensoria et numerorum 
ratioeinatoria cum Fitruvii Plinii Gapellaegue commentariis 
aedemus. Calvus hat also nur ein Bruchstück, noch dazu 
mit Weglassung der Siglen, aus einem grösseren Werke 
publicirt, das von Balbus verfasst und dem Celsus gewid- 
met war und. vom Messen der Aecker und der Rechnungs- 
kunst handelte. Nun ist die Ueberschrift: Balbi ad Celsum 
bis jetzt in keiner alten Handschrift mit Ausnahme des Arcer. 
gefunden worden, und zwar in der That vor einem Buche, 
das recht wohl als de agrimensopria et ratiocinatoria han- 
delnd beschrieben werden konnte. Es nimmt die letzten 
Blätter dieser Handschrift. ein und ist darin jetzt nur noch 
zum kleinsten Theil erhalten; die Schlussblätter, die noch 
lis um 1550 existirt haben, fehlen und sind nur bekannt aus 
den in Rom und Jena aufbewahrten in der ersten Hälfte des 
sechzehnten Jahrhunderts von dem Arcerianus genommenen 
Abschriften. Es ist keineswegs gewiss, dass beide Abschreiber 
die Handschrift so vollständig sahen wie sie aus Bobbio nach 
Rom kam; ja nicht einmal, dass sie alles wiedergeben woll- 
len was sie vorfanden. Nun-war der Arcerianus von 1493 
bis gegen 1509 in Rom im Besitz des Phüdrus; und eben dort 
lebte um diese Zeit (Tiraboschi Bd. VII, 2, S. 67) Fabius 
Calvus. Es scheint daher so gut wie gewiss, dass er den 
Tractat de asse minutisque eius portiunculis eninahm aus den 
damals noch vorhandenen Schlussblättern des Arcerianus, und 
dass er uns damit ein Fragment der Schrift des Balbus er- 
halten hat. 

3. Der eigentliche Inhalt der Schrift des Balbus war, 
wie der Titel sagt, die expositio omnium formarum, was nun 





152 MOMMSEN 


näher zu erläutern ist. Bekanntermassen wurde bei jeder 
Ackertheilung und Ackeranweisung, welche unter Autorität der 
römischen Behörden erfolgte, ein regelmässig auf Bronzetafeln 
verzeichneter Grundriss (forma, typus,; aes, peztica u. s. w. 
Sic. 154, 16) aufgenommen, welcher im Original deponirt 
ward im kaiserlichen Archiv (Sic. 154, 23), in einem .zweiten 
Exemplar in dem der betreffenden Stadt (Hyg. grom. 203, 3) 
nebst der dazu gehörigen schriftlichen Erläuterung (scriptura 
formae: Hyg.131, 12. 15; libri aeris: Hyg. grom. 201, 2. 202, 
15, wo eine Probe gegeben ist; tabulae aeris: ders. 202, 11; 
commentarii divisionum |?]: Sic. 154, 26. 160, 18), die der 
Stifter der Colonie durch eigenhündige Unterschrift confirmirt 
(Hyg. grom. 203, 4). Abreissen oder Verfälschen einer solchen 
Kupferplaite galt als Peculat ebenso wie das Abreissen. oder 
Verändern von Gesetztafeln (l. 8 D. ad 1. Iul. pec. 48, 13). 
Durch die Anheftung des Risses im kaiserlichen Archiv wurde 
die Stiftung der Colonie im juristischen Sinne geschlossen 
(Nips. 295, 11). Die Urkunden galten als öffentliche und 
machten vor Gericht vollen Beweis (Sic. 138, 11); im Zweifel 
entschied das Exemplar im kaiserlichen Archiv (Sic. 154, 23). 
Natürlich stand es jedem Privatmann und jeder Commune 
frei sich von ihren Grundstücken Risse anfertigen zu lassen; 
allein solche Risse verpflichten weder den. Inhaber noch 
die Nachbarn und gelten bloss wie andere Privatscripturen 
(Sic. 138, 15). Dagegen gab es öffentliche Grundrisse auch 
von dem in älteren Zeiten von Staaiswegen zum Verkauf 
parcelirten Acker (ager quaestorius), wenigstens in der Theorie, 
denn praktisch waren diese Limitationen und die Grundrisse da- 
von in der Kaiserzeit grósstentheils verschwunden (Sic. 152,24. 
154, 1; vgl. 136, 16. lib. col. II 253, 17. Mago 349, 17). 
Auch von dem unverlheilten ager publicus existirten öffentliche 
Grundrisse; so heisst es z. B. in der von Borghesi atti dell. 


die Hbri colonjarum. 153 


Aec. Rom. VII, 236 ergänzten Inschrift Maff. M. V. 306, 7, 
dass Kaiser Claudius und sein College als Censoren im 
J. 48 n. Chr. loca a pilis et columnis quae a pridatis possi- 
debantur causa cognita ex forma in publicum restituerant. 
In Italien kamen indess solehe Grundrisse in der Kaiserzeit 
hauptsächlich nur noch bei den Besitzungen der geistlichen 
Stiftungen vor '%), die bekanntlich wie alle res sacrae als 
Pigenthum des Staates galten, .da sonst wohl nur wenige 
italische Staatsdomänen unvergabt geblieben waren ''). In den 
Provinzen waren sie häufig (Front.4,1. Hyg. grom. 204,16). — 
Üeffentliche Grundrisse also giebt es nur von Ländereien, die 
dem Staat gehören oder die von ihm vertheilt oder verkauft 
worden sind. , Von Privatgrundstücken kann es dergleichen 
nur geben bei dem ager-divisus adsignatus (Front. 45, 7 fg. 
Sic. 154, 13), nicht von dem occupatorius oder arcifinius. Es 
wird daher auch wohl geradezu als Kriterium des letzteren 
angegeben, dass davon kein Grundriss existiren könne ( Sic. 
138,11); was auch ganz richtig ist, wenn nur die in Italien 


wenig vorkommenden agri vectigales (also publici) arcifinales | 


10) Sic. 162, 28. Ein Beispiel Orell. 1460 = I. N. 3575, wonach Vespasian 
die von Sulla dem Tempel der Diana Tifatina geschenkten Ländereien 
ex forma divi Aug. nachmessen liess. 


11) Natürlich mit Ausnahme der öffentlichen Gebäude und Strassen in und 
ausserhalb Rom. Beträchtlich war dagegen das kaiserliche Kammergut, 
das von den Staatsdomänen wohl zu scheiden ist; wie denn z.B. die 
velejatische obligatio praediorum sorgfältig das Gut des populus (die 
Wege) und das des Caesar noster auseinanderhält, ebenso wie die seret 
publici ganz verschieden sind von den kaiserlichen Sclavem ^ Dass von 
letzterem formae im strengen Sinne existirten, móchte ich bezweifeln. 
Freilich kónnte man die calabrischen territoria in saltibus, die der 
liber col. 211, 4 als vermessen anführt, beziehen auf die kaiserlichen 
saltus Carminianenses in Lalahrien (not. dign. occ. c. 11 und dazu 


Bócking), deren Fattore der procurator regionis Calabricae (1. N. 2627) 


ist (vgl. Frontin 46, 5).- Aber es steht manche Verrmessung in unsern 
Registern, die eine forma im strengen Sinn gewiss nicht ergab. 


154 MOMMSEN 


ausgenommen werden. Wenn also Privatbesitzungen begrenzt 
werden durch unveründerliche mathematische Linien; mógen 
diese rechtwinklige Quadrate bilden, wie bei dem ager limitatus 
im eigentlichen Sinn, oder nicht, wie bei dem ager per 
sírizas et scamna (oder per prozimos possessionum rigores 
oder ín lacineis) adsignatus (Front. 2,1) '*), so existirt dar- 
über eine forma; wenn sie begrenzt werden durch willkürlich 
bestimmte und willkürlich wandelbare Grenzlinien (Front. 5,6), 
so giebt es davon eine forma nicht. Da übrigens die Römer 
geschlossene Hufen überall nicht kannten und beliebige Thei- 
lung auch bei dem ager divisus et adsignatus zuliessen, so 
konnten allerdings bei diesem neben den Linear- auch Arcifinal- 
grenzen vorkommen (Sic. 151, 17); im Laufe der-Zeit gingen 
auf diesem Wege die assignirten Grenzen nicht selten ganz 
. verloren und der ager divisus wurde als arcifinius besessen 
(Hyg. 131, 16. Hyg. grom. 178; 7. lib. col. 218, 1). 
| Also eine Darstellung der sámmtlichen Grundrisse würde 
sámmtlichen aufgetheilten Acker umfassen. Dazu gehórt zu- 
nächst und vor allen Dingen das Stadtgebiet aller Colonien 
römischen Rechts, sowohl der Bürger- als der Militäreolonien. 
Dies ist so sehr der Hauptbestandtheil des ager divisus 
adsignatus, dass die Gromatiker häufig diesen .und den 
Colonialboden als gleichbedeutend behandeln (Frons. 2, 1. 
Agg.2,30. 114,1. Sic. 155, 3. 157, 12. 160,6 fg. Hyg. 176,1). 
Doch fallen die agri divisi und die Colonialgebiete keineswegs 
vollständig zusammen. Abgesehen von den nicht römischen, 
aber factisch der römischen gleichstehenden Limitationen der 


12) Nach der Strenge der gromatischen Discipin war die quadratische 
Limitation den Privat-, die mittelst beliebiger Linien den Staatslände- 
reien eigen; doch kam die letztere auch bei ager privatus sehr häu- 
fig vor, die erstere einzeln auch beim ager publicus, was der Gromatiker 
Hyginus 205, 1 freilich tadelt. 





die Hbri colonierum. ^ 185 


latinischen Colonien und der griechischen Städte (Iib. col. 235, 
16, vgl. 236, 22) war der ager quaestorius allerdings aufgetheilt, 
aber nicht an Colonen verschenkt und konnte recht wohl in 
Gebieten von Municipien belegen sein. Durch Landanwei- 
sungen in der nächsten Nähe Roms (so z. B. 218, 9) entstand 
eben so wenig eine Colonie. Auch kam es vor, dass, wenn 
die zuerst bestimmte Pertica nicht ausreichte, einem Theil 
der Colonen Lándereien angewiesen wurden in dem Gebiet 
eines benachbarten Municipium, ohne dass diese der directen 
Jurisdiction der Colonie unterlegt wurden, wodurch (Sic. 
138, 7) sie aufgehört hätten dem Territorium anzugehören, 


| welches sie bisher umfasste. Diese -Striche bildeten dann 


gewöhnlich einen eigenen secundären Jurisdictionsbezirk — 
praefectura —, dessen Gerichtsvorstand der Duumvir der 
Colonie ernannte (Sic. 159, 26 fg. 163, 21. Hyg. grom. 171, 4), 
wo dann in. einem Territorium zwei Gerichtssprengel be- 
standen; seltener wurden sie unter die Gerichtsbarkeit des 
Municipium gelegt (Sic. 165, 18). In beiden Füllen aber um- 
schloss das Gebiet des Municipium aufgetheiltes Land '*). 
In manchen Territorien .bestanden zwei Communen (cives 
veteres und novi) neben einander, so dags die nicht vertheilten 
Aecker der Jurisdiction der Municipalgemeinde, die vertheil- 
ten der der Colonie unterlagen (Hyg. 117, 24 — 119, 19. 
119, 24 — 120, 6); nachdem der schroffe Gegensatz sich im 
Lauf der Zeit ausgeglichen hatte, mochte man vielfältig diese 


13) Einen einzelnen Fall der Art können wir für den District der Ligubes 
nachweisen. In der auf diese Commune bezüglichen Alimentarurkunde 

^ wird von zwei pagi, dem Aequanus und Romanus, die Lage angegeben 
pertica Benevéntana (oder finibus Beneventanorim oder in Beneventano), 

in Ligustino (vollständig steht diese Formel II, 6. 35, verstümmelt durch 

die Nachlássigkeit des Epitomators II, 2. 9. 44. III, 6). Mit Recht hat 
Henzen in dér tab. alim. Baeb. p. 78 hierin eine innerhalb des ligustini- 
schen Territorium zu Gunsten Benevents gebildete praefectura erkannt. 


156 MOMMSEN 


unnatürliche Doppelverwaltung beseitigen und wenn dies zu 
Gunsten der. Municipalgemeinde gesehah, blieb doch in ter- 
ritorialer Hinsicht ein Theil- des Gebietes limitirtes Land. 
Endlich sind allerdings wenn auch selten 'Assignationen vor- 
gekommen, welche statt die Landempfänger zu Colonen, ihre 
Gesammtheit, zu einer städtischen Gemeinde zu machen, sie 
bloss den -Altbürgern des Municipium gleichstellten (Hyg. 
E19, 20—24. lib. col. 229, 6. 233, 12. 234, 21. 235, 15). Dies 
wird namentlich in dem Falle vorgekommen sein, wo man 
mit der Vermessung bloss eine Regulirung der Besitzungen 
durch Austausch bezweckte, also nicht neuen Besitzern, son- 
dern im Wesentlichen den alten adsignirte (denn auch die 
agri redditi gehören zu den adsignati: Hyg. 117,12 oder 
doch mindestens zu den divisi: Sic. 160, 22). Beispiele da- 
. von kommen vor.von Graviscae, dessen iw absoluto befind- 
liche Besitzungen Tiberius vermessen und der Commune 
adsigniren liess (lib. col. 220,1); ähnlich von Verulae(239, 12). 
Es wäre seltsam. gewesen, in diesem Fall der Commune bloss 
der -Katastrirung wegen Colonialrecht einzuräumen. Wenn 
die gracchanischen Vermessungen in Italien überhaupt .auf den 
römischen ager privatus sich erstreekten, so werden sie ver- 
muthlich keinen andern Zweck gehabt haben als die be- 
stehenden. Verhältnisse durch Adsignation zu reguliren. Auf 
welchen oder welche dieser Fälle die ler Mamilia Bezug 
nimmt, wenn sie neben der Deduction von Colonien auch 
die „Constituirung“ von Municipien vorschreibt und auch 
innerhalb der letzteren eine förmliche Limitation anordnet, will 
ich nicht entscheiden — zunächst denkt man an die Errich- 
tung von praefecturae — aber auf alle Fälle bestätigt sie, 
was jene Erwägungen an-sich schon hinreichend darthun, dass 
Frontinus Satz: ager divisus adsignatus est coloniarum, wenn 
er gleich im Allgemeinen natürlich das Richtige trifft, doch 





die libri coloniarum. 157 


mehrfache Besehränkungen erleidet. Es darf daher keines- 
wegs befremden, wenn eine „Erläuterung sämmtlicher Grund- 
risse“ nicht ausschliesslich Colonien verzeichnete. 

4. Das Stadtverzeichniss, welches in die Sammlung 
der Gromatiker aufgenommen ist, beruht auf zwei sehr ver- 
schiedenen Ueberlieferungen, deren scharfe Scheidung wir 
Lachmann verdanken. Die bessere Redaction (liber colozia- 
rum I von Lachmann genannt) beruht theils auf: dem ersten 
Theil des Arcerianus, theils auf dem Palatinus, die im Wesent- - 
lihen übereinstimmen und sieh gegenseiüg ergänzen, indem 
in dem letzteren Lucania und Bruttü, in dem ersteren die 
Provinz Valeria fehlt. Dagegen die der Erfurter Handschrift 
entnommenen Ergänzungen, die Lachmann theils in den Text 
.. Vr besseren Recension eingerückt (Auximum 227, 3; Nursia 
27,11; Pinna 227, 12), theils als Nachtrag 239, 20—240, 15 
à das Ende gestellt hat, kann ich nicht als ursprüngliche 
Bestandtheile derselben gelten lassen; sie scheinen vielmehr 
usprünglich der zweiten Redaction anzugehören, in welcher 
sie im Wesentlichen und grösstentheils wörtlich wieder- 
kehren **). Schon im Palatinus erscheinen beide Redactionen 
| neben einander; es lag nahe sie in einander zu arbeiten und 
dies ist im Erf. geschehen, dessen Schreiber eine dem Pal. 
ganz ähnliche Handschrift vorgelegen haben muss. Er hatte 
 vorsich von der ersten Redaction Tuscien Picenum Campanien 
(Lucania Bruttä Sicilia fehlten wie in P, ausserdem noch 
Apulia Calabria), von der zweiten Picenum; zunächst schrieb 
er Tuscien und Campanien S.5—13 seines Heftes genau, 
Dur in veränderter Ordnung nach der besseren Retension ab 
und schloss diese ab mit dem Epilog derselben. Hinter diesem 
ipte er aus der zweiten Redaction Carsioli an 239, 20—240, 6 


14) Die inneren Gründe, welche diese Stücke der zweiten Redaction zu- 
weisen, s. in Anmerkung 22. 


188 — " MOMMSEN 


und an einer. andern Stelle seines Manuseripts S. 40. 41 
Picenum, wobei er die ältere Redaction zu Grunde legte, 
aber sie an verschiedenen Stellen aus der zweiten bereicherte; 
woher es auch kommt, dass der Schlusssatz, der in jener 
nur von Hadria und Falerii &pricht, in dieser ausgedehnt ist 
auf omne territorium provinciae Piceni, zweimal sieht: ein- 
mal an der Spitze .der Provinz vom Pioenensis ager, ein 
andermal .am Schluss- von Hadria und Faleni, wozu noch 
aus der zweiten. Redaction Nursia und Pinna gefügt sind. — 
Die Reihenfolge der Provinzen scheint in der älteren Redaclion 
ursprünglich folgende gewesen zu sein. 


1. Picenum. 
2. Valeria. 
3, Tuscia. 
4. Umbria. 
5. Campania. 
6. Samnium. 
7. Lucania. - 
8. Brittii. 
9. Apulia. 
10. Calabria. 
1l. Sicilia. 


Diese geographisch angemessene Ordnung entspricht im 
Wesentlichen der des Arcerianus, nur dass der zweite Ab- 
schnitt diesem fehlt und 7—11 nach 1. 3—6 stehen. Aller- 
dings findet sich auch Tuscien vor Picenum, aber der Schreiber 
sagt 229, 10 ausdrücklich, dass es in seinem Original umge- 
kehrt war 'und verweist sogar in Tuscien 217, 2 auf Picenum 
227,13. Die Reihenfolge Tuscia, Campania, Apulia wird auch 
211, 24 angedeutet; und dass bei Picenum- der Anfang war, 
deutet die vor diesem erhaltene offenbar auf die ganze Samm- 
lung bezügliche Ueberschrift ex libro Balbi 225, 15 an. In 


die lí&ri veloniarum. 159 


P sind. die Spuren der ursprünglichen Reihe verwischt; hier 
folgen 3. 1. 2. 9. 10. 5, wobei zwischeri 1. 2 und 10. 5 noch 
andre Stücke eingeschoben sind. — Der vierte Abschnitt 
Umbria hat die Ueberachrift verloren; aber offenbar bildeten 
der Schluss von Tuscien 224, 1—225, 2. und der erste Ar- 
ükel der folgenden Abtheilung 225, 15— 226, 5 ursprünglich 
de Landschaft. Umbrien. Das erweiset theils die wohlbe- 
kannte Lage der Städte‘), theils die Verweisung auf Picenum 
unter Spoletium, theils die Spuren der Handschriften. Noch 
m Original des Erf..stand Spoletium wahrscheinlich unter 
Tuscien, da es in. dem nur Campanien und Tuscien um- 
fassenden ersten Abschnitt vorkommt; freilich auch im zwei- 
ten unter Picenum. Ebenso. kennt die jüngere Redaction 
Spoletium in Picenum nieht, während sonst mit einer ein- 
ugen Ausnahme alle in der ersten genannten picentischen 
Städte im der zweiten wiederkehren. — Aehnlich ist es 
Samnium ergangen. Es fehlt in der That nicht, sondern - 
wenigstens sieben Städte, von denen es ausgemacht ist, dass 
sie zur späteren Provinz Samnium gehören: Allifae, Bovianum, 
Esernia, Saepinum, Telesia, Tereventum, Venafrum, sind 
unter Campanien mit verzeichnet. Es muss also entweder 
die Ueberschrift anfánglich gelautet haben civitates Campaniae 
et Samnii, oder wenn, wie es glaublicher ist, beide Ab- 
schnitte ursprünglich gelrennt waren, hat ein späterer Ab- 
schreiber — vielleicht weil beide alphabetisch-geordnet waren 
' — sie in einander gefügt und die Ueberschrift zu ändern 
; versäumt. — Im Uebrigen stimmen die Verzeichnisse, wie 
der zweite Abschnitt ausführlicher zeigen wird, im Wesent- 


15) Vgl.z. B. wegen Hispellum Hygin. grom. 179, 9. und das Edict von 
Constantin (Berichte der sächs. Gesellsch. der Wissensch. 1850 S. 199); 
wegen Spoletium Orell. 1100 und Sirmond. de reg. suburbic. c. 5. 


160 MOMMSEN 


liehen mit allen anderen Nachrichten -über die Provinzial- 
theilung Kaliens genau zusammen. 

5. Die einzelnen Abschnitte ‚sind auffallend ungleich 
gearbeitet. ‘ In Campanien sind die Städte alphabetisch ge- 
ordnet; in Tuscien im Allgemeinen geographisch, nur dass 
. Tuder wegen gleichartiger Limitation unmittelbar auf Florenz 
folgt und Luna ausser der Reihe am Schluss steht; in den 
übrigen Abschnitten sind meistens die m gromatischer Hin- 
sicht verwandten Gruppen zusammengefasst. — In Campanien 
wird die Stadt zuerst genannt, in Tuscien geht vorauf colonia 
(mit Ausnahme von Luna, das auch hierin abweicht), in 
Lucanien praefectura, in Calabrien und Sicilien territoriszm, 
in Umbria Picenum Apulia Britlü ager; in Valeria sehwankt 
der Ausdruck. — Tuscien und Umbrien zeichnen sich aus 
durch die sorgfältige und ausführliche Behandlung der Limi- 
tation. Hier allein wird der Contract der Triumvirn mit 
denen, die die Grenzsteine zu liefern und zu- setzen: über- 
nahmen :5), urkundlich mitgetheilt und nur hier werden die 
Masse der Grenzsteine und ihre Entfernungen genügend an- 
gegeben. In den übrigen Abschnitten sind die Berichte hier- 
über viel spürlicher; den vier südlichen Provinzen Italiens 
eigenthümlich ist die Angabe der Richtung des Kardo und 
des Decimanus, während sonst wohl einmal die Assignation 
per kardines et deeimanos (213, 7. 214, 11. 215, 5. 227, 13; 
vgl. 217, 18. 223, 14) d. h. mit quadratischer Limitation er- 
wähnt, aber die Richtung des Kardo nach N., des Decimanus 
nach -O. als selbstverstündlich betrachtet wird. Es hängt 
dies offenbar damit zusammen, dass die beiden bekanntesten 

16) EX COMMENTARIO C. IVLI (wofür durch Schreibfehler CLAVDI steht 
ebenso wie 213, 4) CAESARIS LEX AGRIS LIMITANDIS METIVNDIS 
(vel. 246, 16. 18) wird wohl die richtige Ueberschrift sein. Bezieht sich 


die erste Phrase darauf, dass diese Colonien von den Triumvirn nach 
der in Cäsars Papieren gefundenen Anweisung errichtet wurden? 


die Hori coloniarum. 161 


Ausnahmen von dieser. Regel Capua ( Frorit. 29, 4. Hyg. 
170, 15) und. Benevent (Sic. 159, 22), deren Kardo nach O., 
der Decimanus nach N. gerichtet war, am ganz ungehórigen 
Orte in Brutti ') vorkommen; offenbar waren. sie in dem 
hier excerpirten Buch bei Consentia, wo dasselbe statthat, 
beiläußg miterwähnt. — Die. geschichtlichen Angaben über 
die Stifter sind in den fünf südlichen Provinzen sehr spar- 
sam, dagegen in den nördlichen stehend. — Die Angabe der 
öffentlichen Wegeservituten, welche auf den einzelnen Stadi- 
gebieten lasten, und ihrer Breite (vgl. Hyg. 120, 24) !*) fehlt 
in Campanien und Samnium fast nie, dagegen durchgängig 
in Tuscien Umbrien Picenum; anderswo findet sie sich ein- 


17) Die Aenderung von Campanus in Clampetinus ist nicht richtig. 
18) Bie Angaben sind wichtig für die Bestimmung der Breite der römischen 
Landstrassen. Sie betrug 
120 Fuss im Gebiet von Atella, Literaum, Nola, 


100 - - - - Capua. 
85 - - - - Teanum Sidicinum. 
.80 - - .-  - kcerrae, Corfinium, Cumáe, Neapolis; nach 
l. II auch vom Matilica und Tyfcum. 
60 - - - - Calatia und Nuceria in Campanien. ' 
50 -- - - - Caudimm, Saepinum, nach 1. II auch von 
Aesernia. ° 
930 - - - - Aquinum, Puteoli, Privernum, Telesia. 
20 - - - - Venafrum, Volturnum. 
15 - - -  - Forum Popilii, Setia, Sora, Surrentum. 
10 - - -  - Aesernia, Bovianum in zwei unter Campanien 


ungchöni eingeschobenen Artikeln; nach 
l. H. auch von Aufidena und Larinum. 

Da nach Hyg. gr. 169, 2 die viae publicae militares nicht unfer 
12 Fuss breit sind, ist die schlecht beglaubigte Breite von 10 Fuss 
wohl überall aus Schreibfehler, oder Interpolation hervorgegangen. Die An- 
gabe über Puteoli 236, 12: ex uno latere iter nopulo debetur ped. xxx 
scheint sich auf eine Strasse zu beziehen, die längs der Gebietsgrenze 
von Puteoli hinlief, und wovon also die Servitut auf zwei Territorien 
haftete. Vgl... Sic, 147, 2 und überhaupt Giovenazzi della città di 
Aveia p. TA fg. 


Römische Feldmesser il. 11 


159 MOMMSEN 


zein. — Ob die Städte ummauert (mtr duetae) sind, wird 
einzig ia Campanien mit Einschluss der samnitischen ‘Städte, 
&ier aber häufig berichtet !). — Diese störende Ungleich- 
örmigkeit, welche natürlich nicht der ursprüngliehen Gestalt 
der Sammlung, sondern nur der Eptome zur Last fallen 
kann, beweist, dass die Auszüge von vier oder fünf ver- 
schiedenen Händen herrühren, wobei im Aufnehmen und 
Weglassen, in Anordnung und-Redaction jeder Arbeiter ser 
nem Belieben folgte. 
6. Trotz aller dieser Differenzen ist in der ganzen 
Schrift nieht bloss bei der Abfassung sondem auch bei der 
Epitomirung. ein sehr bestimmter Zweck im Auge be- 
halten worden: die Verzeichnung des ager divisus et ad- 
signatus, Bei aller Verschiedenheit der Redaction findet sich 
doch kein einziger '? Artikel, in dem die Division ‘als die 
Hauptsache und der Gegensatz zum aeger arcifinius nicht 
sehr bestimmt hervortrüten. Mehrfach wird hervorgehoben, 
dass das Gebiet früher arcifiaius war und erst später limitirt 
ward (233, 1. 4. 7. 234,16. 236, 22); dass nur ein Theil 
limitirt sei, ein anderer nach arcifinalem Recht besessen werde 
(211, 6. 227, 7); dass es zum Theil missbräuchlich als ager 
arcifinius behandelt werde (218, 1; vgl. Hyg. 131, 16); dass 
Naturgrenzen, in gerader. Linie gezogene Wälle und Gräben 
die Stelle der Limitation vertreten (217, 9. 220, 13). Um so 
evidenter treten als späte wenn auch schon im Arcer. vor- 
kandene Embleme einige Stellen hervor, welche die Beach- 


19) Bei Camerinum hat die zweite Redaction muro ducta in dem wenig 
zuverlässigen Erf. 240, 7, nicht im Wolfenbüttler Codex 256, 16. 
20) Terracina 238, 12: ager eius mensura in soluto est demissum (80 A) 
ist verschrieben; es scheint nach mensura etwas zu fehlen. Bei Gabii 
234, 15 ist der Schlusssatz vielleicht auch beizubehalten; die censilio 
und adsignatio stehen ähnlich neben einander 231, 1. Nur Setia 237, 23 

macht wirklich Schwierigkeit und ist doch auch wohl defect. 


die lf&ri colonterum. 163 


tung der Naturgrenzen einschürfen; so namentlich am Sehluss 
von Picenum 227, 13 und von Gelabrien 211, 9: 
nam eorum delimilatio est per rationem  arearum 
[vel riparum] vel canabula et noverca quod tegulis 
construitur; aliie vero locis muros macerias scorofie- 
nes. congerias carbunoules et variis locia termines 
Augusteos, per quorum cursus in Piceno fines ter- 
minantur. 
nam eadem provincia habet muros macerías scoro- 
Jiones congerías et terminos "Iéburtinos sicut in 
Piceno fertur. - 
die sich: als späte Einschiebsel verrathen theils durch ihre 
Stellung am Ende zweier Abschnitte, theils durch ihre Bezug- 
nahme auf einander, theils durch den Wust barbarischer 
Wörter, theils durch die innere Verkehrtheit einer delíneitatio 
per rationem. arcarum *'), d. h. einer Linearvermessung nach 
Mürgrenzen, wozu darin wieder die fermini Augustei nicht 
Passen, welehe vermuthlich hier und sonst hervorgegangen 
ind aus dem Reichscensus des Lukas; denn wenn Augustus 
wrklieh omnem terram feoit permensurari ac veteranis ad- 
signari (242, 4), so mussten sich freilich seine Grenzsteine 
auch in Pieenum finden. Offenbar war dem Schreiber, von 
dem diese Sätze herrühren, der Unterschied zwischen den 
assignirten und nicht -assignirten Ländereien nicht mehr klar; 
er vermisste die Erwähnung der Naturgrenzen und trug sie 
nach theils am Schluss zweier Abschnitte, theils aueh hie 
ind da im Text, wo: sich ihm die Gelegenheit bet. So 
scheint er bei Capena interpolirt zu haben; weder sachlich 
Roch sprachlich sind die Bemerkungen: éd est in planitia 


21) d. i. Erdwall, ital. argine, von arcere. 8. Duennge u. d. W. 
11* 


.164 . MOMMSEN 


ubi miles portionem habuit (216, 13) und cöteris :'autem — 
sunt censiti. (217, 1—4, zum Theil aus 221, 9) des ursprüng- 
lichen Redacieurs würdig, und. überdies bezieht. sich der 
Schreiber hier ausdrücklich auf seinen Zusatz zu Picenum. 
Aus denselben Gründen sind die Worte sed’non — concur- 
runt 220, 14; ne id — confirmat 221, 7—9 (s. Lachmann 109, 


18—20); erit enim — servandus 221, 11—13 wahrscheinlich 


Zusätze derselben Hand. Auch das sequaris (217, 3) und 


sequamini (221, 7) in diesen Stellen passt nicht in den son- - 


stigen Stil des. Registers. An beiden Stellen sind indess die 
Interpolationen gewissermassen entschuldigt dadurch, dass 
schon der alte Text hier der Naturgrenzen gedachte, was 
. der Schreiber dann ungeschickt weiter ausführte; wo nicht 
in jenem die natura locorum vorkam, wagte er nicht sie ein- 
zurücken, so sehr er sie vermisste und begehrte *5.. Insofern 
ist der Text des Arcer. verhältnissmässig rein und es gilt dies 
von ihm auch in anderen Beziehungen. Nur die Partikel nam 





— dieselbe, welche jene beiden Zusätze am Schluss mög- | 
lichst ungeschickt einleitet — ist an einer Reihe. von Stellen | 


"albern eingeschoben: 211, 15. 18. 219, 9. 220, 1. 11. 222, 1.11. 
226,2. 232, 18. 234, 1.; ebenso «nim 2106, 1. 223, 7.; sed 
216, 6. Ferner wusste der Epitomator die Stadinamen, die er 
in seiner Quelle fand, grammatisch nicht mehr, gehörig zu 
handhaben; daher der wunderliche Wechsel in dem Gebrauch 
des Nom. Gen. Acc. Abl, die wahrscheinlich gesetzt wurden 
wie sie sich eben im Original angewandt fanden; die verkehrte 
Zurückführung von Pluralen auf den. Singular: Targuinius 


22) Aus diesem Grunde können auch die:dem. Erf. entichnten Stücke S. 239. 


240 unmöglich je dem Zib. col. I. angehört haben; sie sind wie die 


ganze zweite Redactión. gerade durch Nachträge über die Naturgrenzen - 
unverschämt interpolirt. Kleinere Interpolationen gleicher Art hat der - 


Erf. auch 215, 7. 228, 1. 


die libri coloniarum. 165 


219, 1; Veius 220,8; Marsus 229, 01**); Liguris Bebianus et 
Corneliamus 235, 9; die Verwendung einzelner Substantive 
unter lauter Ethnicis wie Consiline (— ni?) 209,6; Herdonia 
210, 10, vgl. ager Corfinius 228, 18; unerhörte Formen wie 
Copys 216, 11, Nepis 217,15. Spuren mittelalterlieher Ver- 
derbniss sind dagegen kaum vorhanden. Spellatinus 224, 6 
it ein sehr alter Sprachfehler, der auch bei Sic. 179, 10 
vorkommt.  Senogalliensis 226, 11 und Esernia 233, 13 sihd 
anstössiger, aber der erstere Artikel ist vielleicht interpolirt 
(s; unten $ 26), der zweite könnte von dem späteren Schreiber, 
. de Samnium in Campanien hineinarbeitete, unter einen fal- 
schen Buchstaben gestellt sein. — Mit den angegebenen Be- 
schränkungen kann die im. Arcer. überlieferte Redaction des 
über col. als eine Schrift der guten Zeit gelten, welche durch 
sachliche Fülle, durch den technisch: knappen Ausdruck, durch 
vlkommene Beherrschung der gromatischen Kunstsprache - 
sich den besseren Stücken unserer Sammlung an die Seite stellt. 

7. Weit ungünstiger muss das Urtheil ausfallen schon 
über die im Pal. bewahrte Form der älteren Redaction. Im 
Einzelnen finden wir 227, 5 die unsinnige Beschreibung der 
lermini Claudiani: qui in modum  arcellae facti sunt — 
interpolirt entweder aus der jüngeren Redaction 252, 15 oder 
aus Faustus 308, 25. — Apulien hat die seltsame aus 
44, 13 entlehnte Ueberschrift erhalten: in mappa Albensium 
inveniuntur haec. — Ein kurzer Artikel, der von dem Kardo 
und Decimanus als diametralen und diagonalen Linien und 
von der Benennung der Limites handelt und augenscheinlich 
emer schlechten Doctrinalschrift, gewiss nicht dem Städte- 
register entlehnt ist, auch im Arcer. wo auch immer doch 
sicher nicht in diesem stand — er findet sich jetzt nur noch 


23) Nicht ‘Alba, sondern die Stadt Marsi bei Peseina: 1. N. 5481 fg. 
Kellermann vig. 101, 1, 23, die auch wohl Marruvium heisst. 


166 MOMMSEN 


in der jenaer Abschrift unter der Ueberschrift incipit. liber 
Marci Baronis de geometria ad Rufum (vgl. zu 243, 17). 
Propincia Calabria — ist im Pal. mit dem Artikel, über An- 
cona 227,1.2 zu dem widersinnigen Abschnitt zusammen- 
geärbeitet, den wir 225, 4--13 lesen, und-an die Spitze von 
Picenum gestellt worden. — Ein Abschnitt über Dalmatien 
240, 15 — 242, 6, von dem sich im Arcer. keine Spur findet, 


“ist im Pal. zwischen Calabria und Campania eingefügt. Der 


geographische Abstand dieser ausseritalischen Provinz '*) von 
denen, die: das Stüdteverzeichniss sonst umfasst, würde allein 
genügen um diesen Abschnitt als fremdartig auszuscheiden; 
es kommt hinzu, dass er nichts weiliger als ein Stüdtever- 
zeichniss, sondern eiri leerer Wortschwall über die Naturgren- 
zen in den verschiedenen Regionen ist — weshalb ihn der 
falsche Boethius 400, 21 fg. unter- der passenderen Aufschrift 
signa limitum finalium wiederholt —, in welchen ein paar 
geographische Namen, darunter ein in Dalmatien nachweis- 
licher, sich gleichsam verloren haben. Man wird schwerlich 
irren, wenn ınan hierin die Interpolation eines dalmatischen 
Schreibers sieht, dessen patrielischer Sinn‘ die provineia Dal- 
imatiarum in- dem Städteverzeichniss vermisste und nach 
Kräften ergánzte **). — Die masslose Dreistigkeit, womit der 
Sehreiber des Pal. in diesen Fällen seine Quellen durch ein- 
ander geworfen und verfälscht hat, macht auch misstrauisch 
gegen den Abschnitt über die Valeria p. 228.229, der im 


. 244) Bei Johannes dem Lyder de mens. IV, 60 steht Dalmatien unter den 
italischen Provinzen; welches nur beweist, dass es auch für Faselei 
Analogien giebt. 

25) Im Hyginus 122, 1 kommt der Versus, der auch sonst (Front. 30, 9. 
Varro de'r. r. 1, 10) als campanisches Landmass erwähnt wird, eben- 
falls als solches vor; aber nur der Gud. hat ín Campania , der Arc. 
in’ Dalmatia. Hat hier eine der. des Pal: verwandte Interpolation 
stattgefunden? 


die liri coloniarum. 167 


Arc. fehlt. Im Ganzen scheint er zwar alt au sein, wie er 
denn auch nachweislich dem Redacteur der jüngeren Recen- 
sion mit vorlag; die vorkommenden Stádlenamen tragen mit 
Ausnahme der colonia Solomontina 229,8 (jetzt Solmona) 
keine Spuren mittelalterlicher Verderbniss. Dagegen spielen 
de areae ripae maceriae scoroflones congeriae ourvunculi 
muri arae canabula u. s. w. eine grosse Rolle in den Artikeln 
Amiternum und Corfinium, welche überhaupt mit den Grund» 
sätgen.der gromalischen Wissenschaft sich schwerlich, wer- 
den in Einklang bringen lassen. Bedenklich ist die wörtliche 
Uebereinstimmung -von Corfinium 228, 19—23 mit Tarquinii 
219, 1 fg. **), namentlich bei der nachgewiesenen Verschieden- 
heit der Redacteure dieser Abschnitte. Noch weit gravirender 
ist.es, dass. bei.Superaequum 229, 2 ein Satz aus Ostia 236, 9 
wörtlich wiederholt wird, der .die unmüglche.Bezeichnung 
inppp. Severue, Antoninus et Commodus enthált; schwerlich 
kann der Vorname Marous an beiden gleichlautenden Stellen 
wiällig in gleicher Weise verdorben sein. Die Grundlage 
dieses Absehnitis ist wohl ebenso unzweifelhaft ächt als ein 
nicht unbedeutender Theil .des Inhalts späte Fälschung ist; 
sicher scheiden lässt sich das Alte und Neue nicht, wo» 
durch der Werth des ganzen Kapitels fast aufgehoben wird. 

8. Die jüngere Redaction findet sich im Guelf., einer 
Handschrift des .neunten oder zehnten Jahrhunderts, allein, 
in dem gleich alten Pal. neben der älteren, jedoch an emer 
verschiedenen Stelle der Handschrift; der Erf. hat sie, wie 
9.158 gezeigt ward, nur für Picenum genutzt. Wir besitzen 
davon vier Abschnitte: 


26) Es kommt noch hinzu, dass in der jüngeren Redaction, wo Corfinium 
dreimal vorkommt, die eine Fassung 255, 11 zwar mit der des Pal. 
stimmt, die zweite 255, 3. 260, 3 aber eine ganz andere Limitation 
anzeigt. Freilicb ist deren Glaubwürdigkeit auch mehr nis zweifelhaft. 


168 — MOMMSEN 


|; Picenum, worunter Valeria mitbegriffen ist; die 
D Ueberschrift ist ergänzt. 
Samnium. 
"Apulia, 
. Calabria. u | E 

so dass also die an der Südostküste- Italiens belegenen Pro- 
vinzen in richtiger geogräphischer Ordnung aufgeführt sind. 
Ob die Recension einst vollständiger war, lässt sich nicht 
sagen, wohl aber lag ihrem Redacteur, wie wir gleich sehen 
werden, das. Material dazu mindestens auch für Tuscien und 
Campanien vor. : Im Einzelnen begegnen, wir mehrfacher 
geographischer Confusion. Corfinium ‘steht ‘zweimal in Pice- 
num 255, 3. 12, einmal in Samnium; in Picenum finden wir 
Casentium und Tribule, welche die ältere Redaction in Cam- 
panien, campi Tiberiani und Capena, welche dieselbe in 
Tuscien; in Samnium Corfinium und Sulmo, welche. die 
ältere Redaction (nach dem Pal) in Valeria hat. — In den 
einzelnen Abschnitten ist die alphabetische Ordnung durch- 
geführt, wobei die ärgsten Barbarismen mittelalterlicher Ent- 
stellüng nicht selten sind: Eeicglanus (.dequiculanus ager, jetat 
Cicolano); Teramne (Interamna, Teramo) ; Esernia ;. Istoniis; 
Ardona (Herdonia, Ordona); Eclanensis; Ignatinus ( Gnatia, 
Agnazzo); Solmona; Varinus (Barii); Ydrontinus. — Unter 
den Quellen dieser Schrift nimmt die ältere Recension der- 
selben augenscheinlich den ersten Platz ein. : Sie lag dem 
zweiten Redacteur vor' mit denselben Verschiedenheiten in 
der Redaction der einzelnen Abschnitte: denn die Angabe der 
Ummauerung findet sich nur in Samnium 259, 17. 260,7 
und in einem aus Campanien nach Picenum versetzten Ar- 
tikel 255, 6; mit denselben Interpolationen: denn z. B. der 
Zusatz zu Picenum 227, 13 ist übergegangen in 252, 2. 256, 6.; 
mit denselben kleinen Redactionsfehlern: denn Herdonéa steht 


die libri coloniarum. 169 


wie 210, 10 so 260, 23 unter lauter Ethnika; ja "mit den- 
selben offenbaren Schreibfehlern, wie z. B.'aus 226, 5 Inter- 
amnae Palestino, (oder Paletino) Piceni — wofür wahr- 
scheinlich . Interamnae | alterius Piceni zu lesen ist —. in 
259, 1 Teremne Palestina Piceni geworden ist. Dass die 
ältere Redaelion dem zweiten Redacteur in einer dem Pal. 
mehr als dem Arc. ähnlichen Handschrift vorlag, beweist die 
Aufnahme der Valeria."), — Aber der zweite Redacteur be- 
nutzte auch andere Quellen. Das kleine Excerpt S. 244 
nomina agrimensorum gut in qua officio limitabant- ist in 
die Artikel-Asculum 252; 21 und Alba 253, 10 hineingearbeitet, 
wobei aus den Corruptelen des Originals die árgsten Inter- 
polationen geworden sind: z. B. aus regionis Asculane fami- 
liaríó (schreibe miliario) XII agri Romani wurde XII agros 
in montibus Homani acceperunt familiariter, qui "montes 
Romani appellantur; wobei die montes Romani aus Sic. 
137, 2 genommen sind. Siculus wird einmal 258,12 aus- 
drücklich eitirt als liber condicionum Italiae agrorum und 
auch die Schlussworte 262, 12 Anm. sind aus ihm 139, 9 
entlehnt. Die dóri auctorum, die 253, 24 (vgl. 255, 16) an- 
geführt werden (gemeint ist Dolab. 303, 4) , sind. unzweifel- 
haft die ebenfalls durch den Guelf. überlieferten ordines 
finitionum ex diversis auctoribus 302 fg: 342 fg., d. h. Stücke 
aus demi von der Grehzbezeichnung handelnden Abschnitt 
gromatischer im. Anfang des. fünften Jahrhunderts redigirter 
Digesten, wovon das zwölfte Buch 310, 1. 351, 20 angeführt 
wird. Ebendaher, aus Faustus 308, 26 ist 252, 16 entlehnt. 
Wohl identisch damit ist der 258, 2 citirte liber regionum, 


27)-Doch hatte das von dem: zweiten Redacteur benutzte Original nicht alle 
Fehler des Pal.; der Artikel über Ancona war darin nicht verfälscht, 
226, 3—5 stand bei Spoletium, wie 259, 5 zeigt, nicht wie im Pal. 
bei Asculum. 


170 | MOMMSEN 


da die erdines:finitionum in den Ueberschriften häufig die 

Gegend angeben, für welche der Auctor massgebend ist; ge- 

meint ist dert wohl Latin. 347. Der ganze Artikel Cures 
253, 17 scheint. aus Se. 136,.16. Mago: 349, 17 (vgl. 303,4) 

zusammengestellt. Fanum 256, 13° ist augenscheinlich ent- 

lehnt. aus Erontinus 30, 2. -—' Ausser diesen uns noch zwu- 

günglichen Quellen hat indess dieser Redacteur auch ver- 

lorene und nicht werthlose vor sich gehabt. ' Apulien ist die 

einzige nicht mit neuen Artikeln vermehrte Provinz; in Ca- 

labrien und Pieenum sind sie zahlreich; Samnium fehlte. in 

der älteren -Redaction als eigener Abschnitt ganz. In dem 

letzten Abschnitt kommen zwei Städte — Cluviae und Jova- 
mam — vor, von. denen die erste nur bei Livius 9, 3I, die 
‘ zweite bei Schriftstellem gar nicht vorkommt, welche aber 
beide dureh Inschriften (I. N. 5188. 5298). als .Samnium an- 
gehörig und noch in der Kaiserzeit bestehend nachgewiesen, 
in mittelalterlichen- Quellen dagegen so viel ich weiss nicht 
genannt- werden. Diese Angaben’ verrathen also eie. ver- 

lorene sehr gute Quelle. Dasselbe gilt von der Notiz über 
Corfinium, welche zweimal, einmal 255, 3 i fast reiner, das 
zweite Mal 260, 3 in leicht interpolirter Fassung vorkommt 
und von: der dritten aus dem Text der Valeria entlehnten 
255, 12 wesentlich abweicht; es ist schwer- sie nicht für eine 
ächte Ueberlieferung zu halten. — Was die Behandlung be- 
trifft, so hat. dieser Redacteur den wesentlichen Unterschied 
des ager divisus und arcifinius (den Namen kennt er noch 
255, 20) nicht bloss vollständig vergessen, sondern er hat 
sich zum-Geselz gemacht die Naturgrenzen (initiones) durch- 
gängig näachzutragen. Charakteristisch ist in dieser Beziehung 
besonders der Abschnitt Apulien, wo die beiden Redactionen 
sich fast nur dadurch unterscheiden, dass die jüngere alpha- 
betisch geordnet ist und jeder Stadt die fimifie bespgesetzt 


die lHbrt eolotierum. 171 


hat Mit demselben betrügerischen Leichtsinn ist der Text 
durchgängig behandelt Die Kunde, dass Alba vermessen 
sei von einem Cilicius (so!) Saturninus *°®) genügt um zu be- 
haupten, fermini Tiburtini hiessen in dieser Gegend Cilicii 
(253, 6. 12.); die gelegentliche Erwähnung des’ picenischen 
Interamna bei Spoletium 226, 5, um den ganzen Artikel 
Spoletium: unter Teramo zu wiederholen 259, 1, ja sogar 
ihn gleichfalls auf Cingulum 254, 15 und auf Potentia 257, 19 
zu überlragen, obwohl die letztere Stadt schon aus 226, 11 
richtiger 257, 15 eingetragen war; die Adsignation der Sub- 
seciva in Calabrien unter Vespasian 211, 8 um eine angeblich - 
von dem Schreiber im. Auftrag Vespasians vorgenommene Ver- 
messung Apuliens und Calabriens 261, 21 zu erfinden. Die 
Erwähnung der regio Reatina in Piceno bei Sic. 137,2 hat 
vielleicht die Aufnahme von Reate 257,26 veranlasst. — Es ge- 
nügt an diesen Beispielen um die vollständige Unzuverlässigkeit 
deser- zweiten Redaclion zu belegen; andere sind an anderen 
Orten. nachgewiesen. Sie hat den altenText in der Regel 
in keinem besseren Zustande benutzt als wir ihn auch noch 
haben; sie hat denselben willkürlich durcheinander geworfen, 
hat mit vollständiger Unkenntniss des wirklichen Zweckes 
der Schrift, welche dieser Redacteur offenbar für ein blosses 
Stadtverzeichniss hielt, den Text durchgearbeitet und mit 
einer Menge ungehöriger, grösstentheils rein erfundener Zu- 
sätge versehen; sie hat eine Reihe Artikel aus anderen Quellen 
28) In der zu Grunde liegenden Stelle der älteren Redaction: 244, 14^ heisst 

er Cecilius Saturninus centurio cohortis VII et (schr. praet.) Der 
richtige Name ist wohl L. Marculeius, Saturninus, dessen Grabschrift 

sich in Alba gefunden hat (I. N. 5631): L. Marculeio Saturnino veterano 
Augusti cho. VII pr., HI vir. i. d., quaestori rei publicae — — 
curatori operum publicor. u. 8. w. Wahrscheinlich in seinem letzten 

Amte liess er den Grundriss anfertigen und vermuthlich auch die 


Grenzsteine setzen mit der Aufschrift Albensium fines, von denen einer 
auf uns gekommen ist (I. N. 5610). - 


172 MONNSEN 


verkehrt‘ eingefügt.‘ Doch trägt der Abschnitt über Sa- 
mnium unverkennbare Spuren ächter Ueberheferung an sich 
und auch sonst finden sich eine Anzahl Stadinanien, die von 
guter Kunde zeugen. Vermuthlich hatte der Schreiber eine 
Handschrift der ersten Redaction vor sich, welche ausser 
der Valeria auch noch Samnium getrennt ‘und vollständiger 
als wir es unter Campanien im Arc. finden, enthielt. Die 
in Picenum und Calabrien hinzugekommenen Artikel dürften 
dagegen nicht aus der ersten Redaction herrühren, sondern 
von-dem zweiten Redacteur, so weit der Inhalt gromatischer 
Art ist, wahrscheinlich rein erdichtet, was die Namen aber 
anlangt, aus guten Stáüdteverzeichnissen: oder eigener. aus- 
reichender Kunde abgefasst sein. 

9. -Betrachten wir die in der Epitome verzeichneten 
Districte, so stellt sich -ein merkwürdiger Zusammenhang 
mit der späteren italischen Provinzialverfassung heraus, über 
welche im zweiten Abschnitt ausführlicher gehandelt: ist. 
Bekanntermassen standen ums Jahr 400 die sieben nördlichen 
Administrationsbezirke: Venetia et. Histria; Raetia prima; 
Raetia secunda ; Alpes Cottiae ; Liguria; 4emilia; Flaminia 
et Picenum annonarium ‚unter dem vicarius ‚dtaliae, wäh- 
rend die zehn südlichen oder urbicarischen: Picenum urbi- 
carium; Valeria; Tuscia et Umbria; Campania ; Samnium; 
Lucania et Bruttii ; Apulia et Galabria; Sicilia; Sardinia; 
Corsica dem vicarius urbis Romae gehorchten. — Ziwischen 
400 und 459 wurde Tuscien getheilt in Tuscíe annonaria, 
das unter den Vicarius von Italien kam, und Tuscía urbicaria, 
welehes dem in Rom residirenden Statthalter des Präfecten 
von Italien verblieb, Sardinien und Corsica wurden in Folge 
der: vandalischen Eroberungen vermuthlich bald nach 439, 
sicher vor 484 von Italien abgerissen und mit Africa ver- 
einigt, bei dem sie auch nach dem Sturz. des vandalischen 





die libri coloniarum. | 173 


Reiches blieben... Sicilien scheint erst Justinian administrativ 
von Italien getrennt zu haben. Seit der Mitte des fünften 
Jahrhunderts gehorehten a also dem Vicarius von Rom folgende 
Provinzen : 

Picenuni urbicarium. 

Valeria. . 

Tuscia urbicaria. 

Umbria. 

Campania. 

- Samnium. . 

Lucania. 

Bruttii. 

Apulia. 

Calabria. 

Sicilia. . . - 
Das heisst genau diejenigen, welche in der Epitome ver- 
sichnet sind. So erklärt sich auch, warum Picenum die 
Ueberschrift ‚trägt pars Piceni 225, 3 und ebenso im Ein- 
gang von Tuscien die pars Tusciae 211, 24- genannt wird*?); 
ferner wesshalb in Picenum alle Städte nördlich von Sinigaglia, 
in Tuscien alle nördlich vom Arnus gelegene fehlen. Wenn 
die zweite Recension in Picenum eine Anzahl zwischen 
Sinigaglia und Rimini belegener Städte: Sentinum Ostra 
Fanum Pisaurum nennt, so kann dies nur als ein weiterer 
Beweis für die Unzuverlässigkeit dieser Redaction angesehen 
werden. . Eine wirkliche Ausnahme .macht in Tuscien Luna 
223, 14— 17; allein da derselbe Artikel auch der geographi- 
schen Ordnung und der-sonst in Tuscien befolgten Aus- 
drucksweise widerstreitet (oben S. 160), wird man darin einen 
Zusatz oder auch em Redactionsversehen anzunehmen haben. 
— Hiedurch bestimmt sich ungefähr Entstehungszeit und 

29) Vgl. pare Tusciae 225, 9 und pars. Tusciae Florentiae Mago 349, 14. 


174 MOMMSEN 


Entstehungsort der Epitome.- Sie kann nicht lange vor der 
Mitte des fünften Jahrhunderts abgefasst sein, und nicht nach 
der Aufhebung der Unterscheidung zwischen den italischen 
und urbicarischen Provinzen. Gewiss ist sie also äker "als 
der Einfall der Langobarden in Italien (568), wie übrigens 
fast schon das Alter des Arcer. selbst anzeigt; wahrschein- 
lich aber auch älter als die Verfassung Thheodorichs >). Dass 
sie vor Justinian geschrieben ist, beweist überdiess die Auf- 
nahme Siciliens unter die urbicarischen Provmzen. Die 
Epitome wird also um 450 abgefasst sem: Der Titel war 
vielleicht liber regionum urbicariarum; wenn nämlich die 
Angabe ex libro regionum 229, 12 nicht eine willkürlich vom 
Schreiber gewählte Bezeichnung ist Von einem ähnlichen 
Auszug für Norditalien findet sich keine Sper.- 

Die Redaction des vorliegenden Städteverzeichnisses und 
man darf hinzusetzen des gesammten gromatischen Corpus 
geschah natürlich im practischen Interesse von den Männern 
des Fachs; es wird. nothwendig sein auf das Fach und die 
Stellung der Fachmünner in dieser spätesten Zeit einen Blick 
zu werfen. Ursprünglich war. die Gromatik eine freie Pro- 
fession wie die Rechtswissenschaft; angesehene Männer be- 
trieben sie wissenschaftlich und im Grossen, praktisch Sclaven 
und geringe Leute °‘); ‚später wurden alle diese Beschäfti- 
gungen. privilegirten Corporationen zugewiesen. Die Mensoren 
studirten förmlich ihre Kunst.und es war den nicht-studirten 
Feldmessern die praktische Ausübung des Gewerbes ebense 
uniersagt wie den unstudirten Juristen (273; 10 fg.); die förm- 
lich absolvirten (professi) nannten sich mit einem der juristi- 

30) Hierüber im zweiten Abschnitt, 
* 41) Das beweisen zahlreiche - Inschriften, namentlich sind  Municipalsclaven 
nicht selten mensores (z. B. I. N. 929). Kaiserliche mensores der Art 


Orell. 4031. 4570. Vornehme Leute nennen sich auf den Inschriften 
s0 wenig sensores wie idur(speritiy beides war eine Kunde, kein Amt. 





die iri oloniarum. 175 


schen Kunstspracke entlehnten Ausdruck aucderes (307, 1 u.s. f.). 
Thiig waren sie in doppelter Richtung: in militärischer Hin- 
sicht, we sie das Lager absteckten und die Zeltplätze aus- 
wiesen °®). oder, wenn man in Ortschaften lagerte, die Quar- 
tiere vertheilten °®); im bürgerlichen Leben, wie bekannt, als 
Feldmesser. Dies erklärt, wesshalb in unserem Corpus Schrif- 
lm über civile und militärische Feldmesskunst vereinigt sind, 
Sie gehörten zu dem Personal der kaiserlichen Verwaltung 
und bildeten eim eigenes Bureau unter dem primicerius men- 
rum“ und in ‚zweiter Instanz dem magister officiorum *"), 
dessen Beamte: kaiserliche Bestallung empfingen **); die Kar 
ser nennen sie daher smemseres nostri ") und sie selbst sich 
togati Augustorum **) — togati insofern als sie zum Civil-, 
licht zum Militärpersonal zählen ®). Der Rangstufe nach 
besitzen die vornehmeren Mensoren den Perfectissimat (307, 


32) Veget. IL, 7, wo sie von den meistores, den Fourieren unterschieden 
werden. Lydus de mag. IV, 45 nennt in der Legion unroogss aQ0- 
pftp«, und untoropes yopouérQet; wo jene die Getreidemesser, 
diese die Feuriere sind.: Häufig aber heissen such die Civilfeldmesper 
melatores. Vgl. Amm. XIX, 11, 8. 

33) €. Th. VII, 8, 4 (= C. Iust. XII, 41, 1). 5. 10. 

34) €. Mm. Vi. 34, 1. 

.35) Net. diga: or. c. 10 und dazu Böcking p. 236. €. TÀ. V1, 94, 1 
(zz C. Iust. XII, 88, 1). VII, 8, 4. 

36) C. Iust. XII, 60, 10. . 

37).C, Th. YIL 8, A — . | . 

38) Latinus und Mysrontius 309, 1. 347, 2. 

39) Togati bezeichnet gewöhnlich zwar die Advocaten, die zur Praxis bei 
einem bestimmten Buresa berechtigt sind, aber der Ausdruck reicht 
weiter und umfasst die sämmtlichen einem Bureau angéhórigen angesche- 
neren Personen vom Civilstande, wie besonders deutlich erhellt aus 
C. Th. VI, 2,21, wo zu den togati praetorianae (vergl. den togatus 
N[ustriseimi] pf raefetti] plrastorio] bei Marini papiri p. 258) atque 
Wwrbicariae praefecturae such die natarü, silentiar, decuriones, 
wgenles in rebus gerechnet werden, und aus €. TA. VI, 8, 10, wo 
das ganze Gefolge des Administrator bezeichnet wird durch togatus, 
apparitor, milituns d. 6. Givllisten, Diener. md Militärs. 


176 MOMMSEN 


1. 21. 309, 1. 310, 2), wie die archiatri und die primicerii 
.scriniorum, mit denen sie auch sonst ‚zusammengestellt wer- 
den *; nur durch plump gefälschte Verordnungen legen sie 
selbst den studirenden .Mensoren den Clarissimat, den studir- 
ten gar die Spectabilität bei (273, 13). Aus diesem kaiser- 
lichen Bureau wurden den höheren Reichsbeamten nach Er- 
messen Mensores überwiesen, so namentlich den praefecti 
praetorio als Quartiermacher und zu anderen Zwecken **). — 
Ohne Frage waren auch dem Bureau :des Viearius der Stadt 
eine Anzahl dieser kaiserlichen Mensoren beigegeben und von 
diesen rührt unsere Sammlung her. Natürlich nahmen diese 
Mensoren die Dióeese ‘des Vicarius von Italien, in welcher 
sie nicht zu judiciren berufen waren, hieht mit auf in das 
Städteverzeichniss. - 

10. Das Werk, welches im fünften Jahrhundert im 
Bureau des römischen Vicarius epitomirt ward, war nach 
der Meinung des Schreibers der arcetianischen Handschrift 
oder vielmehr eines seiner Vorgünger abgefasst oder doch 
angelegt von einem Feldmesser Balbus unter Kaiser Augustus. 
Incipit liber Augusti et Neronis Caesaris lautet die Ueber- 
schrift; in der Unterschrift werden genannt die libri Augusti 
et. Neronis Caesarum, sed et Balbi mensoris, qui temporibus 
Augusti omnium provinciarum et formas civitatium et men- 
suras compertas in commentariis contulit et legem agrariam 
per diversitates provinciarum distinzit et declaravit. Die men- 
surae gehen hier auf die später zu erwühnenden mensurae 
— limitum et terminorum; die lex agraria ist offenbar die les 


40) C. TA. VI, 34, 1. Ueber den Perfectissimat s. Gothofredus im Paratitlon 

- zum C. Th. VL 37. — Der. Mensor avancirt von der höchsten Stelle 
in seinem Bureau zu der niedrigsten in. dem der agentes in rebut: 
C. TA. 8.2.0. 

41) Nov. Valent. LI. tit. 21 $ 4. C. TA. VII, 8, 10. 


Pd 


die ltbri colontarum. 17Y 


agris limitandis metiundis partis Tusciae prius (vielleicht 
prövinciae nach Lachmann) ef Campaniae et Apuliae et 
variae regiones vel loca territoria (211, 24); die formaé 
civitatium bezeichnen den Stüdtekatalog. Diese Notiz im 
Arcer. war Quelle nicht bloss für den falschen Boethius 
(402, 7 vgl. 403, 28), sondern schon für Cassiodor var. 3, 52: 
Augusti temporibus orbis Romanus agris divisus censugue 
descriptus est ut possessio sua nulli haberetur incerta, quam 
pro tributorum susceperat quantitate solvenda. -Hoc auctor 
grumaticus **) redegit ad dogma conscriptum, quetenue 
studiosus legendo possit agnoscere quod deberet oculis ab- 
solute monstrare. Deutlich ist hier: bezeichnet die schrift- 
liche Redaction der von Augustus vorgenommenen Ver- 
messungen, also genau dasjenige was der Schreiber des 
Arcer. in dem -Städteverzeichniss zu erkennen meinte — 
Unverkennbar sind in diesem Bericht zwei verschiedene 
Hemente ungeschickt combinirt: der allgemeine Reichscensus 
unter Augustus, von dem Lukas erzählt, und die von Balbus _ 
herrührenden Verzeichnisse des ager divisus adsignatus, 
welche deın späten christlichen Schreiber sehr-natürlich als 
das Ergebniss der augusteischen Vermessung erschienen, wie 
er denn selbst anderswo (242, 14; vgl. Latin. 348, 4) sagt: 
Augustus omnem terram suis temporibus fecit permensurari 
ac veteranis adsignari. Hieraus folgt also erstlich, dass die 
Nachricht über den Heichscensus bei Cassiodorus mit Un- 
recht angesehen worden ist als von Lukas unabhängig und 
dessen Meldung bestätigend, dieselbe vielmehr mittelbar aus 
Lukas geflossen ist; zweitens, dass weder die Abfassung des 


42) kyrummelicus oder yrometricus ist die überlieferte Lesart (Blume rhein. 
Mus. f. J. VII, 235), dass grumaticus (oder grumelicus ?) zu schreiben 
sei, sah- Salmasius exerc. Plin. p, 673. Die Emendation Hyginus yro- 
malicus ist zu verwerfen. 


Römische Feldmesser Il. 12 


178 — AOMNSEN 


Btädteverzeiehnisses noch Balbus selbe} unter Augumlus ge- 
setzt. warden darf. Dagegen wird durch die eingemengien 
Jretlhümer des christlichen Abschreikers die Zuverlässigkeit 
der Angabe nicht aufgehoben, dass unsere Slädteverzeich- 
nisse hérrübren von Balbus, det die Grundrisse der Städte 
schriftlich redigirt hat. Dieselbe erhält endlich eme erwünschte 
Bestäligumg dadurch, dass an einer Stelle, die im Original 
des Arcer. wahrscheinlich den Anfang des Verzeichnisses 
zesahle, jetzt aber m der Mitte 225, 44 steht, in den Hand- 
eehiikten aller Familien die Ueberschrift. vorkommt eg Libro 
Belb4, — Prüfen wir die Zeitangaben, welche die Schrift 
selbst enthält, so kommen die julischan Kajser. hüufig vor; 
Vespasian wird sechsmal genannt 211, 8. 13. 230, 19. 234, 
1.92. 236,3. 7; Titus einmal 235, 18; Domitian gar nicht; 
Nerva einmal 239, 12; Traianus dreimal 223, 3. 234, 22. 236,7; 
Hadrian fünfmal: .222, 1. 231, 1. 234, 22, 235, 7. 236, 7°); 
endlich M. Aurelius und Commodus **) 236, 9, woraus 229, 2 
entlehat scheipt (oben S.167). Danach würde also die Schrift 
des Balbus etwa bis in die Zeit von M. Aurelius und Commodus 
(177—180) gereicht haben. — Eine Art Nachtrag, der sich 
augh der Zeit nach ungefähr anschliesst, bilden die Excerpte 
ana dem Grundrissen (forma, mappa, scarifus) von Capua 
(kehit), Sora, Asculum Picenum, Alba, Ardea, van.denen der 
zweite, dritte. und vierte in den Jahren 126 *5).. 141. 149, .der 


. 43) Für iege delia 224, 6 ist wohl. Iulia zu lesen,.da Hispellum julische 
Kolonie war, s. die Figur 152 und Orell. 3885. 

AA) inppp. Severus Antoninus et Commodus hat die Handschrift; die Aende- 
rung. Verus hilft nicht, da L. Verus — abgesehen davon, dabs er nicht 
wohl voranstehen kann — ‚schon 169 starb, Commodus hber erst 177 

Imperator und Augustus wurde. Es muss wohl inpp. M. Antoninus 
et Commodus heissen. Uebrigens ist dieser Fehler wahrscheinlich von 
den Epitomatoren, nicht den Ábschreibern verschuldet. 

45) In: der Corruptel Marco Antonto triumviros et Ambibalo verbergen sich 

‘die Consuln dieses Jahres M. Anntus Verus III Eggius Ambibulus; 
nicht die von Lachmann vermutheten des J. 720 .n. Chr. 


die Ubri coloniarum. 179 
fünfte unter Antoninus Pius (138—161) aufgenommen worden 
sind. — Geordnet war die Sammlung des Balbus ohne 
Zweifel nach den Regionen, nach denen auch das im kaiser- 
liehen Archiv befindliche Register über die Vergabungen der 
Subsiciva (liber beneficiorum 202, 5. 203, 1. 295, 13) geführt 
ward). Um so leichter war es dem Epitomator gemacht 
das Buch nach der zu seiner Zeit statthabenden Provinzial- 
äntheilung umzuschreiben. Dass Balbus Schrift ganz Italien 
umfasst hat, lässt sich nicht bezweifeln; dass sie sich auch 
auf den ager divisus et adsignatws in den Provinzen er- 
streckte, lüsst sich aus der Erwähnung der omnes provinciae 
in der Schlussschrift nicht mit Sicherheit schliessen. Welche 
- Ordnung innerhalb der einzelnen Abschnitte zu Grunde ge- 
legt ward, können wir nicht erniitteln; schwerlich die alpha- 
beiische wie in dem augusteischen Städteverzeichniss bei 
Plinius, da ein spáterer Bearbeiter diese wohl nicht aufgelöst, 
wh weniger Fehler hineingebracht haben würde, wie sie ih 
21, " S. 186 nachgewiesen sind. 

-Die Schlussschrift des Städteverzeichnisses heisst 
| knselben anfügen die aus denselben Quellen entlehnten 
mensurae limitum et terminorum. Dawit kann wohl nur 
gemeint sein die Beschreibung der wichtigsten Gattungen 
der termini, der gracchanischen und so weiter bis auf Trajan, 
welche mit der smnlosen Ueberschrift ratio limitiae (oder 
militiae) adsiznationis prima 242, 7 — 243,17 (daraus zum 
Theil bei Latinus 348, 1 —15) steht. Diese stimmen nicht 
bloss der Zeit nach zu dem Städteverzeichniss, sondern es 
ist auch der Abschnitt über die augusteischen Termini aus 

46) Vgl. regio Campaniae 221, 14. Picenum 226, 5. — Aurelia 221, 15 
ist wohl die Strasse, ebenso Flaminia 226, 5, denn Terni liegt an der 
Aaminischen Strasse, aber nicht im der flamimschen Region, sondem 


in ‚Umbrien. . Vgl. indess Treyis civitatem Flaminiaq sache). 
Iuv. XII, 13. . 
12* 


180 MOMMSEN 


dem dort mitgetheilten Contract der Triumvirn 212, 7 aus- 
gezogen, wührend anderes, namentlich die Beschreibung der 
gracchischen Limites aus ähnlichen für uns verlorenen Quellen 
geschöpft scheint. Mit Recht hat also Lachmann darin einen 
Anhang zu dem Städteverzeichniss erkannt; wobei es dahin- 
gestellt bleibt, ob der Verfasser oder der Epitemator einen 
solchen zu geben für gut fand. Die Interpolationen sind 
denen des Stüdteverzeichnisses im Arcer. gleichartig; es ge- 
hören dahin die Angaben über den Reichscensus 242, 12—15 
hac ratione — adsignari, die Einschaltung der Naturgrenzen 
243, 11—13 nam et — pd. CCoo und am Schluss 14— 17 
aliis — constituta. 0. 

12. Die Untersuchung über die expositio des Balbus und 
die über die sogenannten Jibri coloniurum sind bisher getrennt 
geführt worden; vergleichen wir jetzt die Resultate, so zeigt 
sich eine auffallende Verwandischaft. Jene führt den Titel 
expositio et ratio omnium fatmarum; diese sind der ÜUnter- 
schrift zufolge geschöpft aus der schriftlichen Verzeichnung 
(commentarii) der formae civitatium. Jene verspricht ein 
Register der in die öffentlichen Grundrisse eingetragenen agri 
divisi et adsignati; diese besteht aus solchen Registern. 
Jene verspricht ; vieles gleichsam auf einzelne Blätter Ge- 
schriebene und Zerstreute zu sammeln, um es in ein wissen- 
schaftliches System zu verarbeiten“ (93, 10); diese ist zu- 
sammengestellt aus den einzelnen Tafeln und Erdbüchern 
des kaiserlichen Archivs. Jene schreiben die Handschriften 
dem Balbus zu; diese bezeichnen sie als Excerpte aus Bal- 
bus. Zwar stimmt die Zeit nicht genau; denn die expositio 
ist spätestens 117 geschrieben, wogegen die Städteverzeich- 
nisse noch Daten bis gegen 180 enthalten. Allein dass die 
letzteren eine Zeitlang von späteren Mensoren fortgeführt 
worden sind, ist nicht bloss an sich wahrscheinlich, sondern 


die Hbri colontarum. 181 


es finden sich in der That noch in unseren Quellen einzeln 
stehend solche Nachträge aus den Jahren 126 — 149, die in 
die Register nicht aufgenommen sind. Es ist sehr glaublich, 
dass andere Nachträge gleich in den Text eingeschaltet wur- 
den, wie denn wirklich die zweite Redaction auch jene in 
die Verzeichnisse eingerückt hat. Man wird daher die es- 
positio ansehen dürfen als die Einleitung des Werkes, dessen 
Trümmer in den sogenannten libri- coloniarum vor uns liegen. 

— I3. Ist der Versuch die Entstehung und die Schicksale 
der uns vorliegenden Ueberreste gromatischer Stüdteverzeich- 
nisse aufzuklären nicht misslurigen, 80 wird damit auch die 
methodische Benutzung der einzelnen Angaben wesentlich 
gefördert sein. Besässen wir das ganze Werk des Balbus in 
derselben Reinheit wie die Einleitung, so würde es natürlich 
m gromatischer wie in historischer Hinsicht eine klassische 
Autorität sein; die wenigen Abschnitte, die unverstümmelt 
ehalten sind, namentlich der Contract der Triumvirn über 
Auftheilung und Vermessung der von ihnen assignirten Grund- 
slicke 211, 24 gehören zu den werthvollsten und zuverläs- 
 Sigsten Bestandtheilen der gromatischen Sammlung. Aber 
leder sind die Ueberreste, die wir davon besitzen, durch- 
gängig in dem Grade verhunzt und verfälscht, dass die 
Benutzung nur mit der äussersten Vorsicht geschehen kann. 
Die bloss in den jüngeren Handschriften enthaltenen Ab- 
sehnitte sind durch unverschämte und sinnlose Interpolation 
eines in historischer wie in gromalischer Beziehung gleich 
unwissenden Bearbeiters bis zur völligen Unbrauchbarkeit 
entstellt und auf eine Linie zu setzen mit den offenbaren 
Falsa der Sammlung, wie z. B. die Verordnung ist, welche 
Kaiser- Tiberius an die Triumvirn Octavian, Antonius und 
Leyidus erliess (p. 271) oder die naturphilosophisch-moralische 
Predigt der tuskischen Nymphe und Schriftstellerin Begoe 


182 | MOMNSEN. 


(p. 350) oder des Kaisers Arcadius feldwesserische Studien 
über orientalische Limitation (p. 351) oder die interpolirten 
theodosischen . Novellen, die. von allen am merkwürdigsten 
sind, weil sie offenbar gefälscht wurden um dem Stande der 
Feldmesser praktische Vortheile ‚zu verschaffen. Nur für 
geographische Angaben kann diese Bearbeitung mit einiger 
Zuversicht bemutzt werden. Besserer Art sind allerdings die 
Städteverzeichnisse .des Arcerianus, denen der ächte Balbus 
überall zu Grunde liegt. Von eigentlichen . durchgreifenden 
Fälschungen sieht inan, hier weder ‘den Grund. noch die 
Spuren; die Zusätze sind denen, welghe Lachmann in Frontin 
nachgewiesen hat, einigermassen ähnlich .und weder schwer 
herauszukenrten noch sehr stótend,. Aber darin unterscheidet 
sich dieses Stück wesentlich von’ den frontinischen Frag- 
menten, dass es ein äusserst’ nachlässig gefertigter Auszug 
aus einem grossen vermuthlich knapp und registerarlig ge- 
arbeiteten eine Menge von Facten und Daten enthaltenden 
Werke is. Was hiebei durch gedankenlose Verkürzung, 
Vertauschung, Verwechselung und überhaupt durch Leicht- 
fertigkeit jeder Art verdorben. werden konnte, darf man den 
Redacteuren unbedenklich zutrauen, und auch auf diesem 
Wege kommt man ziemlich weit. Es.ist glaublich, dass die 
Verderbniss die rein gromatischen Angaben, bei denen die 
Epitomatoren im Allgemeinen weder fehl gehen konnten noch 
tiuschen wollen, weniger betroffen hat als die historischen; 
wie denn auch, so weit unsere geringen Mittel der Controle 
reichen, die Angaben der Verzeichnisse überall sich in gro- 
matischer Beziehung als richtig erweisen"). Nicht dasselbe 
4T) Vergleiche Capua und Benevent 209, 21. 210, 3 mit Frontin 29, 4; 
Siculus 159, 22; Hyginus Grom. 170, 15 — Minturnae 235, 15 mit 
Hyginus Grom. 178, 4 — Suessa 237, 11 mit Frontin 3, 2 vgl. 48, 17 


— Terracina 238, 12 mit Hyg. Grom. 179, 13 — Nola 336, 3 mit 
Sioalub 162, 3. 


die UBrt caloaMarum. 183 


kann von den historischen Angaben gelten. Was kam. in 
den Zeiten Alarichs und Geiserichs darauf an, ób eine italische 
Stadt Colonie war oder nicht, ob. Cäsar sie deducht hatte 
oder Augustus? und in welcher Art musste ein Auszug aus- 
fallen, den Leute von dem Schlag des Verfassers jener Epistel 
des Kaisers Tiberius en die Triumvirn anfertigen? Irrthüwer 
wie „die Triumvirn Claudius Cäsar, M. Antonius, M. Lepidus ^ 
211,23. 213, 4, die „Kaiser Severus, Antoninus, Cemmodus*^ 
(Anm. 44) sind nicht Sehreib-, sandern .Redacüionsíehler. 
Gleichwohl bildet namentlich in den Untersuchungen über 
die italischen Colonien dies Verzeicbniss ven Sigonius bis 
auf die neuesten Zeilen die Grundlage der Darstellung; 
. be aller Apprehension, die man gegen die bedenkliche Ur- 
kunde hegen mochte, ja trotz des naiven Eingeständnisses, 
dass man über ihre Beschaffenheit. und ihren Werth völlig 
im Dunkeln tappe, benutzte man sie im einzelnen Fall ebne 
wles Bedenken. Die vielfach angewandte Beschränkung, 
dass man nur die Städte als Colonien gelten liess, bei denen 
die Epitomatoren das Wort colonia gebraucht haben, zeigt 
nur, dass man mit jedem äusserlichen und scheinbaren Halt 
vorlieb nahm, mochte er an sich auch noch so nichlig sein. 
Schon dass in dem Abschnitt über Tuscien jede Stadt ohne Aus- 
nahme als colonia bezeichnet war, hätte dagegen misstrauisch 
machen sollen. In der That umfassten unsere Verzeich- 
nisse des ager divisus adsignatus zwär zunächst die Colo- 
hien — ager divisus adsignatus est coloniarum — aber.ausser- 
dem eine beträchtliche Anzahl von Municipien, die aus einem 
der S. 154 fg. angeführten oder aus andern uns unbekannten 
Gründen ganz oder zum Theil limitirtes Gebiet hatten *°); 

48) Befremálich bleibt « ifumer, dass in unsern Verzeichnissen eine so sehr 


betrüchtliche Anzahl Gemeinden vorkommt, die nns mur als Municipien 
. bekannt sind. Die S. 154 fg. angeführten Ausnahmefälle gewähren aller- 


184 - MOMMSEN 


wesshalb auch die moderne Ueberschrift liber coloniarum 
nicht gebilligt" werden kann und besser mit liber regionum 
vertäuscht worden wäre. Bei .genauerer Prüfung 'ergiebl 
sich, dass dieser Unterschied zwischen eigentlichen Colonien 
und limitirtem Municipalland nur dem Epitomator eines ein- 
zigen Abschnittes,' des Verzeichnisses der campanischen Städte, 
zum deutlichen Bewusstsein gekommen ist, während der 
Redacteur von Tuscien, wahrscheinlich durch den traditio- 
nellen Waidspruch ager divisus adsignatus est coloniarum 
verleitet, jede in dem Verzeichniss vorkommende Stadt für 
eine Colonie hielt (was von Tarquinii, Volaterrae und mehreren 
anderen erweislich falsch ist) und die übrigen. Excerpenten 
auf den Rechtsgrund der Assignation und deren Verhältniss 
zu der Verfassung der Gemeinde überall wenig oder gar 
keine Rücksicht nahmen. In Campanien unterscheidet man 
noch deutlich eine zwiefache. regelmässig durch die Notiz 
über die Wege getrennte Angabe, indem zuerst in historischer 
Beziehung die Beschaffenheit. der Stadt, ob Colonie und von 


dings einige Hülfe, wie z. B. die Ligures 235, 9 gewiss nur desshalb 
darin vorkommen, weil ein Theil ihres Gebietes beneventanische Prä- 
fectur war (A. 13). Ebenso dürften die Assignationen in den lucanischen 
Municipien Volceii (Vuiceiana, nicht Vulcentana ist, die richtige Lesung 
209, 6) und Potentia auf Präfeeturen benachbarter Colonien um so 
mehr zurückzuführen sein, als 209, 4 auf die prefecture ausdrücklich 
hingedeutet wird. Wenn diese Ausnahmen dennoch im Ganzen zu be- 
schränkt erscheinen, so liegt das vielleicht nur an der Unvollkommen- 
heit der Ueberlieferung oder meiner Darstellung; aber wenigstens die 
Móglichkeit muss angedeufet werden, dass Balbus auch Auszüge aus 
Grundrissen von nicht limitirtem Lande in sein Werk aufnahm. Dass 
diese existirten und, wenn sie auch nicht öffentlichen Glauben hatten, 
doch als wichtige Beweisdocumente galten, lässt sich nicht bezweifeln; 
warum hätte Balbus, was er derartiges in den Archiven fand, unter 
gehöriger Verwarnung aufzunehmen verschmähen sollen? Seine Fort- 
setzer wenigstens waren so ängstlich nicht. Die mappa Albensium 241,13 
war der Grundplan eines niemals.colenisirten Municipalgebiets, von dem 
eine forma publica nicht existiren konnte. 


die iri eolontarum. 185 


wem. deducirt oder nicht, ob ummmuert, alsdann in gromali- 
scher-wem und wie assignirt sei, beriehtet wird *^). Das- 
jenige Wort, womit der Epitomator die Colonialqualitüt be- 
teichnet, ist nicht sowohl colonia (welches er zwar nur von 
in seinem Sinn wirklichen Colonien, aber daneben oppidum 
s) wohl von Colonien als von Municipien braucht) als deducere?) 
oder seltener munire *'); wogegen ager adsignatus oder 
censitus **) die allgemeinen Bezeichnungen sowohl für Colo- 
mal- als für.limitirtes Municipalland .sind *?). Man wird dem- 
nach- im Sinne des Redacteurs als Colonien alle die cam- 
panischen Städte betrachten dürfen, denen celonia deducta 


49) Eine Spur dieser doppelten Angabe findet sich auch im Tuscien 213, 6: 
" colonia Florentina deducta a 1lJ viris, adsignata lege lulia. In Bal- 
bus Verzeichniss war also beides sorgfältig geschieden. 

50) colonia deducta ist die gewöhnliche Phrase, aber es steht auch wohl 
das Zeitwort gllein 229, 19. 237, 11 (wogegen das, Hauptwort allein 
in. Campanien nicht vorkommt) und nicht selten findet sich sogar das 
incorrecte oppidum deductum bei Bovianum 231, 8; Casinum 232, 17; 
Capitulum 232, 20; Formiae 234, 11; Suessula 237, 5; Velitrae 238, 19; 
Ulubrae 239, 1; Venafrum 239, 7. —- Uebrigens war die Bedeutung 
von deducere dem Redacteur so wenig bekannt, dass er deducere und 
deduci verwechselte: milites deduxerunt sine colonis 231, 8 ; milites 
legionarii deduxerunt 232, 17; miles deducit sine colonis 236, 18; 
a militibus et IJI viris munita 237, 20. Vgl. 234, 11. 239, 7: II viri 
sine colonis deduxerunt. Vielleicht täuschte der Ausdruck populus 
deduxit. 

51) colonia munita 237; 20. 23. — oppidum munitum 230, 10. 233, 3.10. 
234, 15. 18. Ein paarmal steht mero ducta daneben, so dass munita 
davon verschieden sein muss; ob circumducta, was nur 231, 11 vor- 
kommt, mit munita oder muro ducia gleichbedeutend ist, weiss ich 
nicht zu entscheiden. ’ 

52) Vgl. 211, 6. 215, 3. 231, 1. 232, 9. 234, 1. 16. 238, 21. Die ganz 
verwerfliche Wendung colonia adsignata oder censita findet sich nur 
in Tuscien 213, 6. 215, 3. 216, 3. 217, 5. 219, 1' vgl. 228, 18 und 
erklärt sich daraus; dass hier colonia missbräuchlich für ager gesetzt ist. 

93) Giovenazzi (della città di Aveia Rom. 1773 p. 73 fg.), der mit an 
erkennenswerther Sorgfalt die gromatischen Quellen benutzt hat, hat 
dies verkannt und bezieht jede Assignation auf Colonialland. 


186 NOMMSEN 


(munita), oppédum deductum (munitum)  beigeschrieben ist; 
auch wo bei eimgen tuscischen der Deduction ausdrücklich 
Erwähnung geschieht (Florentia, Sutrium, Graviscae), ver- 
dienen diese Angaben wenigstens Aufmerksamkeii. Damit 
mt indess ganz und gar .nicht gesagt, dass diese Angaben 
richtig sind; vielmehr treffen wir darunter auf nicht wenige 
offenbare Irrthimer. .So. heisst z.B. Alairium ausdrücklich 
Colonie, Abella ausdrücklich Municipium, während vollkom- 
men feststeht,‘ dass Alatrium nie colonisirt worden ist und 
Abella mimdestens seit Augustus (Colonie war. Es ist die 
Aufgabe der Specialforschung, werm sie den bisher gar nicht 
oder schlecht behandelten Mititärcolonien einmal die gebüh- 
rende Aufinerksamheit zuwenden wwd, den Werth einer 
jeden einzelnen Angabe zu prüfen; doch mag es nicht über- 
flüssig sein an einigen Beispielen. die vorsichtige Benutzung 
dieser trüben Quelle praetisch einzuschärfen. — Die Städte 
Casentium und Calagna 23], 14—18 kennt Niemand; offenbar 
sind sie nichts als eine Wiederholung der Artikel 4aetium‘') 
und Anagnia 230, 13—17, denen sie fast wörtlich entsprechen 
und die der Redacteur vielleicht , da er sie mit C. (civitas 
:oder colonia) davor geschrieben fand, aus Nachlässigkeit 
doppelt unter 4 und € eintrug. — Die Angabe 232, 4, dass 
Sulla ob hosticam pugnam der Colonie Capua, das Gebiet 
von Calatia assigmrt habe, ist augenscheinlieh verkehrt, da . 
Capua erst von Cäsar colonisirt ward. Aber assignirt hat . 
‚der Dictator allerdings i in dieser Gegend ob hosticam pugnam, 
nämlich nach seinem Siege am Berg Tifata ‘wies er der 
.Diana Tifatina ‚Ländereien als Weihgeschenk an (Vell. Pa- 
terc. I], 25. I. N. 3575), welche Gahe nach der Stiftung der . 
Colonie gewissermassen als ein Theil des capuanischen Ge- 


54) Auch dies ist ganz unbekennt. Ametind, 1A ]metin [um] kommen vor 
bei 'Kellermann eig. 98. 


die Urt coloniarum. 187 


meinlandes gelten musste; so dass der Fehler mehr im Aus- 
druck liegt als in der Sache. — Caudium soll nach 232, 7 
mit seinem Gebiet vom Kaiser Augustus unter Benevent ge- 
legt sein. Das ist falsch, da mehrere Inschriften, ». B. I. N. 
1867, das Fortbestelien ‚der Commune bis in die Kaiserzeit 
bezeugen; aber aus Orelli 907 = I. N. 1411 erhellt, dass 
zwar nicht die Stadt, aber wohl ihr ganzes Gebiet zu Benevent 
geschlagen ward und die Stadt also eine von denen war, die 
nur innerhalb: der Stadtmauern Jurisdiction hatten (Siculus 
164, 13). —. Saepinum heisst 237, 14 oppidum muro ductum; 
colonia ab imp. Nerone Claudio est deducta. Zahlreiche 
Inschriften lehren, dass Saepinum wenigstens.noch unter Pius 
Municipium war (1. N. 4918. 4929. 4934. 4943. 4990) und 
Quattuorvirn ihm vorstanden (I. N. 4939. 4940); dagegen 
wissen wir, dass TY. Claudius Ti. f. Nero und Nero Clau- 
dius Ti. f. Drusus, d. h. der nachherige Kaiser Tiberius und 
lessen Bruder Mauern, Thore und Thürme der Stadt auf 
führen liessen (1. N. 4922). Hienach schémt eine doppelte 
Verwechselung dem Epitomator zur Last zu fallen: des 
Mauerbaus und der Stiftung der Colonie einerseits, andrer- 
seits des älteren Nero Claudius : Drusus und des Kaisers 
Nero Claudius. — Teanum Sidicinum heisst 238, 6 colonia 
deducta a Caesare Augusto. Die Inschriften der colonia 
Claudia Firma Teanum (l. N. n. 3989. 3999) beweisen, dass 
Claudius diese Colonie ausführte; und dass dies nicht etwa 
eine zweite Deduction war, zeigen die Inschriften der früheren 
Kaiserzeit, welche Quattuorvirn nennen (l.N. 3996? 3997), 
wofür später Duumvirn eintreten (I. N. 3984. 3985. 3998). 
Balbus schrieb also a Claudio Caesare Augusto und der 
Epitemator liess das erste Wort unverständig weg. Dass 
imp. davon fehlt, ebenso wie an den beiden andern Stellen 


wo Claudius vorkommt (232, 10. 238, 20), zeigt dagegen 


188 . MOMMSEN 


wieder die gute Quelle, denn Claudius bediente sich dieses 
Prüdicats vor dem Namen nie. Ebenso heisst Caligula 235, 12. 
242, 15 richtig Gaius Caesar, einmal auch Tiberius richtig 
bloss Tiberius Caesar 218, 9, wogegen zweimal 220, 2. 224,2 
verkehrt imp. vorgesetzt ist und ebenso irrig zweimal 231, 19. 
239, 4 vor den Namen des Dictators Cäsar, der nur 242,11 
correct divus lulius. genannt wird. So steht in dieser Ur- 
kunde Gutes und Schlechtes, die Kunde des. zweiten und 
die Unkunde des sechsten Jahrhunderts neben und durch 
einander und das bedauerliche Resultat unserer Untersuchung 
ist, dass keine anderweitig nicht unterstützte historische -An- 
gabe derselben als unbedingt zuverlissig gelten darf *5). 


- . , . 4 


II. 


14. Wenn ich der vorstehenden Untersuchung einige 
Bemerkungen über die Districtseintbeilung Italiens‘ anfüge, 
so bestimmt mich ein besonderer und ein allgemeiner Grund 


$5) Obgleich es nicht eigentlich im Kreise dieser Untersuchung liegt, und 
überdies jedem, der die Sache im Zusammenhange erwägt, leicht ein- 
“leuchten wird, mag:es doch nützlich sein daran zu erinnern, dass die 
„Angaben über den Rechtsgrund der Assignation und die der gewählten 
limites wesentlich verschieden sind. Jene, welche für den Boden das- 
selbe ist was die Verleihung der Civität für die Person, hat stets ihren 
Grund in dem Entschluss des durch allgemeine oder specielle Ermäch- 
tigung von der Nation dazu befugten auctor; assignirt wird ab iilo, 
iussu illius, lege illius uud die Acte darüber ist coloniae municipüve 
* . privilegium (Frontin 19; 4; vgl. 234, 21), wohl zu unterscheiden von 
. “der allgemeimen lez colonica- (Frontin 24, 6), dem (wenn auch nar 
durch wissenschaftliche Abstraction gewonnenen) Complex der für alle 
Colonien gültigen Rechtssátze (vgl. Savigny verm. Schriften III, 355) 

und andrerseits noch viel bestimmter von der lex agris iimitandis 
meliundis, einer blossen lex privata, einem Contracte. Welcher Art 

der Grenzbezeichnung (mites; auch fermini, mensura, centuriae) sich 

der Assignirende bedient, ist eine untergeordnete Frage; gewöhnlich 

einer ihm eigenthümlichen und von ihm benannten, jedoch: nicht selten 


4 
* 


189 
dieselben gerade in dieser. Verbindung mitzotheilen. Einmal 
ist nämlich die Untersuchung über die libri coloniarum zum 
Theil gebaut auf die Resultate einer anderen über die sub- 
urbicarischen und italischen. Regionen (oben S. 172); andern: 
theils aber — und es ist dies in der That der: Hauptgrund 
— ist es für die richtige Beurtheilung des liber regíonum 
in seiner ursprünglichen wie in seiner epitomirten und inter- 
polirten Gestalt vom wesentlichsten Nutzen die Districtsein- 
theilung Italiens vom zweiten Jahrhundert an gegenwärtig 
zu haben, über welche die bisherigen Untersuchungen keines: 
wegs genügen. j 

15. Italiens Befreiung von der Grundsteuer und der 
Rekrutirung machten es möglich, dass die städtischen Beamte 
Roms und der Municipien im.Ganzen ausreichten für das 
Verwaltungs- und Gerichtswesen und das Bedürfniss von 
Mitteldistricten und Instanzen sich nicht fühlbar machte. 
Augustus Eintheilung Italiens in .eilf Regionen scheint zu- 
nächst gar nicht für unmitlelbar praktische Zwecke gemacht 


die Hàri edfonterum. 


auch der von einem der früheren Auctoren aufgebrachten Weise. So 
assignirte Augustus  Hmitibus Gracchanis (209, 16. 215, 4) oder 
lulianis (236, 1. d. h. nach der von den Triumvirn bellebten Weise); 
so Claudius ihnitibus Augusteis (238, 20), Nero centuriis. Augusteis 
(237, 16); wesshalb es auch keineswegs pleonastisch ist, wenn der 
Gromatiker berichtet, dass Augustus das Gebiet von Cales limitibus 
nominis swi renormirte (232, 15) oder dass eine lege Sullana gestiftete 
Gemeinde limitibus Sullanis vermessen ward (237, 6; vgl. 237, 17. 
238, 6). Ebenso rühren die capuanischen limites Gracchant 209, 21 
ohne Zweifel von Julius Cäsar her; und hiedurch lernen wir verstehen, 
.waram 242, 1l ihm und seinem Neffen den graechischen gleiche 
Termini beigelegt werden. Aus der Angabe der Limites lässt sich also 
nicht direct auf den Urheber der Assignatión schliessen, was dennoch 
vielfach geschehen ist. Man darf nur daraus folgern, dass die frag- 
liche Colonie nicht älter ist als die betreffenden Limites aufkamen; wess- 
halb. der Bericht über Aesernia, dass 6s lege Iulia (d.h. von den 
Triumvirn) gegründet und ihnifibue Augusteis assignirt sei (233, 14), 
einen inneren Widerspruch: enthält. 


400 c MWSONMSEN (C 


zu sein, sondem mehr zur sialistischen Uebersicht gedient 
zu haben; wie denn z. B. die aus den Censuslislen gezogenen 
Uebersichten nach diesen Regionen zusammengestellt, wur- 
den °°).. Nur im emzelnen Beziehungen bedurfte man be- 
Bümunter geschlassener Verwaltungsbezirke’’), namentlich 
für die ‚von Augustus eingeführte Erbschaftssteuer, welcher 
auch Italien unterlag; dafür müssen schon von Augustus 
Steuerbesirke gebildet worden sem, obwohl sie sich erst 
seit dem zweiten Jahrhundert bestimmt nachweisen lasseri^?) 
Im Uebrigen kommen bis auf Trajan einschliesslich italische 
Districtsbeamte nicht vor, mit einer einzigen: merk würdigen 
Ausnahme: ich meine den leg(atus) Aug(usti) p(ro) p(rae- 
iore) region. Transpadanae, C. Julius Proculus unter Tra- 
jan °°).. Nur ist es zwar ausgemacht, dass die Transpadaner 
im J. 705 das römische Bürgerrecht und römische Munieipal- 


56) Plinius à. n. 7, 49, 164. Dass der- Census nach Regionen abgehalten 
ward, folgt daraus keineswegs und ist nicht wahrscheinlich. — 
7) Dalio gehört die Domänenverwaltung eigentlich nicht; in dieser Be 
ziehung scheinen früh Districte in Italien gemacht zu sein. Vgl. wegen 
der calabrischen Domänen oben S&. 153 A. 11; ferner dem proc. sía- 
t(ionds) priv(atae) per Flaminiam ei Picenum (Bull. delP. Inst. 1848 
p. 153), womit der proc. privatae regionis Ariminensium -(Kellermann 
vig. a. 30a) zusarmmenfällt; den procurator Formie Fundis Caielae 
(Orell. 2951) und dem procurator pror. Mauretaniae et tractus 
Campaniae (1. N. 4083), die als kaiserliche Freigelassene nicht mit 
den Provinzialprocuratoren aus dem Ritterstand verwechselt werden 
dürfen; den procurator viae Ost. et Campaniae (I. N. 2627); den 
proc. pripatae per Salariam .. . Tiburtinam Valeriam Tusciam, auch 
proc. per -.... Flaminiam Umbriam Picenum (Maff. M. V. 462, 2). 
58) proc, XX her. reg, Camp. Apul. Culabr. (Orell. 3835) unter Pius, 
Caracalla oder Elagabalus; [proc.] XX her. Umbriae Tusciae Piceni 
.... à& Campanise (Grul. 411, 1) unter Commodus. Die Bezirke 
-scheinen nicht eia- für allemal, sondern willkürlich bei jeder Ernennung 
abgegrenzt zu sein. 
59) Orell. 2273, Marini iscr. Alb. p. 5%. "Der (rib. snilif. leg. transpad. 
(Reines. VI, 123), den Marini wergleicht, stasamt aus einer legorischen 
Quelle und ist nach Don. V,21& se Mur. 704,0 gefälscht. — Eher möchte 





die Mirf'caloatarum. 3191 


verfassyng éxhiellen *); allein ebenso gewiss, Hass wenig- 
Mens bis zum Tode des Statthalters D. Bratus im J. 711 
das Laud Provinz blieb *!)|. Sogar noch bei der Theilung 
der Proviezen unter die. Tyiumwira. im Herbst 711. wurde 
das cisalpinische Gallen mit vertheilt **). . Erst. bei der zweiten 
Thelung nach der Schlacht bei Philippi 712 erhielt das 
Land, angeblich in Gemässheit eines von Cäsar gehegten 
Plans, das „italische Recht“ **), das heisst namentlich Be- 
feung von Grundsteuer und Rekrutenstellung **) so wie vom 
tgelmässiger Einquarlierung. Daher kommt.es, dass die 
fühere Provinz jetzt durchgängig repio genannt wird, selbst 
i der Inschrift .des Proculus. Die Annahme, dass. zugleich 


lr Provinzialvorsteher wegfiel, liegt allerdings sehr nahe; 


die leider defecte Inschrift von’ Constantine (Hefner Abh. der baier. 
Ges. der Wiss. C1.1. Bd. 5. Abth. 2 S. 253) hieher gendren: ..| 

.f. Palat. Statio... |... .no Menmio Má...]. , "Augustali 
ley. pr. pr... .] ... cae leg. leg. XIII. g. M. v. | ...m iuniorum 
adi...|. . gionem Transpad . i . . andidato divi Hadrtan. |... 
tnie X Veirum stitib. | d... be. . 0n. p. p. . 


" Dio 41, 36. Tac. ann. 11, 24.' Cic. orat. 10, 34. 


61) Savigny verm. Schr. III, 317. Doss der Einführung der Municipalver- 
fassung mit Ileiri iure dicundo die Existenz des Provinzialsfatthalters 
keineswegs entgegenstand, beweisen ' schon die zahlreichen Bürger- 
colonien in den Provinzen. 

62) Drumann röm. Gesch. t, S. 363. 

63) Appian 9, 3. 22. Dio 48, 12. Appian nennt es eiamal. „Autonomie“, 
ein andermal „Freibeit“, Dio ausdrücklich zy r7; "Ir«A(mg oóuov. 

64) Ausdrücklich sagt Dio a. a. O., dass die Antenianer trotz deg italischen 
Rechts in Gallia togata Steuern eintriehen und Bekroten aushoben. Die 
Clausel des Vertrags von Teanum, welehe Wenbungen in Italien unter- 
sagte (App. 5, 20), sollte diese Rechtswidrigkeit hindern. — Ueber 
Italiens Freiheit von der Milisürpflicht vergleiche besonders Hlerodian 2, 11; 
nur die Besatzung der Stadt Rom (Tacsíus ame. 4, B,'womit die älteren 
Inschriften stimmen) und .dje coborles Italicorum , voluntariorum 
(Borghesi ann, XI p. 137) bestanden sämmtlieh aus Italikern. Dass 
ltaliker als Freiwillige auch in den Legionen dienen konnten, versteht 
sich von selbst... : sx 


192 MONMSEN 


allein: bei dem Mangel direcler Zeugnisse dafür. und dem 
Widerspruch der eben erwähnten Inschrift wird man es ‚doch 
für eine offene Frage erklären ınüssen, ob das Amt der 
Legaten von Transpadana nach 712 fortbestanden hat oder 
von Trajan vorübergehend erneuert worden ist. : 

16. Hadrian (117—138) war der. erste Kaiser, der eine 
Distriktseintheilung Italiens in Gerichtssprengel einführle. Be- 
kanntlich theille er ganz Italien in vier Jurisdictionsberirke 
und bestellte in jedem einen :Consular als Oberrichter *'); 
eine Einrichtung, ‘die indess bald nach seinem Tode wieder 
abgeschafft ward **. Mareus (161—180) führte die suridiei 
ein "), welche von jenen Consularen sich unterschieden theik 


65) Quattuor. consulares per omnem Haliam iudices constituit ( Spart. 
Hadr. 22), darunter den späteren Kaiser Pius Consul 120 n. Chr. 
welchem der Jurisdictionsbezirk angewiesen ward, in dem er die meisten 

. Güter hatte. Auf Inschriften haben sich dieselben bisher noch nicht 
gefunden. u 

66) App. b. c. I, 38. Ob sie erst durch die Einführung der Juridici ab- 
geschafft wurden oder deren Einsetzung mit der Aufhebung dieser Con- 
sulare in keiner Verbindung stand, wissen wir nicht. 


.67) Datis turidicis ltuliae consuluit ad id exemplum quo Hadrianus 
consulares viros reddere iura praeceperat (Capit. M. Ant. 11). Sie 
kommen schon bei Scávola (4. 41 $. 5 D, de fidei c. lib. 40, 5) vor. 
Die auf Inschriften vorkommenden italischen iuridici (die spanischen 
und ägyptischen kommen hier nicht in Betracht) stelle ich hier — mit 

. dankbarer Benutzung des von Böcking zur not. dign. beigebracbten 
Materials — zusammen, ohne für die Vollständigkeit zu bürgen. 
' (4j. regto Transpadana. s 
L. Fulvius. Gavius. N[umtsius : Petronius] Aemilianus. eleclus 
ab [imp. Severo] Alexandro Aug. ad [iue dicendum] per 
regionem Tra[nspadanam] — 1. N. 3604. 
L. Gebonius Arunculeius Acilius Fab. Severus dwrid. rej. 
Transpad. — Don. V, 214. Mur. 704, 6. 
C. Luxilius C. f. Pompt. Sabinus Egnatius. Proculus iur. reg. 
Transpad. — Oreil. 3143. Aus der Zeit Gordians. 
Simenius Proculus Iulianus iuridicus per Transpadum. — 
Borghesi dich. di una lap. Grut. p. 21. Vor Gallienus. 


die libri coloniarum. :198 


durch den geringeren Rang — den Inschriften zufolge waren sie 
simmtlich praetorii — theils dadurch, dass ihre Competenz 
nicht ganz -Italien umfasste. Bleibende Sprengel hatten sie 
war nach Ausweis der Inschriften nicht, sondern wurden 
bald für diese bald für jene Landschaften nach Umständen 
committirt; indess kommen sie nur vor in den Districten 
trans Padum, emilia, Liguria, Flaminia, Umbria, Picenum, 
Valeria(?), Apulia, Calabria, Lucania, Bruttii. Es kann nicht 
Zufall sein, dass gerade von den wichtigsten Provinzen 
Tuscia und Campania nebst Sammium Juridici nicht vor- 
kommen; bestimmteren Aufschluss gewährt Ulpian (Fat. fr. 
$ 205. 232. 241), welcher in Bezug auf die Jurisdiction unter- 
scheidet ‘die provinciae, die regiones quae sub iuridícis sunt 


2. Aemilia Liguria. 

P. Plotius Homanus iur. per Aem. Lig. — Orell. 3044. 

PE . turidioue per Aemiliam et Liyquriam — I. N. 4237, 
vielleicht. unter M. Aurel; 

3. Flaminia Umbria Picenum. 

M. Aelius Aurelius Theon iuridicus de infinito per Flam. et 
Umbriam Picenum — Orell. 3174. Aus der Zeit von Valerian 
und Gallien: Borghesi lap. Grut. p. 22. mem. dell Inst. 
». 265 nach Orell. 3392.. 

[Q. Mamilius Capitolinus iuriicus per Flaminiam et. Umbriam 
ei Picenum — Mur. 716, 5. Spanische wohl sicher falsche 
Inschrift. Vgl. eine andere falsche Inschrift Reines. VI, 129.] 

Á. Flaminia Umbria. 

C. Sabucius C. f. Quir. Malor Caecilianus turid. per Flamin. 
et Umbriam —  AnnaH dell Inst. XXI p. 227. Unter 
Commodus. . 

P. Aelius Coeranuà iuridicus per Flaminiam et Umbriam — 
Marini Arv. tav. LX p. 779. Der Sohn des von Caracalla 212 
aus dem Exil zurückgerufenen Coeranus. 

C. Cornelius C. f. Quirin. Felix Thrallus (Italus?) iurid. per 
Flam. et Umbr. — Orell. 3177. 

5. Picenum Valeria (?) 

Sex. Pedius Sex. f. Arn. Hirrutus Lucilius Pollio iuridie. 
Pic. et Val. (. .vál . . . die Abschrift) — Bull. del? Inst. 1833 
p. 64, wo Borghesi zi zu vergleichen ist. 


Römische Feldmesser II. 13 


194 . . MOMMSEN 


und die wbiíoa diowcesis, Diese letztere, welche mit dem 
Sprengel des Stadtprüfekten nicht verwechselt wesden darf, 
ist der Amtsbezirk der städtischen Präloren, welche für Rom 
und die nächstangrenzenden Landschaften Tuscien: und Cam- 
panien das sind was die prätorischen Juridici. für Italien. — 
Die Zahl der Juridici ist nicht bekannt; es scheinen etwa 
‚vier oder fünf zugleich fungirt zu haben. — Ihre Competenz 
dürfte im Allgemeinen der der römischen Prätoren analog 
gewesen. sein; wie in Rom seit Claudius. ein eigener Präter 
für Tutelen, seit Marcus ein anderer für Fideicommisse thä- 
üg. wur, finden wir auch die Juridjci vorzugsweise mit 
Fideicommissen und Vormundschaftssachen beschäftigt **). Ob 
dagegen die Prütoren in die eigentliche Rechtspflege. zu. die- 
ser Zeit noch wesentlich eingriffen, ist ungewiss und noch 
weniger lässt sich dies von den Juridici behaupten oder ver- 
neinen. Dass Marc Aurel ihnen eine bestimmte Competenz 
vorgeschrieben hatte und Macrinüs sie im J. 217 wiederum 


6. Picenum Apulta. 

. € Ballius Arislaenelus iurid. per Picenum el’ Apuliam — 
Grut. 465, 5. 6. 

7. Apulia. 

L. Ragonius L. f. Pap. Urinatius Larcius Quintianus iurid. 

per Apuliam — Orell. 2377 =2702. Consul 235. 

8. Apulia Calabria, 

 -M. Caecilius Novalillianus turidic. Apul. et Calabr. — I. N.1420. 


L. Sempronius C ..... L. M. Quir. Celsus ,.... lius Fabianus 
[iu]ridic. ‚per Apu[iam et] Calobria[m] - — Marini Arv. 
p. 180. 


9. Calabria Lucania Brittii. 
9. Herennius Silvius Mazimus iurid. per Calabr. Lucaniam 
Brittios — I. N. 4851. 
10. unbestimmt. 
. Nera... iurid.... — Marini Arv. p. 779. 
Der iuridicus provinciae Campaniae (Orell, 3173 = L N. 538*) er 
weist sich schen dadurch als falsch, dass Campania hier provincia 
heisst, was vor dem vierten Jahrhundert nicht vorkommt. 
68) Scaevola a. a. O. Ulpian a. a. 0. 


die iibri colonlarum. 1905 
in diese alten Schranken surückwies, lernen wir dus Dio **). 
eine ähnliche weitere Cempetenz wie vor dem J. 217 schei- 
nen sie wieder unter Valerian tmd Gallien eingenommen stt 
haben, da umter diesen Kaisem em iurídicus. de infinito vor- 
kommt (S. 193 A.); es ist dies zugleich die späteste Erwäh- 
nung der suridici. 

17. Bald kamen zu anderen Zwecken andete Districts- 
entheilungen Italiens hinzu. Das grossartige Alimentarinstrut 
erheischte hóhere Aufsichtsbeamte, welche es, wie es scheint 
durch Mare Aurel oder Pius, in der Art erhielt, dass man so 
weit es anging den Curatoren der grossen Landstrassen einen 
District für die Aufsicht über die Almmente zuwies, da aber 
wo diese. Strassenpfleger nicht hinkamen oder vu sehr if 
Anspruch genommen worden wären, eigene Procurateren wie 
für die Erbschaftssteuer ’°) anstellte”'). — Aehnliche ausser- 
ordentliche Cómmissionen für emzelne Districte finden sich 


69) Arzerovguoı ob n Irallav diotxoUyreg Enavoavro )nlo rà 
youoseyra Und roU. Mapxov dixatovrec (78, 22). Dass man diese 
Worte dunkel: gefunden hat, iet. sondeshar. 

70) oben S. 190. 

71) Vergleiche vor allem Henzen Ann. del? Inst. XXI, 227. — Wege- 
curatoren, die zugleich über die Alimente zu wachen hatten, sind bis 
jetzt bekannt von der Elodia. et cohaerentes ( Grut. 433, 1); der 
Flaminia (Marini Arv. p. 672. Mem. delP Inst. p. 290); der Aenilia 
(Orell. 3935. Ann. XX1, 228); der Salaria (Ann. XX1, 327). Procuratoren, 
die nur mit den Alimenten zu thun hatten, kennen wir für die Mlaminia 
(1. N. 3610); für die Aemilia (Capitol. Pert. 2); für trans Padum, 
Hisiria, Liburnia (Grut. 402, 4. Maff. 402, 2); fur ' Apulia. Calabria 
EKucenia Bruttii (Grat. 411, 1. Bull. del? Inst, 1848 p. 155). — 
Erwägt man die Beschaffenheit dés italischen Strassennetzes, so wird 
es begredlich, dass man in Unteritalien, we es nur eine grosse von 
einem CurMer verwaltete (Sic. $40, 3) Strasse, die Appis-Traiana 
von Capua mach Brundisiem gab, die Aufsicht (über die Alimente nicht 
dem einen Curstor dieser Strasse anvertrauen konnte. Auch in Nord- 
italien ward dem Vorsteher der. Flaminia und Aemilia viel zugemuthet, 
: wesshalb auch hier mitumtes Procuratoren bestellte, wes dagegen 
i» Mittelitalien nicht nöthig war. 

13* 


196 MONNSEN 

auch sonst; se ein praepositus tractüs. Apuliae! Colabriat 
‚Lsscaniae Bruttiorum, der die Sicherheilspolizei bandhabte "') 
und ein gleichatüger praepositus Umbriae Piceni et Apuliae"). 
Ein ausserordentlieher Commissarius gleicher. Ark scheint det 
ad corrigendum statum Italiae bestellte Beamte 74) für gant 
Italien gewesen zu sein. 

J8. Alle diese Institutionen . und vor allem die wieder- 
holte Ausdehnung der Competenz der Juridici sind Symptome 
des im Laufe des zweiten Jahrhunderts mehr und mehr her- 
vortretenden Bedürfnisses, die Administration und Rechtspflege | 
auch in Italien in die Hände von ständigen Oberbeamien zu 
legen. Auch hier wie in so vielen andereri Beziehungen | 
war .es Aurelian, .der mit strengem Sinn das Nothwendige | 
that und die Vorurtheile und schönen Erinnerungen dem 
unerbittlichen Drang. der Gegenwart unerbittlich opferte;, Er, 
war es, der ganz Italien für Verwaltung und Rechispflege”‘) . 
in Districte theilte und jedem derselben einen Beamten vor- 
setzte ’°); womit die iuridici aufhürlen, vielleicht auch die 
curatores viarum et alimentorum”').  Factisch war somit | 


72) I. N, 646 ; seine iadusteia ad quieto regionis servandam wird gepriesen. 

73) Orell. 3175. 

74) L N. 4237.. Derselbe. war iuridicte per Aemiliam et Liguriam, ®. 
S. 193 A. 

75) Auch in Kriminalsechen: Amm. 15, 7,5. . 

76) Aurelian machte Tetricus zum Corrector von Lucanien nach Vop. 
Aur.39. Vict, Caes, 35. Eutrop. 9, 19; nicht, wie Trebell. trig. tyr. 24 
irrig.sagt, zum corrector totius Italiae. Dass die gangbare' Meinung, 
nach der die Correctoren von Diocletian eingesetzt worden sind, irrig 
ist, konnte, auch abgesehen von dem Falle des Tetricus, schon Vict. Cues. 
39,11 zeigen, wo ein Corrector von Venetien unter Carus vorkommt, und 

- bat die kürzlich entdeckte Inschrift I. N. 2497, die Rufus Volusianus iterum 
corrector dem Carus und Carinus gesetzt bat, unwiderleglich bewiesen. 

17) Der jüngste sichere praef. alim. ist der der Flaminia Balbinus Maximus 
Consul .253 (Henzen tab. alim. p. 51).. Dass der mamenlose curator 
viae . .. . et alimentorum Grut. 1054, 3. nachaurelianisch sein müsse 
desshalb, weil seine Inschrift auf demselben Steine steht mit der des 


die Mri eolentarum. Ä 197 


Italien den- Provinzen gleichgestellt, wenn gleich fürs Erste, 
wenigstens wenn man genau sprach, den italischen . „ Land- 
schaften “ dieser Name noeh nicht gegeben ward. Auch die 
Beamten führten: einen anderen Namen als die eigentlichen 
Provinzialvorsteher: den der , Refórmatoren* (correctores), 
weleher Titel hier zuerst erscheint und auch später fast nur 
in Italien. vorkommt ’®). Bei der ersten Ernennung scheinen 
sie sámmtlich diesen Titel geführt zu haben, da alle vor- 
constantinischen Districtsvorsteher in Italien, selbst solcher 
Districte die später unter Beamten anderen Namens stehen, 
nur diesen . Titel sich beilegen’’), Man darf damit keines- 
wegs den Gedanken an einen minderen Rang verbinden; 
dieser tritt erst später. hinzu, nachdem einige der Correctoren 
den Ehrentitel der Consulare erhalten hatten. Wie viele 
Districte anfänglich gebildet wurden, wissen wir nicht, wohl 
aber lüsst sich nachweisen, dass auch in Italien das System 
der Zerstückelung der Provinzen von den folgenden Kaisern 
angewendet worden ist. Das leidet keinen Zweifel, dass da- 
mals eine dauernde Eintheilung gemacht und das bisherige 
System willkürlicher Combinirung der verschiedenen Land- 


T. Fl. Postumius Titianus, der verschiedene Carrecturen bekleidet, also 
nach Aurelian gelebt hat, davon hat Henzen a. a. O, mich nicht über- 
zeugt; es könnte ja etwa der Vater des Titianus sein. — Curalores 
siae finden sich, wenn auch selten, noch unter Constantin (1. N. 3540. 
4550), aber von den Alimenten ist nicht mehr die Rede, Nach Con- 
stantin finde ich auch von den curatores viae keine Spur mehr, und 
vermuthe daher, dass dessen neue Constitution dieselben abschaffte und 
die cura viarum auf die Provinzialbeamten in Italien übertrug, wie sie 
sie in den Previnzen-lüngst hatten. Das wäre auch insofern wichtig, 
weil dann Siculus Flacous jedenfalls nicht nach Constantin geschrieben 
haben kann (146, 3). - 

78) Ausserhalh Italien baben nur die lange nach Auselian gebildeten Pro- 
vinzen Savia (zwischen Save und Drau), Augustamnica in Aegypten und 
Paphlagonia einen Correetor: Böcking zur mot. dign. p. 517. 518. 
p. 143*. Vgl. dens. p. 139 *. . 

79) So von Campanien und der Lombardei. Die Belege unten. 


198 |: MOMMSEN 


schaften verlassen ward. Es war das auch schlechthin noth- 
wendig, sobald. eigentliche Verwaltungsbeamte geschaffen 
wurden. Dass die Eintkeilung sich auf ganz Italien erstreckte 
und die urbioa dioecesis-aufhörte, ist gewiss, da schon unter 
Carus Correctoren von Campanien vorkommen. 

19. Zu einer anderen Theilung Italiens ward der Grund 
gelegt unter Maximian. Unter ihm wurde der "Theil Italiens, 
in dem der Kaiser gewöhnlich residirte, die Lombardei bis 
au den Flüssen Macra und Rubieo, mit Lieferungen (annonae) 
für die kaiserliche Hofhaltung belegt"; es traf dies die 
Landschaften Italia (im engeren Sinne) °') and Venetia mi - 
Histria, vielleicht auch noch die angrenzenden Theile. der | 
Provinzen Raetien und Gallien. Galerius Plan diese’ Lasten - 
auch auf Rom und das übrige Italien auszudehnen veranlasste 


80) Aurel. Vict. Cues. 39,31. 32. Sie besíandeà in Wein, Holz und der- : 
gleichen mehr: Gofh. zum C. Th. Xl, 1,6. Der Umfang des damit _ 
belegten Gebiets ergiebt sich aus Trebell. Poll. trig. tyr. 24, der um diese 
Zeit'schrieb und die italiáchen Landschaften nórdlicK von Tuscia und 
Flaminia als ennenaria regio zusammeniasst. Die. Vergleichung hei- 
der Stellen zeigt, dass Savigny (verm. Sehr. Il, 109) irrig die Worte 
pars ltaliae bei Victor von ganz Italien erklárt. 

81) Sirmond dé reg. suburbic. c. A und Gothofred zum C. 7%. XI, 1, Ó 
‘haben gezeigt, dass Italia im wierten Jahrhundert im officiellen Sprach- 
gebrauch nicht das Land, sondern die dem munus annonariae function 
(€. TA. XI, 28, 4) unterworfene Diócese des späteren Vicarius von 
Italien bezeichnet. Der corrector utriueque 1taltae oder bloss Italiae, 
den wir in Norditalien aus Gesetzen und Íhschriften-von 290 bis gegen 
311 nachweisen können (Böcking zur N. D. p. 1181* n. 1. 2), scheint 

uL der Vorlüafet dieses Vicarius gewesen zu sein und eben bei dieser 

Gelegenheit der Sprachgebrauch sich festgesetzt zu haben. Die ur 

sprüngliche Bezeichnung des Sprengels dieses Beamten wird talia 

transpadana et cispadana gewesen sein (vgl. OreN. 1194), woraus 

Italta utraque und Italta wurde. — Uebrigens ist nicht zu vergessen 

dass die Diócese des Corrector und die des Vicerius ‘von Italien keines 

wegs zusemmenfalen; jene umfasst nur die späteren Landschaften 

Aemilia und Liguria, diese auch noch Vewéeta, Hieiria und andere 

Districte. 


die Hbri cnilsatarum. 199 
de Empörung des Maxentius und kam. nicht zur Ausfüh- 
rung °*). Dock bestanden nuch in den der kaiserlichen Annona 
nicht unterliegenden italischen Districten wenigstens im vierten 
Jahrhundert ähnliche wenn auch ohne Zweifel weit weniger 
drückende Leistungen zum Besten der Stadt Rom: so lieferten 
ihr Tuscien und Campanien nebst zwei anderen Landschaften 
Kalk **), leizteres auch Brennholz °*) .und Schweine *5); 
Samnium . Schwémne °°); Lucanien Wem°’) und Schweine ®°); 
Bratti Wein *) und Rinder*?); Sardinien wenigstens eine 
Zeitlang Schweine?! Wann diese Lasten den italischen 
Provinzen aufgelegt wurden, wird nicht. gesagt; da aber 
Aurelian die Vertheilung des Schweinefleisches in Rom ein- 
führte). und Weinlieferungen zu Gunsten der Hauptstadt 
dem nördliehen Eitrürien aufzulegen beabsichtigte °°), so darf 
man wohl die Anfänge dieser Institutionen: auf ihn zurück- 
führen, wie es demn in der That nur eme Consequenz der 
Verwandlung der italischen Landschaften in Provinzen war, 
dass man solche.Lieferungen, wie sie z. B. Africa und Aegypten 
an Getreide, Oel, Hola der Hauptstadt leisteten, auch ihnen 
aufleste. Vermuthlich wurden, als Maximian der Lombardei 
de viel schwereren kaiserlichen aunonse aufbürdete, der- 


82) Lactant. de mort. persec. 26. — Die von Maxentius eingeführte Steuer 
' (Aur. Vict. Caes. 40, 24. Stadtchronik, Abhandl. der sächs. Gesellsch. 
Bd. II. S. 648) ist nach meiner Meinung die lustralis collatío. 
83) C. TA. XIV, 6, 1. 3, und für Terracina Symm. ep. X, 60. Die beiden 
anderen Regionen waren wohl Umbria und Picenum. 
84) Terracina: Symm. ep. X, 60. 
85) C. Th. XIV, 4,3; Nov. Val. 35, 1,1. 
86) Nov. cit, 35, 1, 1. 4. 
87) C. Th. XIV, 4, 4. 
88) Nov. cit.; Cassiod. var. XI, 39. 
89) C. TA. XIV, 4, 4. 
90) Casstod. 1. c. 
91) Nov. cit. 
92) Vop. Aur. 35. Tillenont.' hist. des emp." I1I, 399. 
rd 
93) Vop. Aur. 47. j 


200 . : - MOMMSEN : - 


selben dafür die. städtischen: für ihren Antheil abgenommen 
und diese auf die südlichen Provinzen übettragen. 

. 920. Hierauf bezieht sich -die. Eintheilung Italiens in die 
annonarischen und urbicarischen oder subürbicarischen Land- 
schaften; jene habén'an den kaiserlichen Hof, diese au die 
Hauptstadt Naturallieferungen zu machen. Diese längst: von 
Sirmond aufgestelite richtige Erklärung ist von Jacob Gotho- 
fredus mit. Unrecht bestritten worden, ‚dem die neueren 
Schriftsteller und nicht bloss. die, dereh einzige Weisheits- 
quelle der gothofredische Commentar ist, durchgängig_gefolgt 
sind **. Des grossen Gelehrten klaren Blick trübte dieses- 
mal die calvinistische Leidenschaftlichkeit, die ihn die Be- 
schhisse des nicänischen Concils-in einem für den römischen 
Bischof möglichst ungünstigen Sinn auslegen liess. In die- 
sem Fall aber war der gelehrte Jesuit in seinem vollen 
Rechte, wenn er in dem sechsten Kanon °°) die Anerken- 
nung des Metropolitanrechts des. römischen Bischofs: über ganz 
Süd- und Mittelitalien fand bis. an die Grenzen der Diöcese 
des Vicarius ltaliae und des ‚Bischofs von. Mailand**). — 
Die alten Privilegien Haliens, die Befreiüng .von gewissen 

94) ‚Es genügt zu nennen Savigay verm. Schr. II, 105; Hollweg rém. Ge- 

richtsverfassung S. 85; Böcking zur not. p. 172*. Sirmonds. Aufsätze 

. stehen im vierten Bande seiner Werke (Venet. 1728 fol.); Gothofredus 
anonym erschienene Schrift de regionibus suburbicariis Francof. 1618 
habe ich nicht benutzen können, sie ist indess vollständig resümirt im 
Commentar besonders zu II, 16, 2. 

95) Antiqui moris est ut urbis Homae episcopus habeat principatum, ut 
suburbicaria loca et omnem provinciam suam sollicitudine. gubernel 
(Mansi VI p. 1127). So die alte Uebersetzung; ‚der griechische Text 
ist kürzer gefasst. 

96) Ich fasse die wichtigsten Argumente kurz zusammen. Ein Verbot, däs 
erlassen ist wenigstens für Campanien, Picenum, Flaminia, Apulia, 
Calabria, Brittii, Lucania, Samnium (C. TA. IX, 30, 1. 2), wird. nach- 
her bezeichnet als gegeben für die wrbicariae regiones (das. 3, vom 


J. 365). — Allgemeine an den Praefectus Praetorio von Italien adressirte 
Verordnungen sind gültig in Africa, Itala, den sudterbicariag regiones 





die Int volenfarum. 201 


Steuern °”) und von der Rekrulenstellung °°) sind nun be- 
schränkt auf die urbicarischen Districte. 


und Sicilia (C. Th. X1, 16, 9 von 359); im omnis Italia, den urbicariae 
regiones, den regiones Africanae und in omne Illyricum (C. Th. XI, 
13, 1). Offenbar sind hier ‘die Diücesen der Vicarii aufgeführt, wobei 
man sich zu erinnern hat, dass ltalia nach Gothofreds eigener unan- 
fechtbarer Meinung die Lombardei, und Sicilien als alte provincia eigent- 
lich nicht regio ist. — Auch die not. dign. occ. c. 11 unterscheidet 
den procsralor rei privatae per arlem Nomam el suburbicarias 
regiones cum parte Fauslinae von dem proc. rei priv. per Siciliam, 
per ltaliam, per Illyricum. Der praef. praetorio wird beauftragt einen 
sehon per subürbicarias regiones abgestellten Missbrauch auch- per 
omnes Italiae regienes zu beseitigen’ (C. TA. XI, 1, 9 von 865). — 
Die Weinlieferung liegt der urbicaria regio ob (C. Th. XI, 2, 3 von 

977), wo Lucania und Brutti gemeint ist (A. 87. 89). — Bovianum 
in Samnium setzt einem vicarius urbis Homae eine Inschrift, die be- 
weisst, dass die Stadt unter seiner Verwaltung gestanden .hatte (I. N. 
4988); dasselbe scheint sich für Abellinum in Campanien aus €. TA. 
XII, 1, 68 zu ergeben. — Valertinianus, Valens und Gratiahus schreiben 
dem Praefectus urbi und dem Vicarius der Stadt Hom, dass einem nach 
Gallien Verwiesenen gestattet sei sich von dort zu entfernen, sub ea 
condicione ne ad urbem Romam vel regiones suburbicarias valeat 
commanere (Baronii. ann. unter dem J. 371). — Ich werde später 
hinzufügen die Angaben über die beiden Tuscien uud Picenum, welche 
theils annonarisch, theils urbicarisch waren; sie allein würden genügen 
die gewóhnliche Meinung zu heseitigen, mach der die suburbicarischen 
Provinzen mit dem Appellationsbezirk des Stadtpräfeeten bis zum hundert- 
sten Meilenstein und wunderlicher Weise mit den vier zur Kalkliefe- 
rung nach Rom pflichtigen Landschaften (C. Th. XIV, 6, 1) identificirt 
werden. Dieselbe. stützt sich in der That auf gar nichts, wenn man 
nicht die Verwechselung der suburbicarischem Districte mit den. pro- 
vinciae suburbanae, d. h. den Rom benachbarten (Flor. 3, 19. C. TA. 
1X, 1, 13. C. 1ust. 111,24,2.. Symm. epist. 1, 00. II, 74) dafür will gelten 
lassen.. Ob der Titel pro praefectis praetorio in urbe Roma finitimisque 
provinciis (Orell. 1186) den Statthalter der urbicarischen Districte 
bezeichnet oder einen ausserordentlichen Commissar wie z. B. der agens 
vicem praefectorum praetorio et urbi (I.N. 2500) ist, lasse ich dahin- 
gestellt.. Ueber den ostgothischen Vicarius s. A. 102. 

97) Die eréicariae regiones. simd frei von den anmonariae functiones wie 
voh den largitionales titulic €. TA. XI, 28, 14 von A23. 
98) C. Th. XI, 16, 12 von 380. Im J. 443 werden sie mit angezogen: 

Nov. Vel..11l, 6,2, 1. . 


200 MOMMSEN 

- Bald führte diese Theilung Italiens. zu der Errichtung 
von Mittelinstanzen, indem man das ganze Land in zwei 
grosse Districte zerlegte. Ohne Frage steht diese Eintheilung 
in engem Zusammenhang mit der Errichtung der vier Reichs- 
präfecturen unter Constantin °°), von welehen die eine Italien 
und Africa, in der Regel auch Illyricum umfasste ‘°%). Von 
den Statthaltern dieses Präfecten kamen auf Italien zwei, in- 
dem dem nördlichen annonarischen Theil der vicarius Italiae, 
dem südlichen der vicarius urbi (oder urbis) Romae vorge- 
setzt ward. Das Jahr , wo diese neuen Behörden in Wirk- 

samkeit traten; kennen wir nicht; jedenfalls aber nach 306 

und vor 320 !**) Es ist einleuchtend, dass man die Benen- 

nung des nördlichen Vicarials von der Provinz entlehnte, die 
den Kern seiner Diöcese bildete, und welche darum selbst 
eine andere Benennung (Aemilia et Liguria) erhielt. 

Die Eintheilung Italiens in die Diöcese Italia und die sub- 
urbicarischen Regionen hat im Wesentlichen unverändert be- 
standen bis zum Untergang des weströmischen Reiches; wenig- 
stens haben wir keinen Grund an dem Fortbestand zu zweifeln. 

99) Zosim. 11, 33. Warum Tillemont V, 284 dessen Zeugniss nicht will 
gelten lassen, sehe ich nicht ein. 

- 400) Böcking zur not. S. 140*. Der officielle Titel ist praefectus praetorio 
Haliae, Illyrici et Africae (s..z. B. die. Inschrift Ans. XE, p. 285, 
welche diesen Titel für 382 bis 431 bereugt). 

101) Viearii Itallae (Böcking p. 449*) und ebenso vicarii wrbi (Gothofred 
not. dign. C. Th. p. 26) Anden sich seit dem J. 320. Véeariee Africae 
war schon 315 Domities Celsus (Bóckig p. 447*; wozu: noch die 
Schreiben Constaatins: und der praefecit praetorio en ihn bei Mansi Il, 
496.497 kommen). Vor ihm waren es vielleicht noch Verinus (@othofred. 
prosopogf. 3. v.) und Patrécios (Booking p. 1205 *). Ich zwaifle nicht, 
dass die neue Verfassung im J. 313 beschlossen ward; sie scheint aber 
nicht auf emmal ins Leben getreten za sein. Ein schlagender Beweis 
dafür ist das eben angeführte Rescrspt der beiden praef. praet. Petronius 
Anniánus und Julianus an den Vicarius von. Afris; es können dies nur 


4ie beiden Präfeeten für das ganze Reich sein und es gab also eher 
einen Vicarius von Africa als einen praef. prae$. ltaliae. . 


| 


die libri -eotomiarum. 208 


Die Grenze beider Diöcesen war freilich nicht immer. dieselbe, 
wie sich bei der Erörterung der einzelnen Provinzen zeigeh 
wird. — Dagegen schemt Theoderieh. diese Mittelinstanzen 
aufgehoben zu haben, da der viceriws Italiae in der ost- 
gothischen Zeit: gar nicht mehr vorkommt, der vicarius urbés 
Romae zwat vorkommt, aber in ganz veränderter Stellung 
als Hülfsbegmter des Stadtpräfecten, und die Previnsialver- 
steher, wie es scheint, siets direct mit dem praefectus prae- 
torio comipuniciren. Noch weniger ist in der justinianischen 
und der: longobardischen Verfassung eine Spur der sícarii 
nachzuweisen *9?), 

21. Wir kommen zu den einzelnen Provinzen. Ueber 
diejenigen, weiche immer unter dem Viearius von alien ge- 
standen haben, gestattet der-Zweck dieser Untersuchung uns 
kurz zu sein. Es gehören dahm die vier Grenzbezirke des praeses 
Alpium Cottierum, des praeses Rastiae primae, des praeses 
Raetiae secundae!**?) so wie Peaetia und. Histria, welche 
beiden stets vereinigten Landschaften schon zur Zeit des 
Carus und noch zu der Constantins unter einem Corrector, 


102) Vgl. vornämlich Hegel Gesch. der róm. Städteverf. I, 177, der freilich 
zu andern Ergebnissen gelangt ist. Der visarius urbi bei Cassiodor 
var. VI, 15 ist eine rein städtische Behörde; seine Gewalt erstreckt 
sich nur auf Rom, und die Umgegend bis zum vierzigsten Meilenstein, — 
Die Möglichkeit muss übrigens zugegeben werden, dass die Stenerver- 
schiedenbeiten noch nach Aufhebung der Mittelinstanzen fortbestanden ; 
wie sie ja auch keineswegs durch deren Emführung ios Leben ge- 
rufen ware. 

103) Bócking zur not. p. 443, auf den ich überhaupt verweisen werde. Diese 
drei Districte gehörten in der besseren Zeit nicht zu Italien, sondern bil- 
detem eigene Provinzen; man hat sich vor .der Verwechselung der älteren 
selbstständigen Prorinzinlvorsteher und der späteren Unterbeamten des 
vicartıs Haliee zu hüten. Vgl. noch den episcopus Curensis primae 
Höctias (8. Leonis ep. 97). — Ueber die Alpes Gratae oder: Poeninae, 
die auch, wenigstens zum Thejl, eine Zeilang unter dem vicartus Italiae 
standen, s. Böcking p. 488*. . 


504 .-: MOMMSEN . 


mindestens seit 365 unter einem Consularis :standen !**; Die 
Landschaften :der eigentlichen Lonahardei dies- : und: jenseits 
des Po waren als. Italia utraque oder. Italia. ohne Zweifel 
schon von Aurelian einem eonsularischen "Correetor unter- 
gehen warden (A. 81); gewöhnlich waren sie vereinigt, doch 
kommt unter Diocletian auch ein. eigener. corrector Haliae 
trunspadanae vor **). Bei der Einsetzung des Vicaniats von 
Italien wurde der bisherige eorrector- Ialige wit. consulari 
schem Rang verwandelt in einen consularis demiliae et Li- 
guriae, d. h. der ehemaligen cis- und trans$padanischen Land- 
schaft. Sie standen unler einem Consularis nachweislich 
schon 321. und waren wie es scheint bis 387. zu einem 
Bezirk ‚vereinigt, wogegen sie. seil 306 getrennt. vorkommen 
jede unter einem eigenen Consular !?9)..— Wichliger sind für 
die líórí coleniarum die suburbicarischen Proyirizen, zu denen 
wir:uns jetzt wenden, mit besonderer Berüeksichtigung der 
für' die Kritik und: Behandlung jener Verzeichoisse vorzüglich 
in Betracht kommenden Verhältnisse. . . , 

. 22. Ueber die: beiden südlichsten- Bezirke, Lucania und 
Bruttii, Apulia und Calabria ist wenig zu sagen. Sie haben 
stets unter Correcloren gestanden, welche sich in Lucanien 
von Aurelian (A. 76) bis in den Anfang des sechsten Jahr- 

104) ‚Böcking p. 440*. .. 

105) T. Fl. Postumius Titianus (Orell. 1194. Henzen tab. alim. p. 54), corr. 
Hatiae transpadanae vor seinem zweiten Consulat 301. 

106) Böcking p. 441°. In den Inscriptionen der Verordnungen €. T^. IV, 
12, 1. XIII, 10, 3 ad consularem Aemiliae von 321. 857 ist, wie so 
häufig, die zweite Provinz weggelassen; in der ersteren ‚setzen überdies 
mehrere Handschriften et Ligwriae hinzu. Dagegen die Verordnung 

"2.0 Th. IV, 22, 4 ad consularem Liguriae von 396 beweist die Thei- 
' Jung, die wir dann auch in der Notitta finden. Noch Cossiodor var. V,8 
nennt einen, consularis Aemiliae, den Marini uerichlig für einen con- 

. sularis .Flaminiae hielt; Fäventia, das zum Sprengel des Beamten ge- 
hörte; ist eine Stadt. der "Aemilia. (Marcellin. 9. 327 -Rene. Iord. de 

regn. succ. p. 242 Mur.). Ein consularis Liguriae bei Case. var. 12, 8. 


hunderts !97),: ir. Apulieh von Diocletian. bis auf Theodosius :"*) 
nachweisen lassen. Lucania und Brutüi, Ápulia und Cal» 
bria waren stets combinirt und weder die Titel der Vorsteher 
noch die Grenzen haben unsers Wissens gewechselt, Beide 
Correktóren hatten jin der Regel nur den Perfectissimat. — 
Die Grenzen der Districte lernen wir fast nur aus den übri 
coloniarum kennen; die Inschriften enthalten nichts, was ihnen 
widerstritte, ausser dass sie Teanum Apulum zu Samnium 
rechnen. MEME 

23. .Camparnien stand nachweislich. von Carinus bis 
gegen 315 "unter Correctoren '") welche aber sich das 
Rangprädikat cons. vir, bir. cos., c. .v, v. e. beilegen und m 
. der Stufenleiter der Aemter nur den Correctoren von [talia 
nachstehen *:^), denen von Tuscien und Umbrien vorgehen '''). 
Es scheint demnach schon früh mit der’Bestellung zu dieser 
Correctura die Ertheilung des Consulartitels (nicht des Con- 
sulats)- verbunden gewesen zu sein; wo es denn sehr nahe 
lag den Titel des consularis vir corrector Campaniue gerade- 
zu in den eines consularis Campaniae zu verwandeln. Diese 
Aenderung des Titels hat gewiss für Campanien nicht später 
stattgefunden als für Aemilia und Liguria, also spätestens 
321; nachweisen lässt sich der Consularis (sehr selten Pro- 
consul) von Campanien von 333 bis in die ostgothische 


107) Böcking p. 435*. Der dort genannte Venantius kommt, auch in der 
Urkunde bei Marini pap. p. 138 vor. 

108) Bócking p. 1184*. 

109) Bócking p. 1173*, wo Fabius "Maximus als Rector von Samnium (TF. N. 
4758) zu beseitigen, die aus Donat. 337, 8 entlehnte Inschrift nach 
IN. 4087 (vgl. die Aus.) zu berichtigen ist. Sie gehört dem Corrector 
P, Helvius Aeltus Dionysius, vermnthlich demselben, an den das Rescript 
von 298 Vat. fr. $ 41 gerichtet ist. Hinzuzufügen sind Virius Gallus 
(I.N. 3613) und Pompeins Fuustinue: (1. N.:3992). 

110) OréRt. 1194. ] ' 

111) 1. N., 4550. 


Zeit **). Die weite. Ausdehnung, welche det lb. colos. dieset 
Provinz giebt, bis an die Tiber und den Anio oder die valeri- 
sche Strasse, so dass Ostia, Gabi, Praeneste, Affile (nicht 
abet Tibur) noch dazu gehóren, steht mit den Inschriften in 
vollem Einklang; ihre Grenzen sind, so viel. wir wissen, im 
Ganzen stets dieselben geblieben ''*). 

24. Ueber die kleine Provinz Samnium haben wir mur 
geringe Kunde. Der Verstand heisst praeses oder noch ge- 
wöhnlicher rector und hat in der Regel nur den Perfeclissimat; 
er. kommt zuerst im J. 352 vor und fungirte wahrscheinlich 
noch ii der ostgothischen Reichstheilung ''*) Sein Sprengel 
wmfasste ausser dem eigentlichen Samnium auch die ganze 


112) Böcking p. 116914. Den Virius Audentins Aemilianus um 270 zu setzen 
ist kein Grund verhanden; der erweislich älteste Consular ist Barbarius 
Pompeianus (I. N. 1946. C T^. I, 2, 6.) aus dem J. 333. — Proconsul 
von Campanien nennt sich einzig Anictus Auchenius Basses praef. urb. 
383 n. Ch. in mehreren Inschriften .(Böcking p. HT. — Orelli 83 
==1.N. 520* ist falsch. 


113) Ueber die samnitischen Städte ist S. 159 gesprochen. Im Uebrigen e- 
wähne ich nur, dass Benevent (I. N. 1413. 1418. 1419. 1422. 1429. 
1431; Unterschrift des sardischen Coneils von 347 bei Mansi IA, 42), 
Atina (I. N. 4550), ja sogar Praeneste (regioni Camp. terr. Prae. 
Orell. 4360) ausdrücklich zu Campanien gerechnet werden. Doch 
scheint man Benevent allerdings nicht nur imi valgáren Sprachgbrauch 
zu Apulien. gerechnet (Procop. bell. Goth. ?, 35), sondern auch m 
weilen dem corrector Apuliae et Calabriae untergeben zu haben 
(I. N. 1425. 1423, wo der corr.‚regionum duarum nur dieser sein 
kann). Solche Schwankungen kamen aüch bei anderen Grenzstädten 
vor (Orell. 3649). 


- 1414) Die Namen der bekannten Rectoren sind: Fabéds Macimee rector pro- 
vinciae im J. 352 (1. N. 4757. 4758. 4850, 4926. 4927. 5018. 5019. 
5188. 5189. 5242. 5243); Fl. Uraniua rector provinciae (1. N. 5191); 
Maecius Feliz recior provinciae Samnii adiniunctieae vicis (I. N. 
4620); Avionius lustinianus praeses prosinctae (1. N. A617. 5017. 
5292); Flavius Iwius Innocentius praeses (I. N. 5020); Quántilianu 
(I. N. 4621). Ein cancellarius Samnii bei Cass. var. $1, 36. Vgl. 
Docking; p. 436 *. . 


die lori eoleniarum. 207 


- frentanische Küste !!*). Ueber die pälignischen Diskricte geben - 
die Inschriften. keinen Aufschluss, was zu bedauern ist," da 
es für die Kritik der libri col. wichtig sein würde zu wissen 
unter wegen Verwaltung sie standen. 

25. Tuscia und Umbria, über deren Verbindung zu 
einer Proving das -merkwürdige constanlinische Rescript an 
die Umbrer !:*) interessante Aufschlüsse ergiebt, standen bis 
366 unter Correctoren, seit 370 unter Consularen !!'). Dass 
sie noch. im J. 400 ungetheilt unter einem Consularis slan- 
den, beweist die notitia. Die Theilung in Tuscia aunonaria 
jeuseit des Arnus '!*) und das südlichere Tuscia urbicaria oder 
suburbicaria |?) ist indess älter, da sie schon bei Ammian 
vorkommt; doch können beide.zu dessen Zeit nur einen Ver- 
waltungsbezirk gebildet haben, wie auch abgesehen von der 


115) Die angeführten Steine gehören nach Venafrum, Allifae, Telesia, Sae- 
pinum, Aesernia, Juvanum, Teanum Apulum, Histonium, Anzianum. 
Dazu kommt Tereventum aus folgender schlecht abgeschriebenen Inschrift 
bei Colucct Piceno vol. XVII y. 44: C. PACCCIVS. C. PA...|OYT. - 
F. BANTIVS. CAVSVS. ORIV | TERVENTINVS SAMNIO 
TE | III VIR. I. D. III. VIR. O. 

116) Berichte der sächs. Ges. 1850 S. 190 fg. 

117) Böcking p. 491*. Beticins Perpetuuh Arzirius cons. Thusciae et Umbr., 
Orell. 3648, den Hagenbuch verkehrt für den Consul des J. 237, Muratori 
(259, 2) für den Belicius Perpetuus corrector Siciliae unter Con- 
stantin gehalten hat, ist also nach 366 zu setzen. — Umbria wird in 
den Adressen der Verordnungen häufig weggelassen, auf Inschriften nie, 
mit Ausnahme der aus ligorischen Quellen geflossenen Grut. 422, 1. 

118) Ausdrücklich werden dahin gesetzt Pistorium (Amm. XXVII, 3, 1) und 
Mucelli, Val di Mugello oberhalb Fiesole (Marcellin. p. 329 Ronc., vgl. 
Cluver. p. 550). Tuscia annonaria kommt ausserdem vor bei Mar- 
cellinus p. 326. 329 Honc., Jordanes de regn. succ. p. 242 Mur. und 
in einem, an sieben Bischöfe per Tusciam annonariam, gerichteten 
Schreiben des Papstes Pelagius vom J. 556 (Mansi IX, 716). 

119) Tuscia suburbicaria regio: C. Th. XI, 28, 12 von 418; Tuscia 
urbicaria et annonaria bei den Mensoren Gaius und Theodosius p. 346, 
13; Tuscia utraque oder ulraeque Cass. var. IV, 14; Jord. de reb. 
Get. 60. Noch der geogr. Rav. Á, 29. kennt ein doppeltes Tuscien: 

, Tuscia Romae und Tuscia. 


208 ' MOMMSEN ^ 
| not.- schon daraus hervorgeht, dass der von  Ammien ge- 
nannte Corrector theils im -annonarischen, tlreils im urbican- 
schen Tuscien schaltet %*). Es muss also damals der nördliche 
Theil Etruriens in den Steuerverhültnissen den Provinzen der 
nördlichen Diöcese gleichgestellt gewesen sein, ohne doch 
in der Verwaltung von der südlichen ‚getrennt zu werden. 
Später, jedenfalls vor 458 wurden daraus zwei Distriete ge- 
bildet, wovon der südliche einem consularis "Tusciae sub- 
urbicariae unlergeben ward:!*!); ob man den nördlichen mit 
der ' emilia verband oder daraus einen eigenen Bezirk 
machte, ist nicht bekannt *9). Umbrien blieb wohl bei dem 
ersteren. 
26. Der grosse Landstrich zwischen Sasipiim, 'Cam- 
panien, Tuscien, Umbria und der Aemilia, der am adriali- 
schen Meer vom Aternus bis mindestens zum Rubico reicht 
und tief ins Binnenländ einschneidend mit seiner Spitze Tibur 
umfasst und Rom berührt, bildete anfänglich einen einzigen 
Verwaltungsbezirk unter, dem Gesammtnamen Flaminio «t 
Picenum '**). Als Oberbeamten desselben finden wir von 313 
bis ‚spätestens 350 einen correctór Flaminiae et Péceni, ab- 
gekürzt corrector Piceni, mit; dem Rangprädikat c. v. '*), 
120) in Pistorium: Amm. I. c.; in Volsinii: C. Th. XII, 1, 61. vgl. II, 1, 1. 
XII, 1, 65. | 
121) nov. Maiorian. 9, 1. Dass schon im J. 418 Twscia suburbicaria als 
besondere Provinz bestand, ist nach C. TA. XI, 28, 12 zwar wahr- 
Scheinlich, aber nicht gewiss. — Uebrigens folgt hieraus, dass das von 
Paulus excerpirte Verzeichnis der italischen Provinzen vor 458 ab- 
gefasst ist. 
122) Für die letztere Annahme spricht der geogr. Rav. l. c. 
, 123) Vgl. überhaupt Marini pap. p. 375. Bücking p. 442*. 
124) 313 wird der corrector Piceni erwähnt (Vat. fr. $ 35). — - Vor 330 
war corr. Fl. et Piceni M. Aurelius Valerius Valentinus, laut der 
asisinatischen Inschrift bei de Costanzo mem, di S. Rufino p.56: 


M. AVR. VAL. | FALENTINO GV | CONSVLA. I . . VMI| 
D .AE CORR FLAM | EI..C RAEI;...:.. E| Q.... T 


die ri eolonlerum. 209 


später bis wenigstens 365 einen consularts ''*), dessen Sprengel 


125) 


PIPR. SS. | TESMOP..,.| NOICON...| ORDO I.. SSIMO| 
... CTIVM; consularis Numidiae war dieser nämlich 330 (€. TA. 
XVI,2, 7). — Einige Jahre vor 337, wo er cos. ord. war, Fabius 
Titianus (Grut. 407, 8; vgl. über ihn Borghesi dich. di una lap. 
Grut. p. 4sq.). — Vor 341 L. Crepereius Madalianus, laut der fol- 
genden vielleicht ungedruckten Inschrift von Guelma in der Provinz 
Constantine, die mir durch Hrn. Gerhard's Vermittlung zugegangen ist: 

MIRAE IVSTITIAE ATQVE EXI 

MIAE MODERATIONIS 

L CREPEREIO-MADALIANO V € (3 

PROCOS P A IT VICE SACRA /// yo. p(rov.) A(fricae) eif 
- DICANTI COMIT ORDINIS PRI 

MI VICARIO ITALIAE PRAF ANN, yo. praef. 

VF R CVM IVRE CLADII CON/// yo. gladil con- 


% 


. U 


-SFLATI PONTI ET BITHYNIAE sulari. 
CORRECTONE  xLAMINIAE ET yo. correctori Flaminiae et 
/ ///// NOME ORDINIS [Pice] . . .. . 


Diesen Madalianus finden wir als agens vicem praefecti praetorio im 
J. 341 (€. T^. XVI, 10, 2), als praef. ann. cum iure gladii zwischen 
337 und 341 (Orell. 1091. Borghesi in Antäldi’s arco di Fano p. 24); 
noch früher bekleidete er den Posten eines Correctot von Flaminia 
und Picenum. — Um 339 bis vor 350: L. Turcius Secundus Asterius 
(Orelli 603. 1099. Grut. 1079, 1. Visconti mus. Pio-Clem. II, p. 81 
ed. di Milano); die Zeit hat Borghesi (arco di Fano p. 24) bestimmt. 
— Unbestimmter Zeit sind M. Aur. Consius Quartus (Mur. 1024, 1 
zz Fabrett. 720, 419) und Furius Maecius Gracchus (Orell. 3172), — 
Auch hier wie anderswo wird die geringere Landschaft, die Flaminia 
häufig, obwohl in Inschriften nie weggelassen.  Bemerkenswerth ist 
noch, dass die Bezeichnung dieser Diöcese als Picenum in den gemeinen 
Sprachgebrauch überging und den Namen der Flaminia zum Theil ver- 
dràngte; was sich selbst dann noch behauptete, als diese Landschaft 
längst in mehrere Verwaltungsdistricte getheilt war. Am auffallendsten 
ist dies bei Prokop, der zu Picenum das ganze Gebiet. von Ravenna 
(bell. Gotta. 1, 15. 3, 37) bis Firmum und Asculum (3, 11) und Alba 
(1, 7) mit der Metropole Auximum (2, 23) rechnet. Ebenso rechnet 
Marcellin (chron. p. 326 Honc.) Ariminum zu Picenum. Da die Existenz 
der Flaminia und der Valeria als gesonderter Administrationsdistricte für 
die Zeit, wo diese Autoren schrieben, ausgemacht ist, so kann man 
hierin nur eine Ungenauigkeit des gemeinen Sprachgebrauchs finden. 

Sicher gehören hieher Patruinus nach 355 (Amm. Marc. XV, 7, 5) 
und 365 Valentinus (C. TA, IX, 2, 2. 30, 4) oder Valentinianus (C. TA. 


Römische Feldmesser Il. 14 


910 ' MONMSEN 


nachweislich Tibur !'9, Amiternum !'f), Alba am Fuemer- 

e 1°), Ancona !**), Fanum !**), regelmässig auch Ravenna !!!) 
umfasste und der in zweiter Instanz unter dem vicarius urbi 
stand 1?*). 

. Noch später wurde dieser grosse District in zwei und 
bald darauf in drei kleinere Verwaltungsbezirke getheilt. 
Zwei Districte (Flaminia und Picenum) nennt der nicht vor 
369 abgefasste '**) libellus provinciarum, drei (Flaminia, Pi- 
cenum, Valeria) die um 400 geschriebene notitia dignitatum. 
Es muss die erste Theilung nach 365, die zweite vor 399 
vorgenommen sein, da aus diesem Jahre ein die Provinz 
Valeria erwühnendes Rescript !?^ erhalten ist. Die erste 


XV, 1, 17. Consult. vet. iurisconsulti c. 9). Dieselben heissen zwar 
nur consulares Piceni und man könnte somit die gleich zu erwühnen- 
den consulares Piceni suburbicarti in ihnen erkennen; allein da im 
J. 364 die Flaminia noch unter dem eic. urbi stand (A. 132) und die 
Spaltung des Bezirks mit der Unterlegung der einen Hälfte unter den 
vic. Italiae offenbar zugleich stattfand, so kann die Theilung wenigstens 
364 noch nicht stattgefunden haben und werden sie vielmehr consulares 
Fiaminiae el Piceni gewesen sein. Ueberdies betrifft eines der an Valen- 
tinianus adressirten Rescripte Fanum, welches bei der Theilung zu der 

. nördlichen Hälfte unter den consularis Flaminiae kam. 

- 425) Oreli. 1099. 3072. 

127) Visconti mus. Pio- Clem. I. c. \ 

128) Vat. fr. $ 35. 

129) Mur. 1021, 1. 

130) Oreli. 603. Mur. 1024, 1. A. 125. 

131) Oreli. 3649: Cronio Eusebio v. c. consulari. Aemiliae, addita prae- 
dictae provinciae etíam Havennatensium civi(ate, quae wntea Piceni 
caput provinciae videbatur. Eusebius war cos. ord. 359. 

132) In Rescripten vom J. 364 (C. TA. IX, 30, 1. 3) wird nicht bloss 

' Picenum, sondern auch die Flaminia unter den suburbicarischen 
. Districten aufgeführt. 

133) Bócking p. 500. 

134) C. Th. IX, 30,5. In 1X, 30, 1 von 364 sollte man erwarten, dass 
die Valeria genannt wäre, wenn sie damals hestanden hätte. Dass sie 
X1, 28, 7 (von 413) fehlt, ist sonderbar. — Beiläufig erwähne ich noch, 
dass Jordanis de regn. succ. p: 233 Mur. bei der Nennung der Yaleria an 
der Donau offenbar auch auf die italische Provinz dieses Namens anspielt. 





die libri eolontárum. 211. 


Thellung änderte auch die Grenzen der italischen und der 
städtischen Diöcese, indem der nördliche Bezirk unter den 
Vicarrus von Italien gelegt ward, wie schon die Bezeich- 
nmg des dazu gehörigen Theils von Picenum als annonarium 
andeutet und die mof. dign. ausdrücklich bezeugt. 

Der nördliche District. heisst, wenn genau gesprochen 
wird, Flaminia et Picenum annonarium, gewöhnlich aber 
bloss Flaminia. Der Vorsteher ist ein consularis '’*). 
Es gehörten dazu Ravenna, die wichtigste Stadt '?”), Forum 
Popili, Cäsena, Ariminum, Pitinum, Pisaurum, Fanum, 
Sena!) und überhaupt die. ganze: Pentapolis t*?). 

Der südliche District, der stets unter dem vic. urbi ver- 
blieb, wurde wieder getheilt in eine östliche und eine westliehe 
Hälfte. Letztere hiess in der genauen Sprache Picenum sub- 
urbiearium, gewöhnlich bloss Picenum*?. Der Vorsteher 


135) Jenes findet sich nur in der mot. dign. und etwa noch beim geogr. 
Rav. IV, 29: provincia Havennatis, item annonaria Pentapolensts, 
wo aber vielmehr zwei Districte bezeichnet sein dürften, in welche 

- unter den Exarchen diese Landschaft abermals getheilt zu sein scheint 
(Berichte der sáchs. Ges. 1851 S. 105). Sonst heisst die Landschaft 
immer bloss Flaminia, selbst im lib. prov. und in Urkunden ( Marini 
pap. n. 139); auf Inschriften kommt sie nicht vor. 

136) Nach der not. und Marini pap. n. 139, wo ein Gaudentius consul. 
Flaminiae bald nach 500 vorkommt. ) 

137) Lib. provinc.; Paul. Diac. II, 19; Zostm. V, 27. 37; Verzeichniss der 
Städte der 2z«oyíe arvovaglug bei Codin. Curopal. ed. Goar p. 352. 

138) Ariminum: Zosim. V, 37; die übrigen bei Goar a. a. O., in welchem 
Verzeichniss aber die meisten Namen bis zur Unkenntlichkeit. ent- 
stellt sind. 

139) Paul. Diac. I. c. So heisst der District von Rimini bis Gubbio: Hegel 
Gesch. der r. Städteverf. I, 225. 

140) Ersteres hat nur die not. dign. und vielleicht die Urkunde bei Marini 
pap. n. 139 (die unsicheren Buchstaben sind in Klammern einge- 
schlossen): legat[us] a provincia Piceni [et] urbicar[i]. Auch das 
Rescript von 418 C. Th. XI, 28, 12 bestimmt Picenum näher durch 
den Zusatz suburbicaria regio. Vgl. Magno (not. p. 1570 Putsch): 
PICaeno ANNonario; PICaeno URBicario. Die Weglassung von urbi- 
carium ist sehr häufig, selbst äuf einer Inschrift (A. 141). 


14* 


21% -. MOMMSEN 


ist gleichfalls ein consularis '*'). Es gehören dazu Potentia!!), 
. Firmum, Asculum, Truentum, Pinna, Hadria; die Grenze 
macht gegen Samnium die Pescara !*). Die Scheide zwischen 
Picenum annonarium und urbicarium muss nach. diesen An- 
gaben der Fluss Aesis gemacht haben, die uralte Grenze des 
ager Gallicus. — Die westliche Hälfte heisst Valeria; ihr Vor- 
steher ist bloss Präses. Es gehören dazu Tibur Carsioli Reate 
'Furcona (bei dem alten Aveia) Amiternum, auch Nursia '*. — 
Vergleichen wir damit die libri coloniarum, so ist die Ueber- 
einstimmung unverkennbar. Die pars Piceni des Arcerianus 
ist genau das Picenum suburbicarium in den .eben ange- 
deuteten Grenzen '*°); nur dass Sena hier dazu gerechnet 
wird '**. Ebenso stimmt die Palería des Palatinus; nur 
dass durch kein anderweitiges Zeugniss festgestellt ist, welcher 
Provinz die paelignischen Städte Corfinium, Superaequüm, 
Sulmo angehörten. Dagegen soll das Picenum. des liber II 
offenbar die Landschaft in dem weiteren Sjnn (A. 124) dar- 
stellen, jedoch so, dass die eigentliche F laminia mit Ariminum 


141) Ausser der nof. kommt er vor in der Novelle Majorians 5, 1, 2 vom 
J. 458 und in der jetzt im Vatican befindlichen Inschrift Orell. 3171, 
die dem Tarrutenius Maximilianus consulari Piceni anno (nicht Piceniano) 
aetatis nono decimo gesetzt ist von seinem Schwiegersohn Glabrio 
Faustus Consul 438. Man hat thörichter Weise hierin einen consularis 
Piceni annonarii finden wollen, dem bei Colucci (Ascoli p. 133) ein 
gefälschter consularis Piceni suburbicarii zugeselt worden ist, — Ob 
der Consular von Picenum im J. 370 Sophronius C. TA. XII, 1, 71 ein 
consularis Flaminiae et Piceni (A. 125) oder ein consularis Piceni 
suburbicarii ist, wissen wir nicht. 

142) Concilacten von 418, Mansi 11I p. 700. 

143) Truentum: Concilacten von 483, Mansi VII, 1064. Sonst Paul. Diac. 
11, 19. 

144) Paul. Diac. II, 20. 

145) Man erinnere sich, dass Spoletium zu Umbria gehört (S: 159),  Nursis, 
Auximum, Pinna aus der interpolirten Recension stammen. Gastrum liegt 
bei dem heutigen San Ginesio (Colucci XVII, 25). 

146) Vielleicht durch Interpolation. .S. oben S. 165. . 


die libri colontarum. 213 


und Ravenna ausgeschlossen bleibt und der District etwa bis 
Pisaurum reicht. Bloss geographisch betrachtet ist der 
liber II ziemlich richtig und verräth gute Kunde der Gegend. 
Die angegebenen Grenzlinien, welche die Küste von Pisaurum 
bis Aternum und das Gebiet zwischen Tiber und Anio be- 
greifen, schliessen fast alle in diesem. Register genannten 
Städte ein '*”). Die Abweichung von der älteren Redaction, 
wodurch Capena aus Tuscien hieher versetzt ist, und die 
Aufführung von Corfinium theils in Samnium theils hier, 
sind zu entschuldigen, da diese Städte auf den Grenzen von 
Picenum im weiteren Sinn gegen Tuscien und Samnium lie- 
gen. Dasselbe gilt wohl auch von Lucoferonia bei Capena '*). 
Ungehörig dagegen ist das Hereinziehen der campi Tiberiani 
und der Stadt Casentium, welche wie wir sahen (S. 186) 
ne existirt hat, aus Tuscien und Campanien nach Picenum; 
e$ scheint, dass der zweite Redacteur ungewiss über die 
Lage von beiden sie zu Picenum zog, wobei ihn bei den 
ersteren wohl die Namensühnlichkeit mit Tibur verleitete, 
denn er setzt ganz naiv 254, 5 hinzu: qui inter Romam et 
Tibur esse videntur. Was Trebula anlangt; so kann in der 
ersten Redaction nur das campanische oder samnilische :**) 
gemeint sem, in der zweiten nur Trebula Sufenas in der 
147) Castellum ist das Emporium von Firmum; Ficulea liegt an der Via 
Nomentana wahrscheinlich bei Monte Gentile (Westphal röm. Camp. 

. 8. 124); Forum novum hei Vescovio an der Imella (Ciuver. p. 693. 
Fabrett. 681, 64); die Plentini sind wohl eher die Plestini (Plin. 3, 

14, 114; Mengozzi de’ Pleslini Umbri bei Colucci vol. XI) zwischen 
Fulginium und Camerinum als die Peltuinates. Die übrigen sind bekannt. 

148) Es kann hier nur die Stadt (wenn es eine war) in der Nähe von 
Capena am Soracte gemeint sein (Cluver. p. 547; Orell. 4099, eine 

von Holstenius ad Cluver. p. 61 aus den vaticanischen Handschriften 

ohne Angabe des-Fundorts entlehnte nicht ganz unverdächtige Inschrift). 

Den Anlass dieselbe einzurücken gab vielleicht der von Frontin 46, 7 


(vgl. 22, 7. 51, 21) bei Merida in Lusitanien erwähnte Hain der Feronia. 
149) Ueber jenes s. Cluver. p. 1183, über dieses I. N. n. 5151. 


214 MOMMSEN 


Sabina oder Trebula Mutuesca, jetzt Monte Leone in den 
Abruzzen. Wenn der Redacteur also, wie es scheint, diesen 
Artikel aus Campanien entlehnte, so, fälschte er. Im Ganzen 
erhellt, dass der Redacteur, mochte. er auch noch so leicht- 
sinnig und gewissenlos verfahren und historische und groma- 
tische Irrthümer sich noch so zahlreich £u Schulden kommen 
lassen, dennoch eine klare geographische Vorstellung von 
den beschriebenen Landschaften gehabt hat und also in die- 
ser Beziehung das Buch nicht ganz werthlos ist. 

27. Es sind noch die drei italischen Inseln übrig, über 
welche für diesen Zweck wenige Worte genügen. Bekannt- 
lich waren es alte Provinzen; erst in der constantinischen Ver- 
fassung finden wir sie mit Italien vereinigt, und zwar Sicilien 
unter einem corrector v. c., der vor 350 zum consularis er- 
hoben ward '5°); Sardinien und Cersica jede unter einem 
praeses !*'). Die beiden letzteren Inseln müssen bald nach 
dem Fall Karthago's (439) von den Vandalen besetzt worden 
sein; in einem Verzeichniss der katholischen Bischöfe. des 
vandalischen Reiches von 484 kommen.auch die Bischöfe von 
Sardinien und den Balearen, Corsica 'aber als Verbannungsort 
vor !°®). Nach der Ueberwindung der Vandalen wurde Sar- 
dinien mit Corsica 534 eine der sieben dem neuen praefectus 
praetorio von Africa untergebenen Provinzen '°°) und blieb 
dies auch nach der Ereberung Italiens durch Justinian '**). 
Sicilien wurde von demselben nach der Vertreibung der 
Gothen unter einen Prätor gestellt, der direct unter den con- 
stantinopolitanischen Behörden stand '°°). 


150) Böcking p. 432*. 1203*. 1204*. 

151) Bócking p. 436*. 437*. 805*. 

152) Mansi VII, 1156. VII, 591. : 

153) 1.1 $2. 1.2 $3 C. Just. de off. pr. pr. Afr. I, 27. 

154) Gregor. M. ep. 1, 61. VII,2. Hegel Gesch. der St. Verf. I, 179. 223. 
155) Just. Nov. 752104. 


die bri coloniarum. 215 


Zusatz über den Arcerianus. 


Die von mir 5. 151 aufgestellte Behauptung, dass der 
Arcerianus schon um 1509 von Rom weggekommen sel, 
steht im Widersprueh mit Blume's Ausführung, welcher zwar 
die nahe liegende Combination, dass Erasmus während sei 
nes Aufenthalts in Ralien. (1506— 1509) von dem ihm be- 
freundeten. Wiederauffinder der Handschrift Phádrus dieselbe 
erworben habe, selbst andeutet (S. 16), sie aber dennoch ver- 
wirft, weil Angelus Colotius in den ersten Decennien des 
sechszehnten Jahrhunderts die Handschrift besessen habe. 
Es wird gestatlet sein die Gründe anzugeben, wesshalb wenn 
ich ‘nicht irre Colotius aus der Reihe derBesitzer des Ar- 
cerianus ganz zu streichen ist. 

Blume hat den Colotius aus zwei Gründen in diese 
Reihe aufgenommen: einmal weil Volaterranus Auszüge aus 
einer Ägrimensorenhandschrift des Colotius beibringt, welche 
Blume für den Arcerianus erklärt; zweitens weil die Ab- 
schrift des Zanchi, welche nach Blume’s Ansicht aus dem 
Arcerianus geflossen ist, nach dem Zeugniss des Metellus 
ez codice Colotiano copirt ist. 

Was indess die Auszüge des Volaterranus anlangt, se 
smd nicht bloss, wie Blume selbst bemerkt, einige darin 
enthaltene Notizen aus einer Handschrift dritter Klasse ente 
lehnt, sondern sie sind von Anfang bis zu Ende aus einer 
der erfurter durchaus analogen Handschrift genommen. : Man 
vergleiche nur die S. 12 A. 15 abgedruckten Auszüge des 
Volaterranus mit E. 16—18 (Ausg. Frontin 27, 13fg. Nipsus 
200, 17fg.); E. 3. 4. (Ausg. lib. col. 246—249); 1. 2 (Ausg. 
Balb. 94, 13. 19). Die Identität geht bis in die kleinlichsten 
Schreibfehler, wie z. B. 29, 2, wo Frontin sagt: qui qua 


216 MOMMSEN 


longior erat, fecerunt decumanum, der Erf. quia für. qui qua 
lest und Volaterranus desshalb schreibt: decumanum voca- 
verunt quod is longior sit. Ebenso ist sexta sive dufrans 
statt sestans sive dodrans 94, 19, nigrius oder ingrius statt 
iugarius 247, 17 im Erf. ebenso wie bei Volaterranus zu 
finden. Dagegen findet sich auch nicht ein. Wort, das auf 
eine Quelle anderer Art.deutete und schon die Bezeichnung 
der Handschrift bei -Volaterranus als Julius Frontinus et M. 
Junius Nypsus führt auf eine Handschrift. der dritten Klasse, 
welche Recension nach Lachmanns sehr wahrscheinlicher Ver- 
muthung (S. 113) das gromalische Material in zwei Bücher zu- 
sammenfasst und das erste derselben dem Julius Fronünus, 
das zweite dem M. Junius Nipsus beilegt. Zum Ueberfluss hat 
Blume selber erwiesen, dass lange nachdem der Arcerianus 
von Rom weggeführt war, OColotius sich im Besitz einer 
Gromatikerhandschrift befand, welche Metellus, der sie sah, 
als Frontinus und Nypsus bezeichnet und mit der florentiner, 
einer Schwesterhandschrift der erfurtischen vergleicht. Also 
die Handschrift, die Volaterranus bei Colotius sah, war keines- 
wegs der Arcerianus '), sondern die auch von Metellus dort 
gesehene der dritten Klasse. 

Was die Abschrift des Basilius Zanchi betrifft, so smd 
wir darüber immer noch ungenügend unterrichtet. Ich kann 
es nicht billigen, dass Blume zwei Abschriften desselben aus 
zwei verschiedenen alten gromatischen Handschriften unter- 


1) Hiemit fällt auch das Zeugniss weg für die Identität der in Bobbio 1493 
gefundenen und der arcerianischen Handschrift, auf welches Blume S. 11 
Gewicht legt. Zum Glück bedarf es dessen aber nicht; denn es kann 
unmöglich Zufall sein, dass das von Volaterranus mitgetheilte Inhaltsver- 
zeichniss der Handschriften von Bobbio die, gromatischen Schriften genau 
in der Ordnung des Arcerianus aufzählt, nur dass B vor A steht. Die 
beiden Handschriften waren bei der Auffindung also noch nicht in einen 
Band vereinigt. D. . 


die Adri coloniarum. 217 


scheidet, von denen die eine — ich sche sehlechterdings 
nicht wesshalb — zu dem. ganz verschiedenen Erfurter und 
den diesem analogen Manuscripten gestellt ist. Mir scheint 
es vielmehr einleuchtend, dass sowohl ‘der Vitruvius, Rufus, 
Simplicius u. s. f. (S. 14) als der Hyginus de castrametatione, 
die libri col. u. a. m. (S. 522) von Metellus- aus demselben 
zanchischen Exemplar copirb wurden. Das einzige Bedenken 
hiegegen, dass Metellus als das Original der zanchischen 
Copie einmal eine Handschrift des Colotius bezeichnet, ein 
anderes Mal eine des Gallesius Massa, hat kein Gewicht, da 
einerseits. Metellus flüchtiger und sich selbst widersprechen- 
der Bericht in keiner Weise vollständig aufrecht gehalten 
werden kann, andererseits er in keinem Punkte leichter irren 
könnte -als in der Bezeichnung des ihm ohne Zweifel nur vom. 
Hórensagen bekannten Originals der ihm zu Gesicht gekom- 
menen Copie. Wie nahe lag es ihm, als er zwanzig Jahre später 
in Köln seine Notizen machte, den von ihm selbst gesehenen 
vermuthlich alten Codex des Colotius dritter Classe. mit dem 
nicht gesehenen Original der jungen zanchischen Abschrift 
zu verwechseln! Wäre:es also auch völlig ausgemacht, dass 
das Exemplar des Zanchi unmittelbar aus dem Arcerianus 
abgeschrieben ist, so würde doch auf jene Aeusserung des 
Metellus coder Basilii Zanchi sumptus ex Colotiano noch 
keineswegs Colotius als Besitzer des Arcerianus angesehen 
werden dürfen: t ' 

Wie steht es denn aber mit dem Original des zanchi- 
schen Manuscripts? von dem übrigens, beiläufig gesagt, nir- 
gends gesagt wird, dass es von Zanchis Hand geschrieben 
und nicht bloss in seinem Besitz gewesen sei, so dass man 
aus Zanchi's Geburtsjahr (1501) keinen Schluss machen 
kann auf das Alter der Handschrif. — Wir würden die 
Frage, ob die Zanchische Abschrift aus dem Arcerianus, und 


218 MOMMSEN 


wenn dies, ob sie direct aus dem Arcerianus geflossen sei, 
bestimmt. und mit. Leichtigkeit entscheiden können, wenn 
Metellus Abschrift der zanchischen Copie (cod. Barb. 1546, 
Blume S. 53; vielleicht auch cod. Reg. 7229, Blume S. 31) 
‚genauer bekannt wäre; indess nur für det einzigen Hygin de 
eastrametatione ist Zanchi's Text zugänglich geworden. Der 
neueste Herausgeber dieser Schrift meint nun 5.30 seiner Pro- 
legomenen, dass zwar die Blattversetzungen, Verstümmelungen 
und eine Menge auffallender Fehler dem Arcerianus mit dem 
Codex Zanchi gemeinsehaftlich seien,.dennoch aber dieser von 
jenem in zu vielen und auffallenden Dingen abweiche um aus 
dem Arcerianus geflossen zu sein. Ist dies riehtig, und Blume 
wenigstens giebt es zu, so wird auch in den übrigen Stücken 
der gromatischen Sammlung den zanchischen - Absehriften 
eine ähnliche Geltung angewiesen werden müssen. Die ge- 
:naue Beweisführung wird bei Lange leider vermisst und es 
ist weder meines Amtes noch dieses Ortes: diese Untersuchung 
hier nachzubringen; ‚wohl aber darf man zu emer nochmaligen 
ernsllicheren Prüfung auffordern. Es ist ungemein auffallend, 
" a4lass von einer Anzahl Schriften, die sonst schlechterdings 
nur.aus dem Arcerianus bekannt sind, hier auf einmal eine 
Handschrift erscheint, .die in Lücken und Versetzungen und 
Zufälligkeiten aller Art, vor allem aber. in dem Inhalt wie in 
der Ordnung *) mit dem Arcerianus offenbar übereinstimmte, 
deren kritischer Ertrag trotz des äusserst corrupten Zustandes 
dieser Schriften mindestens sehr unbedeutend ist”) und.die den- 
hoch auf einer vom Arcerianus verschiedenen Gründlage be- 
ruhen soll. Ja wenn es wahr ist, dass Metellus den beru- 
1) Ich erinnere z. B. an die mathematischen Fragmente, die im Arcer. 
wie im Codex Zanchi der Schrift de- castrametatione vorangehen. 
‚ 2) Ich wenigstens habe keine Stelle gefunden, wo die Abweichungen der 


zanchischen Copien vom Arcer. bestimmt auf. eine andere Quelle 
führten. 


die libri coloniarum. 219 


fenen , Simplicius ** im Codex Zanchi fand (S. 14), so muss 
derselbe schlechterdings eine Absehrift des Arcerianus ge- 
wesen sein, in dem bekanntlich dieser Name durch ein 
absurdes Quiproquo entstanden ist. Man möchte demnach 
fragen, ob sich nicht Lange doch geirrt hat und ob das 
Original der zanchischen .Copie nicht eine etwa im zwölften 
Jahrhundert gefertigte und durch mehrfache Mittelglieder von 
der Urhandschrift. getrennte Tochterhandschrift des uralien 
Arcerianus war. 





Diesen Bemerkungen über den Arcérianus mag sich 
noch folgende Noliz über eine Handschrift des Petrarca an- 
schliessen. "NL 

In einem wohl ungedruckten im cod. Riccard. n. 898 p.109 
von mir gefundenen Briefe des florenliner Staatsschreibers 
Celueius Salutatus, welchen dieser YIII kal. Oct. um das 1.1390 
aden Kanzler des comes Virtutum (d. h. des Herzogs von 
Mailand Gian Galeazzo Visconti) Pasquino de Capellis schrieb, 
inden sich: folgende Worte: Kx ore Franciscuoli generi. quon- 
dam celebris ınemorie Petrarce nostri (Francesco da Brossano, 
Petrarea’s Schwiegersohn und Universalerbe, s. Tiraboschi 
Dd. V. S. .90) certissixnum habeo ex bibliotheca dicti Pe- 


trarce in manibus comunis domini illustrissimi : principis 


domini comitis Virtutum esse librum M. Varronis de mensu- 
ris orbis terrae, librum quidem magnum in antiquissimu 
littera, in quo sunt quaedam geometricue Jigurae. Quamvis 
Antonius Luscus noster scripserit mihi,: quod putet esse 
Varronem de lingua Latina‘). Quidquid Varronis fuerit, 


1) Der Brief des Colucius, auf den Luscus ihm dies zurückschrieb, an 
Antonius Luscus von Vicenza, datirt Florentiae XII kal. Sextilis, steht 
im cod. Medic. Gadd. pl. XC sup. cod. 41, 3 ep. 60: Miror et non 


220 MOMMSEN die übrf coloniarum. - 

cupio plurimum eum habere, et'ob id etiam noniine meo, 
si tibi videtur, ilium a domino postales ut habere valeam in 
ezemplar, mihique quantocius fleri potest et hanc. sitim 
ertingue. — Dass Luscus falsch rieth, leidet keinen Zweifel; 
eme groinatische Handschrift ist höchst wahrscheinlich ge- 
meint. Unter den bekannten finden sich varronische Titel 
in zweien: liber Marci - Burronis de geometria ad Rufum 
Silbium im Arcerianus (243, 17 A.) und M. Farro de arith- 
metica in dem verschollenen und mit Sicherheit nicht ein- 
mal zu classificirenden Codex des Alciat (Blume S. 55; vgl. 
Ritschl im rhein. Mus. N. F. VI, 505). An jenen kann man 
nicht wohl denken, da die Nachricht, dass er erst 1493 aus 
Bobbio nach Rom kam, vollkommen - beglaubigt ist; die 
"alciatische Handschrift könnte dagegen recht wohl die des 
Petrarca sein, zumal -da diese ja in Alciats Heimath, nach 
Mailand gekommen’ sem soll. Die Abweichung in dem Titel 
ist zwar befremdend, aber dennoch um so weniger ent- 
scheidend, als Alciatus sämmtliche Veberschriften sehr frei 
angegeben zu haben scheint. 

Ueber die von Gian Galearzo gestiftete Bibliothek - ver- 
gleiche Tiraboschi Bd. V. S.:86. 87, woraus hervorgeht, dass 
‘auch eine andere Handschrifi des Petrarca in dieselbe ge- 
kommen ist, die jetzt: im der Ambrosiana sich befindet. 


modicum, quod de Varrome miM exploratum habeas nihilque re- 
scripseris. Rogavi super hoc, videns te negligentiorem, Hoqgerium 
Canem, non quod hanc procuralionem a te transferam et illi maioribus 
occupato confidam, sed quoniam facilius poteris forte per ipsum 
quam per te vel Pasquinum-meum quod. ezpedit impetrare. 


UEBER DIE LEX MAMILIA ROSCIA PEDUCAEA 
ALLIENA FABIA. 


YON MOMMSEN. 


D: Identität des in 1.3 pr. D. de term. moto aus einer 
lr agraría, quam Gaius Caesar tulit, angeführten Satzes 
und des c. 55 der lex Mamilia Roscia Peducaea Alliena 
Fabia, folgeweise auch die Identität beider Gesetze, ist nach 
meiner Meinung von Rudorff bis zur Evidenz dargethan 
worden; wogegen es mir — und wohl nicht mir allein — 
schrift bedenklich erschienen ist die fünf Namen der Ueber- 
immer für einen sinnlosen und ungehórigen Titel zu erklüren. 
Es wird wohl Niemand und am wenigsten Rudorff selbst be- 
zweifeln, dass eine Combination vorzuziehen wäre, die beide 
Benennungen rechtfertigte. Obwohl ich nun weit entfernt 
bm eirie solche erweisen zu können, glaube ich doch eine 
Möglichkeit gefunden zu haben die räthselhafte doppelte Be- 
nennung zu erklären und vielleicht ist unter den obwaltenden 
Umständen auch diese der Miftheilung werth. 

Die ler Mamilia Roscia Peducaea Alliena Fabia kann 
wohl nichts sein als ein.von fünf Männern entworfenes Ge- 
setz, etwa von fünf Volkstribunen (wobei aber die Nicht- 
betheiligung der andern fünf auffallend wäre) oder von einer 
agrarischen Commission von fünf Personen. Solche guingue- 
viri finden wir thätig bei den Assignationen in Praeneste 
236, 14 und Venafrum 239, 7, wo man ohne Noth Zliviri 


22A MOMMSEN 


gebessert hat; denn auch die Zeitgenossen erwähnen diese 
Fünfmánner. Bekanntlich setzte Cäsar als Consul 695 ein 
Gesetz durch über Vertheilung des Gemeinlandes in Italien, 
vor allem in Campanien, und bestimmte eine Commission 
von zwanzig Männern zu dessen Ausführung. Anstalt dieser 
 Ziwanzig- kommen auch Fünfmänner vor Cic. ad Att. 2, 7,4. 
de prov. cons. 17, 41; sei es dass die Zahl später beschränkt 
ward, sei es dass die Zwanzig sich in vier Subcommissionen 
theilten und man bald XXvir bald Yvir sagte, ähnlich wie 
XXVlvir und Xvir lit. iud. neben einander gesagt wurde. 
Die von Cäsar eingeselzle Commission war noch 703 in 
Thätigkeit (Cic. ad fam. 8, 10,4). und mit Recht bemerkt | 
Drumann (R. G. 3, 670), dass die Anweisungen, welche Cäsar - 
nach Besiegung der senatorischen: Partei vornahm, ihren 
Rechtsgrund immer noch in dem Gesetz von 695 hatten 
Es ist sehr glaublich, dass die Commission unter andern 
Aufträgen auch den empfing die technischen Detailfragen des 
Agrarwesens durch ein Gesetz zu ordnen, ‚und dieser Com- 
missionsbeschluss, mochte er nun im Voraus durch die les 
lulia agraria mit Geselzeskraft bekleidet sein oder von den 
dazu bevollmächtigten Mitgliedern der Commission noch be 
sonders dem Volke zur Annahme vorgelegt werden, konnte 
sowohl als Bestandtheil des cüsarischen Gesetzes gelten wie 
auch als lex Mamilia Roscia Peducaea Alliena Fabja, wenn 
ein Mamilius, Roscius, Peducaeus, Allienus, Fabius die Com- 
mission bildeten. Dass das Gesetz der cüsarischen Periode 
angehórt, findet darin wenigstens einige Unterstützung, dass 
in derselben Männer von den vier letzteren Geschlechtern 
als Staatsbeamte oder Offiziere vorkommen; wogegen das 
kaum ein Einwurf ist, dass unter den drei oder vier uns 
anderweitig bekannten Vigintiviri (Drumann R. G. 3, 206) kei- 
ner von jenen fünfen sich befindet. Dass endljch der Gaiss 





‚über die lez Mamilia Boscia Peduceeu Aliens Fabia. 225 


Caesar des Callistratus trotz des fehlenden divus nicht nóth- 
wendig den Caligula bezeichnet, sondern auch. auf den Dicta- 
tor gedeutel -werden kann, beweist die Parallelstelle bei 
Pomponius /. 2 $ 32 D. de O. I. deinde: C. Julius Caesar 


duos praetores . . . constituit. 

Es bleibt noch übrig das Verhältniss der bei Cicero y 
und häufig bei den Gromatikern*) vorkomınenden lez-Mamilia 
zu unserer Jer Mamilia Roscia Peducaea Alliena Fabia zu 
erwägen. An sich ist die früher gangbare Meinung sehr 
wahrscheinlich, dass beide dieselben sind und die gangbare 
Bezeichnung lez Mamilia eine abgekürzte ist, indem man 
nur den ersten Rogator nannte; wie das in solchen Fällen 
gewöhnlicher Sprachgebrauch war. Es wäre wenigstens sehr 
sonderbar, wenn das in dem gromatischen Corpus erhaltene 
Geselz dieses Namens verschieden wäre von dem so oft 


1) Cic. de leg. 1, 21, 55 ex hac autem non rerum sed verborum 
discordia controversia nata est de finibus, in qua quoniam usu-: 
capionem X1! tabulae intra quinque pedes esse noluerunt, depasci 
telerem possessionem academiae ab hoc acuto homine non sinemus, 
nec Mamilia lege singuli, sed ex iis tres arbitri fines regemus. 
Frontin. 11, 5 inter duos pluresue lerminos ordinalos sive quae 
alia signa secundum legem Mamiliam intra quinque pedes agitur. 
Dazu Aggen. 12, 12. De fine enim lex Mamilia quinque aut sex 
pedum latitudinem praescribit, quoniam hanc latitudinem vel iter 
ad culturas accidens occupat *el circumactus aratri. quod. usu capi 
non polest: iter enim non, qua ad culturas pervenilur, capitur usu, 
sed id quod in usw- biennio fuit. 37, 24 num praeterea lez Mamilia 
fni latitudinem praescribat. de qua lege iuris periti adhuc habent 
quaestionem, neque antiqui sermonis sensus proprie explicare pos- 
sunt, quini pedes latitudinis dati sint, an in tantum quinque, ut. 
dupondium el semissem una quaeque pars agri finem pertinere 
patiatur. A3, 20 haberi ordinem legis Mamiliae excessum plurimum, 
praecipue in agris archifiniis, sed nec minus in adsignalis. Sic. 144, 
19 signantur autem utrimque (arbores), id est ex utraque posses- 
sione, intra pedes quinos, ut legis Mamiliae commemorationem habeant. 
Hyg. grom. 169, 5 lineari limites — si finitimi interveniunt, lati- 
— tudinem secundum legem Mamiliam accipiunt. 
Rómische Feldmesser II. 15 


2 


b 


226 MOMMSEN über die Lem Metilia Roscia Podesase Aliena Fabia. 


darin citirten. Dieser Identität steht in der That auch nichts im 
Wege. Was uns aus dem mamilischen Gesetz angeführt 
wird, Bestimmungen über die Breite der Grenzstreifen und 
über die Zahl der Arbitri bei der finium regundorum aetio, 
kann sehr wohl in den verlorenen Kapiteln unseres Gesetzes 
gestanden haben. Ueber die Entstehungszeit der Mamilia 
wissen wir nur, dass sie schon im J. 703, wo Cicero die 
Schrift über die Gesetze verfasste ( Drumann R. G. 6, 104), 
etlassen war; es steht nichts im Wege, ja es ist sogar 
der Art, wie Cicero sie anführt sehr angemessen, anzunehmen, 
"dass sie damals neu war. Dass ein Volkstribun L. Mamilius 
Limetanus schon einige Decennien früher vorkommt, kann 
doch in der That keinen Grund hergeben das Gesetz hóher 
hinaufzurücken; es ist eine reine Supposition, dass diese 
Familie ihr Cognomen der fraglichen Lex Mamilia verdanke. 
Viel mehr empfiehlt sich ein Vorschlag Rudorff's, dass man 
an die Spitze der Commission emen Mamilius Limetanus 
ominis causa geslell habe, wie bei keinem Provocations- 
gesetz der Valerius fehlen durfte. 


GROMATISCHE INSTITUTIONEN. 


. VON RUDORFF. 


Nachdem in den vorangegangenen Aufsätzen über die Schrif- 
ten der römischen Agrimensoren und deren Ueberlieferung 
Rechenschaft gegeben ist, bedarf es zum Verstündniss dieser 
Ueberbleibsel zunüchst einer sachlichen Einleitung, bei welcher 
wir die Zeit der gromatischen Institutionen der Römer als 
geschichtlichen Standpunkt wählen und die rechtlich-politische 
Seite der Kunst vor der technischen in's Auge fassen. 

Zwar steht die ars mensoria zum ius ordinarium 
(22, 10. 24, 1) im Verhältniss einer Ausnahme, ja sie wird 
dem ius civile (58,21. 134, 10) entgegengeselzt und wenn 
man bedenkt, dass das letztere vermóge eines forense offi- 
cium (134, 9) auf dem Markt, in Basiliken, Sessionen, von s&- 
zenden Richtern, nach Büchercitaten (lectiones) und Acten 
geübt wird, während das gromatische von Feldmessern und 
Untergángern im offenen Ganggericht gefunden werden muss, 
so möchte man den angegebenen Gesichtspunkt- von vorn 
herein für widersinnig und unmöglich halten. 

Allein schon die gleichartige Vorbereitung deutet auf die 
Verwandtschaft und höhere Einheit beider Fächer und nicht 
ohne Grund werden die Lehrer des Rechts (qui ius civile 
docent) und der Geometrie (geometrae) in einem valicanischen 
Fragment (S 150) in der Ablehnung bürgerlicher Lasten ein- 
ander gleich gestellt. 


290 RÜDORFF 


“ Die Vorbereitung der Juristen und Gromaliker schied 
sich nämlich in eine praktische Einübung (instructio) und 
eine theoretische Einleitung (institutio), 

Jene gab das Leben selbst, der Jurist erwarb sie in- 
dem er als Auditor dem respondere, cavere, scribere im Ge- 
schäft eines Jurisconsultus und seiner Notarii beiwohnte, der 
Gromatiker erhielt sie, so lange der Staat noch Kriegszüge 
und Colonien ausführte, im Gefolge der Imperatoren (92, 7 
bis 93, 10; 121, 7—10) *) und als jene Unternehmungen auf- 
hörten, durch die praktischen Erörterungen und Aufgaben 
(z. B. 285—301, 310 f) der gromatischen Pandekten er di- 
versis auctoribus (342, 13; 310, 1; 351,13) auf der poly- 
iechnischen Schule. 

Diesen Uebungen musste jedoch eine vorbereitende 
Debersicht vorausgehen, die freilich in der spätern Zeit in 
einem wahren Wust, von Barbarei. und Ungeschmack be- 
graben ward, weiter hinauf aber verständiger und anziehender 
erscheint und als Grundlage der folgenden Uebersicht etwas 
, näher betrachtet werden muss. 

Die Anfänge römischer Bearbeitung der gromatischen 
institutio reichen nicht über Varro hinauf, in dessen uns 
verlorener Geometrie noch die Ritualbücher der Etrusker 
benutzt werden konnten (27, 12), aus deren Uebertragungen 
nach einer freilich isolirten. Nachricht ‚bei Livius (9, 36) die 
‚patizische Jugend der Republik ihre kriegswissenschaftlichen 
und gromatischen Kennlnisse schöpfte.- 

Die auf uns gekommenen Auctoren des Fachs gehóren 
dem ersten und zweiten Jahrhundert, dem Zeitalter Domitians 
und Trajans an. 

- Der älteste und vornehmste, Sextus Julius Frontinus, 
wenn auch kein íurís aucter und prudentiesimus vir. (124, 15) 
1) Ammian. 19, 11. 8. 


gromatische Institutionen. 231 


doch ein rechtskundiger höher gestellter Beamter unter Domi- 
lian schied die institutio und instructio in zwei Bücher 37,13: 
uno enim libro instituimus artificem, alio de arte dispu- 
tavimes und. legte durch dieses freilich .im spätern Schul- 
gebrauch verunstaltele Lehrbuch den Grund zu einem wissen- 
schaftlichern Unterricht, Das System beider Abschnitte stimmt 
mit dem herkömmlichen Institutionensystem (Gai. 1, 8): 
den actiones entsprechen die controversiae agrorum, dem 
materiellen Recht (personae, rerum divisio und adquisitio) 
die qualitates agrorum und im praktischen "Theil, die nicht 
streiligen actiones, welche der Feldmesser auszuführen hat: 
(31, 2; 166, 3) de limitibus, de adsignationibus et par- 
titionibus agrorum, de finitionibus terminorum. | 

Die expésitio formarum des. Balbus, deren Umfang und 
Ueberlieferung ‚durch Mommsen's Untersuchung zu befriedi- 
gender Klarheit gebracht ist, enthält nur Spezialbeschrei- 
bungen von Staatsvermessungen aus den amtlichen Festungs- 
plänen.und Flurkarten des Reichsarchiys. An Stelle der allge- 
meinen Uebersicht der conditienes agrorum sieht eine Be- 
lehrung über die Maasse und die Bruchrechnung. 

Von Siculus Flaccus dagegen, welcher ebenfalls. die 
ganze Fülle stádtischer Statuten und rómischer Gesetze über 
die regiones Italiae — d. h. die Stadtgebiete, nicht die hóhern 
Sprengel der Verwaltung oder Gerichtsbarkeit (135, 4; 137, 2; 
295, 13) — benutzt hat, besitzen wir nur die allgemeine 
Klassification der conditiones Italiae (258, 2; 262, 14; 282, 3): 
denn der liber regionum, aus welchem der Katalog. campa- 
nischer Stadtgebiete erhalten ist (229—239), kann in der uns 
überlieferten Gestalt nicht vor M. Aurel und Commodus 
(177—180) entstanden sein (236, 9), während der liber con- 
ditionum Italiae kein jüngeres Datum als Domitian ent- 


hält (163, 14). Jene Specialbeschreibungen dürfen also 


232 RUDORFF 


nicht als Fortsetzung der allgemeinen conditiones betrachtet 
werden. | | | | 

Eine vollständige institutio haben wir erst wieder in 
dem später so beliebten /iber Hygini (108, 9. 14; 336, 2) 
aus Trajans Zeit (121, 7.8) dessen Feldzüge in Germanien 
(123, 9) und in Cyrene (122, 15) angedeutet scheinen: Die 
conditiones, die staats- und völkerrechtlichen Bedingungen 
der Städte sind blos „generatim“ (133, 17) zusammengestellt. 
Wegen der einzelnen Gebiete ist auf die speciellen' leges 
coloniarum et municipiorum verwiesen (118,5; 133,19), die 
er aber nicht aufgenommen zu haben scheint, da selbst die 
allgemeinen Kaiseredicte in einem besondern Buch zu- 
sammengetragen waren (133, 14), aus welchem die streitige 
fünfnamige Lex Mamilia, Roscia, Peducaea, Alliena, Fabia 
herrühren mag. Statt der funfzehn frontinischen Controversen 
hat der actionenrechtliche Abschnitt nur sechs genera contro- 
versiarum in alphabetischer Ordnung (123, 17 — 124,2), von 
welcher auch bei Siculus Flaccus eine Spur vorkommt 
(162, 90; 163, 20). Ob der Institutio ein zweiter praktischer 
Theil gefolgt ist, hängt von der Streitfrage ab," wie sich der 
Verfasser der Schrift de limitibus constituendis (166—208) 
und de munitionibus castrorum zu unserm Hygin verhält *). 
Wenn man sich mit Lange für die ldentitit entscheidet, so 
würde man in jener Schrifl nur einen Abschnitt der nicht 
streitigen Aclionen des zweiten Theils erkennen können. 

Die übrigen Stücke der Feldmessersammlung, das zweite 
Buch des M. Junius Nipsus, die Auszüge aus Dolabella, 
Latinus, Mago und Vegoia und andern Auctoren, die Zeichen 
(notae iuris) und Aufgaben sind Bruchstücke aus' dem zwei- 
ten praktischen Theil, die auch abgesehen ‘von ihrer Ver- 


2) Lange zu Hygin. de munit, castr. 1848 p. 40—63. 


gromatische Institutionen. 233 


derbniss durch den Unterricht das Verständniss des Zu- 
sammenhangs nicht ergeben, sondern voraussetzen. | 

Von dieser Beschaffenheit also ist die Hauptquelle, 
aus welcher die gromatischen Institutionen der -Neuern ge- 
flossen sind. ] 

"Dass es fast Allen, von Salmasius Plinianae ererci- 
tationes, Rigaltius’ verständigen observationes et netae 
und Goesius’ oberflächlichen antiguitates agrariae bis auf 
Niebuhrs Wiederbelebung dieser Studien vorzugsweise um 
das rechtlich - politische Element , oder nach Rigaltius’ 
Ausdruck, um die iuris terminalis prudentia, hoc est finium 
arte mensoria regundorum disciplina, quae non solum finalia 
privatorum éurgía compescit, &:d etiam coloniarum deductio- ' 
nibus imperii fines latius occupandós constituit zu hun 
ist, tadle ich nicht. Denn nur ein Commentar oder eine F olge 
specieller Abhandlungen, die aber tiefer eingehen müssten 
als Goesius, Laurenberg und Bachet, würde alle die interes- 
santen sprachlichen, arithmetischen, geometrischen, statistischen 
und technischen Spezialitäten erschöpfen können, die uns auf 
jedem Blatt der Feldmessersammlung entgegen treten, (z. B. 
die indisch-griechische Behandlung der Kettenbrüche 356, 11). 

Bedenklicher ist, dass’ auch jene gromatischen Institutio- 
nen im engern Sinn des Worts, auf einen Text gegründet 
sind, ‘der nicht blos im Einzelnen verdorben, sondern durch 
absichtliche Zertrümmerung, Versetzung und Verbindung der 
Bruchstücke der alten Lehrbücher zu einem neuen gromati- 
schen Corpus, durch den fortwährenden Schulgebrauch die- 
ses Corpus, ja durch geflissentliche Fälschungen, im Ganzen 
und Grossen ärger zugerichtet ist, als die suris auctores 
im Dositheus oder den Pandekten, so dass es erst einer Art 
Hommelscher Palingenesie bedurfte, um ihn auf seine Ele- 
mente zurückzuführen und auch nachdem diese vorliegt, 


234 RUDORFF 


die Benutzung noch immer die äusserste Behulsamkei er- 
fordert. 2 

Wo es mit dieser Hülfe gelingt, i in das alte gromatische 
Recht einzudringen, gebührt der Dank dem unvergesslichen 
Freunde, dessen Meisterhand die verschüttete Grube aufgeräumt, 
und ihre zuvor völlig. unsichere Bearbeitung wenigstens 
möglich gemacht hat. s 


I Wesen und Benennung der Gränze. 


1. Die Theilung ‘und Zusammensetzung des Erdbodens 
geschieht durch- Bestimmung eines äussersten Saums, bis zu 
welchem ein willkürlich als Ganzes angenommenes Stück 
der an einander hangenden und gleichartigen Oberfläche 
reichen, .hei welchem Hoheit, Eigenthum ‚und Besitz enden 
und wenden sollen ?). Diesen Saum nennen wir Gränze und 
unterscheiden den grossen äussern völker- und staatsrecht- 
lichen Gränzzug, welcher die Erde unter die-Völker, Stämme, 
Gemeinden vertheilt, von dem innern privatrechtlichen, wel- 
cher die einzelnen Eigentlrümer und Besitzer gondert und zu 
einem Ganzen verbindet *). 
Die Römer nennen die Gränze in ihrer trennenden Natur, 
im ‚Gleichen die durch sie geschiedenen Gebiete finis (366, 
12) oder estremitas *); von ihrer verbindenden Seite betrach- 
3) Durch Errichtung eines Gebäudes entsteht ein künstliches nicht mehr 
durch blosse Ziehung der Scheidelinie theilbares Ganzes L.6 $1 D. 
comm, praed. 8, 3. Savigny, Obligationenrecht 1851 $ 29. Das Gränz- 
recht beschränkt sich auf Grundstücke wesentlich ländlicher Bestim- 
mung. Cic. top. 10, 43. L. 4 $ 1 D. fin. reg. 10, 1. 

4) Ovid. fast. 2, 659 (vom Terminus) Tw populos urbesque et regna 
ingentia Anis: Omnis erit sine te liligiosus ager. 

5) 98, 3: extremitas est quo usque unicuique possidendi ius concessum 
est (Besitzgränze) aut quo ueque quisque ewum serval (Eigenthums- 
gränze). 


gromatische Iastitutionen. 235 


tet heisst sie confinium. Da. erst durch sie Eigenthum und 
Besitz am Grund und Boden bestimmt wird, so: ist bei jeder 
Rechts- und Besitzübertragung wie nach jedem Gränzstreit 
eine demonstretio finiem, eine Grünzanweisung nöthig *). 

Das durch die Hohelisgränze bestimmte Staatsgebiet 
heisst vorzugsweise ager; das ‚Gemeindegebiet, der Gerichts- 
bezirk wird zugleich territorium, regio (135, 4. 139, 3. 21. 
295, 13) genannt; das privatrechtliche Ganze, der Bauerhof, : 
das Grundstück im engern Sinn: fundus, ein einzelner Be- 
standtheil desselben /ocus ’). In der vierten Periode der römi- 
schen Geschichte (seit Constantin) ändert sieh mit dem Her- 
vorireten des sermo plebeiss und rusticus °) der .Sprachge- 
brauch: casa, in guter Zeit *) für die Kathen und Baracken 
der Verwalter, Colonen und Knechte (casarii) im Gegensatz 
des Herrenhauses (villa) auf dem Hauptgute (fundus) ge- 
bräuchlich, und daher gleichbedeutend mit dem alten tugu- 
rium '°), bezeichnet in der vierten Periode den Hof selbst !!), 
casales (nämlich termini) oder casalia (nämlich signa) die 
Hofgränzen !*). 

Die Gränze bedarf einer doppelten Sicherung: erstlich 
gegen die Macht der Elemente, zweitens gegen die Gewalt 
und Bosheit der Menschen. 


6) Cic. pro Tull. c. 17. Rhet. ad Herenn. 4, 29. L. 39 pr. D. de act. 
emti 19, 1. Brisson. de form. 6, 34. Huschke analect. lit. p. 277. 278. 

7) L. 24 $3 D. de leg. 1 (30 un.) L. 60, 211 D. de V. S. 50, 16. 

8) Bernhardy, Grundriss der róm. Litt. 1859 S. 303 Anm. 2401. ' 

9) Aelius Gallus bei.Festus v. saltus. Varro dere rust. 3, 1 vom Ueber- 
gang aus dem Hirtenalter ins ackerbauende: quo agri coli sunt coepti 
atque in casis et tuguriis habitabant, nec murus, nec porta quid essent 
sciebant. L. 28 $ 12 D. de poenis 48, 19. L. 20 pr. D. si serv. 8, 5. 

10) Plin. nat. hist. 19, 4. 1. L. 186. D. de V. S. 50, 16. 

11) Orelli n. 4333. Cassiodor. var. 5, 14. 

12) In den casis litterarum werden die fundi liberi und principales (315, 
11; 325, 25; 335, 26) beinahe durchweg cdsae genannt (315. 30. 
31; 319, 29). 


236 |: * RODORFF 


Die erstere gewährt eine Beurkundang, welche da, wo 
die Natur den Grünzzug nicht deutlich : hervorhebt, durch 
menschliche Nachhülfe geschaffen werden muss. Diese Be- 
zeichnung nennen die Agrimensoren observatio: (5, 7.; 205,9; 
213, 12), die üblichen Zeichen observabilia, (151, 24) Quibus 
finis servatur 1?) oder observatur, weil sie 1) das. Eigenthum 
schützen, 2) die Gränze bemerklich .machen ..und. 3) vem. künf- 
tigen Gránzrichter-beim Begang zu beachten sind, wie wir im 
Deutschen ‚Beides, das Merkmal und die Grünze selbst durch 
„Mark“ bezeichnen. _ 

Sicherheit gegen. menschliehe Willkür aber giebt ein 
besonderer Rechtsfrieden, der um so ‚stärker gewahrt .sein 
muss, als die Gränze unter dem offenen Himmel jedem Frevel 
Preis gegeben ish 


IL . Gränzfrieden. 


2. Der Keim rechtlicher Ordnung ín der Beherrschung 
des Grundes und Bodens, der Anfang aller Gemeinde- und 
Staatenbildung unter den jungen noch wilden Völkern des 
vorrömischen Italiens war der Gränzfrieden. Ei ist als 
ein religióses Band" (religio) zu denken, welches die uran- 
fängliche rohe Gewalt zum Stehen bringt, die Fehde (lis 
inimicorum) in eine rechtliche Nachbarstreitigkeit (durgium, 
benevolorum concertatio) auflöst und die unabhängigen Anbauer 
zu einer friedlichen Genossenschaft (vicinitas) einig. Diese 
Einrichtung reicht über die Anfänge der Geschichte hinauf, 
weil der Anbau Italiens von eingewanderten Völkerslimmen 
ausgeht, die schon vorher unter sich geeinigt waren (137, 


b 


13) Plin. nat. hist, 3, 5. 9. Lutium antiquum a Tiberi Circeios serva- 
tum est. 


gromatische Institutionen. — ^ 237 


7—13). In Rom wird sie dem Numa zugeschrieben qui 
populum religionibus et divino iure devinzit ‘*). 

Ihr allgemeines Wesen besteht darm dass der Grünze 
unter irgend. einer den beginnenden Kulturzustand bezeieh- 
nenden Persopifizirung '°) göttliches Wesen und Persönlich: 
keit (numen) beigelegt wird!*). Daher geschieht die Stiftung 
durch eine consecratio, ein Opfermal, bei welchem die den 
Gränzfrieden schliessenden Nachbarn (amtermini) die Tisch- 
genossenschaft (sodaelitium) bilden. Der Gränzstein wird ge- 
salbt, gekrönt, beráuchert, und dann im Beisein der contrahi- 
renden Änlieger auf das ihm bestimmte Lager, auf das. Blut, 
die Knochenreste des Opferthiers und die Kohlen des Opfer- 
feuers gesetzt, weil diese in der Erde nicht verwiltern, und 
daher dem künftigen Friedensrichter (arditer) als sichere Er- 
kennungszeichen dienen können. (140, 11-——142, 2). 

Das Opfer sollte eigentlich nur in einem Theil der Früchte 
bestehen, die im Schutz des Gränzrechts gedeihen '), da 
aber auch Hof und Weide ohne dasselbe nicht gesichert 
sind, so ward der Gott auch in blutigen Opfern verehrt '*). 
Dieser. weltliche Theil des. Festes wird an einem bequemen 
Ort (n quo sacrificium abuti conmode possint sagt Frontin 
42, 2— 13) in der Nähe, im Schatten der arbores intactae 
(241, 5. 6), an einem Opfertisch von Holz oder Stein (Zermi- 
tius, palus sacrificalis) begangen, die Christen nannten diese 


14) Plutarch. qu. rom. 13. Tac. ann. 3, 26. . 

15) Silvanus (302, 13 ff. Horat. epod. 2, 22), Jupiter, Mercurius, der sabini- 
sche Hercules (Semo, Sancus), der rómische Fidius (Varro de ling. 
lat. 5, 66; Ovid. fast. 6, 213 1), Festus v. praedia und propter, 
Terminus: Virgil. Georg. 1, 125—127. Aen. 8, 314—329. Justin. 43, 1. 
Lactant. de falsa relig. 1,11. 

16) Ovid. fast. 2, 641—043. vgl. Brisson. de form. V, 125. 

IT) Plutarch. qu. rom. 13 Iuvenal. 16, 39. 

18) Horat. epod. 2, 59. Ovid. fast. 3, 657. 


» 
= mm 5. m m. an. 


238 RUDORPY - 
Orte später éGera paganorum, in quibus veferes errantes 
sacrificium faciebant (401, 7). 

‚Dieser weltliche Theil des Festes erscheint; zunächst als 
eine religiöse Bekräftigung des Gránzfriedens, der an sich ein 
nudum pactum, eine convenientía possessorum, erst durch 
die sacrale sponsio zu einer rechtsgültig contrahirten obligatio 
. erhoben wird !*). Statt der Beurkundung dienten der älteren 
Zeit die jährlichen Ambarvalien der Nachbarn. Später pflegten 
über diese Gränzbeziehungen Protokolle errichtet zu werden, 
in welchen der Gränzzug von ‘einem bestimmten Punkt aus 
von Zeichen zu Zeichen ringsum beschrieben wird. Dies 
nannte man pagum oder territorium significanter describere 
(163, 28. 164, 25), auch liess man Grundrisse (formae) sei- 
ner Besitzungen anfertigen, welche jedoch als einseitige Acte 
keine beweisende Kráft gegen | die Nachbarn haben konnten 
(438, 15—17). ^ 

Eine dauernde Bedeutung aber erhielten diese Verträge 
und ländlichen Feste dadurch, dass sie die Genossen in 
einen festen Gemeindeverband zusammenzogen. 

Der Name einer solchen Bauerschaft ist pagus, die Ge- 
meindeglieder heissen pagani, der Vorstand magíster pagi 
(146, 8; 164, 25 — 165, 9; 309,12). Die alten Ableitungen 
von pavisse und sınyn) *°), nach welchen die pagi Brunnen- 
genossenschaften wären, und wie im ältesten Rom den 
montes entgegenständen (160, 18) enthalten in sachlicher 
Beziehung ein wahres Element: die ältesten Ansiedlungen 
geschahen auch in Italien ut fons ut nemus placuit. 

19) Daher: fines termints obligabuntur 181, 10, extremitas mensuraliter 
obligata 16, 15; 198, 14. 19 und später obligare geradezu für begränzen, 
bestimmen 365, 33. circuire — totum fundum el tla obligare, ne 
demonstratio eius negligenter soluta appareat. 


20) Horat. od. 3, 18. 19. Ovid. fast. 1, 669. Dionys. 2, 96; A, 15. Plutarch. 
Numa c. 16. 


gromatische fnstitutionen. 930 


Wichtiger aber und zugleich sprachlich unzweifelhaft ist 
der Zusammenhang mit par und pago (so viel als pango, 
nayo, sonyyuuı), einer Form, welche schon die zwölf Tafeln 
für den gerichtlichen Friedens- und Sühnevertrag gebrauch- 
ten?!, Wie pignus (von pepigisse, einem andern Tempus 
desselben Modus abgeleitet) das durch blosses Pactum ent- 
standene Pfand bezeichnet, so heisst pagus der Dorffrieden, 
der Landgemeindeverband einer ganzen Bauerschaft und ver- 
hält sich zu eicus, (= oixog) dem einzelnen Bauerhof**), wie 
das Ganze zum Theil. Dies Verhältniss wird bestätigt durch 
ene aus älterer Quelle geschöpfte Definition bei Isider (15, 2) 
diem — dictus a vicinis tantum kabitatoribus; pagi sunt 
epta eedificiia loca inter agros habitantibus: haec et con- 
ciliabula dicta a. conventu et sociétate multorum in 
unum, xn Gleichen durch vielfache Anwendungen, beson- 
ders in den Provinzen, in welchen pagus slets als die hóhere 
Einheit, vicus als die Unterabtheilung erscheint *?). 

Der pagus ist jedoch nur eine unbewehrte Bauern- 
gemeinde, welche in den stürmischen Zuständen noch unge- 
stillter Völkerbewegungen keinen Anhalt gewährt. Das Be- 
dürfniss des Schutzes aber führt die durch gleichzeitigen 
Anbau des Landes überall entstandenen wehrlosen und offenen 
Bauerschaften in eine publica societas zusammen. Eine solche 
ist die res publica oder civitas, ihr Kern in den meisten 
Landschaften z. B. in Latium ein oppidam, in dessen ter- 
ritorium die pagí und vici nur noch als Dörfer und Feld- 


, 


21) Hhet. ad Herenn. 2, 131. rem ubi pagunt, orato: ni pagunt etc. 

22) Cic. ad fam. 14, 1 Quod ad me, mea Terentia scribis, te vicum 
vendituram, quid, obsecro te, futurum est. 

23) Tacit. Germ. 12 (von Germanien) iura per pagos vicosque reddunt. 
Inschr. bei Marini, atti 2, p. 477 (von Pannonien) pago lovista vico 
Cocnetibus. In Mösien sind die pagi Regionen Grut. 521, 7 regione 
Betiarese vico Cinisco. 


240 , ‚RUDORFF 


marken fortbestehen. Dies ist die natutgemüssé Entstehung 
der grössern und kleinem C ommunalverbände und Stadt- 
gebiete (civitates, res publicae, universitates) welche nicht 
bloss in Italien, sandern mit wenigen Ausnahmen auch in 
den Provinzen des römischen Reichs bis in die späteste Zeit 
die Grundlage der Verwaltung und Gerichtsverfassung aus- 
machten *4). | 

Die Unsicherheit der Vielherrschaft. nóthigte auch die 
res publicae zu engerer Verbündung mit ihren Stammgenos- 
sen. Es enistanden Eidgenossenschaften und gemeine Land- 
tage (concilia), um den Landfrieden kráfüger zu handhaben, 
und die Malstätten (conciliabula), an denen die Versamm- 
lungen, Volksopfer, Márkte und Gerichte (fore, conventus 
iuridici) des Landes gehalten wurden *), erwuchsen aus 
ursprünglichen pagi selbst wieder zu mehr oder minder be- 
.deutenden Orten **) 


24) Cic. de fin. 5, 23, 65 cognalionibus primum, tum affinitatibus, deinde 
amicitiis, post vicinilatibus, (tum civcibus-i. e. qui publice socii. atque 
amici sunt. Orelli 360. qua pagatim — qua publice. Liv. 31, 30 
quondam pagalim habitantes in parvis illis castellis vicisque — ne 
in unam urbem quidem contributi maiores. Fest. v. vici — ex vicis 
partim habent rem publicom et -ius dicitur, partim nil. eorum et 
tamen ibi nundinae agunlur negoli gerundi causa et magistri vici 
ilem. magistri pugi quolannis fiunt. Isidor. 15, 2. víci et castella et 
pagi sunt qui nulla dignitate civitatis ornantur, sed vulgari hominum 
conventu incoluntur el propler parvitatem sul maioribus civitatibus 
attribuuntur. — Vicus autem dictus — quod vias habel lantum sine 
muris. L.12 D. de ann. leg. 33,1. L. 30 D. ad municip. 50,1. L. Á pr. 
D. de cens. 50, 13. Henzen tab. alim. Baeb. XV. XVI p. 75. 79. 
Orelli 3793. Eine Dorfordnung (lex pagana) erwähnt Plin. nat. Aist. 


28, 5. (2). 
25) z. B. das commune Latium, Cic. Planc. 9, (23) Lavicana aut Bo- 
villana aut Gabina vicinitas — quibus e municipiis vix iam, qut 


carnem Latinis petant, inveniuntur. 
26) Paul. ex Fest. v. Conciliabulum locus, ubi in concilium convenilur. 


gromatische Institutionen. 241: 


Wo die-Lage es irgend gestattete; baute man sich in 
jenen Zeiten des Faustrechts: in unzugänglichen Felsennestem 
an: antigui enim sagt Hygin-178, 19 propter subita bellorum 
pericula non solum erant. urbes conteriti cingere muris, verum 
etiam. loca: aspera et confragosa saris eligebant, ubi illis 
amplissisnum propugnaculum esset et ipsa loci natura. 

Endlich gelang es Rom, die festen Hauptorte Italiens in 

eine grosse Einigung (societas) zusammenzuziehen, deren 
Vorort es selbst bildete, und die Provinzen ganz zu entwall- 
nen. Seitdem bestanden die Municipien, d. h. die gróssern 
Civitates (denn die kleinern Orte wurden ihnen nach und 
nach einverleibt), nur noch als ständische Glieder, die Städte- 
bünde nach vorübergehender Auflösung nur noch als Pro- 
vinziallandschaften (communia, xowd) in dem grossen rómi-: 
schen Reichskörper fort *"). 

So erscheint das Nachbarrecht als der Ausgangspunkt 
einer Bewegung, welche in den engsten Kreisen gleichzeitig 
beginnend erst in dem weiten orbis Romanus ihre Ruhe findet. 

Durch die geistliche Kraft der Consecration und die 
politische Verbindung: hat sich der sacer lapis oder das 
sacrum sasum ??) aus einem Stein in einen Gott verwandelt, 
den der lapis in effigie. Termini (293,3), der truncus do- 
lamine effigiatus **) im Bilde darstellt. 

Dies ist jener Jupiter terminalis, mit dessen Heünenchung 
die etruskischen Haruspices in ihren Strafpredigten die Gränz- 

27) Becker Handbuch der römischen Alterth. Forts. von Marquardt IIl. 
(1851) S. 205—275. 

28) Liv. 41, 13. Iuvenal. 16, 38. 

29) Apuleius Florid. 1, 1, p. 4 ed. Oudend. neque enim iustius religiosam 
moram viatori obiecerit aut ara floribus redimita — aut quercus 
cornibus onerata, aut "fagus pellibus coronata, vel enim colliculus _ 
sepimine consecratus, vel Iruncus dolamine effigiatus , vel cespes 


libamine humigatus, vel lapis ungutne delibulus. Parva haec quippe 
et quamquam paucis percunctantibus adorata — 


Römische Feldmesser II. - 16 


242 RUDORFF 


frevler schrecken; Jupiter, sagt Vegoia (350, 18 — 351, 11) 
— wohl nicht der Auctor Vegoia, der mit einem anderen 
Zunftgenossen zu Militairassignalionen in der Umgegend Rom's 
gebraucht wurde (349, 14—31), sondern die Nymphe Begoé 
— dem Aruns Ve]tymnus — Jupiter, der das Land Etrurien 
sich zum Erbe ausersehen, hat den heiligen Gränzfrieden 
geordnet, um der Habsucht der Menschen ein Ziel zu setzen. 
Jetzt, im achten Säculum unsers Volks, werden seine Gebote 
verachtet, darum ist es fast das letzte und das Ende der 
etruskischen Nation steht nahe bevor. Denn die Götter wer- 
den den Frevler nicht ungestraft lassen: der Knecht wird 
einem sirengern Herrn verfallen, der Herr wird, sein Haus 
und ganzes Geschlecht aussterben sehen *'?, Seuchen .und 
Wunden werden den Frevler ereilen, Erdbeben, Hagel, Dürre 
werden das Land, Misswachs die Frucht des Landes ver- 
derben *!. Aufruhr und Zwietracht werden sich im Volk 
erheben °*), 

-Es sind dieselben Strafen, welche der Schwörende bei 
dem feierlichen Jovem lapidem iurare auf sich herabruft, 
indem er einen Kiesel (terminus siliceus fig. 297) zur Erde 
schleudert und die Worte spricht: sí sciens fallo tum me 
Diespiter, salva urbe arceque "), bonis eiiciat, ut ego hunc — 
lapidem ^, 

Vermöge der jedem Deus zukommenden juristischen 
Persönlichkeit ist ihm das Recht der Wiedervergeltung (talio) 


30) Orelli. 4332 quisquis hoc suslulerit, aut laeserit, ullimus suorum 
moriatur. 

91) Festus v. pesestas. 

32) Cic. de harusp. resp. c. 19 (40); 25 (53—55). 

33) Als Ort der Eidesleistung ist das Kapitol gedacht, wo der lapis Capi- 

»  tolinus unter der Tempelöffnung stand. Vgl. Varro de ling. lat. 5, 65. 

34) Festus v. lapis. Plin. paneg. 64 verba, quibus caput suum, domum 
euam, si scienter fefelliset, Deorum irae consecraret. 


, 


gromatisehe Institutionen. 243 
gegen schwere Injurien beigelegt, ja er hat dieses Recht in 
hüherem Grade, wie die natürliche menschliche Persón- 
lichkeit: die Strafe ist unabwendbar capital d.h. die consecratio 
capitis et familiae kann nicht abgekauft werden, es gilt 
nicht die ezceptio pacti der zwölf Tafeln: ni cum eo 
pacit, talio esto. Dies Princip des ältesten Strafrechts tritt 
überall hervor, wo gegen die Gemeinde gefrevelt ist, bei 
dem náchtlichen Felddiebstahl, dem Frevel an dem heiligen 
Hain, dem Frevel gegen die Gränze: das Ganze steht höher, 
als der einzelne Mensch °°). 

Als wesentliche Verletzung der Gränze aber gilt die 
Gränzverrückung, denn ihr Wesen ist eben die Unverrück- 
barkeit, Terminus ist ein Gott, der nicht evocirt, dessen Tem- 
pel nicht exaugurirt werden kann °®). Daher enthält die 
Sammlung alter Rechtsgewohnheiten, welche die Pontifen 
unter dem Namen der Papirischen aufbewahrten, ein Gesetz 
des Numa, nach welchem der Frevler, der den Gränzstein 
umpflügt, samt den Pflugstieren, die ihm bei dem Verbrechen 
geholfen haben, dem Terminus verfallen sein soll. Eine alte 
Glosse nennt die arvalischen Sodalen rsegi öpw» dıayıyyw- 
oxovreg Öixagai’), danach wäre dieses Priesterthum ein 
Zwölfergericht, welches zugleich die Vollstreckung der conse- 
eratio capitis et bonorum hätte übernehmen müssen, wie 
nach deutschen Weisthümern. mit vier unbändigen (der Arbeit 
ungewohnten) Pferden dem an Statt des ausgeackerten Gränz- 


35) Paul. ex Festo s. v. capitalis lucus, ubi si quid violatum est, caput 
violaloris expialur. Plin. nat. hist. 18, 3. frugem aratro quaesitam 
noctu pavisse ac secuisse puberi XII tabulis capitale erat, suspen- 
sumque Cereri necari iubebant, gravius quam in homicidio 
convictum. 

36) Liv. 1, 55. Cato ap. Fest. v. nequitum. 

37) Labbaei gloss. lat. gr. p. 15 aus einer Schrift de officio proconsulis 
wie collatio leg. rom. et mos. tit. 13 $ 1. 


16* 


/i 


244 RUDOBFF 

* steins eingegrabenen Verbrecher das Haupt abgepflügt wer- 

. den soll. Nach andern Berichten war Jedermann (qti volet) 
die Tödtung des homo sacer überlassen?*). Das frühe Veralten 
der Strafe aber geht schon aus der Rechtsquelle hervor, denn 
das Papirische Rechtsbuch kann nur solche actiones ent- 
halten haben, die zur Zeit des ius civile Flavienum und 
‚Aeliarum nicht mehr praktisch waren, weil sie sonst unstrei- 
tig in diese übergegangen wären. 

In der dritten Periode, dem kaiserlichen Rom, treten für 
die Kapitalstrafen Multen ein. 

Diese gehören einer ler agraria an, welche ia den 
Pandekten dem Gaius Caesar zugeschrieben **), in der Feld- 
inessersammlung (263) aber unter der Rubrik ler Mamilia, 
Roscia, Peducea, Alliena, Fabia überliefert ist. Ich habe 
anderswo zu beweisen versucht, dass sie weder die lex Julia 
agraria des Dictàtor Caesär, noch die ler Mamilia aus der 
Republik ‚sein könne, welche den drei Arbitri der zwöll 
Tafeln einen einzigen Feldrichter substituirte, sondern dass 
sie dem Gaius Caesar Caligula angehört und sich auf die 
von diesem constituirten Municipien und deducirten. Militair- 
colonien (235, 12; 242, 15, vgl.11) bezieht *%. Diese Mei 
nung muss ich ungeachtet der Emwürfe Mommsen’s, welcher 
unter dem Gaius Caesar den Dictator, unter den fünf Legis- 
latoren eine Section seiner Vigintiviri versteht, aueh jetzt 
noch für richtig halten. Die Pandekten und Hygin, aus 
dessen Sammlung das Gesetz ohne Zweifel in die Feld- 
messersammlung überging, verbinden es mit einem Agrar- 
gesetz von Nerva (133, 15. 16), dies passt nicht für ein Gesetz 
aus der Republik, zumal Hygin nur constituniones princi- | 


38) Dionys. 2, 74 Festus v. Termino. - 
39) L. 3 pr. D. de termino 47, 21. 
40) Zeitschrift für gesch. Rechtswiss. IX. Num. 12 (1838). 


gromatische Ipstitutionen. 245 


pum aufnehmen wollte. Ein anderes Argument bietet die 
erst der Kaiserzeit eigene Voranstellung der Colonien vor 
den Munieipien, während zu Caesar's Zeit die Ordnung noch 
umgekehrt war. Die einzige Schwierigkeit machen die fünf | 
Namen. Allein auch sie nóthigt uns keineswegs auf Caesar 
zurückzugehen, da auch Caligula's Colonien, von denen wir 
nur sehr wenig wissen, durch Quinqueviri ausgeführt sein 
kónnen. 

Die beiden ersten Kapitel dieses Gesetzes nun hatten 
die Colonien bestimmt, welche ausgeführt, die Municipien, 
welche constituirt, d. h. in Colonien verwandelt werden 
sollten. Diese sind in der Rechtssammlung der Agrimensoren, 
denen es bloss auf die Strafbestimmungen gegen die Gränz- 
frevel ankam; absichtlich weggelassen worden. 

Das dritie Kapitel, mit welchem ihr Auszug beginnt, 
verpflichtet die Magistrate dafür zu sorgen, dass die Eigen- 
thümer die fehlenden Gränzsteine herstellen lassen. 

Das vierte straft die Hinderung der Passage auf den 
Hauptstrassen und Fahrwegen der Feldmark (limites deci- 
manique) und des Wasserabflusses in den Gräben mit einer 
Geldbusse von 4000 Sesterzen für jeden Fall an die Kasse . 
der durch: den Frevel an ihren Kommunaleinrichtungen **) 
verletzten Gemeinde “), deren Einklagung Jedem aus der - 
Gemeinde überlassen wird. 

Die strengsten Bestimmungen enthält das fünfte Kapitel, 
aus welchem das Excerpt des Callistratus in den Pandekten 
herrührt. 


4) L.1 $823. L.2 pr. 83. L. 23 pr. D. de aqua pluv. 39, 3. 

9) Colonis municipibusve eis, in quorum agro id factum erit, dare damnas 
esto. Vgl. die Noten C E C == colonis eius coloniae und MEMDDE 
= municipibus eius municipii dare damnas esto, welche Valerius 
Probus aus Gesetzen und Plebisciten anführt. 





246 RUDORFF 

Wer einen Gränzstein wissentlich und in böser. Absicht 
verrückt oder herauswirft, zahlt für jeden Stein der Gemeinde- 
kasse eine Geldbusse von fünf tausend Sesterzen, oder nach 
den Pandekten, funfzig Aurei. Diese Summe ist die Hälfte des 
Vermögens der untersten Klasse der Besitzenden (possessores) 
in den Colonien und Municipien, die bei Vergehen wie das 
vorliegende leichter als die höheren betheiligt ist **). Die 
Busse hat aufgehört eine die Gränze der Multen, die minor 
pars familiae, übersteigende Kapitalstrafe zu sein **). 

Sehr merkwürdig sind die prozessrechtlichen Bestim- 
mungen dieses Kapitels - über das. Strafverfahren. und die 
Handhabung des Geselzes (legis actio), die" wir in gleicher 
Ausführlichkeit in keinem andern Gesetze mehr besitzen. 
Dieser Theil des Kapitels ist allein in der Feldmessersamm- 
lung erhalten, Callistratus, der nur Cognitionen extra ordinem 
schildert, hat ihn weggelassen. . 

Die Strafklage ist ungeachtet der. dusgesprochenen 
Damnation des Thäters keine Executivklage, sondern eine 
ordentliche Condiction ( petitio), jedoch | mit abgekürzien 
Prozess. 

‘Bis zur Vollendung der Colonie nämlich bestellt der 
Curator kraft seines Imperium ein völkerrechtliches, Schieds- 
gericht (Recuperatoren). Sobald dagegen die Colohie ge- 
gründet und ihr Gesetz zur Herrschaft gelangt ist, ernennt 
der mit :der (niedern) Jurisdiction betraute Stadtmagistrat 


43) Der Decurionencensus war 100,000 Sesterze Plin. ep. 1, 19. Petron. 
c. 44. daher die Mult wegen Anmassung des Decurionats 50,000 Lez 
Iul. municip. V. 96. 107. 125. 140. Zu diesem höchsten Census ver- 
hält sich aber die niedrigste = 1:10. Huschke, Steuerverf. S. 94. 

44) Die doppelte Strafe (10,000) trat bei Verletzung eines landstüdtischen 
Aquäducts ein, das Zehnfache hievon (100,000 Sesterze) bei Ver- 
letzung eines rómischen. Zeitschr. für gesch. Rechtswiss. 15, 265—321. 





gromatische Institutionen. 247 


diesem Gesetz gemäss ein legitimum iudicium aus dem 
Richteralbum der Stadt vor einem Judex *°). 

Der Zwang zum Eide über das Rechtsverhältniss im 
Ganzen, welcher in der condictío certae pecuniae durch die 
Lex Silia eingeführt war “%), fällt zwar als unpassend hinweg, 
dafür tritt indess die in Polizeisachen übliche *') Beschränkung 
des Zeugenbeweises ein, indem der Zeugen nicht über zehn 
abgehórt werden dürfen. 

Der ordentliche Prozess kannte bekanntlich unter Bür- 
gem keine obrigkeitliche Ausführung richterlicher Urtheile; 
wenn die Befriedigung nicht erfolgte, musste peinlich auf 
die Kriminalstrafe des betrügerischen Bankerotts — Personal- 
pfandarrest und Bonorum Venditio des Verurteilten geklagt 
werden. Dass dieses schwerfällige Surrogat des fehlenden 
Execufionsverfahrens nach unserm Gesetze bei Gränzver- 
rückungen fortfallen und der Gerichtsvorstand das Recht er- 
halten soll, die Strafe durch Personalarrest oder Auspfän- 
dung -von dem Verurtheilten Amts wegen ohne Aufschub 
beizutreiben, ist gemeines Recht des beschleunigten Prozesses 
wegen liquider Geldschulden (certa pecunia credita) und 
Polizeistrafen *°). mL | 

Von der also beigetriebenen Summe ist die Hälfte an 
den Ankläger, die Hälfte an die Gemeindekasse abzuliefern. 


45) Nicht bloss Rom (Gai. 3, 180. 4, 103—108) sondern jede selbständige 
Civitas hat ihre legittna iudicia, in welchen die Bürger daheim, unter 
sich, nach ihren Gesetzen verfahren, die Verweisung des Prozesses an 
dieses Gericht hiess ad leges (unter Römern Aomam) reiicere. S. C. 
Asclepiad. lin. 18—20. Cie. in Verr. 2; 2. c. 13 (32) c. 37 (90). 

46) Paul. sent. Il, 1. $1. L.34 8 6 D. de iureiur. 12, 2. vgl. LL. 5 $8 
D. de iureiur. 47, 10. 

47) Zeitschr. für gesch. Rechtswiss. XV. S. 269. Note 141 S. 323. 

48) L. 34 $ 6 De iureiur. 12, 2. Lex Rubria c. 21. Vergl. Zeitschr. für 
gesch. Rechtswiss. XIV. S. 369—372. XV. S. 265 Note 130. 


248 RUDORFF 


Auf die Erneuerung: verlörener Gränzsteine (Kap. 3) fin- 
den diese Strafen natürlich. keme Anwendung. | 

In einem agrarischen Gesetz des Nerva war noch eine 
Strafbesimmung für Sclaven hinzugefügt, welche auf eigene 
Hand ohne Wissen des Herrn die Gränze verrückt haben. 
Wenn der Herr die Geldbusse, welche hier ausdrücklich als 
multa bezeichnet wird, zu entrichten verweigert, so tritt noch 
die alte Kapitalstrafe ein *?). 

Eine allgemeinere und mehr im Geiste der neueren 
Staatsverfassung gehaltene Vorschrift wurde von Hadrian in 
einem Rescript an den Terentius Gentianus vom 17ten August 
140 gegeben. Sie ist in der Collatio (tit. 13) aus. Ulpianus 
lib. IX de officio proconsulis, in L. 2 D. de termino moto 
(47, 21) aus Callistratus 45. II cognitionum mitgetheilt. 
Es werden vier Fälle unterschieden: . 1) Ist die Absicht des 
. Thüters nur auf Entwendung des Steins gerichtet, dessen 
Bedeutung als Gränzstein er nicht.kennt, so tritt höchstens. 
körperliche Züchtigung, die Strafe des qualificirten Diebstahls 
ein. 2) Wollte er sich dagegen durch Vertilgung der Gránz- 
male des Nacbbars Acker aneignen und diese Absicht wird 
bei hóhergestellten Personen vermuthet, so wird Verbannung 
auf Zeit erkannt, deren Dauer nach dem Alter des Tháters 
zu bestimmen ist. 3) Hat. der Thäter nur einem Andern 
einen Dienst leisten wollen, so wird er auf zwei bis drei 
Jahr.zu öffentlichen Arbeiten verurtheilt. — Ein Sclav, der 
nicht auf Befehl des Herrn handelte, erhält Bergwerksarbeit. 
Nach Paulus trifft den Thäter hóhern Standes überdies die 
Strafe der vís privata nach dem Julischen Gesetz: Con- 


49) L. 3 $8 1 D. de termino moto. 47. 21. Alia quoque lege agraria, 
quam divus Nerva tulit cavetur, ul si servus servave, inscienle 
domino, dolo malo fecerit, ei capttal esset: nisi dominus dominave 
mullam sufferre majuerit. 


gromatische Institutionen. 249 


fiscation der amínor pers familiae, nämlich eines Drittheils 
des Vermögens °°); in dem Rescripte Hadrian's selbst wird 
diese Strafe nicht erwähnt. 4) Die willkürliche Strafe tritt 
auch gegen den ein, welcher die Gränzbäume, ausrottet óder 
durch Aufhebung der Culturverschiedenheit die Grünze zu 
verwischen sucht, welche Wald und Feld, Acker und Wiese 
von einander trennte *. Das Verfahren beruhte auf keinem 
Strafgesetz und. ordentlichem Strafgericht mit Ankläger und 
Geschworenen, sondern auf einer Bestimmung des kaiserlichen 
Imperium, und: der Statthalter strafte nach eigener Cognition 
(estra ordinem) **). 

Dureh diese neuen Bestimmungen scheinen die Ver-. 
mögensbussen, welche die städtischen Patrimonialgerichte 
nach der so genannten Lex Mamilia erkennen durften, ausser 
Uebung gekommen zu sein. Wenigstens versichert Modestinus: 
terminorum avulsorum non multa pecuniaria est, sed pro 


conditione admittentium coércitione transigendum.  Gleich- 


wohl hat Justinian neben dieser Stelle des Modestinus; 
die er an die Spitze des Pandektentitels stellt, die Ge- 
seize des Caligula und Nerva aufgenommen. Das Edict des 
Theodorich dagegen hat aus Paulus nur die Publication 
eines Drittheils des Vermögens und die Kapitalstrafe der 
Sclaven und Colonen entlehnt, der Relegation auf eine Insel 
gedenkt es nicht, weil es an solchen Verbannungsorten unter 
ostgothischer Herrschaft fehlte ®°). Der sogenannte Papian 
hat die Strafe der Fälschung gegen Errichtung neuer Gränz- 
steine sowie die Kapitalstrafe der Sclaven aus dem Paulus 
50) Paul. sent. 5, 22 $ 2.. vgl: 26, 13 
51) Paul. sent. 5,22 $2. L.2$ 21 D. de termino moto (47, 21). 
52) Collatio 13,2. (Paul. 1, 16wn.) L. 4 $ 4. D. fin. reg. (13, 1) L. 1. 
C. de accusat. (9, 2) (Alexander 223) L. 1 D. de termino moto 


(47, 21) (Medestin.). 
53) Edict. Theodorici a. 10%. - 


250 - RUDORFF 


beibehalten. Die Strafe des Feuertodes aber, welche er gegen 
freie Römer anwendet, während nach dem burgundischen 
Rechtsbuch dem freien Burgunder die Gränzverrückung nur 
an die Hand geht, die er mit seinem halben Wehrgelde lösen 
kann, ist aus dem germanischen Recht der Eroberer ent- 
nommen 5°). Erst dieses sollte dem verweltlichten Recht 
des „römischen Babel“ urbis Babylonis Romae '*) (308, 18; 
359, 23. 48) die religiöse Grundlage des Grünzfriedens zurück- 
geben, welche selbst das Ehristenthum nicht herzustellen 
vermogt, sondern nur noch weiter aufgelöst hatte °°). 


V. 


III. Arcifinien und Territorien. 


3. Der Grünzfnede einigt die Gemeinde zu einem reli- 
"giüsen und politischen Ganzen, indem er die Fehde im Innern 
ausschliesst und an die äussere Gränze gegen die von der 
andern Seite vorrückende Nachbargemeinde verlegt. Diese 
äussere Gränze bleibt so lange ein kriegerisches Bollwerk, 
eine Landwehr, bis der fortschreitende Gränzfriede auch die 


x 


54) Lex Hom. Burgund. Tit. 39. Lex Burg. Tit. 55. $ 3. 4. Vgl. Grimm, 

deutsche Reehtsalterthümer S. 518. 519. 

55) Vgl. über diesen Ausdruck 1 Petr. 5, 13. Apocal. 17, s. Euseb. 2, 14. 
Tert. adv. Iud. c. 9. 

56) In der expositio terminorum 302,.20 heisst es zwar: Christus filius 
Dei, per quem el pax terminationis in lerra processit et prae- 
cepit limitibus continere et slanti et fontibus egredi et egresse sunt 
per singula loca. Allein die Praxis- erhellt aus Agennius 23, 12 in 
Italia multi crescenle religione sacralissima Chrisliana lucos 
profanos sive templorum loca occupaverunt et serunt und aus der 
Schilderung des Prudentius adv. Symm. 2, 1005, wo von den Feldern 
der Christen gerühmt wirds lapis illic Si stetit-antiquue, quem cingere 
sueverat error  Fasciolis vel gallinae pulmone rigare — Frangitur 
et nullis violatur Terminus extis Et quae fumificas arbor viltata 
lucernas servabat, cadil ultrici succisa bipenni — und doch stán- 
den sie nicht schlechter als die der Heiden. 








gromatische Institutionen. 251 


getrennten Gemeinden in eine grössere politische Einheit zu- 
sammenzieht. 

Jede Landwehr bildet eine arr, en munimen (284, 15) 
daher ist die erste Bezeichnung des durch kriegerische Boll- 
werke begränzten Gebiets arcifinius oder arcifinalis ager, 
die Ableitung ab arcendo, hoc est prohibendo 284, 8. 9. ab 
arcendis hostibus (2, 1 nach Varro) °”) arcendis vicinis oder 
finibus ab arcendis = muniendis oder coercendis **) (369, 16) 
enthült einen nicht nur sprachlich sendern auch sachlich 
richügen Gedanken, sofern nur das Verhältniss völkerrecht- 
lich, nicht privatrechtlich aufgefasst wird. 

Ein zweiter Ausdruck ist territorium, nach Pomponius 
die. Gesammtheit der Grundstücke -innerhalb der Gränzen 
einer Gemeinde (universitas agrorum. intra fines cuiusque 
civitatis). Wenn man von der ganz schleehten Varronischen 
Erklärung: colonis locus communis, qui prope oppidum 
relinquitur, territorium, quod mazime teritur *?) absieht, so 
lässt die Definition Frotins: Zerritorium est, quidquid hostis 
terrendi causa constituum est (20, 1. 2),. die Ableitung a 
territis fugatisque inde hostibus (Siculus 137, 17), ja selbst 
noch die Angabe des Pomponius: guod magistratus eins 
loci intra eos fines terrendi id est summovendi ius habent *") 
die richtige Vorstellung durchblicken, dass die Hoheitsgränze 


57) Isidor. 15, 2 quaecunque, tutissima urbium sunf, ab arcendo hostem 
arces vocantur. 

58) Festus v, noverca — arcendae familiae gratia id est ‚coercendae. 

59) Varro de ling, lat. 5, 21, wiederholt von Serve. Aen. 5, 755 quasi 
tritorium, tritum bobus et aratro. Ebenso leitet Varro terra, termi- 
nus, iter, sogar actus von terere ab, obgleich er 7, 18 zwischen terra 
z. B. Italia, Aetolia, dem Land im geographischen umd ager, dem Ge- 
biet im. politischen Sinn ganz richtig unterscheidet, Niebuhr R. G. 2, 
S. 695 Note 2. 

60) E. 239 $ 8 D. de V. S. 50,106. 


252 -—— RUDORFF - 


durch feindlichen Zusammenstoss der Nachbargemeinden 
entstanden sei. 

"ne dritte gleichbedeutende Bezeichnung, .occupatorius 
ager ist nicht mit Walter °') auf die Besitznahme der Staats- 
dománe (oecupatitius ager) ‘*) durch den Eimzelnen zu be- 
ziehen, vielmehr sind die oceupalorischen Gebiete nach der 
anfänglichen Besitznahme durch das vorrückende Nachbar- 
volk benannt, occupatorius ager dicitur sagt Hygin (115, 7) 
eo quod occupatus est a victore populo, territis inde 
fugatisque hostibus. Ebenso Siculus 138, 4 occupatorii di- 
cuntur agri quos quidam arcifinales vocant, quibus agris 
victor populus eccupando nomen dedit. . Die Occupalion 
der Einzelnen ist erst etwas Secundäres (vgl. 137, 21; 284, 
9— 17), der Ausdruck ist also kriegs- und völkerrechtlich, 
wo nicht gar speculativ *) zu nehmen. i 

Endlich wurden diese Gebiete seiuti (137, 22), ir absoluto 
relicti agri genannt. Dieses Kunstwort wird im Gegensatz 
der obligati limitibus et terminis (138, 15 — 17; 181, 10; 
198, 19) gebraucht.‘ Da jedoch auch die arcifinischen Ge- 
biete Grünzen und Gränzsteine haben und daher, absolut 
genommen; nicht wohl soluti heissen könnten (137, 23: soluti 
nom sunt, quorwm jines deprehendi posswmt), so ist dabei 
nur an den Gegensatz der römischen. Staatsanordnungen zu 
denken. 


61) Walter Gesch. des röm. Rechts Buch 1 K. 5. Note 5. 9. Die Stellen 
des Livius 6, 37 und Festus e. possessiones (vgl. Isidor 369, 3, 15) 
auf die er sich beruft ‘gehören nicht hieher, sondern zur Occupation 
des römischen ager publice, durch die Einzelnen, von welcher unten die 
Rede sein wird. 

. 62) Festus s. v. occupatitius. 

63) Cic. deegff. 1, 7. sunt privata nulla natura, sed aut vetere occupatione, 
ut qui quondam in vacua venerunt, aut victoria, ut qui bello politi 
sunt. L. 181 D. de poss. (41, 2) dominiumque rerum ex naturali 
possessione coepisse. 


4 


gromatische Institutionen. 253 


Nachdem 'nämlich die Gemeinden des alten Italiens der 
Oberhohei der römischen nach hartnäckigen Widerstande 
unterworfen waren, fing diese an, in den für die Kriegs- 
kosten abgetretenen Gebietstheilen Colonien zu gründen, 
wie die Besiegten es in glücklichern Zeiten früher selbst 
versucht hatten. Bei diesen Einrichtungen einer erobernden 
Staatspewalt wird aus dem Vollen geschnitten, einseitig 
verfahren und dieser einseitige Act durch eine öffentliche 
Urkunde beglaubigt. 

Mit ihnen verglichen nehmen die vorstehenden Aus- 
dräcke eine andere Bedeutung an, als im Gegensatz der 
Innern Gränzen. | 

4Arcifinius ager ist jedes Gebiet, welches noch nicht 
die geraden Linien der Limitation, die regelrechten Limites 
der Pertica einer Colonie erhalten, sondern noch die unregel- 
mássigen-.Grünzen bewahrt hat, die durch Widerstand oder 
Uebereinkunft unter den noch selbstündigen Republiken des 
alten Italiens in vorrömischen Zeiten entstanden sind. In 
diesem Sinn ist ein ärcifinales Gebiet ein ager gui nulla 
mensurd (5,6) oder certis. linearum mensuris (369, 15) 
won continetur. Daher kommen auf dem ager arcifimius 
keine Subseciva vor (6, 3; 369, 17); seine Gränzen : be- 
ruhen vielmehr auf alten Sühnevertrágen und Friedensschlüs- - 
sen der Nachbargemeinden (convenientiae (141, 21); pactiones 
decisiones 217, 10) nicht auf einem römischen Staatsact, 
mit anderen Worten auf ius gentium, nicht auf ius civile **). 
Eben so wenig kann es über arcifinische Gebiete Karten 
mit öffentlichem Glauben geben, nur Protocolle und Privat- 
pläne der Betheiligten sind hier denkbar (138, 13—17). Im 


64) L. 5 D. de iust. et iure 1, 1. ex hoc ture gentium introducta bella, 
discretae ' gentes, regna condila, dominia distincla, agris termini 
positi. 


254 RUDORFF 


Gegensatz der schmalen Loose in den römischen Militair- 
colonien (138, 13—15), verbindet sich endlich mit dem occupa- 
torischen Lande die Vorstellung eines in guter alter Zeit (in 
tempore)- eroberten grössern Gebiets, wie Rom selbst nach 
dem gallischen Brande oceupatae magis quam divisae similis 
genannt wird °°). 

Durch die Unterwerfung unter Rom’s Herrschaft sanken 
die einst selbständigen Obrigkeiten, seine einzelnen Grund- 
herren und Gemeinden (municipia, castella), zu Ständen des 
Kaiserreichs herab. Die Grundherren. wurden private, die 
Civitates privatorum loco**. Ihre formlosen Herrschaften 
(saltus privati) und Territorien bilden als agré soluti jetzi 
dén Gegensatz der von Staats wegen vermessenen (publice 
obligati). Die von ihnen selbst aufgenommenen Gränr- 
beziehungsprotokolle und Situationspläne haben als Privat- 
zeugnisse in eigener Sache allen Werth verloren, seitdem sie 
als Unterthanen des Kaiserstaats vor römischen Gerichten 
streiten müssen und nicht mehr wie vormals in den Zeiten 
selbständiger Staatsgewalt ihr selbstgewiesenes Recht im 
Wege der Fehde verfolgen dürfen °”). Jene Gränzbeziehungs- 
protokolle und Flurkarten. gelten mithin jetzt vor den Ge- 
richten des Staats nur dann, wenn sie einem publicum instru- 
mentum d.h. €iner vom Staat aufgenommenen Assignalions- 

urkunde einverleibt sind (114, 15; 163, 28). Die alten jetzt 
 mediatisirten Municipien mussten sich also noch glücklich 
schätzen, wenn sie Colonien erhielten, indem sie dann einen 
wenn auch theuer erkauften, doch wenigstens gesicherten 
Rechtszustand hekamen. Sie beeiferten sich daher, nicht blos 


65) Liv. 5. 55. j 

66) L. 16 D. de V. S. 50, 10. 

67) Gai. 3, 96 si quid adversus paclionem fiat, non ex stipulatu agitur, 
sed iure belli res vindicatur. 


gromatische Institutionen. 255 


wie man gewöhnlich annimmt * um der Ehre willen, ihre 
Selbständigkeit. mit der Kindschaft Roms zu vertauschen. 

4. Die alten Landwehren der arcifinischen Territorien *°) 
sind entweder:. 

]) reine Naturgränzen ’°) — natura loci, naturae locorum 
(220, 13) Diese sind wiederum entweder Berggrünzen ($ 2 
oder Flussgránzen (S 5), oder | 

II) Gemischte Gränzen, d. h. Naturgränzen mit mensch- 
licher Nachhülfe; entweder A) lebendige ($ 6— 10) oder 
B) todte ($ 11. 12). 

III) Reine. Kunstgränzen (termini) d. h. Werke von 
Menschenhand (opera manu facta) welche keinen andern 
Zweck haben, als die Gränze zu schützen, (S 14). 


68) z. B. Puchta, Cursus der Inst. I. $ 95 S. 424. 

69) Das Formular des Gränzzugs eines Territoriums lautet bei Hygin 114, 16 
ex colliculo qui appellatur ille ad flumen illud et super flumen iliud 
ad ricum illum aut viam illam, et per viam illam ad infima montis 
dius qui locus appellatur ille et inde per iujum montis illius in 
summum et super summum montie per divergia aquae ad locum 
qui appellatur ille et inde deorsum versus ad locum illum et 
inde ad compitum illius ad locum unde primum coepit scriptura 
esse. saepe enim quorundam aut monumenta aut fossae aut. quorun- 
dam sacellorum aut fontium unde rivi fluminaque incipiunt, obser- 
vantur fines territoriorum. Beispiele geben das 1506 aufgefundene 
sogenannte S. C. de Genuatibus vom Jahr der Stadt 637: Orelli 3121 
Rudoríf: Q. et M. Minuciorum sententia de finibus inter Genuales 
et Viturios dicta (1841) und aus noch älterer Zeit der Staatsvertrag 
der Latier und Olontier auf Creta: Boeckh corp. inscr. gr. n. 2554. 

70) Caesar 13, 6. 1, 2 undique natura loci Helvetia continetur, flumine 
Hheno — monte Iura, lacu Lemano — flumine Hhodano, L. 2 pr. 
D. de aqua pluv. 39, 3. - Insofern könnte das Arcifinium nicht bloss 
iuris gentium, sondern auch iuris naturalis heissen. Wenn indess die 
Neuern den Unterschied des arcifinischen und des limitirten Landes 
darin setzen, dass jenes, Natur- dieses Kunstgrünzen habe, so legen sie 
auf einen zufálligen Gegenstand Gewicht, der wenigstens juristisch ganz 
gleichgültig erscheint,.da rechtlich nur der Gegensatz des völkerrecht- 
lichen Vertrags gegen das einseitige Staatsgesetz erheblich ist. 


256 . RUDORFF 


| Eine gewöhnliche Gränze zwischen Völkern und 
Stämmen bilden hohe Gebirge, zu deren Rücken und 
Gipfeln der in den Thälern beginnende, längs den Flüssen 
und Bächen aufsteigende Anbau nicht hinanreicht: evekimus 
ea, sagt Plinius") von den Marmorbrüchen, quae separundis 
gentibus pro terminis constituta erant. Der grosse Grünz- 
zug läuft dann den Rücken entlang (íugo recto): wo die 
Wasserscheide (divergium aquae) den Quellen des Gebirgs ent- 
gegengesetzlen Abfluss gewiesen hat, am Scheidborn, wo die 
‚Bäche und Flüsse entspringen und die Sacella stehen, welche 
diesen Ursprung bezeichnen (115, 2. 3; 134, 8), scheiden sich 
auch die Gebiete der dem Wasser folgenden Ansiedler. Der 
Grünzzug bedarf.hier nur einfacher Hervorhebung durch 
Merkzeichen an den natürlichen Klippen (petrae notatae (140, 
7), decussatae), durch Gruben (foveae, .barbariseh cec£eriae 
388, 9) zum Einfangen des Wildes "*) oder durch behauene 
Steine, die gewóhnlich auf den hóchsten Punkten, den Drei- 
oder Vierherrenspitzen. gesetzt wurden, wo man bei den 
Gränzbeziehungen zu ruhen und die Opfermale gemeinschaft- 
fich, jeder von seinem Gebiet aus, zu verzehren pflegte 
(141, 17 — 22) °°). 


71) Piin. nat. hist. 36, 1, 2. 

72) Ptin. nat. hist. 10, 38, 58. 

.73) z. B. die summa montium 4ure fempu Idene concessa bei Venafrum 
239, 110, vgl. Mommsen Zeitschrift für gesch. Rechtswiss. XV. S. 291. 
Die behauenen Klippen auf dem Scheitel des Gebirges werden vertices 
agrorum genannt, sicut verticem agrorum in capite humano natura 
praestitit (302, 10 fig. 224); die Vorstellung, dass die Berge Riesen 
sind, welche die Völker auseinander halten, ist im Heidenthum allgemein 
verbreitet. Ovid. met. A, 656 quantue erat, mons factus Atlas, iam 
barba comaeque In silvas abeunt, iuga sunl humerique manusque, 
Quod caput ante fuit, summo est in monte cacumen. Die von beiden 
Seiten aufsteigende Bergwand heisst den spätesten Agrimensoren iugalis 
corrigia (321, 16), ein solcher Bergriese hat latera 321, 29, dorsum 
(352, 17) und pedes. Vom menschlichen Kórper ist auch die Be- 


grömatische Institutionen. 257 


Die gemeine Mark (ager poplicus), welche dié castellani 
Lengenses hei Genua.in Besitz hatten, lag meist im hohen 
Gebirge, während das angebaute Land im Privateigenthum 
der Feiturii die Thäler einnahm. Die Gränzen jener wur- 
den durch die Senatscommission des Jahrs 637 (Note 69) 80 
bestimmt: wbi confluont Edus et Procobera, ibei terminus 
stat. inde Ede Flovio sursum versum in montem Lemurino 
infumo. ibei terminus stat. inde sursum versum iugo recto 
Lemurino. ibei terminus stat. in monte Procavo. inde sur- 
sun dugo recto in montem Lemurinum summum. ibei ter- 
minus stat. inde sursum iugo recto in castelum quei vocita- 
tur Talianus. ibei terminus stat. inde sursum iugo recto in 
montem  loventionem '*). ibei terminus stat. inde sursum 
iugo recto in montem Apeninum, quei vocatur Boplv. ibei 
terminus stat. inde Apeninum iugo recto in montem Tuledo- 
nem. ibei terminus stat. inde deorsum iugo recto in flovium 
Veraglascam in montem Berigiemam infumo. ibei terminus 
stat. inde sursum iugo recto in miontem Prenicum. bei 
terminus stat. inde deorsum iugo recto in flovium Tulelas- 
cam. ibei termintis stat. inde sursum iugo recto Blustiemelo 
in montem Clazelum. ibei terminus stat. inde deorsum in 
fontem Lebriemelum. ibei terminus stat. inde recto rivo 
Eniseca in flovium Porcoberam. ibei terminus stat. inde 

zeichnung supercilium entlehnt (Hirt. bell. Afr. 58 supercilium quoddam 


ezcelsum.. nacti, ibi consistunt. Ammlan. 14, 10 supercilia fluminis 
Hheni) die aber die. Agrimenseren nicht auf Berge anwenden. 


74) Die bóehsten Berge sind Donuersberge und wichtige alte Opferstütten. 
Plin, nat. hist. XXXIV. 7. Fecit et Sp. Carvilius Iovem qui est in 
Capitolio — amplitudo tanta est ut conspiciatur a Latiario Iove (auf 
dem Albanetberge). Auch der mons Lemurinus' ist ein Geisterberg wie 
der aus ilim entspringende Lemuris ein Flussgott. Orid. fast. 5, 421. — 
Die Endung asta muss Wasser (wie ascus tab. alim, Vel. I. 28 Wald 
oder Berg) bedeuten. - | 2 


Rómische Feldmesser II. 17 


256 RUDORFF 


deorsum in flovium Porcoberam, ubei cenflononi fon Edus 
et Porcobera. ibei terminus stat. 

Zwischen Delphi und Anticyra lagen zwei " Berge. Der 
kaiserliche Commissar erklärte sie in seinem Urtheil für die 
‚Gränze: „yuod »aturales n utroque smonticulo lapides extant, 
quorum in altero graeca inscriptio, quae significat Delphicum 
terminum huuc esse, adhuc manet, cui vetustas fidem faciat. 
in altero fuisse eandem, inscriptionem vestigia docent: quae 
monumenta, collata fines sacrae terrae manifestant adieudenti, 
ita ul ab ills dertra Anticyrensium laeva saera regionis 


Delphorum sint ' "°). 


Auf einem der Gipfel der. Wasserscheide des Taygelon 


fand man 183% eine Marmorstele mit der Inschrift: og 
-doxedoipov, . zugös. JMeoargrgv und einen Grüngstein mit 
- gleicher Inschrift weiter nördlich auf einer andern Wasser- 


scheide desselben Gebirges.. Die Bauern kannten ihn unter 


dem Namen ygauuévg nérga (inscriptus lapis, signata 
petra) **). 
9. Die von den Quellen des Gebirges abfliessenden 


Bäche und Flüsse bilden noch tief ins Land hinein die | 


Gränze der Staaten, Provinzen "), Gemeinden und ihrer 
Jurisdiction oder des Eigenthums der Einzelnen: die Gränze 
kiuft dann rivo recte, manchmal bis zur Einmündung in 
einen andern Fluss, seltener bis zur Mündung in's Meer. 
Die eigentliche Gränze ist die Mitte des Bach- oder Fluss- 
betts, so lange jedoch die Enden der Grundstücke vom 
Wasser bedeckt sind, gehóren sie dem Fluss, erst in dem 
Maass, in welchem sie vom Wasser entblösst werden, triti 


- 


75) Orelli 3671. Boeckh corpus inscr. gr. n. 1711 Vol. I p. 835. 

76) Ross, Reisen im Peloponnes I. S. 39. 

77) Die römischen Provinzialgränzen sind grossen Theils Flussgrümgen. Vgl. 
2. B. Lie. 234, 13. Mela 1, 4. Sallust. lug. 22. 


gromatische Institutionen. 259 


das Eigenthum der Aulieger hervor. Auf diesem Prineip 
beruht das Recht des, Anschutts und Abtriebs, (alluvivd und 
abluvio) der Inseln und des verlassenen Flussbetts bei arei- 
finischem: Lande, so weit es durch Bäche oder Flüsse be- 
gränzt ist, im Gegensatz des limitirten, wo von dieser Eigen- 
Ihumserweiterung nicht die Rede sein kann, weil hier nicht 
die Mitte des Baeh- oder Flussbettes, sondern der geradlinige 
Limes die Gränze macht. Wir kommen hierauf unten bei 
den Colonien und. Coptroversen zurück. 

Auch für diese Begránzung durch Quellen, Flüsse und 
Bäche geben die angeführten Inschriften anschauliche Beispiele. 

Das Privatland der Veiturier, die Feldmark in der Ebene 
m Gegensatz des Saltus im Gebirge hatte folgenden Gränz- 
zug: ab rivo infimo, qui oritur ab fontei in Mannicela, ed 
fovium Edem. ibei terminus stat. inde flovio suso vorsum 
in flovium Lemurim. inde flovio. Lemuri susum ueque ed 
rivom Comberane. inde rivo ÜComberanea susum usque ad 
comvalem Caeptiemam. ibei termina duo stant. circum viem 
Postusmiam. ex eis terminis recta regione in rivo Fendupale. 
er rivo Vindupale in flovium Neviascam. inde dorsum 
flovio Neviasca in flovium Procoberam. inde flovio Proecoberatn 
deorsum. usque ad rivom Vinslascam infumum; ibei termimus 
stat. inde sursum rivo recto Vinelasca. ibei terminus stat 
propter Siam Posiumiam. inde alter trans viarı Postumiam 
terminus 8lat. ex eo termino, quei stat trans viam Postu- 
miam recta regione in fontem in Manicelum, inde deorsum 
rive, quei eritur ab fonte ín Manicelo, ad terminum, quei 
stat ad flovium Edem. ' 

6. Il. A. In der ältesten Zeit kamen mächlige Wälder 
(saltus) 7°) als Völkergränzen vor. Der Ciminische Wald, 


18) Varro de ünqua lat. V, 36 quoe agros non colebant propter silvas 
aut id genus, ubi pecus posset pasct et. possidebant, ab usu suo 


17* 


260 RUDORFF - 


die 'Gränze zwischen Rom und Etrurien, war im fünften 
Jahrhundert Rom’s so unwegsam und umfangreich, wie im 
Augustischen Zeitalter der Harz und andere Wälder Ger- 
-maniens **). Die Lucaner behielten von dem ursprünglichen 
-Waldleben den Namen *". Und nicht blos für Völker und 
Gemeinden, auch für Weide und Hofraum bildet der Wald 
(kyle, Silvanus) **) die ursprüngliche Gränze: omnis possessio 
Silvanum colit, quia primus in terram lapidem finalem 
posuit. nam omnis possessio (res Sílpanos habet. unus dicitur 
domesticus possessioni consecratus. alter dicitur agrestis, 
pastoribus consecratus. tertius dicitur orientalis, cui est in 
eonfinio lucus positus a quo inter duo pluresve fines oriun- 
tur 302, 13 —19. Daher ist Silvari der älteste Gränzgolt 
(tutor finium) Note 15. 

Wo drei, vier oder mehrere Gebiele zusammenstossen 
 (eompetunt)**) entsteht ein compitum, trifinium, quadrifinium, 
pentagonium, confinium, 2. B. an wichtigen Brücken grösserer 
Flüsse 348, 26.' Ein soleher Punkt hat als Ausgang und 
Anfang der von ihm auslaufenden Gränzzüge (als Silvanus 
orientalis) eine besondere Wichtigkeit. Wenn die Grünze 
begangen wurde, pflegte man hier zu rasten und ein Opfermal 
‘zu halten. Um aber den zur Aufnahme der Menge nöthigen 


(salvo Lachmann) saltus appellabant. Vgl. de H. R. I, 10 Fest s. v. 
saltum (aus Aelius Gallus): saltus est, ubi silpae et pasliones sunt 
et earum causa casae quoque, si qua particula in eo waltu pastorum 
dut custodum causa. aralur, ea res non peremit nomen saltui u. s. w. 
L. 20 $ 1 D. si sero. (8,5). L. 62. D.de usufr. (7, 1) L. 52 pr. D. de 
act. emt. (19,1). 

79) Liv. 9, 36. Florus 1, 17. 

80) Wenigstens nach Paw. ex Festo &. o. Iustin. 23, 1. Calpurn. ec. 7,17. 

81) Serv. ad Aen. 8, 601. . 

82) Isidor. or. 15, 2. Competa sunt, ubi usus est conventus fleri rusti- 
corum el dicla competa quia multa loca in agris eodem compelunt, 
et quo convenitur a rusticis. 


Ne 


- 


gromatische Institutionen, 261 


Raum zu gewinnen, wurde der Wald (nemus)**) gelichtet: 
Bei grossen Gränzzügen musste die Lichtung zugleich zur 
Weide der Opferthiere hinreichenden Raum gewähren. Der : 
also gewonnene Baum- und Weideplatz heisst /scns **), die 
Handlung des Lichtens, das lucum facere muss also durch 
Iucare bezeichnet sein: denn noch bei Julius Paulus kommt 
das Deminutivum subéucare für das müssige Lichten der 
Baunkronen vor-°°); die den Priestern für das Lichten und 
de Benutzung der Lichtung zu entrichtende Abgabe wird 
lucar, lucaris pecunia genannt, die Feste heissen lucaría 
festa **): wenigstens scheint diese Erklärung natürlicher, als. 
de neuerdings versuchte Herleitung des Begriffs lucus von 
luere, dem Opfern, welches das Holzfällen und Lichten des 
Waldes voraussetzt. 

Die heiligen Haine bildeten nicht blos in Griechenland, 
sondern auch in Italien Freiungen (asyla): welche Sclaven, 
Schuldnern und Verbrechern eine Zufluchtsstätte darboten; 
ehe Tiberius eine Menge dieser Schlupfwinkel aufhob *"). 
Der Schutzgeist einer solchen Freiung heisst Lucaris (denn 
so wird statt Zycoreus bei Servius en. 2, 271 zu schreiben 
sein), die. ın seinen Schutz geflüchteten sind jene Lucerenaes, 


83) Serv. ad Aen. 1, 314 lucus est arborum multitudo cum religione: 
nemus composita multitudo arboruin (?) silva diffusa et inculta. 

84) Liv. 24, 3 lucus ibi frequenti silva et proceris abietis arboribus 
septus laeta in medio pascua habuit, ubi omnis generis sacrum Deae 
pascebatur pecus. — magni fructus ex eo pecore capti, columnaque 
inde aurea solida facta. — 

85) Paul. sent. 5, 6 $ 13. 

80) Paul. ex. Festo.v. lucar, lucaris pecunia, lucaria festa. 

87) Liv. 35, 51 templa, quae asyla Graeci appellant. Tac. ann. 3,60, 2. 
Sueton. Tib. 37, 6. infame asylum. Iuvenal. 8, 272. So Nemus bei 
Aricia: Strabo 5,.3. Serv. Aeh. 6, 136. In Deutschland waren die 
Asyle durch Freiungssteine mit einem Beil und abgehauener. Hand oder 
einem Handschuh, dem kaiserlichen Wappen und dem Worte Freiheit 
bezeichnet. Haas, die Siebnergerichte in Baiern (1835) S. 122. 


262 RUDORFF 


welche als Eponymen det dritten Tribus des ältesten Roms 
so bekannt sind *5). 

Diese gemeinschaftlichen Tempelhame bieten noch in 
einer andern Beziehung ein rechtsgeschichtliches Interesse 
dar. Allem Anschein nach sind sie die lelzten .Reste- des 
einst auch im alten Italien verbreiteten Rechtsverhüllnisses 
der Markgenossenschaften d. h. der Berechtigung mehrerer 
Gemeinden an der zwischen ihnen liegenden gemeinschaft- 
lichen Waldung. [m Forst (Nemus) von Aricia lag eine Lich- 
tung, die der latinische Dictator Egerius Laebius als ein ge- 
meinsames Heiligthum der Diana dedicirt hatte. Daran waren 
neun Gemeinden berechtigt ?*). Der oskische Staatsvertrag 
zwischen Nola und Abella, der noch in die Zeiten der Un- 
abhängigkeit dieser Republiken, zwischen 538 und 665 Rom's, 
gehört, bestimmt (Zeile 27 —48), dass beide Gemeinden 
das Hainholz um das Heiligthum schonen sollen, den übrigen 
Wald aber theilen dürfen und zeigt demnach das Verhältniss 
schon in seiner Auflösung *?). Dennoch kommt noch 62/ 
eine Markgenossenschaft zwischen -Genua und Viturii vor, 
in welcher Wonne und Weide, Bau - und Brennholz noch 
ungetheils war °'). 


88) Schol. ad Cic. in Verr. de pr. urb. p. 72, Luceres a luco, quem 
asylum vocaverat Homulus. Auct. orig. gent. Rom. c. 12 a luci 
communione Luceres appellavit. Paul. ex Fest. d. Lucomedi — dicli, 
qui posten Lucerenses appellati sunt. Das Asyl lag nämlich am 
Intermontium zwichen den beiden Hainhölzern des capitolinischen Berges. 
-Huschke Serv. Tull. S. 33. Note 11. 

89) Cato originum lib. 2 ap. Priscian. p. 629 Putsch. Lucum Diunium 
in nemore Aricino Egerlus Laebius Tusculanus dedicavit dictator 
'Latinus. Hi populi communiter: Tusculanus, Aricinus, Lanuvinus, 
Laurens, Coranus, Tiburtis, Pometinus, Ardeatis, Rutulus.  Der- 
gleichen Zuci waren zugleich conciliabula 57, 4. 8—106. 302,17 — 
303, 22 fig. 225. 226. und Depositorien der Kriegsbeute. 

90) Mommsen unterital. Dial. S. 118 f. 

91) S. C. de Genuat. lin. 32. quel ager compascuos erit, — quominus pecua- 
scere Genuates Veituriosque liceat — ni quis prohibelo, nive quis vim 


gromatisethe Institutionen. 208 


Allmälig schwandén auch die heiligen Häine, was noch 
davon übrig war, verschlang die Habsucht des Staats oder 
dr Gränznachbarn. So lange jedoch die alte Religion mit 
ihren Festen bestand, waren die Anlieger durch ihr eigenes 
Interesse genöthigt, von dem Gebiet, weiches ihre Verfahren, 
Jeder von dem. Seinigen für den Cultue und se weit es da- 
zu nicht nóthig war, für den Gebrauch der Priester über- 
reichlich hingegeben hatten, ‘wenigstens den nothdürftigsten 
Raum unangetastet su lassen, weil die an den Festtagen 
vrsammelte Menge die Saaten doch zerireten haben würde 
(7, 8—18) **. Als Minimum des Vorhofs scheinen 15-Fuss 
ms um die Kapelle gegollen zu haben: um die nes 
tmplares verödeter Kapellen zu finden, lehrt Dolabella (302, 
20 — 303,3 fig. 226) muss man von den Eingängen des 
Heiligthums, deren immer so viele als der anstossenden 
Besitzer sind, funfzehn Fuss abmessen, dann stösst man auf 
de Fundamente der Vorhofsmauern oder der Altäre, welche 
jder Anlieger auf dem Seinigen errichtet: hat. 

Die Ausbreitung des Christenthums in ltalien gab den 
Anliegern einen willkemmenen Vorwand in den Ebenen auch 
‚de Heiligthümer selbst beliebig zu occupiren und zu basüen 
(07, 17. 88, 12), höchstens erirmerten drer Mirten-, Quitten- 
Mer Kornelkirschenbáume noch an:das Trifinium (57, 17. 


facito nive prohibeto, quominus ex eo agro ligna materiamve sumqnt 
utanturque. . 
92) In einer fehlerhaften lex dedicatienis vom Jahre 690 der Stadt (Orel 
2488) scheint die Beschränkung der fines lempiares von Anfang an 
vorbehalten zu sein: iNels regionibus: utei estrema. [f'lunda[menta] 
. quae lapide facta hoius|c]e aedis ergo uleique [quas] ad eam aede[m] 
scelasque. lapide s(ructja sint, quaeque] colemnae stant. oi(ra scalas 
ad aedem versus, elipiierqus aedis hufilus tabiiamentague utei. tan- 
gere sarcire tegere devehore defigare w[u]adare ferro oeti promovere 
referre (sc. licont, ius) fasque esto. Vgl, auch Mommsen, unterital. 
 Dialeete (1850) 8. 119. 127. 128 f. &wer, Noup. (1852) 212. 6011. 


204 RUDORFF 


88, 12), nur auf der "einsamen Flöhe des Gebirges blieben die 
verlassenen Opferstätten unter dem Namen der Heidentempel 
und Heidenkirchhófe- (sacra paganorum) unberührt (317, 5). 

8. Den Jines templares der loca saera schliessen sich 
die der Joca religiesa an, welche, jenachdem der Todte ber 
gesetzt oder verhrannk ist, .in ines sepulturarii und. cinerarii. 
unterschieden werden (303, 12. fig. 228. 289). 

- Den arcifinischen Gränzzug der Völker und- Gemeinden 
hatten dié von beiden Seiten Gebliebenen mit ihrem Leben 
erkämpfs, die Reihe der Hünengräber bezeiehnete die Gränze, 
die: Grüsse der Grabhügel den Kang der Gefallenen: apud, 
matores, berichtet Servius °°’),. nobiles aut sub mentibus aliis 
aut: in. ipsis montibus sepeliabantur und der Auctor Lalinus 
(306,1) etiam monticelli sunt. in. finibus constituti, (fig. 241) 
alioquin, qui nesciunt quid est $n lectionibus negant est 
in. finibus: constitutos autem in tempore quàndo milites 
occidebantur in bello publico. alibi quam masime non poneban- 
tur nísi circa fines et in centuriis. et quantos milites 
ponebant, tantos lapidea defigebant. ideogue scringis 
et. allabinibus et centuriis signa proponebantur. *4. Daher 
die arcae wo vier (341, 16. fig. 288. 352, 9. 10);. die arcellae 
wo drei Grünzen. zusammenstossen 308, 25. 352, 13 (fig.248). 
Man legte ihnen Gerüth und Geführ in's Grab, daran, oder. 
an den .Aschenkrügen war die Grab- und Brandstätte wieder 
zu erkennen (303, 12)**. Bei den Grünzbeziehungen ging 

93) Serv. ad Aen. 11, 849. | 
94) Die Gräber der Horatier sah noch Livius 1, 24 am cluilischen Graben. 
Die Gräber der Philänen, die nach der Sage sich lebendig verscharren 
lassen, bezeichnete die Gränze der Griechen von Cyrene und der Semiten 
von Leptis. Sallust. Jug. c. 79. 81. Strabo 3, 5 $ 6. Mela 1, 7. Val. 
Maz. V. 6 ext. 4. Thrige, res Oyrenensium. Hafniae 1828, p. 193. 
Bahrdt Wanderungen durch die Küstenländer Africa's (1849) 1, 345. | 


95) Sueton. Caes. 81 cum colonia Capua deducti lege luli& coloni ad 
exiruendas villas sepulera vetustisshna disilcerent idque eo studiosis 











gromatiselie Institutionen. 268 - 


der ganze Festzug oft mitten durch das Grabmal (114, 23): 
eine alterthümliche Sonderbarkeit, die den Gränzzug dem 
Gedüchtniss der Gemeinden nur um so fester einprägte. 

‚Dagegen müssen Privaten nach geistlichem Recht in 
ihrem Eigenthum beerdigt werden: decretum a pontificum 
collegio, erzählt Cicero **), non esse sus in loco publico fieri 
sepulcrum. — nostis extra portam Collinam aedem Honoris 
— sed cum multa in eo loco sepulcra fuissent, exarata 
sunt: statuit enim collegium, locum publicum. non potuisse 
privata religione obligari. Dieses Princip ging so weit, dass 
die Gräber in den Provinzen nicht als religios, sondern nur pro 
religioso, wie die dortigen Heibgthümer.nur pro sacro galten, 
weil das Eigenthum an dem gesammten Provinzialboden der 
Stadt Rom oder dem Kaiser zustand, die dortigen Grund- 
besitzer also nur unwiderruflichen Privatbesitz hatten, welcher 
zu einer rechtsgülbgen Dedication nach strengem Recht nicht 
hinreicht *"). 

-In ältester Zeit begrub man die Todten in den Heredien 
innerhalb der Stadt selbst (270, 15), in den Zeiten des Faust- 
rechts war ein solches Begräbniss gesicherler gegen feind- 
lichen Muthwillen °°), ausserdem galt es für ehrenvoller. In 
dieser Rücksicht wurde es als eine Auszeichnung ausnahms- 
weise auch später noch gewährt °°). Durch die Statute (leges) 
der italischen Städte aber wurde das Begraben und Ver- 
brennen in den Ringmauern frühzeitig verboten: in Rom 

facerent, quod. aliquantum vasculorum operis antiqui scrutantes reperie- 
bant: tabula aénea in monumento, in quo dicebalur Capys conditor 
Capuae sepultus, inventa est cet. 

96) Cic. de leg. 2, 23, 58. \ 

97) Gai. 2, 7. | 

98) L. 4 D. de sep. viol. 47, 12. Sepulcra hostium religiosa nobis non 

sunt ideoque lapides inde sublatas in quemlibet. usum convertere 


possumus: nec sepulcri violati actio competit. 
99) Cie. de leg. 2, 23. 58.  Gothofr. ad L. 6. C. Th. de sep. viol. 9, 17. 


\ 


266 RUDORFF 


durch die Bestimmungen der zwölf Tafeln: komänem mer- 
tuum in urbe ne sepelito neve urito '”°);, eben so in man- 
chen Municipien, welche diese vielleicht von Athen entlehnte 
Einrichtung wieder von Rom. recipirt hatten. In: den. Colo- 
men ward durch die Lex Sempronia und Julia durchgängig 
vorgeschrieben, die Gräber an den Hauptstrassen ferm von 
den Wohnungen anzulegen (270, 20). Indess waren nicht 
alle Socii in diesem Punkte fundi geworden, es bedurfte 
daher um die Silte auszurolten eines allgemeinen Verbots. 
Ein solches erliessen die Antenine in der dritten Periode: 
natürlich mit zwingender Kraft und . Aufhebung aller ent- 
gegenstehenden Statute.!”‘), Das alte Verbot des -Leichen- 
brandes in der Stadt hatte: in der Feuersgefahr. einen polizei- 
lichen Grund, für das Verbot des Begräbnisses führen die 
römischen Juristen religiöse Bedenken an !**). ‚Bei dichterer 
Bevölkerung war. es zugleich durch Rücksichten der Ge- 
sundheitspolizei nóthig geworden '"°). 

Durch die vorstehenden Bestimmungen des geistlichen 
und weltlichen Rechts war man genóthigt, die Todten inner- 


ve 


100) Cic. de leg. 2,23. 58. . 

101) 2.3 $ 5 D. de sep. viol. 47, 12. Quid tamen si lez municipalis per- 

miltat in civitate sepeliri? Post rescripla principalia an -ab hoc 

. discessum sit videbimus, quia generalia sunt rescripla et oportet 

imperialia statuta suam vim oblinere ét in omni loco valere. Savigny, 
System. Bd. I. S. 133 f. 

102) Paul. sent. 1, 21. 2 (cf. $ 12) ne funestentur sacra civitatis L. 12 
C. de relig. 3, 44 ne sanctum municipiorum ius polluatur L. 6 C. TA. 
de sep. viol. 9, 17 ne apostolorum vel martyrem sedem kumandis 
corporibus aestimet esse conceasam. 

103) Capitolin. in Pio. c. 12 intra «urbes sepeliri mortuos vetuit, Marc. 13 

tanta autem pestilentia fuit, ut vehiculis cadavera sint. exportata 
sarracisque. Tunc autem Antonini leges sepellendi sepsicrorumque 
asperrimas sanzergnt: quandoquidem | caverunt, me uti quis. vellet 

. fabricaret sepulcrum, quod, hodieque servatur, Die Schwierigkeiten, 

welche man in diesen Worten gefunden hat verschwinden, wenn mau 
statt auf fabricdret sepulcrum, den Nachdruck auf wii guis vellet legt. 








gromatische Institetionen. 267 _ 


halb der Fundi zu bestatten; gewöhnlich geschah dies fünf 
Fuss von der Gränze (303, 16; 139, 23); in Mitten der Be- 
sizungen stets nur auf unfruchtbaren Stellen (140, 2-4) '** 

9. Wo Wald und Wiese, Trift und Feld an einander 
stossen, bestimmt dieser Abstand des wilden und angebauten 
Bodens oder die Verschiedenheit des Anbaus die Gränze 
ohne weitere Nachhülfe, Silvàn ist auch hier £utor finium 
und absichtliche Waldausrottung em Gränzfrevel: qui fina- 
lium quaestionum obscurandarum causa facieın locorum con- 
vertunt, sagi Callistratus, ut ex arbore urbustum faciant, 
aut ex silva novale (Rotlland, Neubruch) poena pleetendi 
sunt !??). 

- 10. Bei. stärkerem Anbau. des Landes erhält sich der 
Wald nur noch im Gebirge oder auf schlechtem Boden, im 
fruchtbaren Land weicht er der Weide, der Wiese, endlich 
dem Acker, die ihm durch Fällung und Urbarmachung nach 
und nach abgewonnen werden. Dagegen kommen einzeln 
stehende Bäunie als Gränz- Mal- oder Lochbáume (erbores 
finales, einmal 270, 6 terminales) nicht bloss als Forstgránze 
sondern auch im Felde vor (143, 14 — 145, 18, olla veter 
arbos templum tescumque finito. O. Müller Etrusker 2, 133). 
Diese sind dann heilige Báume, welchen der heidnische 
Baumcultus Lampen anzündete und Wein schenkte !?*. Man 
unterschied dreierlei Gränzbäume: 1) arbores antemissae 


104) L. 5. D. de sep. viol. 47, 12. — Platonisches Gesetz: Cic. de leg. 2, 
27, 67 velat ex agro culto eove qui coli possit, tlla partem. sunu 
sepulero. Solonisches: L. 13 D. Án. reg. 10, 1. 

105) L. 3 $ 2 D. de termino moto 47, 21. 

106) Plön. nat. hist. 15, 44. (91). Est in suburbano Tusculani agri colle, 
qui Corne «appellatur, lucus antiqua. religione Dianae sacratus a 
Latio, velut arie tonsili coma fagei nemoris. In hoc arborem eximiam 
aetate nostra adamavit Passienus Crispus bis consul orator — osculari 
coniplectique eam solitus, modo cubare sub ea, vinumque illi adfundere. 


268 RUDORFF 


oder intactae, verschonte Bäume, von denen weder Laub 
zum Viehfutter noch Brennholz (eremium) noch Nutzhols 
(lignum) genommen werden darf. Gehen sie endlich ab, so 
werden sie — gemeinschäftliche nach gegenseitiger Ueber- 
einkunft — durch andere ersetzt (143, 14 — 144, 11). 2).ar- 
bores plagatae, notatae, signatae, clavicatae. Die Zeichen 
(similes, ogusia) sind Axthiebe, welche vernarben, oder 
Lócher, in welche Zapfen von Holz, oder wenn der nächste 
Grünzpunkt an einem grösseren Wasser angedeutet -werden 
soll, von Blei, eingelassen sind. Bäume an einem Winkel 
(versura) erhalten ‚ein Gamma,: Bäume am Kreutzweg ein 
Kreutz oder rómische Zehn (decussis, daher arbores decus- 
satae) '”). Auf der innern Eigenthumsgránze zwischen zwei 
 Áeckern bekommen sämmtliche Bäume innerhalb des fünf- 
füssigen Grünzstreifens Kennzeichen, die mittleren, hart auf 
der Gränze stehenden von beiden Seiten, die übrigen auf 
der dem Eigenthümer abgekehrten (144, 12.— 145, 18) !'9. 
3) arbores insignes oder notae: besondere Gattungen, welche 
man stehen liess oder anpflanzte, im Felde vorzüglich Ulmen, 
die zugleich als Laubbäume zum Viehfutter, zum Weinbau 
und zu Brennholz benutzt wurden, ferner Pinien, Cypressen, 
- Oelbáume, Pappeln, Holunder, Quitten, Datteln, Mandeln, 
Feigen und andere zahme und ausländische Bäume. Weniger 


107) Lex Baiuvariorum 3, 2 in arborum notis, quas decorticalas vocant. Lex 

Visig. 8; 6. 1 decurias, quae vocantur characteres 10, 10 motas, 

quas decurias vocant. Lex Hom. Burg. 38. arbores terminales, quae 

decusas acciplunt. Lex Longob, 96 .arborem ubi theclatura est. 

Auch in Deutschland kamen sie hauptsächlieh in Wäldern und auf 

Weiden vor, in der Mitte des Kreutzes war ein Loch gebohrt. Haas 
Siebnergerichte (1835) S. 124. 


108) Jene nämlich sind pro diviso gemeinschaftlich, sofern sie ihre Wur- 
zeln in beide Grundstüeke treiben. L.7 $ 13. L. 8. D. de A. H. D. 
(41, 1). 


gromatische Institutionen. 269 


beliebt waren Eichen und Wallnussbäume, weil sie den 
Früchten Eintrag thun 19%). _ 


11. B. Die ‚Schriftsteller über den Landbau unter- 


scheiden vier verschiedene Arten von Einfriedigungen (tutelae): 
l) das sepimentum | naturale mittels lebendiger Hecken, 
2) das agreste durch Zäune, 3) das militare durch Wille 
und Gräben, 4) das fabrile von Feldsteinen, Backsteinen 
und Erde :!*). 

Das sepimentum naturale besteht: gewöhnlich in Dorn- 
hecken mit arbores antemissae (146, 15—18), doch kommen 
auch andere Pflanzen als Grünzbefriedigungen vor, wie der 
Rainfarn wo er nicht wild wächst, m Italien die cannabís 
terminali u. a. m. !!!). 

Zäune und. Planken von todtem Holz erwähnen die 
Agrimensoren nicht. | 

Ebenso wird das sepimentum militare durch Land- 
wehren (muri) Wall und Graben bei dem grossen Grlinz- 
zug nicht. aufgeführt, weil es’ unter dem allgemeinen Begriff 
des ager. arcifinius mit enthalten ist !!*). 

Dagegen gedenken sie der fossae finales bei Privat- 
gränzen, welche pro diviso gemeinschaftlich sind, (147, 19 — 
148, 20; 149, 21—28) wie der canabulae und nmovercae 
(227, 14 guod tegulis construitur, 349, 12 fig. 291. 292) 
d. h. der zur Trockenlegung der Grundstücke bestimmten 
Ihönernen oder hölzernen Abzugsröhren, welche mit Scher- 


109) Varro de re rust. 1, 15.16. Cicero pro Caecina c. 8 (22). Horat. 
epist. 2, 170. 171. : 

110) Varro de re rust. 1, 14, 1. 

111) Aputei. de herbis 114 cannabis agrestis, quam Itali terminalem ap- 
pellant. “ 

112) Varro erwähnt den ferreus agger cum fossa als Deich gegen öffentliche 
Flüsse, den agger allein, ohne Graben, von Manchen murus genannt, 
‚auf dem Gebiet von Reate. - 


T 


270 RUDORFF 
ben gefüllt sind, die das \Vasser nur langsam, gleichsam 


stiefmütterlich durchlassen !'!?). 

Das fabrile sepimentum hat nach Varro wieder vier 
Unterarten: steinerne Mauern z. B. bei Tusculum, back- 
steinerne im ager Gallicus in Picenum , feldsteinerne im 
Sabinerlande, aus Erde und Steinen geformte in Spanien und 
im Tarentinischen. Die Agrimensoren hingegen erwähnen aus- 
ser den maceriae, welche keineswegs immer final sind, son- 
dern oft nur das Herabstürzen der Erdabhänge verhülen 
sollen, (148, 24 — 150, 6 fig. 296. 299) auch unzusammen- 
hängende Steinhaufen, die im Bauernlatein scorpiones, scoro- 
fiones (138, 22; 243, 12) hiessen, ferner Kieshaufen, (pulvim 
126, 15), endlich Erdhügel (308, 2) verschiedener Hübe 
betontini (308, 3, fig. 200) !'*) colliculi (114, 16) monticelli 
(fig. 258) attinae (139, 1. 2) und allerdings können alle diese 
Dinge als Grünzzeichen vorkommen, besonders wo es her- 
vorragender, leicht in die Augen fallender Merkmale. bedarf, 
z. D. in Wäldern oder auf weitliufügen Weiden, oft aber 
sind sie auch blos durch Säuberung des Landes entstanden 
und dann natürlich ohne alle finale Bedeutung. 

Es liegt übrigens in der Natur künstlicher Einfriedigungen, 


113) Die Stelle des Vitruv. 4, 6, 1. ductus-aquae fiunt rivis per canales 
struciiles und Pallad, 9, c. 11 ducifur aut forma structilt aut ca- 
nalibus ligneis, die Rigaltius anführt, reden von Wase«erleitungen. 
Eher sind die fossae zu vergleichen Colum. 2. 8. 3 sulcos aquarios 
quos nonnulli elices vocant faciamus, el omnem humorem ín colliquias 
derivemus. — Pallad. 0, 3. 1 caecae hoc genere fiunt. .imprimuntur 
sulci per agrum transversi allitudine pedum ternum: postea «sque 
ad medielateni lapidibus minutis replentur, aut (et?) glarea et super 
terra, quam egesseramus, aequatur. In einem andern Sinn heisst es 
von der Wahl des Lagerplatzes bei Hygin. de mun. castr. $ 57 (Lange:) 
Iniqua loca, quae a prioribus nocercae appellantur, ouudmodo vitari 
debent. Hier sind unebene ungleiche Plätze. gemein: der Vergleichungs- 
punkt ist hier die iniquitas der Stielmutter. - 

114) Paul. sent._5, 22, 2 qui convellunt bodenes (aus Pikhoy's Handschrift). 


gromatische Institetionen. 271 


dass. sie am. häufigsten bei den innern Gränzen des Eigen-. 
thums angewandt werden, ‚manche, namentlich Gräben jedoch 
auch als Provinzialgränze ''°). 

12. Wege kommen als Gränzen seltener vor, da ihr 
Zweck nicht Scheidung sondern Verbindung ist (145, 19 — 
147,11). Daher durchschneiden sie nicht selten den Gränz- 
ng !!5), oder laufen eine Strecke mit ihm fort, um bei der 
ersten besten Biegung wieder abzuspringen (41, 26). Als 
Stamm- und Völker- oder Gemeindegrünzen, wie etwa bei 
uns der Rainweg über die Höhen des Thüringer Waldge- . 
birges, kommen ‚sie bei den Áprimensoren gar nicht vor. 
Dagegen finden sich feste Feldrame (solidi margines) nach - 
Ortsgewohnheit als Privatgrünze: zwischen den Aeckern (126, 
14; 152, 1— 4), man muss sich aber hüten, sie mit der alt- 
römischen, Legalservitut des Anis zu verwechseln, welche 
gerade den Beweis enthält, dass diese (noch weiter unten zu 
erörternde) Einrichtung dem römischen Stadtgebiete fremd war. 

13. III. Die jüngste und vollkommenste Gränzbezeich- 
nung bilden die termizi d. h. die ausschliesslich zur Ver 
markung bestimmten Grünzzeichen: Zermini dicti, sagt Isidor 
366, 19— 22. quod terras mensuras distinguunt atque decla- 
rent. his enim testimonia finium intelleguntur et agrorum 
intentio et certamen aufertur. Durch sie. wurden die alter- 
thümlichen Malbäume, Sümpfe, Raine immer mehr verdrängt, 
bei jeder neuen Vermarkung wählte man wo möglich diese 
ausdrücklichen und unzweideuligen Zeichen, die man immer 
genauer, künstlicher, manmigfaltiger ausbildete. Ihre voll- 


115) Plin. nat. hist. 5, 9(4) Et pare, quam Africam adpellauimus, dividitur 
in duas provincias, veleren aa n9vam, discrelas fossa inter Afríca- 
num sequentem et reges Thenas usque perduoto. 

116) S. €. de Genuat. lin. T. ibei termina-duo stant circum ciam Postu- 
miam. iin. 10. ibei terminus stat propler viam: Postmniam. inde alter. 
trans viam Postumtum terminus etat. 


272 RUDORFF 


ständige Entwicklung gehört daher erst den römischen Colo- 
nien. und Staatsagrimensoren an. Von diesen - dureh die 
Imperatoren angeordneten Vermarkungen, den lapides Au- 
gustei oder Augustales, Tiberiani, Gai Caesaris, Claudiani, 
Neroniani, Vespasiani, Traieni wird unten die Rede sein. Da 
jedoch der Ursprung. der Einrichtung in die Zeit der Selbst- 
ständigkeit der altilalischen Stadtrepubliken ' zurückreicht '"), 
so darf das Allgemeine schon hier erwähnt werden. 

In holzreichem aber steinarmen "Gegenden nahm : man 
Pflöcke (pali, stipites) von Eichen, Steineichen, Oelbáumen, 
Wachholdern und andern Hölzern, welche die Gegend dar- 
bot !'*) (197, 3. 138, 21). Sie wurden, um sie vor dem Ver- 
wiltern zu schützen, mit Pech überzogen, und dam ent- 
weder mit Erde überdeckt oder frei gelassen. Um sie als 
Marken kenntlich zu machen, wurde nicht selten die Strahlen- 
oder Sternenmarkung (fig. 243) angewendet.: 

Wo möglich wählte man der Dauerhafügkeit wegen 
steinerne Marken von möglichst guter Beschaffenheit. Nur 
musste dafür gesorgt werden, dass sie von den einheimischen 
Feldsteinen (nativi, naturales, enchorii, ex ipso metallo sara 
350, 4) abstachen. Dies erreichte man durch farbige, aus- 
lindische oder künstliche gebrannte Steine. In Italien wur- 
den unter den natürlichen folgende am häufigsten verwendet: 


117) Nicht nur das Senatusconsult über Genua, sondern schon das weit 
ältere Psephisma auf der Tafel von Heraclea über die Begränzung der 
loca sacra des Dionysos und der Athene zeigt ein. ausgebildetes Ver- 
markungssystem. ' Es kommen Ecksteine (öpoı, orc: Läufer uéo- 
dopo, und &rrzopor) vor, besondere Versteinungen der: Seite auf der 
die pleurici stehen (ztevgi&c) und des Quadrifinium (1érowoo») vor. 
Boeckh corp. inscr. n. 5774. 5775. Vol. IH. p. 707.. 

118) Ovid. fast. 2, 641 termine sive lapis, sive es Hefossus in agro stipes 
ab antiquis, sic quoque numen Aabes. — Lactant. inst. 1, 20 publice 
supplicatur quasi custodi finium Deo: qui non tantum lapis sed 
eliam stipes interdum est. Quid de iis dicam, qui eolwnt (alia, nisi 
ipsos potissimum lapides ac elipitea: esse? 


gromatische Institutionen. 273 


1) der Flussstem (lapis fluvialis) '!°) welcher 'vorzugsweise 
ckromatieus hiess, 2) der dauerhafle nur gegen Feuer empfind- 
liche bei Tibur gehauene Kalkstein (lapis Tiburtinus, caesa- 
lis) 9), 3) der ganz harte und weisse, ja milchweisse Kiesel 
(sarum siler, ‚Galliensis = galaticus, yaldarıvog), 4) der 
bunte Feuerstein (ignifer) (306, 20—23), der schwarzweiss 
punktirte piperinus oder piperacius (309, 13; 306, 26 wo 
fito aciem in piperacius zu bessern ist !?!, 5) die verschie- 
denen Arten des Tufsteins (tophus), jenes groben vulcanischen 
Agglomerats, von schwarzer oder rother Farbe, aus welchem 
die Hügel der römischen Ebene bestehen’ (347, 14) !**), 6) der 
Mühlstein, der in Italien in vier verschiedenen Arten, schwarz, 
weiss, gemischt und fistulös vorkam und zu den lapides, 
nicht zum serum sectile gerechnet wurde !!); In den über- 
seeischen Provinzen wurden Marmorarten (351, 22—25) von 
grüner, (terminus marmoreus viridis) grauer (palumbacius) - 
und lauchgrüner Farbe (prasímus):** verwendet. In Er- 
mangelung der natürlichen brauchte man gebrannte Steine, 
ein solcher £erminus wird coctus, testaceus, ollaris, rustik 
ullageris genannt (306, 21). - 

In ältester Zeit waren die termini ohne alle Bearbei- 
tung und Form '*°), später wird der aspratilis vom dolatus 


119) Isidor. 19, 10 ftuviatilis silex semper veluti madens est. Pallad, 1, 10 
calcem — ex albo saxo duro vel Tiburtino aut columbino fluviali 
coquemus. | 

120) Vitruv. 2, T. 2. Plin. nat. hist. 36, 48. Tiburtini ad reliqua fortes, 
vapore dissiliunt. — ' 

121) Isidor. 19, 10. Piperinus subalbidus cum punctis nigris, durus atque 
fortissimus. 

122) Plin. nat. hist. XXXVI, c. 22, 48. Vitruv. 2, 7. S 1. Isidor. 19,10. 

123) Plin. nat. hist. XXXVI, 19, 30. Isidor. 19, 10. 

124) Piin. nat. hist. XXXVI, 7, 11. Isidor. 19, 10. 

125) Lactant. inst. 1,20 lapidem colunt informem atque rudem, cui 
nomen est Terminus. 


Römische Feldmesser II. 18 





914 RUDORFF 


und teratus a ferro unterschieden. Der aspratilis ist velut 
Signinum coagulatus (306,26), das Signinum opus aber 
bestand aus Kalk, grobem Sand oder zerstossenen Scher- 
ben '*°); er ist ein Stein mit rauher Platte (fig. 295) während 
der politus, dolatus, dolitus, dolatilis (306, 24 ,,342, 1 ; 362,18) 
ganz behauen ist.- Dadurch schon unterschied sich der Grünz- 
stein leicht vom Grabstein (cippus? monumentalis) ,- welcher, 
so weit er in die Erde versenkt wurde, unbehauen blieb 
(140, 1. 2; 306, 27). Die Milte zwischen den aspratiles und 
dolati hielten die termini tasati a ferro (342, 23; 345, 13). 

Die Grósse der Grünzsteine richtete sich 1) nach der 
Wichtigkeit der Grünze: die Gränzsäulen an den Landes-, 
Territorial- und Gerichtsgränzen und den Flüssen waren so 
gross, dass Unkundige sie für Meilenzeiger halten konnten '*"), 
Manche nannten sie bases oder tetrametra, i. e. quibus con- 
stant mensulae quae trapezia vocantur (nach Rigaults Ver- 
besserung 343, 6); 2) nach der Wichtigkeit des Gränzsteins 
selbst. Die Haupt-.Ort- oder Ecksteine epidecticales (von 
énideuxtuxOg), incipientes, praesidentes, welche den Anfang 
und das Ende einer Gränze bezeichnen, überragen natürlich 
die Läufer (cursorii) im Fortgang der zwischen diese End- 
punkte fallende Linie und gehören daher den marimi, robusti 
oder egregii termini an (346, 18. 27). Die Ecksteine können 
sowohl einen Winkel (cora, gamma, versura) (fig. 286) als 
den blossen Endpunkt der Gränze bezeichnen, z. B. die sub- 
cumbi 305, 12. In den römischen Limitationen gehören die 
epipedonici oder medii (213,9) in der Mitte der Centurien 
den Hauptsteinen an, während die pleurici (224, 4), die pro- 


126) Plin. nat. hist. 35, 12, 46. Colum. 1, 6. Vitruv. 8, 7 f. Pallad. 1,17. 


.. 127) Virgil (Aen. 12, 895—898) lässt den Turnus einen uralten Gränzstein 
aufnehmen, an welchem zwólf Mánner eine Tracht haben. 





gromatische Institutionen. ) 275 


gortienales und comportionales (213, 11) d. h. die Gitter- oder 
Schiedsteine der Privatgränzen den Läufern gleich stehen. 

An jedem terminus unterscheiden die Agrimensoren die 
Platte (verter), die Front (frons), den Fuss und die Seiten 
(latera) (173, 10): die Wetterseite heisst roscidum, die der 
Sonne zugekehrle Jimpidum latus (302, 2.3 fig. 223). Die 
Gestalt ist äusserst verschieden, es giebt dreieckige und" zwar 
recht- spitz- stumpfwinklichte und ungleichseitige (trigoni, 
erthogonii, osygonii, ambiygonii., scaleni), Parallellogramme, 
‚Rhomhen, Rhomboiden, Trapeze, Trapezoiden, Fünt- Sechs- 
Siebenecke, reprobi mit blinden Ecken, nicht zu verwechseln mit 
stumpfen Winkeln (307, 7; 344, 13), Steine mit zwei Spitzen 
(bifurci samadarci 304, 22; 360, 21), mit drei oder vier 
scharfen Ecken auf den Trifinien und Quadrifinien (306, 16), 
hohle (termini subcavi und damnati), runde (z. B. die Au- 
gustales) und halbkreisfórmige, Kisten (arcae), ziegel- und 
flaschenfórmige (lugenares, orculares), Urnen (seríae) und 
unzühlige andere Figuren (fig. 270—326). 

Der terminus erhált entweder verborgene oder offene 
Zeiclíen. In dem Maasse, in welchem die erstern verschwin- 
den (306, 7; 359, 29), nehmen die letztern an Künstlich- 
keit zu. 

Die geheimen Belege nennen die Gromatiker signa (317,6) 
signalia, subdita (142, 19), weil sie unter das ,, Gesüss'* des 
Stems in das „Lager“ (statio, fossa) gelegt werden, es wäre 
denn, dass der Stein selbst schrügüber auf die Seite gebogen 
wird (terminus subcumbus) fig. 232, p. 305, 9. (In Deutsch- 
lahd heissen sie Zeugen, Geheimniss, Beleg, Beilage, Eier, 
Junge, Loos- oder Markzeichen.) Sie bestehen in Kalk, Gips, 
Kohlen 128), Glasscherben, Asche, Topfscherben, Denaren und 


128) Augustin de civ. Dei 21, 4 tanta firmitas ut nullo humore cor- 
rumpanlur, nulla aelate vincantur, wsque adeo ut eos (carbones) 


18* 


276 " RUDORFF - 


andern Münzen (359,25; 361,32) und dürfen nicht ver- 
wechselt werden mit den Stücken, welche bloss zum Fest- 


. treten des gesetzten Terminus gebraucht werden (212, 14; 
346, 22). In den Vermarkungen, welche später die Römische 


Regierung anordnete, wurden keine signa subiecta vorge- 
schrieben: ihr Gebrauch wurde daher willkürlich und ver- 
schwand zuletzt so sehr, dass ihr Mangel nicht mehr gegen 
die Eigenschaft des Marksteins bewies. 

Die offenen Merkmale auf den Steinen (mobilitates, quae 
manu fiunt 142, 22) sind entweder Inschriften und Buch- 
staben oder Zeichen. 

Ausführliche Inschriften pflegten nur an den Gränzsäulen 
der Territorien vorzukommen (fig. 208). Die innern Termini 
wurden nur mit einzelnen Buchstaben (ii£terae singulares, 
notae iuris) versehen, deren Bedeutung: in den Vermarkungs- 
protocollen (expositiones terminorum 357 — 364) erläutert 
wurde. | 
Eine noch umständlichere: Erklärung bedurften und er- 
hielten die vielen an den Gränzsteinen angebrachten Zeichen, 
z. B. die Löcher in den Seiten, die Kerben, Rinsel, Runsen 
oder Schleifen auf der Platte. Aus’ dergleichen Vermar- 
kungsprotocollen ist die Zusammenstellung des Latinus 305 
—306. 309 entstanden. Da das genauere Detail ermüden 
und stören würde, so mögen ‚einige Beispiele genügen. So 


deuten Spalten auf einen Bergspalt (360, 17) !**), Einschnitte 


subslernere soleant, qui limites figunt, ad convincendum liligetorem, 
quisquis post quantalibet tempora extiterit, fixumque limitem nen 
esse contenderit. 

129) Terminus si aliquam cisuram, hoc est taliaturam habuerit, montem 
cissum, id est laliatum, ostendit. Vgl. Non. 414, 26 taleas, scissiones 
lignorum vel praesegmina: Varro dicit de H. R. lib. 1 (40) nam 
‚eliamnum rustica voce interlaliare dicitur dividere vel excidere 
ramum. Lex Longobardorum (it. 96 arborem, ubi theclatura est. 





- gromatische Institutionen. 277 


(iucisurae), Schlangenlinien, Löcher in der Platte auf einen 
Grünzzug lüngs des Grabens; Bachs oder Flusses hin. Kreutze 
(decusses) bedeuten, dass ein Kreutzweg (quadrifinium) in 
der Nühe ist. Aufsätze von Blei oder Zinn zeigen Cisternen 
und Teiche an. Adlerköpfe, Wolfs- und Bärenpranken 
deuten auf Berge, Bäume und Haine, Rindsklauen und Ross- 
hufe auf Quellen und Gewässer, bei denen das Vieh zur 
Tränke geht, Stierköpfe auf zwei Berge, aus denen der Gränz- 
bach hervarkommt,, auf sacra paganorum in trifinio u.s. w. 


IV. Lez und consecratio vetus. 


'14. Die alten Staaten hatten schon vor ihrer Einver- 
lebung. in den römischen, Landanweisungen vorgenommen, 
welche die Agrimensoren als ler et consecratio vetus be- 
zeichnen. Am bekanntesten sind die der Etrusker '’°) und 
Heracleoten. Während die Arcifinien nach ius gentium von 
einander geschieden sind, bildet eine solche lex et consecratio 
vetus ein Stück des ius proprium. peregrinorum, durch wel- 
ches die innere Eintheilumg der Staatsgebiete in- vorrömischer 
Zeit bestimmt war. 

Diese vorrömisehe Limitation wurde nach der Medialisi- 
rung ‚der Gemeinde vom römischen Staat ‚bald geschont, 
bald durch Strigation, Scamnation, Intercision vernichtet. 

Das Letztere geschah, wenn der fremde Staat im Wege 
der Eroberung den Römern unterworfen war, denn in der 
Dedition wurden auch die: sacra ausgeliefert und das ganze 
Gebiet in ager publicus populi Romani oder Caesaris ver- 
wandelt '*‘), daher ist der Provinzialboden regelmässig -ager 


130) O. Müller, Etrusker 2, S. 151—160.  Niebuhr, R. G. IT. 698. Nágelé, : 
Studien über altital. Staats- und Rechtsleben 1849. S. 125 — 128. 
131) Liv. 1, 37; VII, 31; IX, 9; Plaut. Amphitr. I, 1. 70. 100. Gai. 2. 7. 


Pd 


278 RUDORFF 


rudis (203, 7) und sein vorrömisches Gepräge wird gänzlich 
vernichtet. 

Ist dagegen der fremde Staat durch einen völkerrecht- 
lichen Vertrag mit dem römischen verbunden, so behält er 
sein geistliches Recht und die von ihm ausgegangenen Auf- 
theilungen und Limitationen müssen sorgfältig geschont wer- 
den. In diesem Verhältniss’ stehen nicht nur die verbündeten 
und freien Städte in den Provinzen (Ler Antonia de Ther- 
mess. lin. 14 —28), sondern sogar die Municipien in Italien. 
Manche behielten ihre ler und consecratio vetus ganz, z. B. 
Lauro- Lavinium. (234, 21) Abellinum (229, 6; Plin. 3,11) 
. vielleicht aus religiösen Gründen ':*); ferner ein Theil von 
Etrurien (225, 9) Neapel (235, 16) Surrentum (237, 1, 2) wo 
tuskische oder griechisehe Limitätion fortbestand, und wenn 
auch andere bei Errichtung der Augustischen Militaircolonieen 
hart mitgenommen wurden (18, 5 — 19,5; 168, 20 — 165, 24), 
so blieb doch immer Grundsatz: wenn ‘ein Municipium in 
eine Colonie verwandelt werde (ín coloniae ius transfertur 
178, 14 wie auch 203, 8. 9 statt #2 coloniam eius wu lesen 
ist, municipium constituitur 262, 5; 264, 9) so: müsse scho- 
nend, und mit Berücksichtigung seiner Anträge (secundwm 
suam postulationem 203, 10) verfabren werden. 

15... Solchen vorrömischen Limitationen gehören die alten 
Landmaasse an, von: denen sich nicht nur bei verbündeten 
Völkern Italiens; sondern selbst in den Provinzen neben den 
römischen Staatsmaassen Spuren erhalten haben. : 

Des römische Staatsmaass beruhte ursprünglieh wie die 
Eintheilung des Jahrs und Tages, -der Münze und des Ge- 
wichts, auf dem natürlichen, vom menschlichen Körper ent- 
lehnten Dezimalsystem '*°), später, vielleicht schon seit Ser- 


132) Orelli n. 2179. 2275. Daher behielt selbst Capua 545 seine pagi. 
133) Vitruv. de archit. III. 1. $ 5. Perfectum autem anfiqui instituerunt 
numerum, qui decem dicilur. namque ex manibus denarius digitorum 


gromatische Institutionen. 279 


vius,- jedenfalls ‚aber lange vor der Lex Silia !** auf dem 
vollkommnern, leichter theilbaren Duodezimalsystem (30, 9). 
Dasselbe System galt. vermóge des uralten Bündnisses und 
Commercium im alten Latium. | 

'Seine Einheit ist ein Quadrat von zwölf zehnfüssigen 
Ruthen (decuriae, decempedae, perticae), also ein Morgen 
von 144 Quadratruthen. Dieser Acker wurde bei den Ró- 
mern actus '°°), in Lalium aczua genannt: der letztere Name, 
welchen Lachmann 30, 12 hergestellt hat, wurde auch in 
Baetica, obgleich man dort amtlich nach Jochen oder Tage- 
werken rechnete '**), von den Landleuten gebraucht '”), er 


J 


numerus, ex digitis vero palmus el ab palmo pes est inventus — 
6 6 mathematici vero — perfectum esse dizerunt numerum, qui sex 
dicilur — $ 8 nostri autem primo decem fecerunt antiquum numerum 
— posten autem quam animadverterunt , utrosque numeros esse 
perfectos et. sex el decem, utrosque in unum coniecerunt. — huius 
autem rei auctorem invenerunt. pedem: e cubito enim. cum dempti 
sunt. pälmi duo, relinquitur pea quatuor palmorum: palmus autem 
habet queluor digitos. ila efficitur uti habeat pes sexdecim  digilos 
et tolidem asses aereus denarius. S 9 convenit ex articulis hominis 
numerum inventum esse — eliam aedes deorum immortalium con- 
etituentes ila membra operum ordinaverunt cet. 
134) Festus c. publica pondera. Böckh metrol. Unters. S. 161 ff. 


135) Plin. nat. Aist. 18, 3.3. actus in quo boves agerentur cum aratro 
uno impetu iusto. Colum. 2, 2,27 sulcum autem. ducere longiorem 
quam pédum centum viginti contrarium pecori est, quoniam plus 
aequo fatigatur, Auch &xamve ist-ursprünglich == stimulus- boum. 

136) Varro de re rust. 1, 10, 1 in Hispania ulteriore metiuntur iugis. 
Plin. 18, 3. iugum. vocabalur quod uno iugo boum in die exarari 

, possil. 


137) Colum. 5, 1. 5 actum provinciae Baelicae rustici. acnuam vocant, 
iidem XXX pedum latitudinem et CLXXX longitudinem porcam dicunt. 
Isidor 368, 1, der die Stelle des Columella ausschreibt, setzt hinzu: 
Aunc Betici arapennem dicunt, ab arando scilicel, aber auch arepen- 
nis ist rustikes Latein für arri pondo, wie man in Narbonne libra 
(122, 7. 10) sagte und noch heute in Niedersachsen von Pfunden 
. Landes spricht. Columella hatte den Arpent bei Gallien erwähnt, dem 
Bischof von Sevilla lag der baetische Sprachgebrauch näher. Eben so 


280 RUDORFF 


- 


scheint (wie tee, vella, veia, vellatura, für via, villa, .vehela, 
vectura) ein rustikes Wort für actus zu sein !?9). 

Um aber die Unzialtheilung bis auf das seriptulum ('/,,,) 
durchführen zu können, wurde ein Dupondium von. zwei 
Actus als Einheit angenommen, dieses Doppel-As ist das 
Jugerum (duo agri) von 240 Fuss.Lünge, 120 Breite ''| 
Es bildet das römische Staatsmaass vor Gericht und im 
Lager (domi militiaeque), in jener Beziehung wird es in der 
berühmten Stelle des Varro über die sieben Marktjucherte u 
forense, in dieser in einem. aus -Columella (5, 2) genom- 
menen Stück de iugeribus metiundis 354, 1. 10, wo übri- 
gens die Quelle das Beiwort nicht hat, castrense zubenannt. 

Das Scriptulum. ist das Quadrat der Ruthe, des einzigen 
tragbaren Maasses, während die kleineren, selbst die halbe 
und Viertelruthe (passus, grädus) vom menschlichen Träger, 
die grösseren von der Arbeitskraft der Thiere entlehnt sind 
(367, 19 pertica — a portando dicta, quasi gartica. omnes 
autem praecedentes mensurae in corpore sunt, ut palmus, 
pes, passus et reliqua: sola pertica portatur). —— ^ ——— 


war das gallische candetum für 100 und das ländliche £uetum .candetum 
für 150 Quadratfuss nur ein Provinzialismus, wenn auch nicht gerade 
^ wie Isidor meint statt centetum. ' e 
138) Darauf deutet die ächt bäurische Zusammenstellung von. agna und 
porca (Note 137). Porca, das beim Pflügen aufgeworfene Beet, leiten 
die Rómer von proiicere, porricere, oder von porcere ab. ( Varro de 
ling. lat. 5, 39. de re rust. 1, 29, 3. Non. p. 61, 25, her.) Acnua 
führt Saumaise -zu Solin, c. 37. p. 481 auf &x&r« oder &xe«uyo zurück, 
allein die griechische Akena war nach dem áchten Heron. eine Decem- 
peda von zehn Philetárischen Fussen, nach dem jjingern Heron, dem 
Verfasser ‚der Geodäsie ein Lüngenmaass von sechszehn Spannen 
—. (éz:9auo Bacıkızat). Vgl. Bóckb's , metrol. Unters. S. 9—11, 215. 
139) Varro de ling. lat. 5, 35, de. re rust. 1, 10,2. Colum. 5, c. 1—3. 
Frontin. 30, 10—16. 
140) Varro de re rust. 1,2. 9. 











gromatische Institutionen. 281 


Die pertica und der Fuss, sind die hervorstechendsten 
Maasse. Das Messen nach Fussen heisst pedare, jede nach 
ihnen gemessene Fläche pedatura, oder podismus. 

Der römische Normalfuss war der pes monetalis auf 
dem Kapitol, in dessen kleinster Unterabtheilung in 16 Zoll 
(digiti) die ausschliessende Herrschaft der Unzialtheilung auf- 
gegeben ist '*'), der Zoll ist 1%, Unze (95, 2, 11, 12). Der 
Imthum 367, 17 uncia habet digitos tres ist ‚durch das 
Zahlzeichen !! | (1'/) entstanden; Drei Unzen machen einen 
Palmus, : 

Diese civilen Längen- und Flächenmaasse batten. aber 
selbst zur ‚Zeit der mensorischen Auctoren die altitalischen 
noch nicht ganz verdrängt. Noch zu Varro's ja zu Frontins 
Zeit maassen die Osker in Campanien und die Umbrer nach 
Morgen von 100 Quadratruthen, welche versus oder vorsus 
genannt wurden, weil der Pflüger dort lO0füssige, wie in 
Rom und Latium 120 füssige Furchen zog '**); hier halte: 
sich das alte, vom menschlichen Körper .entlehnte Decimal- 
system, welches Rom auch. in den grossen Zahlen seiner 
Limitationen mit dem vellkommenern Duodezimalsystem zu 
vertauschen strebte (Aygin. 174, 13 — 175, 14 dg. 148) noch 
bis ina. Einzelne erhalten. 

141) Bóckh, metrol. Unfersuch. 28, 195, 206. Bócking, Institutionen 8, 345. 
142) -Verre de re rust. 1, 10, 1. da Campania (netiuptur) versibus — 
versum dicunt centum pedes quoquoversum quadratum. Frontin. 30, 5 
primum agri modum fecerunt quattuor limitibus clausum, plerumque 
centenum pedum in utraque parte quod Greci pletáron appellant, 
Osct ét Umbri vorsum. In Heraclea galt lange vor der römischen 
Herrschaft ‘ein Längenactus von 120 Fuss unter dem Namen oyoivos 
nur enthielt derselbe 30 óp£yuere, während der römische Actus in 
24 passus getheilt wurde, so dass sich das Ogeype zum passus wie 
4 zu 5 verhielt! Boeckh corp. inscr. gr. n. 5774. 5775. Vol, HI 
p.707. —- Die Jugera (sicula nesima) in der bantinischen Tafel rüh- 


ren dagegen, wie Mommsen erwiesen hat (Zeitschr. für gesch. Rechts- 
wiss, 13, S. 172) aus der Uebersetzung eines römischen Gesetzes her. 


282 RUDORFF 


In noch grösserer Mannigfaltigkeit bestanden die eigen- 
thümlich peregrinischen Maasse in den Provinzen (extra fines 
legesque Romanorum, id est — extra Italiam.— 123, 11) 
fort. So rechnete man in Dalmatien nach Versus von 
8640 Quadratfuss, deren 3%, auf das römische Jugerum gin- 
gen, in der Provence nach lidrae oder parallelae, in Spanien 
nach Centurien (122; 1—3, 6—8), in den östlichen Provinzen 
nach Plethren von 100 Quadratruthen (30, 8. 9), oder nach 
Medimnen, also nach der Aussaat z. B. in Kyrene (123,7, 
wo hinter medimna die Zahl 1250 zu fehlen scheint) eben 
so in Sicilien !**). 

Wie das provinziale Flüchenmaass, war der fremde 
 Lüngenfuss vom Römischen verschieden , in Germanien in 
Tongern fand Hygin den pes Drusianus, der um %, länger 
war als der monetalis (123, 9:10), in Kyrene galt ‘ein Fuss 
von "5, des römischen, den er den Ptolemäischen nennt, 
weil nach ihm die: königlichen Ländereien vermessen waren, 
welche Ptolemäus Apion den Römern hinterlassen hatte 
(123, 1—8): Böckh vermuthet, dass er der olympische war '*). 

Indessen ging das Streben der römischen: Regierung 
namentlich seit August auf Durchführung des Staatsmaasses 
wie des Münz- und Gewichtsystems '*). Daher empfiehlt 
Hygin ( 192;.4— 14) bei provinziellen Vermessungen das 
Staatsmaass voranzustellen, das nicht amtliche peregrinische 


143) Das Medimnum ist nämlich die Aussaat für ein Jugerum: in fugero 
agri Leontini sagt Cicero (Verr. 2, 3. 47) medimnum fere tritici 
seritur perpetua et aequabili satione und dies gilt nach Hygiu (123, 8) 
auch für Kyrene, nur war as dortige Medimnum !/, + '/,, grösser 
als das römische Jugerum: es enthielt statt 28,800 Quadratfuss 31,250. 

144) Böckh, metrol. Unters. S. 217. Provinzielle perticae noch 371, 18f. 

145) Dto Cass. 52, 30 Böckh a.a. 0. S.:373.. Mommsen über den Verfall 
des róm. Münzwesens in der’ Kaiserzeit, 'Berichte der sächs. Gesellsch. 
der Wissenschaften, hist. phil. Klasse 1851 S. 193). 





gromatische Institationen. 583 


aber blos beizufügen,. wie er selbst in Dalmatien es ge- - 
halten hatte. | 
16. Eme ganz eigenthümliche Limitation behauptete sie 

jedoch in Aegypten, dem merkwürdigen, durch widerspre- 
ehende Kulie in kastenartig geschiedene Gauen (Nomen) 
reklüfteten Flussthale des Nils in Mitten der Wüste. Die 
jährliche Nilschwelle, durch die Schneeschmelze im Gebirge 
veranlasst, zerstört hier jede Gränze, während die Enge und 
Fruchtbarkeit de» Nikhals die äusserste Zersplitterung des 
Bodens in die kleinsten, unbedingt veräusserlichen Parzellen 
hervorruft. Unter solchen Verhältnissen hatte sich in diesem 
Stammlande der Geometrie und ‚Geodäsie lange ver der 
römischen Herrschaft das genaueste System der Beurkundung 
der Gränzen durch Flur- und Lagerbücher gebildet, welche 


 injedem Dorf des Nomos, von den Ortsschreibern (den Komo- 
. und Topogrammateis) geführt wurden und Lage, Grünzen, 
| Nachbarn, Güte, Eigenthümer jedes Grundstücks. auf das 


Genaueste angaben. Das landübliche Maass war die ügy- 
pische Elle, ein Quadrat von 100 Ellen heisst eine Arura. 
In jedem Nomos hatte ein königlicher Schreiber, ein Bastlikos 


. Grammateus, die Interessen der Domänen, oder des Staats 


gegen die Priester in diesen Angelegenheiten zu vertreten ‘**). 
Diese Centralisation der Verwaltung, welche unter den Rö- 
mern im Wesentlichen 'fortdauerte und fortdauern inusste, 
unterscheidet das Land von Italien und den mieisten andern 
Provinzen, in welchen .die Verwaltung emen ständisehen 
Character hatte, indem sie sich an die Städte und Stadt- 


146) Kuhn, Beitr. zur Verf. des röm. Reichs (1849) Num. IV. S. 153. Dass 
diese Verhältnisse unter den Römern fortbestanden, geht sowohl aus 
der Proclamation des Prüfecten Alexander (Rudorff, im Rirein. Mus. f. 
Phil. If, 1828 S 64--84, 133—190) als den Geschäftsurkunden dieser 
Zeit (Journal de Savans 1822, p. 566), ja selbst noch aus Cassiodor 
(var. 3, 52) auf das Unzweideutigste hervor. 


284 RUDORFF 


gebiete anschloss, deren Gesammtheit (commuze, xoırov) auf 
den Provinziallandtagen (concilia) zunächst als religiöse, bis 
auf einen gewissen Grad, aber auch als politische Korpora- 
tionen dem Statthalter gegenüber vertreten waren. 


V. Die Rechtsverschiedenheiten der Landgebiele 


im römischen Reiche. 


17.. Das civile Gränzrecht, zu welchem wir von der 
Betrachtung des iua geptium und proprium peregrinorum 
übergehen, kennt drei Verschiedenheiten . (conditiones, quali- 
ates) der Lamdgebieke (agri): I) die staatsrechMich.- groma- 
Aische, II) die privatrechtliche, III) die landwirthachafHiche. Die 
erste ist die suma divisio, diezweite, welehe Niebuhr (R. G.2, 
694) ausschliessend hervorhebt, ist den: Mensoren eine Ver- 
sohiedenheit zweiten Ranges, die dritte :kommt nuc bei den 
KGolonisen und Bornitirungen zur 'Sprache. 

18. Staatsrechilich und gromatisch ist ein Gebiet eni- 
Weder '1) aufgetheilt. (ager divisus et asságnetus) oder II) bloss 
‚vermessen (ager. per .eztremitatem mensura comprehensus). 
eder. u). keines von..Beiden (eger areifinius). 

. Die praktischen Unterschiede dieser Klassen sind fol- 
gende; . 
— , Ersich: Da. die Auftheilung und. Vermessung: Staals- 
.acte. sind, so. werden die beiden ersten Klassen durch Kar- 
len (formae) :beglaubigt, welche. als. amtliche von den ge 
schworenen Feldmessern der Regierung aufgenommene Ur- 
kunden óffentlichen Glauben geniessen (90, 2, 3. 154, 13 — 
155, 2) während bei der dritten mit der Thätigkeit auch die 
Beurkundung durch das Organ der Regierung wegfällt, und 
nur Verträge zwischen den Gemeinden oder Einzelnen existi- 


gromatische Institutionen. 285 
ten, die. als Privataeugnisse in eigener Sache, ohne Beweis- 
kraft sind (138, 11 S; 254) !*7). j 

Zweitens: Nur bei den beiden ersten Klassen, wo "ein 
Durch- oder Abschneiden durch unveränderliche mathemati- 
sche Linien vorkommt, sind Schnitzel (sudseciva) und Reste 
(estraclusa) denkbar, die bei arcifinischem Land: unmöglich 
sind (6,3 — 8, 9). 

Dritlens: Die mathematischen Linien schliessen die Mög- 
lichkeit jeder Aenderung der Grünze. dureh Wasserlauf (AI- 
luvion, Inseln, Flussbett) aus. E 

19. I) Als aufgetheiltes Land anerkennt Frontm (2, 1) 
nur die‘ Coloniegebiete (agri colorici), natürlich mit Ein- 
schluss, erstens: der agré redditi und commutati (117, 12), 
ıweitens: der abgezweigten Jurisdictionsbezirke (praefecturae) 
in den Gebieten benachbarter ,, constituirter “  Municipien, 
‚ drittens: der Assignationen an einzelne Wehrmünner (ager 
viritanus, ein Ausdruck der übrigens den Agrimensoren 
fremd ist, die dafür sugeretio, assignatio in iugeribus, und 
ähnliche Bezeichnungen -brauchen) im Gegensatz der centu- 
riatio an die Kompagnien (232, 2. 12). . 

Das Kaufland (ager quaestorius) hingegen, welches seit 
Niebuhr R. G. 2, 696 alle Neuern zum aufgetheilten Lande 
rechnen, schliesst Frontin stillschweigend aus, Hygin und 
Sieulas Flaccus setzen es dem aufgetheilten und weggegebe- 
nen Lande (ager divisus et assignatus) sogar ausdrücklich 
entgegen (115, 15 vgl. 117, 12 und 152, 23 vgl. 154, 8) und 
gewiss mit Recht. Allerdings waren. auch diese Lündereien 
vom Staat verkauft und limiürt, auch wurde über den Kauf- 


147) Die Limitationsurkunden aus der vorrómischen selbstündigen Zeit (235, 16. 
236, 22) wurden indess faktisch etwas höher geachtet, z. B. die zu 
Delphi in Stein gehauene Aieromnemonum determinatio deren Beach- 
tung Trajan seinem Kommissar ausdrücklich zur Pflicht macht (Note 75). 


296 | RUDORFF 


coniract ohne Zweifel eine Urkunde aufgenommen, in welcher 
die Kaufbedingungen näher bestimmt waren. Allein zwischen 
diesem Kaufact und def Vertheilung unter eine Ansiedlung 
ist dennoch ein ‚grosser Unterschied. ‚Denn erstlich ist die 
Coloniegründung. ein strengrechtlicher Staataact des Augural- 
rechts, der Verkauf ein profanes bonae:fidei Gescháft !*). 
Zweitens: Jene genehmigt der Staat durch Auspicien, den 
Verkauf schliesst der Kriegszahlmeister !**) auf Geheiss des 
Feldherrm um die Kriegskasse zu füllen, Drittens: die Limita- 
tion der Colonieen und Landschenkungen ist eine Zerlegung 
in persönliche Staats- und Manntheile. Denn die Colonie ist 
ein Staats- und Heertheil, der. aus Personen (eiri) besteht 
und nachdem er an den Ort seiner Bestimmung, ausgeführt 
(deduzirt) ist, auch als’ Ganzes eine publica persona. bildet. 
' Die Vertheilung erfolgt daher entweder 1) an die persone 
publica coloniae (54, 23) unter die Compaguieen (centuriae, 
centuriatio); oder 2) an die personae privatae der einzelnen 
Wehrmänner (viritim, ager viritanus, iugeratio). Dagegen 


148) Aus dem esíriclum ius augurum erklären sich die Klauseln der cap- 
cepla verba (denn legitima verba, wie bei der Legis Actio kennt das 
ius augurium nicht) durch welche der Augur, dem die Conception im 
einzelnen Fall überlassen war, sich vorsehen musste (cavere), um nieht 
durch Versehen oder Versprechen zu viel von dem locus effatus wet- 
zugeben. Varro de ling. lat. 7, 8 templa tescaque ita sunto, quoad 
ego caste lingua nuncupaveare, — quam me sentio dixisse, — 
ulque ea reclissime sensi — "cortumiune u. s. w. (Savigny, 
System 5, 495 a. b. Puchta Inst. II $ 165 zz in der dritten Ausgabe.) 
Vgl. die Clausel énferium bei Trebatius (Arnob. adv. gent. 7, c. 31) 
und doli: (Mommsen inscr. Neap. 212). Beim Kauf war das dus civile 
durch die bonae fidei Natur des Geschäfts ausgeschlossen. 

149) Der quaestor ist ursprünglich und regelmässig als der militaris zu 
denken, welcher in früherer Zeit mit in den Krieg zog und dem 
quaestorium wie der porta quaestoria im Lager den Namen gab (Hygin. 
de casir. $ 18. Klenze philol. Abh. S. 142. 143. Lange zu Hygin. de 
castris p. 165) denn das Verkaufsobject war meu erobertes Land (115, 
16; 152, 23). 


eromatische Institutionen. 287 


das Kaufland wird .ohne Auftheilung (gleich andern Domaipen 
116; 21; 122, 18) in rein -sachliche Parzellen zerschlagen, 
welche eigentlich Ziegel (laterculi, plinthe, plinthides 152, 25) 
und nur insofern centuriae genannt werden, als die Parzelle 
zehn Actus ins Gevierte misst, daher auch die Theilungs- 
lnien ohne Unterschied ihrer Richtung (also ebenfalls in 
uneigentlichem Verstande) decumani heissen (152, 27; 153, . 
11—22) Viertens: der militairische Ansiedler endlich ent- 
hält an seinem Loose Eigenthum, das assignirte Land geht 
durch die. Datio vom Staat auf den Einzelnen über; dem 
Käufer dagegen garantirt der Staat nur den festen Besitz 
(habere licere) '*°) während der eger selbst ‘(das Eigenthum) 
dem Staat verbleibt, welcher wegen der Anerkennung, des 
Rückfalls der Possessio, des Wiederkaufs u. s. w. den Käu- 
fern beliebige Bedingungen stellt. 

Das Kaufland steht hiernach in einem Zwitterverhältniss 
zwischen Veräusserung und freiem Staatseigenthum. Diese 
drei Stufen unterscheidet Trebatjus, wenn er sagt, der Zweck 
der Limitation eroberten Landes sei: u£ sciretur, quid cuique 
datum esset, quid venisset, quid in publico relictum esset '*!). 

Unsere Ansicht von der rechtlichen Natur der Kaufücker — 
wird durch einen bekannten .einzelnen Fall ausser Zweifel 
gesetzt. Die trientabula um Rom, welche der Staat seinen 
Gläubigern aus dem zweiten punischen Kriege überlassen 
musste !5*) waren Kaufäcker (vulgo venales). Der Staat 
hatte aber die Bedingung gestellt: ut, sí quis, cum solvere 


150) 2.25 $ 1 D. de contr. emi. 18, 1. L. 11 $2 D. de act. emti (19, 1) 
L. 16 D. de cond. causa dala (12, 4). 

151) 2, 16 D. de A. R. D. cf. Liv. 4, 48 (41, 1). Cujacius Emendation 
des Schlusses: quid veteri possessori relictum esset ist nicht glück- 
lich, sie stört den Zusammenhang und wiederholt was schon im Vor- 
hergehenden gesagt war. 

152) Lie. 31, 13. Lex Thoria c. 15. 


988  RUDORFF 

posset. populus , pecuniam habere quam agrum mallet, resti- 
teret ogrum populo, d. h. er hatte sich vorbehalten, wenn 
er Geld habe, das Land zurückzukaufen, voräusgesetzt, dass 
der Käufer einwillige. Das Eigenthum ward ungeachtet des 
Verkaufs und des Verzichts auf die Kündigung nicht weg- 
gegeben, vielmehr wurden die Consuln beauftragt, den Käu- 
fern einen Nominalzins (veetigel) von einem As auf das 
Jugerum aufzulegen: testandi causa, publicum agrum esse. 
Von einer ähnlichen Bedingung mag Hygin 115, 20 ge- 
sprochen haben: quibus agris sunt conditiones uti populo 
Romano (in der von Lachmann richtig erkannten Lücke mag 


 elwa gestanden haben: certum vectigal praestent) quod etiam 


praestitutum observant. — non tamen universos paruisse 
legibus, quas a venditoribus suis acceperant. In Italien war 
übrigens der Staatsverkauf, seit die Römer dort nicht mehr 
kriegten, längst verschwunden, das einzige und letzte Bei- 
spiel, welches die Agrimensoren aus früherer Zeit anzuführen 
wissen, betraf das Gebiet von Cures, welches Sulla publizirt 
hatte (152, 24; 136, 16; 253, 17—20; 349; 17—21) und auch 
hier waren die Spuren der Limilation grossentheils erloschen, 
die mathematischen Gränzen mit Vertragsgränzen vertauscht 
und das Vectigal in Vergessenheit gerathen. Die Verkäufe 
in den Provinzen !5°) berücksichtigen die Agrimensoren nicht. 

20. Der ager colonicus, welcher dem Vorstehenden nach 
mit dem divisus et assignatus zusammenfällt, ist wieder von 
zweierlei Art. (Frontin 2, 1 — 4, 2; beide confundirt 257, 26; 
im weiteren Sinn nimmt die altera conditio Nipsus 289, 8). 

Erstlich: Entweder ist das Colonialgebiet limitirt d. h. 
es ist durch Längen- und Querlinien in Kreutzesform in 
quadratische Compagnieloose zerschnitten., Dieser Staatsact 
und seine urkundliche Beglaubigung, deren Original in Holz, 

153) L. 11 pr. D. de evict. 21, 2. | 


_ gromatische Institutionen. 289 


später in Erz gegraben oder auf Pergament verzeichnet. und in 
zwei Exemplaren im Archiv der Colonie und im Sanctuarium 
des Principats niedergelegt wird, heisst bald Zimitatio 
von der Kreutzung der Linien und Wege !**), bald centu- 
riatio von der Zertheilung des Bodens in centuriae d. h. 
in Quadrate von 100 sortes oder heredia '**), bald endlich 
cancellatio, metatio, pertica, typus 154, 16—18 von der Zer- 
schneidung, Vermessung, Beurkundung. 


154) Anfangs wurde limes und limen allgemein von limus hergeleitet. Hygin. 
167, 17 limites — a limo i. e. antiquo verbo transversi: nam et 
limum cinctum ideo quod purpuram (ransversam khabeat, item 
limina ostiorum. postea et prorsos et transversoslimiles appella- 
verunt a liminibus, quod per eos agrorum itinera serventur. (Vgl. 
Serv. ad Aen. 12, 120 Limus est vestis — poparum — haec autem 
vestis in extremo sui purpuram limam i. e. flexuosam (transversam? 
s. jedoch Non. 133, 30) habet, inde et nomen accepit. nam limum 
obliquum dicimus. Vgl. die lànocincti tribunalis Orelli 3219). Paul. ex 
Festov. Limites in agris, nunc viae transrersaenunctermini v. Limus 
obliquus i.e. (transversus, unde el limina. Donat. ad Terent. 
Eunuch. 3, 5. 53 limes est transversus unde limen dicitur quo- 
que, quod ingredientibus exeuntibusque Iransversum est. — Später 
hat die falsche Ableitung von limen (z. B. Siculus Flaccus 153, 7 
limites ab liminibus vocabula acceperunt, quoniam limind introitus 
exitusque locis praestant, limites agris similiter introitus exitusque) 
zu dem Sprachgebrauch geführt, die Bellwerke an den Reichsgränzen 
limites. zu nennen. Tac. ann. 2, 7 cuncta inter castellum Alisonem 
et Hhenum novis limitibus aggeribusque permunila. Spartian. Hadr. 12 
in plurimis locis, in quibus barbari non fluminibus sed limitibus 
dividuntur, stipitibus magnis in modum muralis sepis funditus iactis 
alque connézis barbaros separavit. Diese Limites haben jedoch mit 
der Limitation nur die einseitige Anordnung durch die römische Staats- 
gewalt gemein, im Uebrigen sind sie arcifinal. 

155) Paul. ex Festo v. Limitatus ager est in centurias dimensus. v. Cen- 
turia in agris significat ducentä iugera, in re mililari centum homines. 
v. Centuriatus ager in ducenta iugera definitus. Quia Romulus cente- 
nis civibus ducenla iugera tribuit. Die Quelle ist Varro de re rust. 
4, 10, 2. (Vgl. Nonius 61, 12.) Seine ültere Meinung: centuria primo 
a centum iugeribus dicta, post duplicata retinuit nomen, die Colu- 
mella 5, 1. 7 und die Feldmessersammlung 372, 24 nachschreibt, hatte 
Varro später aufgegeben, 


Römische Feldmesser I. 19 


290 | RUDORFF 


Zweitens: Oder das Coloniegebiet ist gestreift, d. h. 
durch Längen- oder Querlinien in längliche Vierecke ge- 
theilt. Diese Ackerbeete heissen strigae wenn sie Längen- 
streifen, scamna wenn sie Quersireifen sind, der in der einen 
oder der andern Richtung gestreifte Boden wird ager scamna- 
ius. oder strigatus genannt. Der Begriff der Länge ist durch 
die Riehtung von Norden nach Süden, der Breite durch die 
Richtung von Westen nach Osten bestimmt, während wir 
die Entfernung vom Aequator nach Norden oder Süden 
Lünge, die Entfernung vom Meridian nach Osten oder Westen 
Breite zu nennen gewohnt sind. Strigatus ager est, sagl 
Hygin 110, 2—4, qui a septentrione in longitudinem in meri- 
dianum decurrit, scamnatus autem qui eo modo ab occidente 
ín orientem crescit. Die Linien und Wege bei der Striga- 
tion und Scamnation sind nur uneigentlich limites, da sie 
mit Ausnahme der unentbehrlichen grossen Fahrwege sich 
nicht kreutzen, der eigentliche Ausdruck ist rigores: prozimi 
possessionum rigores nennt sie Frontin (3, I) weil sie in ge- 
ringerer -Entfernung von einander parallel laufen, als die 
Limites, denn die eine Dimension steht zur andern im Verhält- 
niss von | zu 2: omnem mensurae huius quadraturam dimidio 
longiorem sive latiorem facere debebimus et quod ir latitu- 
dinem longius fuerit, scamnum est, quod in longitudinem 
striga (206, 15). EE 

21. Die Centuriation sowohl wie die Strigation und 
Scamnation sind jedoch nicht auf Colonien beschränkt son- 
dern kommen noch in zwei andern Anwendungen vor. Erst- 
lich nümlich finden beide sich im Lager wieder, dessen 
Absteckung die militairische Seite der Gromatik, wie das 
Feldmessen die friedliche '5*) bildet !*7). Die Lagercenturie ist 


156) Serv. ad Virgil. Ecl. 9, 7 und unten Abschnitt VI. 
157) Daher die Leichtigkeit, mit welcher aus einem Lager eine bleibende 
Ansiedlung erwachsen und umgekehrt die angegriffene Stadt in ein 


LI 


gromatische Institutionen. 991 


bei Hygin, bei dem schon das Duodezimalsystem an die 
Stelle des noch bei Polybius herrschenden Dezimalsystems 
getreten ist, ein Geviert von 120 Fuss, auf dem 10 Zelte 
jedes für 8 Mann. stehen müssen. Die Striga ist ein Streifen 
von halber Centurienbreite, also 60 Fuss, das semistrigium 
von 30 Fuss, welcher in der Richtung von det porta prae- 
toria nach der decumana, also regelmässig von Norden nach 
Süden: läuft‘). Die Scamna dagegen sind Flächenräume 
von höchstens 70 oder 80 Fuss Breite und 600 Fuss Länge, 
welche i der Richtung von der porta principalis sinisträ 
zur destra laufen und zur Aufnalime der Legaten und Tri- 
bunen gebraucht wurden!) Zweitens findet sich die 


J 
Lager übergehen konnte, weil die Vertheidigung beider auf denselben 


Regeln beruhete. 

158) Hygin. de munil. castrorum S 1 p. 65 Lange: Plena centuria habet 
niilites ocloyinia; erunt püplliones décem, qui occurrunt in latiludine 
pedum centum viginti — quod ad lalitudinem semistrigii pedum tri. 
ginta attinet — efficitur striga pedum sexaginta, reliqui pedes XII, 
qui conversantibus spatio sufficient. Diese strigae dienten nur zur 
Aufnahme der Truppen, namentlich der Triarier. Sowohl die Beziehung 
auf Lüngenwege als die Ableitung vem Striegeln der Pferde (Sostpater 
Charis. 1. p. 84 Pulech. striga est castrense vocabulum, intervallum 
turmarim- significans, in quo equi stringanlur (Lindemann 4, 1, 62 
sirigantur). Caper p. 2250 striga in turma tbi equi destringuntur) 
beruht auf einem Irrthum. Vielmehr bedeutet striga bloss eine fort- 
laufende Reihe (Paul. ex Festo s. v. strigae appellantur ordines rerum 
infer se contintaté collocatorum a strigendo dicíae): daher beim 
Pfügen die Furche (striz, stria. Varro de re rust. 1, 29. Vitruv. IV, 
1, 7. 3, 9. 4, 2. 3), bei der Heumat den Schwaden (Colam. 2, 2, 27) 
im Lager die Zeltreiben (ordines papilionum Liv. 31, 34). Das Ziehen 
solcher Reihen heisst strigare s: strigas facere, das so getheilte Land 
ager strigatus. Der Begriff der Halbcenturie kommt erst durch die 
Agrimensoren hinein, dass er der Lagerordnung fremd ist, hat Lange 
zu Hygin p. 107 gezeigt. 

159) Hygin. de mam. casiror. $ 15 dabimus ilaque intra vian principalem 
legatis pedatwram, quod scannum est appellatum nec communis stri- 
garum indicalionem melationis habet propter legionum humerum 
incertum. quod semper latitudine a pedibus L ad LXXX observari 


19* 


- 202 RUDORFF 


‘'Scamnation und Strigation allein, das heisst ohne die Cen- 
turiation bei dem steuerpflichtigen arcifinischen Provinzial- 
boden, an welchem der Staat das Eigenthum, der Einzelne 
nur eine mit Tribut belastete Privatpossessio hat. Es war 
ein Missbrauch, wenn einige Agrimensoren dieses Land in 
Centurienform vermaassen: multi huiusmodi agrum sagt 
Hygin 205, 1 more colonico decimanis et kardinibus divise- 
runt, hoc est per centurias, sicut in Pannonia: mihi vide- 
tur huius soli mensura alia ratione agenda. debet interesse 
inter inmunem et vectigalem. nam quemadmodum illis con- 
dicio diversa est, mensurarum quoque actus dissimilis esse 
debet!**). Ja die Strigation und Scamnalion war wenigstens 
zu Frontins Zeit so sehr dem ager publicus in den Provin- 
zen eigenthümlich, dass er bei ihrer Erwähnung als Colonie- 
form z. B. in Suessa Aurunca nóthig findet auf jene Haupt- 
anwendung zu verweisen, obgleich sie auch bei Colonieen 
in alter Rechtssitte (more antíquo 3, 7) begründet war. 
. 22. Dieser höchst merkwürdige Unterschied zwischen 
. den Colonieen und Eroberungen lässt sich aus den uralten 
Rechtsgrundsützen über die Anlage und Schleifung fester 
Städte erklären. 
Die römischen Colonieen waren nicht, wie die Colonieen 
des neuern Europa, Eroberungen zur Erzielung von Colonial- 
waaren: unsere Colonieen entsprechen vielmehr den rómi- 


debebit, prout numerus legionum effecerit in quo tribuni cohortium 
praetoriarum lendere solent. Vgl. Klenze philol. kbh. (1839) S. 146. 
Lange zu Hygin p. 159 und die Tafel 2 zu beiden Abhandlungen. 
160) Man hat die Stelle auf Staatsdomänen bezogen, an denen auch die 
Possessio nicht privativ ist. Allein Frontin versteht unter arva publica 
(1, 1. 2) wie das Commentum (4, 10) ganz richtig erklärt, blos das 
Obereigenthum des Staats, ganz wie Gai. 2, 7. Seliust. Jug. A0 Micipsa 
paler meus moriens praecepit, uli regnum Numidiae tantum modo 


procuratione meum ezisiumarem, celerum (us ac imperium penes 
vos esse. 


gromatische Institutionen. ; 293 - 


schen Provinzen, deren Name unler andern etymologisch 
schlechten, saehlich guten Erklärungen proventu abgeleitet 
wird '**). Die Colonisation der Römer dagegen war eine innere, 
ihre Colonieen folgen ihren Eroberungen auf dem Fuss, sie 
sind Staatsfestungen, durch welche die victrir civitas die 
victa im Zaum hält und das Gewonnene — Italien gegen die 
feindlichen Küsten (135, 20—136, 6), die Provinzen gegen die 
barbarischen Gränzvölker — sichert, zugleich bilden sie Pflanz- 
städte, in denen die Mutterstadt sich vervielfältigt und die 
durch die Kriege geschmolzene alte Bevólkerung durch eine 
neue rómische ersetzt. 

Von beiden Seiten, der órtlichen wie der persónlichen 
genommen konnten demnach die coloniae nichts Anderes 
sein als Abbilder und Vervielfältigungen (quasi effigies par- 
vae simslacraque) der urbs, von welcher sie ausgeschickt 
wurden und Varro bezeugt ausdrücklich, dass ihre Anlage 
ganz mit der Römischen übereinstimmte: coloniae nostrae 
omnis, sagt er, (de ling. lat. 5, 143) in libris antiquis scri- 
buntur urbeis, quod item conditae ut Roma. 

Die Gründungsformen einer urbs aber lehrten die etrus- 


' kischen Ritualbücher in quibus perscriptum est, quo ritu 


condantur urbes, arae, aedes sacrentur, qua sanctitate muri, 
quo iure portae, quo modo tribus, curiae, centuriae distri- 
buantur, ezercilus constituantur ordinenturque ceteraque 
eiusmodi ad bellum et pacem pertinentia. 
Diesem Ritual folgte das alte Latium wenn es galt zu 
gegenseitigem Schutz ein oppidum zu gründen d. h. einen 
161).In der städtischen Periode betrachtete man die Provinzen nur quasi 
quaedam praedia populi Homani vectigulia Cic. Verr. 3, 3, 7, in der 
Kaiserzeit war die Verwaltung etwas geordneter: Tac. ann. 15, 21: at 
nunc colimus externos et adulamur et quomodo ad nutum alicuius 


grates (der Dank des Communellandtags) ita promtius accusatio de- 
cernitur. . 


204 RUDORFF 


festen Platz grüsser als eine Burg (castellum), sicherer als 
das offene Dorf und der unbefestigte Bauerhof entweder durch 
seine Lage (loci natura 179, 3) oder durch Wall und Gra- 
ben (oppidum circumductum 231, 13) oder durch Mauer 
eppidum muro ducium z. B. 232, 3. 6. 13) oder sonstige Be- 
fosligungen (oppidum munitum 233, 10) oder mindestens durch 
den gegenseiligen Beistand einer grössern Volksimenge !**). 

. Qui urbem novam condet, lehrte Cato, welchen Servius 
und Isidor ausschreiben, /awro et vacca aret, ubi araverit, 
musum faciat, ubi portam vult. esse, aratrum suslollat ei 
portet et portam vocet. 

Der conditor ist der Magistrat, angethan mit dem cin- 
etws Gabinus und über den Kopf geschlagener Toga, um 
bei der heiligen Handlung durch bósen Angang nicht gestört 
zu werden. Die Zugthiere beiderlei Geschlechts von weisser 
Farbe, der Stier rechts, die Kuh links gehend,. sind er- 
forderlich propéer commiztionem familiarum et imagünem 
serentis fruotumque reddentis. Der Zug ist. eine destratio 
‘von der Linken zur Rechten, wie beim Gebet; sieh Mmks 
zu wenden, wie die Galher, hütte für eine bóse Vorbedeu- 
tung gegolten. | 

Die Furche (primigenius sulcus) ist der Anfang des 
Stadtgrabens, die Sehollen. welche nach Innen fallen müssen, 
des Stadtwalls, ein sa gegründetes oppidum heisst von dem 


162) Varro de ling. lat. 5, 141 oppidum ab opi dictum, quod munitur 
opis causa, ubi sit, et quod opus est ad vitam gerundam, utt haberent 
tuta. oppida quod. operis. munichant, moenia, dicfa. Isidor. 15, 2 oppi- 
dum quidam ab oppositione murorum alli ab opibus recondendis eo 
quod. sit munitum, alii quod — opem det mutuam eontra hostem. nam 
primum. — (uguria ei casas. virgultis arundinibusque contezuerunt, 
— quo esset. vifa Iutior, ne dis qui nocere possunt adéfus esset, 
haec est origo. oppidorum. quae quod opem darent, idcireo oppida 
nominata. Oppidum autom magnitudine eb möenibus discrepat a vico 
et castello et pago. Das pagane Wesen ist die Negation des militeirischen. 


gromatische Institutionen. 296 


Krümmel (ab urvo et orbe) urbs, wie seine Thore vom Tra- 
gen des aufgehobenen Pflugs portae ***). 

Dann folgt die Umziehung, endlich die Bestimmung « der 
Theile (tribus) der Stadt und der regiones der Feldmark 
durch kreutzende Furchen, nach gleichseitigen Vierecken, 
die zunächst zum Ackerbau dienen, bis vielleicht auch sie 
wenn das Pomórium erweitert werden muss, zu Stadtvierteln 
werden. In der Stadt werden drei Heiligthümer gegründet; 
in dem mundus in Mitte der Stadt die Früchte, mit. denen 
die Flur geschmückt ist, mit der Erde aller Regionen ge- 
mischt. In Rom war dieser mundus saxo munitus in speciem 
quadratam '**). 

Der ganze Act geschah religionis causa an einem glück- 
liehen Tage unter dem Aufblick nach Oben, der su jedem 
neuen Unternehmen gehört, die Blitze, welche i» novo homi- 
nis aut urbis statu erscheinen, waren von bleibender Vorbe- 
deuung für die ganze Lebensdauer (perpetua), zum Unter- 
schied aller andern fulmina publica welche nach dreissig 
oder privata welche schon nach zehn Jahren ihre Gültigkeit 


verlieren 19). 


Das Wesendiche diesen etruskischen Rituals (27, 13—98, 
70. 225, 10), die Auspizien, bei denen der conditor wenigstens 
zugegen ist (170, 5), die Kreutzform (tetrans), die Zerschnei- 
dung in Quadrate hat sich hei Anlage römischer Colonieen 
noch in der dritten Periode ganz in alter Weise erhalten. 


163) Varro de ling. lat. 5,143. Festus o. primigeniur, mundum, urvat, stel- 
lam, sulco, sistere fana. Isidor. orig. 15, 2. Serv. Aem. V, 755. 
V44.012. L. 239 D. de V. 8. 50, 16. Ovid. fast. 4, 825. Plutarch. 
qu, rom. Vei. VII p. 97. Heiske. Homuk c. 11. Dionys. 1: 88. Dio 
Cass. 72, 15. — Wegen der deztratio Plaut. Cure. 1, 1. 69. Plin. 
nat. Mist. 28, 2. 5. Solin. 45. 

164) Festus v. quadrata. Dionys. I. 88. II. 65. Plutarch.. Rom. 10, 3. 

165) Seneca nat. quaest. 2. A7 perpetua sunt. fulmina, quae in noso hominis 
aut urbis statu fiunt. Plin. nal. hist. 2, 53. 54. — 


296 RUDORFF 


Wie aber eine Stadt gegründet wird, so wird sie auch 
zerslört, denn es ist Grundsatz: quae iure contrahuntur, 
contrario iure pereunt.1** Das contrarium ius aber ist 
hier das Umpflügen: wrbs führt.Isidor fort aratro conditur, 
aratro vertitur, unde Horatius"): imprimeretque muris ho- 
stile aratrum exercitus in solens. 

Das Umpflügen zu Ackerland aber geschieht per strigas 
et scamna, denn striae oder strigae sind die Furchen, scamna 
auch die bei fehlerhaftem Pflügen unberührt. gebliebenen 
Bänke zwischen zwei Furchen '°®). 

Auf dieses Zerslóren, Zerschneiden und Zerfetzen deuten 
alle Ausdrücke, welche die Agrimensoren bei der Striga- 
tion und Scamnation gebrauchen:- die Bänke oder Streifen wer- 
den Fetzen laciniae (230, 6; 236, 8) oder Abschnitte (praeci- 
surae 209, 11; 236, 8):**) genannt, die /imites heissen zer- 
schneidende. oder vernichtende (intercisivi 227, 4; 229, 7; 
234, 20;.237, 13). Ihre Beziehung auf. den ager strigatus 
ergiebt sich aus dem Beispiel von Suessa Aurunca 3, 1—4, 2 
vgl. 237, 11 — 13, obgleich sie, wie sich unten zeigen wird, 
aych ausserhalb der Strigation vorkommen können. 

Wenn sich hiernach Centuriation und Strigation verhal- 
ten wie Stiftung (conditio) und Vernichtung (iztercisio) eines 
Gemeinwesens. (persona. coloniae 54, 23) so muss die qua- 
dratische Form der Centurien nothwendig das Zeichen einer 
civitas integra, die oblonge das Symbol einer civitas ara- 
166) L. 35. 100. 153. D. de H. J. 50,17. — 

167) Horat. Od 1, 16. 20. Ebenso Modestinus. L. 21, D. q. m. ususfr. (7, 4) 
si ususfructus civitati legetur el aratrum in eam inducatur, civitas 
esse desinit, ut passa est Carthago, ideoque quasi morte desinit 
habere usum. 

168) Varro de R. R. I. 29. 3. Colum. II. 2, 25. I1, 4. 3. IH, 13. 10 de 
arb. 12, 2. 


169) Non. 150, 33 Mercier : praecisum et omasum partes carnis ei vi- 
. ecerum, 


gromatische Insti(ationen. | 297 


trum passa sein und dies erklärt sich leicht, wenn man er- 
wägt, dass, wie die Landcenturien auch die Heercenturien 
Carrés bilden, deren Hälften anzeigen, dass sie gewerfen und 
zerrissen sind. TD 

Man kónhte diese symbolische Darstellung des Unter- 
schiedes unter den lebendigen und entseelten Gliedern des 
Reichskórpers für eine unnütze Künstelei halten. Es ist aber 
zu bedenken, dass sie noch aus jener Zeit slammt, in welcher 
ene gerade im Vülkerrecht überreiche Symbolik den Mangel 
einer gemeinsamen Sprache unter den streng geschiedenen 
Staaten ersetzen musste, die erst Rom durch Verbreitung 
laünischer Sitte und Cultur zu einer Einheit zu bringen be- 
rufen war !'*). 

Jelzt wird vollständig einleuchten weshalb die arva pu- 
Mica in den Provinzen per strigas et scamna, per prosimos 
possessionum rigores d. h. in langen schmalen Beeten, statt 
in gleichseitigen Vierecken limitirt wurden: die civitates sti- 
pendiariae bildeten den rein bäuerlichen unterthänigen Theil 
des Provinzialbodens (vó dgyouevov, vó $n5xoo») im Gegen- 
satz der exemten Gemeinden (civitates foederatae, liberae, 
immunes) und der italischen Colonieen. Manche darunter 
waren wirklich aratrum passae oder hatten dieses Schicksal 
nur durch ein stipendium, eine poena belli abgekauft. 

Bedenklicher könnte die Anwendung der strigae und 
scamna auf italische Stadtgebiete erscheinen, da eine besiegle 
italische Civitas nie vernichtet, sondern nur statt der Kriegs- 
kosten um einen Theil ihres Gebiets gebüsst wurde. Allein 


170) Ich treffe in dem obigen Resultat, obwohl von einem ganz andern Aus- 
gangspunkt aus, mit einer bereits von Pfundt (altital. Rechtsalterth. 
1847 S. 141. 125) ausgesprochenen Vermutbung zusammen, ohne 
darum seinen weiteren Schluss vertreten zu wollen, dass die Beiworter 
Roma quadrata und Alba longa blos von der Centuriation der siegen- 
den und der Strigation der besiegten Stadt entlehnt wären. 


298 RUDORFF 

wenm man erwägt, dass auch das nomen Latinum im Lager 
per strigas et scamna aufgestellt war, dass dasselbe bei den 
Auspisien von dem Feldherrn erst nach den equites et pedites 
Romani angeredet wurde und die Truppen der jüngern Bun- 
desstaaten die Ehre einer Anrede ganz entbehrten *''), se muss 
man zu der Schlussfolgerung gelangen, dass auch in Italien die 
etrigae und scamna als Zeichen der Demüthigung einer hart- 
näckigen, bundbrüchigen, oder rebellischen Stadt.in frühern 
Zeiten angewendet smd. So heisst es im liber regionum unter 
den civitates Campaniae 238, 14: Terebentum, oppidum. ager 
eius in praecisuras et strigas est adsignatus post tertiam 
obsidionem: und umgekehrt 229, 6 Marsus municipium licet 
consecratione veteri maneat, tamen ager eius inter- 
cisivis lanitibus est assignates. 

23, H. Vermessung im Ganzen ohne Auftheilung (ager 
per estremilatem, per universitatem mensura. comprehen- 
sus) kommt in drei Anwendungen vor: 1) wenn em Gemein- 
wesen einem andern untergeordnet wird, 2) zur Erhaltung 
der geistlichen Güter der römischen Priestercollegien, 3) zur 
Erhaltung der Staatsdomainen. 

1) Die Einverleibung einer kleinem Gemeinde m eine 
grössere z. B. eines Coneiliabulum in ein Municipium wurde 
in den friedlichen Zuständen des Kaiserreichs (pace et prin- 
cipe) in Italien (4, 5; 18, 10; 179, 7) hauptsächlich aber in 
den Provinzen zum Zweck der Vereinfachung der Justiz- und 
Steuer-Verwaliung oft angeordnet. In den frühern Zeiten der 
Eroberungen hatte die Republik theils kleinere Landstädte wie 
Aricia, Cäre, Anagnia sich selbst einverleibt, theils ihre Bundes- 

171) Sabidius ap. Schol. Virgil. Aen. 10, 241 (Philo et Virgilii interpretes 
ed. Ang. Mei. 1818 y. 67. 68). — Equites et pedites nomenque la- 
tinum, qgicunque cincti armali yaludali adestia, sicuti tripudium 


einisirum solistimum quisquis vestrum viderit cet. — Klense philol. 
Abh. S. 118. 119. 150. 








gromatische Institutionen. 299 


genossen dureh dergleichen Vergrösserungen zu belohnen ge- 
sucht ''*). Der von der Aufnahme in die Tribus des Haupt- 
oris entiehnte amtliche Ausdruck ist adtribuere 17), contri- 
buere ''*); in (municipii) ius referre (55, 16 worunter je- 
doch anderswo (19, 1. 2) auch wohl eine Erhebung zum 
Recht der Munícipien verstanden wird). 

Huschke "*) versteht diese Vermessungen von einer Er- 
mittlung des Flüchengehalts der einzelnen Stadtgebiete um 
zu wissen wie viel reale Steuerhufen (iuga) jedes enthalte. 
Allem der Zweck der Maassregel schliesst jede Zertheilung 
aus, wo sie in den Karten vorkam, stand sie doch blos auf 
dem Papier (5, 4) oder rührte von einer frühern Colonieeigen- 
schaft der einverleibten Gemeinde her. 

Die Emrichtimg beabsichtigte nämlich nur die Bildung 
grösserer Gemeinden, welche das auf sie fallende Tributum 
auf die sämmtlichen ihnen zugelegten Ortschaften vertheilen 
und damn in einer Sümme entrichten sollten. 

Da die Attribution ein Staalsact ist, so hat die über ihn 
aufgenonimene Karte volle Beweiskraft. 

2) Die rómischen Priestercollegien und die Vestalinnen 
besassen noch in der dritten Periode in ltalien bedeutende 
Herrschaften (territoria 162, 29) welche sie so weit sie nicht 


172) Kuhn, Beitr. zur Verfassung des róm. Reichs (1849) S. $8—101. 

173) Caesar B. Gall. VII, 76. Plin. nat. hist. 3, 5 oppida tgnobila XXIV 
Nemausensibus attributa 3, 20, 138. Camuni compluresque similes 
finttimis uttributl municipiis — altribufae municipiis lege Pompeia. 
Decr. Tergestinum lin. 5. Carni Catalt, qui attribuN a Biso Augusto 
vei publicae nostrae. Isidor. 15, 2 vici et castella et pagi — propter 
parvitatem. maioribus civitatibus attribuuntur. 

178) Plin. nat. Ast. 3, 11. 16. contributa eo maritima colonta 4, 22, 35' 
coniributae sunt in eum (coloniam Norbensei) Castra lulia, €astre 
, Caecilia. Colum. II. 3. 2. in (agro) Gallico, qui nunc Piceno con- 
arfhüitur. 

173) Husehke, Census und Steueryerf. (1847) S. 88 Note 170. 


300 | RÜDORFF 


für gottesdienstliche Zwecke gebraucht wurden utd deshalb 
dem Verkehr überhaupt entzogen waren, wie die Tempel 
und Haine (163, 1. 2) auf ein- bis fünfjáhrige Zeitpacht oder 
auf Erbpacht auszuthun pflegten (117, 5—11). Diese Güter 
hatte wahrscheinlich Augustus, dem die Erhaltung des vater- 
ländischen Kultus sehr am Herzen lag, vermessen und die 
Umrisse nebst eingeschriebenen Maass im Staatsarchiv nie- 
derlegen lassen. (117, 7 —9; 163, 3. 4; vgl. 125, 19). Aus 
zwei Gründen haben diese Urkunden, die nach allgemeinen 
Grundsätzen '’*) Privatacte scheinen könnten, öffentlichen 
Glauben 1) weil die Vermessung unter öffentlicher Autorität 
geschah 2) weil .die Besitzungen der römischen Priester- 
collegien den Staatsdomainen gleichstanden. Die provinziellen 
konnten eine ähnliche Sicherheit höchstens durch eine rechts- 
kräftige Sentenz erreichen, die aber immer nur unter den 
Parteien galt und keinen öffentlichen Glauben hatte. .: 

3) Die Vermessung der römischen Domainen, welche 
besonders Vespasian mit grosser Sorgfalt vornehmen liess 
(122, 21), war zwar mit einer Theilung iz laterculi, aber 
mit keiner persónlichen Auftheilung an Einzelne. oder Heeres- 
abtheilungen verbunden, da ihr Zweck vielmehr der war, 
diese Güter den Occupationen der Privaten zu entziehen und 
dem Staat zu erhalten. 

24. III) Ungetheilt und unvermessen blieb das arcifi- 
nische Land. 

In der dritten, Periode umfasste dieser Rest l1) die noch 
übrigen Domänen der römischen Republik, die aber in Italien 
fast nur noch aus einigen Forsten (montes Romani 21, 1; 
137, 1—4. 239, 21. 252, 24. 254, 11) und bis auf Domitian 
aus den Resten der Assignationen (subseciva) bestanden, 
2) die Forsten und Domainen |des Kaisers, die in Italien 

176) L. 17 D. de V. 8. 50, 16. L. 1 pr. $2 D. quod cuinsque 3, 4. 





gromatische Institutionen. | 30L 


(45, 5. 14) !'") und noch mehr in den Provinzen (53, 15) sehr 
beträchtlich waren, 3) die Forsten und Waldgüter (saltus 
privati) römischer Edlen in Italien (35, 13. 14) und den 
Provinzen: (53, 5), 4) die steuerpflichtigen Privatpossessionen 
auf den agri vectigales, stipendiarii, tributarii in den Pro- 
vinzen des Volks wie des Kaisers (36, 2) !'?) 5) die Ter- 
ritorien der Bundesstüdte (municipia) in Italien und den 
Provinzen (35, 15. 36, 2), 6) die Gebiete der peregrinischen 
Civitates in den Provinzen (8, 3. 36, 2). 

Dieser arcifinische Ueberrest blieb jedoch einer stelen 
Verminderung ‘und Vermehrung ausgesetzt. - 

Vermindert wurden die Arcifinien 1) durch. die fort- 
währende Gründung von Colonieen, 2) durch die zur Siche- 
rung theils der Grünzen (36, 9—11) theils der Steuern (205, 17) 
unternommenen Strigationen der steuerpflichtigen Provinzial- 
possessionen, 3) durch die z. B. von Vespasian angeordnete 
oder erneuerte Vermessung der Domänen (122, 21). 

Vermehrt wurde das formlose Land durch die Ver- 
wilderung innerhalb der Limitationen, in welchen durch Kauf 
und Tausch bei dem Mangel geschlossener Hufen überall 
wenigslens arcifinische Privatgränzen entstehen konnten, 


177) Beispiele giebt der reiche Commentar unseres Freundes Bócking zur 
notitia dignilatum occid, p. 386. 


178) L. 16 D. de A. R. D. 41, 1 Trebatius ait agrum qui hostibus devictis 
ea conditione concessus sit ul (sc. universus) in civitatem (die römische 
oder eine verbündete) veniret habere alluvionem neque esse limilatum: 
agrum aulem manucaptum  limitatum fuisse ut sciretur, quid cuique 
dalum essel, quid venissel, quid in publico relictum esset. In dem 
letzten Satz soll keine neue Art von erobertem Land, sondern der 
Zweck der Limitation angegeben werden. Ueber das in civitatem venire 
vgl. Liv. 1, 33. hostibus in civttatlem accipiendis, mullitudi- 
nem omnem Bomam traduzit. Cic. pro Balb. c. 13 etiam hostibus 
recipiendis augeri civitatem. Festus v. municeps: quorum civitas 
universa in civitatem Romanam venit. 


302 ; RUDORFF 


wenn auch dié Limitation im Ganzen dadurch nicht aufge- 
hoben wurde (131, 17.— 132, 6; 154, 5; 178,8. 9). 

25. In privatrechtlicher Beziehung (S 17) ist der Grund 
und Boden entweder I) Privateigenthum (ager privatus) oder 
ll) Gemeinland (ager publicus) oder III) gemischten Rechts. 

Diese drei Abstufungen hat das römische Stadtgebiet 
(ager Romanes) mit den Gebieten der mit Rom in irgend 
einer Verbindung stehenden fremden Staaten (ager pere- 
grinus) gemein. Nur greifen hier die verschiedenen Bedin- 
gungen (conditiones agrorum, possidendi, nicht zu verwech- 
seln mit der conditio urbis im Sinne des geistlichen Rechts) 
ein, unter welchen Rom mit den andern Staaten in Be- 
zug auf ihre Gebiele (agri) abgeschlossen und den Grund- 
' besitz der Einzelnen anerkannt hat (35,13. 36, 5. 7; 134, 
16 — 135, 4). Ihre grosse Ungleichheit gründete sich auf 
das Vólker- und Kriegsrecht und den Nulzen des - herr- 
schenden Staats und wurde als eine Härte tief: empfunden 
(138, 2 ab iniustitia, ut dicunt, inaequales sunt) ''*). 

26. L Im Privateigenthum steht das Land, welches der 
Staat oder die Gemeinde durch eine wahre Verüusserung 
und Auftheilung von dem ihrigen vollständig ausgeschieden 
und den Geschlechtern (nominibus 154, 12) erb- und eigen-- 
thümlich überlassen haben. 

Die Stadt Rom hatte nach einer alten Ueberlieferung in 
dieser Weise von ihrem ältesten Stadtgebiet zwei Jugera für 
jeden Assiduus zu Haus, Hof und Garten ausgewiesen. 
Diese romulischen bina iugera erhielten den Gentilnamen 

179) Die älteste römische kriegs- und völkerrechtliche Unterscheidung ergiebt 
Varro de ling. lal. 5, 33 .ut nostri augures publici disserunt agrorum 
sunt genera quinque: Romanus, Gabinus, peregrinus, hoslicus, incer- 
tus. Bei jeder Ueberschreitung einer dieser Gränzen wird ein pertermine 


(wenn es eine Flussgränze ist peremne) auspicium genommen. Mar. 
Victorin. p. 2461. Putsch. Festus v. peremne. 


gromatische Institutionen. 303 


des Geschlechts (nomen), dem sie ursprünglich zugemessen 
waren. Hundert solcher Hofstätten füllten eine centuria. Die 
grüssern Hófe hatten stürkere Loose, im Allgemeinen aber 
galt das Horazische: prieatus #llis census. erat. brevis, com- 
mune magnum. Die seit Niebuhr (R. G. If. S. 696) unsern 
Schriftstellern geläufig gewordene Vorstellung von einem 
Staat ohne alles Privateigenthum ist den Alten fremd. 

Die Stammgulseigenschaft (heredem sequi) dieser Güter 
erhellt, 1) aus dem Namen, heredium '°°), ius hereditarium, 
locus heredum, loca hereditaria (226, 7), 2) aus dem gänz- 
lichen Mangel einer Veräusserungsform, die älteste Ueber- 
lagung, die im sure cessio, ist aus dem Prozesse herbei- 
gezogen. Waren der Erben mehrere, so zerfiel das Ganze 
nach den Erbportionen in ideale Bruchtheile (uncéae), welche 
durch die Erbtheilung (keretum eiere) in reale verwandelt 
werden ‚können '°!, Die Frauen in der Gens erbten mil, 
aber durch -die tutela mulierum war gesorgt, dass ihre An- 
thele der Gens verbleiben inussten !*?). 

Als es nóthig wurde, die Grundstücke noch mehr zu 
mobilisiren, wurde die für die beweglichen Sachen (man- 

180) Varro de re rust. 7, 10 bina iugera a Homulo primum divisa diceban- 
tur virilim, quae, quod heredem sequerentur, heredium appellaverunt. 
Daher der “Vorwurf: Ctc. ‚pro Sulla c. 20 (vom Sittius) nunquam sibi 
cognationem cum praediis suis existimavit. Die Censoren stossen den 
C. Antonius aus dem Senat: quod propter aeris alieni magnitudinem 
praedia mancipavit. Ascon. in orat. de toga cand. p. 8& Orell. Den 
M. Brutus greift Crassus an: ubi sunt ii fundi, Brute, quos tihi pater 
publicis commentariis consignatos reliquit. Cic. de or. 2, 53 (224). 

181) Yal. Maz. IV. 4. 8. sexdecim eodem tempore Aelii fuerunt, quibus 
una domuncula erat. — et unus in agro. Veienle fundus minus mullo 
cultores desideraus quam dominos habebat. Da dic Obligationen nach 
den 12 Tafeln von selbst getheilt sind, so bildeten die Aeredis von 
jeher den Hauptgegenstand der Erbtheilung. Paul. ex Festo v. erctum 
eitumque fil inter consortes ut in libris legum romanarum legilur. . 


182) Cic. de senect. c. T. Gai. 1, 192. Paull. rec. sent. 3. Aa. $ 7. Val. 
Maz. 8, 6. 1. 





304 RUDOBFF 


cipi res) ühliche Verkehrsform (mancipium, merum, nesu 
traditio, emptéo venditio iure civili) so gut es bei unbeweg- 
lichen, auf welche sie gar nicht passte, anging '*°) herbei- 
gezogen und seitdem die. in iure cessio allmälig verdrängt '*) 

Diese Praxis sanctioniren die zwölf Tafeln '°®) in dem 
bekannten Gesetz: cum mezum faciet mancipiumque, uti 
lingua nuncupassit, ita ius esto und nur darin anerkennen 
sie noch die frühere Immobilität des Grundeigenthums, dass 
sie den Eigenthumswechsel erschweren, indem sie die Klagver- 
jihrung des Eigenthümers, die mit ihr.zusammentreffende Fr- 
sitzung . des Erwerbers und die. Gewährspflicht ( auctoritas) 
des Rechtsvorgängers bei Grundstücken, namentlich bei lie- 
genden (fundi), doppelt so lange ausdehnen, wie bei den 


„ceterae res omnes' !**). 


Seitdem wird die übliche Bezeichnung des Privateigen- 
thums ius hereditarium, ius nesi, ius mancipi, ius aucto- 
ritatis und mit Hülfe des Census, der auch in Rom in ältester 
Zeit nur ein Erbregister, kein Verzeichniss des Nationalver- 
 mógens war, konnte man durch die ganze Reihe der Hand- 


ünderungen bis zum ersten Erwerber vom Staat zurück- 

gehen '*?). 

183) Gai. 1, 121 mancipatio dicitur, quod manu res capilur. praedia vero 
absentia solent mancipari. Wegen des Alters der emptio praediorum 
vgl. Cic. pro Corn. Balbo c. 25 nesciebat praediorum nullam esse 
genlem : emplionibus ea solere saepe ad alienos homines saepe ad ii- 
fimos non legibus tamquam tutelas pervenire. Auch in Genua war der 
Verkauf schon 637 erlaubt. 

184) Gai. 2, 25 fere semper mancipationibus utimur. Von den Grund- 
gerechtigkeiten (iura praediorum) wurden jedoch nur die ländlichen 
mancipabel, weil ihre Bestellung häufiger und die Cession wegen der 
Entfernung von der Stadt beschwerlich ist, die städtischen müssen cedirt 
werden, weil der Prätor in der Nähe ist. 

185) Fr. Vat. 50 et mancipationem et in iure cessionem lex XII tabularum 
confirmat. 

186) Cic. top. c. 4 pro Caec. c. 19. 

187) L.11 D. fin. reg. 10, 1. Darauf geht das Plautinische: ezquiratur 
usque ab stirpe auctoritas (Trinumm. 1, 2. 180). 


\ 





N gromatische Institutionen. 305 
x 


27. Durch die Vervielfältigung der Mutterstadt wurde 
dieses Recht auf das centuriatim und viritim aufgetheilte 
Privatland in den Colonieen ausgedehnt, von dem jedoch erst 
unten die Rede sein kann. 

28. In gleicher Weise wie die Stadt Rom waren die 
andern Staaten in den Zeiten ihrer Selbstündigkeit verfahren. 
Das Senatusconsult über Genua erwähnt einen ager priva- 
tus casteli Vituriorum, quem agrum eos vendere heredem- 
que sequi licet, von dem die Burgmänner von Viturii der 
Stadt Genua kein Vectigal entrichten sollen '°°) und die Ali- 
mentarlafeln, von denen wenigstens bei der Veleiatischen 
die Beziehung auf eine Colonie nicht ausgemacht ist, geben 
fundi mit den Gentilnamen des Erblassers oder Verkäufers 
die ohne Zweifel dem städtischen Erbregister entnoinnfen 
waren, Die Kriege in Italien wurden vor der perfiden Lex 
Flaminia nicht um die Existenz, sondern lediglich um 
die Herrschaft geführt (uter imperaret,‘ non uter esset '*?), 
die oppida italica und ihre Bünde kamen daher nicht 
dureh .das Recht der Eroberung, sondern durch uraltes Gast- 
recht (municipium) und Bündniss (foedus, societas) unter 
die Hoheit Roms, ihre Libertas, ihre Landvertheilung, ihr 
Privateigenthum blieb in Kraft, keines ihrer Gebiete wurde 


stipendiar oder tributar, der rechtlich günstigste Grundbesitz, 


blieb der italische: prima conditio possidendi sagt Frontin 


Jo, 13 Aaec est ac per Italiam, ubi nullus agrorum est tri- 


bularius, sed aut. colonicus, ‚aut municipalis, aut alicuius 
costelli, aut conciliabuli, aut saltus privati !'?). 


188) S. C. de Genuat. lin. 4. 

189) Cic. de off. 1, 12, 38. Liv. I. 45. Mor. I, 9. 16. Val. Max. VI. 2. 1. 
Polyb. 11, 21. . 

190) Man könnte auf sie anwenden, was Tacitus (Germ. 29) von den Batavern 
sagt: manet honos el antiquae socielalis insigne : Ram nec tribulis 


Römische Feldmesser Il. 20 


306 -  RUDORFF 


* Eine Ausnahme macht: natürlich der Theil des Gebiets 
„welcher den besiegten Bundesstaaten, als eine Mult für die 
Verachtung der Hoheit Roms abgenommen wurde. Dieser 
fiel natürlich Rom zu und wurde ager vectigalis. Dieses 
. agro multare beschränkte sich jedoch nach dem bekannten 
Princip der Multen ( Zeitschrift für- gesch. Rechiswiss. 15, 
245) regelmässig auf den kleinern Theil des Gebiets. Wie 
im Strafrecht die Wegnahme der maior purs familiae schon 
als Kapitalstrafe gilt, so ist im Völkerrecht die Einziehung des 
grössern Theils des Gebiets nicht mehr blos Schwächung 
sondern Vernichtung eines Staats, die man in Italien ‚eben 
vermeiden wollte. Selbst in der ostgothischen Tertiarum 
deputatio (Cassiodor Var. 2, 10; Savigny, Gesch. des róm. 
Rechts I. S. 332) ist das altitalische Princip der Ackerab- 
tretungen noch sichtbar. | 
Inzwischen wurde Rom durch dieses System der Schwä- 
ehung seiner Nachbarstaaten in Italien übermächtiger, wie 
Centuripä in Sicilien, welches dort das Recht genoss in al- 
len Stadtgebieten Grundeigenthum zu erwerben, während 
die übrigen Städte unter sich kein agrorum commercium 
- hatten und daher in fremden Stadtgebieten nur pachten durf- 
ten, so dass allmálig das Eigenthum der Grundstücke an 
die Centuripiner kommen musste !!'). Denn während Rom 
durch seine: Bündnisse in allen Gebielen der socii das com- 
mercium agrorum erwarb, wurden diese durch die Spren- 


contemnuntur nec publicanus atterit exempli oneribus et collationibus 
et lantum in usum prueliorum seposili relul (ela atque arma belli« 
reservanlur. 
191) Cic. Verr. III, 45, 108. Centuripini in omnim fere finibus posses- ^ 
. eiones habent — agri Aetuensie millo maziınam partem possident. 
IV. 23, 50 totius Siciliae millo maxima et locupletissima. II. 40,93 
Arabatis agrum conductirm in Segestano, — nam commercium in eo 
agro memini est. 


gromatische Institutionen. 307 


gung der Städtebünde unter sich isolirt '°*), so dass bei dem 
Zusammenkaufen der Latifundien jede Concurrenz wegfiel. 

Dazu kam, dass die Municipien Italiens, einst die Gäste 
und Bundesgenossen Roms der wachsenden Stadt attribuirt 
oder eontribuirt wurden, bis ganz Italien, die Municipien in 
in der nähern Umgegend sogar zum Theil mit gänzlicher 
Auflösung ihrer Communalverfassung, 'in römische Tribus 
aufgegangen war '*). | 

Auf diese Weise wurde alles von den Socii einem Rö- 
mischen Bürger verkaufte Grundeigenthum in Italien, wenn 
es auch nur nach Jus Gentium erworben war, fähig, im 
Census als Privateigenthum (ager, qui dividi plebi Roma- 
nae non potest) aufgeführt zu werden (censui censendo) !**) 
und trat nunmehr aus dem Schutz des Bündnisses und Jus 
Gentium unter die Garantie des Jus civile (habet ius civile) 
und den öffentlichen Glauben der Römischen Kataster. Es 
kann er iure quiritium vererbt und vermacht, verkauft, usu- 
capirt, cedirt und vindicirt werden, dieGewährschaftsbürgen sind 
nach der Lex Furia in zwei Jahren.liberirt, u. s. w. Kurz 
das ius civile wird das Realstatut Italiens, es ist Grundsatz: 
nexum italici soli proprium $us esse, provincialis soli nezum . 
non esse, das römische Nexum wird der contractus italicus, 
auf welchem alle Handänderungen des Grundes und Bodens 
in Italien beruhen !*5). | 


192) Liv. 8, 4 ceteris Latinis populis connubia commerciaque et concilia 
intez se ademerunt. Ebenso später in den Provinzen Liv. 45, 30 
regionatim commerciis inlerruplis ila videri lacerata, lanquam animalia 
in artus allerum alterius indigentis distracta. 

193) Cic. de pet. cons. 8, 30 tota llalia tributim descripta. Paul ex Fest. 
v. municipium : civilas universa in civilalem Homanam enit. 
Grotefend die róm. Tribus in hist. und gcogr. Bez. Zeitschr. für Alter- 
thumswiss. 1836. No. 114—118. 

194) Cic. pro Flacc. c. 32 (80) Paul. ex Festo v. censui. 

195) Gai. 2, 27. 3, 121. 122. Cod. VH. 40 de annali ezceplione ttalici 
contractus (ollenda cet. , 

20 * 


308 RUDORFF 


. Mit einer Unterwerfung. unter das Römische Recht würde 
allerdings die Verpflichtung verbunden gewesen sein, von 
diesen im römischen Census aufgeführten Grundstücken in 
Kriegsnoth (sí tempus aliquod gravius accidisset) zu den 
- Kriegssteuern zu contribuiren. Allein das Tributum wurde 
seit dem Falle Macedoniens nicht mehr eingefordert und die 
einzige Steuer, welcher das freie Grundeigenthum in der 
dritten Periode unterworfen wurde, war eine Handänderungs- 
gebühr, welche bei Todesfällen 5 Prozent (vicesima heredi- 
tatum et legatorum) ‘*®), unter Lebenden nur 1 Pc. (centesima 
rerum venalium) '!") betrug, also eine Abgabe, welche 
im Vergleich zu dem alljährlich und im doppelten Betrage 
zu entrichtenden Tributum von der Privatpossessio in den 
Provinzen eine sehr erträgliche (tributum tolerabile) war '**). 
Auf sie beziehen sich die öffentlichen Erbregister (census, 
in der vierten Periode auch vasaria, polyptici genannt) 
welche in jeder italischen Stadt zur Eintragung der Besitz- 
titel bei Erbgang, Legat, Kauf, Schenkung, Fiducia u. s. w. 
gehalten wurden !**). Den Betrag lieferte die Stadt an die 
Procuratoren der Vicesima ein, welche für die schon seil 
August bestehenden grössern Regionen Italiens ernannt 
wurden °?°°). 


196) Rudorff, Zeitschrift für gesch. Bechtswiss, 12, 386 f. Huschke, Steuerverl. 
S. 74. 

197) Tac. ann. 1. 178, 2 Sueton. Cal. 16. 

198) Daher die Drohung August's mit dem Tributum, wenn sich die Italer 
der Vicesima nicht fügten (Dio Cass, 56,.28) und dér Jammer als 
später die (ributa doch eintraten. Lactant. de mort. persec. 23. 

199) Dies ergeben die Alimentartafeln und für die spätere Zeit seit Einfüh- 
rung des Tributum das Erbregister von Volceii (Mommsen inscr. Neap. 
n. 216) und L.5. C. Th. sine censu (11, 3) Cassiodor. Var. VII. 
ep. 45. Spangenberg (abb. neg. (1822) p. 172. 249. 

200) Orelli n. 3835. Grut. 374, 5; 411, 4. 





gromatische Institutionen. 309 


' Der Grund dieser Vorzüge des italischen vor dem Pro- 


vinzialboden muss demnach in der That in dem ältern Rechts- 
zustande Italiens gesucht werden. 

Das momen Letinum, später auch die übrigen 80cti, 
bildeten eine Eidgenossenschaft, deren Vorost Rom war. 
Jede Bundesstadt, ja jeder Burgflecken stellte nach der Buc- 
desinatrikel (er formula) ihr Kontingent zu dem gemein- 
samen Heer, welches mit den Römern unter denselben Au- 


‚spizien, ja selbst in demselben Lager vereint war. Das ge- 


meinsame Heer schützte sie, ihr Gebiet und Eigenthum ganz 
so wie das römische und dieser partielle Selbstschutz schloss 
das £ributwn aus, welches die entwaflneten Provinzen an 
Rom für dessen ausschliesslichen Schutz bezahlen müssen. 
So ist das Verhältniss richig von Niebuhr 1) und: Sa- 
vigny-*?*) aufgefasst worden. 

Neuerdings ist hin und wieder behauptet: in der dritten. 
Periode sei dieser Grund weggefallen, weil die Legionen jetzt 
aus den Provinzen gezogen wären, und die Ilaliker das Kriegs- 
handwerk gänzlich verlernt hätten *'*): 

Dies kann jedoch als Rechtsprincip nicht zugegeben 
werden. Abgesehen von den voluntarii italici wurden die 


 prütorischen und städtischen Cohorten aus Latium, Etrurien, 


Umbrien und den alten Bürgercolonieen, Neros so genannte 
Phalanx Alexanders des Grossen ex italicis senum pedum 


201) Niebubr róm. Gesch. 3. S. 617. 727. 

202) Savigny, vermischte Schriften 2, S. 158. 

203) Walter, Gesch. des R. R. 1, Kap. 32, Note 8—12, etwas gemildert in 
der zweiten Ausgabe Bd.]. Kap. 38. Note 33— 35. Huschke, Steuerverf. 
S. 74. Memmsen, S. 189, 191. 64, 201, 98. — Herodian. 2,11. Tacit. 
ann. 3, 40. 54. Dio 74, 2, auf welche man sich beruft, sprechen von 
der Verweichlichung der Italiker und der Garden durch Verlegung der 
Kriege an die Gränzen des Reichs, ulso von blos faktischen Verhält- 
nissen der Kaiserzeit. 


310 RUDORFF 


tironibus ***) ausgehoben, unter den spáütern Legionen wa- 
ren drei.oder vier italische ***), Frontin 53, Il erwähnt das 
legere tironem ex vico nach wie vor *'*) unter den Lasten 
auch italischer Gemeinden, endlich ergeben die in ltalien zu 
allen Zeiten gewöhnlichen Poltrons (pollice trunco, murei) *") - 
die rechtliche Fortdauer der Diemsipflich. Die factischen 
Erleichterungen hörten freilich mit Ausnahme Roms und der 
suburbicarischen Regionen, denen sie bis in die Zeiten der 
beginnenden Völkerwanderung gesetzlich bestätigi wurden, 
erst mit Constantin auf *?"). 

Die Vorzüge des italischen Bodens sind in der dritten 
Periode auch ausseritalischen Gemeinden besonders Colo- 
nieen verliehen worden. Erst für diese Verleihungen kommt 
der Name ius itelicum ‚vor. Dieses ius italicum ist dem- 
nach wie das ius Latii ein von seiner ethno- und geogra- 
phischen Grundlage. abgelóstes Rechtsverhältniss, welches 
- nach Rómischer Weise durch Fictien an ein vorhandenes 
Rechtsinstitut ‚angeschlossen wird. Von diesem künstlichen 
italischen Recht, wird unten bei den Colonieen die Rede sein. 

29. I. Im freien Staats- oder Gemeindeeigenthum (S. 25) 
steht der ager publicus, welcher weder veräussert noch zu 


204) Sueton. Nero c. 19. Tacit. ann. IV, 5 (10). 

205) Orelli: 1399. 2183. 3113. 3131. 3484. 

206) Vgl. Liv. 25, 5 triumviros binos creari iussit (senatus) alteros qui 
citra, alleros qui ultra quinquagesimum lapidem in pagis forisque et 
conciliabulls omnem copiam ingenuorum inspicerent. 

207) Ammian. 15, 22 nec eorum (Gallorum) quisquam, ut in Italia, munus 

. Martium perlimescens, pollicem sibi praecidil, quos toculariter Murcos 
appellant. Vgl.:schon Plaut. Epid. 3, 1. 12. Appian. B. C. 15,25. 
L. 4 C. Th. de tiron. 7, 13. 

208) L.1.2. C. Th. de fil. mil. 7, 22 (persönliche Dienstpfieht der Veteranen- 
söhne) C. TA.7,13 de tironibus 11, 18 qui a praebitione tironum et-equo- 
rum excusentur (Pflicht der Grundbesitzer zur Recrutenstellung) L. 12 
C. Th. de exiraord. snun. 11,16 Nov. Valent. III. TU. 6 (1.2) de 
tironibus el occullatoribus deserlorum (Befreiung Rom's). 


gromatische Institutionen. au 


festem Privatbesitz überlassen ist, so dass dem Staat oder 
der Gemeinde die Einziehung jederzeit freisteht. 

Dieser Theil des Staatseigenthums befindet sich ent- 
weder im öffentlichen. oder Privatgebrauch (iw publico oder 
in privato usu). 

Die öffentliche Benutzung geschieht entweder für die 
weltlichen ‘oder für. die religiösen Zwecke des Gemeinwesens. 
Den letztern dienen die heiligen Haine, welche also nicht 
wie andere res divini iuris, nullius sondern in bonis univer- 
sitatis sind (56, 21). Den erstern die Forsten und Domänen 
der Republik oder des Princeps in Italien und den ‚Provinzen 
(21,1; 53, 15; 122, 21), desgleichen die Waldungen und an- 
dere Grundstücke, welche für, öffentliche Zwecke der Ge- 
meinden benutzt werden (55, 1—15). 

Die Privatnuizung ist. wiederum -entweder gemeinschaft- 
lich oder ausschliessend. 

Im gemeinsamen Gebrauch stehen die Bürgerwaldungen 
und Gemeindeweiden (compascga, communalia, pro indi- 
viso), welche den Einzelnen zu Holz- und Fruchtgewinn, 
Wonne und Weide, fructus und usus überlassen sind (4o- 
minibus data 54,19). .Die Lex Thoria c. 10 kennt derglei- 
chen noch im Eigenthum der Republik, die Agrimensoren 
erwähnen sie nur noch bei den unterworfenen Gemeinden 
Italiens und der Provinzen (48, 23), der Staat hatte die sei- 
nigen inzwischen weggegeben. 

Der ausschliessenden Privatnutzung (possessio) dagegen 
waren diejenigen agri publici unterworfen, deren Besitz- 
nahme ?°) (occupatio) dem Einzelnen gestattet wurde, (oc- 
cupatorii in diesem Sinne, nicht zu verwechseln mit den 


209) Auf den compascuis war die oceupalio bei Strafe verboten: Lex Thoria 
c. 10, 2. 25. Dazu Moinansen Verhondl, der sächs. Ges. der Wiss. 1850 
S. 100. 101. 


312 | ' RUDORFF 


arcifinales, bei denen nicht der Einzelne, sondern das er- 
' obernde Volk der Occupant ist (115,4. 138,5). 

Dieses Occupationsrecht. war in den frühern Zeiten der 
Eroberungen schrankenlos gewesen, der siegende Feldherr 
pflegte jeden (quei volet) durch ein Edict dazu einzuladen, 
und der Emzelne durfte damals in der Hoffnung "künftigen 
weitern Anbäus (ín spem colendi) mehr nehmen als er be- 
wältigen konnte 115, 7—9; 138,14. Daher wurden weile 
Strecken gleichsam zurückgelegt und die Possessionen des 
Adels*'*) bildeten Latifundien (agri late patentes) welche 
unbebaut liegen blieben, wührend die Heredien des gemeinen 
Mannes (ima de plebe) bei Vermeidung censorischer Áhndung 
unter dem Pflug-und der Sense gehalten werden mussten *'!) 
Hygin 110,6 weiss von 1300 Jugera im Besitz eines Ein- 
zigen, andere Schriftsteller von ganzen Provinzen im Besitz 
weniger grosser Herren. 

Das Licinische Gesetz über das Maass des Grundeigen- 
thums und des Grundbesitzes beschrünkte die Occupation 
auf das Maximum, welches der Besitzer bauen konnte, da- 


210) Liv. 6, 37 nec agros occupandi modum — patribus fore. Die ge- 
-meinen Freien wurden propter tenuitatem et plebitatem verdrängt: 
Cato und Cassius Hemina bei Nonius p. 149, 2— 6. Siculus 138, 8 
deinde ut quisque virtute colendi quid occupavil, arcendo vicinum 
arcifínalem dixit. Plín. nat. hist. 18, A latifandia arcentium vici- 
nos. Davon heissen die agri occupatoril arcifinales in einem andern 
Sinne: agro oder sedibus pellere (Sallust. Iug. Al. hist. frag. p. 943. 
Corl. Cic. parad. 6, 2. Quintil. declam. 13. Seneca ep. 90 de benef. 
7, 10. Lucan. 1, 167 — 170. Appian. bell. civ. 1, 7.) Die Reaction 
gegen dieses agro pellere bilden die Ackergesetze, die daher als ein 
Wiedererwerb der Possessio (recipere ius suum, reduci) für die Plebes 
aufgefasst werden (Flor. 3, 12. 13, 9). 

211) Plin. hist. nat. 18, 3. 3. $ 10. Geil. 4, 12. In áltester Zeit fiel der 
verwilderte Acker von selbst an die Forst zurück: wie in der Mythe 
nur Intercidona und Deverra (die gekehrte Schwelle) dem Silvan weh- 
ren. Varro bei Augustin de cic. Dei. VI, 9. 


gromatische Institutionen. 313 


für wurden dem Coelebs oder Orbus 500 Jugera, dem Fa- 
milienvater 750 gerechnet, ein Maass des schon üppig ge- 
wordenen Staats, die goldene Bauernregel der alten Zeit: 
laudato ingentia rura, esiguum colito *'*) , einst die Quelle 
des allgemeinen Wohlstandes, war bereits vergessen. Es 
war die Zeit der Laüfundiem eingetreten, die den Bauern- 
stand Italiens ruinirten. 

Die Lex Thoria c. 3 erlaubt nur noch 390 Jugera zu 
occupiren. Diese aber sollen ager privatus (wenn gleich 
nicht sofort optimo iure wie das Erbland) werden, es gab 
also nun auch poseessiones tm Privateigenthum *!?).- 

Mit Domitians "Vergabung der Subseciva verlor die 
Üccüpation im Italien ihren rechtlich erlaubten Gegenstand, 
denn die Occupation der heiligen Haine war ein enischie- 
denes Unrecht. Nur in den Provinzen an der Niltärgränse 
kommt sie noch in der vierten Periode vor ?!). 

Der Viehhalter leistet der Gemeinde ein Hutgeld, der 
Üccupant. eine Fruchtquote, die in Rom in einem Zehnten 
vom Korn, einem doppelten vom Wein und Obst ”'°), in Ge- 
nua im zwanzigsten Theil des erstern und dem sechsten 
Theil des letztern bestand *'. Die Erhebung dieser Ab- 
gaben wurde zur Vereinfachung der Verwaltung an Publi- 
canen überlassen (agrum fruendum vendere oder locare). 

Die sämmtlichen Nutzungsrechte des Possessor wie des 
Publicanus hat die Obrigkeit, der die Beschützung des óf- 
fentlichen Eigenthums Kraft des lmnperium obliegt, durch 
Interdicte gegen Verletzung des Besitzwillens des ersten feh- 


212) Colum. de BH. R. 1,3 $ 8,9. 

213) L. 78 D. de: V. S. 50, 16. L. 15 D. qui satiad. (2, 8). 
214) L. un. €. Th. de rei vind. 2, 23. 

215) Appian bell. civ. I. 7. 

216) S. C. de Genuat. lin. 25. 


314 ‚RUDORFF 


lerfreien Erwerbers (vi, clum, precario) zu schützen. Denn 
von einem Rechtsschutz. durch eine Actio. kann begreiflich 
da nicht die Rede sein, wo ein volksrechtlich geschütztes 
Recht vom Staat überall nicht übertragen ist *'").- N 

Es versteht sieh dass hieran auch durch eine bestimmte 
Ersitzung, durch Usucapion (welcher schon der Titel fehlen 
würde), nichts geändert werden kann (50, 17). 

Eine andere Bewandniss aber hat es mit dem Institut 
der Vetustas, der unvordenklichen Zeit: gui agrum Recen- 
toricum possident sagt Cicero *'?) vetustate possessionis 
se, non iure, misericordia senatus, non agri conditione 
defendunt, nam illum agrum publicum esse fatentur: se 
moveri possessionibus, amicissimis sedibus ao diis: petiatibus, 
negant oportere. Denn diese- vetustas, der unvordenk- 
liche Besitz, ist wenn auch kein civiles Rechtsinstitut, doch 


ein faktisches Surrogat der Usueapion in püblicistischen Pri- 


vatrechten, dem auch die rechtliche Anerkennung. nur schwer 
zu ‘versagen ist*!?. Daher anerkennen die Römer in dem 
unvordenklichen Besitz eines jener gemischten Verhältnisse, 
von denen sogleich die Rede sein wird: die Pössessionen 
heissen. agri publici privatique ***), das.Recht der Possessio 


217) Festus v. possessio (nach Huschke's Restitution) neque qui dicit se 
possidere, is suam.rem polest dicere. itaque in legitimis acli- 
onibus nemo ez iure quiritium m posdesstonem suam vocare 
audet, sed ad interdictum venit. . . 

218) Cic. agr. 2, 21 (57). 

219) Savigny System, 4, 119. 5, 196, der jedoch gerade bei der Possessio auf 
die Vetustas keine Rücksicht nimmt, weil sie in den Rechtsquellen schon 
verschwunden war. 

220) Festus s. v. possessiones sunt agri late patentes publici privatique 
(d. h. die beides zugleich sind) quos non mancipatione sed usu tenebant 
el ut quisque occupaverat possidebat. Die gewöhnliche Erklärung 
versteht unter publici privatique zwei entgegengesetzte Classen, um den 
scheinbaren Widerspruch zu vermeiden, s. aber Note 223. 





grumatische Institutionen. . . 915 


quasi hereditarium ius **'). Hierin lag das billige Recht der 
grossen Grundbesitzer, welches P. Mucius und die Gracchen 
dnrch Berufung auf das strenge Recht verletzten ?**), 

30. III. Ein -gemischtes Verhältniss ($.25) tritt ein, 
wenn der Staat oder die Gemeinde ohne Veräusserung 
Staats- oder Gemeinland zu erblichem. Privatbesitz verleiht. 
Der Staat bleibt Eigenthümer, aber er verzichtet auf die 
Emziehung. Dieses Verhältniss wird scheinbar widetspre- 
chend aber treffend durch ager publicus privatusque (Note220) 
privatus vectigalisque, comprivatus ***) bezeichriet. Eine An- 
wendung desselben, der ager quaestorius, ist schon oben 
vorgekommen. - 

Der Verzicht des Staats wird entweder |) bedingt oder 
2) unbedingt geleistet. 

Eine bedingte Verzichtleistung kommt bei den agri ve- 
etigales in Italien vor. Die Bedingung ist: ut, quamdiu inde 
vectigal pendatur, neque ipsi conductori, neque heredi eius 
praedium auferatur ***. Der Grundherr verzichtet unter 
einer Resofutivbedingung, die für den Erbpachter potestativ 
is so dass das Grundstück im gemeinen Leben als ein Ae- 
redium gelten konnte ***). 


221) Florus 3, 13. relictas sibi a maioribus sedes  aelale, quasi iure 
. hereditario possidebant. 

222) Cic. de off. 11, 22, T9. quam autem habet aequitatem ut agrum mul- 
lis annis aut. eliam seculis possessum, qui nullum habuit, habeat, 
qui uytem habuit, amiltal? Appian. de bell, civ. I. 10. dicug£otis 
Int roig xÀnjgorg wg TRTEWons. 

223) Lex Thoria c. 3) a. E. tab. Bantin. c. 4. Mommsen, Verhandl. der 
sächs. Ges. der Wiss. (1850) 2, S. 98. Unterital. Dialecte 1830 S. 159. 

224) Gai. 3, 145. L. 1 pr. D. si ager vectig. (6, 3). 

225) Rechtlich konnte durch blosse Venditio oder Locatio unter der Hand 
nur ein possidere habere frui licere, kein Eigenthum übergehen. Dazu 
würde eine öffentliche Handánderung (datio assignatio) gehört haben und 
auch diese wäre nicht ad condüionem möglich gewesen. Mit der 
Location der Possessio ist nicht zu verwechseln 1) die Ueberlassung 


316 - | RUDORFF 


Dies Vectigalrecht kennen die Agrimensoren. noch bei 
der. Resten der vertheilten: Staatsgüter (subseciva) 162, 25, 
bei den Gütern der Priestercollegien, der Vestalen (117, 5) 
der Colonieen, Municipien und fremden Städte (116,6). In 
den Pandekten ist es his auf die agrí municigum ausgemerzt. 

Einen unbedingten Verzicht leistet der Staat auf den Boden 
der civitates stipendiariae, oder tributariae in den Provinzen. 

Der Boden dieser Staaten, nach Kriegsrecht ein Eigen- 
thum ‘entweder der Republik oder des Princeps ?*®), wird 
ihnen nämlich. zurückgegeben unter der Verpflichtung eine 
Abgabe (quasi victoriae praemium..ac poena belli) **') zu 
entrichten, die vom Standpunkt des römischen Staats, wel- 
cher sie empfüngt vectigal heist, wührend sie für den unter- 
worfenen ein stipendium an das Heer: des Eroberers ist, 
dessen Vertheilung unter die einzelnen Theile (tribus) der 
unterwoifenen Gemeinde. zugleich ein tributum. darstellt ***). 


4 


des Vectigal vom Staat an den Manceps (116, 12. 13) 2) die weitere 
Ueberlassung dieses Pachtrechts von Manceps an die Besitzer (116, 22 
wo per centurias durch per annos cenienos (116, 13) zu erklären 
ist, da das Vectigalland nicht centurürt war). Die proximi possessores 
(116, 23) können die Pflichtigen selbst sein: die conductio vectigalis 
ist für sie keine (ungültige) Pacht einer eigenen Sache. 
226) L. 20 $ 1 D. de captiv. 49, 15. Gai. 2, T. Die Kriege mit den frem- 
den Völkern ausser Italien wurden um die Existenz (uter esset, non 
uler imperaret) geführt, und endigen daher mit Vernichtung, nicht wie 

. in Italien mit einer blossen Mult. Cic. de off. 1. 8. pro Fontei. 8, 16. 
Liv. I. 15. 45. II, 41.- VIII, 1. XXXVI, 39. Dionys. II, 35. 

227) Cic. in Verr. IIL, 6. celeris aut impositum vectigal est certum, ul 
Hispanis (Orelli 3693. Plin. nal. hist. II, 2—5. Liv. XXVIII, 25), 
el plerisque Poenorum, quasi tictoriae praemium aut poena belli, aut 
censoria locatio constituta est, ut Asiae lege Sempronia. Siciliae 
civilatres sic recepimus, ut eodem iure essent, quo fuissent. 
Doch gab es auch in Sicilien stipendiarti. Plin. nat. hist. 3, 14 (8). 
C.'G. Zumpt über den Zustand und die Verwaltung von Sicilien unter 
róm. Herrschaft in Seebode's Archiv für Philol. II, 2 (1825) S. 265. 

228) Cic. ad fam. IIl, 8 (5). Gai. 2, 1. L. 27 $1 D. de V. S. 50, 16. 


4 


Huschke, Census unter den ersten Kaisern 8. 5. 


| gromatische Institutionen. 317 


Die Rückgabe überträgt also nicht, wie am ager redditus 
veleri possessori in Italien, volles steuerfreies Eigenthum 
(116, 18), vielmehr hat der Provinzialgrundbesitzer nur 
possessio und ususfructus, wie Gaius (2, 7) oder possidere 
quasi fructus tollendi causa et praestandi tributi conditione, 
wie Frontin 36,6. 7 sich ausdrückt, und der Staat verpachtet 
von dem provinziellen ager redditus den Zehnten nicht min- 
der, wie von dem erbpachtlichen ager vectigalis ***). 

Allein die Nichtentrichtung des Tributs ist nicht, wie 
dort, eine eigentliche Resolutivbedingung für den Verzicht ' 
auf die Einziehung, die Possessio füllt wegen Steuerver- 
weigerung nicht etwa an den Staat zurück, sondern dieser 
hat wie am übrigen Vermögen des Besitzers ^) auch an 
ihr nur ein Pfandrecht für seine Tributforderung *?!). 

Wegen dieser Unwiderruflichkeit der Possessio gilt der 
, Possessor materiell als Eigenthümer und hat die Vindica- 
. tion (wenn auch nicht er-iure quiritium, doch ez aequo), 

die Gränzscheidungsklage (Note 5), ja die Besitzklagen só 
gut wie der vollständige Privateigenthümer (36, 9—15; vgl. 
98, 3). Das Eigenthum des Staats erscheint — nach Savigny's 
treffendem Ausdruck — fast nur wie eine publizistische 
Fiction zur Erklärung der Grundsteuer. 

229) Cic. in Verr. 3, 6 perpaucae Siciliae civitates. sunt bello a maioridux 
nosiris eubactae: quorum ager cum esset publicus populi Homani 
factus, (amen illis est reddilus: is ager a censoribns locari solet, 
Diese ciritates censoriae unterscheiden sich also von den decumanae. 
Note 227. 

230) L. 1 C. de cap. pign. 10, 21. Gai. 4, 29. 

231) L. 7 pr. D. de publican. 39, 4 in vectigalibus ipsa praedia non per- 
sonas conveniri el ideo possessores etiam praeteriti temporis vectigal 
solvere debere. Die gewöhnliehe Vorstellung von einer Reallast. 
(Huschke Steuerverf. S. 139) ist weder römisch, noch dem Rechts- 
verhältniss entsprechend. Vgl. 2.39 $ 5 D. de leg. 1 (30). 2.5 $3 


D. de censib. (50, 13). Bei der Distraction wird bedungen, dass der 
Käufer das Tributum zahlt. L.35 D. de iwre fisci (49, 14). 


318. RUDORFF 


Der Staat kann jedoch auch auf das tributum und sein 
nudum ius quiritium verzichten: im ersten Fall entsteht 
Immunität, im zweiten italisches Recht (35, 17. 18). d. h. erb- 
liche Heredien mit Erbschaftssteuer statt des Tributum. Da- 
von wird noch bei den Colonieen die Rede sein. 

31. Es ist endlich noch der landwirthschaftsrechtlichen 
Verschiedenheit des Bodens (S 17) zu gedenken (369, 18—25). 
Sie kommt nur in Betracht: 1) bei Ermittlung der Grünze 
durch Verschiedenheit des Anbaus (S 9), 2) bei Anlage einer 
Colonie, wo sie auf das Maass der Loose Einfluss hat, 
3) bei stipendiarischen Stadtgebieteir, wenn die ursprüng- 
lich bestimmten Fruchtquoten durch Abschätzung des Bo- 
dens auf Geldabgaben reduzirt werden sollen. 

Zu diesem Zwecke nämlich werden Bonitirungsclassen 
unterschieden z. B. in Pannonien Ackerboden erster Klasse 
(arvum primum), zweiter Klasse (arvum secundum), Wiese, 
Mastwald (silva glandifera), gemeiner Wald (silva vulgaris 
pascua) zu Holzhieb und Weide. | 

: In jeder Klasse **) wird jedem Jugerum eine feste 
Grundsteuer aufgelegt, die von dem Ertrag abhüngt (205, 


232) Hygin. 205, 12— 15 certa pretia agris constituta. sunt. ut in Pan- 
nonia ürvi primi, arvi secundi, prati, silvae glandiferae (Plin. nal. 
hist. 3, 25) silvae vulgaris, pascuae. Das Komma zwischen vulgaris 
und pascuae 205, 15 ist zu streichen und slatt sechs sind daher fünf 
Bonitirungsclassen anzunehmen, sonst würde das Wort silvae auch vor 

“ pascuae wiederholt sein. Vgl. Huschke über den Census und die Steuer- 
.verf. der frühern röm. Kaiserzeit 1847 S. 109 Note 227. S. 114. 115 
Note 114. 115, dem ich aber in der Annahme nicht beistimmen 
* kann, dass diese Klassen erst von Domitian herrühren. Sie grün- 
deten sich auf die Professionen der Eigenthümer (Hygin. 205, 17), die 
Professionen aber richteten sich nach der forma censualis von August 
L. 4 pr. D. de cens. (50, 15) und diese beruhte wieder auf den 
Lagerbüchern der einzelnen Gemeinden, sie befiehlt das nomen fundi, 
qua civilate, quo pago sit, quos duos vicinos praximos habeal anzu- 
geben, gerade wie die Fundi in Veleia, Cornelia Baehia und Volceii profitirt 


gromatische Institutionen. 319 


15. 16). Jede geschätzte Klasse muss also besonders ver- 
messen werden, um zu ermitteln, ob die Zahl ihrer Jugerte 
mit der vom Besitzer angegebenen übereinstimmt, oder wie 
Hygin 205, 16 nach Lachmann's Restitution sagt: horum 
aestimio, ne qua usurpatio per falsas professiones fiat, ad- 
hibenda est mensoris diligentia d.h. um allen falschen An- 
gaben zu entgehen muss zur Bonitirung des Schätzers die 
Sorgfalt des Mensor hinzukommen "*?), 

Wir kehren jetzt zur staatsrechtlichen Haupteintheilung 
zurück, um die Centuriation der Militärcolonieen und die Stri- 
gation der Eroberungen im Einzelnen zu betrachten. Die 
Lagerordnung liegt ausser unserm Plan. 

Vorher ist jedoch ein. Blick auf das Organ zu werfen, 
dessen sich die römische Staatsregierung zur Ausführung 
dieser Einrichtungen bediente. 


werden. Die stipendiarischen Völker bekämen zu ihren alten Lasten, dem 
tributum zu ihren Fehden, den Erbschafts- und Verkaufssteuern an ihre 
Gemeinde, seit ihrer Eroberung das römische Tributum hinzu, es war 
natürlich, dies in derselben Weise wie jene alten Abgaben zu repartiren. 
233) Huschkes Erklärung (a. a. O. S. 110 Note 227 vgl. S. 88) ‚‚damit 
die Besitzer nicht in Folge falscher Angaben über die Grösse ihrer 
Grundstücke einen zu niedrigen Ansatz derselben im caput erschleichen “ 
beruht 1) auf der falschen Lesart Aorum aestimatio ne qua usurpa- 
tione per falsas professiones fiat, 2) auf der, wie ich glaube, irrigen 
Annahme realer Steuerhufen (capita oder tuga von 100 iugera oder 
Joch Ochsen, also halben, seit Constantin Achtel ‘Centurien) an deren 
Stelle in Hygins Gedanken der feste Rahmen der Strigation und Sca- 
mnation tritt. Denn dieser fährt fort (206, 3—9): propter quod huius 
agri vecligalis mensuram a certis Tigoribus comprehendere oportet 
et singula terminis fundari — mensuram per sirigas el scamna 
agemus. Die realen capita müssten gerade bei Verschiedenheit des 
Bodens grósser oder kleiner sein und passen auch zu dessen Zersplitte- 
rung (152, 5—10) nicht. Vgl. Savigny, vermischte Schriften 1850, 2, 
s. 205. 


320 RUDORFF 


Vl. Die römischen Agrimensoren. 


. 32. Während der ganzen städtischen Periode besass 
die römische res publica, abgesehen von den nur. in ältester 
Zeit hierher gehörigen augures publici populi Romani Qui- 
ritium keine feste Staatsanstalt für die Bildung der Feld- 
messer oder die Ausführung öffentlicher Vermessungen und 
Vermarkungen. Das Feldinessen war damals gleich der 
Rechtskunde eine freie Kunst, welche ohne vorherige Prü- 
fung wissenschaftlich von Freien **), praktisch auch wohl 
von Sclaven, umsonst; später gegen ein honorarium geübt 
wurde. Dies beweist der Edictstitel sí mensor agrorum fal- 
sum modum renunciasse dicetur, in welchem der Prätor 
erst hinterher und nur wegen Dolus, nicht wegen smperitia 
eine Ersatzklage gegen den Mensor aufstellt ***). 

. Ein solcher frei gewählter Feldmesser wurde finitor ge- 
nannt, vielleicht ist der Name ;nensor erst durch Julian in 
das Edict gekommen: iritores dicebantur sagt Nonius 'guos 
nunc agri mensores dicimus, dicti quod fines dividerent und 
führt zum Beleg aus dem Prolog zum Pönulus (v. 49) die 


231) L.1 pr. D. de extr. cogn. 50, 13. liberalia studia accipimus, quae 
Graeci &AtvOÉoia appellant. rhetores continebuntur, grammatici, 
geometrae. Daher gehóren diese Funktionen nicht zu den operae 
locari solilae L. 1 pr. D. si mensor. (11, 6). 

235) 2.1 pr. $. 1. 2.3 $ 6. D. si mensor. 11,6. Zeitschr. für gesch. 
Rechtswiss. 10 (1842) S. 422.. Sie muss álter sein als die von Aquilius 
Gallus 686 proponirte formula de dolo malo, ihrem Character nach 
gehórt sie in die Zeit des beginnenden Sittenverfalls, also etwa der 
Lex Plätoria und der Lex Silia, welche letztere wegen doloser Verfer- 
tigung und Anwendung falschen Gemässes und Gewichts eine Mult an- 
ordnet (si quis magistratus adversus haec dolo malo pondera mo- 
diosque vasaque poplica, modica, minora maioraque faxit. iusserilre 
fleri, dolumre adduit, quo ea flant). 





gromatische Institutionen. 321 


Worte an: Eius nune regiones, limites, confinia ‚Determi- 
nabo, eius rei ego aum factus finitor’”‘). 

Dies änderte sich unter dem Principat. Die. Impera- 
toren mussten für die. Absteckung des Lagers, der Militär- 
eolonieen, die Constitution der Municipien, die Grundsteuern, 
Ingenieure und Techniker im Generalstabe oder als Regie- 
rungsfeldmesser bleibend anstellen. Während zu Polybius' 
Zeit ein Tribunus mit einigen Centurionen das Lager ab- 
steckt **") und noch Cäsar im gallischen Kriege nur einige 
Centurienen zur.Auswahl des Lagerplatzes voraussendet ***), 
kommt unter Antonius schon ein peritus míetator et calli- 
dus (Saxa) vor, der diese Function des Lagerabsteckens ale 
festen Beruf treibt ***). 

Diese im Dienst der Regierung bleibend angestellten 
Mensoren führen neben den allgemeinen, von ihrer Kunst, 
den Werkzeugen welche sie gebrauchen, von dem Gegen- 
stand und der Qualität ihrer Thätigkeit entlehnten Bezeich- 
nungen **°) den besondern Namen togati Augusterum (941, 


236) Non. de propr. serm. p. 11, 24 ( Mercer.) Vgl. Cic. agr. 2, 13, 34. 
finitorem mittant (sc. decemviri) , ratum sit quod finitor uni il, 
:'8 quo missus erit, renuntiaverit. Beides mittere und renuntiare 
sind technische Ausdrücke. L.1 $2. L.5 $2. D. si mens. 11, 6. 
Orelli n. 4570. Vgl. Nov. Valent. II. tit. 21. $ 4. 

237) Polyb. 6, 1. 

238) Caesar bell. Gall. 2, 17. 

239) Cic. Philipp. 11, 5. 12. Saxa nescio quis, castrorum antea metator, 
nunc ut sperat, urbis 14, 4. 10 quam iam peritus metator et callidus, 
decempeda sua Saxa diviserat. 

240) Von der Kunst (professio, ars) und dem Meistergrad darin, ist der 
Name professor später artifex entlehnt, nach den Messinstrumenten 
(den metae 33, 11. 20; 34, 4. 10, der decempeda und groma) heissen 
sie metatores, mensores, decempedalores, gromalici (die Unterschei- 
dung des Vegetius 2, 7 metatores, qui praecedentes locum eligunt 
castris — mensores, qui in castris ad podismum demeliuntur loca 
in quibus milites tentoria fgant, vel hospitia in civitatibus praestent 
ist zu speziel. Frontin. strateg. 2, 7, 12); nicht selten jedoch sind 


Rómische Feldmesser il. 21 


322 . gUBORFF 


2) und asuteris (342, 14) welcher, ganı wie bei den. Keon- 
juristen, den iuris aucteres, quibus permissum: est (ira. 69^ 
dere (Gai. 1,7); auf ihre bestimmte Stellung. tur Staatsre- 
gerung hinweist, 

Man verlangte *war weder eine juristische 124, 14. 15) 
‚noch militärische Ausbildung (121, 7.8; denn 273, 17. 18 ist 
interpolirt), so oft auch Militärpersönen selbst bei bürger- 
lichen Vermessungen gebraucht wurden; allein eine genü- 
gende theoretische und praktische Kenntniss der Geolneirie 
‚blieb unerlässlich, erst. wer diese durch die Staatsprüfung 
bewährt hatte, konnte auf Anstellung rechnen, denn dass 
die Mensoren schon vor der Profession den Clariseimat, nach 
bestandener .Prüfung sogar die Spectabilität erhalten hätten 
(273, 2—19) beruht auf einer Fälschung der ursprünglichen 
Usnstitutionen, welcher Mystification oder Gewirinsucht zum 
Grunde liegt *‘'). Höchstens .der Perfectissimat pflegte aus- 
‚gezeichneten Auctoren, wie dem Gaius (307, 1,) dem Faustus 
‚und Valertas (307, 2), dem Latinus (309, 1) und Innocentius 
(310, 2) ertheilt zu werden. 
^. Mit den Agrimensoren, die von Staats wegen den Be- 
amien, welche ihrer bedürfen, überwiesen werden (Note 236), 
sind die bewbhnlichen Hof- und Reisefouriere (mensores 
nostri) ***) nicht zu verwechseln, welche die Notitia Digni- 

die metatores nur ungebildete Gehülfen des gromaticus. Sie kommen 
überhaupt nur beim Lagermessen vor. — Vom Gegenstand der Thätig- 
keit ist die Bezeichnung mensor agrarius (251, 15) später agri sensor 
(244, 2 auch für den militairischen Ingenieur (Ammian. 19, 11, 8 In- 
nocenlio quodam agrimensore, Cassiodor. var. 3, 52 agrünensorem 
perilissimum) hergenommén. Auf die Qualität der Thätigkeit bezieht 
| sich der Ausdruck arbiter und inspector. 
241) Aus Nov. Theod. tit. 2 (v.J. 438) und 24 (v. J. 443) über limitanel 
milites und loci sind nur einzelne Wörter beibehalten, das unverschámte 
‘ Honorar und alles Andere ist erdichtet. 'Rudoríf, Zeitschr. für gesch. 


Rechtsw. 10 (1842) S. 421. 422. 
242) L. & C. Th. de metatis (7, 8). 





gromatische Institutionen. 828 


taiim neben den Fackelträgern (lampadarii) utter dem Un- 
tergebenen des magistär officiorum nennt; sie bildeten eine 
untergeordnete Klasse der Hofdienerschaft, deren Primi 
eerius nach zwei Jahren in die letzte Stelle (militia) ***) 
der agenies in rebus vorrückt. 

Das Gebiet der Thätigkeit der bürgerlichen Feldmesaer 
ist theils.das Beurkundungsgeschälk (Notariat, daher die sotae 
iwis 310, 1——3) in unsireifigen, theils das Richteramt, die 
Advoeakur und sachveretindige Beurtheilung (34, 19—35, 11) 
in sirditigen Gränzsachen. Die wiehligsien Anwendungen 
bieten die Militaircolonieen (VII), die Grundsteuer- und Do- 
mainenvermessungen (VIJJ) und die Ganggerichte (IX) dar. 


VIL Die Militaircolonieen und die Land- 
schenkungen. 


33 Eine Colonie nennen die Römer einen persönlichen 
Staats- und Heertheil, welcher in Gemässheit eines óffent- 
lichen Beschlusses in einen festen Platz hinausgeführt wird, 
um daselbst als Tochtergemeinde Rois nach einer besimm- 
len Rechtsordnung angesiedelt zu werden: colonia (sagt eine 
ale Definition bei Servius (Aen. I, 16) es# eoctus eorum ko- 
nimen, qui universi deducti suu£ in locum certum aedé- 
ficiis ventum, quem certo iure oblinerent und eine andere: 
colonia est, quae graece amoıxla vocatur, dicta autem est 
a colendo; est autem pars civium aut sociorum missa ubi 
rem publicam haberet er consensu suae civitatis aut pu- 
blico eiue popili unde profecta est consilio. hae autem co- 
loniae sunt quae ex consensu publico, non ez secessione 
tunt. conditae. | 

243) L. wn. C. Th. de mensoribus (6, 34). Röcking, anmot, ad Not. diga. 
Orient. p. 236. 
21* 


894 RUDORFF 


Die Colonie iet also zunüchst ein Ínbegriff von Per- 
sonen, ein Staals- und Heertheil, sie wird deduzirt und 
condirt, während das durch sie verjüngte oder gezähmte Mu- 
‚ nicipium blos constituirt wird (263,4) **). Die örtliche 
Bedeutung der Colonie für ager (z. B. colonia adsignata 
oder censita: — 213, 6. 215,3. 216,3. 217, 5. 219, 1) oder 
für urbe (z.B. colonia munita 237, 20. 23.) ist eine secun- 
däre, welche erst nach der Ansiedlung hervortritt. Diese 
örtliche Bedeutung ist überhaupt erst in späterer Zeit vor- 
herrschend, in welcher auf der andern Seite auch bei dem 
Oppidum von einer Deductio die Rede ist (231,8; 232, 17. 
20; 224,11. .237, 5. 238, 19. 239, 1. 7). 

2) Es ist gleichgültig ob die Deducirten Römer oder 
Socii (Latinen) sind. Denn auch die Bundsgenossen bilden 
einen römischen Heertheil. Wesentlich ist nur die Aussen- 
dung von Rom aus: eine von Sociis gestiftete Ansiedlung 
ist keine römische, sondern 'eine prisca latina colomia oder 
ein oppidum. - - 

3) Zu einer Colonie gehört die Betheiligung der Mutter- 
stadt als solcher durch einen Staatsact (publico consilio). 
Die Auswanderung privato consilio ohne hóhere Leitung ent- 
-hält nur eine secessio, der Besitz der Loose darf nicht eigen- 
mächtig (ex occupatione 231, 12 L. 5 D. de poss. 41, 2) 
:ergriffen und selbst die Ausführung nicht durch die milites ie- 


944) Cic. agr. 2, 27. 73. 74. Div. 1, 1, 3 eoloniam misit. Der Ausdruck 

conetitetio municipii ist von der status mutatto (18, 6) hefgenomifen, 

welche die Stadt durch die Colonie erleidet. Daher heisst es von einem 

Municipium ohne Colonie -bei Isidor 15, 2 municipium est, quod ma- 

nente statu civitatis ius aliquud — a principe impetrat. Die 

Art der constitutio eines Municipiums kann sehr verschieden sein, z. B. 

Abtretung einer Práfectur, Verschmelzung mit der Coloniegemeinde. Die 

constitutto einer Colonie dagegen ist völlig gleichbedeutend mit der 
Gründung. Cie. agr. 1, 5 constituere coloniam tn Ianiculo. 


gromatische Institutionen. 225 


gionarii allein geschehen sein (232, 17?),: sonst bleibt Se 
Stadt ein. oppidum. 

4) Durch .die bäuerliche Ansiedlung (colendo) wmter- 
scheidet sich die Colonie von der rein persönlichen und mi- 
litairischen. Besatzung (praesidium), wie umgekehrt ihr mili- 
täirisches Wesen zu dem rein bäuerlichen des Provinzial- 
bodens emen Gegensatz bildet. 

Die Colonen sollen nämlich die Eroberungen Roms 
nicht blos sichern, sondern in die Stelle der durch den Krieg 
aufgeriebenen ursprünglichen zugleich eine neue römische 
männliche Bevölkerung setzen, dazu bedürfen die -Golonen 
einen Heerd und Hausstand. In einer Definition der Golonie, 
welche Isidor erhalten hat, wird auf diese Bedeutung der- 
selben das Hauptgewicht gelegt: wrbes a propriis civibus 
conditae, sagt er, civitates non coloniae nuncupantur: co- 
lonia vero est, quae defectu indigenarum novis cultoribus 
adimpletür, unde et colonia, a cultu agri, est diota'*^), 

In der That waren die Colonieen während des Aufschwutgs 
des rómischen Staats das wichtigste Fórderungsmittel der Volks- 
vermehrung und Romanisirung, namentlich haben die massen- 
haften latinischen zu diesen Zwecken dienen müssen. Denn 
die kleinen Bürgercolonieen konnte Rom, um die Bürger: zu- 
sammenzuhalten, nur zum Festungsdienst in Feindes Land 
und an der Küste Italiens, verwenden **°), die Latinen aber 
wurde. man dutch die starken Deportationen nicht nar aus 
der unbequemen Nachbarschaft los, sondern zwang sie zu« 


245) Isidor. orig. 15, 2. 9. Vgl. Liv. 27,10 tn. colonias atque in agrum 
bello captum stirpis augendae causa missos, Eutrop. 8, 3 (von 
Dacien) ex toto orbe Romano infinitas eo copias hominum (ranstulerat 
‚ad agros et urbes colendas. Dacia enim diuturno bello Decebali 
viris fuerat exhausta. 

246) Liv. 27, 38. 36, 3. Huschke, Servius Tullius S. 481 ff Daher auch 
die sacrosancta vacatio militiae. der colomiae maritimae. 


w-— 


326 RUDOBFF 


gleich durch ihre isolirte Lage in Mitten feindlioher Umge- 
bungen zum festern Anschluss an Rom. Die wilden Berg- 
völker, welche gleichsam als Rückfracht nach Samnium ein- 
geführt wurden (235,9) konnte man wiederum in der Nähe 
leichter hüten, als in ihren heimischen Alpen. 

In der Kaiserzeit jedoch trat die natürlieke und gerechte 
Strafe dieser künstlichen ünd gewaltihätigen Umgestaltung 
der Bevölkerungsverhältnisse **’) in jener. schrecklichen Ver- 
ödung der Provinzen hervor, welche das erschlaffte Reich 
nüthigte, Barbaren als Anbauer über die Gränze zu nehmen, 
so dass die einheimischen Colonieen nur. ale F estungen fort«- 
bestanden. 

5) Ein wesentliches Merkmal ii Begriff der Colonie ist 
nämlich ferner das einer Staatsfestung, worauf die Mauern 
uad Thürme in den Abbildungen hindeuten (Fig. 174. 175). 

Wenn hiergegen neuerdings eingewendet worden ist **), 
dass auch die oppida Festüungswerke hatten, so ist ein we- 
sentlicher Unterschied unbeachtet geblieben. 

In dem Begriff und der Anlage eines oppidem liegt al- 
lerdings die Befestigung durch Wall und ‚Graben, Thürme 
und Mauern (135, 18; 179,1; 237, 58). Ja manche Ca- 
stelle waren so fest, dass sie wie jenes: Larignum ***) dem 
Feuer widerstanden und nur durch Aushungerung zu .neh- 
men waren. 

Daher mochte es in den früheren italischen Kriegen, 
als es nur noch datauf ankàm, widerspänstige Municipien zu 


247) Seneca consol. ad Helv. c. 7. Mc deinde populus quot colonias in 
Omnes provincias misit? ubicunque vicit Romanus Aabilat. Ad hanc 
commutationem locorum libenter nomina dabant el relictis aris suis 
rans maria. sequebatur colonus. senex. B. vtr. denique invenies 
ullatÀ terram quam ade. indigenae colant. permixta. omnia et in- 
eititia sunt. 

948) Sumpl dé colon. mitit. (Comment. epigraphicue 1850) p. 44%. 

249) Vitruv. de arcMt. 2, 9, 15. 16. 


gromatische Institutionen. 323 


zähmen-(135, 20), hinlänglich scheinen der Colonie die Fe- 
stungswerke dieses Municipiums blos su übergeben und 
darauf, nicht wie man gewöhnlich annimmt auf einen ahge- 
bauten Ort möchte ich den locus certus aedifietis munitus 
der servianisehen Definition beziehen ***). 

Diese kleimstädtischen Befestigungen mit Wall-und Graben 
(oppidum oder municipium cireumdactum) (231, 11) oder 
Mauern (muro ductum) (xz. B. 231,3; 232, 3, 13) oder 
andern Werken (eppidum munitum) aus den Zeiten der 
innern Fehden Italiens genügten aber nicht mehr, als Rem 
das ganze Land gegen die auswärtigen Mächte Carthago, 
Macedonien, Illyrien (135, 283—136, 16) zu vertheidigen hatie. 
Dazu waren Reichsfestungen (propugnacula imperii) erfor- 
derlich, die jene oppida Italiae an Grossartigkeit und Sorge 
fak der Befestigung weit hinter sich liessen. Dies waren 
die römischen coloniae maritimae und montanae "°'). 

In den Provinzen galt es die Reichsgränzen gegen bar 
barische Nachbaren zu schützen, dort wurden ad hostium 
incursus repellendos (135, 22) Festungsbauten angelegt, wie 
sie diese eroberten Reiehe in den Zeiten ihrer Selbstündig- 
keit mieht gekannt hatten *°”). 


250) Isidor. or. 15, 2 moenia abusive dici solent omnia aedificia publica 
civllatls, Proprie autem moenia sunt tantum muri. Varro de ling. 
lat. 5, 143 ideo coloniae ut urbes conduntur, quod intra pomoerium 
porunlur, 

251) Cic. agr..2, 27, 73 est operae prelium diligentiam maiorum recordari, 
qui colonias sic idoneis in locis contra suspicionem periculi colle- 
carent, ul e«so non oppida Ilaline eed propugnacula (mperii viderentur. 
Es gab verschiedene Systeme (leges) der Befestigung: die lex Gracchana 
(233, 10) Sullana (231, 11; 234, 15) u. a. die nach und nach ver- 
völlkommnet wurden. Veget. de re mil. 4, o. 1—30. 

252) fe, pra Font, 1,3 (von. Narbo Marcius) colonia mostrorum civium, 
specula populi Romani ac propugnaculum illis ipsis nationibus oppositum 
et obiectum L. 1 $ 5. D. de cens. 50, 15 (von Palmyra) prope 
barbaras gentes et naljenes collocala,  : 


328. -RUDORFF 


6) Endlich bildet die römische Colonie eine Gemeinde 
(universitas) wit fester Rechtsordnung (certo sure) nach dem 
Muster und unter Leitung der Mutterstadt. Dieses wich- 
tige Moment unterseheidet -die römischen Colonieen I) von 
den planlosen Ansiedlungen im alten Italien, welche durch 
ein Erstlingsgelübde (ver sacrum) aus dem alten Stock aus- 
gestossen, gleich einem jungen Bienensehwarm sich eine 
Heimath aufs Gerathewohl suchen mussten; 2) von .dem 
unsichern Rechtszustand der Munieipien, deren Einrichtungen 
veraltet und deren Statuten seit ihrer- Einverleibung im das 
römische Kaiserreich als Zeugnisse in eigener Sache ohne 
Beweiskraft waren; endlich 3) von der Ansiedlung einzelner 
Bauern und Soldaten ohne Specialgesetz und Centuriation, 
wie sie zur Aufhülfe der verfallenen Flecken Italiens oft 
vorkam. Denn in diesem Fall bleibt die Stadt eppidem, die 
Ansiedler incolae (metyci 234, 19. 238, 8), die Anweisung ge- 
schieht durch eine iugeratio morgen- nicht centurienweise 
(230, 2. 20.), der ager kànn viritanus sein, colonicus ist 
er nicht. E | 
34. Von der Deduction der Colonie Eporedia-(653 der 
Stadt) heisst es im Velleianischen Verzeichniss: segue fa- 
cile memoriae mandauerim quae, nisi militari 8, post hoc 
tempus deducta sit. Die Colonieen seit Marius sind also 
Militaircolonieen. 

Das Wesen dieser Ansiedlungen suchte man früher 
darin, dass sie für Militairpersanen statt für Bürger bestimmt 
gewesen seien. Dies glaubte man daraus schliessen zu 
dürfen, dass sie in militärischer Ordnung (cum signis et 
aquila et primis ordinibus ac tribunis) ausgeführt werden. 

Dieser Irrthum ist längst von Trekell und Andern wi- 
derlegt worden *°). Eine Versorgung des Proletariats lag 

253) Trekell antiquit. select. p. 207: Zumpt I. c. p. 482. 


M I Ut e M M — — — —————— ——— 


gromatische Institutionen. | 329 


nicht im altrömischen Geiste, erst während der Umsturz- 
periode tritt sie vorübergehend als Colonialsweck auf. Da- 
gegen haben schon die víri illustres der Republik ihre cos- 
summati milites mit Land statt des Soldes für tadellose 


‘Dienstzeit belohnt (176, 1— 13) und die militärische Ausfüh- 


rung mit Anführern und Feldzeichen liegt bereits in dem 
certuns ius, welches den Character.jeder Colonie .bildet. 

Dennoch ist die eigenthümliche Bedeutung der Militair- 
colonieen selbst von den neusten Schriftstellern noch nicht 
scharf genug gefasst. So behauptet unter andern Waller *°‘), 
nachdem die Legionen zu einer stehenden Truppe .und 
einer den Bürgern entgegengesetzten Macht geworden wü- 
ren, seien die Colonieen von den Parteihüuptern blos als 
Ansiedlungen für ihre Soldaten eingerichtet und Militärcolo- 
nieen genannt. 

Dass es sich aber um grössere Dinge handelte, als eine 
Scheidung der Stünde desselben Staats, beweist die Rede 
des Marcus Brutus (Appian. B. C. 2, 140) auf welche schon 
Sigonius mit Recht hingewiesen hat. 

Die Militärcolenieen sind eine den Wendepunkt der 
städtischen und kaiserlichen Periode der römischen Ge- 
schichte begleitende und bezeichnende Erscheinung. Nach- 
dem.die Stadt durch Verläugnung von Treu und Glauben, 
Religion, Recht und Sitte moralisch zu Gründe gegangen 
war, musste sie nach kurzem Durchgang durch die An- 
archie naturnothwendig der Militairdietatur verfallen. Noch 
waren es zwar nicht fremde Eroberer, wie in der Völker- 

254) Walter Gesch. des róm. Rechts erste Ausg. (1840) S. 265. In der 
zweiten Ausgabe I. 248. S. 315 ist der Charaeter der Militaircolonieen 
noch mehr verwischt, denn Anstalten „zur Versorgung der Soldaten 
und Veteranen‘ waren die Colonieen mit alleiniger Ausnahme der 


Gracehanischen und selbst dieser kaum (136, 7; 165, 10, 15) von 
jeher gewesen. 


330 | RUDORFF: 


wanderung, sondern römische Feldherrn, römische freilich in 
der Fremde verwilderte Prätorianer und Legionen, denen die 
‘Stadt unterlag. Allein sie bildeten nicht mehr, wie früher, 
einen Stand in der Republik, das stehende Heer. war in der 
That die Staatsgewalt, unter welcher jene zur privaten Con: 
mune herab sank: urds vemerabilis sagt Ammian (14, 6) 
Caesaribus. tanguam liherie stis regenda patrimonii (ura 
permisit. Der Princeps steht über dem Gesetz, der Soldat 
darf das Recht ignoriren und diese Erhebung des Imperium 
über: das Jus, der milsses üher die quirites, wird das Zau- 
. berwort durch welches Cäsar den Unmuth seiner müden 
Legionen bricht (177, 1—8. Sueton. Caes.70) und auf welches 
die Tradition der Agrimensoren den Ursprung ihrer Kunst 
zurückführt (395, 15. 396, 6). 

Das Mittel den Sieg des Militairstaats über den alten 
Rechtsstaat. dauernd zu befestigen, boten die Militaireolonieen. 

Wührend die alten Colenieen Festungen der Republ 
gewesen Waren, welche von ihr.apsgehend die Site und 
Herrschaft ihrer Mutterstadt, wie eines städtischen Oberhofs 
i immer weitere Kreise verpflanzten, sind die Militsircolo- 
nieen Festungen des Princeps gegen die Republk, durch 
welche der Imperator und der miles: provincialis, muf den 
sich der ungeheure von den Provinzen ausgehende Rück- 
schlag stützt, in ihrem eignen Kernlande Italien Fuss fast ^. 
Nebenbei enthalten sie Benefizien der mit den Interessen des 
Princeps in. Eins verwachsenen Gefolgschaften, die shm zu 
gleich gehorehen und befehlen, weil sie ihm ihre Existens 
verdanken, wie er ihnen seine Siege (176, 10. Appian. B. 
C. 5,17. 20. 21). | 


255) Appian. B. €. 5,12 réc droixtas ouvıoraubyas, ToU und avo 
E Avandıpeı TjY Inuoxgerien, n«opxiOuéyoy- ind doyoves pod0- 
qogov, Erolumy és 0 Tt gonloev. 


gromatisehe Institutionen. - 331 


Ihr Gegenstück bilden die Entschädizungseolonieen in 
den überseeischen Provinsen, welche des aufgelösten und 
vertriebenen Bauernstand des alten Italiens als neue Heimath 
und Mittel der. Romanistung aufzunehmen bestimmt wa- 
ren *°°). Allein der Vorsicht halber wurden diese Colonisten 
mit Veteranen gemischt, und daher gleichfalls zu den Mili: 
taircolonieen gerechnet. Nur dureh solche an eine Völker- 
wanderung streifende Verpflanzungen konnte die furchtbare 
Bewegung gestillt werden, welche den Umsturz der Repu- 
blik begleitete. Die Nachwehen aber hat Italien nie ver- 
wunden, seme Villen und Lustwälder, seine künstlichen An- 
siedlungen und Sclavenmassen konnten ihm den Verlust des 
urkräftigen früher unerschöpflichen samnitischen Bauernstandes 
nicht erselzen: es sank in gänzliche Abhängigkeit von den 
Provinzen herab **, in welchen das alte Latium und Ita- 
len in künstlicher Uebersiedlung ein schattenhaftes Dasein 
fortführen. 

35. Wiihrend die Colonieen des alten Staats durch einen 
Senatsschluss, seit Gracchus durch einen V olk sschluss ***) 
gegründet wurden, geht jener öffentliche Beschluss, den die 
Stiftung jeder Pflanzgemeinde voraussetzt, bei den Militair- 
eolonieen vom Imperium aus: statui koc loco inserere 


256) Dahin gehören die Augustischen Colonieen Buthrotum, Dyrrhachium, 
Philippi, Corigth, Carthago. Zumpt de colon. mil. p. 457. Dann die 
Colonieen, welche Nerva deduciren liess. Dio Cass. 68, 2. Plin. 7, 31. 
2.3 $1 D. de termino AT, 21. 

257) Tac. ann. 3, 54 Italia alienae opis indiget, — vita populi Romani 
per incerla maris et lempestatum colidie volviter. ac nisl. provin- 
ciarum copiae et dominiis et serviliie el agris. subuenerint, nostrae 
nos ecicet nemora nostraeque oillae tuebwuntur. 72, 43 olim Italia 
legiontbus longinquas in provinciae commealus portabat — sed Afri- 
cam potius et. Aegyptum. ewercemus navibueque ei casibus vita popuii 
Homani. permísse ost. 

258) Lex Thoria c. i lin. 3. 


332  RUDORBFF. 


sagt Velleius (1,15), guae — deducta sit colonia iussu 
senatus: nam wilitarium (nämlich eoloniarum, nicht. 
wie Manche wollen, reruss, wovon gar nicht ‘die Rede ist) 
et causae ei auctores ex ipsarum praefulgent nomine 
(z. B. aus dem Namen colonia obsequens lulia Augusta 
Emerita u.8. w.). 

Die alten Gesetze z. B. die Lex Thoria hatten den Oe- 
kisten nur die Ansiedlung Einzelner gestattet, selbst die 
Lex Appuleia erlaubt dem Marius nur einzelnen latinischen 
Colonisten die Civität zu geben***. Die Lex Valeria aber 
verüusserte das Recht des Populus an den Imperator, 
(Sulla) indem sie seine Acte, also auch seine Colonieen im 
Voraus für gesetzlich erklürte***. Dies sind also die ersten 
Militaircolonieen. Dass die spätern Imperatoren dasselbe 
Recht hatten beweist Augusts Notiz im Monufnent von An- 
eyra ?*'): er selbst habe die Colonieen deduzirt (colonias de- 
duri) und die Mittel dazu aus dem Militairärar. genommen, 
er quo praemia darentur militibus, qui XX stipendia me- 
ruissent. | | 

R Es trat ein ähnliches Verhältniss ein, wie bei den Con- 
stitutionen, welche /egís vicem hatten, weil der Imperator 
selbst durch eine /ez das Imperium empfing: ohne diese 
Fiction eines publicum consilium würden die Militaircolonieen 
nach dem alien Staatsrecht. blosse Secessionen gewesen sein. 

Der Imperätor konnte allerdings wieder den Senat vor- 
schieben: nicht nur die ler Cornelia und Caesars leges Iu- 


239) Cic. pro Baib. 21. 48. 
260) Schol. Gronov. Orelli p. 435. 
261) Mon. Ancyr. V. 35. Coloniae in Africa, Sicilia, Macedonia, utraque 
Hispania, Achoia, Asia, Syria, Gullia Narbonensi, Pieidia, militum — 
. deduzi. I11, 36. 37. Halia autem coloniae, quae vivo me oeleberrimae 
et frequentissiniae fuerunt. duodetriginta deductas habet, — Vgl. die 
Münzen von Philippi bei Vaillant numm, colon. J. p. 160. 191. 





gromatische Institutionen. 333 


lae, sondern selbst noch die leges agrariae von Caligula 
md Nerva (Note 39, 49) scheinen Senats- oder gar Volks- 
schlüsse gewesen zu sein. Meist aber verfügte er die De- 
duction durch ein Edict oder eine spezielle Ordre (iussus), 
wie denn dergleichen von den Triumvirn (246, 12—15), Au- 
gustus als Alleinherrscher (112, 24. 119, 24. 201, 7.8. 203, 
15), Domitian (133), Nerva (133,16) und ungenannten Im- 
peratoren in den Gesetzsammlungen der gromatischen Au- 
toren angeführt werden *'*). 

Diese Gesetze sind für die Colonieen, was die alten 
consuetudines einst für die Arcificien waren, sie bilden da- . 
her 1) einen Gegenstand der sorgfältigsten Interpretatien 
(134,3. 118, 11): d. h. aus den Spezialgesetzen der einzelnen 
Colonieen (privilegia 19, 4) wird durch Abstraction der Be- 
griff einer allgemeinen ler colonica für alle Colonieen ge- 
bildet (24,6), 2) ein Vorbild für die spätern Assignationen: 
das gracchanische, sullanische, triumvirale, Julianische Sy- 
stem der Befestigung, Limitation, oder Versteinung wurde 
von Augustus, Caligula, Claudius, Nero neben ihrem selbst 
erfundenen angewendet (209, 16, 21; 215, 4; 236, 1; 237,6. 
16.17; 238,6. 20; 242, 11), so dass aus der Benennung der 
Limites, Centurien und "Termini nicht sicher auf den Stifter 
der Colonie geschlossen werden darf. 

36. Die Stadt Rom hatte ihre Veteranen durch bür- 
gerliche Behórden angesiedelt, dies that noch die Lex Cor- 


262) z. B. die „Lex‘ über die Jurisdiction (118, 11 —14) die Erhaltung 
der Heiligthümer und Communolanstaiten (120, 12—9 = 157, 10— 
17) über die Abhánge (109, 16 — 20 = 221, 6) auch wohl über 
die Wälle und Gräben, die den Abfluss des Regenwassers hindern 
(L.1 623: L. 2. pr. L. 23 de aqua pluv. 39, 3). Nur die lex trium- 
viralis 211,22 = 175, 1. 2 ist keine gesetzliche, sondern eine con- 
tractliche Bestimmung, eine lez locationis operis mit den Conducteuren, 
denen die Limitationen in Etrurien überlassen wurde. 


394 .  BUDORFK 


nelia, deren Quinqueviri . (236, 14) dem Schein der Unparte- 
lichkeit retten sollten und. die Lex Julia ?°°), derep Vigintiviri 
wenigstens nominal nyr Bürger, F anuiligavier mit drer Kin- 
dern, zu deduzien hatten. 

Die Militaircolonieen dagegen wurden nur einer höhe 
Militairperson in Vollmacht des .lmperator anvertraut, .s0 
nennt schon Cicero *** den Auftrag der Legaten, denen Ci- 
ser, nachdem das Amt der Viginliviri erloschen war, die De- 
duction aus eigener Macht übertrug, em aegotítm datum e 
C. Caesare, non iudicium susceplum ex voluntate C. Cae- 
saris. In ähnlicher Weise werden wir uns die Stellung des 
Asinius. Pollio zu Antonius, des Legaten Alfenus Varus, 
vielleicht auch des Octavius Musa zu denken haben, der als 
ein limitetor ab Augusta dates bemeichmet wird. und: gleich 
den beiden Andern aus dem Leben Virgils &o bekannt ist?) 
. Desgleichen des L. Memmius preefectus legionis X.XVI & 
VII Lucae ed agros dividendos, auf einer von Borghesi '') 
bekanntgemachten Inschrift. 

Der Bevollmächtigte ist ein Kommissar . (curator) dessen 
Amt nur bis zur Vollendung der Colonie und dem Amts 
antriti der ordentlichen Magistrate dauert (265, 5—-8).. Wäh- 
send desselben hat er auch die Jurisdicüo und das Recht 
Recuperatoren zu bestellen weil die friedliche Herrschaft der les 
eipitetis und der legitima iudiofa noch nicht fest, gegründet, 
. das Album Judicum noch nicht eingerichtet ist (265,3—5). Bis 
auf Claudius musste aber die Jurisdiction durch eine Lex 


übertragen sein ?”) Die Berufung ‚von ihm ging wie bei 


263) Cic. de lege agr. 2,10. - | - 


264) Cic. ep. 13, 5, 1. 3. , 
265) Sere. ad ecl. IX, 6. V1, 6. VII, 9. 10. 1, 1. Xi 29. Donat. vita 
Virgilii S 36. 


266) Giorn. Arcad. 1821, p. 204; daraus Curdisali dipi. p. 183 n. 326. 
267) Tacit. aan. 12, 60. 





gromatische Institutionen. 3 


jedem files o yinetpe datus. an den Unzimititnien als die 
maior potestas (221, 8). 

Im Eimzelnen verwendete der Curator Ingenieure oder 
Üenturionen und diese weiter für die mechanischen Verrieh- 
tungen gemeine Soldaten (124, 7-—10; 244; 251, 10-17) '**). 
Das Rechtsverhältniss zwischen dem Imperator und Unter- 
. nehmer war eine Iocallo operie, deren Bedingungen aus dem 
Formular anschaukeh werden, nach welchen die Triumvirn 
de Linitetionen Etruriens und Umbriens verdangen (211, 22), 
$€ Prüfung und Abnahme der Leistung sich vorbehaltend. 
| (be upus omme orbitrate GC. Juli Caesaris et Marci As- 
tti et Mares Lepidé trlumvirerum r.p. o). Die Ingenieure 
wurden vorn Unternehmer hoporirt **9). 

97. Des Kreutz, welches in allen Colonieen die ver- 
herrschende Form bildet, wurde wohl nur von den ältesten 
Augurn mit dem Krummstabe (lituus) nach Gutdünken be- 
schrieben, später finden wir diese descriptio regionum nur 
Bech im geistlichen Recht zum Zweck der contemplatio 
des Himmels *"*), 

Bei Messungen auf der Erde, welche auf der Kreutzes- 
form beruhen, namentlich bei Gründung neuer Festungen 
' und Lager, bedienten sich die Augurn und Mensoren schon 
. m» Ennius und Lucilius Zeiten eines melallenen Messinstru- 
. Mentes, dessen Gebrauch die Römer von den Etruskern, 


$288) Der unbestimmte Ausdruck! qut. primi agros. conettt&erimt L. 23 pr. 
B. de &gha pluo. 39, 8. umfasst sihmratliche bei de Limitation be- 
fheiligte Personen. 

209) E. 1 pr. $1 D. ei mensor 11, 6 non crediderunt velereb tnler talem 
pereomam locationem esse, sed thagis operam beneficii loco praeberi: 
et id, quod. datur, ad remunerandum deri et inde honorarium ap- 
pellari. 34 atem ex locato fuerit actum, dicendum erit, Rec lenere 
intentionem. 

270) Cie. de divin. I, 17, 30. 31 de nat. deor. II, » 9. Lic. 1. 18. Plutarch. 
Rom. 22. Cumil, 32. 


336 AUDOBFE 


diese von den Griechen, diese. von den. Babylouiern ange- 
nommen halten "5.  , | E 

Der lateinische Name dieser „mechina” (295, 11) oder 
„machinula“ ist stella van .der Kreutz- oder. Sternform und 
wie Capito in den Büchern über das pontilizische Recht nach 
P. Servilius, Cicero's Cóllegen im Augurat, annahm zur 
guten Vorbedeutung für die anfgehende Stadt *'*)j. Daneben 
hatte jedoch das ausländische Wort grome, von y»oyua, 
{yroun), einer andern Form für y»eev, nerma, regule, 
(189, 17) in Italien Bürgerrecht ‚gewonnen und den groma- 
tici den Namen gegeben. Gruma, degrumnare, wie grumu, 
der Erdhaüfen, auf. dem das Instrument aufgestellt wird 
(figitur) scheint nur eine rustike Aussprache für groma und 
ist so wenig von congruere, als von congregare, wie die 
Römer wollen, abzuleiten *"*). 


271) Herodot. 2, 109. O. MüHer, Etrusker 3, 6, 11. 

272) Festus v. stellam significare ait Ateius Capito laetum et prosperum, 

auctorilatem seculus P. Sercilii auguris, stellam, quae ex lamella 

aerea, adsimilis stellae, locis inauguratis infigatur. Hygin. de mun. 
castr. 12 portae castrorum in conspectu rigoris stellam efficiant ver- 

steht darunter ein einfaches Kreutz, Gaius und Theodosius 307,6; 

' 940, 9, einen eigentlichen Stern (stella tunier consecreta) um die in 

die Erde geschlagenen Eichenpfähle finden zu können (fig. 243). Eben 

so Colum. Ill, 13, 11—13, wo eine stella in speciem Graecae lil- 

ferae X decussata zum Auffinden der scamna, wenn schlecht gepflägt 

wär beschrieben wird, während IV, 17, 6 in stellam decussari ein eim 
faches Kreutz bezeichnet. 

278) Paul. ex Festo. e. groma appellatur genus machinolae cuiusdam, 
qua regiones agri cuiusque cognosci possunt, quod genus Graeci 
yvopuova dicunt. grumus terrae collectio minor iumulo. Non. 63, 5 

. (Mercer.). Orumae sunt loca media, in quae directae quatuor con- 
gregantur ‘et conveniunt viae. Esel autem gruma mensura qugedan, 
qua fixa viae ad. lineam diriganlur, ul est agrimensorum et (alium. 
Ennius lib. XVIII. Gruma dirigere dixi, degrumari ferro. (Salmas. 
excerc. Plin. 473). Lucilius lib. III. Viamque Degrumabis, wt castris 
mensor facit olim. Hygin. de mun. castror, 12. In introitu praetori 
partis mediae ad viam principalem gromae locus appellatur, quod 


N 


gromatische Institutionen. 337 


Jene stella oder groma nım ist ein doppeltes Diopter- 
lineal, zusammengesetzt aus zwei sich rechtwinklig schnei- 
denden Armen, an deren Enden (cornicula, 32, 19; 288, 5) 
die Himmelsgegenden angedeutet waren (225, 7 in groma sunt 
designati) Dass. jedoch der von Osten naeh Westen ge- 
richtete Arm der Diameter, der von Süden nach Norden die 
verticale Diagonale heisse, ' beruht "auf einer verdorbenen 
Stelle des Stádteverzeichnisses (225, 7—9). An den vier 
Enden waren Perpendikel (nerviae, fila, perpendiculi 32,20; 
33, 5; 192,9; normae 286,2) mit Gewichten (pondera 32, 19) 
angebracht. Mit ihrer Hülfe geschieht das Richten (perpen- 
dere) des Instruments. Die groma hat also grosse Aehn- 
lichkeit mit dem Chorobates, den Vitruv 8,5, 1 beschreibt 
und. sowohl der.Dioptra als der Wasserwage vorzieht, nur 
werden die Arme schwerlich wie bei diesem Instrument, 
zwanzig Fuss gemessen haben. 


Etwas Anderes ist der gnomon der Sonnenuhr (189, 17. 
190, 7. 356,2), dessen sich die Feldmesser bei Bestimmung 
der Meridiane bedienten, wo sie die summa ac divina ars 
der Gnomonik zu Hülfe rufen (184, 1). Den Unterschied 
der groma und des gromon hat bereits Salmasius zu Solin, 
c. 97 (Plin. excerc. 1689 I. p. 445—474) richtig angegeben, 
während er wiederum ohne Grund die groma mit der per- 
tica tristis (Propert. 4, 1, 130) oder impia (Valer. Cato, . 
Dir. 45) verwechselt, worunter eben so wohl die Messruthe 
verstanden sein kann. 


(urba ibi congruat, sive in dictatione melarum posito in eodem loco 
- ferramento groma superponatur, ut porlae castrorum in conspectu 
rigoris stellam effielanl. Ei professores eius. ariis causa supra 
scripta gromalici sunt cognominati. Glossar. Labb. Gruma Baoılıxn 
yyaun, yvauwy, ÓíontQu y TOV YEnusıowv. Gruma, OzrQ« 
extovixn, Grumat uerQei, Aoi. 
Rómische Feldmesser Il. 29 


9838 5.0 RÜDORFF 


Die gréma ruht auf einem Fussgestell, welches der 
Festigkeit und Genauigkeit wegen von Eisen ist und daher 
ferramentum genannt wird. Beides unterscheidet Hygin 
191,3 wenn er aut ferramenti vitium aut conspiciendi ein- 
ander entgegen setzt und Note 273 sagt ferramento groma 
superponatus; ebenso Nipsus 285, 15 fixo ferramento — per- 
quies gromam — ez alia parte ferramenti et manente 
groma, wo.das Stativ fest stehend gedacht ist, während der 
Stern gedreht wird. Gewöhnlich aber steht ferramentum für 
das ganze Werkzeug (33, 3 metas ferramento reprehendere 
183, 6. 10. 14 cum ferramento sol. occiderit et trans montem 
adhuc luceat) Die Identität von tetrans und ferramentum 
lässt sich dagegen nicht erweisen: tetrantem ponere 285, 8; 
287,11 heisst einen Kreutzpunkt auf der Erde bestimmen 
Das ferramentum hat unter dem Mittelpunkt seines Bodens 
einen Perpendikel, der auf das entsprechende Centrum auf 
der Erde treffen muss, (287,26) fixo ferramento convertes 
umbilicum soli supra punctum. lapidis et sic perpendes fer- 
ramentum. perpenso ferramento ab umbilico soli emittes 
perpendiculum *7*| ita ut in puncto lapidis cadat (287,5). 

Die stella wird zuerst bei den feierlichen Auspizien, 
in Gegenwart des Gründers, welcher das ius auspicii hat, 
auf dem Markt der Colonie, im Schneidepunkt der Haupt- 
Strassen aufgestellt. Von dieser ersten sollennen Aufstellung 
(posite auspicaliter groma, ipso forte conditore praesente 
170,5) unterscheiden die Gromatiker die Uebertragung des 
Instruments (transferre ferramentum) auf die übrigen rech- 
ten Winkel innerhalb der Limitation (interversurae 33, 2—6; 
192, 7; 193,8; 285, 7 ff). Die gänzliche Wegnahme der 
Groma (machina sublata) und die Anheftung des ausgeführ- 


274) Ebenso 287, 5, dagegen steht 284, 16 ad umbilicum soli emissum 
perpendiculum, wonach umbilicus soli der Stein oder das Centrum des 
Bodens sein würde. 





gromatische Institutionen. 339 


ten. Limitationsplane (aes, forma) auf dem Markt oder im 
Archiv (aes flsum) bezeichnet das Ende des Auftrags des 
Curators und den Beginn der Herrschaft. des Geseizes und 
der ordentlichen Magistrate (295,11 vgl. 265,5). 

Jeder rechtwinklge Kreutzpunkt auf der Erde wird 
nach dem vierarmigen Instrumente selbst tetrans oder groma 
genannt, nicht nur der Mittelpunkt des Ganzen im Lager 
(Hygin, Note 273) sondern auch die übrigen Schneidepunkte 
(Nonius, Note 273; Frontin 33,5; Nipsus 284, 12). 

Bei ganz neuerbauten Colonieen hatte man es in der Hand, 
die Groma des Ganzen zugleich zum Marktplatz der Colonie 
einzurichten, an welchem nach Vitruv (5, c. 1. $. 4. 6. c.2) 
der Haupttempel, das Rathhaus (curis), die Börse (basilica), 
das Stadtgericht und das Stadtgefängniss (cercer zur Aus- 
übung der.coercitio und iurisdictio der Colonie 118, 14) 
wie das Schatzhaus (aerarium), errichtet werden. Dann 
führten die vier Hauptstrassen ganz wie im Lager zu den 
vier Thoren hinaus, die Stadt beherrscht alle vier Quartiere, 
der Weg der Bauern zum Markt und Gericht ist überall 
glech. Diese Form galt daher als die schónste und gün- 
stigste (180, 1—9). Leider war sie selten anwendbar, denn 
der alten Regel nach sollte die Colonie in einen alten Ort 
ausgeführt werden, dann musste der Knotenpunkt vor der 
Stadt in möglichster Nähe eines Thors angelegt werden und 
die F estung lag in einem ihrer Quartiere (178, 11—16; 194, 
48). Ja sie konnte wo Berge, Wasser, Seeküste in Be- 
tracht kamen, ganz ausserhalb der sámmtlichen Regionen 
ihrer Feldmark liegen: die alten Felsennester aus der Feu- 
dalzeit Italiens, wie Hispellum und Anxur, lagen auf unzu- 
‚gänglichen Klippen und Waldgebirgen, welche in der näch- 
sten Umgebung der Stadt jeden Ackerbau unmöglich mach- 


ten (178, 19—179, 10. Horat. serm. 1, 5. 26). 
22% 


940 - BUDORFF 


'- Von den Kreüzpunkten aus bestimmt der Mensar die 
gerade Richtung (rigor) der auslaufenden Limites, durch Vi- 
siren (conspicere, perspicere) und Zurückvisiren (reprehendere 
34, 11) nach Messstangen (metae, signa, 193, 2. ff.) die ein- 
ander decken (consumere) müssen. Dies Visiren heist di- 
etare metas, rigorem 33, 10, 286, 1 cannas 286, 21 limitem 
33,2; 287, 7. 


Ist der Boden abschüssig, so wird an der Spitze der 
horizortalen Messruthe (capitulum perticae 33,22, ein Per- 
pendikel befestigt und in dieser Weise gemessen, lis man 
auf ebenen Boden (solidum 287, 15) anlangt. Von der Aehn- 
lichkeit mit einem halb geöffneten Taschenmesser (culter 
34,2 vgl. Grut. 640, 11) ist das Kunstwort cultellare (26, 
11—27, 12; 33, 19—34, 7; 287,12) entnommen, mit’ welchem 
die Reduction der schiefen auf eine horizontale Fläche be- 
zeichnet wird *"5). 


Stellt sich der Fortsetzung des Rigor ein Hinderniss 
entgegen, welches weder überblickt noch beseitigt werden 
kann, z. B. ein Gebäude, Bäume, Klippen, so wird es um- 
gangen und der Raum den es einnimmt thunlichst aus- 
gemessen (33, 14—18). Ist es zu übersehen, wie ein Fluss 
‘ oder ein enges Thal, so wird auf dem jenseitigen Ufer wei- 
ter gemessen (34,8—13) und die Breite mit Anwendung der 
Lehre von der Gleichheit der Dreiecke berechnet. Diese 
Berechnung lehrt Nipsus in der fluminis varatio (285,4; 
286, 10) worunter nicht die Krümmung (variatio 349,5. 
13 = mutatio alvei 124, 12) sondern die Uebermessung des 


275) Vüruv. 10, 5. 2 (tympanum) ad perpendiculum collocatum in cultrum, 
10, 9. 2 tympanum versatile in cultro collocatum, cf. Salmas. Piin. 
exerc. I, 485. 486. Jo. Tob. Mayer prakt. Geom. (1814) I. $. 9. 41. 
S. 29. 39. 142f. \ 


gromatische Institutionen. 341 


Flusses, oder anderer unzugänglicher Stellen (varatus 287, 
9, 13) zu verstehen ist *"*). 

38. Jeder Arm des sich im Mittelpunkte des Ganzen 
schneidenden Kreutzes theilt die Feldmark in zwei Hälften 
(partes). Dadurch entstehen vier tribus oder regiones der 
universitas. 

Die Hälfte vor dem auf der Groma stehenden Augur 
oder Feldmesser (ante oder citra mensorem) ist die antica 
oder citrata pars. Die Hälfte post oder ultra mensorem 
die postica oder ultrata pars. Die Hälfte zu seiner Rechten 
destrata, zu seiner Linken simistrata. 

Durch die von dem Augur oder Feldmesser geradeaus 
laufenden Arme des Kreuizes werden die prorsi, durch die 
Querarme dagegen die transversi limites des templum oder 
mundus -bestimmt, welchen das abgesteckte Staatsgebiet 
nach römischer Anschauung vorstellt. 

Der Kern dieser Vorstellung liegt in der Uebertragung 
des menschlichen Organismus wie auf jedes templum, also 
auch auf das „mundi magnum et versatile templum.  In- 
dem man die Welt als ein organisches Wesen auffasste, 
konnte man die vom menschlichen Kórper entlehnten Unter- 
scheidungen, Oben und Unten, Vor und Rückwärts, einer 
Rechten und Linken, d. h. einer geschicktern und ungeschick- 


276) Die fluminis varatio ist im Ganzen richtig erklärt von Lange zu Hygin 
de munit. castr. p. 149. 150 und Tafel I fig. 9. — In der folgenden 
repositio limitis (286, 11), varatio in agris divisis (288, 18) und 
alterius. conditionis (289, 6) lässt die Verderbniss des Textes keine 
sichere Erklárung zu. Es mag genügen anzudeuten, wo Ueberschriften 
neuer Aufgaben anfangen, nümlich 287, 14 ut reponas te in limitem, 
sic facies; 288, 0 item si mensuras ages — lege scripluram la- 
pidum; $ 3 (in) zaconem lapides si fuerint, sic deprehendes: d.h. ob. 
die. Steine in der Diagonale stehen, ermittelt man so: 22: item varalio 
sic fit. — Vgl. Jo. Tob. Mayer a. a. O. I. S. 220 $ 61) II, $ 177 
S. 247 ff. 


942 RUDORFF 


tern Hand, einer den Krankheiten weniger und mehr ausge- 
setzten Seite auf den Weltorganismus und seine politischen 
Abhilder, die Lager, Städte, Colonieen, Tempel, Häuser aus- 
dehnen ?7°). 

39. Welche Regionen der Mark aber die vordem und 
hintern, rechten und linken sind, hängt von der Stellung des 
Gromatikers gegen die climata, ianuae und cardines mundi 
ab (183, 18 ff.) ””®). . 

In der F eldmessersammlung werden eigentlich nur zwei 
verschiedene Stellungen statuirt: die dritte ist ausdrücklich 
als eine fehlerhafte bezeichnet. 

I) Die älteste war nach Varro, dem Frontin 27, 13—28, 
17 Hygin 166, 10.167,14 und Nipsus 290, 25; 294, 3—16 
folgen, von den Etruskern recipirt. Der Augur kehrt das 
Gesicht gegen die untergehende Sonne, die prora. limites 
laufen ihm von Morgen gegen Abend, die destrae partes sind 
die mitternüchtigen, die sinistrae die mittägigen Regionen des 
Himmels. 

Die Hauptstrasse unter den prorsi limites nennt Varro 
den Zweitheiler, duocimanus von duo und caedere oder de- 
cidere: quod terram in duas partes dividat. Aus duoci- 
sanus, lehrt er, sei später decimanus contrahirt. 

27T) Vitruv. de archit. III. c. 1 $ 4. Aristot. de coelo H. c. 2. Lucret. 
5, 435. Manil. artron. 2, 284 — sinistra Quae subeunt, quae prae- 
cidunt dextra esse feruntur. 

278) Isidor. orig. 13, 1. qualuor-esse constat climata mundi id est pla- 
gas — oriens ab exortu solis — occidens, quod diem faciat occidere 
et interire — septentrio — a septem stellis axis vocatur, quae in 
ipso revolutae rotantur. hic proprie et vertez dicitur, eo quod vertitur 
— meridies — quia ibi sol faciat medium diem —. Januae caeli 

. duae sunt: oriens et occasus, nam una parte sol procedit, alia se 

recipit. Cardines autem. mundi duo, septentrio et meridies, in ipsi 


enim volvitur coelum. — Cf. Caesar Germ. phaenom. .Aratea v. 19. 


Axis at immotus semper vestigia, servat Libratasque tenet terras el 
cardine firmo Orbem agit. 


gromatische Institutionen. 343 


Mit und wegen dieser Etymologie hat man die Vorstel- 
lung selbst verworfen ''*): mir scheint sie gerade altrömisch. 
Im ältesten Lager sah der Mensor von der Groma nach dem 
Thor der via praetoria, welches nur als Ausgang des De- 
cumanus den Namen porta decumana erhalten haben kann *°°). 
In den áltesten Tempeln schaute das Gótterbild gegen Abend 
(169, 16. fig. 127), der Betende und Opfernde gegen Mor- 
gen. nur am Wasser liegende Tempel machten gegen den 
Fluss Front'*f. Die Zweitheilung des Raums wiederholt 
sich in der Zeit, der kleine Ring des Tages zerfiel noch im 
den zwölf Tafeln nur in die beiden durch ortus und occasus 
bestimmte Hälften, die Idee einer Viertheilung durch Mittag 
und Mitternacht trat erst später hinzu***), wie denn auch 
die Vorstellung, dass der Tag um Mitternacht, der grosse 
Ring (annus) des Jahrs im Mittwinter, also a cardine be- 
ginne, erst auf den bürgerlichen Einrichtungen des Kalen- 
ders beruht. 

Der Grund der ältesten Richtung des Decumanus ist 
die Weltordnung (ratio mundi 183, 17 — 18,13) der schein- 
bare Weg der Sonne und des Mondes vom Aufgang bis 
zum Niedergang, sowohl in der täglichen Bahn, als dem 
jährlichen Abrücken durch den Thierkreis (guod eo sol et 


279) O. Müller, Etrusker 2, S. 26. Anm. 7. Man übersieht, dass die Ety- 
mologie der Vorstellung angepasst ist, nicht umgekehrt. Isidor's Er- 
klärung (orig. 15, 14) des Decumanus: quod formam X factat,„passt 
nicht, weil erst die transversa linea die viertheilende ist Plin. nat. 
hist. 18, 34 (77, 1). Von Göttlings Ableitung (Staatsverf. 209, 2) von 
dicis und d{xn und mane (Sonnenaufgang) wäre das gerade Umge- 
kehrte das Richtige gewesen (167, 5 Paul. ex Festo v. decumanus). 

280) O. Müller a. a. O. S. 128. 150. Lange, de mun. castr. p. 153. Noch 
Polybius 6, 27 nemnt die Westseite die Front des Lagers. Klenze, 
philol. Abh. 138. 141. > 

281) Vitruv. 4, 5. 1. Servius Aen. 12, 172. 

282) Plin. nat. hist. 7, 60. Censorin. de die nat. c. 23. 


944 BUDORFF 


luna spectaret 27,17); auch der Völkerzug von. Osten nach 
Westen mag beigetragen haben, denn die Marschpforte (prae- 
toria porta) des beweglichen Lagers blieb stets dem Ziel 
des Marsches zugewendet.***). 

Erst nachdem die zweitheilende Hauptstrasse bestimmt 
ist, dreht. sich der F eldmesser auf der Gruma rechts um 
gegen Norden: denn mit dieser Richtung gegen Mitternacht 
anzufangen würde' von übler Vorbedeutung gewesen 
sein ***. Von Süden nach Norden zieht er den zweiten 
Limes, welcher transuersus genannt wird, weil er die zwei- 
theilende rechtwinklig kreutzt ; eardo. weil er der Welt- 
achse entspricht: nam sine dubio caelum vertitur in septen- 
trionali orbe (28, 17 , 153, 14. 15), sextaneus limes, weil er nach 
dem Schatten der Mittagsstunde, der sechsten des Tages ge- 
zogen wird (324,12; 248, 15), wie der decumanus mazimus 
nach dem der zwólften (a duodecima parte 318, 2) d. h. gegen 
Westen. Die Richtung wird der Mensor durch dre Sonnen- 
uhr, nöthigenfalls durch seinen eignen Schatten gewahr, wenn 
er sich um Mittag nach Norden umdreht (188, 14 — 189, 15. 
fig. 163. 164) *°°),. Im Lager entspricht ihr die via princi- 
palis zwischen der porta principalis destra und sinistra***). 


283) Veget. 1, 23 poria — praetoria — si iter agitur, illam portam debel 
attendere, ad quam est profecturus exercitus, 

284) Paul. ex Festo v. decimanus appellatur limes, qui fit ab ortu solls 
ad occasum, aller ex transverso currens appellatur. cardo. 

285) Piin, nal. hist. 18, 33 (76) Circumagi deinde melius est, ut umbram 
suam quisque cernat: alioquí poet hominem erit. Seneca, nat. qu. V, 
16, 17. Vitruv. 1.6. $ 6. 7. BóckA. corp. inscr. 6180. 6181. Eine 
andere Art, die Mittagslinie zu finden wird.von Hygin 189, 16 — 191, 11 
gelehrt und durch fig. 165—167 erläutert. Vgl. Mollweide, Erläuterung 
einer in den scriptoribus rei agrariae p. 176. 177 edit. Goesii gegebe- 

- nen Vorschrift, aus drey ungleichen Schattenlüngen die Mittagslinie zu 
finden, in Zach's monatl. Correspondenz XXXVIII (1813) S. 396—423. 

286) Lange ad Hygin. p. 152. 156. 157. 


gromatisehe Institutionen. 345 


Diese Lmie ist die viertheilende. Durch sie entstehen 
räumlich. die vier Quartiere der Stadt, die vier Regionen der 
Feldmark, die vier Theile des Tempels, zeitlich die vier Zei- 
ten’des Tages und Jahrs'*"). . 

In der Landtheilung, wie im Lager ist demnach der 
Decumanus die erste und wichtigste Linie, der Kardo erst 
die zweite. Das Gegentheil folgt weder aus der Benennung 
cardo, via oder porta principalis, noch aus der in die christ- 
liche Kirche übergegangenen Sitte, beim Schlagen des Kreutzes 
a vertice anzufangen. 

II) Die spätere Zeit hielt die Richtung gegen den Auf- 
gang der Sonne für glücklicher, als die gegen den Nieder- 
gang: postea placuit, sagt Hygin 169, 18 omnem religionem 
eo convertere, es qua parte caeli terra inluminatur. 

Dies führte zu einer allgemeinen Umkehr der Stellung. 

Bei den Auspizien schaut der Augur nach Osten *°®), 
die zustimmenden Zeichen (simistima auspicia, quod sinunt 
feri) kommen ihm von der linken Seite, diese ist die nörd- 
liche, welche als domicilium louis gelten musste, weil die 
durch die östliche Himmelspforte eintretende durch die west- 
liche niedergehende Sonne im Norden zu ruhen schien ***), 

Die Tempel wurden so gebaut, dass sie nach Osten, 
die Betenden nach Westen schauen 169, 16. 

Im Lager wurde die porta praetoria, wenn nicht ge- 
gen den Feind, gegen Morgen gerichtet, und die decumana 

287) Censorin. de die nat. c. 24. Macrob. sat. 1, 21. Der durchkreutzte 
Ring fig. 127 an den Tempeln und Kirchen bezeichnet Raum und Zeit. 

288) Liv. I, 18. Dionys. 2, 5. Der König oder Consul, welcher inaugurirt 
wird, sieht nach Süden wie Jupiter, dessen irdischer Vertreter er ist. 

289) Servius ad Aen. 2, 693 sinistras partes septentrionales esse augurum 
disciplina consentit et ideo ex ipsa parle significantiora esse ful- 
mina, quoniam altiora et viciniora domicilio Iovis. Plin. nal. hist, 2, 


55 (54). Anders hei den Griechen ( Cic. de div. 2, 39. 82) und Ger- 
manen (Jac. Grimm, Gesch. der deutscllen Sprache 2 (1848) S. 928.) 


846 /—  RUDORFF 


galt für die Hinterpforte des Lagers, dureh welche Feiglinge 
und Verbrecher zur Hinrichtung abgeführt wurden **^), 


Sogar von dem römischen Bauerhause und den Vieh- 
ställen heisst es bei Vitruv ?*!): agricolae regionum periti 
Non putant aliam regionem caeli boues spectare, nisi or- 
tum soli. 


Dieser günstigern Richtung entsprechend wurde nun 
auch in den Colonieen der zweitheilende . Hauptweg von 
Westen nach’ Osten, der Kreutzweg von Süden ,nach Nor- 
den gekehrt (108,9), wodurch die östliche Hälfte zur antica 
oder citrata, die westliche zur ultrata oder postica **"), die 
nördliche zur _sinistrata, die südliche zur deatrata regio des 
vermessenen Feldes ward (170, 2 fig. 133). 


IIl) Eine Abweichung von diesem im spätern Recht vor- 
herrschenden System" bieten einige süditalische Colomieen 
und Stadigebiete dar. Der Decumanus lief hier von Nor- 
den nach Süden, der Kardo von Westen nach Osten (29, 
3-6; 170, 15: 208,17, 22; 210,1.2. 292, 1—17; 294, 16 — 
295,4). Diese Abweichung beruhte aber auf der Ignoranz 
oder Verkehrtheit der Feldmesser, welche Lünge und Breite 
verwechselten (29,3; 183, 17 — 188, 13), wie sie in.densel- 
ben Colonieen längliche Centurien ausmassen (159, 22—25): 
als ob die zweite Linie, der Kardo, jemals in anderer Rich- 
tung laufen kónnte, als die Weltachse. 


290) ' Veget. 1, 23 porta — praetoria aut orientem spectare debet, aul 
ilium locum qui ad hoslem respicit — decumana — per quam de 
linquentes milites educuntur ad poenam. Liv. 10, 32 ab tergo castrorum 
decumana porta impetus factus. Tac. ann. 1, 66 decumana — aversa 
hosti et fugientibus tutior. Lange ad Hygin. p. 122. 167. 

291) Vitruv. 6, 6 (9). 

292) Festus v. Posticam lineam in agris dividendis Servius Sulpicius 

appellavit. ab exori[ ente sole ad occidentem quae spectat]. 








gromatische Institutionen, 847 


Dass der Kardo als die entscheidende erste Haupt- 
strasse, der Deeumanus erst als die zweite Querstrasse be- 
trachtet worden wäre, wie Servius ***), Isidor (Note 279) und 
manche Neuere annehmen, davon enthalten die Agrimen- 
soren keine sichere Spur. 

Hiernach. muss das System. unter II als die wahre 
gromatische Grundform der Centuriation im Simn der Agri- 
mensoren betrachtet werden. 

Vergleichen wir dieses System mit der Vermessung 
per strigas et scamna, so ergiebt sich ein scharfer Gegen- 
satz. In der Centuriation ist Länge die Entfernung vom 
Meridian nach Osten oder Westen, Breite die Distanz vom 
Aequator gegen Norden oder Süden. In der Strigation da- 
gegen ist Länge die Richtung von Norden gegen Süden, 
in der Seamnation Breite die von Westen nach Osten. Dies 
entspricht ganz dem oben angenommenen Verhältniss von 
Begründung und Zerstörung. Nach der Fulgurallehre, mit 
welcher die alten’ Völkerhirten regierten **) kamen die zer- 
störenden Blitze von Mitternacht oder Abend *°®). 


293) Serv. ad Georg. 1, 126 cum agri colonis dividerentur, fessa duce- 
batur ab oriente in occidentem, quae kardo nuncupabatur et alia 
de septentrione ad meridianum, qui decimanus limes vocabatur et 
alii minores erant in obliquum discreli, qui lineares appellabantur 
et agros per centurias sive per iugera divisos coercebant. Die ganze 
Nachricht ist voll offenbarer Irrthümer. Bei den Auspizien scheinen 
freilich die Regionen nach dem Kardo (a Deorum sede) bestimmt zu 
sein und die östlichen, linken, gelten als die günstigsten: Varro de 
ling. lat. 7, T. Festus v. posticum, sinistrae. Gloss. vet. antica: 
ueonußole; dies hat aber einen religiösen Grund: ein Zeichen aus 
Sonnenaufgang ist günstiger als eins aus Mitternacht. Dieser Rück- 
sicht wurde die Stellung des Augur untergeordnet. — Mit der Ansicht 
der Feldmesser stimmt Piin. nat. hist. 17, 22 (35, 7), nach welchem 
auch der Weinberg durch einen achtzehnfüssigen Decumanus in dem 
zwei Wagen einander ausweichen können, limitirt wird und nur bei 
grósserm Raum auch einen Kardo von gleicher Breite erhält. 

204) Seneca nat. quaest. 2, 42. 

| 295) Plin. nat. hist. 2, 54, 55. 


948 . .,. RUDORFF 


Mit dem Verfall der Auspizien und dem’ Nützlichkeits- 
. princip „nec utilitati praeiudicet forma“ **) verwilderte eben 

sowohl die bürgerliche wie die militeirische Anwendung der 
Limitation. EE 

Unwissende Mensoren nahmen den. scheinbaren Sonnen- 
aufgang zur Norm ihres Desumanus (170, 3—8; 210; 6—18), 
den dann die: naeh der Sonnenuhr um die sechste Tages- 
stunde bestimmte Mittagsline micht rechtwinklig kreulzen 
wollte (182, 8.— 183, 16). . | 

Befand sieh schen eine Niederlassung in der Nähe, so 
liess man, um Verwechselungen vorzubeugen, die Limitation 
der neu anzulegenden ohne Hücksicht auf die Himmels- 
gegenden allemal schräg auf die der benachbarten Colonie 
stossen (170, 9—12, fig. 13b). 

Manche legten die Hauptstrasse blos nach der Länge 
des Ackergebiets an (170, 12—14 .fig. 136). 

- Durch dergleichen Zweckmässigkeitsrücksichten verlor 
sich die alte Ordnung ganz aus dem Bewusstsein, man 
kehrte den Kardo und Decumanus um (Ill), die. Limites 
hiessen nicht mehr nach den Himmelsgegenden cardines und 
decumani, sondern nach ihrer Richtung gegen das Meer oder 
den Apennin oder das cisalpinische, Gallien zu: maritimi 
montani, Gallici und kaum bedurfte es des christlichen Ei- 
fers gegen die pantheistische Verehrung der Kreutzwege 
und Weltgegenden, um die Reste der alten Markscheide- 
kunst bis auf einzelne unzusammenhüngende Spuren auszu- 
tilgen **. Zwar ging die Kreutzesform auch in das christ- 


296) Veget. 3, 8. 

297) Arnob. ade. gent. 4, 5 mundus ipse per se sibi neque dezieras, 
neque laevas, neque superas regiones, neque imas, neque anlicas 
habet, neque posticas — si orientem solem respexero cardo mih 
frigoris et septentrio fil laevus; in quem si ora traduxero eril. sihi 
sinister occasus, qui ab sole posterganeus habebitur — si iecero 





gromatische Institutionen. 349 
liche Ritual ‘und die kirchliche Baukunst über (fig. 127, 229), 
der christliche Autor Dolabella wirft (303, 22 f.) die Frage 
auf: wie nur das Kreulz an (die Heidentempel gekommen 
sei? allein dies beruht auf Einmischung christlicher Erin- 
nerungen in die heidnische Weltanschauung. - 

40. Die wichtigsten Limites sind nicht blos Linien, 
sondern Fahrstrassen zur mnern Verbindung der Colonieeh 
und heissen actfuarii,; wie agere, actus im Gegensatz von 
ire das. Fahren und die Viehtrift bezeichnet. 

Diese Benutzung würde an sich auf die Gemeinde be- 
schränkt sein, welcher der" Weg gehört. Vermöge einer ge- 
setzlichen staatsrechtliehen Servitut waren .die Gemeinde- 
wege jedoch nicht selten dem Staat (populus) geöffnet, wie 
denn die Lex Sempronia, Cornelia, Julia im sämmtlichen 
gracchanischen, sullanischen und: julischen Colonieen die ac- 
tuarii der öffentlichen Benutzung unterwarf. Von dieser 
Staatsservitut, die in den Stadtregistern Italiens bei jeder Ge- 
meinde sorgfältig angemerkt wird, heisst es: ster populo si- 
cut per viam publicam debetur (168, 18), denn eine eigent- 
liche Staatsstrasse war der Weg darum doch noch nicht, es 
wird als eine Eigenheit von Anxur 179, 13 angemerkt, dass der 
Decumanus eine Strecke auf der Appia lief. Die Breite der 
Belastung. richtete sich nach den Bedürfnissen des Staats und 
stieg von 10, 50, 20, 30, 50, 60, 80, 85.bis 100 und 120 Fuss 
(111, 9—15; 231, 9; 232,.1 ; 236, 4), die kleinste Breite reichte 
freilich zu. einer Heerstrasse, die wenigstens 12 Fuss erfor- 
dert (169, 2) nicht aus. Diese offenen Wege wurden dann 


plagam ad occiduam lumina , vocabulum sinistri auster et meridies 
trahet: in quam si me partem necessaria temporis circumegerit ratio, 


ft ut oriens laevus — dicatur; qua ex re polerit — recognosci, . 


neque laeva nalura esse ulla, sed posilionis, temporis et prout nostri 
corporis haduerit ae: eitus rerum ad éireumstanliam collocatus. Quod 
cum ita ee habeat, quanam ratione — sinistrarum partium Bei erunt? 


QDoO E RUDOBFF , 


auch gepflastert und mit. Abzugsgrüben atif beiden Seiten 
versehen (263, 13 — 264, 6). 

Zu Fahr- und Landstrassen wird jedoeh meistens nur 
die Hauptstrasse (decumanus maximus), die Hauptquerstrasse 
(kardo mazimus) und je die fünfte (oder, die Hauptstrassen 
mitgezühlt, die sechste 112, 13—21) ***) parallele Linie (quin- 
darii limites) beider Hauptetrassen hergerichtet. In den 
Augustischen Militaircolonieen (212, 4— 7; 194, 9— 13) und 
wohl schon in der Bantina ***j erhielt die erste 40, die zweite 
20, die guintarii 12. Fuss Breite, damit auch die Nebenwege 
noch als Militairstrassen dienen konnten. 

Die vier zwischen zwei guintarii cardines oder decw 
signi laufenden Limites, sind gewöhnlich blos iinearii, nicht 
lati °°), Linien zur Abtheilung der Ceniurie ohne jegliche 
Breite In Italien waren.sie zwar Wege, aber ohne Staats- 
seryitut und blos für die Bauern zum Abfahren der Aernte 
bestimmt, daher auch nur acht Fuss breit und ohne alle 
Pflasterung, blos .durch Hacken (runconibus, quibus veprete 


298) Savigny, System 4, Beilage XI S. 613. Bei der doppelten Zählungsweise 
kommt jedoch nicht blos die Natur der Ordinalzahlen, sondern zugleich 
der Kampf des älteren Decimal- mit dem spätern Duodezimalsystem in 
Betracht. In den Namen decumanus und quinlarius, in der Vorstel- 
lung, dass jedes Zehnte grösser ist (Paul. ex Festo v. Albesia, v. de 
cumana. Ovid. trist. 1. 2. 49) hat sich ein Rest des erstern erhalten. 


.299) Mommsen, Zeitschr. für gesch. Rechtswiss. 13, 429 (1846) unterital. 
Dialeete 1850, S. 157. Im Lager schied die quintana früher den 
fünften und sechsten Manipel (Polyb. 6, 30) später die sechste und 
siebente Cohorte (Hygin. de mun. castr. 17). Sie lief bloss der via 
principalis (dem Kardo) parallel und erhielt 40 —50 Fuss Breite, weil 
sie zugleich Marktstrasse zu beiden Seiten des Forum vor dem Quästo- 
rium war. Festus v. quintana., Sueton. Nero. 26. Klenze philol. 
Àbh. 141. Lange ad Hygin. 136. 165. 


300) Virgil Aen. 9, 324 lato te limite ducam, 10, 514 1atumque per 
agmen — limitem agit. Vgl. Nota 293. 


gromatischs Institutionen. 351 


perseguimur) von Dornen und Büschen nothdürfüg gesäu- 
bert und: daher subruncioi zubenannt °*'). 

4l. Die Limitation ist Städtegründung und Staatsein- 
theilung: Decumanus und Kardo maximus theilen das Ganze 
in vier Quartiere (tribus, regiones), die Nebenstrassen (guin- 
tarii) zerlegen das Quartier in saltus von 25 Centurien (158, 
20. 21) °°°), die lámites lineares scheiden die Compagnieloose 
(centuriae). . 

In der Matterstadt hatte die Acker- Centurie nach allen 
Nachrichten durchgängig zwei hundert Jugera für die Com- 
pagnie von 'hundert Mann enthalten: die plebejischen Cen- 
turien von funfzig Jugera zu sieben Loosen von sieben Ju- 
gera, die halbe Breite der Raine mit eingerechnet, welche 
Niebuhr (HR. G. 2, 184) annimmt, beruht auf Verwechselung 
der laterculi des Kauflandes und der Loose des eroberten 
ager viritanus '**) mit der Centurie und setzt eme Einrech- 
nung voraus, welche gromatisch nicht wohl möglich ist. 


301). Pallad. I, 43. 3. Isidor. or. 20, 14. In der Litanei beim sacrum 
Cereale wird der Subruncinator angerufen. Serv. ad Georg. I. 21. 


302) Varro (de ra rust..1, 10) nennt schon A Centurien einen saltue: 
quatuor centuriae coniunctae, ut sint. in utramque partem binae, 
"appellantur in agris divisis viritim publice 'saltus. — Die Gránz- 
bezeichnung des seftus dureh Steinhaufen 243, 11. 12 ist jedoch auf 
andere saltus, nämlich auf Waldgüter (211, 4) zu beziehen. 


303) Liv. 4, 48, den Niebuhr anführt, spricht gerade von dem. veirifim 
dividere, dem Gegensatz der gemeinsamen Compagnieloose. Non. 43, 4 
viritim diclum est separatim dc per singulos tíros. M. Tul- 
lius de rep. II. ac primus agros, quos hello Homulus ceperat, divisit 
viritim civibus, Aehnlich mag der deutsche Manntheil 15 (eine Mandel) 
Morgen gewesen sein. — Am wenigsten darf man übrigens bei Jo. Lauren- 
berg gromaticae.libri tres. 1. de iugeratione. 2. de podismo. 3. de 
cenluriglione. Quibus ius terminale et finium regundorum legea ez- 
plicantur Hafn. 1640. 4^ die Aulscblüsse über Jugeration und Cen- 
turiation suchen, welche der Titel erwarten lässt, Das Buch enthält 
eine trockene moderne Geodäsie mit antiken Ueberschriften. 


—u u mm oT ^ 


352 BUDORFF .- . 


-' pem Vorbild der Mutterstadt folgen ihre Abbilder die 
Colonieen. Die lex Caesariana (20A, 15) hat centuriae Cae- 
sarianae. von 200 Jugera (213,6), dasselbe Mass -ist in der 
lez triumviralis für einen Theil Etruriens, Campanien und 
Apulien vorausgesetzt (213, 1 vgl. 214; 4. 10), allein im Nothfall 
‚wurde die Theorie und Geschichte dem Bedürfniss geopfert: die 
Triumviraleenturien in Cremona massen 210, in andern ita- 
lischen Colonieen nur 50 Juchert, (30, 19) also eine: centuria 
actuum, nicht herediorum, während in den Provinzen, z. B. 
in Emerita Centurien .bis 400' Juehert vorkommen (159, 10; 
170, 19. 171,1). ! | 

Die Decurien werden nur auf der "Karte angegeben 
(113, 1—13). Ä 

Dass und warum die Centurien. Quadrate sein müssen 
und sich‘ durch diese Fi igur von den länglichen strigae und 
scamna unterscheiden, ist schon $ 20°-— 22 gesagt worden. 
Ebenso, dass auch gegen diesen Grundsatz Verstösse vorkom- 
men °°*), indem italisches Colonieland strigirt und scamnirt - 
(31, 2; 237, 13; 218, 2. 3), erobertes. Frovinsialland. quadra- 
tisch centuriürt ward. -— 

42. Die Steine und’ deren . Aufschriften, welche 
man an den Winkeln der Centurien (ir capitibus centuriarum) 
anbrachte, waren ursprünglich sehr unvollkommien. ' Kaum 
an den Hauptstrassen hatten die Centurialsteine eine Be- 
zeichnung, die übrigen an den Parallelen ‚waren ohne alle 
Inschrift (muti). 

Die Lex Sempronia, Julia, die Triumvim und Augustus 
machten jedoch den Unternehmern die Durchführung eines 


304) Kein Verstoss ist es wenn auf dem ager »cammafus Centurien von 
'240 Jugern Flächengehalt, 20 Actus Länge, 24 Breite erwähnt werden 
293, 10—17. Dies sind wahre scamna ( oder vielmehr etrigae), die 
nur uneigentlich Centurien heissen. ' 





gromatische Institutionen. 353 


deutlichen Systems der Versteinumg und Bezifferung zur 
Pflicht: die Limitation des Staats sollte an allen vier Ecken 
jeder Centurie durch Steine °°) von tüchtigem Material und 
mit deutlicher Aufschrift ausgedrückt sein; die Gestalt, die 
Länge und Breite des Steins, die Stellung in und über der 
Erde, die Entfernung wurde auf das sorgfältigste vorgeschrie- 
ben und nur die Privatgränzen der Landloose mogten durch 
eichene Pfähle geschieden werden (172, 2. 212, 8 — 14. 242, 
12. 243, 2). 

Diesem Muster folgten die spätern Feldmesser (194, 13) 
wenn nicht der assignirende Imperator andere termini, wie 
die Neroniani, Vespasiani, Traiani lamnici: et quadrati 
(243, 3, andere Aufschriften und Entfernungen vorgeschrie- 
ben hat. 

Zwei Grundsätze wurden jedoch durchgängig festge- 
halten. 1) In jeder Colonie ist nur ein System der Besif- 
ferung anzuwenden; 2) die Versteinung beginnt von dem 
Kreutzpumkt der Hauptstrassen aus. Jede der vier an ihn 
stossenden Centurien erhält also drei Steine in ihren drei an 
die Hauptstrassen  stossenden Winkeln. Diese Steine be- 
kommen Aufschriften mit Angabe des betreffenden Kardo 
und Decumanus, z. B. die Steine am Kreutzpunkt & M DM 
(kardo marimus, decumanus maximus) die folgenden X M DII 
(kardo maximus, decumanus secundus) u s. w. Der vierte 
noch offene Sehlusswinkel (angulus clusaris) erhält einen 
Eckstein mit Angabe der Centurie. Diese wird so bewirkt, 
dass an'der dem Kreutzpunkt abgewandten Seitenfläche des 
Steins (latus elusartum) die Regionen ausgedrückt werden, 
in welcher die Centurie belegen ist. So erhält die erste 
Centurie der regio sinistrata und ultrata die Inschrift SDI 


305) Die in der gracchischen Colonie Carthago erwähnten stipites terminorum 
indices waren blos provisorisch. Oros. V. c. 11. 


Römische Feldmesser Il. 23 


354 RUDORFF 


V K I = sinistra .decumandm primüm ultta kardinem pri- 
mum, in der regio sinistrata und citrata 8 DI K K I = si- 
nistra decumanum primum kitra kardinem primum u. 8. w. 
Die Inschrift wird an der Seite angebracht, weil das freie 
Viertel der Scheitelfläche (portio elusaris) grössere Zahlen 
nicht fassen würde (173, 9; fig. 145), Die Schrift läuft 
nach der Erde zu (deorsum versus). ‚Diese Bezeichnung 
wird durch die ganze: Pertica durchgeführt, so dass eine 
von dem Kreutzpunkt auslaufende Diagonale sämmtliche 
Schlusswinkel der von ibr durchschnittenen Quadrate bis zu 
den Sehlusswinkeln der Regionen schneiden ‚muss ' (194 bis 
.496 fg, 177—182). 

Das angegebene System der Versteinung machte es 
leicht sich auf limitirtem Felde zu orientiren, selbst wenn 
‚die Regionenzeichen 8 D V K.— sinistra, destra, ultra, citra 
an den Steinen fehlten: die wachsende Zahl der Kardines 
‚und Decumani ergab die Region von selbst, wenn z. B. die 
‚Ziffer der Kardines nach Westen, die der Decumani aber 
gegen Norden hin zunimmt, se befindet. man sich auf einer 
Pertica deren Hauptdecumanus von Osten nach Westen und 
deren Haupteardo von Norden nach Süden läuft in der re 
«io dertrata et ultrata u. 8. w. (290, 17. 492, 1 17 vgl. 288, 
6—417. 293, 18- — 295, 4). 

Die Entfernung der Steipe von. einander ?°°) richtet sich 
in. der Regel nach der Grösse. der Centurien, beträgt diese 
300 Jugera, 59 steht alle 2400 Fuss ein Stein (213, 7. 9), 
hält-die Centurie 40 Jugera, so beträgt der- Zwischenraum 
auf dem einen Limes 24, auf dem andern 20 Actus (159, 
9-——20). Bisweilen werden in der Milte dieser Entfernung 


306) Vgl. die sorgfältigen Angaben über die Distanz und das Material der 
Termini im ädber Augusti Caesaris ei Neronis (211—225) und im 
liher Balbi 227, 7; 228, 10. 20. 








gromatische Institutionen. 355 


noch sogenannte medii oder epipedonici termini angebracht, 
so dass alle 1200 Fuss ein Stein steht (213, 9—11). Aus- 
nahmsweise werden 1) nicht die Centurien, sondern nur ihr, 
Maass abgesteckt, so in Beneventum, wo auf den Decu- 
mani 25 Aclus, auf den Kardines 16 Actus Zwischenraum 
zwischen zwei Steinen war, obgleich die Centurien Quadrate 
von 200 Jugera bildeten (159, 22, 210, 1 vgl. 209, 10. 19; 
210, 17—19) 2) Wenn die Feldmark in gerader Linie fort- 
laufende natürliche Gräben, Höhenzügg und Abhánge (ri- 
gores, ripae, rectae serrae 345, 19) darbietet, so entscheiden 
diese (servari dubelur rigor, riparum cursus servatur) und 
die Gränzsteine stehen weitläuftiger (109, 9—22). Ebenso 
bei Gräben (316, 11. 12). Damit der niedere Besitzer dem 
höhern das Land nicht abgrabe, werden sie bei grössern 
Abhüngen am Fusse angebracht (108, 18 — 109,8). 

In den Augustischen Assignationen wurden selbst die 
einzelnen Jucherte und Acius durch Pfähle (pali actuarii) 
vermerkt; eine solche Hervorhebung der Jucherte hiess 
iugeratio, die pali actuarii standen also 120 Fuss ausein- 
ander (192, 9—12 fig. 170. Die auf die Jugera und Actus 
bezüglichen Pfähle wurden mit Nummern versehen. 

Wo der gesetzliche Kiesel- oder Mühlstein mangelte, 
beschränkte man sich nothgedrungen auf die Versteinung der 
quintarji, die CGenturiation wurde dann nur, wie in stein- 
reicherer Gegend die Jugeration, durch eichene Pfähle an- 
gezeigt (112, 9 — 12. 292, 18), 

43. Das limitirte Gebiet heisst von der zehnfüssigen 
Ruthe (decempeda, pertica), der Einheit, deren zwölf auf den 
Längenactus gehn, pertica, im Gegensatz des durch Na- 
tur und Geschichte geschlossenen territorium 26, 6. 160, 
7—11. Ein gemeinsamer Name für beide ist regio, welches 

23 * 


356 RUDORFF 


den Gerichtsbezirk überhaupt bezeichnet (135, 4). Diese Per- 
tica wird vorzugsweise den neuen Ansiedlern überwiesen. 

Die Anweisung heisst vollständig datéo assignatio, 
der letztere Ausdruck scheint, wie die Analogie des Lagers 
beweist, nicht von den Zeichen und Messstangen der Ueber- 
weisenden sondern von den Feldzeichen und Adlern der Ein- 
gewiesenen entlehnt zu sein: nam cum signis et aquila et 
primis. ordinibus ac dribunis deducebantur; (176, I1) *"). 
Der angewiesene Theil des limitirten Landes heisst ager 
divisus et assignatus: Theilung ohne Anweisung kommt 
beim ager redditus veteri possessori und dem ager com- 
mutatus pro suo, Anweisung ohne Theilung bei den Häu- 
sern **) und zugekauften Grundstücken *'") vor, Anweisung 
und Theilung zugleich nur innerhalb der Limitation (154, 
9—12 160, 14—22). 

Die Landempfünger sind 1) vornümlich milites: die 
einzigen: bevorzugten togati, welche neben ihnen Land er- 
halten, pflegen die Freigelassenen (familia) des Imperator 
zu sein (210, 14, 233,7.8. 12; 236, 6) ?!). | 

Die Lex Appuleia, die Leges Juliae Cäsars und Au- 
gusts Provinzialcolonieen waren zwar nach der Absicht und 


307) Cic. agr. 2, 32, 86. Campanae vezxillum coloniae. Appian. B. C. 2, 
133 Und onuelos. — — 

308) Cic. Philipp. V, 7, 20 possessiones notabat et urbanas el rusticas 
VIII, 3. 9. pollicetur primum domos: urbem enim se divisurum con- 
firmat. Tac. ann. XIV. 31. recens. deducti ( Camalodunum) pellebant 
domibus. 

309) Darauf bezieht sich die Assignation in nominibus villarum et posses- 
sorum, die z. B. in Vultumum vorkam (239, 6) vgl. die Formel 160, 
18—20 ILLI AGRVM ILLVM QVI FVIT ILLIVS. Nicht zu ver- 
wechseln mit viritim (in) nominibus (d. h. dem Geschlechte zum 
heredium) assignare, 154, 12. 238. 5. 18. 239, 2. 12: 

310) So erklärt die familia richtig ‚Walter,. Gesch. I. S. 316. Zumpt de 

‚ colon. milit. p. 454 versteht darunter die Sclaven des Imperators: Tac. 
ann. 1.23. L. 17. 28. 31. C. TR. de erog. mil. ann. (7,4) L. 1. C. 








gromatische Institationen. . 357 


den Worten des Gesetzgebers nicht auf Veteranen beschränkt 
wohl aber nahezu im Erfolg ?'‘). Wirkliche Armencolonieen 
stifteten nur Nerva auf erkauften Landgütern der Senatoren, 
und Trajan in dem neu erworbenen durch den Krieg ent- 
völkerten Dacien. 

2) Unter milites sind jedoch, abgesehen von den die 
Gründung des Kaiserreichs begleitenden ausserordentlichen 
Umständen (176,9) °'*) nicht active Legionssoldaten zu 
verstehen, selbst wenn die ganze Legion an einen bestimm- 
ten Ort verlegt wird und diesem den Namen giebt, haben 
sie dort nur ihre Standquartiere, feste Ansiedlung, Gründung 
von Heerd und Familie vertrágt sich nicht mit fortdauernder 
Dienstpflicht, die Haus und Pflug zu verlassen nóthigt. 

Der Anweisung konnte freilich eine promissio agrorum 
vorausgehen und diese mogte allerdings schon während der 
Dienstzeit erfolgen *'*. Die Datio und Acceptio (156, 18) 
selbst aber, die Erfüllung jener Verheissung, geschah in der 
Regel erst nach vollendeter Dienstzeit ?!*). 


Th. de ezcociione et transi. ann. (7, 5) 17 C. Th. de iure fisci (10, 1). 
Allein die Freigelassenen gehóren eben sowohl zur familia (nominis) 
als unter die Getreuen — man denke an Sulla's 10,000 Cornelier — und 
wie hätte man Sclaven, wenn man ihnen auch die Bewachung der Per- 
son und der Festungen anvertraute, Land anweisen können? 

311) Zumpt de colon. mH. p. 225, 278, 293, 345, 361. 

312) Appian. B. C. 2, 133. 

313) So lässt sich erklären, was 176. 13 — 177, 8 von Cásars Veteranen 
erzáhlt wird, wenn auch die hundert Treffen Ausschmückung sein 
mögen, ferner die Frage bei Horat. serm. 2, 6. 55: militibus promissa 
Triquetra praediu an est llula tellure daturus? endlich die Empörung 
der germanischen Legionen unter Tiberius. Tacit. ann. I, 26. 28. 

314) Dies folgt aus den Bezeichnungen milites veterani (Cic. Phil. V, 19. 
13) veteranus victor (161, 1) V. A zx veterano assignatum (Valerius 
Probus 1531 Putsch) wie aus den Beinamen emerita, welchen einige 
Militaircolonieen, nämlich Augusta Emerita (Merida) und Aventicum 
führen. Vgl. Ovid. am. 11, 9, 16 fessus in acceptos miles deducitur 
agros und Lucan. Pharsal. 1, 343. 344: Quae sedes erit. emeritis, 


358 RUDORFF 


Es war zwar schon lange vor Augustus Grundsatz, den 
täglichen.Sold (stipendium, aes militare) in Gelde, den Lohn 
der ganzen tadellosen Dienstzeit (emeritum, praemium) ’'') 
vorzugsweise in Land und nur dann in Gelde zu geben, 
wenn kein Land disponibel war: erat tunc praemium terra 
et pro emerito habebatur (176,8. 9). Allein die Dienstzeit 
und der Pensionsetat wurde erst von ihm durch eine certa 
formula stipendiorum et praemiorum fest bestimmt ?!*). Jene 
betrug in der Linie zwanzig, in der Garde sechszehn, auf 
der Flotte sechsundzwanzig Jahre, die Veteranen waren da- 
her in der Regel zu alt, um den Gewóhnungen des Lagers 
zu entsagen und des bei der Entlassung verliehenen Connu- 
biums froh zu werden. Jene Militaircolonieen, deren Blüte 
Augustus rühmte °'”), waren in Wahrheit nichts als Inva- 
lidenháuser, die wie das .Casilinum moriens, Tibur vacuum, 
Acerrae und Cumae vacuae (219, 12. 13, 223, 3, 224, 3) be- 
weisen °'°), ungeachtet stets erneuerter künstlicher Zuschüsse 


quae rura dabuntur, Quae noster veleranus aret, quae moenia 
fessis? VII, 257. 258.: Haec eadem est, hodie quae pignora quaeque 
penates Reddat et emertto faciat vos Marte colonos. In Cama 
lodunum werden die milites von den deduzirten Veteranen deutlich 
unterschieden (Tacit. ann. 14, 31. 10 foventibus impotentiam vele- 
ranorum militibus similitudine vitae et spe eiusdem licentiae). 
Wenn daher in den Stüdteverzeichnissen milites sine colonis als deduzirt 
(oder gar als deducirend) aufgefübrt werden z. B. 231, 8, 232,17. 
236, 18. 239, 7 so scheint dem Redacteur der Begriff der deductio 
nicht klar geworden zu sein. j 

915) 2368.12. 2.5 $ 7. D. de re milit. 49, 16. 

316) Sueton. Aug. 40 quicquid .— ubique militum essel, ad certam ali- 
pendiorwum praemiorumque formulam adsirinzit, definitis pro gradu 
cuiusque et temporibus mililiae et commodis missionum, ne aul 
aetate aut inopia post missionem sollicitari ad res movas possenl 
(vgl. Dio Cass. 54, 25). 

317) Monum. Ancyranum V. 37. 

318) Plin. nat, hist. 3, 5. 70. Horat. ep. I, 7,45. Virgil. Georg. 2, 222. 
Iuvenal. H1. 2. Die Städte der Volsker und Aequer, die in alter Zeit 





RENI ——— RM ——— ——se— -.— — — — Tun 


M N 


gromatische Institntionen. 350 


einzelner Veteranen nicht vor dem Aussterben geschützt 
werden konnten: veterani Tarentum et Antium | ascripti 
sagt Tacitus *!?) von Nero's Zeit, nou tamen infrequentiae 
locorum suboenere, dilapsis pluribus in provincias, in qui- 
bus stipendia espleverant. Neque coniugiis | suscipiendia 
meque aliendis liberis suoti, orbas sine posteris domos re- 
linquebant. Non enim ut olim. universae legiones **^) 
dedsicebantur cum tribunis et centurionibus et suis cuiusque 
ordinis militibus, ut consensu et caritate ') rem publicam 
efficerent, sed ignoti inier se, diversis manipulis sine rec- 
tore, sine affectibus mutuis, quasi ex alio genere mortalium 
repente in unwin collecti numerus magis quam coloni. 

3) Dieser Bericht ergiebt zugleich, dass die Assignalion 
nicht auf die Gemeinen beschrünkt war: die Heere der Im- 
peratoren bestanden nur dem kleinern Theil nach aus Leu- 
ten, die aus eigenen Mitteln dienen konnten, wie es in den 
wohlhabenden Heeren der Republik vor Marius die Regel 
gewesen war, auch die Hauptleute und Obristen dienten auf 
Ávancement, um des Soldes und Ruheplatzes im Alter wil- 


ungeachtet der ewigen Fehden doch immer Nachwuchs genug hatten, 
waren zu Livius Zeit (VI, 12) Orte, quae nunc, vix seminario exiguo 
militum reliclo, servitia Romana ab soliludine vindicant. 

319) Tac. ann. XIV, 27. 

320) Quartani (Oreliti 3118) legio quarta Sorana (Orelli 3682) Narbo 
Martius decumanorum colonia, — Arelate sextanorum, Beterrae seplu- 
manorum, Arausio secundanorum (Plin. nat. hist. HI, 4, 32. 36. 
Orelli 3682). colonia Bovianum vetus, et allerum cognomine Unde- 
cumanorum. Plin. nat. hist. HI, 12, 107. 

321) Die Veteranen desselben Imperators pflegten in Collegien und Convivien 
die alte Waffenbrüderschaft bis auf den letzten Mann fortzuführen, so 
gab es zu Ostia (Orell. 4109) zu Ateste (Grut. 1005, 5) collegia 
veteranorum Augusti, zu Salona (Murat. 531, 3) ein collegium vetera- 
norum sive Marlensium, eben so in Benevent (Mommsen inscr. Neap. 
1525—1529) und andern Städten. 


^ 


360 RUDORFF 


len und neben den Gemeinen werden daher (tribuni le- 
gienarii als Landempfünger genannt ??*), 

44. Für die Beschaffenheit des Looses galt von 
jeher der Grundsatz: im Verhältniss. zur Bodenflüche reich- 
lich Ackerland zu assigniren: dividi tamem esse ins scribit 
Sulpicius (vgl. Note 292) plebei rura largiter ad aream **) und 
Cicero ***) hóhnt den Rullus, dass er in seinem Gesets von 
einem Ackerboden sprach QVI ARARI AVT COLI POS. 
SIT stall qui aratus aut cultus. sit ?**). 

‚Dieses Princip behielt auch Augustus. in seinen: Militair- 
eolonieen bei, dem müden Krieger sollte nicht die Urbar- 
machung aufgebürdet, es sollte. ihm auch Ruhe, wenn schon 
eine laboriosa requies, gegönnt werden. Darauf bezieht sich 
die alterthümliche Formel QFVA4 F4LX ET ARATER 
IERIT (112,24. 201,8), YBI MILEX (miles vgl. 236, 18 
Orelli 339,1) FALX ET 4RATRVM IERIT (246, 19) *'5, 


322) Lex Antonia: Cic. Philipp. VI, 5. 14. Äugusts und Nero's Assignationen: 
233, 5; 236, 13. Diese Erwähnungen sind jedóch selten, weil 1) unter 
den hóhern Ofßzieren zum Theil wenigstens immer Leute von Geburt 
und Reichthum, — sogenannte (ribunt Ialiclavii und  angusticlarü 
'(Sueton. Aug. c. 38.. Otho c. 10. Domit. c. 10) oder maiores (Veget. 
de re milit. 2, 7) — waren, 2) die Dotationen nicht immer auf ein 
einfaches Landloos beschränkt sind. 

323) Varro de ling. lat. V. 40. Die Erklärung des Servius zu Georg. 2; 
412 (Isidor 369, 11) rura veteres incultos graos dicebant id esl 
silvas et pascua steht völlig isolirt. 

324) Cic. agr. 2, 25. 

325) Staatsgüter wie die Tempelländereien in der Stadt, der Berg Gaurus, 
die Weidenorte bei Minturnä, die via Herculanea, die silva Scania 
(Cic. agr. 1, 1. 11,14. III, 4) galten für untheilbar und wenn Antonius 
das coenum vertheilen wollte, welches der jüngere Livius neben dem 
coelum allein übrig gelassen zu haben sich rühmte (Mor. Ill, 16) 
nämlich die pomptinischen Sümpfe (Dio Cass. 45, 9. Cic. Phil. V.3. 7), 
so dachte er die Bedingung hinzu, wenn die von Cäsar begonnene Aus 
trocknung vollendet wáre. 

326) Orelli 3683: iussu imp. Caesaris qua aratrum. ductum est bit 
eine andere Beziehung. 





gromatische lostitutionen. 361 


deren Interpretatio zu einer Controverse führte. Manche 
nämlich, indem sie ZJERIT als Präteritum nahmen, verlang- 
ten das ganze Loos in urbarem Lande (aeger cultus, cul- 
tura) *). Die Praxis aber verstand brauchbares Land (ager 
utilis) mit Recht, denn der miles soll zugleich colonus, 
(176, 10) sein Loos eine colonia ***) sein, auf den Münzen 
der Colonieen erscheint er mit dem Pflug und den niili- 
tairischen Zeichen. Wer also den gróssern Theil seines 
Looses in Ackerland empfangen hat, muss sich ein Stück 
Wald, wenn auch entfernt gelegen, zu Mastung und Wald- 
weide:als Zugabe gefallen lassen °*). Denn ein Holzantheil 
bildet eine nicht blos nützliche sondern nothwendige Zugabe 
eines Bauerguts !!'), 

Unfruchtbare, sumpfige, steinige Strecken, wurden also 
nicht angewiesen, vielmehr scheinen die Fetzen, Abschnitte, 
Streifen und Bänke (/aciniae, praecisurae, strigae, scamna) **:), 


327) Propert. 4, 1. 130: abstulit excultas pertica (ristis opee und 
Juvenal. 14, 159. 160 si tantum culti solus possederis agri. Quan- 
tum sub Tatio populus Homanus arabat. 

328) L. 27 & 1 D. ad municip. (50, 1) Si quis negotia sua non in colonia 
(auf dem Lande, nicht in der Pflanzstadt) sed in municipio semper 

. agit, in illo vendit, emit, contraMt, in eo foro, balineo, spectaculis 
ulitur: ibi festos dies celebrat: omnibus denique municipii commodis, 
nullis coloniarum fruitur, ibi magis habere domicilium, quam ubi 
colendi causa diversatur. | 

329) Nur darf.abgesehen von besonderen Verhältnissen (163, 15— 19) nicht 
das Ganze oder der gróssere Theil (der dem Ganzen gleich steht) in 

. Waldung oder Weide bestehen (203, 15 — 204, 4; 163, 16; 83,29). 

330) L. 99 $ 4 D. de leg. 3 (32) praedia cum silvis quae ei cedere solent. 
Horat. ep. 1, 14, 1 villice silvarum et mihi me reddentis agelli. 

331) In lacineis adsignatus 229, 20. 231, 2. 234, 13. 20. 22. 237, 13... 
239, 8. in praecisura 232, 18 in praecisuris 230, 11. 238, 14 in 
lacineis et per strigas 230, 6 pro parte in iuyeribus et in lacineis 
234, 4, in praecisuris, in lacineis el per strigas 236, 8. Vgl. Piin. 
nat. hist. 5, c. 9. 43, 148, promon(orium, in quo Megarice oppidum 
fuit. inde Craspediles sinus vocabatur, quoniam id oppidum velut in 
lacinia erat. 


362 RUDORFF 


welche in den Verzeichnissen der Stadigebiete, . Festungen 
und Militeirstrassen mitunter neben den ganzen Centurien 
vorkommen °°*) darauf hin zu deuten, dass man nieht nur 
die Centurien durch limites intereisivi in einzehe Jucherte 
und Fetzen zérschnitt, sondern an verschiedenen Stellen (va- 
reis locis 211, 5. 216, 12) nach Abschätzung .des . Bodens 
(211. 4) die fruchtbarsten Stücke z. B. die Waldgüter in Ca- 
labrien (211, 4. 262. 6) zur Assignation aussuchte °*?). 

Es war entweder Uebertreibung oder ein vereinzelter 
Missbrauch was Percennius bei dem Aufruhr der pannoni- 
schen Legionen unter Tiberius behauptete: si quis tot casus 
vitae superaverit trahi adhuc diversas in terras, ubi per 
nomen agrorum uligines paludum vel inculla montium acci- 
piant ??^). | 

45. Das Maass des Looses hatte sich in der städt- 
schen Zeit nach dem gerade vorhandenen theilbaren Lande 
gerichtet. 

In der Stadt selbst hatten dem Gemeinen (viritim) nur 
herediola von zwei Juchert gegeben werden können, er 
musste sich an die Gemeindeberechtigungen halten, wenn er 
hier nicht von den Mächtigen verdrängt wurde. 

Die glücklichen Fehden, welche die Stadt führte, ge- 
statteten grössere Loose. Nach dem Epoche machenden 
vejentischen Kriege beschloss der Senat: ut agri Veientani 


332) Per centurias et strigas (230, 8) in centuriis et lacineis (230, 21) 
centuriae quadratae in iugera cc et celera in laciniis eunt. praecisa 
post: demortuos milites (299, 11) per centuriae et scamna (231, 10). 

333) 234, 20 in lacineis limitibus intercisivis 237, 13 limitibus inter- 
cisivis el in lacineis. Zu unterscheiden von den limiles intercisivi 
1) zur Zerstörung vorrömischer Landtheilung z. B. 229, 7 $ 22, 2) zur 
Andeutung der Jucherte 235, 16, 3) zur Privatrealtheilung der Land- 
loose 213, 11. 

334) Tac. ann. 1. 17. 


gromatische Institutionen. 33 


septena iugera plebi dividerentur, mee patribus familiae 
tantum sed ut omnium in domo liberorum capitum ratio 
haberetur vellentque in eam spem liberes tollere 5. Nach 
dem Siege über die Sabiner eben so Viel; dem Feldherrn 
M' Curius sollle das Maass verdoppelt werden, er ver- 
schmähte es weil der ein schlechter Bürger sei, dem das 
Loos eines Gemeinen nicht genüge °**). 

Man hat seit Niebuhr die römischen zwei Jucherte häufig 
das patrizische, die sieben das plebejische Loos, die Cen- 
ture von 200 die patrizische, die von 50 Juchert die ple- 
bejische Ackercenturie genannt. Ich kann diese Vorstellung 
nicht für richtig halten. Beide Centurien werden viritim, 
also auch an die. Gemeinen, ausgetheilt, und diese eben bil- 
den die plebes, das Fussvolk im Heer, die Vielheit ohne die 
Einheit ??|. Den Anführern waren grössere Loose zuge- 
dacht, die aber nicht angenommen wurden, weil der Adel 
der die Staatseinheit (populus, universitas) darstellte, sich 
auf dem ager publicus aussehliessend behauptete. Daher 
fragen die Tribunen Sextius und Licinius die Patrizier: 
auderentne postulare, ut cum bina iugera plebi divideren- 

335) Liv. 5. 30. 

330) Plin. nat. hist. 18, 3, 4. Luzuriantis iam rei publicae fuit ista men- 
sura (das Licinische von 500 Jugern). Manii quidem Curüi post 
triumphos immensumque terrarum adiectum imperio nota concio est; 
perniciosum intelligi civem, cui septem iugera non essent satis. haec 
autem mensura plebei post exactos reges adsignata est. Frontin. 
strateg. IV, 3. 12 cum ampliaretur ei modus agri, quem consum- 
sati milites accipiebant, gregalium portione contentus fuit, malum 
civem dicens, cul non esset idem quod ceteris aatis. Colum. de re 
rust. 1, pr. accepla, quae viritim dividebantur captivi agri septem 
iugera. Missverständlich sagt der auct. de etr. ill. 33. Quaterna dena 
agri iugera viritim populo divisit. sibi — totidem,. — dicens neminem 
esse debere, cui non lantum eufficeret. Val. Max. IV. 3. 5 spricht 
von einer Viertelcenturie (50 Jugern). Dem Coriolan war sogar eine 


halbe Centurie und hundert Rinder zugedacht. 
337) Gai. I, 2. Ovid. am. 1. 7. 29. Iuvenal. 8, 47. Pers. 5, 75. 


364 RÜDORFF 


tur, ipsis plus quingenta iugera habere liceret? 5), Der 
Grund der Versehiedenheit der Loose lag also nicht im 
Stande der Empfünger, sondern in dem Maass des theilbaren 
Landes und der Verschiedenheit der Zeiten. 

In den Colonieen der Republik wuchs das. Loos auf 8, 
‘10, 20, 30, 50 Jugera für den Gemeinen, die Ritter erhiel- 
ten bis 40, 60, 70 Jugera***), auch hier richtele sich das 
Maass nach dem vorhandenen Lande **. 

Während der Umsturzperiode kamen völlig regellose Ver- 
schleuderungen vor. Appulejus votirte den Veteranen des 
Marius in Africa 100 Jugera °*). Cäsar, welcher in der Lex 
Campana für arme Familienvüter zu sorgen hatte, konnte 
freilich nur 10 und 12 bewilligen, und war genöthigt, da 
das Land nur für 5000 unter den 20,000, welche das ius 
liberorum hatten, ausreichte, das Uebrige zuzukaufen, frei- 
lich war es das schónste: Besitzthum der Republik was er 
fortgab **'). Die Willkür, mit der Antonius verfuhr hat Ci- 
cero in den Philippiken beleuchtet?**). Aber auch die 
Triumvirn assignirten noch in Volaterrä 25 und 50, 35 und 
60 Juchert Landes (214, 14— 215, 1) und Loose von 60 und 
663 Jugera scheinen als üblich voraus gesetzt (295, 6. 201, 
3— 6). 

Von Augusius wurde das Maass der Loose jedoch 
758, 5 n. Chr. auf den Grundsatz zurückgeführt, dass der 
Prätorianer nach 16 Dienstjahren ein emeritum von 20,000, 


338) Liv. 6, 36. 

339) Lie. 37, 57. 39, 55. 

340) Liv. 35, 0 numerus exiguus pro copía agri. dari potuere tricena 
iugera in pediles, sezaginila in equites — tertia pars agri deua 
est: quo postea ei vellent, novos colonos adscribere possent. 

- 941) Auct. de vir. ill. c. 73. 
342) Cic. agr. HI. 28. 29 ad Att. 2, 16, 1. 
343) Cic. Philipp. 2, 34. 39. 84. 101. Servius ad Virgil. ecl. 9. 36. 


gromatische Institutionen. 365 


der Legionssoldat nach 20 Dienstjahren 12,000 Sesterzen 
bei ehrenvoller Entlassung zu erwarten ?**).habe. Um dies 
durchzuführen stiftete er in dem Militairärar 759, 6 nach Chrr- 
stus einen Schatz es quo praemia darentur militibus qui vi- 
ginti stipendia emeruissent °"°). Aus ihm wurden die Grund- 
stücke gekauft, welche, wie die Beschwerde des Percen- 
nius ergiebt den Veteranen anstatt des baaren emeritum 
noch immer gegeben zu werden pflegten. Caligula setzte 
die Summe zeitweilig auf die Hälfte herunter ***), im Ganzen 
blieb aber der Augustische Etat. Dieser war auf die Si- 
cherung eines anständigen der grundsätzlichen Gleichstellung 
der Veteranen und ihrer Familien mit dem Municipaladel **") 
entsprechenden Auskommens berechnet, nur wegen beson- 
derer Verdienste (0b meritum 235, 19 pro merito 232, 2. 12. 21. 
233, 2; 235,19) wurde wohl etwas mehr gegeben. 

Die Grósse des Looses richtete sich also: 1) nach dem 
militairischen Grade des Veteranen (pro portione officii 176, 
13; secundum gradum militiae 156, 10): der Unteroffizier 
und Offizier erhielt um die Hälfte oder das Doppelte mehr 
als der Gemeine (156, 11—13), wie der Centurio auch dop- 
pelte Löhnung empfing °“); 2) nach dem Werth und der 
Fruchtbarkeit des Landes (pro aestimio ubertatis 169, 10 
222, 13, 224, 12, secundum bonitatem agrorum 156, 15). 

Der Dienst in der Garde und Linie macht keinen wei- 
tern Unterschied, als dass den Prätorianern ihre Landgüter in 
Italien ***), den Legionen die'ihrigen in den Provinzen ange- 


344) Dio Cass. 55, 28. 

345) Monum. Ancyr. HT, 37. 

346) Sueton. Cal. 44. 

347) L. 3 pr. D. de veleran. 49, 18 veteranis et liberis veleranorum idem 
honor habetur qui el decurionibus. 

348) Liv. 40, 34. 

349) z.B. Augusta Prätoria Dio Cass. 53, 25. Strabo 4, 6, 27. Antium Sueton. 
Neron. 9. Vgl. jedocb Note 319. 


366 RUDORFF 


wiesen wurden. Es halte besondere Gründe wenn in Casinum 
(232, 17) milites legionarii, in Puteoli (236, 13) veterani et 
tribuni legionarii, in Aquinum (229, 14) und Ferentinum 
(234,4, wo schon Goesius das sinnlose peremmis limitibus 
der Handschriften mit Recht in peregrinis militibus ver- 
bessert hatte,) auswärlige Colonisten vorkommen. Es ver- 
steht sich dass diese peregrini milites nicht Peregrinen, son- 
dern Linientruppen aus der Provinz sind *®°). Die Legions- 
soldaten in der dritten Periode waren, abgesehen von der 
Reiterei gewöhnlich römische Bürger, dies beweisen die Na-. 
men der Veferanen (201, 3 — 6 und auf den fabulae he- 
nestae missionis). Erst nach Marc Aurel, mit dem der Ver- 
fall der Militaircolonieen beginnt, nahm man in Ermangelung 
der Soldaten welche die Pest und der Marcomannenkrieg 
verschlang, Privaten (z. B. zu Superaequum 229, 2. 3) ja ge- 
fangene Barbaren zu Anbauern der veródeten Stüdte und 
Ländereien, und dadurch erst hörten die Ansiedlungen auf 
„coloniae Romanae et partes ezercitus' zu sein **!). 

46. Bei der Vertheilung des Landes wurde (um Be- 
schwerden Einzelner über: schlechteres Land zuvorzukom- 
men) von jeher die Entscheidung durch Verleosung ange- 


350) Tacit. hist 2, 21. von den Eifersüchteleien der Garden und der Linie: 
utrinque pudor, utrinque gloria et diversae exhortattones, hinc legio- 
num el Germanici *exercilus robur, inde urbanae militiae ei prae- 
toriarum cohortium decus attollentium; illi ut segnem el desidem el 
circo ac theatris corruptum militem, hi peregrinum et externum 
increpabant. Man darf dies nicht auf den Status beziehen. Die Legionen 
waren als. die treuesten Provinzialtruppen zu Hygin's Zeit im Lager die 
Wächter der fremden Hülfsvölker (Hygin. de mun. castr. 2, legiones, 
quoniam sunt militia provinciales fideliasima, ad valium 
tendere debent, ut opus valli. (ueantur ei egercitum gentibus 
imperatum suo numero corporali in muro teueant, dies hätte keinen 
Sinn, wenn sie gleichfalls Peregrinen gewesen wären. Lange ad Hygin. 
p. 111. 

351) Tac. hist. 1, 65. 








gromatische Iaetitutionen. 367 


wendet, schon die Lex Thoria c. 5 kennt sie und Brutus 
schreibt 710 an Cicero *'*) aegualiter aut eorte agros legio- 
nibus assignari puto oportere **), Daher heisst der Antbeil 
jedes Veteranen sors, acceptum, jeder Tbeilnehmer eines ge- 
meinschaftlichen Looses censors, die Gemeinschaft consor- 
tium **5, die Gränzen, welche die Theilnehmer unter sich 
aufrichten consortales lineae (211, 18—20). Man überschlug 
wie viel Consorlen auf eine Centurie kommen würden und 
bildete danach z. B. bei Landloosen von 66*/, Jugera Conter- 
nationen, bei Manntheilen von 20 Jugera Decurien, weil dort 
drei, hier zehn Empfünger auf eine Centurie von 200 Jugera 
gerechnet werden mussten. 

Konnten die Veteranen sich nicht einigen, wer zu einer 
Conternation oder Decurie gehören solle, so wurden die 
Conternationen oder Decurien dadurch gebildet, dass man 
die Namen sämmtlicher Veteranen auf eben so viele Karten 
(sorticulae, pittacia) schrieb, diese in ein Gefäss (urna) that, 
mischte, die Namen herauszog und dergestalt gruppirte, dass 


352) Cic. ad fam. 11, 20. 

353) Cüsars Lex Campania vertheilte zwar das campanische Gemeinland nnd 
den bis dahin unantastbaren stellatischen Weidedistrict extra sortem 
an Bürger, welche drei oder mehr Kinder hätten (Sueton. Caes. 20) 
Dies schliesst aber so wenig unter den Bevorzugten selbst als unter 
den übrigen okne das iss diberorum berufenen Colonisten die Verloo- 
gung aus. 


354) Cic. Varr. 3, 57 ex agris tres fratres. consortes. — 271, 16 miles 
vel consors. In abgeleiteter Bedeutung bezeichnet consortium die 
Gemeinschaft des Grandeigenthums uberhaupt L. 14 C. de contr. emt. 
4, 38, ja die Gemeinschaft eines Prozesses' (in der Rubrik des Justiniani- 
schen Codextitels 3, 40 de consortibus eiusdem litis, während der Theo- 
dosische 2, 5: de domino (so ist für dominio zu lesen) rei quae poscitur 
vél consoriibus ab eo cul denuntiatum fuerit postulandis die Beziehung 
auf die Communion der Grundstücke noch festhált) und die Gemeinschaft 
des Vermögens Fest. sors et patrimonium significat, unde consortes 
dicuntur. Plin. ep. 8, 18 Quintil. declam. 320. 321. 


368 RUDORFF 


in dem über die Ausloosung geführten Register (codez) die 
drei oder zehn ersten auf der ersten Seite (prima tabula, 
cera) als die erste, die folgenden auf der nächsten als die 
zweite Conternation oder Decurie aufgeführt wurden-u. s. f. 

Sind durch Vertrag oder Loos die Conternationen oder 
Decurien festgestellt, so ist weiter die Reihefolge zu ermit- 
teln, in der sie zur Verloosung der Centurien zu lassen sind. 

Auf die sertítio conternationum oder das decurias scri- 
bere folgt also eine zweite Verloosung, um die Ordnung 
‚der Ziehung festzustellen, damit keine Decurie sich darüber 
beschwere, sie hätte bei früherer Ziehung eine bessere Cen- 
" turie erhalten können. Diese zweite Loosung über die Rei- 
henfolge der Ziehung geschieht so, dass aus jeder Conter- 
. nation oder Decurie ein Name, der die andern vertritt, auf 
ein Loos geschrieben, die Loose in eine Urne.gethan, ge- 
schüttelt und die Aufeinanderfolge der gezogenen Decurien 
oder Conternationen in einem darüber geführten Verzeichniss 
vermerkt wird (199, 11 — 200, 14, 113, 1. 2. 10— 18). 

Jetzt erst kann zu der dritten Verloosung, der sor- 
titio centuriarum, geschritten werden: man schrieb die Zah- 
len sämmtlicher Centurien auf eben so viele Loose und that 
diese in die Urne, die zuerst gezogene Centurie gehörte der 
* ersten Decurie oder Conternation u. s. w. 

In dem Protocoll wird sowohl die Zahl der Centurie 
als die Namen der Empfänger und die Grösse ihrer Antheile 
nach folgendem Schema angemerkt (155, 8—13. 200, 14 — 
201,6) tabula prima (des Protocolls über die Verloosung 
der Centurien) D. D. XXXV. V. K. XLVII (d.h. von der 
Centurie rechts vom 35sten Decumanus, jenseits des Kardo 
47 gebühren) Lucio Terentio Luci filio Pollia iugera LXV152 
(66/7), Gaio Numisio Gai filio iugera LXV152, Aulo Nu 
misii filio Stellatina iugera LXV152. 


gromatisehe Institutionen. 369 


Wenn das Maass der acceptae einer Conternation oder 
Decurie in einer Centurie nicht aufging, sendern in meh- 
reren Centurien ausgewiesen werden musste, so war bei dem 
Namen, dessen Antheil in dér Centurie nicht mehr Platz 
hatte, im Protocolle zu vermerken, in welchen andern Cen- 
turien er das Fehlende erhalte, wenn also der Antheil von 
667/, Jugera. in drei verschiedenen Centurien angewiesen 
wurde, so biess es DDI KKI IVGERA VI52 (6%,) DDI 
KKII IVGERA XV; DDII KKII IVGERA XLV. (204, 
7— 13). Die Loose erhielten statt der Nummer der Centurie 
etwa die Aufschrift. SORS PRIMA, D. D. 1 ET II ET III 
ET IIII CITRA CARDINEM ILLYM (113,1— 10). In 
der Wirklichkeit suchte man das überschiessende Stück in 
der fremden Centurie durch die gleichen Steine festzuhalten 
(commalliolare 204, 6 vgl. 53, 24), gleichwohl entstanden leicht 
Irrungen (14, 1—6) wenn man nicht durch. Austauschung 
oder sehr sorgfältige Karten (121, 6— 24) vorbeugte (14, 
40—29). In den Augusüischen Gesetzen war daher die Fest- 
stellung der: Loose durch eichene Pfáhle dem conductor 
operis allgemein zur Pflicht gemacht (172, 67). 

46. Mit der Verloosung. enden die Functionen des Feld- 
messers, wenn ihm nicht noch die Einfü hrung der Ve- 
leranen in ihre Loose commissarisch mit übertragen ist 
(8, 26) *55): denn diese deductio coloniae, deductio intra cen- 
turiationem (117, 24) konnte nur von dem Imperator aus- 
gehen, weil nur ihm sowohl der ductus ezercitus wie der 
Besitz der Staatsländereien zustand, welcher durch die As- 
signalion auf die Veteranen übergehen sollte *55). 


355) Dio Cass, 47, 14 x«l yeovouovs — x«i olxıoras —. 

356) Die Deductionen ohne Befehl (z. B. miles deduxit 236, 18, milites 
legionarii deduxerunt 232, 17, milites deduxerunt sine cólonis 231,8 
a militibus et IIlviris munita 237, 20) beruht auf einer Verwechselung 


Römische Feldmesser 11. 24 








4 


370 


RUDORFF 


Dagegen ist die datio vom Staat an den Einzelnen als 
ein Staalsact zu denken, welcher ohne Zwischenperson un- 
mittelbar durch das Gesetz vor sich geht: die Üebertragung 


durch 


eine Scheinmancipation, welche bei Gelegenheit einer 


alten Landvertheilung in Apulien angeführt wird, war eine 
Anomalie, insofern die Decemvirn L. und A. Hostilius eine 
Staatssache wie ein reines Privatgeschäft zu behandeln für 


gut fanden **"). 
Die Assignation begann auf den vier Seiten der Pertica 


(eirca 


extremitatem), dadurch erhielt man Gränzwächter und 


Flurschützen (velut terminos 51,25) ünd sicherte die Mitte 
vor den Eingriffen der Nachbarn und vertriebenen. Figen- 
thümer (83,30; 201, 9—11).- 

Die angewiesenen Centurien wurden wie die Lager- 
plätze °°®) mit sigzis, nämlich die der Offiziere mit dem verillum, 
die der.Gemeinen mit der-Aasta, dem Zeichen der volks- 
rechtlichen Garantie (signum iusti dominii) bezeichnet. Von 
dieser Bezeichnung scheint die 'Uebergabe assignatio, das 
angewjesene Land ager datus assignatus genannt zu sein: 

47. Durch die Einführung erhielten die Veteranen den 
Besitz, zu. welchem Recht aber hatten sie ihre Grundstücke? 


von deduci mit deducere und die Occupation (233, 1) war eine 
Unregelmässigkeit. . à 


.357) Vitruv.. 1, 4, 12. ‚Item in Apulia oppidum Salpia vetus — ex quo 


358) 


incolae quotonnis aegrotando laborantes aliquando pervenerunt ad 
M. Hostilium (L. et A. Hostil. Liv. 31, 4 Schneid.), ab eoque. publice 
petentes impelraverunt uti his idoneum locum ad moenia transferenda 
conquirerel eligeretque. tunc is — secundum mare mercatus est po4- 
sessionem loco salubri, ab senaluque populoque R. petiit ut liceret 
transferre oppidum, conetituitque moenia et ureas dirisil nummoque 
&esterlio singulis, municipibus mancipio dedit. 

Hygin. de mun. cast. 2 quod fuerit signis, labulino, quod fueril 
fabulino, eril signis. 3. cohors prima cuusa signorum el aquilae — 
duplam pedaturam accipiet. ut pula signis pedes CXX, tabulino 
pedes CCCLX. Vgl. Lange p. 116. 117. 120 





gromatische Institutionen. 371 


Alexander Severus schenkte den Gränzern und ihren 
Führern das eroberte Land ir der Militairgränze: ut eorum 
essent, si heredes eorum militarent, nec unquam ad priva- 
tos perténerent ***); Probus gab den Veteranen die Gränz- 
festungen Isauriens: ut eorum filii ab anno XVIII ad mi- 
litiam mitterentur *'), also mit der Bedingung, dass sie nur 
an dienstthuende Nachkommen übergehen, an Civilpersonen 
aber nicht veráussert werden solllen?*!). Zu eben diesem Recht 
waren die fundi limitrophi in den Magazinorten, die fundi 
castellerum in den Festungen an der Grünze verliehen ?*); 
selbst auf die terrae laeticae der freiwillig in römische 
Dienste übergetretenen barbarischen Völker ist diese Bedingung 
übertragen worden**). Im Innern des Reichs wurden die 
Veteranen zwar ebenfalls zur steuerfreien Cultur verlassener 
Ländereien (agri vacantes) eingeladen und ausgerüstet ***), 
und ihre Sóhne, wenn sie tüchtig waren vorzugsweise zum 
Kriegsdienst einberufen; dies geschah jedoch auf den Grund 
allgemeiner Gesetze, nicht Kraft einer Verbindung der Dienst- 
pflicht mit der Verleihung. 

Es ist oft genug versucht worden, das Recht dieser 
terrae limitaneae et castellorum der vierten Periode an die 
Militaircolonieen der vorchristlichen Imperatorenzeit * anzu- 
knüpfen. Diese Anknüpfung hat beim ersten Anblick etwas ' 
Scheinbares. Eine genauere Zergliederung des Rechtsver- 
hültnisses der Veteranengüter wird jedoch ergeben, dass sie 
gänzlich unzulässig ist. 


359) Lamprid. Alex. c. 57. * 

360) Vopisc. Prob. c. 16. 

361) Gothofr. ad L. 1 C. Th. de terris limitum 7, 15. 

362) Gothofred. ad 1. 1 C. TA. de burgariis 7,14. L. 2. 3. C. de fundis 
limitrophis et terris et paludibus et pascuis et limitaneis vel cas- 
tellorum 11, 59.. 

363) Roth, Gesch. des Benefizialwesens (1850) S. 46 — 50. 

364) L. 3. 8. 11. C. Th. de veteran. 7, 20. 


294* 


372 RUDORFF 


48, ‚Das Recht des Veteranen an seinem Gut ist als 
wahres Eigenthum, nicht als unvollkommenes Nutzungs- 
recht zu denken, dies folgt schon daraus, dass neben der 
assignatio eine datio erwähnt wird, durch welche das Land 
vom Staat auf den Einzelnen. übergeht °*°). 

^Walter ?***) meint: freilich, es habe unter den Militair- 
colonieen auch solche. gegeben, in welchen die Colonen das 
Land blos zur Kultur .erhalten hätten, während das Eigen- 
thum dem Staat geblieben sei, wie z. B. Fundi, von dem 
es im Stüdteregister 234,8 heisst: Fundis, oppidum muro 
ductum. iter. populo non debetur. ager eius iussu Augusti 
veteranis est cultura assignatus: ceterum in eius iure et in 
publicum resedit. Allein abgesehen davon, dass Fundi hier 
als Oppidum, nicht als Colonie erseheint, würde es schwer 
zu sagen sein, welcher Rechtsbegriff durch cultura ausgedrückt 
werden sollte, denn auf Niessbrauch und emphyteutisches Recht 
passt der Name nicht, und die Pacht die allenfalls. cultura 
heissen könnte, entsteht nie durch Assignation. Es kommt 
hinzu, dass cultura überall kein Rechtsverhültniss, sondern 
eine natürliche Bodenbeschaffenheit bezeichnet, indem es so 
viel ist, als ager cultus, ubi falr et aratrum ierit. So heissl 
es 236,14 von Präneste: ager eius a quinque viris pro 
parte in iugeribus est assignatus |ubi] cultura [est]: cete- 
rum in absoluto est relictum circa montes. Sulla assignirte 
also hier nur so weit das Land eulturfähig war, das ber- 
 gige blieb unvermessen. Siculus Flaccus (156, 1—3) be- 
hauptet ganz allgemein: militi veteranogue cultura assig- 

365) Cicero Phil. 2, 39. 101 agrum Campanum, qui, cum de vectigali- 
dus eximebatur, ul militibus darelur, tamen infligi magnum 
rei publicae vulnus pulabamus: hunc compransoribus tuis et collu- 
soribus dividebas, das Gebiet von Capua wurde also in den Census- 


listen unter den pascua gestrichen und dem Tributum unterworfen. 
:-366) Walter, Gesch. des róm. Rechts I. S. 317 Note 18. - 





gromatische Institutionen. 373 


nalur: si quid enim amari et incerti. 80li est id assig- 
nationi non datur. 

49. Von anderer Seite ist wenigstens für die ausser- 
ilalisehen Colonieen die Möglichkeit vollständigen römischen 
Eigenthums bestritten worden. 

Zumpt °°) nämlich behauptet, dass nicht einmal in den 
Provinzialcolonieen mit italischem Recht der Boden der ita- 
lischen Contractsformen, des Rechts des Mancipium, Nexum, 
der zweijährigen Usucapion und Auctoritas fähig gewesen 
sei, indem das iss italicum überhaupt nur zwei Stücke ent- 
halten habe: erstlich die /íbertas, oder italicae res publica 
coloniae, welche jedoch nicht sowohl in der Jurisdiction und 
den Duumvirn, als dem Hecht der Selbstverwaltung be- 
stand; zweitens die immunitas d. h. die Freiheit der 
Bürger von der Kopfsteuer und von der Grundsteuer. 

Die Gründe für diese neue Meinung sind: weil 1) kein 
Jurist sage dass das Nexum ein Stück des sus italicum bilde; 
2) das íus italicum auch bei Stüdlen vorkomme, deren 
Bürger Peregrinen sind, mithin von diesen Erwerbsformen 
keinen Gebrauch machen können. 

In der That beruht die Erwähnung des nerum als 
eines isalici soli proprium ius bei Gaius °’“°) nur auf einer 
Restitution, und blos die Ausschliessung des Nexum am 
provinciale solum ist überliefert. Allein mit jener Restitu- 
lion slimmt ein theilweise schon oben mitgelheiltes Zeugniss 


367) Zumpt de colon. milit. p. 488. Marquardt, Handb. der röm. Alterth. 
IH. (1851) S. 263 macht die richtige Bemerkung, dass die Verleihung 
des ius itolicum' an coloniae liberae und immunes, wie Utica (Lex 
Thoria c. 42) nach Zumpt's Ansicht eben so unerklärlich bleiben 
würde, wie der Name ius Italicum, räumt aber ohne Noth ein, dass 
für das quiritische Eigenthum am Boden der Provinzialcolonieen nur ein 
indirecter Beweis aus dem Namen ius italicum geführt werden könne. 

368) Gai. 2, 27. Vgl. 1,120; 2, $ 14. 21. 35. 





374 RUDORFF 


des Frontin (35, 17) überein, welches mit unzweifelhafter 
Kenntniss des Rechts geschrieben und deshalb von entschei- 
dender Wichtigkeit ist. Nachdem er die Selbständigkeit der 
italischen Stadtgebiete geschildert . hat, heisst es von den 
provinziellen: a£ si. ad provincies respiciamus habent agros 
colonicos eiusdem iuris, habent et colonicos. qui sunt 
immunes, habent et colonicos stipendiarios. habent autem 
provinciae et municipales agros aut civitatium peregrinarum. 

Schon Trekell**?) hatte die Beziehung des Satzes ha- 
bent agros colonicos quidem iuris auf das italische Recht 
erkannt und wollte daher vor. oder hinter iuris das Wort 
italici einschieben. Ich habe in demselben Sinne das hand- 
schriftliche eiusdem, woraus im Arcerianus 3 39 quidem 
geworden ist, wiederhergestellt °”°).. Dies vorausgesetzt ent- 
hält das ius stalicum sowohl in Italien als in den Provin- 
zialcolonieen desselben Rechts .die Möglichkeit des Privat- 
eigenthums und in dieser liegt nach Frontinus zweierlei: 
1) die Freiheit vom stipendium und tributum 2) die Möglich- 
keit des nezum, der mancipatio legitima, der vindicatio ez 
iure quiritium, der possessio ad usucapionem und ad inter- 
dicta ''*). Die Privatpossessionen in den. stipendiarischen 
Provinzialstádten dagegen sind ihm arva publica (4 2 vgl. 
den Scholiasten daselbst 10— 16). Aus diesem Obereigen- 
thum des Staats folgert er die Steuerpflicht und die Unmög- 


369) Trekell, kleine deutsche Aufsätze, von Haubold herausgegeben, 1817, 
No. II. S. 39 —53. 

370) Walters (Gesch. des R. R. I. $. 233, in der zweiten Ausgabe S. 383, 
Note 98) Vorschlag, Aabent agros colonicos quidem immunes, babent 
et colenicos slipendiarios qui sunt in commune, habent enim el 
coloniae stipendiarios, beruht auf einer Aenderung des handschrift- 
lichen. iuris in immunes, welches Wort nie iunes stenographirt wird. 

371) Denn dies Alles wird den stipendiariis abgesptochen (36, 3— 15). Die 
heredilas nennt er nur wohl darum nicht, weil die testamentarische 
schon in dem Nexum enthalten war. 


gromatische- Institutionen. 375 


lichkeit eines quirilischen Privateigenthums, da es .civilrecht- 
lich kein dominium duorum in solidum giebt. Nur eine 
venditio iuris gentium, nur eine vindicatio ex aequo, nur 
analoge controversiae über Besitz und Gränze *'*) sind hier 
möglich (36, 4—15), wie es auch in der Provinz keine res 
sacrae und religiosae, sondern nur solche giebt, welche 
ihnen gleich geachtet werden °”°), 
Diese Ergebnisse. aus Fronünus finden eine vollständige 
Bestätigung in dem Recht der annalis ezceptio contractus 
italici welches Justinian aufhob. Er versteht darunter 
die exceptio legis Furiae und usucapionis, nur nicht des 
Besitzers gegen die Vindication eines dritten (denn gegen 
diese ist nach vollendeter Usucapion nur eine relative Ver- 
neinung denkbar), sondern des Rechtsvorgängers (auctor) und 
semes Bürgen (auctor secundus) gegen die Regressklage 
des Besitzers aus ‚der Nexusobligation *'*. Von der Berech- 
nung dieses annale tempus heisst es nun in L. 1 C. de an- 
nali ezceptiene italici contractus tollenda (7,40): et in 
nos(ris temporibus saepius super huiusmodi calculo a fudi- 
ciis variatum est, unde nec facile suum effectum in litigiis 
ostendere huiusmodi exceptio valuit. Da im Jahre 530 
gewiss keine Appellationen aus dem ostgothischen Italien 
nach Constantinopel gelangten, so konnte Juslinian diese 
Erfahrungen nur aus der östlichen Hauptstadt selbst, in 
welcher italisches Nexus- und Aüctoritütsrecht galt”) und 


372) Gai. 4,139." 

373) Gai. 2, 7. 

374) Rudorff, Zeitschrift für gesch. Rechtwiss. XIV. S. 435 — 442 und 
Anm. zu Puchta, Cursus der lust. II. $ 240. i. 

375) Sozomeni hist. eccl. 7, 9 rà avußoiAcın xar& a vopiua Oy Ev 
Trai "Poucuoy éxofreto. L. un. C. Th. de iure italico urbis 
Constantinop. 14, 13. L. un. C. de priv. urb. Const. 11, 21. 


376 RUDORFF 


aus den oströmischen -Provinzialcolonieen mit italischem Recht 
geschöpft haben. | 

Das zweite Argument Zumpt's: dass auch Peregrinen- 
städte wie Acci und Libisosa in Spanien 7) und einige li- 
burnische °””) italisches Recht hatten, deren Bewohnern doch 
wegen ihrer Peregrinität mit. quiritischem Grundeigenthum 
nicht gedient gewesen wäre, setzt voraus, dass das italische 
‘Recht den Uebergang der Grundstücke ‘an peregrinische 
Käufer fördern ‚sollte. Die. römische Politik gieng aber um- 
gekehrt dahin den peregrinischen Grundbesitz in Römische 
Hände zu bringen und das italische Recht in den Provinzen 
hatte den Sinn den Römern auch. ausser Italien römischen - 
Grundbesitz möglich zu machen. 

. Ein entscheidendes Argument gegen Zumpt giebt e eine 
von ihm selbst angeführte Thatsache: Die ältesten ein- 
zelnen Provinzialcolonieen mit italischem Recht waren .die 
Cäsarischen coloniae transmarinae, in welche Augustus wirk- 
liche [taler, 'vertriebene veteres possessores verpflanzte °”°). 
Für das Recht; welches diese in der Heimath: besessen. hat- 
ten ‘wäre die blosse Provinzialpossessio kein zulänglicher 
Ersatz gewesen. Die Römer gewährten den zu verpflan- 
zenden Völkern eher günstigere Bedingungen, die - Latiner, 


370) Plin. nat. hist. 111, 3, 25 ex colonia Accitana Gemellenses et Libisosona 
' cognomine Foroaugustana, quibus duabus ius Italiae datum. 

377) Plin. nat. hist. HI, 21, 139 ius Italicum habent eo conventu Alutae, 
Flanates — Lopsi, Varvarini, immunesque Aesestates et ex insulis 
Fertinates, Curictae. - 

378) Mit Unrecht ist von Zumpt p: 489 und Marquardt, Handb. der rüm. 
Alterth. III (1851) S. 264 die künstliche Erweiterung des ius Italicum 
überhaupt an diese geschichtliche Thatsache angeknüpft worden. Denn 
schon die Auflösung der Provinzialverfassung im cisalpinischen Gallien 711 
oder 712 war nichts als eine Verleihung des italischen Rechts an 
eme ganze Provinz: Dio Cass. 48, 12 & róy rác Iraliag — vouov 
locy£yocno. ) 


gromatische Institutionen. | 377 


welche man aus der unbequemen Nachbarschaft entfernte, 
um Latium bis an die Alpengränze vorzuschieben, waren in 
der Heimath seit dem grossen latinischen Kriege peregri- 
serum numero gewesen, im cisalpinischen Gallien erhielten 
sie als Preis ihrer Deportation das Commercium mit Rom, 
vielleicht sogar die Capacitát der reichen römischen Testa- 
mentserbschaften ?”°). Es ist nicht wahrscheinlich, dass man 
bei der künstlichen Erweiterung Italiens anders verfahren 
wäre, vielmehr deutet der Name ius italicum auf eine völ- 
lige Gleichstellung mit Italien hin. | 

Das italische Eigenthumsrecht darf also den Provinzial- 
colonieen mit italischem Recht nicht abgesprochen werden. 

Zumpt mögte auch noch in der Grundsteuerfreiheit 
einen Unterschied zwischen bedingter und unbedingter .Re- 
mission annehmen. Jene. wäre nach ihm eingetreten wenn 
die Colonen (z. B. Agrippinenses) diese wenn die Colonie 
selbst (z. B. colonia Agrippina) genannt ist, dort seien nur 
die Colonisten, hier der Boden selbst also jeder Besitzer 
steuerfrei. Er beruft sich auf L. 8 $3 D. de cens. 50,15 Lao- 
dicea in Syria et Berytus in Phoenice iuris italici sunt et 
solum eorum. Aber hier waren ja die Städte genannt, nicht 
die Bewohner, nach Zumpt's Ansicht hátte es also des Zu- 
satzes ‚ei solum eorum nicht bedurft. Offenbar macht Pau- 
lus den Zusatz nur, weil die vorher als immunes angeführ- 
ten coloni Pacenses u. s. w. blos von der Kopfsteuer frei waren. 
Das wahre Element in Zumpt's Ansicht scheint zu sein, dass 
bei der Interpretation der Immunitäten zwischen coloni und 
colonia in der Art unterschieden wurde, dass wenn ein Ju- 
rist interpretirte, die Immunität der Colonen auf die Kopf- 
steuer beschränkt wird, während der Princeps, wie das an- 


379) Gai. 1. 79. Ulp. 19, 4. — Puchta, Cursus der Inst. I. S. 238 m. hat 
diese Verhältnisse nicht richtig angesehen. 


348 RUDORFF 


geführte Beispiel von Cásarea zeigt in seiner authentischen 
Interpretation ari diese Schranken nicht gebunden war. Diese 
Unterscheidung beschránkt sich überdiess auf die Verleihung 
blosser Immunitäten. ‚Ist das ius italicum verliehen, gleich- 
viel ob an die Colenisten oder die Colonie, so ist der Bo- 
den als. solcher immer steuerfrei und eigenthumsfähig da 
beides im italischen Recht schon von selbst enthalten isl 
(Ulpian. 19,1). Und das eben bedeutete der Zusatz et so- 
lum eorum. . . | 

90. Die Lex Thoria (643) stellt in Italien vier Klassen 
von: Lándereien auf: 1) ager optimo lege privatus, dahin gehört 
das gegen gleiches Privatland eingetauschte Staatsland (c. 12). 
2) ager privatus ohne jenen Beisatz, dies werden die Sem: 
pronischen Assignationen, die alten Occupationen vor 621 
bis zum licinischen Maass und die neuen bis zu 30 Morgen. 
3) ager privatus vectigalisque d. h. Privatpossessionen mit 
Grundzehnten: dahin gehört z.B. der ager im trientabulis 
(c.16), die Domainen im Genuss der Gemeinden (c. 16) 
" und der Wegebaupflichtigen (c.2). 4) ager publicus: ent- 
weder a) zur Hut. und Weide aber nicht mehr zur Occupation 
(ager compascuus c. 10) oder b) zu unmittelbaren Staals- 
zwecken (ager exceptus, c. 1), worunter das Gesetz das lange 
geschonte campanische und stellatische Feld versteht ***). 

Zu welcher dieser Klassen gehórten die Loose in den 
italischen Militaircolonieen? Man könnte glauben in die erste, 
denn die Lex Servilia des Rullus hatte im vierzigsten 
Kapitel (freilich weit über Sulla's eigene Forderung hinaus- 
gehend) bestimmt: Quae post Marium et Carbonem cos. 
(670 Anfang von Sulla's Dictatur) agri, aedificia, lacus, stagna, 
loca, possessiones, publice data, assignata, vendita, concessa 


380) Rudorff, Ackergesetz des Sp. Thorius (1839) S. 52— 84. Zump! 
p. 210—217. Mommsen, Verh. der sáchs. Geselisch. 1850. S. 91— 9. 


- "- - mA Ep oM, 


gromatische Institutionen. 379 


possessa sunt, ea omnia eo iure eint ul quae optimo iure 
privata sunt. 

Dies ist jedoch nur mit einer Einschränkung wahr. 

Es ist hier nämlich nicht von dem optimum ius fundi 
privati, der Befreiung von Servituten, Pfandrechten, Ab- 
gaben, die Rede **!), worauf Cicero das vierzigste Kapitel 
zu beziehen für gut fand?*?*, sondern von fundi optimo 
iure privati, der Befreiung von allen Ansprüchen des 
Staats °®°). Diese Freiheit aber konnte bei Landschenkungen 
nicht ohne Weiteres behauptet werden, denn eine neue lex 
agraria, welche Gemeinland für Privatland erklürt hat, kann 
in Kurzem von der Gegenpartei umgestossen werden, die sie 
für eine vitiosa, inutilis, per vim lata und wie die Prädicate 
alle heissen mögen zu erklären nieht ermangeln wird ?*4). 
Dies ändert sich erst, wenn das Bewusstsein einer zweiten 
und dritten Generation, den zweifelhaften ungesetzlichen Zu- 
stand befestigi hat. Darauf beruht der gesetzliche Vorzug 
der praedia paterna oder patrita et avita vor dem neu- 
ereirten Privatland in der Lex Thoria c. 12. Es ist nicht der 
Rechtstitel (Erbschaft oder Kauf) der sie unterscheidet, son- 
dern der in publizistischen Verháltnissen unentbehrliche Ein- 
fluss der unvordenklichen Zeit und die praktische Bedeutung 
dieses Unterschiedes besteht darin, dass der Staat, wenn der 
Besitzstand zwei Generationen hindurch gewährt hat, das 
Grundstück oder dessen Surrogat (das dafür ertauschte Ge- 
meinland) als Pfand (pro praede) annimmt. Nach dieser An- 


381) L. 48. 75. D. de erict. 22,1. L. 59 D. de contr. emt. 18. L. 90. 
126. 196. D. de V. S. 50, 16. 

382) Cic de leg. agr. II. 7. 8. 111.1. 

383) Cic. de harusp. resp. c. T. 

384) Cic. Philipp. 6, 5. 14 tróstet die abziehenden Colonen nach Rescission 
der Lex Antonia des L. Antonius: possessores animo aequiore decedent, 
nullam impensam fecerant, nondem instruxerant, partim quia non con- 
fdebant, partim quia non kabebant. 


380 RUDORFF 


sicht verwandelt sich also alles assignirte Privatland in Italien 
mit der Zeit in ager optimo iure privatus, und diese Eigen- 
schaft ist demnach auch den Veteranengütern nicht abzu- 
sprechen, sobald sie in das Eigenthum der folgenden Genera- 
tion übergegangen sind. 

In der Kaiserzeit, als geordnete Zustände: wiedergekehrt 
waren, wird der Staat die von ihm- assignirten Güter schon 
in der ersten Generation als Pfand angenommen haben. 

51, Die gesetzliche Erbfolge in den Veteranenloosen war 
die auch im alten Rom gewöhnliche agnatische und gentili- 
cische: dies beweisen die Gentilnamen der Fundi (z. B. fandu: 
Cornelianus) im Gegensatz der persönlichen Namen der 
casae (z. B. casa Gittii) auf den Alimentartafeln *95). Durch 
dieses auf die Potestas und das Nomen gegründete Erbrecht 
sind jedoch nur die Cognaten ausgeschlossen, die Dienst- 
unfähigen innerhalb der Gens erben mit und sind nur durch 
die Tutel und Cura der männlichen Agnaten und. Gentilen 
beschränkt. Wenn also Octavian im Triumvirat die väter- 
lichen Veteranencolonieen bereist und ihre iuniores zum 
Kriegsdienst aufbietel ***), so beruht. dieses keineswegs’ auf 
einem rechtlichen Vorbehalt der Lehensfolge und einer Be- 
schrünkung der Succession auf die dienstfähigen Söhne für 
die einzelnen Loose, sondern auf dem Patronat und der Be- 
dingung der Truppenstellung (milites dare) für die Colonie 
im Ganzen, welche mit Ausnahme der Küstencolonieen °°”) in 
Italien von Alters herkómmlich war (Note 203—208). 


385) Henzen tab. alim. Baebianorum 1845. p. 97, 15. Erst auf der Tafel 
von Volceii (323 n. Ch.) kommen kasae Oppianae Postumiae u. S. v. 
vor. Mommsen inscr. Neap. 216. 

386) Appian. B. C. 3, 12. 31. 40. 42. Cic. ad Att. 16, 8, 1] rühmt die 
mirifica andyınoıs et cohortatio des jungen Octavian. 

387) Liv. 27, 38 colonos etiam maritimos, qui sacrosanctam vacalionem 
dicebantur habere, dare milites cogebant. — nullius, cum in lulia 
hoslis esset, praeler Antiatem Osliensemque vacatio obsercala est el 


gromatische Institutionen. 381 


Der gesetzlichen Erbfolge des Geschlechts konnte jedoch 
der Veteran durch testamentarische Bestimmungen ein Ende 
machen; die Berücksichtigung invidueller Würdigkeit sicherte 
ihr auch im unbeweglichen Erbgut von jeher den entschie- 
densten Vorzug vor der nur auf die allgemeine Geschlechts- 
veiterschaft gegründeten Intestaterbfolge. Nichts kann daher 
unrómischer sein, als Niebuhr's Annahme geschlossener Hufen 
mit unveränderlichen Gränzen ?*),. welcher eben sowohl die 
bis in's Kleinste gehende Unzialtheilung ***) als die ge- 
wóhnliche divisio parentum inter liberos durch termini com- 
portionales (40, 5—12. 211, 18—20. 213, 10—13, 347,21 
bis 23) entgegensteht. 

Erblose Güter, welche bei der Abneigung der Veteranen 
gegen die Ehe häufig vorkommen mussten, fielen an den 
Princeps zurück, der sie von Neuem auslieh (162, 12). Die 
Erwerbung von Privatgrundstücken durch die Colonie, welche 
häufig erwähnt wird °°°), erklärt sich eher aus einer Ver- 
leihung der vaeuae centuriae (163, 6) als aus einem Privi- 
legium der Stadt auf die bona vacantia, welches nur wenigen 
Städten ertheilt war **!). 

52. Die freie Veräusserung der Stammgüter war in 


den ältesten stationären Zuständen der Mutterstadt gewohn- 
e 
earum coloniarum iuniores iureiurando adacli supra dies triginta 
non pernoclaluros se esse extra moenia coloniae suae. — 

388) Niebuhr, R. G. 2, 708—710. Dass der Fundus des Dichters Attius in 
Pisaurum noch zu Hieronymus Zeit ( Chron. n. 1877) seinen Namen 
führte, erklärt sich aus der Einrichtung der Kataster, in denen Auch 
bei Verkäufen der ursprüngliche Name absichtlich beibehalten und nur 
wie beim Ausscheiden der Person aus der Gens (Dio Cass. 46, 47) durch 
die Endung anus "verlängert wird. 

389) Cic. Caec. 5, 15. 6. 17. ad fam. 13, 50. Savigny, verm. Schriften I, 5. 

390) loca hereditaria accepit populus 226, 2. 259, 10. fundus Seplicianus 
coloniae Augustae Concordiae 54, 20.: centuria populiana Cic. pro 
Tull. 16. 

391) Pin. 10, ep. 87. 88. 


382 RUDORFF , 


heitsrechtlich beschränkt gewesen ?**). Diese Beschränkungen 
verloren sich mit dem wachsenden Verkehr von selbst und 
schon in der zweiten Periode gehörte das vendere licere so 
gui zu den' Rechten des Privateigenthums, wie das heredem 
sequi. Der Umschlag des ülteren Rechts in das neue triti 
auch in unseren Rechtsquellen auf eine interessante Weise 
zu Tage. Im alten ius civile, iin Sabinus- und Edictssystem 
und daher noch in den Pandekten und dem Codex stehen 
die Rechtserwerbungen per universitatem dem Erwerb im 
Einzelnen, die erbrechtlichen Rechtsmittel den Klagen und 
Interdicten wegen einzelner Güter noch durchweg voran **)). 
Das Senatusconsult über Genua dagegen erwühnt das ven- 
dere licere schon vor dem heredem sequi und Gaius (2, 97) 
trägt die -Veräusserung vor der Erbfolge vor.: 


Diesem Zuge des Rechts folgten die Colonieen. In der 
alten Bürgercolonie Minturnä, so weit sie nicht von Augustus 
neu assignirt war, besassen die Nachkommen der Colonisten 
ihr Land in Folge willkürlichen Austausches more arcifinio 
(178, 9). 

Die Lex Sempronia verbot zwar die Veräusserung der 
Loose, um den Aufkauf durch die Reichen zu hindern, von 
Neuem, allen die Lex Octavia hob dies Verbot wieder 


392) Paul. sent. III. Aa. 7. Moribus per praetorem bonis interdicitur hoc 
modo: Quando (ua bona paterna avitaque nequitia (ua disperdis 
liberosque tuos ad egestatem perducis, ob eam rem tibi ea re com- 
mercioque interdico. Ulp. 12. 3. Val. Maz. 3, 5. 2. dolenter — fere- 
bant, pecuniam, quae Fabiae gentis splendori servire debebat, flagiliis 
disiici. 

393) Lex Thoria (643) c. q. lin. 23 testamento, hereditate deditionere. 
SC. de Asclepiade Clasomenio (676) V. 17. 18. Varro de re rust. 
2, 10 si hereditatem iustam adiit, si — mancipio — accepit. Cic. 
de harusp. resp. c. 7 iure hereditario, iure auctoritatis, iure mancipl, 
iure nexi. ) 


gromatiscbe Institutionen. 383 


auf **4 und die Lex Thoria (c. 5) setzt die Veräusserlichkeit 
als bekanntes Recht voraus. 

Für die Militaircolonieen wurden abermalige Verbote er- 
lassen um dem Staat den Heimfall zu sichern, wenn die 
Veteranen ohne Testament und Kinder stürben. Die Lex 
Cornelia und Servilia untersagle den Verkauf unbedingt, 
man kehrte sich aber nicht daran: coement praeterea, wirft 
Cicero ?°°) der Lex Servilia vor, ista dena iugera continua- 
bunt. nam si dicent per legem id non licere, ne per Cor- 
neliam quidem licet. at videmus, ut longinqua mittamus, 
agrum Praenestinum a paucis possideri. Die Lex Julia be- 
schránkte das Verbot auf zwanzig Jahre, die voraussichtliche 
Dauer des Besitzes der ersten Generation, Brutus und Cas- 
sius gestalleten nach Cäsars Tode, um die Veteranen Cüsar's 
zu gewinnen, die freie Verüusserung ***). 

Seitdem kommt von einem Veräusserungsverbote keine 
Spur mehr vor: Nero's Veteranen durften in Antium und 
Tarent ihre Güter verkaufen und sich in die Provinzen zer- 
streuen **"), die Vespasianischen vertauschten die ihrigen in 
Samnium mit solcher Freiheit, dass die ursprüngliche Assigna- 
tion schon in der ersten Generation unkenntlich wurde (131, 
16) und die Agrimensoren machen daher in Rücksicht der . 
Privatgränzen zwischen assignirten und quästorischen oder 
arcifinischen Territorien keinen Unterschied (151, 19. 161, Hl 
bis 162, 2). 

Aus allem diesen geht die Verschiedenheit der Veteranen- 
loose von den lehnrechtlichen terrae limitaneae in der africa- 
nischen Militairgránze so unzweifelhaft hervor, dass von einer 


394) Appian. B. C. I. 27. 

395) Cic. de lege agr. 2, 28. 78. 
396) Appian. B. C. 3, 2. 

397) Tac. ann. 14, 27. 


384 RUDORFF 


Verleihung, zumal einem blossen Commodatum ***) an die 
Empfänger in keiner Weise die Rede sein kann. 

53. :Die grosse Frage der Zeit war die Entschädigung 
der veteres possessores, d. h. des einst unerschöpflichen itali- 
schen Bauernstandes ***), 

Sulla, welcher die Gegenpartei nach Kriegsreeht behan- 
delte, kümmerte sich um diese Frage gar nicht *'") Die 
Folge waren Erscheinungen, wie die catilinarische Verschwö- 
rung, die aus der Verzweiflung der Beraubten besonders in 
Etrurien ihre Kräfte: zog. | 

Vielleicht _hätte die bekannte Lex Servilia die Ent- 
schädigungsfrage gelöst und den Kampf, welcher bis in 
die kleinsten Orte herab .die Gesellschaft zerriss auf dem 
von Appuleius erfundenen ^!) Auswege der emptio agro- 
rum beschwichtigt *°). Sie wurde jedoch hintertrieben und 
die Lex Flavia trat in ihre Stelle. Diese wusste indess eben- 


398) So bezeichnet das Verháltniss Zumpt de colon. mil. p. 209. 248, ob- 
gleich er im Allgemeinen die richtige Ansicht hat. 

399) Liv. 6, 12 (370) simile veri est — innumerabNem multitudine 
liberorum capitum in eis fuisse locis, quae nunc vix seminario exiguo 
militum relicto, servitia Romana ab solitudine vindicant. 7, 25 (406) 
non urbana tantu, eed eliam agresti iuventute decem legiones — 
scriplae, quem. nunc novum exercitum — vires populi Homani — 

. haud facile efficiant: adeo in quae laboramus sola crevimus, divitias 
luxuriamque. Plin. nat. hist. 3, 24 haec Italia, quae — nuntiato 
Gallico tumulto (529) sola sine externis ullis auxiliis atque eliam 
tunc sine Iranspadanis equitum LXXX M peditum DCC M armavit. 

400) Sallust. hist. 1. sociorum et Latii magna. vis civitate pro mullis el 
egregiis factis a vobis data per unum prohibentur. et plebis innoziae 
patrias sedes occupavere pauci satellites, mercedem scelerum (aus 

. der Rede des Lepidus). 

401) Auct. de viris ill. c. 73. Rudorff, Ackergesetz des Sp. Thorius S. 40. 

) Note 30. . 

402) Servilius wollte Privatländereien ankaufen und diese unter die Beraub- 
ten vertheilen lassen, Cic. agr. 11. 25, 65; das Geld sollte theils durch 
Verkauf, theils durch stärkere Belastung der noch vorhandenen Domänen 
aufgebracht werden (I, 2, 4. II, 18, 48. 11. 22). 


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gromatische Institutionen. 385 
falls keinen andern Ausweg, als den Vorschlag: ut ager ad- 
ventitia pecunia emeretur, quae ex novis vectigalibus per 
quinquennium reciperetur ^). Eben dies gilt von der Lex 
Julia, die nur das Anstössige der Lex Servilia, die Willkür 
der Theilungscommission, vor der selbst die Imperatoren ihre 
Beute angeben sollten ***), beseitigte. So wurden die Be- 
sitzer des Gemeinlandes um Capua durch Kaufäcker oder 
Geldentschádigungen abgefunden *'*), 

Die acta Caesaris, unter ihnen die /eges luliae seines 
Consulats *°°), wurden nach seinem Tode nicht rescindirt, der 
Senat beschloss auf Ciceros Antrieb uti C. Pansa A. Hir- 
tius consules — cognoscerent, qui ager iis coloniis esset, 
quo milites veterani deducti essent, qui contra legem Iuliam 
possideretur, ut is militibus veteranis (des Octavian) divi- 
deretur *°) und da die Lex Antonia des L. Antonius nicht 
rechtsgültig wurde, so bestand die Lex Julia auch im Trium- 
virat fort, das Bündniss der Triumvirn *%) und ihr Edict, die 
lez triumviralis, enthielten lediglich Bestimmungen über die 
Ausführung. Um so auffallender erscheinen die Klagen über 
die Noth dieser Zeit, in denen die Geschichtschreiber, wie die 
Dichter jener Periode einander überbieten *). Der scheinbare 
Widerspruch löst sich jedoch sehr einfach. Den Veteranen 


403) Cic. ad Att. 1.19. 4. 

404) Cic. agr. 2, 22. 59. 

403) Sueton. Caes. 38 assignavit el agros, sed non conlinuos, ne quis 
possessorum ezpelleretur. Appian. B. C. II, 94. 

406) Cic. ad Att. 2, 18, 2. 

407) Cic. Phil. V. 19, 53. 

408) Appian. B. C. 4, 5. 

409) Properz (IV, 1, 129), Tibull (I, 1. 19; IV, 1. 182), Virgil, der mit ge- 
nsuer Noth das Seine rettete (Servius ad Virgil, ecl. 11,1. VI, 6. 
IX, T. X1, 29. Donat. vita Virg. 36), endlich Horaz, der sein väterliches 
Gut verlor (ep. 2, 2. 49) und uns in dem Bilde des Ofellus (serm. 11, 
2, 114) die Zustände jener Tage erhalten hat, 


Römische Feldmesser ]JI. 25 


386 . — 'RÜDORFF 


‚waren vor der Schlacht bei Philippi im Bündnisse der Trium- 
vim achtzehn bestimmte Städte, deren Gebiete als die frucht- 
barsten galten, unter andern Capua, Rhegium, Venusia, Be- 
neventum, Nuceria, Ariminum, Vibo versprochen worden, so 
dass gegen deren Bewohner Zwangsentäusserungen eintreten 
musslen. Octavian, dem das undankbare Geschüft der Assig- 
nation ihrer Aecker an 28 oder gar 34 Legionen zugefallen 
war, sah sich ausser Stande, die Forderungen der von L. An- 
tonius beschützten Expropriirten zu befriedigen *'°) und musste 
sich überdies zu einer Menge Ausnahmen zu Gunsten der 
Güter der Senatoren, der Dotalgrundstücke der Ehefrauen, aller 
kleinen Grundstücke unter dem Maass eines Veteranenlooses 
und aller Besitzungen der Aeltern, Kinder und Cognaten der 
Veteranen herbeilassen. Dadurch wurde die disponible Thei- 
lungsmasse vermindert, die Nachbarstüdte unter leicht zu 
findenden Vorwünden herangezogen und am Ende die Be- 
sitzverhältnisse von ganz Mittelitalien erschüttert *!!). Der 
Sieg Octavian's bei Actium gestatlele zwar eine günstigere 
Behandlung .der alten Besitzer: Pecunia — heisst es im Mo- 
nument von Ancyra Ill, 22 — quam pro agris, quos in con- 
sulatu meo quarto (723) et- postea consulibus M. Crasso et 
Cn. Lentulo Augure (139) assignavi militibus, solvi msuici- 
pis, ea sestertium circiter sexsiens milliens fuit, quam es 
collationibus pro praediis numeravi eL circiter bis snillient 
et sescentiens, quod pro agris provincialibus solvi. Id primus 
et solus omnium, qui dedurerunt colonias militum in Italia 


410) Appian. B. C. 4, 3. 5, 12 — 22, 27. Rhegium und Vibo, welche die 
Colonisation abgekauft haben mogten, wurden von der Liste gestrichen 
ib. A, 86. Diu Cass. 48, 2. Sueton. Octav. 13. Die Zahl der italischen 
Colonieen giebt das Monument von Ancyra (V, 36) auf 28 an (Note 
201. Sueton. Octav. 46. 


411) Appian. V. 13. 14. Dto Ouss. 48, 8. 











gromatische Institutionen. 887 


aut provinciis ad memoriam 'aetatis meae feci **). Allein 
die Beiträge, aus welchen die Municipien entschädigt wur- 
den, hatten die Eigenthümer der verschonten Aecker aufzu- 
bringen, denn die Anleihen aus den Tempelschätzen vom 
Capitol, Antium, Lanuvium, Nemus und Tibur waren eben- 
falls an Soldaten verschleudert. Die Zwangsentäusserungen 
gegen eine ungenügende Entschádigung blieben daher die 
Regel zur Zeit der Agrimensoren (160,25 — 161, 12) und 
der classischen Juristen *'°). 

54. "Von aller Vertheilung ausgeschlossen sind die fundi 
ercepti und concessi. Die Lex Servilia c. 40 erwähnte sie 
in folgender Zusammenstellung: quae — publice data, as- 
signata, vendita, concessa, possessu sunt, ea omnia ee 
iure sint, ut quae optimo iure privata sunt. Cicero nimmt 
nur an dem Wort possessa Anstoss: sunt euim multi agri 
lege Cornelia publicati, nec cuiquam assignati, neque ven- 
diti, qui a paucis hominibus impudentissime possidentur *'*), 
die Bestätigung der concessa lässt er gelten: quae data do 
nata concessa vendita. patior, audio. Es sind nümlich die 


412) Dio 49, 14. Deispiele von Geldentschüdigungen: Plin. nat. hist. 18, 11. 
114 extalque Dici Augusti decretum, quo annua vicena millia Neapolita. 
nis pro eo (colle Leucogaeo) numerari iussit e fisco suo coloniam 
deducens Capuam. Von Landentschädigungen in den Provinzen: Dio 
Cass. 50, 4 (in Buthrotum, Philippi) Vellei. 2,81. Bóckh, corp. inscr. 
n. 2579 (Entschádigung der Campaner durch Land in Creta) vgl. Dio 
49, 14. 

413) L. 15 $ 2 D. de R. V. 6, 1 item si forte ager fuit, qui petitus est et 
militibus adsignatus est, modico honoris gratia possessori dato, an 
hoc restituere debeal? et puto restituendum. Der Besitzer eines Grund- 
stücks ist gegen eine mässige Abfindung expropürt worden, der Kläger 
vindizirt, der Beklagte lässt sich mit ihm ein und der Judex arbitrirt 
auf Restitution. Man könnte 'glauben, er müsse als fictus possessor 
aus der doli clausula auf das Ganze haften, allein er kommt mit Her- 
ausgabe der weit geringern Entschädigung ab, weil die Assignation 
einem Zwangverkauf (L. 15 $1 D. eodem) gleich steht. Tacit. ann. 14, 31. 

414) Cic. agr. 2, 2. 11. 12. 


95* 


988 . + BUDORFF 


Grundstücke gemeint, welche, obwohl in der Feldmark be- 
- legen, nicht zur Vertheilung gekommen sind, weil der lm- 
perator sie sich oder ihrem Eigenthümer vorbehalten hat; 
inscribuntur quaedun EXCEPTA, quae aut sibi reservavit 
auctor divisionis et assignationis aut alii concessit 157, 7.8. 

In den Augustischen Colonieen jedoch hatten die fundi 
escepti und concessi ein verschiedenes Recht. Letztere 
standen unter der Jurisdiction der Colonie, erstere dagegen 
waren eximirt. 

Von den ersteren nämlich sagt Hygin: excepti sunt 
fundi bene meritorum 55, ut in totum privati iuris essent 
nec ullam coloniae munificentiam deberent et essent in solo 
populi Romani (197, 10) d.h. .die fundi excepti sind voll- 
ständig von der Colonie eximirt, leisten ihr keine Dienste 
und stehen unmittelbar unter der Botmässigkeit des Staats. 

Von den concessi dagegen heist es 197, 13: concessi 
sunt fundi ei quihus est indultum cum possidere uni cuique 
plus quam edictum continebat non liceret. quemadmodum 
ergo eorum velerum possessorum relicta portio ad ius co- 
loniae revocatur, sic eorum, quibus plus possidere permissum 
est: omnium enim fundos secundum reditus coemit et mi- 
liti assignavit. inscribemus ergo concessos sic ul in aere 
permaneant. Nur Besitzungen der veteres possessores unter 
dem Betrage eines Veteranenlooses hatte Octavian von der 
Vertheilung von vorn herein eximirt *°), folglich fielen die 
grössern Besitzungen unter die Jurisdiction der Colonie und 
diese wurde auch durch spätere Dispensation einzelner 
grösserer Grundbesilzer nicht wieder aufgehoben *!"). Auf 


415) Valerius Probus p. 1517. Putsch. L. D. A. B. M z locum dedit Aulus 
(Augustus?) bene merenti. L B M D = locum bene merenti dedit. 

416) Dio Cass. 48, 8. 

417) Es wäre denn, dass das Edict die Jurisdiction auf die assignirten 
Veteranengüter beschránkte, wie z. B. das Edict (August's wie es scheint 











gromatische Institutionen. 389 


der Karte wird der Unterschied dadurch bemerklich gemacht, 
dass die fundi excepti von der Cancellation (aes) eximirte 
Enclaven darstellen, während die concessi unter die Assigna- 
tion fallen (Figur 184. 185). 

Die Concession beruhte auf persónlicher Begünstigung, 
nam quorundam dignitas aut gratia aut amicitia victorem 
ducem movit ut eis concederet agros suos (155, 6, 203, 11 
bis 14: C. VF. P. (= concessum veteri possessori) ET REI 
PVBLICAE), wie denn Virgil die Rückgabe der seinigen 
der Gunst des Octavian zu verdanken hatte. Diese Begün- 
stigten wurden notirt und mussten das Maass angeben, un- 
richtige Angaben sollten weder schaden noch nützen, Octa- 
vian's Edicte beslimmten: redditum suum quibus est, uti 
Jinibus antiquis sic teneant, neve si quis minus multa iu- 
gera professus est capiatur, neve si quis multa iugera pro- 
fessus est teneat (246, 11 — 15 vgl. 160,25). In jeder Cen- 
turie wurden nach Angabe ihrer Lage (z. B. D. D.1 V. K. 1) 
und der Assignationen (44DSIGNATVM ILLI TANTVM) 
die. Namen und das Landmaass der alten Besitzer, die das 
Ihrige zurückerhielten, vermerkt; daher die Formel REDDI- 
TVM ILLI TANTVM (155, 14). Fehlte das Maass, so ge- 
bührte ihnen der Ueberschuss innerhalb der Centurie (155, 
25 — 157,3). War Mehreren zurückgegeben, so musste der 
Antheil aus den Professionen ermittelt werden (156, 20— 25). 
Wurden ganze Centurien zurückgegeben, so setzte man hin- 
zu REDDITVM SVVM LATI FVNDI (157,38 — 6). Die 
Note PF. P, R. = veteri possessori redditum bei Valerius 
Probus (p. 1535. 1539 Putsch.), die man irrthümlich auf das 

119, 24) welches Hygin 118, 9 — 120, 6 ausführlich commentirt: 
Quos agros, quae ioca quaeve aedificia intra fines illos et intra 
flumen illud intra viam illam dedero assignavero (durch diese 


Worte wird das reddilum suum ausgeschlossen) in eis agris iuris 
dictio coercitioque esto coloniae illius. 





390 RUDORFF 


prätorische Edict bezogen hat, während sie aus einem agra- 
rischen herrührt, gehórt ohne Zweifel gleichfalls hierher. 

Wenn die Güter des begnadigten frühern Besitzers zer- 
streut lagen, so gab man statt ihrer ein zusammenhängendes 
Besitzihum von gleichem Flüchen- und Bodengehalt, wes- 
halb zu der Profession eine Bonitirung hinzukommen musste 
(155, 19, 20);; dieses Tauschland wurde im Gesetz, wie auf 
Karten und Schlusswinkeln durch COMMPTATVM PRO 
SFO bezeichnet *'5. Ein ähnlicher Austausch konnte unter 
mehrern frühern Besitzern vermittelt werden, um jedem eine 
eontinua possessio zu schaffen, darauf geht die Inschrift 
REDDITFM COMMVTATVM PRO SFO (155, 15—22) 

Durch die Zurückgabe konnte den Veteranen das beste 
Land entgangen sein, dann mussten sie in Gelde entschä- 
digt werden: darauf geht das verdorbene Edictsfragment 
246, 21— 23. | 

55. Die Assignation oder Limitation pflegt Bruchstücke 
von Centurien übrig zu lassen. Ein solcher Abschnitt heissl 
subsecivum oder supceisivum, so benannt jnach den 
Schnitzeln , guae sutor de materia praecidens quasi super- 
uacua abiicit." 

Die subseciva liegen entweder 1) am Rande der Mark, 
wo sie den Raum zwischen der Gränzlinie der äussersten 
Centurie und der arcifinischen Grünze des Territoriums bil- 
den; oder 2) im Innern des limitirien Landes (im mediis et 
éntegris centuriis), sebald eine volle Centurie nicht voll- 
ständig assignirt oder zurückgegeben ist (6, 5, — 7,8. 132,25). 
Die erste Art entsteht durch die unregelmässige Form des 
Territoriums, die zweite durch die Untauglichkeit des Bo- 
dens (132, 25 — 133, 2; 163, 15 fig. 19) oder durch den 
Mangel an Colonisten (124, 19). 

418) Lex Thoria c. 38. j 


gromatische Institutionen. 391 


Eine unbesetzte ganze Centurie ist niemals ein subse- 
civum, sondern eine centuria vacua, wenn sie auch recht- 
lich subsecivi loco ist (163, 6, 12, 13): schon die Lex Thoria 
c. 31 selzt centuria und supcisivum einander entgegen ?'°). 

Wie viel an dem vollen Flüchengehalt einer Centurie 
fehlt, ist im Ganzen gleichgültig, swbseciva sind nach Isidor 
(15, 13) alle -Bruchstücke, quae in divisura agri non effi- 
ciunt centuriam id est iugera ducenta. Nur wo die Limi- 
tation und Versteinung centurienweise verdungen war, pflegte 
dem Unternehmer nach dem rómischen Grundsatze, dass die 
grössere Hälfte dem Ganzen gleich steht, ein subsecivum 
über 100 Jugera für eie volle Centurie, ein subsecivum 
nicht unter 50 Jugera für eine halbe Centurie angerechnet 
und bezahlt zu werden. Diese Klausel enthielt z. B. die 
ler agris limitandis metiundis der Triumvirn für Tuscien, 
Campanien und Apulien 213, 1—3 quod subsicivum amplius 
iugera C erit (also von 101 an) pro cemturia procedito: 
quod subsicivum non minus iugera quinquaginta (also von 
50 an) id pro dimidia centuria procedito (vgl. 110, 23). 
Durch Missverstündniss dieser Stelle ist das subsecivum maius 
und minus (6,20—22) des Scholiasten entstanden. 

Als unverliehenes Land gehören alle subseciva unzweifel- 
haft dem auctor divisienis also in den Militaircolonieen dem 
Princeps. Von diesem wurden jedoch die subsecivg ent- 


419) Varro de re rust. 1. 10 mensores nonnunquam dicunt in subsicivum 
esse unciam agri, aut sextantem aut quid. aliud, cum ad iugerum 
pervenerunt. — Walter, Gesch. des röm. Rechts (1845) I. S. 321. 
Note 49 nimmt auch suóseciva von einer ganzen Centurie und darüber 
an, indem er die beiläuflge Aeusserung Frontin's 20, 3. 4 quotiens 
aliqua pars centuriae sive (ota non est adsignala missversteht. 
Der beste Erklürer dieser Worte ist Frontin selbst in der Hauptstelle 
7,1.2. Dagegen wurden umgekehrt die Schnitzel der Centurien an 
der Grenze, obgleich sie kein Quadrat mehr füllten, uneigentlich noch 
Centurien genannt (30, 21. fig. 11). 


302 RUDORFF 


weder 1) bei einer zweiten Assignation Einzelnen assignirt 
(111, 3— 5, 295, 9—12) oder 2) dem Municipium geschenkt, 
aus dessen Mark die Pertica herausgeschnilten war (concessa 
reipublicae), dann behielt dieses die Jurisdiction über sie 
(117, 24 — 118, 4, 163,5) oder 3) mit demselben Recht der 
Coloniegemeinde verliehen (117, 21) (concessa coloniae), in 
welchen zwei letztern Füllen die Gemeinden sie zu verkau- 
fen oder in Erbpacht zu geben pflegten (152, 20— 27) oder 
4) an die Privaten und die Gemeinden verkauft, oder endlich 
5) dem Staate vorbehalten. 

In dem letzten Falle konnte der Staat sie , jederzeit als 
sein Eigenthum von den Besitzern einziehen, ohne dass diese 
sich ihm gegenüber auf Usucapion berufen konnten, da sie 
keinen Auctor und keine Lex hinter sich haben. 

Vespasian machte dieses Recht zu Gunsten des Fiscus 
mit aller Strenge in Italien geltend **^), eben so Titus. Die 
Besitzungen wurden abgeschätzt und nach diesem Census 
entweder dem Besitzer assignirt (52, 4—10, 211, 6—9) oder 
für Rechnung des Fiscus verkauft (541, 6. 7). 

Domitian schenkte die subseciva den Besitzern zu vol 
lem Eigenthum: subseciva sagt Sueton **'), guae divisis per 
veleranos agris carptim superfuerunt veteribus possessoribus, 
ut usucapta, concessit. Eine Schwierigkeit macht hier 
die Erwähnung der veteres possessores, statt der alten Eigen- 
thümer nämlich nennt Hygin 133, 13 die actuellen Besitzer 
und Hygin hatte das Edict Domitians wörtlich vor Augen. 


420) Den Vanacinern auf Corsica ( Plolem. 3, 2) bestätigte er ihre Conces- 


sionen nur, weil sie sich nicht wohl zurücknehmen liessen. Orelli 4031. 
beneficia (ributa vobis a divo- Augusto post seplimum consulatum, 
quae in tempora Galbae retinwistis confirmo, Sie liessen das Rescript 
in Erz graben und in ibrem Tabularium aufbewahren, aus dem es in 
neuerer Zeit wieder aufgefunden ist. 

421) Sueton. Domit. c. 9. 


gromatische Institutionen. 393 


Mit ihm stimmt der ungenannte Verfasser des Stücks agro- 
rum quae sit inspectio 284, 4: quae cum velut. communis 
iuris aut publici essent, possessionibus vicinis tunc 
Domitianus imperator profudit, ut eis lineis arcifinolem vel 
ocoupatoriam licentiam tribueret und auch Frontin drückt 
sich 54, 11 so aus, dass unmöglich die alten Eigenthümer 
gemeint sein können: praestantissimus postea Domitianus «d 
hoc beneficium procurrit et uno edicto totius Italiae metum 
liberavit. Die Schwierigkeit löst sich durch die Vetustas 
(S. 314): es handelte sich nicht um Entschädigung derer, die 
einst gelitten haben mogten, sondern-um Aufrechthaltung 
(confirmatio) ***) des jetzigen aber seit undenklicher Zeit bc- 
standenen Besitzstandes: veteres poseessores sind also hier 
nicht die alten Eigenthümer sondern die unvordenklichen Be- 
siizer. Die Worte u£ usucapta concessit sind in keinem Fall 
so zu nehmen, als hälle Domitian die Usucapion anerkannt, 
sie bedeuten vielmehr nur, dass er den unvordenklichen 
Besitzstand, die vetustas, der wirklichen Verleihung 
gleichstellte. Ganz in demselben Sinne sagt Fronün 53, 23: 
per longum enim tempus attigui possessores vacantia 
loca quasi invitante otiosi soli oportunitate invaserunt et 
per longum tempus inpune commalleaverunt, wo longum 
tempus eben so wenig wie bei der longa consuetudo auf 
zehn oder zwanzig Jahre zu beschränken, sondern von der 
unvordenklichen Zeit zu verstehen ist. 

56. Den Bruchstücken der Centurien stehen die gróssern 
. Stücke (ioca) gleich welche nicht limilirt und vermessen 
sind. Sie heissen im Allgemeinen loca in soluto (in absoluto) 
relicta, kurzweg loca relicta, reliqua, soluta, missver- 
ständlich íssolufa, im Gegensatz der loca terminis et limitum 


422) Confirmatio possessionis für Verwandlung des Besitzes in Eigenthum 
ist technisch : Cic. agr. 3,3.12. ad Att. I. 19. 4. Orelli4031 (Note 420). 


394 RUDORFF 


regulis obligata (6, 29 — 7, 11) und sind von zweierlei Art: 
1) Manche liegen ausserhalb der Limites, so, dass sie nur 
von der äussersten natürlichen Gränze (ertrema, finitima 
linea) des Territoriums eingeschlossen werden, diese heissen 
loca estraclusa, regio extraclusa, quod ultra limites finitima 
linea. cluditur (8, 7 fig. 11; 198, 16), quod extra limitum 
ordinationes sint et tamen fine cludantur (56, 8), quae ultra 
limites et intra finitimam lineam erint. (22,3. 4). Die 
kommt vor, wenn die äusserste Grünze bis auf den Kamm 
des Gebirges reicht, wo die Limitation unmüglich ist (56, 
3—11; 179, 3—7) oder wenn überflüssiges Ackerland existirt 
(22, 6) so dass man mit der Assignation nicht bis zur natür- 
lichen Grünze des Territoriums vorzugehen braucht. 2) Andere 
liegen in Mitten des limitirten Feldes, aber man hat sie zur 
Assignation ihres schlechten Bodens wegen nicht brauchen 
kónnen, oder weil man fruchtbares Land genug hatte, nicht 
brauchen wollen, diese heissen relicta im engern Sinn (21, 6 
bis 22, 2; Figur 22). 

Rechtlich ist zwischen diesen ganzen Regionen und 
den Bruchstüeken der Uenturien kein Unterschied : haec 
(nämlich relicta loca) sagt Frontin 22, 2 sunt iuris eubsici- 
vorum, estraclusa loca sunt aeque iuris subsicivorum. Sie 
bleiben mithin dem Staat (iure subsecivorum in eins, qui 
adsignare potuerit, remanet potestote 8, 6. 7) bis sie etwa 
der alten oder neuen Gemeinde (235, 16 — 226, 2) oder einem 
Tempel geschenkt werden (239, 9). Die benachbarten Priva- 
ten, welche sie zu oceupiren pflegten, besassen sie ohne 
Rechtstitel (56, 9) und mussten sie daher auf Verlangen der 
Behörden angeben und verzinsen (257, 21). Domitian’s Edict 
($ 55) scheint indess auch auf die ertraelusa bezogen zu 
sein (163, 10). 


- u m. 0 - LL. 


gromatisehe Institutionen. 305 


57.: Wenn die überflüssigen Flächen in brauchbarem 
Lande bestehen, so pflegen sie als gemeiner Anger und 
Weide liegen zu bleiben. 

Diese pascua mit mehreren Interessenten heissen im All- 
gemeinen compascua: compascuus ager appellatur, lehren 
die Grammatiker ***), qui a divisoribus agrorum relictus est 
ad pascendum communiter vicinis. Er ist also ein Jocus 
relictus, unvermessen und unvertheilt, aber er hat ein anderes 
Recht wie die sonstigen relicta, estraclusa und subseciva, 
insofern er gemeinschaftlicher Hütung der Interessenten unter- 
worfen ist: si compascuus ager est, ius est compascere*'*). 

Die Hütungsberechtigten aber sind entweder Privaten 
oder-die Gemeinden. | 

Die Weideplütze mehrerer Privaten heissen communia, 
communalia, pro indiviso (15, 5. 6; 48, 22 —24) sie stehen 
gewöhnlich im Miteigenthum bestimmter Höfe oder Personen, 
indem sie bei der Landanweisung den nächsten Nachbarn 
überlassen sind und werden daher nur mit Unrecht als all- 
gemeine Weide benutzt (48, 24—26; 152, 12—17; 201, 13 
bis 18. fig. 18). Die Assignation erfolgt gewöhnlich in rem, 
so dass die Weide den umliegenden oder angränzenden 
Grundstücken (fundi) nicht den Personen zusteht (15, 4—7; 
202, 1. 2) daher die Inschrift fig. 194 pascua fundorum, wo 
nur für communia unrichüg publica steht. In diesem Fall 
folgt das dus compascendi den Höfen und geht wie eine 
Prädialservitut auf Käufer und Legatare über **°). 


423) Paul. ex Festo s. v. Istdor. elym. 11, 23. 

424) Cic. top. 3. 

425) 2.20 61. D. si serv. (8, 5). In Veleja erwähnt die Alimentartafel 
col. 3. lin. 64 fundum Solonlanum cum communionibus qui est in 
Veleiate col, 4. lin. 84 fundum Antonianum, Collionum, Valerianum, 
Cornelianum cum communionibus. In Cornelia Baebia col. HJ. lin. 47. 
Annie Rufo fundorum Bassiani et Valeriani Caesiani Pliniani cum 


396 RUDORFF 


Wenn ein Anger der Genieinde gegeben ist, so ist weiter 
zu unterscheiden. 

In der Concession kónnen die Colonisten (nomina 54, 19; 
154, 12) -z. B. die Iulienses oder Augustini Lucoferonenses 
(46, 17) genannt sein Dann ist die Weide Bürgerweide, 
oder seitdem die Landstädte aristocratisch eingerichtet sind, 
Rathsweide (198, 3 —6), sie kann daher durch Beschluss der 
Bürgerschaft oder des Raths rechtsgültig veräussert ‚werden 
(54, 19), bis dies geschieht, wird sie den einzelnen Höfen zur 
gemeinschaftlichen Weidenützung überlassen, doch müssen 
diese als Anerkenntniss des stüdtischen Eigenthums eine 
kleine Abgabe entrichten und auf den Assignationsdocumenten 
werden diese Aenger als öffentliche Bürgerweiden (compascua 
publica Juliensium) aufgeführt (202, 1—4). 

Die Weiden können jedoch auch namentlich der jurisü- 
schen Person der Colonie (territorium 17, 1 — 18, 2. 19, 4.5) 
zugewiesen sein, die technische Bezeichnung ist paecua co- 
loniae (Iuliae, Augustae u. 8. w.), dann dürfen sie durch 
Beschluss der Bürger oder des Raths (18, 1.2) nicht ver- 
äussert werden, sie sind völlig in todter Hand, und werden 
nur für die Zwecke des Ganzen, z. B. für Pilger und Fremd- 
linge, welche die Stadt besuchen, benutzt (54, 20 — 55, 1; 
196, 15 — 197, 3, 20 — 198, 2) *!9); 


saltibus 25 pertica Beneventana adfine Caesare nostro cet. Cic. 
Quinct. c. 6 extr. Quinctius contra ius de saltu agroque communi 
vi detruditur. ) 

426) L. A $ 1 D. de decret. ab ord. 50, 9. Das Rechtsverhältniss der 
communalia erhielt sich bei den Burgundern (L. Mom. Burg. XVII. 
p. 58 ed. Barkow; silvarum, montium, el pascui ius, ut unicuique 
pro rata possessionis suppelil, esse commune ) und ist neuerdings 
auch in die Streitfrage über die Fortdauer römischer Städteverfassung 
in den Jombardischen Städten gezogen worden. Vgl. Saviguy, Gesch. des 
R. R. im Mittelalt. S. 407. 413 (ed. 2). Hallweg, Ursprung der lomb. 
Städtefreiheit 1846. S. 50 f. Haenel proleg. ed legem Vistgoth. p. XXX VI. 





gromatische Institutionen. 397 


58. Dieselben Gegensätze wiederholen sich bei den 
Waldungen der Colonieen, sie mógen als silvae pascuae, 
postuariae — vulgares oder glandiferae — zur gewóhn- 
lichen Waldweide oder Mast, oder als silvae caeduae zum 
Holzgewinn bestimmt sein **"). 

Der Theil der Stadtwaldung, welcher für die Zwecke 
der Commune (territorium, persona coloniae) selbst, z. B. 
für die Erhaltung (tutela) der öffentlichen Gebäude, die 
Heitzung der Bäder u. s. w. benulzt wurde, blieb unver- 
äusserlich und untheilbar (18, 1—4; 54, 20 — 55, 5; 179,5; 
197, 20 — 198,2). Die heiligen Haine um die Quellen und 
Gräber wurden sogar durch die übliche allgemeine Clausel 
in der Süftungsurkunde der Colonie, welche das Fortbestehen 
aller durch die Dedition erloschenen ***) bisherigen Coınmunal- 
anstalten der eroberten Gemeinde garantirte, von jedem well- 
lichen Gebrauch eximirt ***) und als silvae incaeduae be- 


427) Den Begriff der silva pascua ergiebt L. 30 $5 D. de V. S. 50, 16, 
der silva caedua L.27 $ 26 D. ad I. Aquil. 9, 2. Unterarten der 
letztern sind 1) der Nieder- oder Ausschlagswald, quae succisa rursus 
ex slirpibus aut radicibus renascatur. L. 30 pr. D. de V. S. 50,10. 
L. 80 $ 2. D. de C. E. 18, 1. 2) der Hochwald, weleher durch Saaten, 
Kulturen und Durchforstung zur natürlichen Höhe der Bäume heran- 
gezogen wird. Varro de re rust. 1,23 ut seras el colas silvam 
caeduam. Colum. de re rust. 9, 2.83. Plin. nat. hist. 17, 45; der 
Ausdruck incaedua silva ist blos poetisch. Ovid. fust. 1, 243. 2, 435. 
am. 3 pr. 1. 1. In der Privatóconomie steht die glandaria unter der 
caedua: Cato de re rust. c. 1. anders Varro de re rust. 1. 7. 9, im 
Census war es umgekehrt. Hygin. 205, 13 (Note 232) L. 4 pr. D. de 
cens. 50, 15. Lactant. de mort. persec. 23. Daher Plin. nat. hist. 
16, 6 (8) glandem, quae proprie intelligitur ferunt robur, quercus, 
esculus, cerrus, ilex 16, 3 (2) quibus honos apud Homanos perpetuus. 

428) Die Dedition hegriff ausdrücklich: urbem, agros, aquam, lerminos, de- 
lubra, utensilia, divina humanaque omnia, Brisson. de formulis 4, 
39. Vgl. Note 98. 

. 429) L.17 D. de V. S. 50, 16 inter publica habemus mon sacra nec re- 
ligiosa, nec quae publicis usibus dostinala sunt. Die Stelle des 
Frontin 56, 19 in Italia autem densitas possessorum multum improbe 


398 ' ^ RUDORFF. 


stätigt: semper auctores divisionum sanzerunt : ut quaecunque 
loca saera, sepulcra, delubra, aquae publicae atque venales, 
fontes fossaeque publicae vicinalesque essent, item si qua 
compascua, quamvis agri dividerentur, ea omnia eiusdem 
conditionis essent cuius ante fuissent (120, 13. 157, 11—17. 
198, 7—11, fig. 188). 

Der Rathswald (198, 6) oder Bürgerwald hingegen (silva 
Iuliensium, Augustinorum u. s. w.) unterlag der freien Ver- 
áusserung (54, 17— 19) und Theilung, und diese wurde in 
der dritten Periode in dem stürker als die Provinzen bevil- 
kerten Italien immer mehr durchgeführt. Die Berge und 
Wälder, zu denen der Weinbau nicht hinanreichte (48, 17—20) 
wurden morgenweise (im iugeribus iure ordinario, d.h. ohne 
Limitation 226, 3) vertheilt und die Holztheile (Theilmaasse) 
eines solchen mons particulatim divisus den m den pagis 
der Ebene belegenen Hófen als Pertinenzstücke überwiesen 
(15, 1—4; 204, 1—3) **^, Diesen Rechtszustand lassen die 
Alimentartafeln (Note 425) erkennen, die neben den com- 
muniones, den saltus pro indiviso, den iuga Apennini, Aure- 
liasci et: Caudelascé überall schon Waldflecke im Privat- 
eigenthum Einzelner voraussetzen. Solche Forstseparationen 
(244, 9) erzeugten aber nicht nur eine Menge Streitigkeiten de 
proprietate, d. h. über die Frage, zu welchem Hofe die enl- 
legene Holzgelänge gehört (15, 3. 4), sondern sie. hatten die 
viel traurigere Folge, selbst die einst so reich bestandenen 


facit, et lucos sacros occupat, quorum solum indubilate poptuli 
Homani est, eliamsi in finibus coloniarum aut municipiorum, die 
man dagegen angeführt hat, enthält kein Rechtsprincip, sondern ein 
Rechtsverhältniss. . 

430) L.9 $ 7 D. de usufr. 7,1. L.11 $1. L.27 $ 5 D. de instr. 33, T. 
Laspeyres vom  Niessbrauch an Waldungen, Archiv für civ. Praxis 
(1836) 19, 4 S. 101 —113. Zachariá v. Lingenthal in der Zeitschrift 
für gesch. Rechtswiss. (1848) 14, 126. 





gromatische Institutionen. 399 


Fichtenwaldungen des Apennin, welche, so lange noch der 
Holzbau verherrschte, in den abietes supernates und infernates 
das geschätzteste Bauholz lieferten *°'), geschweige die Wäl- 
der in den Ebenen, auf den kläglichen Zustand herabzu- 
bringen, den das Verschwinden des grossen und ungetheilten 
Grundbesitzes für die Forsten überall zur Folge hat. 

59. Dem Fluss, welcher die Colonie durchstrómt, 
wird so viel assignirt, als er für sein Bett und wenn er 
starken Ueberschwemmungen ausgeselzt ist, wie die Alpen- 
stróme in Gallien, für den hóchsten Wasserstand im Früh- 
ling bedarf (120, 7—11), auf den Centurialsteinen stand dann 
vermerkt: FLVMINI*") PISAVRO TANTVM ET QVO 
ALVEVS (157, 23), dies Gebiet wird wie ein /ocus exceptus, 
der Fluss wie ein vetus possessor behandelt, (157, 20) wenig- 
stens lässt sich aus der Bemerkung des Plinius coloniae: 
fanum Fortunae, Pisaurum cum amne nicht ableiten, dass 
der Fluss der Colonie gehörte und der Ordo von Pisaurum 
in seinem Recht war, wenn er diese Ländereien für Rech- 
nung der Colonie an die nüchsten Anlieger verkaufen liess 
‚ (158, 5) ***). 

Selbst ohne Exception in der Lex, durch eine blosse Ver- 
waltungsmassregel des Präses von Lusitanien wurde dem 
Fluss Anas (Guadiana) in der Colonie Augusta Emerita eine 
Breite eingeräumt, weil es unbillig schien, dass die Besitzer 
der sudseciva und relicta, welche Vespasian einziehen liess, 
die unfruchtbaren und steinigen Flussufer wie fruchtbares 
Land bezahlen sollten (52, 4 die dazu gehörige Figur 39 ist 
völlig insipide). 

431) Vitruv. I, 10. 1. 2. Plin. nat. hist. 16, 39, 76. Bis Ende des fünften 
Jahrhunderts der Stadt gab es sogar in Rom nur Schindelbedachung. 
Ueber die Bauerhäuser (casae) s. Abeken, Mittelitalien (1843) S. 186. 


432) Weihgeschenke an den Fluss: Sueton. Caes. 8. Seneca nat. quaest. 4. 2. 
433) Plin. nat. hist. 3, 14. 


400 RUDORFF 


In anderen Colonieen' erhielt der Fluss kein Gebiet an- 
gewiesen, seine nächsten Umgebungen und: sein Bett bildeten 
nur subseciva in: mediis centuriis, welche die Anlieger nicht 
nur zu benutzen sondern selbst willkürlich zu occupiren 
pflegten (157, 19). Manche Oekisten gingen sogar so weil, 
gegen die Regel den Fluss selbst und seine nächsten Um- 
gebungen mit zu assigniren, weil man entweder kein hin- 
längliches Ackerland besass, um die Ansprüche aller Veteranen 
zu befriedigen, oder die Lage am Wasser, ja das Wasser 
selbst, seiner Annehmlichkeit wegen, als solum utile behan- 
delte, oder endlich die Empfänger mit dem. Trost abfand, 
das Loos habe es so gewollt, dass sie Wasser für Land er- 
halten sollten (51, 3—17). 

60. Wie die Wasserstrassen werden auch die Land- 
wege in den Colonieen nicht ‚selten von der Assignation 
ausgeschlossen. Diese Behandlung ist nothwendig, sobald 
der Decumanus mit einer Heerstrasse zusammentrifft (169, 3) 
wie in Anxur mit der Appia (179, 11—14) weil die öffent- 
liche Staats- und Heerstrasse als eine res publica in publico 
usu kein Commercium hat. 

In manchen Colonieen trat sie aber bei allen Fahr- 
Strassen (limites loti) em, so dass die Centurien erst von 
den Ründern des Grabens (158, 8— 15; vgl. 98, 9 — 11) und 
von den Seitensteinen (pleurici termini) beginnen (224, 3—5). 
Selbst die alten Wege, welche man bei der Assignation vor- 
fand, die itinera, actus, viae, ambitus, ductus aquarum, 
fossae publicae vicinalesgue wurden gleich den andern durch 
die Dedition erloschenen, aber wiederhergestellten Com- 
munalanstalten der alten Stadt gewöhnlich excipirt (vgl. die. 
Lex 120, 14; 121, 1.2; 157, 11) *'4, 


434) L. 7 S 1 D. de periculo (18, 6). 











gromatische Institntionen. 401 


In andern Assignationen mussten sich die Veteranen die 
Fahrwege in ihre Loose einrechnen lassen, doch blieh 
auch dann ihr Eigenthum durch die Servitut: eines óffent- 
lichen Fahrwegs oder Durchgangs beschränkt. Selbst wenn 
sie ihre Hofstätte auf dem Limes errichten, müssen sie dem 
Staate den Durchgang gestatten, da sie ihm keinen Um- 
weg ansinnen dürfen, natürlich bleibt ihnen die Anstellung 
eines Thorhüters unverwehrt, nur verschliessen dürfen sie 
den Thorweg nicht (120, 18. 19; 121,1—6; 158, 15. 16. 22 bis 
159,5). Uebrigens lag diese durch die Lex Sempronia, Cor- 
nelia, Julia aufgestellte gesetzliche Servitut in ihrem eigenen 
wohl verstandenen Interesse, da auf dem Umwege weit mehr 
zertreten werden würde, als auf dem Limes wachsen könnte 
(159, 5—8). 

Niebuhr's *55): und Walter's **) Meinung, dass die an ^ 
die breitern Strassen gränzenden Centurien oder Loose kleiner 
als die übrigen gerathen. wären, lässt sich aus der dafür 
ciirten Stelle des Hygin 169, 10: nam et possessiones pro 
aestimio *'") ubertatis angustiores sunt assignatae nicht ab- 
leiten, da er ausdrücklich die bessere Bodenbeschaffenheit 
als Grund der Verkleinerung anführt. In der That behielten 
die Centurien in beiden Fällen, die Limites mogten mit as- 
signirt werden oder nicht, dieselbe Grösse, nur ihre Gränze 
begann hier von der Mitte, dort vom Rande des Fahrwegs 
(158, 11—15. S. 351). Allerdings hatte man innerhalb der 
durch den halben Fahrweg geschmälerten Centurie für 
weniger Veteranen Platz, daraus folgt aber nicht Verkleine- 


435) Niebuhr R. G. 2, 704. 

436) Walter Gesch. des R. R. 1, 268. 

437) Die Agrimensoren brauchen stets das Neutrum aestimium, nicht die 
Form aestimia, welche Paul. ex Festo (aestimiae, aestimationes) anführt. 


Römische Feldmesser H. 26 


* 


402 RUDORFF 


rung der Loose, sondern Anweisung des Fehlenden in einer 
andern Centurie. 

61. Wenn das Landgebiet des. Municipiums, welehes 
zunüchst der Colonie bestimmt ist, selbst mit Einschluss det 
Weiden, Waldungen, Wege und Flüsse nicht zureicht, so 
kaufte oder confiszirte man in den Gebieten der Nachbar 
städte was zur Versorgung der noch unbefriedigten Veteranen 
erforderlich war. 

Das Verhältniss dieser zugekauften oder eingezogenen 
Güter zur Colonie kann ein dreifaches sein: 1) entweder 
gingen sie ohne Limitation und Ausscheidung aus ihrem bis- 
herigen Gemeindeverbande in das Eigenthum der Colonisten 
über (119, 20— 24), in den Urkunden hiess es: iii agrum 
illum, qui fuit illius oder monte illo, pago illo, illi iugera 
tot (160, 18—20) *:5); 2) oder sie schieden aus dem Territo- 
rium, welchem sie angehört hatten, aus, ohne gleichwohl 
der Colonie vóllig einverleibt zu werden. Sie erhielten also 
eine besondere Limitation und bildeten mit dieser ihrer Feld- 
mark eine abhängige, der Jurisdiction der Colonie . unter- 
worfene Gemeinde. Eine solche unselbständige Landstadi 
hiess im Gegensatz der Pertica, d h. der anfänglichen As 
signation (26, 6. 110, 9—11) eine Prüfectur, entweder weil 
sie eine abgesonderte Gemeinde, eine Art von Vorstadt der 
Colonie, gleichsam einen Saum der Pertica bildete (fig. 25), 
oder weil die Coloniemagistrate durch von ihnen ernannte 
Localcommissarien die Jurisdiction in ihr verwalteten, wie 
Rom sie in seinen Prüfecturen durch römische Prüfecten im 
Grossen verwalten liess ***), (160, 4 quae singulae praefecturae 


438) Cic. Philipp. 2, c. 40, 103. 104. 

439) Doni Cl. V. n. A8. p. 172 pagi magister et praefectus Ulubris üri 
dicundo. Giorn. Arcadico 1827. 2, p. 239. VIvir Augustalis iuri 
dicundo. 





gromatische Inetitutionen. 403 


appellantur ideo, quoniam singularum regionum divisiones 
aliis praefecerunt vel ex eo, quod in diversis regionibus 
magistratus coloniarum iurís dictionem mittere soliti sunt)*^*); 
3) oder die agri der verschiedenen Municipien, aus deren 
Territorien die Colonie dotirt werden sollte, wurden in eine 
einzige Feldmark vereinigt, die von einem Punkte aus limitirt 
und assignirt wird, so dass im Ganzen nur eine Pertica und 
eme Gemeinde entsteht **!). 

Die Jurisdiction der Colonie erstreckt sich indess überall 
nur auf das assignirte Stück der Präfectur. Die Subseciva 
bleiben dem Territonum. In dem Augusteischen Edict 118, 6 
bis 120,5 heisst es: quos agros, quae loca, quaeve aedificia 
intra fines illos (ut intra flumen illud intra viam illam) dedero 
adsignavero in eis agris iuris dictio coercitioque esto coloniae 
illius, wo in den Worten dedero adsignavero eben diese Be- 
schränkung ausgedrückt ist. Desgleichen in dem commentarius 
Caesaris 246, 18—21: quae centuriae in territorio isiur- 
runt, ubi milez **') falz et aratrum ierit et acceptum quod 
itinere patet. sumpserit, reliquum eius centuriae territorium 
sit, wonach die von den Colonisten nicht als Ackerland oder 
Weg occupirten Centurientheile dem Territorium der ver- 


440) In diesem Verhältniss stand z. B. die pnaefectura Mullicensis und 
Turgaliensis zur Colonie Augusta Emerita (171, 4—13. fig. 139. 140), 
und der pagus Aequanus und Romanus finibus Beneventanorum in 
Ligustino zu Benevent. Henzen tab. alim. Baebianorum 1845 p. 78. 
Mommsen, inscr. Neap. 1954, 11, 6. 35. II, 2. 9. 44. III, 6. 

441) Dies geschah in Casilinum durch Antonius (Cic. PAilipp. II. 40, 102), 
in Mantua welches durch Octavius Musa auf Befehl des Octavianischen 
Legaten Alfenus Varus 15000 Passus seines Gebiets an Cremona ver- 
lor, Caudium ( Serv. ad Virgil. ect. VII, 10. IX, 7) durch August 
(232, T. Oreili 907), in Hispellum in Umbrien durch August, Vespasiar 
oder Hadrian (179, 7. 8). 

442) Mommsen, inscr. Neap. 6811: milez coh. II praetoriae. Diese 
Augustische Formel meint Hygin 112, 24; 201, 7. 8. 8. o. S. 360. 


26* 


^o -——À C — 78. 


404 . RUDORFF 


letzten Nachbarstadt verbleiben sollen (vgl. 117, 24.— 118,4; 
160, 11 — 13). 

Dessen ungeachtet gab es Stüdte, deren Jurisdiction 
auf die Ringmauer, ja selbst innerhalb derselben noch be- 
schränkt wurde, denn Augustus hatte in seiner oratio 
de statu municipiorum , bezüglich der Ausführung jener 
Edicte (18, 6) drei Klassen unterschieden: 1) die alten Muni- 
cipien (municipia antiqua), welche nur einen Theil ihres 
Landgebiets einbüssten (19, 3); 2) die jüngern Municipien, die 
ihr ganzes Landgebiet (solum agreste 18, 3; 120, 5) verloren; 
3) kleinere und schwächere Orte (conciliabula), welche selbst 
einen Theil ihres solum urbanum einbüssten. Dass Interamna 
Prätulianorum einen Stadttheil an Asculum Picenum verlor, 
erklärt Frontin 19, 1.2 aus der Sage, es sei ein erst neuer- 
dings in den Rang der Municipien erhobenes Conciliabulum 
(jm municipii ius relatum in diesem Sinne vgl. S. 299), dies 
war falsch, Teramo war ein älteres Municipium ***), August 
mogte aber andere Gründe haben es zu strafen. 

Indess war hierin doch eine Art von System, während 
z. D. Antonius ganz planlos verfuhr ***). 

62. Die vollendete Limitation und Assignation wird 
durch eine zwiefache Beurkundung — durch Monumente 
an Ort und Stelle und durch Documente — fixirt, welche 
als Beglaubigung eines Staatsacts óffentlichen Glauben hat. 

Die örtlichen Gránzmonumente bestehen in steinernen 
viereckigen oder auf den Biegungen dreieckigen Altären von 
bedeutender Grösse, welche auf der Gränze der Pertica wie 
der Präfecturen errichtet wurden. Angränzende Colonieen 
errichteten sie gemeinschaftlich und bezeichneten sie auf der 
ihnen zugewendeten Seite mit ihrem Namen (199, 2— 10. 


A43) Mommsen inscr. Neap. 6149. 
444) Cic. Philipp. 2, 40 (102). 


gromatische Institutionen. 405 


fig. 192. 193). Die arcifinischen Territorialgránzen der alten 
Municipien konnten in den Colonieen nur vorkommen, wenn 
ihnen die ertraclusa geschenkt waren. 

Von den Documenten ist das wichtigste die Karte, welche 
die ganze Colonie sammt ihrem Landgebiet, wo móglich mit 
Angabe der Länge und Breite der Assignationen in jeder 
Centurie, damit man sofort die Subseciva übersieht (121, 7 
bis 24), im Kleinen bildlich wiedergiebt (vgl. z. B. fig. 196b 
197a) und daher forma ***) (publica), pertica, centuriatio, 
metatio, limitatio, cancellatio, typus, scarifus (0xaàgugog) 
(154, 16; 244, 4. 8; 293, 4) genannt wird. Das Hauptexemplar 
dieses Risses wurde in Erz gegraben und gleich der Lex 
auf dem Markt der Colonie oder im Tabularium óffentlich 
angeschlagen, dieser Act (aes fizum) bezeichnet in Verbin- 
dung mit der machina (groma) sublata (295, 11) die Vollen- 
dung der Colonie. Jede Verletzung dieser Urkunde wird 
wie Peculat bestraft **. Das Duplicatoriginal auf Lein- 
wand (mappa, linteum) **") kommt in das kaiserliche Archiv 
(sanctuarium principatus), wo sümmtliche Urkunden über 
die Colonieen und Landvertheilungen aufbewahrt werden und 
giebt im Zweifel den Ausschlag (154, 19 — 155, 2). 

Der Karte ‚schliessen sich folgende Verzeichnisse und 
Protocolle erläuternd und ergänzend an: 1) die libri aeris, 
divisiones, commentarii (154, 26; 202, 15) unter welchen 


445) Lex Thoria c. 1 lin. 7. c. 37 lin. 78. c. 38 lin. 80. 
446) L.8 D. ad legem lul. peculatus (48, 13) (Venuleius) qui tabulam 
J aéneam leges (so die Vulgathandschriften, das florentinische legis stört 

den Sinn) formamve agrorum aut quid aliud conlinentem refizerit 
aut quid inde immulaverit, lege Iulia peculatus tenetur. 

44T) Vgl. L. 1. C. Th. de alim. quae inopes (11, 27) aereis tabulis vel 
cerussatis aut linteis mappis scripla per omnes civitales Italiae pro- 
ponatur lex... Aus der mappa Albensium wird 244, 13 die Aufschrift 
(aus dem Jahr 149 n. Chr.) angeführt. 


406 N RUDORFF 


codices aus zusammengehefteten Wachstafeln zu denken sind 
(200, 13. 14), auf denen die Namen der Landempfänger und 
ihre Loose verzeichnet waren (201, 3—6); 2) der liber sub- 
secivorum, ein Verzeichniss der nicht assignirten Stücke, aus 
welchem der Princeps ersehen kann, für wie viele Veteranen 
eiwa bei Ergänzung der Colonie noch Raum übrig ist (202, 5); 
3) der liber beneficiorum, d. h. die Aufzählung der vom 
Princeps verschenkten und der Colonie überlassenen sub- 
seciva und eztraclusa (202, 18; 295,12) **°). Diese Verzeich- 
nisse wurden ebenfalls sämmtlich doppelt ausgefertigt und 
vom Princeps eigenhändig vollzogen, das eine Exemplar 
blieb im Archiv der Colonie, das andere kam in das zZabu- 
larium Caesaris (203, 2). 

63. Mit den fermae über die Limitation stehen die 
casae litterarum 310—338 in Verbindung, das sonderbarste 
durch langen Schulgebrauch am meisten mitgenommene 
Stück der ganzen Feldmessersammlung, dessen Corruption 
selbst Lachmann zu gräulich gefunden hat, um seine Dosi- 
theanische Kritik an ihm zu wiederholen. 

Ihm liegt eine forma antiqua zum Grunde, wie sie bei 
Frontin 48, 10—20 (vgl. Hygin 204, 1— 4) beschrieben und 
durch Figur 36 erläutert ist, in welcher ein Berg unter die 
Loose in der Ebene so vertheilt ist, dass jedem derselben 
ein Holztheil zugewiesen wird ***) ($ 58). 

Die fundi in der Ebene (in planitía, ubi miles portionem 
habuit 216, 13) und die Theilmaasse im Walde waren auf 
der forma mit Buchstaben bezeichnet, in Italien mit lateini- 


448) Cic. ep. 13, 5. 2. Lamprid. Alex. c. 46. Grut. DLXXVIII. 1. 

449) Frontin. 48, 13 diviso monte particulatim datae sunt proprietates 
quaedam fundis in locis planis et uberibus constitutis, qui parcis 
fluminibus stringebantur. Daher das stets wiederkehrende ffaminia : 
lies: fluminea. 








gromatische Institutionen. 407 


schen (324, 13.21), ausser Italien in den Ländern griechischer 
Zunge (335, 8; 337, 25) mit griechischen. 

Es werden zuerst die Risse und alphabetischen Ver- 
zeichnisse (paginae fundorum (313,2), compaginae litterarum 
(331,6; 338, 18) ^) der in der Ebene gelegenen Fundi 
erklärt, hier müssen die Gränzsteine und ihre Buchstaben 
und Zeichen (notae imris) entscheiden (316, 19; 317,8. 29. 30). 
Daher heisst dieser Theil der Erklärung de litteris et notis 
iuris exponendis (310, 3), es wurde darin zurückgegangen 
auf die stenographischen Zeichen, die als Theil der Gram- 
matk auch auf der römischen Kriegsschule erklärt wurden 
(311, 1; 312, 11). 

Demnächst kommen die Berge an die Reihe, auf wel- 
chen keine feni vorkommen können (48,11). Dieser Theil 
ist durch die Ueberschrift incipit de casis litterarum mon- 
tium in pede V fac. pede uno (331, 8) bezeichnet, welche 
die Grósse der forma aeris dieses Theils anzudeuten scheinen. 
Hier entscheiden die Opferstätten (317, 5), Wasserscheiden 
(315, 17) und andere im Gebirge übliche Naturgränzen. 

Diese Expositionen wurden beim Unterricht so gebraucht, 
dass die Schüler zu der Beschreibung des Lehrers die Zeich- 
nungen (325, 11 — 327,3), zu den Zeichnungen die Er- 
klárungen (327, 4 — 331, 7) liefern und zuletzt die Distanzen 
der Grünzsteine zusammenrechnen mussten (338, 13— 27). 
Zugleich werden ihnen die Hülfsmittel genannt in denen sie 


450) Paul. ex Festo paginae dictae quod in libris suam quaeque obtineant 
regionem ut pagi. Der ager der italischen civitates war seit uralter 
Zeit in pagi eingetheilt (S. 238). Nach ihnen waren die fundt verzeichnet 
(L. 12. D. alim. leg. 34,1. L. & pr. D. de cens. 50, 15 und die Tafeln 
von Veleja, Benevent und Volceji. Mommsen inscr. Neap.;214. 1354). 
Den Gegensatz der pagi (pagani) bilden die montes (montani) in 
(Varro de I. L. 5, 3. Or. pro domo 28, 74. Fest. v. eifes) und ausser 
der Stadt (160, 18 monte illo, pago io). 


—- 0070000000000 00s 


408 RUDORFF 


nachschlagen können: Hygin über die iurís dictio coercitio- 
que coloniae, d. h. 118,14 (vgl. 336, 1), über die Jeges extra 
Italiam d. h. 123, 12 (vgl. 335, 8), die Autoren im Allge- 
meinen (316, 24), die notae iuris, das artificium agri men- 
surae (314, 3) u.s. w. Die besten Exercitien werden vor- 
gelesen (hoc legitur 330, 22. 27). | 

Diese Entstehung und Ueberlieferung erklárt die wunder- 
liche Erscheinung eines vóllig antiken Inhalts unter einer 
ganz barbarischen Form. 

Nicht allein die fundi haben. altrömische Namen freier 


Leute (315, 11) wie Aemilianus (325, 25) sondern auch die 


ganze Limitation, antica und postica (319, 2; 320, 14), deztra 
und sinistra, sertanea und duodecima pars (319, 5; 320, 27; 
321, 7; 323, 3. 4; 330, 21) tritt besonders in dem griechischen 
Alphabet wohlerhalten hervor. Nur heissen die Limites 
maritimi, montani und Gallici (314, 30; 328, 2; 334, 12) und 
überhaupt liegt die Windrose von 24 Winden zum Grunde, 
die seit August an die Stelle der ältern einfachen trat, in 
welcher der Gallicus nicht vorkam (318, 23— 25) *°'). 
Dagegen ist das Latein nicht sowohl rustik, als im Satz- 
bau, in den Präpositionen und selbst den Substantiven völlig 
verwildert 55*), so dass dies Stück ein Bild der Schicksale 
der Feldmessersammlung im Kleinen giebt, in der Altes und 
Neues in wunderbarer Mischung dureh einander liegt. Die 


451) Vitruv. 1, 6. Plin. nat. hist. 2, 47. 

452) Beispiele: pligoriae lineae (315, 3) von plegus, plegius der Bürge, de 
latus se, de latus montem 324, 3, de sub rivo latus 316, 17 (von 
der Bachseite) , fontana 337, 30, fontem, quae aqua viva £nterpretatur 
337,23 fossatum, qui rivus interpretatur 335, 12 in montanioso loco, 
in campaneis locis (331. 20) in camarsum 332, 14, carmasis 336,1; 
cectorium 333, 19; aquivergium (315, 17) latitia, longitia 339, 16; 
cannucias 315, 16. 321, 24. micidiores hoc est minores, 27 itineri mon- 
tium hoc est paziis el irsis. ' 


gromatische Institutionen. 409 


jetzige Gestalt wird mit dem Arcerianus ungefähr gleéich- 
zeilig sein. 

In ihrer Einrichtung erimnern die casae emigermassen 
an die grosse griechische Inschrift, in welcher die Landloose 
der halesinischen Gemeinde in Sicilien alphabetisch, jedoch 
im Kreise wie die Territorien (Note 69) beschrieben wer- 
den ***). Diese Urkunde gehört jedoch in das Gebiet vor- 
rómischer Limitation (S 14). 

64. Die Ergünzung einer Colonie durch Nachsen- 
dung neuer Ansiedler (edscriptio novorum colonorum ***) 
familiarum adiectio) **) liegt in den Befugnissen der mit 
der Assignation beauftragten Kommission *°°), wenn 1) bei 
der Assignation ganze Centurien oder deren Bruchstücke 
offen (vacuae 163, 6) bleiben, oder 2) durch das Aussterben 
der zuerst angesiedelten Veleranen Lücken enstanden sind. 

Das Erstere kam in Augusta: Emerita. am Anas m 
Lusitanien vor. Diese Colonie hatte August gegründet **") aber 
nur spürlich besetzt und zwar zunüchst am Fluss und am 
Saum der Perüca, so dass in der Mitte für eine zweite und 
dritte Ansiedlung Raum blieb, diese erfolgten spáter*:?), aber 
auch sie erschöpften das vorrätbige Land noch nicht, so dass 
Vespasian die vacua und swbseciva den Oecupanten ver- 
kaufen konnte (52, 1 —5). 

Das Letztere erfuhren die veferani paterni Octavian's, 
die von Cäsar angesiedelt, von August wider die Gegen- 


453) Boeckh. corp. inscr. n. 5594. 

454) Liv. 35,9. 

455) Tucit. hist. 1. 78. . 

456) Lex Thoria e. 1. Z. 5. Mommsen, Verhandl. der gächs. Gesellsch. der 
| Wissensch. philologisch. hist. Classe. 1850. II. S. 96 unter b. — — 

457) Dio Cass. 53, 26. Strabo III, 2, 15. IH, 3. 8. 


458) Tacit. hist. I, 78 Hispali el Augustae Emeritae familiarum adiecliones 
dono dedit. 


410 RUDORFF 


partei aufgeboten wurden und nach beendigtem Kriege in 
ihre Sitze zurückkehrten: die Lücken, welche der Feldzug 
in diese Legionen gerissen hatte, wurden durch Andere aus- 
gefüllt, und die Namen der Nachfolger auf den Rissen neben 
denen der Vorgänger eingetragen, so dass ein aes miscellum 
entstand, welches leicht verwirren konnte, wenn man ausser 
' Acht liess, dass die Ueberfüllung eine successive und des- 
halb nur scheinbare war (162, 9 — 19). 

Von dieser Nachsendung einzelner Veteranen, um einer 
noch bestehenden Colonie aufzuhelfen, ist die Erneuerung 
einer Colonie zu unterscheiden. 

Diese ist unmöglich, so lange ein blühendes Gemein- 
wesen unverletzt fortbesteht , denn theils ist eine unter 
Auspizien getroffene Einrichtung unverrückbar, theils kann 
in einer bestehenden Gemeinde keine zweite gegründet wet- 
den. Die Erneuerung setzt also den Verfall des Gemein- 
wesens als solchen voraus **. Von der Colonie, welche 
L. Antonius nach Casilinum deducirte, sagt Cicero “*): 
dedusisti coloniam, Casilinum, quo Caesar ante deduserat. 
Consuluisti me per litteras de Capua tu quidem: sed idem 
de Casilino respendissem: possesne, ubi colonia esset, eo 
coloniam nevam iwre dedwcere. | Negavi in eam colo- 
niam, quae esset auspicato deducta, dum esset 
sscolumis, coloniam novam iure deduci: colonos 


459) Die Trajanische Colonie Apulum in Dacien L. 1 $ 9 D.de cens. 50, 15. 
Oreli, 1225. 3296. 3815 ward unter Commodus durch Krieg oder 
Aufruhr zerstórt (Lamprid. Commod. c. 13), Severus stellte die Stadt, 
jedoch obne die Colonieeigenschaft her, seitdem heisst sie munRicipium 
Seplimium Apulense (Orelli. 1934. 2171. 3686), Decius aber richtete 
die Festung und Colonie 251 nach dem Einfall der Gothen wieder auf. 
Orel. 991. Dagegen erhielt Veji nach dem Verfall der Julischen Colonie 
nur Colonisten de plebe (220, 9) und blieb daher oppidwm 220, 15 
oder mumicipium (Augustem) Orell. 108—110. 3706. 3737. 4046. 

460) Philipp. 11, 40. 102. 





gromatische Ynstitutionen. Ali 


novos adscribi posse rescripsi: Tu autem — omni 
auspiciorum iure turbato, Casilinum coloniam dedusisti, 
quo erat paucis annis ante deducta, ut vesillum tol- 
leres et aratrum circumduceres: cultis quidem vomere 
portam | Capuae paene perstrinzisti, wt florentis coloniae 
territorium minueretur. 

Die Erneuerung trägt wie die Schulderneuerung (novatiío) 
zwei Momente in sich, sie ist Zerstörung (intercisio) und 
Begründung (condifio) zugleich. Daher erfolgt sie, gemäss 
dem Grundsatz omnía quae iure contrahuntur, contrario 
iure pereunt durch den Pflug und die Fahne **'), die neue 
Pertica wird mit dem Pflug umzogen, die alte Limitation 
durch den Pflug zerstórt (178, 2. 3), das frühere Vexillum 
weggenommen und das neue aufgepflanzt. Es müsste denn 
eine blos partielle Erneuerung beabsichtigt sein, wie in Min- 
turná, wo nur jenseits des Liris (von Rom aus, wo Hygm 
schrieb, 178, 4 — 9) eine neue Assignalion eintrat, oder in 
Nola (236, 3—6), wo die neue Limitation in spitzen und 
stumpfen Winkeln auf die alte stiess und zwei decumani, 
ein derterior und em sinisterior unterschieden wurden (162, 
3— 8). 

Die Wirkung der Zerstórung beschrünkt sich auf die 
Civitas; die uralten rein religiósen und communalen Genossen- 
schaften der pagi wurden durch die politischen Verände- 
rungen im Zustande der Stadt gar nicht berührt. Dies zeigt 
sich am deutlichsten in Capua, wo während der Zeit der 
Auflösung des Gemeinwesens nach dem hannibalischen Kriege 
bis auf Cäsar (545—695 der Stadt) sogar die Besorgung 


461) Die Pertica von Capua hatte an der äussersten Gränze grosse termini 
mit der Aufschrift iussu imp. Caes. qua aratrum ductum est (Note 326), 
die hierher und nicht mit Mommsen (inscr. Neap. 3590) auf das 
Edict $ 4&4 und 61 zu beziehen sind. 


412 — RUDORFF 


der Spiele auf die paegí überging **"). In gleicher Weise 
enthält die Bäbianische Alimentartafel auf der pertica Bae- 
biana eilf, auf der Beneventana sieben pagi und daneben 
noch zwei, den pegus Romanus und Meflanus, die auf bei- 
den Pertiken vorkommen, mithin bei der Limitation durch- 
schnitten waren. Der oskische Name des letztern beweist, 
dass diese Pagi älter sind, als die Uebersiedlung der Ligurer 
nach Samnium durch die Consuln Cornelius und Baebius 
(574 der Stadt) *). Dieselben Erscheinungen wiederholen 
sich in Nola ***, Superüquum **5, Placentia und öfter. 

Die aufgestellte Unterscheidung zwischen einer Er- 
neuerung der Colonen und der Colonie ist von neuern Schrift- 
stellern nicht selten verkannt worden. Manche haben über- 
all wo .eine Ansiedlung von Colonisten und Veteranen vor- 
kommt, sofort die Gründung einer Colonie angenommen und 
auf diese Weise eine Unzahl von Colonieen erfunden, welche 
niemals deduzirt worden sind. Allein die Colonen sind nicht 
die Colonie und es kommen unzählige Male Frabaterni, 
Herentinates, Nolani, Parentani, Clusini veteres und rovani 
vor‘), die zusammen einen Rath und eine Gemeinde bilden, 
so dass die Einzelnen vermehrt sind, das Ganze aber ge- 
blieben ist. Umgekehrt zeigt das Beispiel von Casilinum, 
dass die Colonie erneuert werden konnte, ehe alle frühern 
Colonisten ausgestorben waren. 

Diesen Irrthum hat auch bereits Zumpt berichtigt **"), 
allein er fällt gewissermassen in den entgegengesetzten, er 
scheidet die Colonisten von den Colonieen so scharf, dass er 


462) Mommsen inscr. Neap. 3559 — 3570. 

463) Henzen tab. alim. Baebianorum p. 75. 

464) Mommsen I. c. 1981— 1983. 

465) Mommsen I. c. 5472. 

466) Orell. 101, 102, 3729. Plin. nat. hist. 111, 8, 52. 
467) Zumpt de col. milit. p. 440. 





gromatische Institationen. 413 


Colonieen ohne Colonisten entstehen lässt und eine Colonie 
annimmi , cum certus civium Romanorum numerus certis 
legibus in eam civitatem coniungitur cuí tomen coloniae 
tribuatur. ^ Ihn haben die Titularcolonieen irre geführt, 
welche ‘ohne Deduction von Colonisten den Namen einer 
Colonie erhalten. Allein wenn ein Oppidum oder ein Vicus in 
der Provinz zur Colonie erhoben wird, so erhält sie nur die 
Rechte einer Colonie (ius et? nomen coloniae), sie ist colo- 
niae loco oder iure; eine wirkliche Colonie wird sie so wenig 
als man durch das sus liberorum drei leibliche Kinder erhält, 
durch das ius Latii ein geborner Latine, oder durch das ius 
italicum eine Stadt wirklich auf italischen Boden verpflanzt wird. 

65. Die so eben erwähnte Verleihung des blossen 
Namens einer Colonie konnte in der städtischen Periode 
Roms gar nicht vorkommen, so lange den Municipien als 
selbständigen Republiken vor den römischen Tochterstädten 
der Rang gebührte : bei Cicero ***, in der Lex Julia muni- 
cipalis (Z. 9. 10. 11. 20. 83) und der Lex Rubria (Col. I. |. 
2. 26. 53. 58) ist daher die stehende Formel: municipium, 
colonia, praefectura, forum, conciliabulum. Ja noch Augustus 
beobachtete sie in der Lex Julia vicesimaria *?), um die 
alten Municipien nicht ohne Noth zu verletzen. 


468) Cic. Philipp. 2, 24 (58) omnia municipia, praefecturas, colonias, totam 
denique ltaliam. 4, 3. 7 quid? municipia, colonias, praefecturae 
num aliter iudicare censetis? pro Sezl. 14, 32% nullum erat Italiae 
municipium , nulla colonia, nulla praefectura. in Pison. 22, 51 nec 
municipium, neque praefectura aut colonia, de pel. cons. 8 totam 
Italiam fac in animo ac memoria tributim descriplam comprehensam- 
que habeas, ne quod municipium, coloniam, praefecturam, locum 
denique Jtaliae ne quem esse patiare, in quo cet. Or. pro domo 28, 
75 municipiorum et coloniarum et totius Italiue decreta. 


469) Paul. sent. rec. IV. 6 $ 2 testamenta in municipiis, coloniis, oppidis, 
praefectura, vico, castello, conciliabulo facla. 


414 RUDORFF 


Der Grund dieser Rangordnung, welcher bisher noch 
nicht genügend erklärt, ja noch ganz neuerdings geradezu 
geläugnet worden ist ‘’°), lag in dem alten ordo officiorum, 
in welchem der Gast dem Ülienten und Verwandten vor- 
geht: in officiis (lehrte Sabinus) apud maiores ita obser- 
vatum est: primum tutelae, deinde hospiti, deinde 
clienti, tum cognato, postea affini *). Diese Rang- 
ordnung übertrug man auf das óffentliche Recht. In 
diesem entsprechen die Municipien den Gästen, ihr Verhält- 
niss war (wie einst unter. den deutschen Städten des Mittel- 
alters) ein öffentliches Gastrecht (hospitium publicum), ich 
habe anderswo *'*) zu zeigen. gesucht, dass ihre Benennung 
ven der Berechtigung: zu Gastgeschenken («a muneribus 
cepiendis), welche das hervortretendste Stück der gastlichen 
Aufnahme (locus, lautia, munus) bilden, und keineswegs von 
den Burgmauern (a munitionibus) oder von den öffentlichen 
Lasten (munera) oder Festen (a munificentia, eo quod muni- 
ficae essent civitates) **), wie die Agrimensoren (135, 17. 18) 
und Grammatiker meinen, abzuleiten ist. Die Colonieen da- 


470) Walter, Gesch. I. S. 385 (1845) ,,doch waren zwischen beiden in der 
Verfassung auch Unterschiede, welche man nicht kennt“, Becker, Handb. 
der róm. Alterth. fortges. v. Marquardt III. (1851) S. 260. ,, Während 
zur Zeit der Republik ein Rangverhältniss zwischen Colonieen und 
Municipien nicht vorhanden ist, haben in der Kaiserzeit die erstern 
— den Vorrang —. Worin dieser eigenthümliche Vorzug bestand, ist 
unbekannt.“ C. G. Zumpt, über den Unterschied der Benennung muni- 
cipium, colonia, praefectura, Mem. der Berl. Acad. 1839 S. 124 nimmt 
zu allen Zeiten einen Vorzug der Colonieen an, den er aus der kleinern 
Zahl derselben im Vergleich mit den oppidis zu erklären sucht. 

471) Gell. noct. att. 5, 13. 

472) Vorrede zum Berliner Winterkatalog 1847. 1848. 

473) Man verband mit einem Municipium noch lange den Begriff einer grossen 
und glänzenden alten Freistadt. Tuc. hist. 1.67 in modum municipii 
extructus locus. Flor. 3, 91 municipia llaliae splendidissima. Daher 
das Gesuch der Pränestiner ut er colonia in municipii. statum redi- 
gerentur. Geil. 16, 13. 





gromatische Institutionen. 415 


gegen sind Tochter- und Pflanzstädte Roms *'*, welche, 4yie 
dieses selbst, nach alter Ordnung den Giüsten den Vorrang 
lassen müssen. 

Dies änderte sich mdess seit Augustus. Durch die Ver- 
nichtung der Selbständigkeit, den innem Verfall und die 
Veródung der alten Landstüdte, gegenüber der Frequenz, der 
Neuheit, dem ‘Glanz und der festen Rechtsordnung der rö- 
mischen Colonieen, erhielten diese ein faktisches (18, 6; 
177, 8 — 178, 2), die Militaircolonieen als Festungen und 
Theile des Heers, also des neuen Militairstaats sogar ein 
rechtliches Uebergewicht *°), während sich mit dem Ausdruck 
municipium immer mehr die Vorstellung einer obscuren kleinen 
Landstadt verbindet *°). Daher haben in den Gesetzen der 
dritten Periode die Colonieen den Rang vor den Municipien; 
80 heisst es in der sogenannten Lex Mamilia des Gaius Cüsar 
Caligula durchgängig: quae colonia hac lege deducta, 
guodve municipium praefectura forum  conciliabulum 
constitutum erit, in ea colonia municipio praefectura 
foro conciliabulo (c. 3) colonia municipibusve (c. 4) qui 
hac lege coloniam dedurerit, municipium praefecturam 
ferum conciliabulum constituerit — intra fines eius colo- 
niae municipii fori conciliabuli praefecturae erit — qui- 
cumque magistratus in ea colonia municipio praefectura 


474) Gell. 16, 33 coloniarim alia. necessitudo est: — ex civitate quasi 
propagatae sunt. — quae iamen conditio — mdágis obnoxia et minua 
libera. 


475) Gell. I. c. existimamusque meliore conditione esse colonias quam 
municipla — propter amplitudinem maiestalemgae populi Homani — 
et simul quia obscusga obliterataque sunt. municipiorum iura, quibus 
uli iam per innotitiam non queunt. 

416) Iuvenal. 8, 236 modo Romae municipalis eques. Sidon. ep. 1, 11 non 
eminentius guam municipeliler natus. 3, 1 municipiolum, 4,9 muni- 
cipales et cathedrarii oratores. carm. 9, 310 municipales poetae, 
Salvian. de gubern. Dei 5, A non modo urbes, sed etiam municipia 
alque vici. 


4 


416 RUDORFF 


foro conciliabulo iuri dicundo praeerit u, s. w. Während 
also die Rangordnung der kleinen Orte, namentlich der 
Präfecturen willkürlich wechselt, stehen die Colopieen durch- 
güngig voran. Dieselbe Ordnung beobachtet Plinius. In der 
Beschreibung Italiens folgt er der Augustischen descriptio 
» coloniarum mentione signata, quae ille in eodem prodidit 
numero * (3, 6, 3), die Colonieen stehen hier den eppidis durch- 
weg voran. Die Städte der Provinz Baetica giebt er (3,3, |) 
in folgender Uebersicht: oppida omnia numero CX XXV. in 
iis coloniae IX, municipia XVIII, Latio antiquitus donata 
XXIX, libertate VI, foedere III, stipendiaria CX X. Vom 
diesseitigen Spanien heisst es (3, 4, 1) provincia ipsa continet 
oppida CLX XIX. in iis colonias XII, oppida civium Roma- 
sorum XIII, Latinorum veterum XVIII, foederatorum unum, 
stipendiaria CXXXV. Derselbe Vorrang der Colonieen 
endlich erscheint constant auch bei den Agrimensoren (19, 4; 
20, 18; 114, 2); Frontin nennt 35, 13. (S 19. 39) die italischen 
agri in folgender Ordnung: colonicus, municipalis, castelli, 
concikabuli, saltus privati, die provinziellen: colomici italici 
iuris, colonici immünes, colonici atipendiarii , municipales, 
eivitatium peregrinarum, stipendiurii, selbst die reinen Titular- 
colonieen ohne Immunität gehen noch den Munieipien vor. 
Sieulus unterscheidet drei conditiones agrorum Italiae, (135, 
2; 163, 27): coloniae, municipia, praefecturae und handelt 
zuerst die Colonieen (135, 20), dann die von den socii ge 
gründeten Municipien (137, 5), zuletzt gelegentlich die Prä- 
fecturen ab (160, 9; vgl. 163, 26 respiciuntur leges civitati- 
bus datae i. e. coloniis municipiisque et praefecturis). 
Isidor or. 15, 2 giebt folgende Uebersicht: civitates — aut 
coloniae aut municipia aut vici aut castella aut pagi ap- 
pellantur. Die Uebereinstimmung aller dieser Schriftsteller 
ist zu gross um blos zufällig zu sein. 








gromatische Institutionen. 417 


Dieser Vorrang der wirklichen Colonieen vor den Muni- 
cipien, welcher hiernach in. der Kaiserzeit als entschieden 
angenommen werden darf, erklärt nun, dass das «ss und 
somen coleniae im Geiste der spätern Zeit auch ohne wirk- 
liche Deduction von Colonisten ohne constitutio municipii 
als ein Vorzug betrachtet und verliehen werden konnte. In 
den Provinzen war dieser Titel gewöhnlich der erste Schritt 
zur-Immunität und dem italischen Reeht, wie der usus togae 
eine. Vorbereitungsstufe zur Verleihung :der Civität *7”). In 
Italien, welches alle diese Rechte längst besass, war die 
Verleihung des blossen Colenielitels, ohne wirkliche Colonisten, 
die den ausgestorbenen oder aussterbenden Landstüdten auf- 
helfen konnten, eine Lächerlichkeit. Tacitus spottet darüber, 
dass die Regierung Nero's die durch ein Erdbeben ver- 
wüstete ‚Stadt Laodicea, welche.zu den bedeutendsten Asiens 
gehörte (er illustribus siae urbibus) ohne Beihülfe sich 
selbst überliess, während sie der alten Landstadt Puteoli in 
Italien (vetus oppidum Puteoli nicht zu verwechseln mit der 
Augustischen Colonie daselbst 236, 11) durch das sus coloniae 
ohne Colonisten und das cognomentum a Nerone aufzuhelfen 
glaubte *”%. Dennoch würde Rom selbst dem Ehrentitel 
Neropolis *'*) oder colonia Commodiana ***) kaum entgangen 
sein, wäre es nicht zu widersinnig erschienen, die Multer- 


477) L. 1 $3 D. de cens. 50,13. Leodicena colonia, — cui D. Secerus 
‚tus italicum. — concessit. Plolemensium enim colonia — nihil 
praeter nomen coloniae habet. lol in Africa, Juba's Residenz, 
erbielt von Claudius .Colonierecht und den Namen Cäsarea: Piin. nat. 
hist. 5$, 2, 20; Cäsarea in Samaria von Vespasian L.1 $6. L.8 $ 7. 
.D. de cens. 50, 15. — Usus togae: L. 32 D. de iure fisct. 49, 14. 

478) Tac. ann. 14,27. 

479) .Sueton. Nero 55. 

480). Dio .Cass. 72,15. 

Römische Feldmesser |l. 27 


418 RUDORFF 


stadt (werds) zu ihrer eigenen Tochter- und: Pflanzstadt zu 
erheben und hierin, nicht in dem Verschwinden der Titular- 
colonieen, wie. Zumpt nach Gothofred annimmt **!), ist der 
Grund zu suchen, wesshalb auch Constantinopel mit dem 
Colomietitel verschont geblieben ist. 

Wie wenig wirkliche Vorrechte jedoch aueh mit dem 
Colonielitel verbunden gewesen sein mögen, so ist er doch 
dadurch bemerkenswerth, dass er das einzige Vorrecht rómi- 
scher Colonieen bildet, welches den Umsturz des. Reichs 
überdauert hat: und in .den Eigennamen. der Städte Cöln, 
Augst, Apt, Merida u. a. noch heute fortlebt. 


VI Strigae, scamna und laterculi. 


66. Die Centurialion bezieht sich auf Ländereien, deren 
Eigenthum der Staat an eine andere Person weggiebt, 
diese mag eine privata oder eine publica persona sein: (S 20) 
eine Centuriation- ohne Auftheilung ist gegen alle Regel *". 

. Wenn also óffentliches Land einer Vermessung und 
‚Theilung bedarf, so kann diese nur so; vorkommen, dass 
1) entweder die quadratische Form ganz vermieden wird 
und an ihre.Stelle die oblonge tritt, oder 2) die Quadrate 


481) Gothofr. ad Cod. Theod. 14,13. Zumpt. de colon. milit. p. 440. 
482) Wenn in den Provinzen Centurien und Centuriationen vorkommen z. B. 
‚in Africa, Byzacena u. a. m. 307, 24. 355, 2. 12. L.10 C. Th. de 
annona (11,1) L.13 C. TA. de induig. deb. (11, 28) Nov. Valent. 17 
(t4. 34) Nov. 128 c. 1 so ist entweder 1) ein provinzielles altes Acker- 
4naass (122, 8) oder 2) eine Colonie gemeint, wie denn s. B. bei Tunis 
von den 30 Centurien der Augustischen : Colonie Carthago 28 nech 
heute in Mitten der gekrümmten Ackerstücke der. heutigen Bewohner 
deutlich zu sehen sind (Bahrdt, Wanderungen durch die Küstenländer 
des Mittelmeers 1849. 1. S. 87) oder 3) die Feldmesser haben miss 
bräuchlich Steuerland wie Colonieland limitirt (205, 1-—4. 307, 24). 





gromatische Institutionen. 419 


wenigstens keme Beziehung auf Marmtheile und Compagnie- 
Joose haben. 

Die Oblonga heissen strigae oder scamna, das so ge- 
streifte Land ager strigatus oder scamnatus, diese Form war in 
der dritten Periode nur noch bei den Privatpossessionen der 
civitates stipendiariae (agri vectigales) in den Provinzen 
übhch, weil sie als Zeichen der Eroberung betrachtet wurde, 
früher war.sie auch in Italien angewendet worden ($ 20). 

Die Quadrate dagegen heissen plintki, plinthides, later- 
culi, Ziegel und werden in der dritten Periode noch bei 
Staatsdomänen in den Provinzen angewendet. Die frühere 
Anwendung bei quästorischen Domainenverkäufen in Italien 
kam längst nicht mehr vor ($ 19). 

67. Die strigae und scamna auf den Gebieten eroberter 
tributpflichtiger Provinzialstädte wurden per proximos pos- 
sessionum rigores oder limitibus intercisivis gebildet (3, 2—5 
fig. 1; 206, 15 — 207, 2 fig. 199). Das Wesenlliche ist hier- 
nach, dass der Abstand zweier parallel laufenden Seiten des 
Vierecks (quadra) geringer ist, als bei den beiden andern. 
Der ursprünglichen Idee der „Ausschlachtung“ (intereisio) 
gemäss ($ 20— 22) musste er gerade die Hälfte betragen, 
also die längern Seiten das Doppelte der kürzern messen 
und die Vierecke Halbcenturien bilden, den Spätern erschien 
dies nicht mehr nothwendig (206, 15; vgl. 293, 11 — 17; 
Note 304). 


Länge ist nach Frontin die Richtung des Kardo von 


Norden nach Süden, die in dieser Richtung laufenden Streifen 

heissen strigae, das so gestreifte Gebiet ager strigatus; die 

scamna laufen längs des Decumanus von Westen ‚nach 

Osten, ihre grössere Ausdehnung heisst Breite (3, 12— 15; 

fig. 3. 200, vgl. S. 290. 347). Doch nennt schon Nipsus 

293, t1, der. freilich bereits die alten Grundbegriffe durch- 
27* 


420 RUDORFF 


einander wirft (Note 304) ein Gebiet ager scamnatus welches 
in Centurien von 24 Actus Länge, 20 Aclus Breite gestreift ist. 

‚ Die Hauptstrassen, ‚welche auch den -gestreiften Stadt- 
gebieten nicht fehlen dürfen, der Hauptmeridian (kardo ma- 
zimus) und der Zweitheiler (decumanus : marimus) von 
Westen nach Osten erhalten die nothdürflige voraugustische 
Breite von 20 Fuss (206, 9 sicut antiqui, vgl. 175, 15; 167, 
3— 15). Die Nebenfahrstrassen (actuarii limites), von denen 
die prorsi vier scamna und vier strigae, die transversi zwei 
scamna und eine sfriga einschliessen, erhalten 12, die übrigen 
limites lineari 8 Fuss Breite (206, 9—14. fig. 198;. vgl. 169, 9). 

Das ganze Werk wird an Ort und Stelle durch be- 
hauene und beschriebene Steine beurkundel. An den Haupt- 
sirassen erhalten sie die Noten X. M. und D. M., an den 
Nebenfahrstrassen, X. M. (oder D. M.) LIMES II (der Kardo 
oder Decumanus maximus wird als der erste gerechnet) u. s. w., 
auf der Platte wird die Region (D. D. V. K. = destra de- 
cumanum, ultra kardinem), an den Seiten die Nummer der 
Striga oder des Scamnum (z.B. STRIG.A4 I. SCAMNUM II 
206, 3—7; 207, 5 — 208, 2. fig. 201—209) vermerkt. 

Ausser dieser örtlichen Beurkundung wird der Act der 
Vermessung durch eine Karle mit öffentlichem Glauben fest- 
gestellt (125, 19 — 126, 1. 2; 208, 3. 4). 

Uebrigens waren die. Formen der Strigation in den 
vectigalen Städtegebieten der einzelnen Provinzen, unter sich 
keineswegs gleichfórmig gehalten (205, 7), nur der Abslich 
gegen die steuerfreien Coloniegebiele, wurde in der drillen 
Periode um so mehr aufrecht erhalten (205, 4; 36, 9 — 12; 
206, 3), als die Steuern selbst noch in der vierten in all- 
historischer Weise nach Stadtgebieten erhoben wurden. 

68. Von den steuerpflichtigen Privalpossessionen in den 
stipendiarischen oder vecligalen Landgebieten der Provinzial- 





gromatische Institutionen. 421 


städte sind die Domainen im vollen Eigenthum des Staats 
oder Princeps ***) in ihrer Limitation unterschieden. 

Diese waren weder centuriirt noch strigirt oder scamnirt, 
vielmehr behielten sie ihre alte vorrömische Gestalt (ler et 
consecratio vetus) selbst noch nach Vespasian, der überall, 
was von Privaten oecupirt war, an den Staat reclamirte. 

So waren die kónighchen Ländereien in Kyrene, welche 
Ptolemáus Apion 663 der Republik vermacht hatte ***) in 
plinthides oder laterculi zerschnitten, die ein Geviertes von 
6000 ptolemáischen Fussen, also 36 Millionen Quadratfussen, 
oder 1250 Medimnen. zu 28,800 ptolemaischen = 31,250 
rómischen Quadratfussen (S. 282, Note 143) ausmachten, so 
dass ein solcher Landziegel 1356*/4,, römischer Jugera mass. 
123,1 pes eorum, qui Ptolomeicus appellatur, habet monetalem 
pedem et semunciam. ita iugeribus numero oc CCL, quae 
eorum mensura inveniuntur, accedere debet pars XXIIII et 
ad effectum iterum pars X.XIIII et pr(erunt) universo effectu 
monetali pede iug. coCCCLVI 22. Hygin rechnet nämlich 
so. Das Verhältniss des römischen pes monetalis zum pio- 
lemäischen Fuss ist als Längenmaas — 1:1-+%,. Da 
aber vom. Fláchenmaass die Rede ist, so muss mit dem 
Faktor 1 + 4, zwei Mal multiplicirt werden. Man erhält 
also die richtige Zahl durch 1250 x (1 + 54,) x (1 4 44) 
Denn 1250 4- %,, 1250 = 52'/, giebt 1302/,. Hierzu 5^, 
von 1302, = Mes ‚giebt. 190 oder in runder 
Zahl 1902. | 


483) Wenn. sie nicht zu emphyteutischem Recht ausgetban waren: C. Theod. 
10, 3. ©. 11, 70 de locatione praediorum. iuris emphyleulici et ci- 
vilium vel Ascalium sive lemplorum sive rei privatae. 

484) Appiun. B. €. I, c. 11]. Tacit. ann. 14, 18. Eutrop. 6, 11. , 


492 RUDORFF 


€ 


IX. Die Ganggerichte 
Grundcharacter. 


69. Wir treten aus dem bisherigen Kreise nicht strei- 
tiger Angelegenheiten ( VII. VIII) in ein neues Gebiet agri- 
mensorischer Thätigkeit: die controversiae agrorum. 

In. diesen Streitsachen haben die Agrimensoren ein zwie- 
faches Amt: 1) in der wichüigern die sachverständige Be- 
gutachtung (advocatio), 2) in den geringern (intra quinque 
pedes) das Feldrichteramt selbst (iwdicatio), also die eigene 
"Entscheidung nach summarischer Verhandlung, in der nur 
Urkundenbeweis zugelassen und alle Rechtseinwendungen 
ausgeschlossen sind. Die Gutachten wie die: Urtheile sind 
eidlich zu bekräftigen (45, 5; 308, 19; 360, 23). 

Bisher. scheint man: das Wesen dieser Controversen 
mehr im Gegenstande. (materia controversiarum 9, 2), d. h. in 
ihrer. Bezieliung auf Landgebiete, als in einer rechtlichen 

Eigenthümlichkeit gesucht zu haben. Denn nur wenige 
Juristen führen sie als eine besondere Familie von. Rechts- 
streitigkeiten auf und auch die Behandlung dieser Wenigen 
zeigl, dass dies nur ganz äusserlich in Folge. der Zusammen- 
stellung bei Frontinus und ohne Erkenntniss ihres geschicht- 
lichen Zusammenhangs mit der Legis Actio per íudicis 
arbitrive postulationem, geschehen ist **).. . | 

In der That aber liegt in diesen Controversen ein ur- 
altes nationales Rechtsinstitut verborgen und es ist haupt- 
sächlich die Schuld des unwissenden ‘Comimentators zum 
Frontin, der die ländlichen Nachbarstreitigkeiten mit den 
abentheuerlichen fingirten controversiae verwechselt, die ihm 


485) Cniac. obs. 10, 2. Walter, Gesch. des röm. Rechts 1840 B. IV. Kap. 10. 
S. 783 — 788. 


gromatische Institutionen. 423 


aus der Rhetorensehule als Declamationsaufgaben für Ge- 
übtere geläufig waren ***),: dass unsere Romanislen dies nicht 
längst erkannt und den uralten Rechtsbegriff aus dem Schutt 
hervorgezogen haben, unter dem er: seit der Verwilderung 
der alten Gromatik verborgen liegt **"). 


486) Bernhardy, Grundriss der róm. Litt. 1850 S. 267. Aus der Rhetoren- 
schule stammen namentlich die ariden statue, effetius und transcen- 
dentiae (65, 14. Vgl. Quintil. H1. 6, 29 seqq.). Wie Cicero de erot. I. 
31, orat. 14., de part. orat. 29 unterschieden Julius Severianus und 
Marcianus Capella V, 443. 444 die drei status principales (an, quid, 
quale sit) und incidentes, während Andere wie Cassiodor, Sulpicius, 
Victor, Isidor zwei .stalus causartrm, den rationalis und legalis an- 
nehmen, in jenem aber nach Hermagoras und Cicero de inr. 1, 8 wiederum 
die conicetura, finis, qualitas, translatio trennen. 

487) Eine gute Analogie zur Veranschaulichung: des altitalischen Rechtszu- 
standes giebt das deutsche Recht. In verschiedenen Gegenden Deutsch- 
lands und der Schweitz hat sich bis auf den heutigen Tag in Nachbar- 
streitigkeiten in den Städten wie auf dem Lande ein abgekürztes Ver- 

‚ fahren erhalten, worin die Irrung ohne förmlichen Prozess vor den Ge- 
richten des Staats beigelegt wird. In Frankfurt kommt es unter dem 
Namen ,,Anlait* oder „Untergang“, in Hanau als „Ganggericht‘“ 

- hauptsächlich nur in Bausachen, also städtischen Streitsachen vor (August 

‚. Carl, die Natur der Hanauischen Ganggerichte 1827). In Württemberg 
aber gab es auch Felduntergänger mit Appellation an das „volle Dorf“, 
verschieden von den ,,Feldsteusslern**, welche blos den Feldschaden zu 
taxiren haben (Beck de iure limitum p. 19. Wüchter, württemb. Privat- 
recht I. 1. (1839) S. 47. 653. I. 2 (1842) S. 864. 1019). Wenn 
in’ Glarus das geschworene Gericht einen ,, Untergang 4 d. h. eine 
Besichtigung erkannt hat, so ernennt jede Partei zwei Schiedsmänner 

. àus der Mitte des Gerichts, der Landammann den Obmann, worauf dieses 
Gericht „auf Span und Stoss** (an den Streitort) binausgebt und den 
Augenschein einnimmt. In Appenzell entscheidet. .in jeder Rhode der 
Hauptmann und zwei Räthe (Blumer, Staats- und Rechtsgeschichte der 
schweitzerischen Democratieen I. (1850) S. 295). Vorzüglich aus- 
‚gebildet erscheint das Institut im Ansbachischen. Daselbst bestand ein 
»Siebnereigericht**, welches alle Frühling und. Herbst die Marksteine 
zu besichtigen und alle Markungsstreitigkeiten auszumachen, bei einem 
Anstand aber das vorgesetzte Amt zu Hülfe zu rufen hatte. Dies Feld- 
gericht wurde acht Tage vorher der Gemeinde verkündet, um die Mark- 
steine aufzudecken. Der neu aufgenommene und vereidete ,,Siebner* 
wurde in die Geheimnisse des , Schiedes- und Steineramts‘‘ eingeweiht, 


424 .— RUPDORFF 


, 70: Der Begriff der controversiae agrorum ist aus dem 
Grünzfrieden ($ 2) abzuleiten, welcher als eine religiöse Fessel 
(religio) ***) -der rohen Gewalt, die rechtliche Ordnung, von 
dem engsten Kreise des Vicus und Pagus ausgehend, in den 
politischen Einheiten der Civitas ($ 3), der Stüdtebünde, des 
alten Italiens, bis. in den äussersten Umfang des orbis Ro- 
manus verbreitet. . | . 

: Der Haus- und. Dorffriede vereinigt zunächst die Ge- 
.nossen desselben Vicus und Pagus zu einem geistlichen und 
weltlichen Communalverbande, welcher die Pflicht (officium) 
nicht nur freundnachbarlicher Eintracht (concordia), sondern 
selbst gegenseitiger Hülfsleistung in sich trägt **?). 

Durch: dieses- officium sind die Vicini und Pagani ver- 
pflichtet einander ünter keinerlei Vorwand zu befehden, son- 
dern ihre Streitigkeiten im Rechtswege auszutragen. Dieses 
Verfahren nennt die alte Rechtssprache iurgium, iurgare, 
von iure agere im Gegensatz der /ís, des feindlichen Zu- 
sammenslosses im gerichtlichen oder aussergerichtlichen Kampf, 
litibus et turgiis abstinere. war bei Verkündigung der Ge- 
richtsferien stehende Formel**?. Quibus res erat in con- 

mit den geheimen Zeichen der Fraisch-, Wildbanns-, Hut-, Zehnt-, 
Markungs- und gemeiner Lagersteine und Läufer bekannt gemacht und 
sodann verpflichtet, die eingenommene Kundschaft bis in sein Grab vor 
Jedermann, die Herrschaft ausgenommen, geheim zu halten: die Parteien 
müssen wenn ein Stein gehoben wird, wenigstens hundert Schritte ent- 
fernt bleiben (Haas, die Siebnergerichte und Märkervereine in Baiern 
1835. S. 34 ff.). 

488) Ovid. fast. 3, 276. Principio nimium promtos ad bella Quirites Mollire 

placuit iure Deumque metu. Inde datae leges ne firmior omnia pot- 

" &et Coeptaque sunt pure tradita sacra coli. Exullur feritas armisque 

potentius aequum est: Et cum cive pudet conseruisse manus. Vil. 
Note 14. — Einigung Italiens: Plin. nat. Aist. 3, 6. 

489) Cic. Planc. 9, 22 vicinitus — retinens velerem illum officii morem. 
Quintil. declam. 13 concors vicinia parvos limites coluit. Vgl. Fragm. 


vat. $ 158 vicinitatis — iure nemo polior existimetur, 
490) Cic. de leg. 2, 12, 29. Liv. 5, 13. 38, 51. 


gromatische Institutionen. 425 


troversia, lehrt Varro *!!) ea vocatur lis: ideo in actionibus 
(nämlich bei den praedes litis vindiciarum = rei et. fructuum 
im Vindicatiensprozesse) videmus dici: quam rem sive mi 
litem dicere oportet. es quo licet videre iurgare esse ab 
iure diclum quom quis iure litigaret und Cicero *'*) be- 
wundert die Feinheit des Sprachgebrauchs der Zwölf Tafeln, 
die das freundnachbarliche iurgare und die feindliche lis noch 
sorgfältig unterschieden: admiror, sagt er, nec rerum solum 
sed verborum etiam elegantiam. SI IVRGANT inquit. 
benevolorum concertatio, non lis inimicorum iurgium dicitur 
— iurgare igitur lex putat inler se vicinos non litigare. 
In geringfügigen Streitigkeiten (intra guingue pedes) sollten 
nach den zwölf Tafeln beide Theile einen Untergünger wäh- 
len, die Obrigkeit den dritten setzen und dieses Ganggericht 
naeh der Evidenz der: Gránzurkunden ohne Berücksichtigung 
der Usucapien die Irrung beilegen. Das Mamilische Gesetz 
erklärt sogar Einen für ausreichend. Eine Anspielung auf 
diesen Felduntergang enthält das Gespräch über die Ge- 
setze *°°): controversia nata est de finibus, in qua quoniam 
usucapionem XII tabulae intra quinque pedes esse [n]oluerunt, 
— nec Mamilia lege singuli sed ex his tres arbitri fines 
regemus. Q. Quamnam igitur sententiam dicimus? M. requiri 
placere terminos — iisque parere. 

Dagegen behauptete sich ausserhalb der nachbarlichen 
Genossenschaft in den vindicationes, den Streitigkeiten über 
Besitz und Eigenthum nicht angrünzender fundi und heredia 
das alte: Kampfrecht noch längere Zeit in einer Roheit, 


49]) Varro de ling. lat. 7, 93. 

492) Cic. de repubi. À" ap. Non. p. 430 Mercer. Vgl. Horat. ep. II, 1. 
38 excludit turgia finis. 2, 170. 171 vocut usque suum, qua populus 
adsila cerlis limitibus vicina refugil iurgia. Seneca fragm. ed. Niebuhr 
p. 100 fumiliare iurgium non iudicem sed arbitrum quaerit. 

493) Cic. de leg. I, 21 (55). 


426 RUDORFF 


welche den gerichtlichen Zweikämpfen über die Scholle des 
streitigen Erbes, wie sie uns in den altdeutschen Volks- 
rechten enigegentreten, wenig nachgiebt ***. Indessen hatte 
auch hier schon die Religion durch den Gottesfrieden der 
dies fasti und durch das sacramentum — ursprünglieh fünf 
Schafe oder fünf Rinder, seit den zwölf Tafeln funfzig oder 
fünfhundert Pfundasse, welehe jeder Theil als Kampfpfand 
zu erlegen hatte und der Besiegte als Strale des Friedens- 
bruchs an den Gotteskasten verlor — der Kampflust eine 
wichtige Fessel angelegt. Das Zwölftafelgesetz SI QVI IN 
IVRE MANVM CONSERVNT ermächtigte die Obrigkeit, 
sobald selbst in diesen Gränzen eine Kundgebung bewaffneter 
Gewalt (vim dicere) erfolgte, sich auf den Kampfplatz (in 
rem. praesentem) zu begeben, den Kampf ganz zu verbielen, 
das Possessorium allein, das: Petiterium unter dem Beirath 
des Volksgerichts der decemviri stlit$bus iudicandis und 
centumviri zu entscheiden oder in geringfügigen Sachen unter 
1000 Pfundas durch einen Spezialcommissar entscheiden zu 
lassen und die Restitulionsfrage nach dem billigen Bedünken 
dreier Sachverständiger zu erledigen. 

Indem in dieser Weise unter Bürgern sowohl die Jitet 
wie die iurgia in ein rechtliches Verfahren, die Jegis actio 
sacramento und per iudicis arbitrive postulationem, auíge- 
löst wurden, blieb nur noch mit und unter Nichtrómern ein 
Gleiches übrig. Dies erreichte man, so weit die staatliche 
Einheit reichte, in analogen Formen, obgleich der status 
condictus dies cum hoste noch an die Kriegsankündigung 
erinnert, welche in völkerrechtlichen Verhältnissen ohnehin 

494) Lex Alamannorum Lit. 84. L. Baiur. (it. 12. c..5 verglichen mit den 
Beschreibungen der altrómischen fundi vindicatio bei Cic. pro Muraena 
c. 12, 26. Gell. noct. Att. 20, 10. Gai. 4, 17. Vgl. Huschke, Rec. von 


G. Asverus, über die legis activ sacramenti. 1837, Krit. Jahrb. für 
Rechtswiss. 1839 S. 665 — 686. 





gromatische Institutionen. 427 


nie ausgeschlossen werden konnte. @. M. Minueieis Q. f. 
Rufeis, heisst es nn. Senatsconsult über Genua ***), de con- 
trovorsieis inter Genuateis et Veiturios in re praesente 
cognoverunt et coram inter eos controversias composeiverunt 
et qua lege agrum possiderent et qua fineis fierent disserunt, 
eos fineis facere terminosque statui iuserunt, ubei ea facta 
essent, Romae coram sententiam es senati consulto dixerunt. 
Und weiter unten: Quei controvorsias Genuensium ob iniourius 
(man sieht es waren Thätlichkeiten vorausgegangen) iudicati 
aut damnati sunt, sei quis in vinculeis ob eas res est, eos 
omneis solvei mittei liberarique Genuenses videtur oportere. 

71. Der unterscheidende Character aller controversiae 
agrorum liegt in dem Beweise durch Besichtigung der Gränr- 
urkunden an Ort und Stelle. 

Beide Parteien, ihre Freunde und Beistände begleiten 
die Richter an den Streitort (ad locum, in rem praesentem), 
jeder zeigt die von ihm beanspruchte Grünze vor (demonstratie 
finium Note 6), die Richter halten den Begang, erheben die 
Steine, untersuchen: die offenen und geheimen Kunden und 
weisen danach den Gränzzug auf ***) | 

Alles Augenscheinliche bedarf keines weitern Beweises, 
aber auch der Gegenbeweis ist ausgeschlossen, man be- 
trachtete die Sache als durch das Zeugniss des Terminus 
selbst entschieden *°”). . 


495) S. C. de Genuat. lin. 1—4. 42. Vgl. Cic. de off. I, 10, 33. Lir. 38, 38 fin. 

496) Apulei. metam. IX, p. 658 (Oud.). Fronto p. 140. Niebuhr. 

497) Ovid. fast. ?, 540 separat iudicio qui Deus arva suo. 675 Nec tu 
vicino quidquam concede roganti, Ne videare hominem praeposuisse 
Jovi. Et seu vomeribus seu tu pulsabere rastris Clamalto: meus est 
hic ager, ile (uus. Tibull. I. 3. 43 Azus in agris qui regerel certis 
finibus arca lapis. Lib. colon. 240, 18 testimonia agracia. 259, 25 
.leatimonio arcarum. Cassiod. var. 3, 32 terminis testibus. Isidor. or. 
15, 4. terminis testimonia finium intelliguntur. 


428 :RUDORFF - 


Insonderheit gilt eine Berufung auf Usucapion wenigstens 
in der Controverse über den durch Abpflügen verletzten nis 
nicht. Die zwölf Tafeln liessen sie beim Fundus zu, die 
Interpretatio dehnte dies auf den Locus und Aedes aus, der 
Finis aber gilt nicht als Theil des.Fundus, sondern als ge- 
setzliche Servitut. | 

Kann der arbiter den Knoten nicht lösen, so'^wird er 
durch Adjudication einer willkürlich gezogenen Gränze zer- 
hauen -(Orelli 3671). Die Vindication der wahren Gränze 
löst sieh in eine Theilungsklage des gemeinschaftlichen Streit- 
flecks auf (276, 2). 

Aus dem Augenschein erklärt sich die teehnische Be- 
zeichnung ‚der Gränzrichter und. der Besichtigung. 

Der älteste Name arbiter **5) ist sicher nicht von einem 
ungebräuchlichen geßlo für &gw (compono) herzuleiten, son- 
dern wie ager aus agere (368, 20) aus dem altrömischen 
erbitere gebildet. Ar ist, wie die Zusammenseizungen ar- 
cesso, arfuerunt, arfuisse lehren *, die bis ins siebente 
Jahrhundert der Stadt übliche Form für ad; betere, bitere, 
bitire, ist ire, ebitere = exire, imbitere — inire, perbitere = 
perire, folglich arbitere =. adire. und arbiter ein gehender 
Richter, arbitrium ein Ganggericht und gerade in diesen 
Wörtern haben sich beide alterthümliche Formen erhalten. 

In späterer Zeit, als bitere für ire obsolet geworden war 
und arbiter die allgemeinere Bedeutung eines Sachverstin- 


498) Plin..nat. Mst. 5, 27. Taurus mons, innumerarum gentinm arbier. 
Seneca Hippol. II, 2. 98 in campo eacer divieit agros arbiter populis 
lapis. Tertull. de pallio c. 2. (lordanes) arbiter finium. Das Arbitrium 
gründet sich entweder 1) auf Compromiss 43, 24 — 44,3. Terent. 
Heautont. 3, 1. 93. L. A4 D. de recept. 4, 8. 2) oder auf Bestellung 
vom Magistrat mach vorgängiger iudicis arbitrive postulatio (38, 23; 
43, 24). Nur auf diesen Fall bezog sich die  gesetzliehe Zahl. 

498) Priscian. I, p. 559. Putsch. 00007 








gromatische Institutionen, 429 


digen 'angenemmen hatte, nahnte man das Geschäft der Feld- 
untergánger .ire:(praeixe) ad locum (16, 24). In einem Streit 
zwisehen. Interamna und Reate wegen des Velinus hatte der 
Senat im Jahre 700 dem Consul Appius Claudius Pulcher 
samt zehn Legaten die Entscheidung übertragen. Dieser 
sagt von seiner ‚glänzenden Bewirthung auf der Villa dea 
Senalors Q. Axius bei Reate: cuius oves hospitales etiam nunc 
ructor, guas mihi opposuisti paucis ante diebus in villa 
Reatina ad lacum Velini eunté de controversiis Inter- 
amnatium et. Reatinorum *'?). 

Im Gegensatz dieser ed /locwm enntes heissen die ge- 
wóhnlichen Richter, welche Zeugen, Urkunden und gericht- 
liche Reden zu vernehmen haben, sitzende Richter, ihre 
Funktion sedere, ihre Versammlungen seesiones ?"!). 

In der Kaiserzeit, in welcher man den gehenden Richter 
aus den Regierungsfeldmessern (VI) nahm ’*), wird mensor, 
agrimensar, inspectar, artífes. und $nspectie agrorum (281 
bis 284) die vorherrschende Bezeichnung der Ganggerichte *9* 

Die leiste sichere .Spur ihrer . Anwendung .bielet ein 
Rechtsfall aus der Zeit der ostgothischen Herrschaft. — 
Leontius und Pascasius waren in einem Nachbarstreit bis zu 
bewaffneten Thätlichkeiten vorgegangen. Theodorich ordnet 


x 


4 


500) Varro de re rust. 3, 2. 3. Cicero war Advocat der Reatiner: ad Att. 
4, 15. pro Scauro 2, 2T. 

501) Cic. Cluent. 38 sedissenine iudices in C. Fabricium? Liv. 40, 8 sedeo 
miserrimus püler iudex tnter duos filios. Ovid. ex Ponto 3, 5. 23' 
sedissem. forsitan unus De centum index in (ya verba viris, Plin. 6. 
ep. 33 sedebant iudices centum et octoginta (im Centumviralgericht). 
Uneigentlich heisst es bei Propert. 3, 17, 27 sedet arbiter Orci. 

502) Orelii 4031. Rescript Vespasian's an die Vanaciner v. J. 71: n. Chr. 
de oentrobereia: Ánium quam habetis cum Marlenis — ul [iniret 
Claudius Clemens procurator meue el scripsi ei el mensorem miel. 
Vgl. Note 519. ' 

503) L. 1 C. TA. fin. rey. 2, 26. L. 9 €. Th. de censitoribus. 13, 11. 


490 RUDORFF . 


düen Feldmésser: ab . und. sagt in. deni Kommissorium ^^: 
$iramur tanta amimositate fuisse litigatum guod aut ter- 
minis testibus, aut supgis montium, vat. flsninum rdpie, aut 
arcaturis comsírmctis — vonstat esse definitum. -- dpri- 
mensori vero finium lis orta cemmitiitur, ut. tomtentionmn 
protervitas abscindatur. iudex. est utiyue artis suae, forum 
$peius apri deserti sunt. famaticum: credis quem. torfuosis 
semitis ambulare conepezeris — non ambulat iure commeni, 
via est ill sum lectio, ostendit quod dicit, probat quod 
didicit, gressibus suis concertantium türa' díscermit el more 
vastíssimi fluminis aliis spatia tollit, aliis rura concedit. 


Einzelne Controversen. 


72. Die conirovereiae agrorum umfassen alle Fülle der 
allen legis actio per iudicis arbitrive: postelatiunem in 
welchen die sachverstündige Beurteilung einer Streitig- 
keit über ländliche Grundstücke von det Erklärung det 
Grünazeichen und Karten (formae) ınithin ‘vom Urteil 
eines Feldmessers abhängt (Hygin. 134, 10); Weder die reine 
Rechtsfrage (22, 10. 24, 1. 36, 8. 12. 58, 21. 134, 7) noch die 
awar arbitreire. aber óconomische Restitutionsífrage iw der 
Vindicatiom, noch endlich die technische Beurteilung stádti- 
scher Nachbarstreitigkeiten *^*) gehört unter den Begriff. 

. Die velistándigste Aufzählung giebt Frentin, der funfzehn 
genera aufführt (9, 6): I) de positiotie - terminorum, 2) de 
rigore, 3) de ‚ne, 4) de loce, 5) de modo, 6) de praprietate, 
7) de possestions, 8) de allusione, 9) d» iure territorii, 

. 504) Casaiodor. Var. 3, 52. | | 

505) Cic. top. 10 (43) si in wrbe de Anibus conireversia ert, quia fine! 
agis agrorum. videnlur eose, quam. urbis, finibus ragundie adigere 
arbitrum non possis. Büume, ale res soji achliessen die Beurteilung 


durch Feldmesser nicht aus (25, 1— 26, 2). In ‚der Stadt aber treten 
andere ansitri ein. Orelli 3347. 





gromatische Institutionen. 431 


10) de subsicivis, 11) de locis publicis, 12) de locis relictis 
et estraclusis, 13) de lócis sacris et religiosis, 14) de agua 
pluvia arcenda, 15) de itineribus 29€), 

In den Pandekten steht nur noch der Titel finium re- 
gundorum (10, 1), si mensor falsum modum diserit (11, 6) 
und de religiosis (11, 7) also die dritte, fünfte und dreizehnte 
Controverse an der alten Stelle der Legis Actio per iudicis 
arbitrive postulationem zwischen den Vindicationen sacra- 
mento (Buch 5—8) und den Condictionen -(12—13) *"). Die 
übrigen Fälle des Felduntergangs sind anderswo eingetragen, 
so die vierzehnte Controverse de agua pluvia arcenda beim 
damnum infectum (39,3), die achte de alluvione beim Eigen- 
lhumserwerb (41, I), die siebente de possessione, die elfte de 
locis publicis und die dreizehnte de locis sacris bei den In- 
lerdicten (43. 6. 7. 17), wührend wiederum andere arbitria, 
nämlich Taxationen bei Beschädigungen durch pawperies 
(9, 1), damnum iniuria (9,2) und nora (9,4) neben die 
agrarischen Controversen gestellt sind. 

73. I. Der Streit über die richtige Stellung eines 
Gränzsteins (de positione terminorum) bildet meist eine 
Vorfrage für einen Grünz- oder Eigenthumsstreit (11, 1.2), 
welche rein technischer Natur ist Sie kann unter zwei 
Nachbarn vorkommen, wenn der Stein aus der Reihe, unter 
Dreien oder Vieren wenn er vom Trifinium oder dem Kreutz- 
wege abgerückt sein soll Bei der Besichtigung beachtet 
der Feldmesser das System der Steine auf dem ganzen Ge- 


506) Der späteren Auszüge (123, 17 — 124, 2) ist schon S. 232, der Cor- 
ruptionen (65, 14) Note 486 gedacht worden. — Die gelegentlichen 
Erwähnungen bei Cicero (Caecin. 13 de minimis aquarum. itinerumque 
controversiis — 26 descripla a maioribus iura finium, possessionum, 
aquarum, itinerum) bezwecken keine erschöpfende Aufzählung. 

507) Hugo, Rechtsgesch. 11. Aufl. S. 310. Civ. Mag. VI. S. 447. Helffter, 
Rhein. Mus. für Jurispr. 1. S. 51. 


432 .  ' RUDORFF 


biet, den Lauf der Reihen (rigores) und vergleicht damit die 
jetzige . Stellung des Steins gegen die Himmelsgegenden 
und die Limitation. Steht z. B. die Welterseite (S; 275) 
gegen Morgen oder Mittag, so ist die Verrückung des Steins 
augenscheinlich, oder ist ein terminus comportionalis, wie 
ihn die Veteranen zu erriehten pflegten, wenn sie ihr Feld 
reell unter ihre Kinder vertheilen wollten, mit der sehmalen 
Seite auf einen terminus pleuricus an der Hauptstrasse nicht 
so gerichtet, dass eine verlängerte Linie mit diesem einen 
rechten. Winkel bildet, sondern ist dieser Winkel spitz oder 
stumpf, “so ergiebt sich, dass. der terminus. comportionalis 
nicht an’ seiner Stelle steht (40, 1—20; vgl. 289, 18 — 290, 3). 

74. IL Die zweite Controverse betrifft den riger finalis. 
Rigor ist im. Felde, was auf der Karte die Linie, näm- 
lich ein geradeaus laufender Strich zwischen zwei Zeichen 
(eU9uwpía, tractus rectus) im Gegensatz der Krümme (lesus, 
interversura 33, 4. 5.98, 3—14 fig. 72— 74)... Der Rigor 
entsteht 1) durch Limitation, .die Kardines, Decumani u. s. w. 
sind Strassen. zwischen zwei rigores; 2) von Natur, wo ein 
Erdrücken in gerader Richtung durch grössere Entfernungen 
fortläuft (108, 18). Die Controverse über den limes finalis 
oder non finalis ist natürlich auf ein limitirtes Gebiet be- 
‚schränkt und wird durch Herstellung des Zimes ordinatus 
erledigt, die nach der Karte und der lex limitum keiner 
Schwierigkeit unterworfen sein kann (128, 20, 129,12. 286, 
11— 288, 17). Die Controverse über den rigor maturalis 
dagegen, welche auch auf arcifinischem Gebiet denkbar ist, 
wird nach einer eigenthümlichen Observanz beurteilt. Wenn 
nämlich. die Gránze. auf einen Hügel traf, so pflegie dieser 
bei der Ássignation entweder umgangen oder bis zum Fuss 
seines Abhangs dem obern Besitzer zugewiesen zu werden. 
Bis dahin gehört er also dem obern Besitzer wenn auch 


gromatische Institutionen. 433 


vielleicht die Grünzsteine aus Vorsicht, damit sie nicht herab- 
stürzen, auf der Höhe’ stehen geblieben sind (42, 4— 13. 22 
bis 43, 2). Diese Bestimmung stand bei der Colonie Veji in 
der Lex Limitum (108, 18 — 109, 22; vgl. 220, 13 — 221, 13), 
bei arcifinischen Gebieten galt sie nach Ortsgewohnheit. Vor- 
ausgesetzt wird jedoch, dass der Rigor 1) ein collis, von 
mehr als dreissig Fuss Hóhe, und 2) so sbschüssig ist, dass 
der untere Besitzer dem obern sein Land abgraben oder 
abpflügen kónnte (42, 14—21; 109, 2—8; 128, 15—17; 143, 
3— 13): kleinere Erhöhungen (supercilia, ripae) gehören ent- 
weder keinem von beiden Nachbarn (108, 20 — 109, 1) oder 
beiden zugleich, so dass die Hóhe in der Thal die Grünze 
bildet (42, 14 — 16). 

75. MI. Die dritte Controverse betrifft den finis. Dies 
ist der äusserste Saum einer ländlichen Besilzung (98, 3. 4. 
Note 3), er bestehe in einer graden oder krummen Linie 
(98,5 —9). Von dem Limes unterscheidet sich der Finis 
dadürch, dass jener die Regionen und Centurien der Feld- 
mark, dieser die Besilzungen der Eigenthümer scheidet, jener 
öffentliche, dieser Privat-Anstalt ist, jener nur auf limitirten 
Gebieten, dieser überall vorkommt (151, 17). Daher kann 
der Limes eine Besitzung durchschneiden und umgekehrt der 
Finis in die Mitte einer Centurie fallen. 

Wenn ein Grundstück bis an seine äusserste Gränze 
beackert, besäet oder abgeürntet werden soll, so müssen 
auch die angrünzenden betreten werden können. Während 
der Ackermann in der Furche auf dem äussersten Saum 
seines Grundstücks mut der Pflugschaar hinfährt, wird eins 
seiner beiden Zugthiere schon auf dem anstossenden Nach- 
barlande gehen. Will er am Ende der Furche °°°) seine 

508) Die äusserste Länge der Furche betrágt einen actus von 120 Fuss. 
Varro de ling. lat. 5, 34. Colum. 2, 2. Pallad. 1, 43. Plin. 18, 49. 
Rómische Feldmesser Il. 28 





N 


4394 RUDORFF 


Gränze erreichen, so muss er die Anwenden seiges Nachbars 
berühren, um auf diesen. queer ver der Furchenmündung 
liegenden Stücken den Pflug umwenden zu können. Da- 
durch wird der Finis jedes Grundstücks mit einer geselz- 
lichen Servitut des, Pflugwegs (actus) und der Pflugwende 
(circumactus aratri, versura)..belaste. Wenn also ein Streit 
über das Abpflügen (lis finalis Note 497) entsteht, so sind wie 
bei der Servitutenklage die Grundstücke selbst die eigentlichen 
Betheiligten °°) und zu ihrer Vertretung nur die Eigenthümer, 
denen die Emphyteuten und Pfandinhaber gleichstehen, wie 
die Nutzniesser legitimirt 5!?). Ist das Eigenthum pro indiviso 
gelheilt, so müssen die Miteigenthümer gemeinschaftlich auf- 
treten, ist der Figenthümer des einen Grundstücks Miteigen- 
thümer des andern, so ist die Klage ganz ausgeschlossen, 
da Niemand mit sich selbst Prozesse führen kann, der Eigen- 
thümer müsste denn zuvor entweder das eigene oder das 
gemeinschaftliche. Grundstück veräussern wollen '''), ‚Wenn 
durch Gebäude oder öffentliche Flüsse. und Wege die ge- 
selzliche Servitut des Pflugraums unmöglich ist, so findet 


Note 135. Am Ende dieser Furche wird. Halt gemacht, gerastet und 
der Zug gewendet. 

509) L. 4. $5 D. fin. reg. 10,1 = 277, 14 magis fundo quam personis 

. A adiudicari fines intelliguntur. Daher werden auclı die fines und Ser- 
vituten zusammengestellt, z. B. auf einer Inschrift bei Murat. 111, 1109 
cum finibus et ingressibus eorum. 

510) L. 4. $9 D. fin. reg. (10, 1) = 278, 1 L.5 $3 D.' arb. furt. caet. 
(47, 7). Das angenommene Judicium hört natürlich durch Veräusserung 
nicht auf. L. 9. D. fin. reg. (10, 1). Wird der Legitimationspunkt be- 
stritten und der Klüger ist im Besitz des Grundstücks, dessen Gránzen 
er in Anspruch nimmt, so untersucht ibn der Gránzrichter (Z. 1 D. fin. 
reg. 10, 1). Ist er nicht im Besitz, so kann er mit der Einrede ne 
praeiudicium fundo partive eius fiat genöthigt werden, vorher das 
Eigenthum in einem besonderen Prozesse nachzuweisen, erg. L. 10.18. 
D. de except. 44, 1. 

511) L. 4 $ 7. D. fin. reg. 10, 1 zz 277, 20. 


gromatische Institutionen. 435 


gar kein. iudicium finium regundorum Statt, weil es entweder 
an einem Finis oder an einem Confinium fehlte °'?). 

Die Legalservitut des Wegs und die Anwende beruht 
auf demselben Grundprincip wie die heutige Ausweisung 
eines Nothwegs: Jeder soll zu dem Seinigen kommen kónnen. 
Ueber dieses Bedürfniss des Zugangs hinaus darf der Nach- 
bar indess nieht belästigt werden. 

Daher bestimmt die römische Feldordnung dem Finis 
eine gesetzliche Breite (latitudo) *'*). Sie betrug fünf, höch- 
stens sechs Fuse, also Eggenbreite, daher heisst finis, was 
intra quinque pedes liegt: 126, 3: de fine si ageretur — 
quae res intra pedum quinque aut sex latitudinem quaesti- 
onem habet, quoniam hanc latitudinem vel iter ad culturas 
accedentium occupat , vel circumactus aratri. Auf jedes 
Grundstück kommen also: drittehalb oder drei Fuss, ein 
Raum der zum Fussweg für den Pflüger und das Zugthier 
eben hinreicht °'*). 

Diese Bestimmung seizen schon die zwölf Tafeln als 
uraltes Bauernrecht voraus, das Mamilische Gesetz brauchte 
zwar den Ausdruck INTRA PEDES QVINOS (144, 19) 
und manche Juristen behaupteten daher, jeder Nachbar müsse 
dem andern einen fünffüssigen Rainweg gestatten, denn der 
gesammte Gränzraum betrage zehn Fuss. Sie wurden aber 
mit Recht der Unkunde der alten Sprache geziehen, welche 
Distributiv- und Cardinalzahlen verwechselte (37, 24 his 


512) L. 4 $ 10. 11. D. An. reg. 10,1 = 278, 5; 279,6 — 18. 

513) 2.4 $10 D. fin. rey. 10, 1 ef in urbe hortorum latitudo con- 
tingere potesl, ut eliam finium regundorum agi possil. L. 43 pr. D. 
de pign. act. (13, 7) mota sibi controversia a vicino de latitudine. 

514) Ob auch die Hecke so weit zurückweichen musste, dass diese Legal- 
servitut ausgeübt werden konnte (wie es im deutschen Heckenrecht 
vorkommt) ist durch kein urkundliches Zeugniss zu erweisen. 


28* 


436 - RUDORFF 


38, 5) !!*), wie denn der städtische: ambitus um das Haus 
ebenfalls nur je 2'/,, zusammen 5 Fuss betrug: 370,27 *!*) 
Ja bis in die christliche Periode däuerte diese Vorschrift des 
ius. vetus | quinque pedum praescriptio (269, 2)], die prae- 
scripla lege (Mamilia) latitudo, das spatium pedum quinque, 
qui veleri iure praecepti sunt (269, 17) fort. 

- Manche neuere Juristen haben sich. diesen Rainweg als 
einen sichtbaren festen Grasrain vorgestellt. Allein mit Un- 
recht. Denn erstlich ist er überall nur'ein iter. ad cultu- 
ras aecedentium, ein circumactus aratri (126, 3; 127, 15), 
Fusswege. und Viehtriften aber sind nur Servituten, zwar hat 
die vig eine feste Fahrstrasse, das Pflügen und Eggen bis 
an die Gränze, ja über sie hinaus, welches jene Servitut vor- 
aussetzt, lässt jedoch keinen festen Grasweg entstehen. Dieser 
kónnte nur vorkommen, wo der Grünzstein durch einen 
Raum von mehreren Fussen gewahrt ist, also etwa bei 
Territorialgränzen, nicht zwischen Privatäckern; zweitens 
stehen Bäume auf dem Gränzstreifen, wie auf der Gränze 
selbst, die letztern (gemeinschaftlichen) pflegten auf beiden, 
die erstern auf der dem Nachbar zugewendeten, dem Grund- 
stück des Eigenthümers abgekehrten Seite bezeichnet zu 
sein (144, 12 — 20), diess passt nicht zu einer festen Strasse; 
drittens war es zwar nur eine besondere und zwar miss- 
bräuchliche Ortsgewohnheit, dass manche Gränznachbam 
ihre Grundstücke in einander pflügten. In dem Tadel dieser 
Confusion liegt jedoch nicht, dass sie einen breiten Rain, 
sondern nur, dass sie einen festen, wenn auch schmalen 


515) Auch in diesem Vorwurf scheint mir noch ein wichtiges Argument 
gegen Mommsen's Annahme S. 223f. zu liegen, dass unsere Lex Na- 
milia und das fünfnamige Gesetz (263 — 266) dieselbe Urkunde seien. 
Die Sprache Cásars war unter Domitian gewiss noch kein unverständ- 
licher antiquus sermo. 

516) Paul ex Festo s. v. ambitus. Isidor. 370, 27. Vgl. 372, 2. 





gromatische Institutionen. 437 


Rand zwischen ihren Grundstücken stehen lassen mussten, 
illud vero, sagt Siculus Flaccus 152, 1, invenimus aliquibus 
locis, ut inter arva vicini arguantur confundere fines eoque 
usque aratrum perducere, ut in finibus solidum marginem 
non relíquant, quo discerni possint fines. Puchta °'’), welcher 
wenn aueh nicht an öffentliche doch an körperliche Grünz- 
raine glaubt, mögte das von Lachmann verbesserte hand- 
schriftliche arciantur in concedantur umändern; es wird 
nach dem Verstehenden keiner Ausführung bedürfen, dass 
diese Conjectur kritisch und sachlich gleich misslich ist 5!5). 

Da nun innerhalb der fünf Fuss kein ordentlicher Rechts- 
weg gilt, vielmehr die Aussagen der geschworenen Feld- 
messer über die Gränzurkunden (observabilia S. 236) auf 
den Gränzsteinen *'*) in den Lagerbüchern (census) °*°) und 
den Besitzdocumenten (auctoritas) **') unwiderleglich ent- 


517) Puchta, Cursus der Inst. 2, S. 577. — 

518) Durch Connivenz oder häufiges Betreten mogte sich zufällig ein sicht- 
barer Pfadweg bilden. So heisst es von den linearit limites in den 
Provinzen si Anilimi interveniunt, latitudinem secundum legem Mamiliam 
accipiunt 169, 6, offenbar weil sie, wie in Italien (und selbst in den 
Provinzen 206, 14) die subruncivi, beim Abfahren der Aernte häufig be- 
nutzt wurden. 

519) L. 8 pr. D. fin. reg.: 10, 1 == 279, 28 terminosque per mensoren 
declarari iubet. $ 1. ad officium de finibus cognoscentis pertinet 
mensores mittere et. per eos dirimere ipsam finium quaestionem ut 
aequum est, si i(a-ves exigit, oculisque suis subiectis locis. 

520) L.11 D. eod. — 250, 5: vetera monumenta, census, auctoritas ante 
litem contestatam ordinatim sequenda est. Die Censusregister ent- 
hielten die Lage der Grundstücke und Angabe der Nachbarn. L. Á pr. 
D. de cens. 50, 16. L. 10 D. de probat. 22, 3. / 

521) L. 13 D. eod. = 278, 25 sciendum est in aclione finium regundorum 
illud observandum esse, quod ad exemplum quodammodo eius legis 
scriplum est, quam Alhenis dicitur Solon tulisse (folgt das Solonische 
Gesetz über den Abstand der Brunnen, Mauern, Bäume von der Gränze). 
Der Sinn ist: Wenn in Kaufbriefen oder Assignationsurkunden gesagt 
ist, dass Bäume und Gräben in einiger Entfernung von der Gränze . 
bleiben müssen, so gehören diese Urkunden zu den observabilia und 


438 RUDORFF 


scheiden, so folgt von selbst, dass der-Besita eines Stücks 
jenseits der Gränze, also auch die Ersitzung keine Beachtung 
finden kamn. 

Die neueren Juristen | pflegen diesen uralien Grundsatz 
wie ein positives Usucapionsverbot zu behandeln, welches 
sie auf die Heiligkeit und Unverrückbarkeit der Gränze zurück- 
führen 5*). Sie verwechseln aber die Grünzzeichen, welche 
res sacrae, oder den Limes, welcher als eine öffentliche An- 
stalt res senc£a ist, mit dem Finis. Der letztere ist-so wenig 
ein öffentlicher: Weg für das Publicum, als eine Communal 
anstalt. Er ist lediglich der mil einer gesetzlichen Servitut 
helastete Saum der Privatgrundstücke, welcher nach Belieben 
durch Kauf, Tausch, Schenkung, Theilung verändert werden 
kann (130, 12— 19) °*). Er braucht daher keineswegs wie 
der Kardo und Decumanus als öffentlicher Weg liegen zu 
bleiben, falls etwa der Eigenthümer ein grösseres Stück, 
einen locus, des benachbarten Ackers, durch Ceucapion mit 
dem seinigen vereinigt. hätte, , 

Die Ausschliessung der Usucapion intra quinque pedes 
hat vielmehr folgende Gründe. 

In den meisten Fällen fehlt ein Erforderniss der Usucapion, 
entweder 1) der Titel und die Ueberzeugung, die mit dem 


der Feldmesser muss die Grünze nicht in der Mitte des Baums oder 
Grabens, sondern erst in der angegebenen Abstandsweite vom Baum 
oder Graben suchen. Die unmittelbare Gültigkeit des solonischen Ge- 
setzes, welche man aus der Stelle bat ableiten wollen, würde mit den 
arbores, fossae und viae communes auf der Grünze (142, 13; 147,2; 
148, 9) in Widerspruch stehen. Zeitschr. für gesch. Rechtswiss. 10. 
S. 385. 


522) Unterholzner, Verjáhrungslehre I. S. 178—180. Dirksen, Zeitschrift für 
gesch. Rechtswiss. II. S. 413. 


523) L. 12 D. fin. reg. 10, 1 == 280, 9 — 15. Edict. Theodorici c. 105. 
L.1 C. fin. reg. 3, 39. 





gromatische Institutionen. 439 


Abpflügen unvereinbar sind °**), oder 2) die Possessio. Denn 
in dem usus ifinería ad culturas oder in dem circumactus 
aratri läge höchstens der Quasibesitz einer intermittirenden 
Wegeservitut, nicht der Sachbesitz, besonders wenn der 
Saum unbestellt liegen bleib. Die Eigenthumsersitzung ist 
also unmöglich, weil es am zweijährigen ununterbrochenen 
Besitz fehlt; die Servitutenersitzung ist unnóthig, weil die 
Servitut dem Nachbar schon gesetzlich zusteht (126, 3—8; 
127, 13— 17). | 

Von diesen Mängeln abgesehen wird die Ersitzung in 
der: That vollendet, aber der Arbiter darf sie doch nicht be- 
rücksichtigen, weil er nicht nach den Grundsätzen des Rechts, 
sondern der Kunst zu entscheiden hat und das Zeugniss 
des Terminus schwerer wiegt, als der zwei- oder zehnjährige 
Besitz. Wenn z. B. die Gränzzeichen unkenntlich geworden 
sind, der Nachbar in gutem Glauben seinem Grundstüfk all- 
mälig drittehalb Fuss angepflügt und diese Accession beim 
Verkauf seines Landes dem neuen Erwerber mit überliefert 
hat, so ist sein Titel, da er das Ganze, nicht den einzelnen 
Theil besitzt, kein putativer, die Usucapion wird also vollendet, 
allein im Gränzstreit wird sie nicht berücksichtigt. 

Es gab mithin ausserhalb des Streits über den Finis 
kein Usucapionsverbot und durch Anstellung der Vindication 
hätte man die Beachtung der Usucapion erzwingen können. 
Da jedoch die Gränze ungewiss und die Vindication eines 
Incertum rechtlich unmöglich 555) ist, so. konnte man allen- 


524) Consul. c. 9 (Valens 365) fines etiam, quos temeratos adseverat, 
amola praescriplione temporis, hi, qui pervaserunt, ut ratio iuris 
est, redhibere coguntur. L. 22 C. fam. here. (3, 36) L. 3 C. in 
quib. caus, cessat (7, 34). 

525) Gai. 4,54. L. 76 $8 1 D. de H. V. (6, 1). 


440 RUDORFF 


falls sagen, die Usucapion sei aufgehoben, weil die Nicht- 
beachtung der Aufhebung praktisch. gleichkam 5*5). 

Der summarische Character der controversia de ine 
(38, 1—5; 169, 6. 7) ist selbst auf das christliche Rom über- 
gegangen. s 

Constantin verordnet 263, I2 in emer Bekanntmachung 
an alle Provinzen, .dass der Praeses in Gränzsachen intra 
quinque pedes auch fernerhin die Entscheidung T'echnikero 
überlassen müsse. Valentinian, Theodos und Arcadius wollten 
diese freie Behandlung im J. 385 sogar auf die Controverse 
de loco ausdehnen (269, 1— 13), man kehrte aber nach wenigen 
Jahren zu der alten Beschränkung auf, den fünffüssigen 
Gránzraum (guinque pedum praescriptio) zurück (269, 14 bis 
270,3 vom Jahr 392). Wie nun aber in diesem die Feld- 
messer sine observatione temporis (269, 18) die Gränze her- 
stelle, so sollen sie auch die dreissigjährige Klagverjährung 
nicht „observiren“, so dass die Zeit überall nicht zu ihren 
observabilia gehört: in.der L. un. C. Theod. de act. certo 
temp. 4, 14, welche die dreissigjährige Verjährung allgemein 
einführt, ist daher der Gränzstreit ausgenommen: petstso finium 
regundorum in eo scilicet, quod nunc est, iure durabit. 

Justinian hat die summarische Natur der . Controverse 
de fine auch auf die Controverse de loco ausgedehnt, so 
dass es jetzt nur noch eine Art von Gränzstreitigkeiten 
(finales quaestiones) giebt und die Aussprüche der Juristen 
über die Lex Mamilia als unpraktisch aus den Pandekten 
weggelassen sind. Dies ist geschehen durch Aufnahme der 


526) Die Evictionsleistung hängt davon ab, ^ ob die Garantie für den 
Gränzstreit (intra fines neminem ingressurum) mit übernommen ist, 
L. 10 C. de evict. 8, 45,‘ sonst haftet der Verkäufer nur für dolose 
Heticenz L. 39. D. de A. E. V. 19, 1; nicht wie Müller, Eviction 
(1851) S. 251 Note 21 annimmt, von dem Gegensatz der Controverse 
de fine und de loco. 


gromatische Institationen. 441 


Anfangsworte der Valentinianischen Constitution vom J. 385: 
Quinque pedum praescriptione submola finalis surgii vel 
locorum libera peragátur intentio ?'"), worin die Vorschrift 
eines fünffüssigen Pflugraums, folglich die Unterscheidung 
zwischen dem arbitrüren, iurgium finale und der juristischen 
Controverse de loco beseitigt, und die freie Behandlung der 
erstern (libera peragatur) auf die letztere ausgedehnt wird. 
Nur die dreissigjährige Klagenverjährung soll allgemein be- 
achtet werden. Dies Letztere hat Justinian dadurch aus- 
gesprochen, dass er die L. un. C. TR. de act. certe 4, 14 
wegliess und die Verordnung von 392 in folgender Gestalt 
aufnahm: Cunctis molitionibus et machinationibus amputatis 
decernimus in finali quaestione non longi temporis sed tri- 
ginta tantummodo annorum praescriptionem locum habere ?*^), 
; womit auch die Aufhebung der von .Anastas als üusserstes 

Supplement eingeführten vierzigjährigen Verjährung *??) zu- 
sammenhängt. Eben so sind nach den leges agrariae die 
Gränzzeichen als öffentliche Urkunden das allein Entscheidende, 
Verjährung kommt erst bei gänzlichem Mangel derselben in 
Betracht 5??). 

Im Abendlande ist die summarische Natur der Controverse 
de fine nicht nur auf die Controverse de loco sondern selbst 
de iure territorii übergegangen, mithin gemeines Recht der 
Gráünzstreitigkeiten überhaupt geworden. Nach dem Rescript 
Theodorich's (Note 504) sollte der Streit über die. Gränzen 


527) L 5 C. An. reg: 3, 39. 

528) L. 6 C. An. reg. 3, 39. 

529) L. 1 $ 1 C. de ann. ezc. 1, 40. 

530) Harmenopuli manuale legum ed. G. E. Heimbach 1851 p. 832 n. 9. 
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10 dixo. el dà zu 6g05 &pyaiós Pati, 7) doyale dıiaxpeınoıs 
anagaoaltvrog Égro. 


442 . RODORET 


zweier Landgüter. (casarwm suarum) lediglich ‘ven einem 
Agrimensor entschieden werden. - Das Westgothische .Gesetz- 
buch lässt gegen die Evidenz der Grünzzeichen nur unvor- 
denklichen Besitz gelten **'). In einem Streit über die Diöcesan- 
gränzen von Ecija und Cordova folgte das zweite Concil zu 
Sevilla der Verordnung Valentimian's von 385, aus der sogar 
einige Ausdrücke wiederkehren **).  . 2E 

76. JV. Wir gehen zu der im Vorstehenden. bereits 
berührten Controverse über einen Streitfleek, de Joco, fort. 

Locus, sagt Ulpian mit Bezug auf das Interdiet, uti 
possidetis eum fundum oder locum 9**) ,/ est non "fundus sed 
portio aliqua fundi.. Fundus awtem integrum aliquid. est. 
ceterum — quaelibet portio fundi poterit fundus dici, si 
iam: hec constituerimus. neo non et fundus locus constitui 
potest: nam si eum alii. adiunzerimus fundo, locus fundi 
efficitur **). sed fundus quidem suos habet fines : locus vero 
latere potest, quatenus determinetur et definiatur. Der 
Loeus ist also ein reeller Theil eines Fundus; dieses Theil- | 
und Abhängigkeitsverhältniss ist das Entscheidende, die Grüsse 
ist für das Interdict gleichgültig. 

In der Controverse de loco .wird jedoch nur ein angrün- 


531) L. Visig. 10,-3. 4. Vgl. L. Baluvar. .tit. XI. c. 3 $3.%. In der 
Lb. Hom. Burg. Til. XVII. Agri quoque communis nullis terminis 
limitati exaequationem inter consortes nullo tempore denegandam ist 
entweder die actio communi dividundo zwischen dem Rómer und Bur- 
gunder (wie Barkow annimmt) oder die Controverse de modo gemeint. 

532) can. 6 C. XVI qu..3. placuit inter alternas partes inspectores viros 
millere, ita ul, si in dioecesi possidentis sitam basllicam veleribus 
signis limes praefixus (vgl. 269, 5. 6) moustraverit, ecclesiae, 
cuius est iusia retentie, vit aeternum dominium. 

533) L. 60 pr. $ 2 D.de V. 8. 50, 16. Rudorff, Zeitschr. für gesch. Rechts- 
wiss, X] S. 336. 

. 634) 130, 12—19. L. 24 $ 2. 3. D. de legat. 1" (30). 


gromatische Institutionen. 448 


zendes über den fünffüssigen Gränzraum hinausgehendes 
Privatgrandstück als /ocus betrachtet (13, 1—3, 43, 20) °*°). 

Die Controverse de fine und. de loco haben also nicht 
dasselbe Object, das Urtheil in der einen erzeugt gegen die 
andere keine ezceptio rei iudicatae, aus dem Compromiss 
auf einen Schiedsmann über einen streitigen Finis wird keine 
Busse verwirkt, wenn sieh ergiebt, dass das zweite Streit- 
object ein Locus, also nicht eadem res ist (43, 23 — 44, 3) *!*. 

Dennoch zählt die Controverse de leco zu den Grünz- 
streitigkeiten im weitern Sinn, denn es handelt sich um die 
Frage: zu welchen der beiden benachbarten Fundi der strei- 
üge Locus gehóre, mit andern Worten; wo die Grünze der 
beiden Fundi sei. (129, 14. 15). Diese Frage aber ist eine 
technische und kann nicht wohl anders als durch Augen- 
schein und Sachverständige *?") entschieden werden, wo denn 
die Gleichheit oder der Abstich der Culturart, des Alters der 
Forsten, der Waldwirthschaft, der Reihen in den Weinbergen 
(13, 3— 6; 129, 15—21), die Einfassung des Guts (14, 9—12; 
130, 20 — 131, 2), die vorherrschende Art der Begrünzwng . 
(131, 3—9) w s. w. ergeben müssen, welchem Fundus der 
streitige Fleck als Theil angehört. 

Allen die Partei, gegen welche diese Argumente zu 
sprechen scheinen, könnte rechtliche Einwendungen vor- 
bringen, z. B. sie habe dieses Stück vom Nachbar durch 
Tausch, Kauf, Usucapion erworben und mit ihrem Gute ver- 


535) Abweichend scheint Isidor 5, 25 finium regundorum actio dicta ex eo, 
quod per eam reganlur fines utrique ne dissipenlur: dummodo 
non anguetiore quinque pedum loco eacontrovcersia sil: 
er meint aber unter der actio finium fegundorum die Controverse 
de loco. 

536) L. 3. 5. 28 D. de exe. rei iud. 44, 2. L. 44 D. de recept. A, 8. 

537) Sueton, Otho Á.. Tacit. Met. I, 24: de parte finium cum vicino litiganti 
adhibilus arbitér — 


444 RUDORFF 


einigt, ohne. die Culturart zu ändern und die bisherigen 
Gränzzeichen entfernen zu lassen. Mit diesen Einwendungen 
muss Jeder gehört werden **?), da das Gesetz ultra quinque 
pedes die Beachtung der Usucapion .oder anderer rechtlicher 
Erwerbstitel nicht ausschliesst. . Dadurch aber wird die Be- 
weiskraft der Ergebnisse des Augenscheins vernichtet und 
die Entscheidung von den rechtlichen Momenten des Rechts- 
acts oder der Ersitzung abhängig (130, 1— 19) :®).. Die 
Controverse de loco ist daher vorwiegend juristischer Natur 
(130, 1. 10) ®*9). 

In der vierten Periode versuchte zuerst Constantin die 
technische Entscheidung der Controverse de loco ganz aus- 
zuschliessen: cum de maiore spatio causa, quoniam non 
finalis sed proprietatis est, apud ipsum praesidem. debeat 
terminari (268, 15). Valentinian II wollte umgekehrt die 
rechtlichen Einwendungen der Usucapion und longs temporis 
praesoriptio beseitigen und Alles blos. durch Arbitri und 
Gränzurkunden entschieden wissen (269, 1—13). Theodosius, 
Honorius und Arcadius stellten jedoch das solenne Verfahren 
mit vollständigem :Gehör aller Einreden wieder her: si loca 
in controversiam | veniunt, sollenniter de his iudices  re- 
cognoscent (269, 19). Justinian ging einen Mittelweg, er 
verwarf den Einwand der zehn- und zwanzigjährigen Er- 
sitzung, während er die dreissigjährige Verjährung zuliess. 


538) L.2 C. fin. reg. 3, 39 = 280, 6— 8. 

539) L. 12 D. fin. reg. 10, 1. Edict. Theod. c. 105. L. 1 C. fin. reg. 3, 99. 

540) Das Zerhauen des Knotens durch Adjudieation kommt auch in ihr vor: 
sed el loci unius conirorereia sagt Paulus, L. 4 pr. D. fin. rej. 
10, 1 == 276, 18 in partes rei scindi adiudicationibus polest, proul 
cuiusque dominium in: eo loco iudex compererit, und die Formel 
kann daher nicht die reine petillo ex iure quiritium, von der Frontin 
44, 8. 9 spricht, sondern nur ein iudicium miztum und depiex faim 
regundorum, Gai. Á, 42 gewesen sein. 





gromatische Institutionen. 445 - 


Im Westen dagegen ist die summarische Natur der Grünz- 
sachen, d.h. die Verwerfung aller rechilichen Einreden vor- 
herrschend. geblieben. Im ost-' und westgothischen Reich, 
wie in der Kirche (Note 531. 532), wurden durchgängig die 
öffentlichen Urkunden als das allein Entscheidende angenom- 
men und Rechtsausflüchte abgeschnitten. Der Gedanke, die 
prozessrechtliche Behandlung der Gränzstreitigkeiten nach 
der Wichtigkeit des Objects. zu bestimmen, scheint hier ganz 
abhanden gekommen, und die heutigen Prozessualisten, welche 
mehr dem canonischen als dem römischen Recht folgen, 
rechnen sie daher ohne Unterschied zu den summarischen 
oder ausserordentlichen Prozessen **!). 

77. V. Die Streitigkeit über das Flächenmaass (de 
modo) kommt in drei Anwendungen vor: ]) wenn in einer 
lez coloniae (13, 7—14, 6. 45, 8. 9. 131, 10— 13) oder 2) in 
einer lez contractus (14, 6—8. 45, 9. 10) einem Einzelnen 
oder einer juristischen Person ein bestimmtes Landmaass zu- 
gesichert, 3) wenn in einer Profession behufs der Grundsteuer 
unrichtiges Maass angegeben worden ist (45, 20 — 48, 5). 

1):1m ersten Fall wird ein Arbiter gegeben, der die an- 
geblich zu kleinen oder zu ‘grossen Loose in der Centurie 
nachmisst: und den Besitzern der leiztern das Uebermaas zu 
Gunsten der erstern aberkennt. Die Entscheidung ist sicher, 
wenn Lage, Maass und Gestalt der Grundstücke auf der 
öffentlichen Flurkarte aufgeführt sind (46, 9 — 19) ***. Von 
diesem Fall ist L. 7 D. fin. reg. (10, 1) — 278, 13 zu er- 
klären: de modo agrorum arbitri dantur et is qui maiorem 
locum in territorio habere dicitur ceteris qui minorem locum 


541) Linde, Lehrb. des Civilproz. $ 329 Note 7. Bayer, summ. Proz. $ 3. 

542) Unzuverlissiger sind die Angaben in Privatacten, z. B. Kaufbriefen und 
andern Geschäftsurkunden, da das verzeichnete Maass oft ein blos ein- 
gebildetes ist (131, 16 — 132, 23). 


446 .  RUDOREF 


possident, integrum locum adsignare compellitur: idque ita 
rescriptum est. Da jedoch das fehlende Maass von dem Be- 
sitzer auch rechtinässig erworben sein könnte, so ist derselbe 
mit der Einrede des Kaufes, der Usucapion u. S. W. zu hören 
und die Controverse nimmt. dann einen rechtlichen Character, 
gleich der vorigen an (45, 13— 16; 132; 9— 11). — In der 
vierten Periode ‚wird. ein ähnliches Verfahren. angeordnel, 
wenn über falsches Maass verliehener- terrae laeticae ge- 
klagt wird ?**). 

2) Wenn der Verkäufer oder Verpachter im. Contract 
(cautio) über sein Grundstück ein bestimintes Ackerınaass 
zugesagt hat, so haftet er für ‚das Fehlende; beim Verkauf 
im Ganzen nach dem Flächenmaass, wenn er die einzelnen 
Bodenclassen, als Ackerland, Weinberge, Wiesen garantirte, 
zugleich für die Bonität 5**) und zwar wenn die Angabe in 
einem Mancipalionsinstrument (emtio) vorkommt, wegen der 
öffentlichen Lüge sogar für das. Doppelte ***). Ufer, Wege, 
Haine, Limites werden nicht eingerechnet, wenn nicht die 
Einrechnung ausdrücklich bedungen ist, auch die Alluvion 
nützt dem Verkäufer nicht, wenn er wusste, ‚dass. das ver- 
sprochene Maass zur Zeit. des. Verkaufs nicht vollständig 
war, eben so wenig hilft ihm das Uebermaass eines zweiten 
gleichzeitig verkauften Grundstücks °*%). Die Ermittelung 
des Maasses ist lediglich Sache des Feldmessers, welcher 
jedoch für falsche Angabe dem Käufer,. der zu viel bezahlt, 


543) L.9 C. Th. de censitorib. 13, 11. Roth, Gesch. des Benefizialwesens 
(1850) S. 48 Note 27. 

544) L. A $ 1 D. de A. E. V. 19, 1. 

545) Paul. sent. 1. 19. 1. 11. 17. A. Rudorff über die Litiscrescenz, Zeit- 
schrift für gesch, Reehtswiss. XIV Num. 12. S. 417 — 430. 

546) L. 7 $1 D. de peric. (18, 6). L. 51 D. de C. E. (18, 1). £. 13 $4 
L. 49. D. de A. E. V. (19, 1). Vgl. L. 64 $1 D. de evict. (21,2). 











gromatische Institutionen. 447 


wie dem Verkäufer, welcher zu wenig erhält, subsidiür ver- 
haftet bleibt 5*"). | 

3) Dasselbe gilt in Grundsteuersachen, wenn das Flächen- 
maass und die Bonität des Landes nach der forma."**) in 
der. professio censualis anzugeben ist, und entweder der 
Staat über zu geringes Maass . (205, 16 — 206, 1) oder der 
Steuerpflichtige über zu hohen Ansatz Beschwerde führt 
(46, 21 — 47, 20). Ä | | 

78. VI. Der Streit über das Eigenthum (de pre- 
prietate) kann 1) ein angränzendes Stück Land zum Gegen- 
stand haben,.dann ist er zugleich Gráünzstreit (de loco) und 
nimmt durch Verwerfung der Usucapien und Gestattung der 
Adjudication eine eigenthümliche Natur an: er ist dann nicht 
mehr Vindicatio, sondern nur pro vindicatione rei '?). 
2) Das Streitobject kann aber auch eine entlegene Pertinenz 
sein, z. B. ein. Holztheil im | Gebirge, welcher einem Hofe, 
oder eine Weide, welche mehreren Häfen gemeinschaftlich 
angewiesen ist, ein Wald, eine Präfectur, welche zu einer 
Golonie geschlagen wurde. Dann ist der Prozess ein reiner 
Rechtsstreit, die Formel eine Vindicalion ex iure quiritium 
oder in den Provinzen ez aequo (36,8. 9); der Beweis wird 
durch die Ermittlung der Causa, d. h. der juristischen That- 
sache der Entstehung des Eigenthums geführt. Insofern 
jedoch diese eine datio assignatio ist, kann der Judex oder 


547) L.1 pr. D. si mensor (11, 6) nam interest nostra ne fallamım in 
modi renuncintione si forte vel de finibus contentio sit (Fall: Num. 1) 
vel emptor vel vendilor scire velil cuius modi ager veneat (Unser 
Fall: Num. 2). Wegen der Subsidiarität: Rudoríf, Zeitschr. für gesch. 
Rechtswiss. X, S. 424 — 426. 

548) L. À pr. D. de censib. 50, 15. 

549) L. 1 D. fin. reg. 10,1 2 276,2. 3. Doch heisst er geradezu causa 
non finalis sed proprietatis, bei Constantin 268, 16 causa finalis de 
proprietate soli imo viae herciscundae in einer Anspielung bei Apulei. 
metam. VI. fin. \ 


448 RUDORFF 


eine Partei Zuziehung eines l'eldmessers verlangen, um die 
Flurkarte zu erklären und dadurch die Assignation der Per- 
ünenz an das klägerische Gut zu beglaubigen (48, 7.8; 
49,1—3).$63. — | 

79. VI. Der Besitzstreit, controversia de. posses- 
sione, wird entweder 1) über ein angränzendes oder 2) über 
ein nicht angränzendes Grundstück geführt: es giebt eben 
sowohl ein Interdiet uti possidetis eum loeum als eum 
fundum quo de agitur ??), . | 

Im ersten Fall kann auf das Possessorium die contro- 
versia: de loco, im zweiten die controversia de proprietate 
als Rechtsstreit folgen (16, 22—24 nach 267, 7 —10). Ja 
es kann in staats- und völkerreehtlichen Verhältnissen über 
den Besitz eines eger gestritten werden, so dass eine contro- 
versia de iure territorii das Petitorium bildet ®°'). In dem 
Rechtsstreit kann eine sachverständige Entscheidung nöthig 
werden, die Besitzfrage dagegen gehört allemal zum ordeut- 
lichen Recht (16, 3, 20), wodurch nicht ausgeschlossen ist, 
dass sie in einem anderen Sinne ertra ordinem, nämlith 
vom Imperium aus ohne Judicium durch ein obrigkeitliches 
Manutenenzdecret, entschieden wird. 


550) L. 1 $ 7. D. ui possidetis. (43, 16). L. 60 D. de V. S. 50, 10. 

551) Liv. 40, 17: Eodem anno inter populum Carthaginiensem et regen 
Massinissam in re praesenti disceplatores Romani de agro fuerunt. 
ceperat eum ab  Carthaginiensibus pater Massinissae Gala, Galun 
Syphax inde expuleral, postea — Carthaginiensibus dono dederdl. 
Carthaginienses eo anno Massinissa expulerat. — Carthaginiense 
quod primo maiorum suorum fuisset, deinde ab Syphace ad st 
percenisset, repetebant (Petitorium), Massinissa paterni regni agrum 
se el recepisse et habere iure gentium aiebat et causa el posset- 
sione superiorem esse. — Legali possessionis ius non suutarimi. 
cawsam (das Petitorium) integram Homam ad senatum reiecerunl. 
Liv. 38, 38 si qui sociorum P. H. ultro bellum inferent Antiocho 
vim vi arcendi ius eslo — Controversias inter se iure ac iudicio 
disceptent: aut, si utrisque placebit, bello. 





gromatische Institutionen. 449 


Das Manutenenzdecret ist entweder 1) anf Räumung 
des- fehlerhaft. erwerbenen Besitzes, oder. 2) auf Verbot der 
Gewalt gegen den fehlerlosen Besitz gerichtet. 

Das erste, das [nterdict.usnde vi. wird an den jetzigen 
faklischen Besitzer erlassen, es befiehlt ihm die Restitution 
des Besitzes, die mit dem blos pönalen Interdict uti passidetis 
anfänglich gar nicht zu erlangen war. Der Implora& kann 
der Contraventionssträfe entgehen, ‚wenn ‘er zu rechter Zeit 
auf upparteüschen Entscheid durch einen Arbiter antrügt 5*!). 

Das zweite, das Interdict wi possidelis eum locum 
oder fündum, wisd.an beide. streitende Theile erlassen. Lässt 
sich der Verleizer die Eigenmacht. des Verletzten. z. B. das 
Wiederanpflügen des abgepflügten Landes gefallen, so ent- 
steht gar kein Streit, denn wo kein Widerspruch erfolgt, 
liegt auch keine vis vor. Widerspricht er, so läuft der Pro- 
zess in ein rein pónales Contraveniionsverfahren mit Ver- 
steigerung des Interimsbesitzes an den Meistbietenden (fructus 
licitatio) und Conventionalstrafen für den fehlerhaften Be- 
sitzer, der den Besitzeswillen des Anders gegen das Verbot 
verletzte, hinaus. Dieses Contraventionsverfahren wird zu 
den weilern Schritten in Folge des Befehls (cetera er inter- 
dicto) . gerechnet. (44, 6) ***), Die Prozesse nämlich, welche 
dem Gewalühütigen. drohen; sind so mannigfaltig, dass sie 
zu einer fünffachen Condemnation führen können und Frontin 
mit Recht sagt, es sei ein Wagestück es mit dem Interdict 
zu versuchen, und wer keinen recht festen Besitz habe, 
möge das Petitorium wählen: de loeo, si possessio petenti 
firma erit, etiam interdicere licet, dum cetera ex interdicto 
diligenter peragantur: magna enim alea est litem ad inter- 


552) Gai. 4,141. 162-165. Anwendung auf Gránzstreitigkeiten: L. 8 pr. 
D. fin. reg. (10, 1) == 279, 24 — 28. 

553)! Gai. 4, 170.. 

Römische Feldmesser Il. 29 


450 . RUDOBRFF 


divsum deduvere, cuius eut executio perplexiesima. - sí vero 
pobsessio minus firma est, miulata formula sure qim 
peti debet propréetus -locé (44, 4) *5^..— 

Der Befehl lautete: ws). possidetis eur; locum. quo. de 
agitur alter. ab altero nec vi nec clom neo precario ita 
postideatis. adversus ca vim flori vete, d. h. um zu gewinnen, 
muss man relativ fehlerlosen Besitz beweisen. 

. Damit nun ‘der. Beweis. nicht schon. em: dem. ersten 
Stück dieses Beweises (uti possidetis) scheitere, wind num 
z. B. wegen des Hechwaldes, der nur alle fünf Jahr einmal 
durchforstet wird (44, 16) *), wegen entlegener- Triften die 
selten benutzt werden, das Petitorium. vorziehen *59), und es 
nur bei Acker 55), Wiese: und Weingärten,. bei denen die 
Besitzhandlungen häufiger \ vorkommen, init dem Possessorium 
wagen (44, 15, 21—26). rota dot u 

Um ferner die zweite Voraussetznig: eum. lecum tr 
wesen: zu können, wird man es mit dem Interdiet nur wagen 
dürfen, wenn das Stück eine. deutliche Gränze hat, denn au 
einer incerta pars pre diviso ist keine. Pesseseio mägieh 
(44, 9— 12) 5:6. | 

Endlich aber muss ran sich. den cetera es: interdiete 
also der Áblemtung der Sponsionen, der Versteigerung der 
Früchte: gehörig unterziehen, sonst setzt man sich weiteren 
Weitlüufügkeiten aus, denn das Gontumazialverfahren m den 


554) Quintilian. I. 0. IM. 6 non debuisti interdicere sed petere: an recle 

interdictum sit ámbigttur. 

555) L. 80 $ 2 B. de C. E. 18, 1. L. 14 pr. C. de serv. 3, 35. 

356). Möglich war der Sieg allerdings, da saltus hiberni und aesti anime 
retinirt werden. L. 44 $ 2. L. 46 D. de poss. 4,2. 

$57) In den Provinzen bezweifelt 'Frontin 36, 13-—15, selbst st Aeekern 
die Möglichkeit des Interdicts, weil er den Einzelnen nicht als Eigen- 
thümer, sondera nur sis Besitzer (4, 1. 2), folglich die Ausübuag sei- 
nes Rechts nicht wieder als Besitz 'betrachtat. 

558) L.2 $ 7 D. uti poss. 43, 17. L.3 $ 2 L. 26 D. de poss. 41,2. 


int dh Au mdi 


gromatische Institutionen. 451 


Interdicten besteht nicht darin, dass der Prütor militärisch 
mit dem Imperium emschreitet, sondern der Widersetzliche 
wird durch Üeberschüttung mit Prozessen in bester Form 
Rechtens zum Gehersam genöthigt **^). Ä 
In der vierten Periode ist das alte Contraventionsver- 
fahren gegen das Interdiet uff possidetis mit seinen nur unter 
römischen Bürgern üblichen Spensionen und Licitationen 
aufgehoben und das Interdict uti. possidetis im eine gewöhn- 
liche Klage aus der Besitzstörung selbst verwandelt **9), 
welche nach emer Verordnung Constantin's (267, 7— 10; 
vgl. 16, 23. 24) **!, im den Gränzsachen dem Petitorium vor- 
aufgehen soll. Dagegen tritt nunmehr gegen den gewalt- 
lhátigen Occupanten, die Strafe der Invasion d. h. Vertust des 
erelrittenen'Eigenthums, oder wenn der Invasor mieht einmal 
Eigenthümer war, Herausgabe des alterum tantum ein **f). 
80. VII. - Die Streitfrage über Anschutt und Abtrieb 
(de alluvione et abluvione), Flussinseln (insula in Aumine 
aeta) und verlassenes Flussbett (alveus relictus) geht 
die. Feldmesser nur insofern an, als etwa zufällig in limitirten 
Feldmarken ein Fluss mit assignirt, oder dem Flussbett eine 
gewisse Breite emgeräumt ist, denn in solchen Fällen muss 


559) L. 1 $ 2 D. si ventris (25,5) coget. autem eum decedere non prae- 
toria potestate vel manu ministrorum, sed melius et civilius factet, 
si eum per interdictum ad ius ordinarium remiseril. 

560) $ 8 J. de interdict. 4, 15. L. 1 pr. D. uti poss. 43, 17 wo eigent- 
Kích nur das Cascellianum iudicium Gai. 4, 166 beibehalten ist. Vgl. 
Zeitschrift für geschichtl. Rechtsw. XT, 360. 

561) L. 3 C. fin. reg. 3, 39. 

562) L.1 C. Th. fin. reg. (2, 20) == 266, 15 = L. 5 C. unde vi (8, A) 
L. 2 €. Th. fin. reg. (2, 28) = 268, &—11 ze L. 4 C. eodem 
Cassiodor. Var. III. 20. Lec Rom. Burgund. tit. 39. Lex Visigot. 
VIII tit. 1. n. 2. 5. Capitularia regum Froncorum lib. VII. c. 160. 325. 


20* 


452 . — RUDOBFF 


die Fhnkarte egtscheiden (51, 3—9. 18—20; 125, 5—18) **:). 
Abgesehen davon ist die Controverse zechilicher Natur, 

- In limitirtem Lande nämlich gehören die Alluvionen, 
die Inseln und das verlassene Flussbett dem Occupanten, 
wenigstens hören sie auf ausserhalb des Verkehrs zu stehen!) 
Das ‚Recht der Alluvion tritt hier nicht ein, weil. regelmässig 
nieht. der Fluss, sondern der Limes die Gränze (finis) machi 
(D1,7)**5. Ist der Fluss mit assignirt, so gilt er als Privat- 
fluss und die Inseln wie das Belt gehören dem Eigenthümer 
allein (50, 24 —51, 5). Ist ihm ein besonderes Gebiet an- 
gewiesen, so müssen. die Inseln und die Alluvionen inner- 
halb desselben consequent dem Verkehr entzogen bleiben. 

‚Dagegen gilt für das arcifinische Land und sogar 
für das bmitirte, wenn der Fluss, selbst, die Grünze, bildel 
(50, 6. 7) das Recht der Alluvion und Circumluvion °*), der 
Inseln und: des verlassenen Flussbetts. Dieses ‚Recht wird von 
den Juristen, auf das natürliche Princip der Accession zurück 
geführt; das vom Fluss bedeckte Land ist publicum, solum, 
das vom Wasser entblósste privatum, in demselben Maass 
also, in welchem das Wasser, es sei an, dem einen Ufer, 
von den Inseln oder aus dem ganzen Flussbett zurückweicht 
und die bisher bedeckten Flächen der Grundstücke entblösst 
werden, tritt auch das Privateigenthum der anliegenden 
Grundeigenthümer heraus °). Daher wird auch der Fluss 


563) Zum limitirten Lande wird aber hier nicht blos das assignirte, sondern 
"auch das quüstorische und Vectigalland gerechnet, weil auch darüber 
öffentliche Risse existiren: 125, 19—126, 2 L. 16 D. de A. R. D. 41,4. 

564) L. 1 $ 7 D. de ftrum. 43, 12 occupantis alveus fiet, cerle desinel esse 
publicus. Folgerichtig müsste das Eigenthum dem auctor divisioni 
bleiben und der Oceupant mur Besitzer werden. | 

565) L. 16, 36 pr. D. de A. R. D. 41, 1. 

566) Cic. de or. 1, 38. 173. 

567) L. 7 pr. — $6 D. de A. R. D. 41, 1. 1.156. 7 D. de flum. 43, 12, 





gromatische Institutionen. 453 


einem ‚Feldmesser und Grünzrichter (arbiter, censitor) ver- 
glichen, der: dem Staat wie dem Einzelnen (er privato in 
publicum und ex publico in privatum) Eigenthum ab- und 
suspricht *%). ‘Eine Modification dieses Gruhdsatzes war in 
einem Responsum des Juristen‘ ‘©. Cassius Longinus ent- 
halten, welches in einem Rechtsstreit abgegeben würde, den 
die Gewalt des Po veranlasst hatte, eines Stroms, bei wel: 
chem dergleichen wasserrechtliche Fragen 'so häufig vor- 
karnen, dass der Dichter von ihm sagt: JHos terra fugit 
dominos, his rura colonis Accedunt donante Pado — und 
selbst -Hyginus 124, 11-— 14 eine poetische Beschreibung 
entwirft. Nach diesem ‚Gutachten, welches uns nur die 
Agrimensoren (124; 11 — 125; 4; 150, 24 — 151, 5; 399, 28 
bis 400, 7) aufbehalten haben, wird das Recht des Anschutts 
und Abttiebs 'auf den Gegensatz von Culpa und vis maior 
zurückgeführt. Der allmälige Abtrieb' (abiuvio) geht dem 
Eigenthümer verloren, er mag sich nun im Strom 'auflósen 
oder vor einem afidern Grundstücke ansetzen (49, 18— 50, 7; 
274, 5 —14). Wenn dagegen der durch Gewitterregen plötz- 
lich angeschwollene Strom das Bett veründert, so bleibt dem 
beschädigten Eigenthümer die Verfolgung seines Rechts 
unbenommen, da er hiergegen durch Buhnen und Faschinen 
nichts vermag **^), 

Der Einfluss, welchen Abluvion. und Alluvion früher auf 
die Grundsteuer ausgeübt hatte ’”%), wird in der vierten 
Periode aufgehohen (274, 5.— 23), weil der Besitz kein 
sicherer sei.und bei nüchstem hohen Wasser wieder verloren 
gehen könne (274, 5 — 23) *!. 

568) L. 30 $'3 D. de A. A. D. (41. 2d Casstodor. Var. 3, 53. Tertuliian. 
. de pallio c. 2. 
569) L. 1 pr. $8 —5 D. de ripa mun. (43, 15) L. 1 C. de alluv. (7, 41). 


:570) L.'1 $1. 9 D. de censib. (50, 15). 
571) Die Worte ut iudicio agrimensoribus finiatur 274, 15 und haec agri- 


404. REDOREF . 


Der Streitigkeiten über ‘die Gränze des Meeresufers ge- 
denken die Agrimensoren nicht, Celsus führt eime angebliche 
Entscheidung Cicero's aus einem Prozesse an, worin dieser 
Arbiter war, nach welcher der höchste Stand der Flut die 
Gränze bildete: litus est, qua usque maximus fluctus a mori 
pervenit: idque M. Tullium aiunt , cum arbiter ennt, 
primum constituisse 9). . ' - 

81. IX. Die Controverse über. die Hoheite- Weichbile 
und Jurisdictopsgränzen kam in Halien fast nur unter zwei 
oder mehreren Gemeinden vor, nnd heisst davon contronertia 
de iure tarrétosii *).. Nur die ‚Stiftungen 162, 29 .und der 
Kaiser 213,4 hatten hier. noch. einige Domainen und Herr- 
sehaften. In: den Provinzen aber, besonders in Africa, we 
es weilläufiige Weide- und Waldgüter (saifswe) mit einer 
zahlreichen Hirten- und Arbeiterbevölkerung (populis plebeius) 
und Befestigungen im Besitz einzelner Privat - Gerichtshern 
oder des Kaisers gab (58,3 — 9; 47, 8—-10) "5, "wurden 
dergleichen Streitigkeiten auch ‚wohl mit und. unler den 
grossen. Mamainen- und Grundhesitzera geführt. Sie bilden 


mensorum semper esse tudicla 275, 13 fehlen aber sowohl in L.3 
.C. de elio. 7, 4$ als Nob. Phdod. ttt; 30 und gehören daher zu doa 
. absiehtlichen Fálschusgem der Feldmessersammlung, 

— $72) L.96 D. de V. S. 50, 16. Cicero selbst schreibt eine ähnliche nur 
poetischere Definition seinem Collegen Aquillius Gallus zu: sofebat igitur 
Aquilius colldga et familiaris meus, cum de liloptyur ageretur, quac 
omnia publica esse vultis. (L. 2 $ 1, — L.4 pr. D. de div. rer. 1, 9. 
L. 51 D. de C. E. 18, 1) quaerentibus iis ad quos id pertinebat, quid 
esset litus, ita. dofinire: qua fluctue eluderelt.. Man hat daber 

. bei Celsus M. Tullium in. Aquillium ändern wollen. Allein beide De 

finitionen sind wenigstens in der Form verschieden und die Tradition 
des Celsus kann daher ihre Richtigkeit haben. . 

573) Beispiele: Orelli 3110, 3121, 3671, 4031; Pooocke descriptia orianlis 
Tom. I p. 278. Romanelli topogr. Nupol. Tom. I. p. 34%, Grut, 119, 4- 
Liv. 111, 71. 72. .XLIV, 61. XLV, 13. Cio. de off. & 10, 33. 

574) Plin. nat. hist. 18, T (6), à. Ammian. 29,5. &. 02 pr. D. de AH 
V. 19,1. L. 25 D. de piga. act. 13, 7. 





gromatische Institutionen. 455 


die Prüjudismlfrage für die Hoheiterechte des Heerbarins, 
der Gerichfsbarkeit °”) und Besteuerung, z. B. für die Aus- 
hebung von Recruten, die Ansage. von Lasten und Krieger- 
fulwen, welche auf dem Grundbesitz ruhen (52, 18 — 53, 2. 
9—13; 114, 12-15) und daher auch von Bürgern fremder 
Städte getragen werden müssen, sofern sie innerhalb des 
Stadtgebietes Gremdstücke unter dem Pflug und in der Stadt 
eigenen Raach haben (161, 16; 53, 23) °”°). Die Controverse 
wird theils:naéh den Grünzrecessen (114, 15 — 115, 3; 168, 28 
bis 164, 2), den leges coloniarum et muhicipiorum (18,5 bis 
19,5; 164, 3— 24), theils nach dem Augenschein und den 
termini territoriales entschieden (114, 14 — 115, 3; 163, 20 
bie 164, 2). Uc 

‚ Aehnliche Slrciipkeen. können über die Grünzen der 
pest und Dorfmarken geführt werden, werm bestimmte 
Lasten, wie die Holz- und Strohfuhren für das Heer, be- 
stimmten Pagi obliegen. Die: Grünsen pflegen sieh aus 
den Lusiratienen (secra paganorum) der magisiri pagoram 
(168, 28— 164, 2. 25) zu ergeben 9"). Das Ergelmiss kanh 
sugleieh für die Territorialgränzen wichtig werden, wenn ein 
Thesl der Flurgrünze mit der Hoheitsgränze zusammentrifft 
(364; 35. 165, 9j. 

82. X. Die Controverse über die Subseciva, —- die 
Reelamation der dem Staat verbliebenen oder den Gememden 
überlässenen nicht assigumten Centurientheile — veranschau- 
licht Domitian's Entscheidung zwischen den- Colonieen Firmum 
und Falerio in Picenum, weiche ülter ist als sein allgemeines 


. $75) L. 20 D. de iurisd. 2, ].. 
570) Cic. in Verr. IV, 11. 26. L. 29 D. ad municip. 50, T. L. 3 — 6. C. 
de incolis. 10, 39. 
$77) Mommgen inagr. Neop. 1594 (Benevent) —  epulontibus hie pagani 
annuos CXXV dari iusserunt ea condicione ut Non. Iun. pagum 
luetrent et sequentibus diebus ex consuetudine sua cenent — 





Edict über die Subseoiva, nach dessen Erlassung dergleichen 
Prozesse nicht mehr. vorkommen konpten 59) Imp. Caesar 
Divi Vespasiani f. Demitianus Jugestue Pontifet mas. 
trib. potest. imp. II cos. VIII designat. FIIR p. p. salutem 
dicit IIlIviris et decurionib. Faleriensium ex Piceno. Quid 
sonstituerim de. subeicivis cognita cause. inter. vos- ei: Fir- 
manos ui notum habetetia huic epistulae subici iussi; P. Va- 
terio Patruino — cos. XIIII kal.. Augustas.. Imp. Caesar 
Divi Vespasiani f. Domstianys Aug. adhibitis wiriusque 
ordinis splendidis viris -cogni(a causa inter: Falerienses .et 
Firmanos ‚pronuntiavi quod. subscriptum est. ..Et vetustas 
litis, quae post tot amnos refraotatur a Firmanis adversu 
Falerienses, vehementer me movet, cum possessorum securitati 
vel minus multi anni sufficere possint, et Divi dugusti 
dilsgentissimi et indulgentissis&i erga. quartanos  &uos prin- 
cépis epistola, qua admontit eos, ut "omnia subseciva sua 
eolligerent et venderent, quos tam salutari admonitéoni pars- 
ésee nom dubito. propter. quae poseesserum -ius confirmó. 
Falete. D. .X1 K. Aug. in Albano.. Agente curem -T. Bovio 
Fero. Legatis P. Bóvío Sabino D. D. P. P. Petronio :4chille. 
Augustus hatte. Veteraneh der. vierten Legien in Falerio 
colonisirt (227, 11. 16. 228, 1) und da das Gebiet dieser Stadt 
micht-ausreichte, der Triumviralcolonie Firmum Länd abge- 
nommen. :Dies war nicht ganz assignirt und Firmum vindi- 
zirte die Subseciva (119, 3. 4), Augustus hatte jedoch das 
gesamte, nicht blos ‚das assignirte Firmanische Gebiet der 
Colonie Falerio zugedacht, und ihr- auch .:die Subseciva con 
cedirt, um sie für Rechnung ihrer Stadtcasse zu verkaufen 
(vgl. 53, 20). Dabei war es geblieben bis Vespasian überall 
in Italien die Subseciva reclamiren liess. Dieses Beispiel 
hatte die Firmaner ermuntert ihr altes Eigerithum gegen 
578) Orelli 3118. _ .. . MEM 


gromatische Institutionen. 457 


Falerio hervorsushchen. In Folge des. Prozesses erschien 
eine der vielen Deputalionen (legationes), welche seit Vespa- 
sian's . Confisealien der Subseeiva den Princeps bestürmten 
(54,8) °”*), am Hofe Domitan's auf dem Albanischen Sommer- 
sitz ®°°) und preduzirte jene episfola Divi Augusti. Domitien 
entschied seiner ‘Gewohnheit nach in Persen (cawea cognmi- 
fa) °°'), in Anwesenheit der Abgeordneten des Ordo beider 
Städte. Die Entscheidung fiel theils wegen jenes Rescripts 
theils in Rücksicht der Vetustas für die beklagte Gemeiride 
und die Besitzer als deren präsumtive Rechtsnachfolger aus. 
Die letztern waren also nicht selbst Parta, sondern bitis- 
denunziaten, denn die Prozesse über Subseciva konnten nur 
unter Gemeinden nicht unter Privaten geführt werden (58, 21 ; 
54, 14). Die Falerionenser liessen die Entscheidung m Erz 
graben und in ihrem Tabularium aufbewahren, aus dem sie 
erst im Jahre 1599 zu Tage gekommen ist. 

83. Xl. Der Streit de locis publicis im eigentlichen Sinn 
ist die Vindiealion der Staatsgüter der römischen res peblica 
aus den Händen widerrechtlicher Occupanten (possessores) ***). 

Ungeachtet der ungeheuren Assignationen und Verkäufe 
in der Uebergangszeit von der Republik in den Principat, 
besass die Stadt Rom noch in der dritten Periode in Italien 


579) Orelti 4031.. Dem Edict Vespasian’s (L. 4 $6 D. de logationib. 50, 7) 
gemäss bestand sie aus zwei oder drei Personen, dem curator rei- 
publicae und zwei Gliedern des Ordo. 

580) Sueton. Domil. c. 20. 

581) Suefon. Domit. c. 8. 

582) Liv. 42, 1 senatui placuit, L. Postumium consulem ad agrum publicum 
a privalo terminandum in Campaniam ire, cuius ingentem modum 
possidere privatos, paulatim proferendo fines, constabal. Suel. Aug. 
32. Loca in urbe publica iuris ambigui possessoribus adiudicavit. 

: Besonders eifrig war dagegen Vespasian Orelli 3261. 3689. — Es gab be- 
sondere cwratores locorum publicorum persequendorum. Mommsen 
inscr. Neap. 6804. 





458 |" — RUDORMEIP- — 


Ueberreste ihres alten ager publfcus, mar bestsmden sie meht 
mehr in Ackertand, welches längst vergeben: war, "sondern 
3n Waldungen auf dem Gebirgen, wie denn ganz in der Nähe 
der Berg Mutela und die römischen Berge (montes Romanı) 
bei Reate noch der Stadt Rom: gehörten und das davon zu 
entrichtende Veetigal in das Aerar floss Qi 3; 136, 21 bis 
137, 4) 8 24. | 

Aber auch die Bundesstädte mà 'Colohieeb, weiche 
keine so riesenhafte Assignationen zu bestehen hatten wie 
der Staat, besassen sogar verhältnissmässig noch mehr üffent- 
liche Grundstücke. ' Diese sind 1) Zoca urbane (18, 4) v. D. die 
öffentlichen Gebüude (opera publioa), 2) loca suburbana (55,8) 
vor der Stadt v. B. die Richtplätze, die Begrübniesstitten der 
Armen und Pilger,'cwlinae genannt (65, 9), weil dort das 
Leichenmal verbrannt wurde ®®), 3) loce agrestie im Land- 
gebiet (18, 3) z. B. die Stadt- und Bürgerwaldungen und 
Weiden (17, 1—19, 5; 55,1; 197, 20-188, 2. vgl. $ 57.58), 
die der Stadt attribuirten ehemaligen Versammlungsérler 
( coneéliabula in municipii ius relata, 55, 16*9*3. u. s. w. 
Diese Gemeindegüter sind, werin auch nicht eigentliche res 
publicae, sondern res wniversifatis, dennooh nicht minder als 
das Staatsgut Gegenstand ‘einer locorum publicorum perse- 
cutio. Der curator rei publicae halte von Amts wegen dar- 
auf zu sehen, dass dieselben der Stadt erhalten wurden, 


manche Städte ernannten eigene Deputationen zu ihrer Ver- 


583) Paul. ex Festo v. culina vocatur locua, in quo enia in funere 
comburuntur. 

584) Vgl. Liv.40, 37 decemviri supplicationem — in urbe eL per omnia 

fora conciliabulague adizerunt — et, veneficit. quaestio — quod is 

urbe propiusve yrbem decem millibus passuum esset, opmmiseum 

, €. Claudio. praelori, — ullsa decimum lapidem per fora conciliabulaque 

. £C. Maenio — decreta, P UM * 





gromatiseha - Instutionen. 459 


folgung '*'), in den Provinzen haite zugleich. der StaMhalter 
das städtische Vermögen zu überwachen ***). 

Die Vindication ößentlichen Eigentums wird durch 
Usucapion nicht ausgeschlossen ?*"). -Der Richter ist also auf 
sachverständigen Entscheid nach der ‚forma oder alten Ur- 
kunden hingewiesen (5b, 12.— 15) ***). 

84. XII. Die Controverse de locis relictis et esira- 
olsısia, unterscheidet sich von. der vorigen dadurch,. dass diese 
Stücke immer eine Colonie vorausseiven, Von den subae- 
civis sind die relicte. durch ien grössern Umfang ver- 
schieden. ‚Bechtlich aber stehen sie den sudsecioa gleich. 

85. XlIE Die Controverse über die Heiigthümer (de 


585) Orelli n. 256. 3840 -- -3842. Grut. 200. 5. 0. 

586) L. 5 $1 D. de op. publ. 50, 16. (Ulpian. lib. sing. de officio curatoris 
rel publicae). Pines publicos a privatis deitneri non oportet. curabil 
igiiur pracseo prowisciae, si qui publici sunt a privalis aeparara et 
publicos potius reditus augere. si qua. loca publica vel gedificia in 
usu privalorum inveneril, aestimare utrumne vindicanda in publicum 
sint, an vecNgat eis sullus eit. imponi et id quod utilia esse vel 
publicae. intellezerit, «equi. 

587) L.9 D. de usurp. 41, 3. Seneca. ep. 79 iuris conswli negant, quic- 
quam publicum wsucapi. Dies hat Frontin 50, 15—18 bei dem retu« 
«ireua dem alten, aher noch wicht gane verlassenen Fhussbett des Po 
eder Tiber (20, 10; 55, 19) im Sinn.  Dareuf bezogen sich die 
curatores alvei Tiberis. Mommsen inscr. Neap. 4036. 4550. 5944. 

588) Die Güter der Stadt Pampeii, welche widerrechtlich in Privatbesitz über- 
gegangen wasem, liess Vespasian durch den feibanue willlasn T. Suedius 
Clemens „causis cognilis ei mensurse [fjactia * der Stadt restituiren, 
wofür diese ibren Dank durch ein Monument (Orelli 3202. Mommsen 
inser. Neap. 2314) darbringt. In dem Prozesse der Stadt Daulis und 
des Memmius Antiechus wegen der Stadtwaldungen und Oelberge im 
1. 148 n. Chr. gieht der Römische Procansul einen zomns aa) 0peg7c 
der nach eingenemamenem Augenschein (eui t7» evzowíny PA3oy) die 
vom Beklagten überschrittege Gränzen seines Antheils au restituiren 
hat, In desselben Sache werden später wegen einiger unenischieden 
gebliebener Streitpunkte noch zwölf aadıg Richter gegeben, deren Urteile 
die Stadt in Stein. hauen liess, der theilweise erhalten ist. Beeckh, 
corp. inscript. Tom. J. p. 149 sq. 


94 

460 ' v' RUDORIT . 
locis sucrís) der romischen (56, 21.22) -oder- eirier 'andem 
Gemeinde (57, 1 —'4y ist: 1) reclitlicher ‚Natur, sofern die 
Frage entsteht, ‘ob..die Consectatioh: rechtsgültig" geschehen 
ünd nicht: wieder aufgehoben, der Ort also. ein heiliger oder 
profaner ist 5. .Es- kann aber aueh 2) 'über die "Grünzen 
und das Maass des heiligen ünd.profanen Gebiets pestiitten 
werden, dies ist eine Controverse de.modo,:die ein geschwor- 
ner Feldinesser, nàch den im städtischen Archiv (tabularium) 
vorhandenen Karten (formae) ***) und andern Urkunden (22, 10 
bis 23, 3;-07, 7. 8y entscheiden muss. - 'Der- Sireit kann 
1) zwischen: Einzelnen’ und der Gemeinde, 2) zwischen zwei 
Gemeiniden geführt werden 57, 1—8; 237, 1; die Tempel 
selbst treten nicht als Parteien auf, sondern werden. von den 
Gemeinden als eigentlichen Eigenthümern vertreten se, 

.Durch das Emporblühen des Christenthums wurden in 
der : vierten Periode die Tempel im Kirehen ‘verwandelt und 
ihre Güter auf den Staat’ übertragen, der die templorum 
vindicatio gegen. die zahllosen Occupanten. (23, 12;- 56, 16) 
der vermeintlich herrenlos gewordenen Besitzungen , j ohne 
temporis praescriptio anstellen konnte 5**). “ 

Verwandt ist die Controverse über : die loca: religiosa, 
die Grüber, Grabmáler, Mausoleen und di ie sie umgebenden 
589) Cte. de haruep. resp. c. 5,9. c. 7. 8. L. 36 D. de religios. 11, 7. 
590) Mommsen insertpt. Neap. 3575. Ob die in der lie fonlanorum er- 

wähnte forma a praefecto data hieher 'gehórt , "wie Mommsen, Zeit- 
- - 'sehriR für gesch. Rechtswiss. (1850) XV. S. 343 annimmt, mögte ich 
bezweifeln und darunter nach b. 20 $ 6' D. de h. p. 5, 3 Vat. fr4 

$ 156 eine Verfügung oder Rechtsnorm: verstehen. 
$91) Oros. 5, 17 luta publica -— in circuite Capitolti pontificibus — in 
possessionem tradifa erant. Finen- interessanten Beleg zu dieser 
' Controverse giebt die Lis Fullonum v. J. 226, von welcher die Acten 
erhalten sind. Rudorff, Zeitschrift für gesch: Rechtswiss. MW. S. 254. 

Mommsen, daselbst S. 326 f. - 


'692). L. 2. C. ne rei-dom. vel Tempore: eindicato > femporte praescriplione 
summoceatur 7, 38. 080 


gromatische Institutionen. 46i 


Haine, Gärten und Gebüsche (23,3; 57, 18), denn ‘auch 
Tempel waren wegen.der in ihnen. befindlichen: Gräber 
heilig und religiös zugleich 5?*), Ä 

‘ Ein merkwürdiger Fall dieser Controverse ist auf einer 
Neapolitaner: Inschrift erhälten '°*). - | 

P. Aeliıs Abascantus: hatte von den. Patuleischen Ei: 
dem Aelius Diecles Sohn -des Patulcius Diocles und des- 
sen Brüdern .em ‚Haus nebst anstossendem Acker gekauft. 
Auf dem Acker befanden sich mehrere Gräber, gleichwohl 
war in der Stipulation wegen der Evietion und Fehler .nur 

in „locus purus in güo sulla sepslera iacta, superpoeite, 

coniuncta apyarent“ als. Verkaufsobject angegeben. 

Néch. dem Tode des Käufers ging das Grundstück auf 
dessen Sohn, .den Beklagten, Aelius Rufinus, Seesoldaten auf 
der Flotte bei Misenum über. ^ 

Gegen diesen stellten .die Patulcischen Erben. die Vindi- 
cation an, indem sie behaupteten, die loea religiosa seien im 
Verkauf nicht einbegriffen ***), oder doch eventuell nicht 
rechtsgültig verkauft ?"*). Sie beriefen sich auf die Stipula- 
üonsurkunde, in der ungeachtet der Rasuren und Ausstrei- 
chungen jene Klausel noch-lesbar war. 

: Der Unterpráfect der Flotte Alfenius Senecio wies nach 
Rath seiner Beisitzer **) die Klage ab, weil der Beklagte be- 
wiesen hatte, dass er in-Folge des-Kaufes in den Besitz des 
Ganzen gesetat sei. . * 

593) Fest. v. Heligiosum ac sacrum est ut templa omnia atque aedes 
quae etiam sacreige dicuntur. Umgekehrt sind die Gräber Tempel: 
Abeken, Mittelital. 223. Mommsen inscr. Neap. 2343. 

504) Mompser inscr. Neap. 2646. 

593) L.8 .D. de sepulcro. 41, 32.  L. u». de reg. 11,7. L. 13 $1 
.D. de A. E, V..19, 1. - 

590) L. 22—24. 73. D. de C. K. tà, 1. 


397) .c. .a. .c. zx, cum. coneilio colilocutue L. 6 C.. de usuc. pro emt. 7, 26 
nicht calumniae cavendae causa, ‚wie Orelli meint. 


462 RUDORFF 


:. Da sieh jedoch durch den Augenschein (fáspoctio, ia 
re praesenti) herausstellte, dass loca religiosa mi verkauft 
und heimlich zerstört waren, so sprach der Richter diese 
dem Flottensoldaien als Begräbnissplatz zu und verurteilte 
die Verkäufer zu Herausgabe des Preises nebst einem 
Anatocismus von 24 Prozent an. das Krankenhospital, um 
daraus Pflege und Bestattimgskosten zu bestreiten. - 

. Wegen der öffentlichen und heiligen Orte findet übrigens 
auch ein provisorischer Schuts. gegen. widerrechtliche Ein- 
griffe, nur freilich keine eigentliche controversia de posses- 
sene Statt, den Froniin unerwähnt lässt, 

86. XIV. Die Beschwerde über Zuführung des Regen- 
wassers (57, 25; 36, 19). durch künstliche Anlagen (de aqua 
pluvia arcenda) kommt nur m Itahen :wid Gallien vor, wo 
die künstliche Zuführung als eine Belästigung ' eınpfunden 
und die Abwehr als wüsschenswerth beirachtet wird, wäh- 
rend man sieh den Einflüssen. der natürlichen Lage der 
Grundstücke (nature loci), den Anordnungen der Gründer 
oder der Obrigkeit der Colonie (ler) und der Auctorität des 
unvordenklichen Bestandes einer Communalanstalt (setustet) 
. unterwerfen muss °°°).. In dem südlichern proconsularischen 
Africa gab umgekehrt die Entzehung des Regenwassers 
Anlass zu Beschwerden; 

Dieser Streit wurde zwar schon nach uraltem ró- 
mischen Nachbarrecht nicht sacramento vor dem Volk, 
sondern per iudicis arbitrive postulationem entschieden, und 
diese Rechtssitte haben die zwölf Tafeln bestätigt °°*). Allein 


598) 2.1 $23. L. 2 $ 3. L.23 pr. D. de aqua pluo. 80, 3. (Usp.) L.? yr. 
eed, (Paul) in sunma tria sunl, per quae inferior Jocus euperkri 
servit, lex, natura loci, velusias, qune: semper ero lege habelur 
minuendarum scilicet lillum cause. ^ 

590) L. 21 D. de statu lib. (40,7) 1.6 B. ve quM In doce » put (3,5 

L.22 $ 2 D. de equa phue. (39, 3). 


, gtotüptiéche Institutionen. "c 468 


der Sachwersiändike. ist kein Feldmeöser, er' entseheidet: nach 
pechilichen. und. land wirthschafthehen Rücksichten,..nicht nach 
der praktischen Geemetrie, und hat hit dem Agrimensor nur 
die ‚Einnahme des Augenscheins (den Feldüuntergang) gemein. 

Die- Gránzscheidekunst kommt nur in dem einzigen Hall 
sur Sprache, wenn das Regenwasser den Finis und die 
Termmi unkenntlich gemacht, oder der Naehkar das Bach- 
beite, welches der Regen. nach und nach gebildet. hat, für 
die Gränze ausgeben wollte. (23, 7 —24, 3; 58, 4— 10). 

Dieselbe Bewahdniss hat es mit unlerindischen Canálen 
(cloacae) und blinden (verdeckten) Abzugagr üben (fossae 
oaecua) $9). on 

87. XV. Die Controverse über die öffentlichen Wege 
und Wegeservituten ‚(de itineribus). ist 1). auf ereifinischem 
Lande eme gewöhnliche Reehtssache, welche im Possesso- 
rum 146, 16 *) und Petitorium ohne Zuziehung Sachver- 
ständiger entschieden wird. 2) Auf limitirtem Lande da- 
gegen, namentlich in den Colonieen, sind die Limites nach 
der lez coloniae für den gemeinen Gebrauch bestimmt, so 
dass der Besitzer die Durchfahrt, oder wenn der Limes durch 
Wald oder über unwegsame Gebirge führt, einen Nebenweg 
leiden muss. Darüber entscheidet dann der Ausspruch der 
Sachverständigen nach den Urkunden über die Limitation 
(24, 4 —12; 58, 11 — 18; 134, 7 — 13) **!), 


600) Pallad. 6, 3; Plin. nat. hist. 18, 8. 

601) Precarium: Oreili 4338. 4339. Mommeen. inscr. Nenp. 2476 (Puteoli) 
atque ita[i]is accessus iusq[ue] esto per ianuas iteneraque eius agri 
qui nihil adversus le[g]em et conventionem eius corporis facere 
perseveraverint. 

602) Ein Beispiel einer Controverse de itineribus zwischen zwei Städten, 
giebt die Inschrift an Winkelmann's Grab im Triester Museum: AANC. 
VIAM. DIRECTAM | PER. ATIVM. CENTVRION. POST | SEN- 
TENTIAM. DICTAM. AB. A. PLAVTIO | LEGATO. TI. CLAVDI. 


464 RUDORFF gromatische Institutionen. 


c. Die am Schluss des Frantinischen- Verzeichnisses er- 
wähnte Controverse über den Ueberfall der Baumfrucht (de 
glande legenda), welche nicht ‚einmal mehr eigentlich den 
Boden ‚betrifft, ist ebenfalls -eine. reine ‚Rechtssache, sofern 
sich der Baum innerhalb der Gränze auf unbestrittenem Boden 
eines Anliegers befindet *??), Went er dagegen auf der Gränze 
steht, also "beiden Nachbarn zu- bestimmten Theilen ge 
hört °°%, so kann auch dieser. Streit eine: technische Natur 
annehmen und durch Besiehtigung eines Gränzkundigen ent- 
schieden werden: müssen (25, 1—26, 2, fig. 24; 144, 6-13). 


CAESAHIS AVG | GERM. ET. POSTEA. TRANSLATAM. .A| 
RVNDICTIBVS. IN FINES. C. LAECANI | BASSI. RESTITVIT.| 
1VS8V. TI. CLAVDI | CAESAHIS. AVG. GERM. IMPERATORIS 
' . L. RVFELIVS. SEVERVS.-PRIMIPILARIS, 
, 603) 1. 9 $4 D. od exhib. 10, 4 L. un, D. de glande bd (43, 28). 
604) L. 19 pr. D. commun, div. 10, 3. 


508 


BEILAGEN 


Römische Feldmesser Il. 


l* 





I. Ehbert's Beschreibung des Codex Arcerianus *). 


AGRIMENSORES veteres. 


Insunt haec: | 

8) J. Isaaci Pontani epistola autographa ad Petr. Scriverium, data Har- 
derovici 26. Oct. 1621, quae inc.: Mille ad Te, Scriveri amicissime, 
exemplaria tria epistolarum Lipsianarum. 

b) Kjusd. emendatt. iu libellum Hygini de castrametatione, autographae et 
una cum praecedente epistola ad Scriverium missae. Ahsunt ab edit. 
Scriveriana LB. 1607, 4. 

c) Excerpta quaedam de Jul. Hygino ex Raph, Volaterrano, Pt. Pithoeo 
et Justo Lipsio, Pt. Scriverii manu exarata. 

d) M. Junii Nipsi agrimensoris fragmentum. Fol. 2a. — Inc,: Erit pars 
citrata decimanorum numeri in. septentrionem. Expl. fol. 6a.: erit 
perpendicularis ut queramus singulas praecisuras. M. Junii Nissi 
(sic) liber explicit. — Haec nondum sunt edita, v. Fabr. bibl. lat. 
ed. vet. I. 856. 

e) Aprofoditi s. Aprofüditi et Betrubi Ruft architectonis liber. Fol. 6b. 

^ —— Inc.: Trigoni hortogoni chatetus pedum hypotenusa. Expl. fol. 8b: 
tot jugera faciunt. — Mutilus est, folio uno inter Zum et 8um exciso. 
Nec hic liber editus videtur, cf. Fabr. I. c. I, 849 et 856. 

. f) Frontinus de agrorum qualitate. Fol. 9a. — Inc.: Agrorum qualitates 
eunt tres. Fxpl. fol. 23b: quam si ex plano nascatur. Sed inest 
lacuna et folia quaedam transposita sunt. Nimirum fol. 14b. expl.: 
multis enim locis adsignalioni agrorum immanitas (sic, ed Goes. 
habet immunitas) superfuit (ed Goes. Amst. 1074, 4. p. 42), et tum 
sequitur folium 23a, quod inc. silva limitem detinet. (ap. Goes. 
p. 43 med.) 


*) Zur Handschriftenkunde von Fr. Ad, Ebert. 2tes Bändchen 1827. 
No. 20. p. 5—12. 30* 


468 


Beilagen. 


g) Liber anonymus et anepigraphus, sine dubio etiam acephalus et acolo- 
phon, agrimensorii argumenti, Fol. 15a. — Inc.: Mons est qui habet 
ad pede (sic) in circuitu. Expl. fol. 22b: qui normaliter constilutus 
est acutus qui minor. — Non est ap. Goes. 

b) Julii Frontonis liber anepigraphus et acephalus (de limitibus) Fol. 24a. 
— Inc.: Dividebat agrum dextram et sinestram. Expl. fol. 275: 
quousque res exigerit producere. — dem est liber, quem Goesius 
p.215— 219 edidit sine nomine auctoris. De Frontonis nomine cf. 
Rigaltium ap. Goes. p. 210. 

i) Liber Augusti Caesaris et Neronis. Fol. 28a. — Inc.: In provinciam 
Lucaniam. Expl. fol. 34a: operata est in absoluto. Termini sili 
sunt id est 55. p. 3. se ped. DCCC. p. a. 522. ped. 00 CC al. 525 ped. 
522 ped. oO CCCC. — Extat hic liber ap. Goes. p. 109—117. 

k) Pars. Piceni. Ex lihro Balbi. Provinciae Piceni. Fol. 34a. — Inc: 
Ager Spolilinus in jugeribus et limitibus. Expl. fol. 35a. in agro 
Adriani his verbis: In Piceno fines terminantur. —' Ap. Goes. 
p. 118—119. | 

I) Ex commentoriis Claudii Caesaris subsequitur. Qui seorum (1. seorsum) 
descriptus est civitatis Campaniae ex libro regionum. Fol. 35a. — 

: Inc.: Aquíno muro ducta colonia, Expl. fol. 42b: distinzit ac de- 
claravit. — Ap. Goes. p. 102—109 sub titulo: Julii Frontini de co- 
lonis libellis. — ' ' mM 


" m) Hugint constitutio Fol. 42b. — Inc.: Inter omnes mensurarum ritus. 


Expl. fol. 68a: formam describamus. Ap. Goes. p.150—202. Sed 

mutilus est liber in cod." nostro, siquidem | desiderantur duo integra 

folia, unum inter fol. 48 et 49 (inde a verbis: congressionum mulli- 

tadines — limitum reclura servetur, ap. Goes. p. 160 —160.) e 

fol. 60, folioremque 59, 01, 64 et 66 nonnisi fragmenta adsunt. ldem 
^ liber iterum recurrit infra. fol. 137 b. 


, n) ke Mamilia, Roscia, Peducea, Aliaena, Fabia. Fol. 68a. — Inc.: 


Quae colonia e lege deducta. Expl. fol. 69a: hac lege damnas esto. 
Exp. Hygini Gromalicl constitulio feliciter. — Ap. Goes. p. 339 et 
340.- Recurrünt infra fol. 156 b.- 

0) Agdeni Urbici de controversiis agrorum. Fol. 70 a. — Inc.: Cum per 
omnium ÁAgustinorum jugerum. Expl. fol. 77b: advocationis suat 
T — Sed in nostro cod. additur breve segmentum, quod 

: In Jüdicando autem mensorem bonum, et expl. fol. 78a: multa 
uae specialiter, quuedam, quae argumentaliter, conjecturaliter etiam 
menftiri artifices coguntur. — In medio támen libro est lacuna, deest 
enim folium unum inter fol. 73 et 74 (inde a verbis: sibi vindicare 
— non lantum inler 'republicas, sed di inter, ap. Goes. a p. 70. 
lin. 10. ad p. 71. lin. 14) et folii 75. nonnisi fragmentum adest. — 
Extat ap. Goes. p. 65—75. Iterum recurrit intra fol. 86a. 


.p) Flumimis varatio. Fol. 78a, — Ine.: St in agris quadratura. Liber in 








Jy 





Beilagen; 469 


fine mutilus (deest enim folium unum inter 78 et 79) desihit in his 
verbis fol. 78h: erit latitudo fluminis. Extat ap. Goes. p. 285 —289. 

q) De sepulcris lex imp. Tiberii Caesaris. Fol. 79a. — Ab initio mutila 
est et in cod. nostro ab his verbis orditur: Testimonium perennitatie 
est (ap. Goes. p. 347. lin. 7). Expl. fol. 79b: Tiberio Caesare Cons. 
— Lex haec extat ap. Goes. p. 346 —348. Sequuntur in cod. nostro 
haec verba: In eadem Beneris (i.e. Veneris) genetricis, adjectis figu- 
ris aliquot, sed quum folium sequens sit excisum, cetera desunt. 


'r) Ratio limitiae adsignationis prima. Fol. 81a. — Inc.: Triumeiralie 


lapides Graecani rotundi. Expl. fol. 81 b: Signa sunt finalia consti- 
Ivta. Similia ap. Goes. p. 255 ex Latino et Mysrontio habentur. 


s) Liber Marci Barronís de geometria. Fol. 81a. — Inc: Casu quue 
"wer A nomen habet. Expl. fol. 83b: Anes qua legis hoc habebis. 
Extat ap. Goes. p. 235—239. tC 


t) Nomina agrorum. Fol. 83b. — Inc.: Ager adsignatus. Expl. in ead. 
pag.: ex beneficio Augusli. Ap. Goes. p. 20. | 

u) Nomina limitum. Fol. 84a. — Inc.: Limilis orientalis, Expl. in ead. 
pag.: Sunt limites N. XXVIIII. agrorum N. XVIIII. ideoque limes 
agro positus litem ut disternerent agris, nam ante Jobem limites 
non parebant, qui dibiderent agros. Ap. Goes. p. 26.sq. ubi tamen 
ultima verba minus plene häbentur. (4 - 

v) Ex libro Balbi nomina lapidum finalium. Fol. 8%b. — Initium ac 
totus fere libes deést, cum in prima pagina figurae tantummodo ap- 
pareant et duo sequentia folia sint excisa. Expl. fol. 85a: ad Jovem 
ordinamus. Euclydis Siculis arismelica scripsit. Ap. Goes. non extat. 


'w) Aggenus Urbicus de controversiis agrorum. Fol. 80a. — Inc.: Cum 


per omntum Augustinorum jugerum. — Expl. fol. 95a: Etiam mentiri 
' arlifices coguntur. Idem liber jam supra (v. litt. e.) in cod. nostro 
extat, atque hoc etiam loco eodem augmento in fine est locupletatus, 
quo caret ed. Goesiana. mE 

x) Liber Simplicit. Fol. 95b. — Inc.: Non praetermittimtis nominata. 
: Expl. fol. 108b: generaliter exequi próposuimus. Ager est fini ruris. 

Ap. Goes. p. 76 —89, sed in fine multo auctior est cod. noster. Quae 
enim Goesius habet, desinunt in verbis: ad cerfa finium dispositionem 
- procedit, quae-in cod. nostro leguntur fol. 106 b. 

: Hyginus de limitibus. Fol. 108b. — Ine.: Limites legae latae paterae 
debent. "Expl. fol. 124b: Quid notatum reperitur, repetendum est. 
Extat ap. Goes. p. 203—211, sed multum a nostro diversus. Nam 
post verba: Hae sunt conditiones agrorum, quas cognoscere potui, 
quae ap. Goes. leguntur p. 211. lin. 1., in mostro cod. fol. 115b. 
cohaerenter haec sequuntur: Nunc de generibus controversiarum per- 
scribam — -— respublica populi quorundam vendidit (fol. 116b 
col. 2. lin. 13), quae hàbentur, sed multo alitér, ap. Goes. a. p. 56. 
lin. 25- ad p. 57. lin. 22 in Aggeni commentario in Frontinum. Quae 


bd 


470 Beilagen, 


in eod. cohaerenter sequuntur: In qua regione ei de alluvione agerelur 
— esse omnia persequenda (fol. 1182. col. 1.) videntur inedita, sed quae 
statim post haec verba habentur: Ergo ut supra dizi consuetudinem 
regionum — convenienlia possessorum confirmabant (fol. 1192 col, 1) 
leguntur ap. Goes. p. 4—6 iu Siculo Flacco. Quae ab hoc inde loco 
usque ad fin. leguntur, incertum est quorsum pertineant, Goesius 
certe non habet, 

z) Liber gromaticus Hygini de divisionibus agrorum. Fol. 1252. — Inc.: 
Mulliplicali in omnem logon in trigono. Expl. Fol. 137 b: quo. soberca 
si vitari non poluerunt, Est idem liber, quem «ub tit. de castra- 
metatione edid. Pt. Scriverius ex hoc cod. cum Vegetio. LB. 1607, 4. 

aa) Liber Hygini gromaticus (de limitibus constituendis). Fol. 137b. — 
Inc.: Inter omnes mensurarum vitus, Expl, fol. 156b: formam de- 
scribamus. Vid. supra litt. m.- . 

bb) Lex Mamilia, Roscia, Peducia, Alliena, Fabia. Fol. 156b. — Vii. 
supra litt. a. e. 

cc) Liber Baibi nd Celsum, expositio et ratio omnium formarum, Fol. 157b. 
Hujus libri qui vulgo inscribitur: Jul. Frentinus de agrorum qualitate, 
initium solum adest, inde a verbis: Notum eet omnibus, ad verba: in 
quorundam nolitiam reniat omnia, ap. Goes. p. 28. Gerardus, Mortaigne, 
unus ex prioribus possessorbus, haec in fine adscripsit : 

Te mea rusticitas laceravit et improbus error: 

Namque Polonum te, sed male, credideram. 
Jam perge ad doctos, melius tractandus ab illis. 
Te eheu vellem nostras non tetigisse manus. 
.dd) Variae lectiones in Hygino (de castrametatione). —. Manu Pt. Scriverii 
exaratae, sed ultra prima verba non procedentes. 

ee) Hygini gromatici liber de munitionibus castrorum.. —  Apographum 
sec. 16. ineunte desumtum ex vet. cod, qui ab initio mutilus erat. 

ff) Pt. Gallandii epistola ad Card. Carolum a Lotharingia data Paris. 10. cal. 
Dec. 1554. — Est fragmentum illius epistolae, quae praefixa legitur 
editioni Parisiensi. Accedunt excerpta ex Gesneri bibliotheca et Vola- 
terrano. Omnia exarata manu Scriverii. 

gg) Hygini. Gromatici liber de munitionibus castrorum. — Ab Itala manu 
jneuntis seculi XVI. ex cod. Ant. Galesii Massae et Basil. Zanchi trans 
scriptus. Petr. Scriverius, qui sub (nem varias lectiones adjecit, in 
margine testatus est, tenere se hoc apographum ex domo Wouwerii. 

hh) Ex Hygino Gromatico (de munitionibus castrorum) exeerpta.  Exarat: 
manu Petri Scriverii. 

Cod. membr. 157 foliorum (non computatis foliis chartaceis, quat 
recentiore tempore exarata in fronte et calce acceseerunt) in fol. min., 
seculo VII. literis unciolibus in Italia a duobus, ut videtur, librariis 
exaratus et figuris rudiuscule pictis ornatus, Quamvis vitiosissime est 
scriptus, multa tenen tenet egregia. Priores possessores hi fuerunt: 


Beilagen. 471 


Erasmus Roterodamus (t 1536). D. a Lasco, Regnerus Praedinius, qui 
anpo 1559, quo et mortuus est, nomen inscripsit. Gerardus Mortaigne. 
Joannes Arcerius cum nota anni 1566, unde etiam hio codex Scriverio 
in edit. Vegetii audit Arcerianus. Petrus Scriverins, ex cujus auctione 
emtns est in bibliothecam Guelferbytanam. Recentissimo tempore ali- 
quamdiu Parisiis haesit, ubi inspectus est a Bredovio, cf. hujus epistolas 
Parisg, (36, 23. Me. Aug. fol.) 


ll. Ebert's Beschreibung des Codex Gudianus*). 


AGRIMENSORES veteres. 
Insunt haee: 


a) Julii Prontint epistola ad Celso, praemissa operi de agrorum qualitate. 
Fol. 1a. — Nil est nisi fragmentum hujus epistolae, quae plena re- 
peritur apud Goesium p. 28. 

b) Leges vaviae et fragmenta agrimensorii argumenti. Fol. 2a. — Legun- 
tur apnd Goes. p. 340 ss. sed alio ordine. 

€) Jul. Frontinus: de agrorum qualitate. Fol; 5a. — Inc. Agrorum quali- 
tates sunt. Expl. fol. 8b. quam si ex piano nascatur. 

d) Aggeni Urbici commentarius in Frontinum. Fol. 8b. — Ine. Suscepimus 
qualitates. Expl. ‘ol. 18b. etiam mentiri artifices coguntur. Nimi- 
ram in hoc quoque codice eodem additamento auctus est liber, quod 
est in eodice praecedente. 

e) Liber diazografus (s. Aggeni Urbici commentariorum liber II.) Fol. 18b. 

'; — Figuris solis constat, quae multum discrepant ab iis, quas habet 
editio Goes. 

f) Saeculi (1. Siculi) Flacci de conditionibus agrorum. Fel. 25a. — Inc. 
Conditiones agrorum per iefam Italiam. Expl. fol. 38a. leges re- 
spiciendae. 

e). Nemina limitum, Fol, 38a. — Ap. Goes. p. 26sq. 

B) Genera lineamentoram, Fol. 38b. — Inc. Gradus habet pedes duo- 
sentis, Expl. fol, 43a: et duabus rectis. Haec et Euclidis prolegomena 
a Gallandio.et Turnebo edita sunt. ad calcem agrimensorum post indicem 

. separatim, sed absque figuris geometricis, quae in hoc codice conspi- 
eiugtur. Apud Goeesium extant p. 30 ss. 

i) Zualidis liber primus. Fol. 43a. — Inc. Puuctum est cujus pare nulla 
est. Fxpl. fol. 45 b: quod oportebat facere. Apud Goes. p. 316—319. 

k) Hygemi Augusti liberti de limitibus constituemdis. Fol. 45b. — Inc. 
Ab hoc exemplo antiqui mensuras (ed. Goes. p. 150. lin. 19.) Expl 
fol. 67b: forma describamus. 


*) &. 8. O. No. 21 p. 322—15. 


472 


1) Rjusdem (de conditionibus agrorum). Fol. 67b. — Ino. Iyttvr omnem 
sortem (ap. Goes. p. 204. lin. 25.) Expl. fol. 71a: in m Hl. LXI. 
Additee sunt figurae terminorum. 

m) Ordines finitionum ex diversis auctoribns. Fel. 73a. — Inc; Termini 
si duo in unum fuerint. Expl. fol. 79a: et in HICCCCLX. b Goes, 
p. 247—262. 

n) De jugeribus metiundis. Fol. 79a. — Inc. Caetrense jugerum. Expl 
fol. 81a: in hoc agro esse dicimus. Ap. Goes. p. 311—315. 

o) Finium regundorum (sic). Fol, 81a. — Sunt fragmenta veterum ICtorum 
Pauli, Ulpiani, Caji, Modestini et aliorum de finibus regundis, diversa 
&b illis, quae ap. Goesium p. 345 leguntur. 

p) Lex Mamilia, Roscia, Peducea, Alena, Favia, Fol. 83a. — Ap Goes. 
p. 339 sq. 

q) Collectanea de coloniis. Fol. 84a. — Inc. Adrianus ager. Limitibus 
maritimis. Expl. fol. 88a: veritas deoläretur. Apud Goes. p. 119—128, 
ubi haec Balbo dantur. 

r) Fragmenta varia de limitibus. Fol. 88e. — Ap. Goes. p. 262—277. 

5) De cäsis literarum. Fol. 95a. -— Ap.. Goes. p. 239—246. - 

t) Expositio literarum finalium. Fol. 98b. — Ap. Goes. p. 278—284. 

u) Interpretatio ubi supra de finibus agrorum, item de mensuris agrorum. 
Fol. 101a. — Ap. Goes. p. 290. 

v) De agris. Fol. 101b. — Ap. Goes. p. 292. 

w) De lmitibus constituendis. Fol. 1028. — Inc, A voce exemplo antiqui 
mensuras. (Conf. supra litt. k.) Excerpta sunt ex Hygino, v. ap. Goes. 
p. 150. lin. 20sqq. Similia etiam habet Goes. p. 215. lin. 13ss. 

x) Ex libris Dolabellae. Fol. 102b. — 'Ap. Goes. p. 2933s.  Desinunt 
fol. 104b in verbis: Sed hoc ín re praesenti (ap. Goes. p.299. lin. 11.) 

y) Mensurarum genera. Fol. 108b. — Inc. Mensurarum genera eunt XII. 
Expl. pedes. VIII. DCXL. 

2) De mensuris seeundum geometricae disciplinae rationem ex  voluminibu 
eruditorum virorum excerpta. Fol. 109a. — Ap. Goes. p. 320—325. 

Cod. memb. 111 foliorum in fel. min., sec. X. ab uno eodemque 
lbrario exaratus figurisque rudiuscule pictis ornatus.- Petrus Scriverius 
in folio, quod ab initio praecedit, haec notavit: Hepertws Aic Gro- 

' maticorum ezcerptorum liber in finibus Galliae Belgicae, tmpret- 
aueque Parisiis 1554 a Petro Galandio et Hadr. Turnebo, Lutetionis 
doctoribus, viris doctisstmie. " Ex hoc ipso: codice expressa est Pa- 
risiensis editio. Pétri Scriverii deiude fuit (quod testatur ejus nomen 
fol. 1 a, postea erasum), tandemque ad Gudium pervenit et cum reliqui 
Gudianis illatas est in bibl. Guelferbytanam, unde nuper per aliquod 
tempus migrare jussus est Lutetiam. (Gad. 105.) 





Beilagen. 473 


Il. Nachträge zur ersten Abhandlung: über die Hand- 
schriften und Ausgaben. der Agrimensoren. 


I. zu S.1 8. Ueber das Leben des Reformators Lask y ist neuerdings 
durch die. gründlichen Arbeiten des Herrn Pastor Goebel') yiel Licht ver- 
breitet worden, welches einigermaassen aueh unserer Agrimensorenhandschrift 
iu Gute komt. 

Lasky hatte.námlich um das J. 1555 durch einen unredlichen Verwandten 
sein Vermögen verloren, und da. er gleichzeitig Emden verlassen musste, von 
der dortigen evangelischen Gemeinde eine Unterstüzung angenommen. Er ver- 
weilte noch bis zum J. 1557 in Frankfurt und Süddeutschland, dann kehrte er 
nach Polen. zurük. Dass er in eben diesen Jahren seine literarischen Schäze 
veräussert babe, dürfen wir demnach mit grosser Sicherheit vermuten; ja es 
blebt einige Hofnung, dass wir durch die Hülfe des Herrn Prof. Royards in 
Utrecht nech zu bestimmteren Angaben gelangen werden. 

II. Eine Reihe sehr willkommener Bestätigungen und. Ergänzungen der früher 
. gewonnenen Resultate verdanke ich der Güte des Herrn Dr. Anschütz zu 
Bonn, der in den, lezten Osterferien die meisten Pariser Handschriften der 
Agrimensoren näher untersacht hat. Sie bestehen in folgendem: 

Zu S. 30. 36. Die Identität der Zanchi’schen Abschrift und des 
Cod. Vatic. 3132 ist jezt völlig erwiesen dureh den Cod. Paris. 7229, d. h. 
durch die weitere Abschrift, welche Metellus Sequanus oder Tilius von Zanchi's 
Codex genommen. Denn diese leztere enthült dieselben Worte, welche der 
Schreiber des Cod. Vat. 3132 zu dem irrigen Titel Simplicius hinzugefügt hatte: 
„hoc addijum aliis libris (cod. Vat. Iris) puto adulterum * (S. 34). 

Zu S. 31. 32. Da Rigaltius nur einmal von einer zweiten Hand- 
schrift des Memmius („alter Memmianus'*) redet, und bei dieser Gelegenheit 
nur den jezigen Cod, Paris. 3359 meinen kan. (S. 60), so war es natürlich, 
seine sonstigen Erwähnungen von ,,scidae ex biblietheca Memmii* oder von 
einem ,,codex Memmü‘ auf eine einzige Handschrift zu beziehen. Es sind aber 
dies, zwei ganz verschiedene Handschriften, obwohl von gleichem Format 
und Einband, auch sogar mit einzelen Correcturen von.derselben Hand. Die 
eine enthält nur die Abschrift des Tilius oder Hervetua aus der Metelli'schen 
Abschrift (Cod. Paris. 7229), die andere Ranconnet's Zeichnungen und 
‚Excerpte aus der Handschrift vog S. Omer, (jezt Cod. Paris. 8679 A). 

Zu S. 37. Für meine Vermutung, dass die jenaische Handschrift einem 
Freunde oder Schüler des Erasmus oder Cujacius zuzuschreiben sei, hat 
sich in .dem Cod. Paris. 8732 B, wahrscheinlich einem Collectaneenheft des 
P, Scriverius, eine bestätigende Notiz gefunden. Es liegt nämlich in dem- 
selben ein loses Blatt mit der Aufschrift: „In v. c. qui fuit Amerbachii J. C. Ba- 


1) Geschichte des christlichen Lebens in der r rheinisch - westphälischen evan- 
gelischen Kirche. Bd. I. 1849. $ 21. 


x 


474 Beim. 


sileensis ^, worauf sodann in sehr flüchtiger Weise mehrere Stücke dieses 
Codex aufgerählt werden. Darunter ündet sich aber anch die Rubrik: ,, Nomina 
agrimensorum, qui in quo offleio militabant'*, d. h. das nur durch die Jenaer 
Handschrift uns erheitene Fragment, S. 244 uAserer Ausgabe. 

Dasselbe Blatt enthált übrigens auch noch die Notizen: ,, Alius Codex fuit 
Nansii. .. Alius apud Panormitanos qui est Gu[f] Memmii. Alius Codex Gi 
bucti** [??] und auf einem anderen Biatte steht. der Name: » Claadiwe Gaspar 
Bachofus Febusianus* [V]. 

Zu S. 39. Die Abschrift des Nansius ist vieleicht der Cod. Parit 
87324 (olim 5193), welcher zweimal den Namen des Rutgersius von Dor- 
drecht mit griechischen Buchstaben enthält, und der Weimarischen Handschrift 
(S. 40. 41) verwandt scheint. — ^ 

[S. 61. Note 103. Auch Crinitus IV, 10] 

'S. 62. 63. Noch eine späte Abschrift des florentirischen Codex, mitunter 
in Mossen Collationen bestehend, het sich in Paris im Résidu de S. Ger- 
main p. 93 n. 2 art. 2 gefunden. Ihr Urheber war ein Italiener, wenigstens 
findet sich bei den Colonien einmal die Uebereinstimmung der Ausgabe mit den 
Worten: „== lo stampato “, angedeutet. 

Dieses: Résidu de S. Germain enthält nur den Nachlass der Benedietiner, 
was der sonst sehr nahe liegenden Vermutung zu widersprechen scheint, das 
die schon bei Montfaucon erwähnte Handschrift von &. Germain (S. 63, 
Note 106) keine andere sei, als diese, jezt allein noch auffünmdbare. 

S. 63, Note 107. Diese Note berichtiget sich jezt folgemdermaassen: 

Cod. 8679 A ist ein dritter Codex Memmiantıs, nämlich von Rancoanet, 

zweiter Classe. 

Cod. 8679B existirt nicht. 

Cod. 8732 A ist Abschrift des Arcerianus, vielleicht der Nansisnus (S.39). 

: Cod. 873% B ist vielleicht ein Seriverianus (S. 473). 

Cod. 8812 endlich (Colbert. 5532, Reg. 6430. 5 ist eine Pergamenthand- 

schrift des eilften Jahrhunderts in Oetar, welche zur vierten 
Classe zu gehören scheint. Voran geht Isidorus, Orig. 
Tib. H. IIT. IV., den Schless bildet Isidor. XIII, 13. XV, 15. 
In der Mitte aber sind angebunden zwei Alphabete der 
8. g. easae literarum (S. 310ff. unserer Ausgabe), deren 
genauere Bestimmung noch einer näheren Vergleichung bederf. 

HE Schliesslich muss ich noch der Anstände gedenken, welche in dem we- 
teren Verlaufe dieses Buches (S. 2$5— 219) gegen einzelne Pancte meiner Ab- 
handlung erhoben worden sind. Es ist nämlich behauptet worden: 

1) dass der Areeriamus: nie dem Colotius gehört habe, dass er vieler 
von Thomas Phaedrus direct an Erasmus, und durch diesen schon 1509 wv 
Rom weggekommen sei; 

2) dass wir nicht benechtiget seien, es mit Lange eis nungemecht ent 
nehmen, qae, dio Baodechsi des Fallen Mane sach den Rggioe t 
strorum munitionibus enthalten babe; 


Beilagen. 47b 


3) dass alle Erwähnungen von Zancbi'schen Agrimensorenhandschriften nur 
auf eine einzige von ibm besessene, aber vielleicht nicht von ihm selber .ge- 
schriebene Copie eines alten Codex — entweder des Arcerianus oder eines 
Colotianus dritter Classe (S. 216) — zu beziehen seien. 

Bei dem ersten dieser Puncte bekenne ich anch jezt nicht glauben zu 
können, dass ein Mann wie Erasmus eine Handschrift wie den Areerianus seit 
dem Jahre 1509 besessen habe, ohne derselben in seinen zahlreichen Werken 
und den vielen von ihm bekannt gewordenen Briefen auch nur einmal zu ge- 
denken, ja ohne seinen Mitbürger Sichard ahnen zu lassen, welche Hülf- 
mittel für dessen Ausgabe der agrimensorischen Controversen vom J. 1528 in 
Base] selbst vorhanden waren. Wohl mag Erasmus durch seine älteren Ver- 
bindungen mit dem 1516 gestorbenen Thomas Phaedrus zu dem späteren Er- 
werbe des Arcerianus geführt worden sein; einen Zwischenbesizer muss ich 
doch annehmen, und da Metellus Sequanus den Urcodex des ,, Simplicius 
zweimal dem. ihm persönlich bekanten Colotius zuschreibt, so können seine 
sonstigen Gedüchtnisfehler mich nicht bestimmen, diese mit dem übrigen Sach- 
verhalt doch vereinbare Angabe sofort ganz zu verwerfen. Dabei würde ich 
auch ohne Anstand zugeben können, dass Raphael Volaterranus in der einen 
Stelle seines dreissigsten Buches, welche oben S. 12, 13 abgedrukt ist, nicht 
auch den Arcerianus, sondern nur einen anderen Colotianischen Codex benuzt 
habe; es bleibt doch immer noch die zweite zur Casiremetation gehörige 
' Stelle desselben Buches, welche ganz unverkennbar aus dem lezten Blatte des 
Arcerianus copirf ist ?). 

Bei dem zweiten Puncte schien es bedenklich, einem sorgsamen Her- 
ausgeber, der sich mit Zuversicht auf den Totaleindruk aller seiner Varianten 
berief (S. 30 Note 95 der Lange'schen Ausgabe), mit vereinzelten Gegenindicien 
entgegen zu treten, wenn auch mancher Zweifel sich keinesweges ganz unter- 
drücken liess. Jezt aber, nach wieder erlangtem Besiz meiner römischen Cok 
lationen, die ich seit Jahren an Lachmann überlassen und dadurch mir ganz 


2) Sie lautet in Schele's Ausgabe von 1660, Blatt ***2 (das Original 
habe ich augenbliklich nicht zur Hand) so: Loco eminenti iubet fieri 
castra, ut regioni dominentur, neu paludibus interluantur, praesertim 
porta Decumana. Secundum locum habent, quae in plano constituantur: 
Tertium quae in colle: Quartum, quae in monte: Quintum quae in loco 
necessario; unde et Necessaria castra dicuntur. Praecipue observari debet 
via quae lateribus castrorum supersit. Castra quocunque latere flumen 
seu fontem habere debebunt in qualicunque positione. Iniqua loca, quae 
a prioribus *Nobiria appellantnr, omnimodo vitari debent. Ne mons 
castris immincat, per quem supervenire hostes, aut perspicere possint 
quid in castris agitur: Ne sylva celatura hostes adiaceat, neve fossae 
seu valles, per quas obruti castris occumbere possint: Ne vicini fluminis 
torrens subita tempestate castra inundatione obruat. Meminisse oportet 
in hostico ascensus valli duplices et frequentes facere, et tormentis tri- 
bunalia extruere circum portas in coxis: In loco contrarium maxime 
instruendum erit vallum tormentis ab eo latere qua *Nobirie, si vitari 
non poterunt. Haec ex Hygino. 


476 Beilágen. 


entfremdet ette, glaube ich allerdings ‘die Lange'sche' Behauptung vollständig 
widerlegen zu können; Ich finde nämlich in meiner Vergleichung 
des Codex Vaticanus'313%2, der ganz entschieden ‘nur eine Abschrift des 
Arcerianus, und allen Umständen nach die Zanchi’sche Abschrift: desselben 
ist (S: 473) schon älle die Lücken und auch die meisten Varianten 
wieder, welche die Lange’schen Códices B und C von dem Arce- 
rianus unterscheiden. Dazu komt noch, dass die .der Castrametation vor- 
ausgehenden geometrischen Stücke, welche im Arcerianus vier Seiten füllen, in 
dem Vaticanus 3132 nicht mehr als drei Seiten ausmachen, grade so wie der 
Codex B, oder das apographum Eyndianum (S. 53) es angieht. 

Hiemit ist denn zugleich auch für den dritten Punct eine ganz andere 
Auffassung möglich geworden; denn ausser jener Behauptung, dass Zanchi eine 
von dem Arcerianus unabhängige Abschrift des Hyginus de castrorum munitionibus 
besessen oder verfasst habe, war ich nur noch durch die bisher bekant ge 
wordenen Rubriken der barberinischen Handschrift, welche zum Inhalt des Ar- 
cerianus nicht zu passen scheinen ?), zu der Annähme eines zweiten Zanchi'schen 
Codex und einer zweiten Metellischen Abschrift (S. 53) genöthigt worden. Jezt 
aber bedarf es für mich eiher genaueren Prüfung der barberimischen Handschrift, 
so wünschenswerth sie an sich auch bleibt, nicht mehr, um folgendes für den 
walirscheinlichsten Zusammenhang zu halten: 

1) Der von Zanchi geschriebene oder besesserie Codex ist. allerdings der 
Codex Vatieanus 3132. 

2) Die Abschrift des Metellus Sequanus ist der Codex Barberinus 1546, 
vielleicht auch der Cod. 1676: (S. 61); entstanden durch Auszüge und Zu 
sammenstellungen aus zwei Handschriften verschiedener Classen, nämlich 
der Zanchi'schen erster uud der Massa'schen dritter Classe. 

3) Der Pariser Codex 7229 ist nicht, wie Rigault behauptete, der des 
Metellus, er enthält vielmehr die von Tilius oder Hervetus aus diesem Metelli- 
schen und auch wohl àus dem Zanchi’schen Codex direct genommenen Ex- 
cerpte ^). 

4) Das apographum Wouveridnum (S. 54) ist nur eine Abschrift eines 
Théils der Metelli' schen, das apographum Eyndianum dagegen scheint direct aus 
Zanchi’s Abschrift zu stammen. D - 


: 3) Namentlich die vierte Rubrik: Frontinus de coloniis, alias Cl. Caesaris. 
. 4) Die libri coloniarum haben hier die Ueberschrift: Sexti Julii Froptini de 
Coloniis alias liber Augusti Caesaris et Neronis (oben S. 51. 63). 
Die Schrift de castrametatione aber ist nur aus dem Vaticanus genommen. 


Bonn, 1. October 1852. 
Blume. 


Beilagen: 47. 


IV. Vergleichung der Römischen Feldmessersammlung 
mit der Geodäsie des.Heron von Alexandrien. 


Die neueste Untersuchung über Heron ündet sich in dem vortrefflichen 
schon 1816 geschriebenen aber erst jezt erschienenen Werk von Leirenne, 
recherches critiques, hisloriques ei géographiques sur, les fragments d'Heron 
d'Alexandrie, publié par. A. H. J. Vincent, Paris 1851 !). 

Es sind zu unterscheiden: 1) Heron Mechanicus unter Ptolemaeus Euergeles, 
Schüler des Ctesibius, dem man die.Eründung der Wasseruhr und der so- 
genannten Fontaine des Heron zuschreibt. 2) Heron der Lehrer des Proclus 
( Marinus vita Procli 9, p. T«.. ed. Boissonade), zwischen 430 und 432 
nach Chr. in Alexandria Lehrer der Mathematik, verfasste ein von Eutocius aus 
Ascalon (in Archim. p. 160, I. 15 opp. Archim. Oxon. 1792) citirtes Buch: 
Inouvygua slg vj» daudunrxmv sioayoynv. 3) Heron, nach Justiaian 
lebend, Verfasser eines kleinen Tractats de machinis bellicis ‚und eines andern 
de geodaesia (Heronis mechan. liber de mach. bell. nec non lib. de geo- 
daesia a Fr. Barocio P. V. latinitate donati, Ven. 1572): ohne alle Be- 
deutung und Werth. Letronne setzt ibn durch astronomische Berechnung in die 
Jahre 615 —20 n. Chr. 

Erhalten ist nun unter dem Namen des Heron 1) ein Tractat: 7 zwy 
Inınedwy xarà vy Ex9eaiv "Howyog ufronoıs, dem eine Tafel der zu Herons 
Zeit in Aegypten gebräuchlichen Maasse voraufgeht, und verschiedene einzelne 
Stücke, besonders unter dem Titel: "Howvos eloaywoyaf ein wichtiges voll- 
ständiges Verzeichniss der aegyptischen Maasse (Letronne p. A7ff.); dann mehrere 
Fragmente in einem cod. Vat. der Geoponiker (cod. Vat. n. 215), alle offen- 
bar aus ein- und demselben Werke: “Howvos y&mzovixóy fifAtoy, kurze 
geometrische Definitionen in 30 Paragraphen, wie L. meint, die Introduction des 
volistándigen Werkes Heron's, woraus der oben genannte Tractat nur ein dürf- 
tiger Auszug sei; 2) "Howvog elsaymyal ty yemueroovuevoy, ganz übn- 
lich dem Tractat, aber mit Weglassung der Maasse, ebenfalls Auszug aus dem 
Originalwerke, indem es vieles enthält, was im Tractat fehlt; 3) ein Fragment, 
Maasse Aegyptens zu Herons Zeit enthaltend (Letronne p. 59), welches mit dem 
Tractat sich gegenseitig ergänzt. 4) ufronoıs yopov, sehr verwandt mit dem 
Tractat, aber mehr enthaltend als dieser. 5) "Howvosg zzepl u£rQwy, ganz dem 
vorigen ähnlich mit einigen neuen Zusätzen. 

Also dies alles Trümmer eines, jetzt verlornen Werkes, einer praktischen 
Geometrie oder Geodaesie des Heron von Alexapdria, des Lehrers des Proclus: 
denn dem ersten kann sie nicht angehóren, weil rómische Maasse darin viel- 
fach vorkommen; noch weniger aber dem dritten, dem Verfasser der sogenannten 


1) Wegen der aeltern Litteratur s. Bóckh metrol. Untersuch. (1838) $2 
S 


a L INDEX VERBORUM. 


A praepos. c. accus, p. 3,24. 313,20. 344,1. a foras p. 12,23. a foris 
p. 127, 20. a supra p. 408, 24. 410, 6. 

aboalienatio p. 45, 13. 76, 5. 

abluuio p. 124, 1. 150, 27: cf. R. II. p. 451. 

absolutio p. 37, 2. 63, 30. 

absolutus: in absoluto p. 220, 2. 224, 15. 227,8. 234, 12. 235, 14. 236,16. 
238, 13. 252, 19, 257,20. 259,2: cf. solutus et R. II. p. 252 et p.393. 

abuti sacrificium (4. e. igni consumere) p. 43,5. 74,2. 

accepta p. 14, 17. 45,8. 51,8. 16. 75,31. 83, 14. 23. 113, 3. 156, 11. 14. 
16. 161,11. 16. 19. 23. 172, 6. 174, 5. 192, 11. 199, 12. 201, 18. 204, 5. 
8sq. 293, 21. R.II, p. 367. 

acceptio p. 156, 18. 

acetabulum (mensura) p. 375.3. acitabulum p. 374, 28. 

acies terminorum p. 306, 16. 307, 7sq. 344, 15. 345,3. R. II. p. 275. 

acnua (cf. R. lI. p. 279) p. 30, 12. agnua p. 246, 1. 339, 17. agna p. 245, T. 
368, 5. 

actio ciuilis p. 269, 20. — criminalis p. 269, 21. — in personam p. 276, 3. 

actuarius limes -p. 168, 10. 14. 194, 11. 207, 5. 9. 248, 4. — palus p. 192, 9. 

actus limitnm, mensurae, mensurarum p. 7,7. 20. 166,3. 171,15. 178,2. 
205, 6. in omnem actum (. e. in omnem partem p. 100, 1. actus i. e. uia 
qua agitur p. 58, 20. 89, 22. 134, 7. 157, 14. 370,11. 26. actus (men- 
sura CXX pedum: cf. R. Il. p. 279) p. 30, 12. 16. 94, 11. 15. 95,8. 96, 5. 
16. 136, 18. 152, 26. 153,2. 12. 159, 15 sq. 21. 23. 171,2. 9sq. 174,2. 
8. 209, 10. 19. 210,1. 4. 17 sq. 245, 6. 13. 261,6. 200,15. 293, 16 sq. 
339, 3. 13. 367, 14. 368, 5. 371, 11. 407, 8. acti constrati p. 245, 8. 
actus maior p. 372, 18. — maior qui quadratus dicitur p. 372, 11. — qua- 
dratus p. 367, 26. — minimus p. 367, 23. 372,8. 407.17. 

acutiangulus p. 378, 18. 390, 10. 
Römische Feldmesser Il. 3l 


c o——wm--—— ——---- 0. n 


482 Index verborum. 


acutus angulus p. 41, 3. 71, 30. 100,6. 101,5. 102,3. 6. 9. 17. 103,4. 
240, 7 sq. 296,1 sq. 377, 15. 378, 18. 390, 11. 411, 17. 412,2. 13. 413, 
19. 414,2. — in summo terminus p. 250, 14. 19. 405, 11. 406, 19. 

adaerare podismis p. 32, 5. 

adaeratio p. 46, 15. 77,6. d 

addictio cf. datio. 

adfines 4. e. confines p. 26,2. 199, 5. 8. 202, 17. 280, 14. 

adlabare p. 52, 12. 

adluuio p. 306, 9. alluuio p. 9, 8. 16, 5. 24. 49,17. 50,9. 51,1. 82,7. 23. 
83, 7. 123, 18. 124,3. 125,17. 150,27. 274, 5. 8. 17. 19. 22. 342,20. 
347,19. 398,24. 399,16. alluuius ager p. 369, 14. R. ll. p. 451. 

adpertinere p. 311, 22. 322, 29. 323, 12. 

adsignatio p. 7, 2. 5. 18, 10. 22,6. 37,13. 48, 4. 51, 3. 52,3. 53,17. 56,1. 
64,15. 78,26. 81,10. 83,9. 34. 86,29. 117,3. 120,24. 121,13. 19. 
21. 23. 171, 5. 172,2. 178, 5. 197, 8. 201, 14. 202, 1. 242, 7. 295, 12. 
assignatio p. 6, 21. 7, 11. 25. 110, 23. 154, 10 sq. 155, 29. 156, 2. 157,8. 
12. 18. 26. 158, 9. 160, 10. 20. 162, 17. 21. 163, 6. 11. 46. 164, 18. 
165, 12. 18. 227, 10. R. II. p. 370. 

adsignatus p. 1, 3. 2.1. 3, 1. 7. 4, 4. 6,7. 7,4. 8,2. 13,6. 18,4. 20,4. 9. 
21, 5. 8. 26,7. 43,21. 45, T. 11. 21. 49,8. 53, 17. 74, 18. 75,30. 76,3. 
13. 79, 27. 80, 2. 9. 81, 8. 11. 25. 83, 26. 29. 84, 9. 87, 4. 117, 12. 
119, 11. 124, 7. 120, 1. 128, 21. 130, 9. 131, 10. 133, 2. 202, 12. 18. 
222, 6, 2406, 25. 290,17. 292, 18. 293, 9. 20. 295, 5. 9. 396,6. 397,7. 
400, 10. 17. 401, 17. assignatus p. 4, 19. 21. 2,10. 30. 34. 3, 31. 4,7. 

-.48. 25. 6,14. 19. 23. 7,14. 13,23. 30. 15,29. 16,28. 18, 21. 50,25. 
22, 19. 24,5. 20. 110, 15. 21. 114, 1. 3. 151,19. 153.10. 24. 154, 80. 
25. 155, 13. 156, 19. 157, 21. 160, 23. 280, 12. 290, 6. 350, 1. cf. ce- 
turia, cultura, cultus.. 

aduocatio p. 25, 33. 26, 13. 34, 21. 35,2. 8. 36, 5. 64, 2. 70, 15. 90, 3. 6. 15. 

aduocatus p. 25, 33. 

aephi (hebraicum ephah, apud LXX olpel mensurà in aridis) p. 376,10. 

aequiangulus p. 392,10. 12. 

aequidisstantes ordines p. 13, 14. 129,290. 

sequilaterus p. 378, 11. 20 sq. 380, 4. 6. 16. 25. 381,3. 392,9. 11. 

aes 4. e. fabula aenea p. 13, 32. 14, 10. 46,10. 12. 51,15. 77, 4 sq. 83,22. 
: 121,10. 125,18. 131, 12; 15. 182, 4. 138, 11. 154, 20. 161,19. 171,11. 
197, 19. 202, 8sq. 15. 204, 7. 223, 13. 295, 11. aes commodi p. 14, 20. 
aeris inscriptio p. 198, 10. — libri p. 201,2. 202,15. 

aestimium p. 205, 16. pro aestimio ubertatis p. 169, 10. 211, 4. . 216, 11. 222, 
12. 224, 12. 261,26. 262,6. 398, 1. 

aetimata (almmuare) p. 379,8. 

ager unde dictus p. 368, 20. agrorum nomina p. 246, 24. cf. areifinalis, arc- 
finius, caesarianus, caput, centuriatus, citratas, colonicus, eommautatus, cul- 
tellatus, dextratus, divisus, epipedonicus, finiruris, gammatus, iugarius, muni- 


Index verborum. | 483 


cipalis, Neronianas, normalis, nonalis, occupatorius, oliuarius, "quadratus, 
quaestorius, regius, scamnatus, sinistratus, solidus, solitarius, solutus, sta- 
dialis, strigatus, subsiciuus, tessellatus, tetraponus, triumuiralis, uectigalis, 
uliginosus, ultratus. 

agger explicatur p. 370, 14 (nam eic tbi legendum). 

aggestus petrarum p. 258,1. 

agralia testimonia p. 240, 18. 400,23. | 

agrarius cf. lex. 

agrestis cf. mensura et arca. 

albarium p. 316, 31. 323, 19. 327, 28 (?). 328, 16 (*). 33 (?). 330, 1. 15. 18 sq. 

allabinibus (adlat.) p. 306, 15. 

alpes p. 397, 18 (cf. Du Cange glossar. med. lat. sub hoc uerbo). 

alternatim p. 383, 23. 391, 10. 392, 16. 

alternus: alterna latera p. 384, 10. alternae lineae p. 379, 5. 383, 24. 28. 
384, 1. 7 sq. 15. 18. 22. alternae (omisso substantuio) p. 384, 20. 20. 28. 

ambitus p. 58, 21. 89, 23. 134, 7. 157,14. 370,27. 

ambligonius (GuAvyeioc) p. 297, 1. 3sq. 300,12. 341,11 (ubi sic legen- 
dum). 378, 16. 

ampligoneus p. 250, 16. ampligmeus (ampligineus?) p. 405, 14. 

amicirculus (i. e. hemic.) p. 250,8. 17. 406,16. — quadratus p. 405, 15. 

amphora (mensura) p. 296, 4. 8. 376, 9. amfora trimodia p. 96,13 (cf. p. 376, 9). 

amygdala p. 352, 2. 

angulum: similia angula p. 345, 1. 

angulus termini p. 10, 18. 24. terminus qui angulum subiacet p. 250, 26. 
cf. acutus, clusaris, euthygrammus, hebes, lunatus, normalis, obtusus, ratio- 
nalis, rationabilis, rectus. 

angustus terminus p. 250, 18. 

annonam publieam praestare p. 165, 5. 

ante missae arbores (ef. R. II p. 267) p. 5, 8. 25. 13,5. 12. 41,12. 72,20. 
115,9. 128,2. 129,18. 131, 8. 138, 19. 147,18. 148,16. 241,2. 15. 
253, 23. 256,10. 19. 260, 5. 20. 262, 1. 281, 9. 13. 282, 8. 347, 25. 
361,23. 401,3. 18. 

antica p. 28, 3. 166, 179. 249,29. 303, 23. 304,6. R. II. p. 341. 

anticipalis p. 64, 22. 66,2. 72,2. 

antictonos (i. e. &yrírovosc) p. 61,25. 

antipodos p. 62,1. 

antoecumene (dyzaxovufvn) p. 61, 22. 

apodixis (&ztoder£ic) p. 395, 1. 

appendix p. 358, 29. 

applicari monti p. 180, 17. , 

aqua pluuia (cf. R.1I. p. 462) p.9, 11. 23, 7. 29. 36, 18.21. 57,22. 63,16. 19. 
88, 183. 99, 2. — pluuialis p. 408, 23. — uiua p. 305, 7 sq. 310, 12. 311,18. 
312, 6sq. 313,7. 24. 314, 6. 17. 316, 27. 317, 3sq. 11. 22. 318,14. 
27. 29. 319, 21. 320, 4. 10. 15 sq. 29 sq. 322,0. 13. ETC 17 sq. 19. 


484 Index verborum. 


23. 30. 325, 8. 13. 19. 22. 326, 2. 5. 8. 11. 13. 17. 22. 25. 327, 5. 
12. 328, 6. 19. 28. 329, 13. 28. 330, 5sq. 331, 13 sq. 27. 332, 9. 333, 
12. 334, 1. 20. 335,16. 25 sq. 336, 5 sq. 19. 337, 23. 345, 21. 347,26. 
352, 16. 360, 14. 26. 363, 2. 364, 10. 365, 11. 23. cf. terminalis. 

aquilonalis p. 332, 30. 334, 1. 

aquiuergium p. 315, 17. 325,8. 336, 29. 

ara cf. lapideus et sacrificalis. 

arapennis (actus quadratus apud Baelicos) p. 368, 1. 372, 17. arripennis 
p. 407,21. 408,1 (cf. Du Cange glossar. s. u. R. II. p.279). 

arater: qua falx et arater ierit p. 112, 24. 201,8. 203, 16. 

arbor cf. ante missus, clauicatus. finalis, insignis, naturalis, notatus, peregrinus, 
terminalis. 

arca (cf. Du Cange glossar. s. u.) p. 227, 14. 228, 5. 240,6. 13. 252,3. 11. 
254, 18. 255, 26. 256, 8. 259, 25. 305, 8. 307, 19 sq. 310, 14. 311, 27. 
312, 8. 16 sq. 313, 8. 13. 314, 17. 22. 315,2. 17 sq. 27. 29 sq. 317,10. 
33. 318,28. 319, 5. 10. 20. 24. 320, 3 sq. 8. 321, 17. 323, 18. 324,1. 4 
325, 9 sq. 328, 29 sq. 329, 7. 10. 331, 19. 334, 6. 11. 336, 7. 338, 7. 20. 
23. 341,16. 343,11. 13. 345, 9. 17 sq. 352, 9 sq. 353, 6. 360,22. 304, 
28sq. archa p. 356,21. 401,2. 404,12. arca finalis p. 241, 2. 303,23. 
364, 32. 401,2. 406, 23. — marmorea p. 334, 25. 363, 28. — Noe p. 373, 
6. — testamenti (Bundeslade) p. 373, 4. — ab arcendo nominata p. 367, 4. 

arcella p. 227, 5. 252, 15. 308, 25. 352, 13. 

architectus p. 28, 1. 169, 17. 

arcifinalis ager p. 137, 25. 138,3. 9. 284,8. 350,12. — licentia p. 284,7. 

arcifinium p. 250,32. 410, 20. 

arcifinius ager (cf. R. II. p. 251. 253) p. 1, 5. 2,17 sq. 5,6.22sq. 6,1. 12,4. 13,3. 
24, 4. 19. 41,9. 42,20. 72,16. 73,27.. 99, 8. 204,16. 255, 20. 369,15. 
414, 11. archifinius p. 43, 21. 74, 18. 98,9. 107,6. more arcifinio p. 178, 
9. 179, 17. 

area p. 32, 4. 289, 23. 355,22. 370, 1. 415, 23. areae , agrestes p. 368, 10.— 
urbanae p. 368. 9. 

argumentaliter p. 26, 24. 62, 11. 90,20. 403,15. 

artaba (mensura persica) p. 376,10. 

articulamenta membrorum p. 134, 5. 

artifex i. e. agrimensor p. 5, 20. 10, 17. 11, 12. 24, 30. 26, 20. 25. 34,19. 
35, 1. 7. 36, 12. 40, 3. 18,27. 42,2. 64,11. 403,11. 16. 

artificium p. 26, 16. 71, 31. 314,3. — defendendi p. 36, 24. 63,27. 64,13.— 
rationis p. 64, 26. — signorum p. 48, 1. 78,23. 

artigraphus p. 395, 4. 

arvum primum p. 205, 14. — secundum p. 205, 14. (R. II. p. 318.) 

as (mensura) p. 340, 8. 

asion (leg. a Sion cum Higaltio) p. 360, 30. 

aspratilis p. 306, 26. 309, 13. 319, 2. 320, 25. 322, 17. 341, 23. (R.II. p.274) 

assae ferri p. 402, 1. 


——— 


Index verborum. 485 


assumptiuus controuersiarum status p. 25, 10. 24. adsumptiuus p. 69, 20. 

attigui possessores p. 10, 27. 11, 1. 53,22. 81,17. 

attinae p. 139, 1. 142, 26. 

Augustalis terminus p. 397,15. 

Augustaticus mensis p. 332, 4. 

Augustei lapides p. 242, 12. — limites, termini p. 225, 5. 227,16. 233, 15. 
19. 235, 5. 237, 18. 238, 4. 8. 18. 20. 240, 14. 20. 250,11. 252,6. 13. 
254,14. 255,4. 22. 256,9. 258,22. 260,9. 341,1. 6. 348,2. 401,1. 
405, 16. 408, 19. cf. fossatus. 

Augustiani limites p. 237, 2. 

auspicaliter 4. e. loco auspicato p. 170, 5. 

austrinales limites p. 248, 19. 

basis p. 190,10. 13. 286, 5sq. 8. 287,17. 19. 23. 290,14sq. 297, 4. 10. 
17. 298, 9. 13. 15. 299, 1. 5. 12. 300, 4sq. 10. 15. 19. 301, 11 sq. 
343,7. 355,14. 16. 356,2 sq. 5. 381,24. 384, 14. 17. 20 sq. 25. 27. 

batus (hebraicum bath, mensura) p. 376, 6 sq. 

beneficium cf, liber. 

bifurcus terminus p. 305, 22. bifurtius p. 360, 21. 363,3. 

bilamnae q. 352, 21 sq. 

botontini p. 308, 3. 315, 29. 324, 4. 341, 18. 352,20. 360, 22. botontones 
p. 361, 22. -oc 

bototonis p. 329, 9. botontones finales p. 361, 22. (cf. Du Cange gloss. s. u. 
botones). 

branca lupi, ut$i p. 309, 2. 4. (cf. Du Cunge gloss. s. u.). 

brevis terminus p. 305, 24. 308, 26. 

bubulus ef. caput. 

cacabus p. 303, 14. 

cadus (x&dos, mensura) p. 376, 10. 

caesalis lapis p. 306, 21. (R. II. p. 273.) 

caesarianus adsignatus ager p. 247, 16. cf. centuria. 

caesura p. 129, 17. 282,20. — arborum p. 13, 11. 

calauiones p. 401, 21. calafiones p. 406, 25. 

calcaria p. 296, 17. 22. 

calculus (genus ponderis) p. 373, 21. 24. 374,17. 23. 

calontae (i. e. xcAovret) p. 379, 4. 

camarsus (?) p. 332, 14. 

cambiare p. 151, 20. 

campanea loca p. 331, 20. 22. 

campania (substant.) p. 332, 22. 

campestria loca p. 401, 16. 

campicellum p. 312, 9. 17. 

canabula (cf. R. 1f. p. 269) p. 227, 14. 228, 25. 240,14. 241,11. 252, 4. 12. 
255, 22. 256,8. 341, 20. 349, 12. 401, 14 (ubi legendum canabulae). 

cancellatio p. 154, 17. 209, 14. (R. II. p. 405.) 


486 Index verborum. 


cancellatus p. 118, 25. 

candetum p. 368,9. 11 (cf. Columelia V, 1). 

caniculae 4. e. xumy et ztgoxvoy in astris, p. 351, 8. 

cannuciae p. 315, 16. (cf. Du Cange s. u.). 

capitaneae litterae p. 362, 30. 

capitulum p. 311, 1. — perticae p. 33, 22. (cf. R. II, p. 340) 

caput agri p.355,10. — hubulum p. 354,20. —  centurise p. 286, 13. 16. 
288, 7. 293,2. 18. 344,16. 353,11. — limitis p. 307, 16. 

carbunculus p. 227, 16. 228, 6. 243, 11. 252,6. 21. 256,9. 259, 26. 

cardo (R.II. p. 344) p. 3, 6. 20. 22. 24. 30. 28,9sq. 98,10. 108, 10. 111,25. 
112, 2. 6.10. 120, 19. 153, 21. 138,20. 159,13.17.19.24. 196,6. 215,5. 
286, 14.20. 288, 12sq. 17. 291, 2. 5.10.13. 335,28. 346, 18. 366,225. 
397, 17. kardo p. 28, 15 sq. 29, 5. 31,2. 62, 6. 166, 9. 167, 8. 170,8. 15. 
171, 2. 7. 9. 17. 172, 11. 174, 6. 10. 178, 18. 179, 9. 180, 2. 15. 18. 
181, 9. 13 sq. 182, 2. 183, 12. 189, 12. 191, 13. 15. 194, 2. 6. 8. 12. 
195, 3. 6. 205, 2. 206, 10. 207, 7. 209, 9. 17. 19. 22. 210, 1. 6. 13. 15. 
212,5. 213,7. 214,11. 225, 5. 227,13. 252,3. 256,7. 259. 27. 260,19. 
201,9. 272,1. 291,16. 292,8. 13. 15. 293, 19. 294,10. 363,19. citra 
cardinem p. 14,2. 111,19. 23. 27. 112, 4. 113,5. 155,12. 174,12. 195,9. 17. 

. 204, 11 sq. 294,9. 295,3. ultra cardinem p. 111, 19. 23. 27. 112,8. 155, 
12. 173, 1. 12. 174,11. 195,8 sq. 13sq. 17. 196,3. 201, 1. 3. 207,16. 
294, 10. 295, 4. cardo cadi p. 28, 16.. 366, 23. — mundi p. 153, 21. 167, 
9. 182, 2. — maximus p. 3, 30. 5, 17. 108, 16. 111,12. 16 sq. 112,14. 
120, 20. 158,18. 168, 9. 15. 173, 8. 178,11. 194,11. 19. 195,4. 196, 
14. 207,3. 8. 10. 212,6. 292,2. 294,7. 12. 18. 21. 357,4. 20. 358,1. 
— primus p. 111,25. 27. 112, 4. 8. 168, 9. 174,11 sq. 195,8 sq. 135q. 
17. 196, 3. 204, 11. — secundus p. 204,115q. — quartus p. 14,2. — 
duodecimus p. 288, 15. — decimus quartus p. 288, 16. — totus p. 195, 4. 

carere cum accusat. p. 6, 18. 25,15. 

carmasis (?) p. 336, 1. 

casa (cf. R. II, p.235. 406 et 30) inde a p. 310 usque ad p. 338 saepissime. — 

casalis et casale p. 21, 28. 312, 2. 315, 8. 17 sq. 25. 30 sq. 319, 9. 28s. 
320, 11. 321, 28. 322, 16. 323, 5. 11sq. 20. 325, 9. 326, 21. 328, 26. 
30. 329, 11. 330, 20. 30. 362,8. 366, 7. casalis finis p. 312, 5. 316, 31. 
— uinea p. 312, 1. casilis p. 329, 32. 

cathetus p. 190, 14. 286, 5. 287, 14. 16. 21 sq. 297, 17. 298, 11. 1351 
299, 3. 301, 10. 12. 346, 26. 

catectus p. 290, 10. chatetus p. 300, 14. | 

caua p. 217, 1. 10. 221, 12. 281,8. 12. 321,16. 328,8 sq. 409, 13. 

cauatus terminus p. 308, 25. 

causa cf. finalis. 

cautio p. 14, 26. 28 sq." 23, 4. 17. 132,15. 17 sq. 22. 

cectoria boc est rotundus sicut modius p. 334, 15. cectoria eeclesiae p. 337. 








Index verborum. 487 


13. cecteria quod est fonea rotunda p. 338, 9. cectarium p. 333, 19. (cf. Du 
Cange gloss. 5. w.). 
cectoriales lapides p. 337, 9. 
cenix (4. e. zoivık, mensura) p. 375, 10. 
censa (?) centuriae p. 360, 12. 
censere agros p. 218,2. 257,21. — limites p.219, 10. separatim censeris 
p. 274, 20. 275, 1. 
censiri p. 234, 2. censiit p. 231, 1. censitus p. 211, 7 sq. 215,3. 217,4. 232, 
9. 234, 16. 238,21. 255, 4. 261,25. 
centenarius (C librarum pondus) p. 374, 20. 
centuria p. 2, 12. 16. 6, 7. 14. 16. 18. 7, 2. 12. 17. 19. 22. 29. 8,8. 27. 
14, 4. 17, 5. 17. 20, 3. 16 sq. 30, 18. 21. 45, 17. 56, 2. 76, 9. 81,8. 
86, 30. 96,14. 110, 5. 18. 20. 111, 1 sq. 113, 7. 115, 17. 116, 8. 22. 
117,13. 120,8. 12. 121, 1. 18. 122, 18. 124, 9. 125, 6. 15. 133,2. 153, 
23. 26. 30. 154, 11. 155, 9sq. 26. 30. 156, 4. 18. 157, 2. 4. 6. 24. 
158, 10. 12. 15. 20 sq. 159, 9. 13sq. 21. 160,22. 162,13. 17. 168, 12. 
170, 11. 17. 172, 4. 8. 14. 1783, 6sq. 15. 174, 2. 8. 11. 16. 182, 6. 
195, 1. 11. 196, 1. 7. 9 sq. 199, 2. 12. 14. 16. 200,2. 4. 15sq. 201, 1. 
204,8. 205, 2. 210, 16. 212, 3. 213, 1. 3. 214, 4. 10. 14. 215,6. 224,1. 
220, 9. 245,5. 246,18. 20. 256,3. 258, 4. 11. 16. 260, 4. 22. 26. 261, 
6. 10. 13. 273, 5. 286, 13. 15. 288, 7. 289, 18. 21. 27. 290, 26. 292, 
19. 293, 3. 10. 15. 18. 22. 306,13. 15. 343, 3. 346, 18. 349, 10. 350,16. 
352, 18. 360, 12. 303, 5. 366, 4. 367,13. 368, 14. 17. 369,29. 371,10. 
372, 24. 27. 398, 14. 407,7. 408, 1. — Caesariana p. 213; 7. — quadrata 
p. 30, 22. 159,25. 209, 7. 11. 210,12. 215,6. 245,3. 293.10. — trium- 
uiralis p. 30, 20. — uocua p. 163,6. in centuriis adsignatus p. 227, 1. 230, 
21. 240,11. 252,9. 255,17. 257,5. 13. 26. 260,8. per centuries adsignatus 
p. 230,8. 231,10. 253,1. 259, 19. 260, 10. per centurias demetitus p. 253,19. 
centuria, certus agri modusin Hispania, p. 122,8. (cf. R. II. p. 289.351.363.401.) 
centurislis lapis p. 286, 14. 290, 20. 291, 4. 
centuriare p. 120, 3. 204, 5. centuriatus ager p. 20, 16. 58, 12. 89, 14. 118, 
10. 133, 1. 163, 11. 246, 26. 293, 9. centuriati limites p. 216, 4. 
centuriatio p. 117, 24. 154, 17. (R. II. p. 405.) 
centustatus (T) terminus p. 250, 6. 406, 14. 
ceratium (xeparıov ponderis genus) p. 373, 24. (nam sic ibi leg.). 
chema (xnun, mensura) p. 374, 25. 
chiasmus p. 107, 18. 108, 2. 
choragros uilla Graece dicitur p. 369, 1. 
chorus (hebraicum cor, mensura) p. 376, 12 sq. 
chulleus £, e. culleus (mensura) p. 376, 13. 
cignus (mensura) p. 374, 26. 
cihiamellus (*) hoc est siliqua siluatica p. 360, 23. 
Cilicii termini p. 253, 6. 12 (legendum videtur Cecilii: cf. index nominum 8. u. 
Cecilius). - 


488 Index verborum. 


cinerarii fines (cf. R.II. p. 264) p. 303,12 (nam sic ibi legendum). 

cippus p. 406,24. — monumentalis p. 281, 21. — terminatus (terminalis?) 
p. 281, 21. cf. oleagineus. - 

circare p. 326, 17. 

circinare p. 286, 18. 

circinus p. 105, 4. 6sq. 107, 13. 

circularis linea p. 103, 13. 104, 11. 107, 17. 

cireulatus terminus p. 250, 15. 

circulus explicatur p.104, 17. 377, 18. — Saturni p. 184, 13. 

circumactus aratri p. 12, 14. 126, 5. (R. II. p. 434.) t 

circumcurrens linea p. 393, 6. 

circumdueta linea p. 377, 19. w 

circumferens linea. p. 5, 10sq. 99, 5. 100, 7. 101,:12. 15. 102, 5. 12. 18. 
103, 13. 104, 5 sq. 13. .105, 10. m 18. 106, 1 sq. 5. 85qq. 107, 23. 
108, 7. 410, 16. 411, 18 sq. 413, 8sq. 414, 6. 8. 

circumferentia p. 102, 4., 7. 11. 15. 107,18..108, 1. 189, 7. 10. 190, 14. 
378, 2. 5. 388, 8. 10. 13. 16. 389, 4. 8. 390, 9. 23. 25 sq. 392, 15. 
409, 2. 9. 412, 14. 

citratum p. 290, 18 sq. 291, 11. 15. 292,12. citatus ager p. 247, 6. citrala 
pars p. 291,13. 17. 292, 17. (R. II. p. 341.) 

claudianus terminus p. 227, 5. 252,15. 308, 25. 

clauicatae arbores (4. c. clauis infiris notatae) p. 44, 18. 75, M. 

clausula p. 122, 21. 

clima (mensura agri) p. 371, 11. 372, 16. 407,7sq. 16. clymma p. 367, 
14. 25. 

eliuia p. 24, 7. 43,1. 58, 14. 74,11. 89, 17. 

clusares anguli p. 195, 1. 7. 196, 11. 'clusaria latera P. 194, 20. clusaris portio 
p. 172, 17. (R. II. p. 353.) 

 coagulatus p. 306, 27. 

coclear (mensura) p. 374, 23. 375, 23. plur. cocleares P. 374, 24 sq. coclearia 
p. 374, 26. 

coctus testatius terminus p. 306, 21. 

collectaculum aquae p.321, 9. — de carbonibus p. 361,31. — uallium p. 365, 15. 

collectus aquae p. 23, 8. 30. 

collicellus p. 335,16. 337, 20. 338, 8. 364, 7. 

. collina pro eo quod est collis p. 314, 12 sq. 

collis quomodo differat ab rigore p. 11, 20. (R. II. p. 433.) 

colonia explicatur p.18, 24. 113,19. 135, 20. (R. IL. p. 323—331. 413. 

eolonicus ager p. 35, 14. 17. 36, 1. 62, 20. 23. 264,13. — mos p- 205, 1. 
colonica lex p. 6, 26. 24, 6. 41,17. 72, 26. colonici limites p. 248, 22. 
(R. II. p. 268.) 

columniacus lapis p. 242, 8. 

commalleare p. 53, 24. 81, 19. 

commalliolare p. 204, 6. 


4 


Index verborum, 489 


commissum facere (i. e. peccare) p. 44,2. 74,26. 

communalia p. 48, 23. 55, 22. 79,21. 86,25. (R. II. p. 393.) 

communis: in commune p. 15, 5. 24. 201, 10. 18. in communi p. 15, 27. 
communi diuidundo indicium p. 278, 21. — — agere: p. 278, 19. 

commutatum p. 155, 25. ager commulatus ex bepeficio Augusti p. 247, 19. 
cf. redditus. (R.II. p. 390.) 

compactiles fines p. 320, 22. 334, 25. 

compagina p. 338, 11. 18. conpagina p. 331,6. (R. Hi. p. 407.) 

compaginare: conpaginare agros p. 271, 6. (cf. Du Cange gloss. s. u.). 

compascua (cf. R. II. p. 395) p. 157, 9. 201,16. 202, 2sq. conpascua p. 15. 6. 
24. 117,3. 18. 120, 16. 201. 12. conpascua ( femin.) p. 116, 26. 

comportionales termini p. 40, 11. 71, 8. comportionales p. 10, 16. 11,10. 40, 
1. 16. 70, 25.71, 14. enmportionalis p. 10, 26. conportionelis (omisso sub- 
stantito) p. 347, 22. 388,24. 389, 12. (R. II. p. 381.) 

compotum p. 309, 24. 338, 16. computum p. 334, 3. conputum p. 331, 4sq. 

compraecidere: conpraecidere p. 191, 5. 

concessus (cf. R. II. p. 387) p. 6, 18. 110, 20. 197, 3. 7. 10. 13. 19. 201, 12. 
202, 1. 7sqq. 400, 10. 

conciliabulum p. 19, 2. 8. 21, 19. 35, 15. 55, 17. 62,21. 86, 17. 263, 5. 10. 
264, 10. 265, 6. (R. II. p. 240. 299. 404.) 

conclusio angulorum p. 222, 6. 

concula (4. e. conchula, mensura) p. 374,25 sq. 375, 25. 

conditor mensor p. 22, 11. 

confinales lineae p. 309, 11. f ” 

confinium p.22,26. 57,9. 88, 5.141,20. 276,6. 278, 3 sq. 279, 10 sq. 17. 20. 
302, 17. 318, 29. (R. II. p. 235.) 

confragosus : p. 24, 8. 21. 32, 10. 33, 13. 179, 2. 198. 21. 240, 19. 326, 4. 
396, 9. 400,24. 

congeria p. 211, 10. 227,16. 228, 6. 211, 3. 252,6. 259,25. 314, 11. 347, 
25. 350, 4. 352,23. congeries P A01, 3 sq. 

cungestio p. 255, 19. 

congius (menstra) p. 375,9. 11. 

coniecturaliter p. 26, 25. 90, 20. 403,15. 

coniunctiuus controversiarum effectus p. 68, 17 sq. 

conlimitare p. 343, 19. 

conplactus (?) p. 250, 16. 

conscientia dominica (i. e. conscio domine) p. 351, 2. 

consecratio uetus p. 229,6. 256, 23. cf. lex. (R. II. p. 277.) 

consortalis lines p. 211, 19. 289, 19. (cf. Du Cange gloss. s. u. consortes). 

constituere fundum p. 15, 11. 15. 48,11. 15. 

constitutio limitum p. 173, 16. 178,10. 313, 41. — uitium p. 13, 14. — diui 
Augusti p. 194, 9. 

consumere uisum p. 33, 1. (R. II. p. 340.) 

consummare spatium p. 27, 1. 


- 


490 | Index verborum. 


conternatio p. 200, 5. 9. 11 sq. 14. 17. (R.II. p.367.) 

conternatus 200, 3. - 

continuatio soli p. 44, 11. 75, 4. 

controversia genera p. 123, 17. 398, 22. 399, 16. cf. states. (R. II. p.422.) 

controversialis: oportunitas p. 10, 20. 

conuallia p. 320, 19. 397, 5. 

convenientia p. 141,21sq. 142,3. 273, 5. 349,4. 10. 

corniculum p. 32, 19..288, 5. (R. II. p. 337.) 

coronae p. 217, 1. 218,3. 

corpus agri p. 11, 32. 109,17. — soliditatis p. 3, 18. 

corrigia iugalis p. 321, 16. (cf. Du Cange gloss. s. u. corrigia.). 

cortis p. 334, 5. eurtis p. 314, 30. 328, 21. (cf. Du Cunge gloss. s. u. cortis). 

cotoneus p. 308,8. 333, 11..360, 27. malum cotoneum p. 308, 19. 347, 26. 
352, 2. melum (7409) cotoneum p. 321, 12.. — cotonium. p. 361, 13. 

cotus pro eo quod est quo(us p. 113, 9. 13. 

coxa (i. e. uwersura) p. 139, 16. 142, 5. 151,14. 

cremium p. 131,2. cremia lignorum p. 55, 4. 86, 4. 

croma cf. groma. 

crematica lapis p. 306, 20. ' 

cubitus (mensura) p. 94, 14. 95, 4. 96,3. 17. 245,10. 339, 7. 360, 32. 367, 
15. 371,13. 373, 2sq. 407, 9. — maior p. 373, 6. plur. cubita: p. 96, 16. 
18. 245, 6. 

cula (?) loca p. 86, 9. 

culina i. e. locus inopum funeribus destinatus p. 21,15. 55, 9. 86,9. 

cultellare p. 26, 11. 27, 3. 12. 34, 1. 3. 192, 9. 287, 12. 290,.2. 397, 6. 
409, 3. 6. cultellatum p. 26, 9. cultellatus ager p. 247, 10. — lapis p. 342. 
2. — limes p. 248, 7. (cf. Salmas. ad Solin. p. 690. R.II. p. 340.) 

cultura p. 7, 9. 12, 14sq. 13, 5. 10. 32, 11. 41, 13. 22. 45,1. 3..18. 72, 21. 
73,1. 75, 20. 22. 76, 4. 10. 126, 5. 7. 127,15. 129, 16. 152,18. 156,1. 
161, 4 sq. 9. 13. 17. 176, 5. 225,16. 254, 27. 257, 20. 275, 3. 282, 2. 
396, 11. 397, 20. — agri p. 45, 12. 176,10. culturam accipere p. 179, 14. 
cultura adsignatus ager p. 234, 9. 236, 15. (R. II. p.372.) 

cultus; cultu adsignatus ager p. 236, 20. 

cultus: culti fines p. 315, 15. 325, 7. 

cuneati fines p. 241, 12. 401, 16. cuneatae f. p. 347, 11. 

cursim p. 397. 3. 

cursorium p. 342, 1. 7. 344, 19. 345, 10. 346, t. 30. 349, 9. 353, 12. cur- 
sorius terminus (cf. R. II. p. 274) p. 241, 9. 250, 20. 309, 26. 320, 11. 337, 
23. 338, 1. 343, 26 sq. 345, 26. 346, 16. 28. 401, 13. 402, 5. 405,17. 
cf. spatula. 

cursus p. 51,19. 83,25. — limitam p. 4,231. 

curtis cf. cortis. 

curuatura p. 355, 15. 

cyatus (xue Jos, mensura) p. 375, 25. ciatus p. 347,27. 375,1. 


Index verborum. 491 


cynae ennyae (xorvel Éyyouu) p. 379, 17. 

dactulns (Datielbaum) p. 352, 1. 

damnatus lapis p. 342, 13. 

datio addictio p. 265, 4. 8. 

datum p. 157,21. 202, 12. datus adsignatus p. 21, 5. 155, 24. 156, 5. 26. - 
157, 1. 162,16. 263,15. 

de abundat p.11, 185q. 312,26. 352,24. de c. accus. p. 6,16. 23. 308, 
12 sq. 323, 19. 329, 13. 23 sq. 31. 331, 3. de latus p. 311, 29. 312, 14. 
314, 20. 315, 27. 321,17. 323, 30. 324, 2. 327,17. 20. 329, 5. 330, 25. 
de latus c. accus. p. 310, 18. 311, 12. 19 sq. 27. 31. 312, 16. 18. 25. 
313, 24. 314, 6. 315, 1. 23. 31. 316,2. 21. 317,2. 26. 318, 6. 9. 12. 28. 
319, 4. 320, 6. 322,7. 20. 27. 323, 3. 5. 8. 15. 324, 3. 334,1. — — 
c. ablat. p. 319, 12. 324, 9. 329, 9. — — c. genit. p. 324,11. de lateris 
p. 312, 3. de latere p. 322,15. latus se p. 313, 6. 19. 318, 10. de intus 
(dans) p. 329, 7. de secus p. 314, 20. de sub p. 309,7. 314, 7. 316,16. 
329, 25. de super p. 311, 26. 314,16. de trans p. 311, 30. 

decempeda p. 30, 11. 94, 11. 15. 95,6. 96, 5. 245, 7. 12. 339, 2. 11. pertica 
decempeda p. 372, 14. pertica decimpeda p.371, 20. 372, 3. 11. 16. 21. 

decimanus p. 3, 6. 20. 28, 8sq. 29, 5. 31, 2. 112, 5. 153, 18. 20. 158, 20. 
159,14. 17. 19. 23. 167,13. 168, 7. 170, 13 sq. 171, 2 sq. 7. 9. 175, 7sq. 
178, 11. 181, 9. 18. 183, 13. 189, 13 sq. 194, 12. 205, 1. 209, 9. 18. 22. 
210, 2. 5. 13. 15. 212, 4. 213, 8. 214, 11. 215, 6. 225, 5. 227,13. 252, 
3. 256, 7. 260, 19..27. 261, 7. 9. 263, 13. 15. 264, 11. 272, 1. 286, 13. 
288,8. 11. 17. 291,14. 17. 292, 9: 12. 15. 293,18. 363,7. 397,16. decu- 
manus p. 28, 11. 29, 2. 31, 5. 98, 9. 120, 18. 153, 14. 166, 9. 209, 20. 
271, 4. 286, 20. 288, 11. 290, 24. 291, 1. 6. 9. 357, 26. 364, 15. 366, 
23. 367,1. 3. — limes p. 3, 23. 108, 9. 152, 27. 153, 12. 259, 26. — 
terminus p. 358, 3. decumani numeri p. 290, 23. decimanus primus p. 111, 
27. 112, 2. 6. 15. 17 sqq. 113, 5. 168, 8. 173, 18. 174, 7 sqq. 195, 8 sq. 
12 sq. 17. 204, 11. 206, 10. 288, 9. 357, 4. — secundus p. 112, 16. 20. 
113, 5. 204, 12. 288, 9. — tertius p. 14, 2. 113, 5. 288, 9. — quartus 
p.113,5. — quintus p. 288, 15. — sextus p. 288, 16. — maximus p. 3, 
29. 5, 17. 108,15. 111,12. 16sq. 112, 13sq. 17sq. 120,19. 158,18. 
168, 8. 15. 171,17. 172,10. 173,8. 174,1sqq. 175,1. 6. 11. 178,18. 
179, 9. 11. 14. 180, 2. 14. 17. 182, 4. 191, 13 sq. 194, 2. 6sq. 10. 19. 
195, 2sq. 5. 196,6. 14. 207,3. 7sq. 10. 212,5. 292,1. 6. 294,3. 16. 
20. 335,28. 357,6. —  dexterior p. 162, 7. — sinisterior p. 162, 8. — 
totus p. 195, 4. — natus ex eo quod est duodecimanus p. 28, 14. 167, 10. 
cf. dextra et sinistra. (R. II. p. 342.) 

declarare finem, terminos p. 44, 19. 75, 12. 279,28. 

decuria p. 113, 2. 8. 10. (R.II. p. 367.) 

decursorii termini p. 313. 8. 

decus p. 144,20. 282, 5. 287, 6. 10. 321,23. 335, 15. 360, 3. 

decusatus p. 140, 10. 286, 16. 335, 14. 341, 31. (R.1L p. 256.268.) 


492 Index verborum. 


deducere controversiam ad litem p. 67, 17. 19. 

defendere sibi aliquid p. 11, 21. 13, 28. 24,106. 58,8. 89, 7. 109, 5. 128,19. 
130, 18. 161, 23. 408, 24. 410, 7. - 

definitio p. 25, 22. 39, 13. 281, 6. — concurrens p. 12, 11. 221,11. 

deflesa montium p. 401, 9. (nisl ibi legendum deuexa). 

deformatio p. 245, 3. 

deicere terminos p. 277, 10. 

delimitare p. 3, 4. 11. 8, 27. 

delimitatio p. 227, 13.. 

denarius (ponderis genus) p. 374, 1 sq. 

denormata linea p. 345, 20. 

densitas p. 56, 19. 87, 19. 

depalatio p. 244, 13. 

desicare locum p. 40, 22. 71, 20. 

designatio agrorum p. 166, 7. 

determinatio p. 202, 16. 244, 14. 233,13. 400, 9. 

determinatus: determinata linea p. 352, 13. — plaga p. 15, 17. 48, 17. 19,14. 

devergit aqua p. 410, 4. 

devergium cf. divergium. 

dextra decimarum p. 14, 2. 111,18. 20. 23. 112, 15. 113, 5. 155, 12. 162, 
7 sq. 173, 12. 174, 115q. 195, 8sq. 17. 201, 1. 3. 204, 11 sq. 207, 14. 16. 
294, 11. 13. 295,2. 

dextra pars quae sit exponitur p. 27,15. 166,13. (cf. R. II. p. 342.) 

dextratum p. 290, 18. 291, 11. 15. dextratus ager p. 247, 4. dextrata pars 
p. 291, 7. 9. 15. 292, 6. 14. 16. 

diagonalis p. 225, 8. — linea p. 196, 12. — limes p. 248, 17. 

diagonius (5 dıayavıos sc. yoepuur) p. 186, 12. (ubi codd. diagonum). 

diagrammata terminorum p. 340, 23. 

diametralis p. 225, 7. 

diametrus p. 242, 8. 396, 10. 355, 22. 377, 22. 378, Á. 384, 13. 385, 1. 9. 
368,1. 387,24. 388,25. 390,7. 391,24. . 

diastema p. 102, 14. 20. 107, 14. 183, 6. 184, 6. 15, 9. 

diazografus libellus p. 7, 21. — — liber p. 26, 26. 

dictare p. 285, 4. — cannas p. 286, 21. — limitem p. 287, 7. — moetas 
p. 33, 2. 34, 10. — rigorem p. 33, 11.14. 285,9. 11. 286, 1 sq. (R. 1I. p.340.) 

digitus (mensura) p. 94, 14sqq. etc. etc. — impudicus p. 371,26. — medius 
p. 371, 26. — minimus p. 371, 27. 

dilapidata id est lapidibus strata p. 370, 13. 

dimensio terrae p. 393, 4. 10. 14. 

dipondium p. 28, 14. 167,11. 

directura p. 336, 24. 

dirigere intransitive p. 29, 10. 167, 5. 303, 4. 

disconvenire p. 9, 3. 12, 4. 24,1. 47,16. 20. 78,11. 15. 143,26. 182,14. 
206, 2. 303, 9. 398,18. 


Index verborum. 493 


disiunctiuus controversiarum effectus p. 68, 17. 23. 

dispectae lapides p. 362, 13 sq. 

disponere terminos p. 43, 1. 144, 4. 

disterminare p. 169, 5. 278,8. 279, 13. 

disterminatio p. 66, 24. 

distinctio terminorum p. 38, 19. 

divergium aquae s. aquarum p. 5, 8. 26. 19,25. 103,15. 114,21. 115,13. 
128, 13. 134, 1. 163, 22. 240,3. 254, 15. 282,23. 347, 19. 395, 14. 396, 
18. devergium p. 41, 10. 72,18. 126, 11. (R. II. p. 256.) 

divertioulum explicatur p. 370, 24. 

divinia ars p. 184, 1. 

divisio p. 154, 10. 26 (?). 157, 8. 11. 15. 26. 160, 5. 15. 20. 162, 4. 21. 
164, 11. 165, 17 sq. 171,1. 14. 

divisura agri p. 369, 29. 

divisus ager p. 1, 3. 19. 21. 2, 1. 30. 3, 7. 31. 13,20. 39. 117, 12. 130,6. 
131, 10. 151,18. 153, 9. 24. 154,8 sq. 13. 25. 160, 23. 246, 21. 271,5. 
289, 18. 290, 4. divisa regio p. 16, 28. (R. II. p. 284. 285.) 

divortia i.e. flexns uiarum p. 370, 23. 

dodrans (mensura) p. 95,1. 96,2. 214, 5. 7. 215,9. 216,9. 

dolatilis p. 362, 18. 

dolatus terminus p. 287, 19. dolitus t. p. 306, 24. dolitus lapis p. 342, 1. cf. 
quadrus. (R. II. p. 274.) 

doleus p. 296, 9. 14. 18. 

dominium p. 267, 10. 274, 7. 9. 12. 276, 20. 280, 10. 282, 19. 

dragma (ponderis genus) p. 373, 26. 374, 16. 24 sqq. 375, 2 sq. 24. 

Drusianus cf. pes. 

duodecimanus p. 28,14. 167, 6.10.13. 330,21. — limes p. 249,25. (R. 11. p. 342.) 

duodrantales lapides p. 111, 19. 

duopondium p. 28, 12. 167, 12. 

duoviginti (antique pro eo quod est viginti) p. 28, 13. 107, 12. 

ebes cf. hebes. 

effectiuus controversiarum status p.25,10. 31sq. 70, 8. 13 sq. 75, 26. 78,28. 
80, 20. 81,3. 82, 7. 

effectus controversiarum p. 68, 17. 19. 23. 28. 69,3. 8. 11. 15. 17. 

egregius limes p. 249, 26. — terminus p. 340, 24. (R. II. p. 274.) 

eiectura p. 297, 1. 5. 10. 13. 

elatio loci p. 43, 14. 74, 11. 

embadon p. 96, 9. embadum p. 297, 17. 298, 2. 6. 13. 17. 301, 4. embadia 
forma p. 342, 15. (cf. Du Cange gloss. s. u. embadia forma). 

embasi (Zu facer) p. 190,10. 

emicicliores termini (n/xuxlos?) p. 344, 16. 

emina (i.e. hemina, mensura) p. 375,2. 4. 7. 

emisperion (nropalgıor) p. 62, 1. 

enchorii lapides p. 2523, 21. — termini p. 127,2. (R. Il. p. 272.) 


o eo ———— in. 


494 Index verborum. 


enormis -p. 99, 15. 100, 1. 414, 20. 

enthimema (2v9vumnua) p. 395, 2. 

enuntiatio iugerum p. 31, 18. 

epetecticalis cf. epitecticalis. 

epicteticum stagnum (epitecton stannum ?) p. 360, 11. 

epidonicus cf. epipedonicus. 

epilogonius (?) terminus p. 345, 14. 

epipedon p. 97, 5. 415, 20. epipedonicus ager p. 247, 12. — terminus p. 213, 
9: idem est epidonicus t, p. 409,.20. 

epitecticalis (?) terminus p. 352, 17. epetecticalis p. 307, 13. 341, 14. 344, 6. 9. 
345, 22. 346, 18. (R.Il. p. 274.) - 

erciscundae cf. familia. 

euthygrammos angulus p. 100, 10. ethigrammos p. 413, 10. estigrammus p. 411,20. 

exagineus (?) p. 249, 4. exagmeus p. 405, 1. 

exagopus cf. bexagonos. 

examen p. 313, 28. 314, 22. 

exarare terminos p. 277, 10... 

exceptus (cf. R. II p. 387) p. 157, 7. 20. 197, 4. 10. 202, 12, 282, 4. 

excogere p. 313, 2. 317, 31.. 

exculinus (?) p. 249, 4. 405, 1. 

excutellatus (?) p. 249, 5. 405, 2. 

explaius mons (?) p. 312, 18. 

expositiuus controversiarum effectus p. 68, 18. 69, 3. — — status p. 25, 9. 14. 

exsolute p. 333, 25. 334,19. 335, 13. 337, 8. 

exterae arbores p. 361, 23. 

extorcet (intransitive) p. 359, 18. 20. 

extra c. ablat. p. 23, 24. extra clusus ager, locus, regio p. 8, 1. Tad sq. 10. 9, 10. 
21, 7. 22, 2. 14. 19. 55, 23. 56, 7. 86, 26. 28. 87, 4. 198, 13. 16. 341, 
31. 377, 17. 398, 13. 399, 1: 400, 16. cf. R. Il p. 394. 

extremitas p. 1, 4. 24. 2, 7. 10. 13. 6, 24. 7, 7. 21. 29. 20, 5. 31, 15. 19. 22. 
32, 3. 41, 15. 72, 24. 88,21. 98, 1.3. 5. 99, 8. 110,14. 150, 8. 151,21. 
179, 16. 181, 15. 197,2. 198, 12. 14. 19. 201,10. 243, 15. 283, 12. 
284, 4. 290, 3. 408, 10. 410, 21. 24. 411, 1. 412, 21. 413, 5. 414, 11. 
23sq. (R. 1I. p.234.) . €. . - 

facilitas agri p, 178, 17. 

factor mundi p. 394, 6. 

factura p. 359, 15. 361, 4. 362, 19. 363, 22. 

familiae erciscundae iudicium p. 278, 22. 

familiariter 4. e. per familias p. 252, 24. (X. II. p. 169.) 

fasciati limites p. 408, 21. 

ferramentum yp. 32, 15. 18. 33,3. 10. 20. 34, 11. 92, 16. 170, 4. 183, 6. 10. 
14. 191, 18. 192, 6. 193, 3. 6. 8. 198, 19. 285, 8. 10. 14sq. 19. 286, 19. 
287, 2sq. 25. 288, 1sq. (R. II. p. 338.) 

fides limitum, terminorum p. 257, 24. 272, 9. — publica p. 272, 17. 


Index verborum. 495 


finalis arbor p. 143, 14. 16. 19. 144, 8. 12. 28. 145, 5sq. 148, 16. 154, 15. 
270, 5. 361, 23. — causa, controversia, quaestio p. 268, 5. 13. 16. 280, 4. 
332, 12 (N). 363, 11. 364, 5. 365, 8.26: — fossa e. fossatus p. 12, 26. 
128, 5. 147, 22. 148, 1. 4. 22. 149, 23.25. 361, 17. 365, 12. finale 
iurgium p. 269, 3. 15. Ainalis lapis s. petra p. 249, 31. 250, 34. 302, 9. 
14. 307, 19. 343, 29. 357, 6. 22. 404, 12. — locus p. 342, 21. — limes 
p. 333, 18. 337, 11. 400, 21. — linea p. 348, 25. finales litterae p. 325,11. 
364, 2. finalis maceria p. 149, 5. 8. 14. 19. 341, 27. — paries p. 361, 20. 
— .puteus p. 305, 15. — rigor p. 303, 6sq. — riuus p. 217, 10. 362, 5. 
365, 16. 404, 14. — ripa decisa p. 361, 21. — sepultura, sepulchrum p. 250, 
22. 303, 15. 17. 341, 17. 361, 12. 405, 19. — stagnus p. 365, 22. 24. — 
valis p. 365, 14. — terminus p. 139, 14. 365, 18. finalia monumenta 
p. 271, 10. 272, 18. 347, 16sq. 348, 21. — signa p. 243, 16. 331, 28. 
344, 29. 363, 26. 364, 2. 365, 21. 29. cf. arca, botontones, flexus, titulus. 

finiruris ager p. 62, 15. 

finis quid sit explicatur p. 98,3 (cf. R. II. p. 234. 433). — materia controversiarum 
est p. 9, 2. 16. 37, 19. — a rigore nullo modo distat nisi specie p. 37, 23. 
— deficiens p. 142, 10. — ineipiens p. 142, 10, fines dirimere p. 276, 9. 
— colligere p. 254, 3. — dirigere p. 276, 11. — regere p. 276, 1.8. 21. 
277, 21. 29. 278, 1. 11. 18. 22. 26. 279, 6. 16. 18. 23. 280, 17. finem s. 
fines praestare p. 41, 27. 42, 1. 73, 0. 8. 139, 5. 149, 28. 150, 1. 10. 13. 
154, 7. fine circumdare p. 19, 1. 8. — cludere p. 22, 20. 87, 5. 305, 12. 
finibus comprehendere p. 163, 3. cf. casalis, compactilis, cultus, cuneatus, 
iugalis, ordinatus, orientalis, rectus, sepulturarius, solidus, templaris, tortus, 
transversus. 

finitimus limes p. 398, 14. — munus p. 261, 12. — riuus p. 255, 11. finitima 
linea p. 6, 24. 8, 7. 9. 22, 4. 15. 378, 8. 398, 13. 411, 26. 413, 19. — 
similitudo p. 38, 8. 39, 9. 68, 1. 69, 7. finitima argumenta p. 39, 4. 6. 68, 
29. 69, 4. — documenta p. 254, 16. — signa p. 252, 13. 255, 7. 

finitio p. 12, 30. 37, 14. 38, 22. 39, 6. 68, 21. 69, 1. 127, 23. 128, 2sq. 
129, 7. 131,3. 5. 139, 2. 147, 6. 148, 19. 149, 3. 10. 151, 9. 17. 20. 
161, 13. 306, 29. 342, 13. — terminorum p. 64, 16. 

Fluminia (legendum ubique fluminea, cf. R. il. p. 406) p. 311, 13. 19. 316, 8. 
21. 319, 1. 320, 19. 321, 6. 324, 13. 

flexuositas p. 342, 9. 

flexuosum explicater p. 408, 13. 21. 411, 7. 414, 27. flexuosa linea p. 4, 34. 
99, 6. 103, 7. 10sq. 104, 3sq. 8. 11. 342, 19, 410, 19. 414,9. . 

flexus p. 12, 4. 98, 6. 8. — finalis p. 342, 20. 

fluuicellus p. 318, 13 sq. 

fluvialis lapis p. 306, 20. 

fontana pro eo quod est fons p. 315, 28. 324, 2. 329, 8. 330, 30. 337, 30. 
364, 16 (cf. Du Gange gloss. s. u.). 

fontanea pars p. 331, 12. 

forma agri p. 1, 20 ete. formarum quinque genera p. 4, 33. 104, 3. forma 


496 Index verborüni. 


i. e. delineatio agri in tabala descripta p. 17, 5. 43, 22. 45, 11. 18. 20. 
46, 19. 47, 6. 22. 51, 16. 55, 13. 57, 8. 76, 10. 12. 77, 22. 18,1.22 
80, 16, 83, 11. 22. 86, 13. 88, 4. 98, 14. 111,17. 112,25. 113, 2. 116, 
18. 23. 117, 7. 121, 11. 18. 124, 9. 126, 1. 129,.13. 131, 13. 134, 12. 
138, 11. 16. 160, 18. 175, 3. 198, 22. 201, 13. 16. 202, 11. 204, 14. 
244, 5. 293, 5sq. 295, 6. 415, 3. — aeris p. 46, 10. formae antiquae 
p. 15, 19. 48, 18. 79, 16. (R. II. p. 238. 284. 404.) 

formalis terminus p. 341, 22. 

formare limites p. 233, 2. 

formula iuris p. 45, 13. — interdicti p. 49, 14. 80, 25. (R. IL p. 449.) 

fossa caeca p. 58, 2. 89, 1. — «communis p. 148, 5. 9. — propria p. 147,23. 
148, 11. — vicinalis p. 12, 28. 120, 15. cf. finalis. 

fossatus (fossé) p. 335, 12. 352, 22. 300, 6. 361, 16sq. fossati Augustei 
p. 347, 7. cf. finalis. 

fossula p. 342, 21. 360, 8. 

fructuarius p. 278, 2. 279, 8. 

fundare agros p. 42, 12. 73, 19. — terminus p. 206, 4. 

fundus unde diclus p. 309,6. latus fundus p. 157, 5. 161, 7. (R. 1I. p. 235. 407.) 

Gallicus limes p. 227, 12. 248, 10. 252,2. 256, 6. 17. 308, 18. 314, 30. 
328, 21. 334, 12. 359, 15. 19. 23. , 

Galliensis lapis p. 306, 22. (B. II. p. 273.) . 

gamma p. 43, 16. 74, 13. 140, 9. 144, 21. 281, 15. 325, 18. 341, 29. 357, 
12. 14. 20. 24. 

gammatus ager p. 218,2. — lapis p. 243, 5. 342, 5. 348, 12. — limes 
p. 319, 7. 323, 6. 363, 93. — terminus p. 406, 9. 

gemelli termini p. 342, 8. 

generalis controversiarum status p. 25, 12. 19. 63, 25. 66, 9: 67, 12. 173q. 
20. 22. 69, 9. 19. 84, 14. 85, 9. 12. 87, 11. 88, 21. (cf. R. II. p. 423.) 

generaliter p. 26, 23. 64, 3. 90, 19. 403, 14. 

geometricalis mensa p. 413, 1. 

germana herba p. 326, 10. 

gleriae (i. e. glareae) fluminales p. 361, 32. 

gnomon p. 189, 17. 190, 7. gnomo p. 386, 2. (R. H. p. 337.) 

gnomonice p. 184,1. ! 

gomor (Aebraicum chomer; mensura) p. 376, 12. 

Graceani lapides p. 242, 7. — limites p. 209, 8. 16. 21. 210, 7. 211, 3. 232, 
14. 253, 1. 261, 1. Gracchani lim. p. 239, 11. 253, 4. (R. II. p. 333.) 

graciliter p. 67. 6. 

gradus (mensura) p. 94, 14. 95, 5. 90, 3sq. 245, 11. 339, 9. 8. 307,13. 
371, 12. 372, 2. 407, 9. 

grammatus (num est graàmmis 4. e. lineis notatus? am scr. gommatus?) ter- 
minus p. 250, 1. 

gregales lapides p. 222, 17. 

gressus pro eo quod esi gradus p. 372, 2sq. 373, 10. 


Index verborum. 497 


groma p. 170, 5. 180, 8. 225, 7. croma p. 285, 17. 286,1. (R. II. p. 336.) 

grumus p. 241, 2. 401, 3. 

harenae (i. e. ampkitheatrum) p. 105, 2. 

hebes angulus p. 41, 3. 71, 29. 296, 1. 3. 413, 16. 414, 2. habes p. 246, 7. 
ebes p. 100, 5. 101, 2. 17. 102, 6. 8. 16sq. 103, 3. 246, 9. 411, 17. 24. 
412, 1. hebes rigor p. 254,3. 303, 7. 

hemicirculus cf. amicirculus. 

hemina cf. emina. 

hemitonion p. 184, 16. 185, 4sqq. 

heptogonon p. 107, 1. 

hereditaria loca accipere p. 226, 2 7. 254, 29. :259, 10. a II. p. 381.) 

hermula p. 341, 26 (nam sic ibi legendum). 

hexagonon p. 107, 1. exagonus p. 249, 10. 405, 7. exagonum p. 356, 12. 

hin (mensura hebraica). p. 375, 9. 

hora tertia p. 365, 24sq. — sexta p. 317, 3. 21. 

hortua p. 347, 23. 

Aumerosus: humurosus locus p. 333, 8. umorosus p. 329, 30. 

hypotenusa p. 190, 11. 14. 298, 1. 5. 16. 300, 5. 15. 20. 301, 13. — maior 
p. 297, 3. 7. — minor p. 297, 5. 12. 299, 14. hypotenosa p. 297, 7. 
ypotenusa p. 301, 8. 11. ipotenusa p.346, 26. ypotenusales limites p. 249,24. 

iacens solum p. 32, 9. iacentia p. 34, 7. 

iactare fructum p. 26, 1. 

ignifer terminus p. 347, 14. ignifera lapis p. 306, 23. (R. 1I. p. 273.) 

in c. ablat. motum significat p. 1, 14. 3, 24. 18, 25. 177, 12. 286,12. 287,1. 
290, 17. 303, 18. 305, 7. 311, 18. 

inadsignatus p. 52, 4. 84, 1. 

inauratura p. 97, 8. 

incessus p. 25, 22. 32, 16. 33, 21. 39, 13. 41, 8. 69, 13. 72, 16. 99, 5. 

incisura p. 360, 6. 

inclinamentum p. 62, 11. 

incursorius terminus p. 336, 23. 

indägabilis (active) p. 394, 5. 

indefinite p. 8, 16. 

index (Zeigefinger) p. 371, 23. 

indivisus: pro indiviso p. 15, 7. 25. 48, 24. 79, 22. in pro indivise p. 277, 17. 
(R. IL. p. 395.) Ä 

indubie p. 274, 4. 

indubitate p. 16, 16. 56, 21. 80, 24. 87, 21. 

infra c. ablat. p. 316, 9. 

ingressum pro eo quod est ingressus p. 303, 2sq. 

iniectivus controversiarum status p. 25, 9. 12. 67, 12. 84, 11. 85, 12. 86, 27. 
87, 10. 88, 18. 89, 10. 

initialis controversiarum status p. 25, 10. 26. 70, 2. 5. 72, 5 

inmanitas agri p. 22, 7. 201, 13. 
Römische Feldmesser Il. 32 


* 


498 Index verborum. 


inpingere p. 10, 18. 40, 4. 70, 28. 359,23. 

inpolitus terminus p. 306, 28. (R. II. p. 274.) 

inscriptura p. 195, 15. 293, 2. inscribtura p. 111, 21. 294, 15. 

inscriptus terminus p. 39,20. — lapis s. petra p. 114, 8. 122, 30. 139, 14. 
172, 3. 196, 15. 199, 2. 206, 6. 207, 6. 208, 1. 241, 1. ef. scriptus. 

insignes arbores (cf. R. II. p. 268) p. 44, 20. 

insolutum p. 254, 28. insoluta loca p. 6, 28sq. 22,13. (nisi ubique legendum 
in soluto). R. II. p. 252. 393. 

inspectio agrorum p. 281, 1. 

inspectivus p. 394, 5. 

instructura p. 255, 25. 347, 8. 349, 14. 

instrumentum pro eo quod est forma p. 23, 2. — mensorum p. 203, 2. 
400,.13, 

instrumenta publica p. 19, 20. 114, 15. 163, 28. — vetera p. 21, 2. 46, 14. 
77,5. — vetustatis p. 198, 9. 

intactae arbores p. 401, 4. 6. 19. (R. II. p. 268.) 

intercisio p. 2, 4. 110, 11. (R. II. p. 296.) 

intercisivus ager p. 397, 5. — limes p. 2, 3. 110, 9. 213, 11. 217, 6. 223, 
11. 225, 15. 227,4. 229, 5. 7. 234, 20. 235, 17. 237, 9. 13. 239, 9. 
240, 11. 248, 5. 232,14. 253, 5. 254, 26. 257,17. 19. 259, 20. inter- 
cisivae mensurae p. 236, 5. (R. II. p. 296. 302.) 

interdicere p. 63,12. 74, 29. interdictum p. 16,3. 44, 6.14. 23sq. 63, 13. 74, 
31. 75, 8. 16sq. per interdictum p. 16, 19. (cetera) ex interdicto p. 44, 5. 
74, 30. (R. Il. p. 449.) 

interibilis p. 68, 13sq. 69, 19. 25. 70, 1. 

interiectivus rigor p. 41, 8. 72, 16. 

interstitio p. 298, 7. 10. — limitaris p. 206, 8. 

interveraura p, 33, 4sq. 192, 7. 193, 1. 206, 5. 

intraametra (?) p. 343, 8. . 

intra clusus ager p. 31, 19. 341, 31. 

inverecunde p. 24, 10. 24. 

inversus. in inversum positus terminus p. 250, 30. 406, 5. 

ipsud p. 14, 15. 150, 20. 151, 11. 165, 23. 352, 14. 

irsis (??) p. 321, 27. 

isopleurus p. 341, 9. 354, 6. 16. isopleuros p. 404, 15. isoplerus p. 249, 2. 

isosceles p. 404, 16. 405, 4. isoscelis p. 249, 3. 7. ubi falso scriptum isosceli 
et isoscaeli) 340, 26. 378, 12. 

iter explicatur p. 370, 16. 

itiner p. 370, 17. 20. 

itinerarius terminus p. 402, 12. 

iugalis finis p. 320, 28. (R. II. p. 256.) 

iugarius ager p. 247, 17. 

iugeratio p. 211,6. 213, 14. 216, 1. 217, 6. 218, 1. 220, 3. 223, 12. 224,7. 
261, 23. 272, 7. 293, 20. 295, 9. 346, 15. 409, 25. 27. (BR. IL p. 355.) 


Index verborum. 499 


iugeram p. 30, 14sq. 20. 96, 14. 121, 26. 122,2 etc. — tnde dictum y. 368, 
3. iugerus p. 246, 2. 339, 18. —  kastrensis p. 354, 2. 10. in iugeribus 
adsignatus p. 218, 9. 229, 22. 230,2. 19. 232,11. 233, 9. 18. 234, 4. 
235, 2. 13. 16. 236, 12. 15. 20. 237, 6. 9. 241, 13. 254, 26. 257,19. 
259, 1. — — demetitus p. 254, 6. — — dividi p. 232. 2. — — possideri 
p. 226, 4. 255, 1. cf. R. II. $. 15. 

Juliani limites p. 236, 1. 238, 15. 

iunctura p. 389, 29. 

iunior cf. stella. 

ius ordinarium p. 15, 28. 16, 2. 19. 22, 10. 25. 24, 1. 5. 20. 36, 16. 48,6. 
49, 1. 6. 18. 52, 16. 58, 3. 63, 14. 79, 3.25.30. 80, 13. 82,9. 84,14.17. 
87, 11. 88, 19. 89, 2. 226, 4. 234,7. 255,1. 259, 6. 307, 5. 399, 12. 
— Quiritium p. 44, 8. 75, 1: iure contineri p. 51, 1. 58,21. 89,23. (R.II. 
p.229. 447. 449. 450.) 

iussus professus p. 158, 24. 160, 25. 

iuxta c. ablat. p. 21, 27. 

kardo cf. cardo. 

kastrensis cf. iugerum. (R. II. p. 280.) 

labium riri p. 365, 17. 

lacinea: in lacineis adsignatus p. 229, 20. 230, 5. 22. 231,2. 234, 5.13. 
20.22. 236,8. 237,13. 239,8. — — remanere p. 236, 21. in laciniis 
praecisa p. 209, 12. (R. II. p. 296. 361.) 

lacus: lacos p. 228, 24. 401, 21. 

laguena p. 346, 19. laguna p. 344, 25. 

laguenaris terminus p. 344, 23. 

lambiscere p. 124, 16. 

lamnici lapides p. 243, 3. 

lanceola p. 326, 1. 

lapideus terminus p. 126, 20. 142, 18. 198, 14. 212, 8. 214, 4. 215, 7. 218, 
4. 221, 17. 222, 2. 223, A. 224, T. 272, 8. lapidea ara p. 4, 22. 199, 3. 

lapillus p. 338, 20sq. 25. 362, 19. 

lapis vivas p. 361, 26. — decisa viva p. 361, 9. cf. Augusteus, casalis, cecto- 
rialis, centurialis, columniacus, cromaticus, cultellare, damnatus, dispectus, 
dolatus, duodrantalis, enchorius, finalis, fluvialis, Galliensis, gammatus, Grac- 
canus, gregalis, ignifer, inscriptus, lamnicus, lineatus, mutus, naturalis, nativus, 
peregrinus, politus, signatus, silicineus, solidus, terminalis, Traianus, trium- 
viralis. - 

laterculus p. 122, 18sq. 136, 18. 253, 18. 349, 19. 362, 1. in laterculum 
constitutus terminus p. 250, 23. terminus in laterculis p. 405, 20. 

lotitia p. 308, 17. 312, 28. 313, 28. 319, 24. 322, 4. 9. 24. 333, 0. 

latus: latera mensurae p. 27, 2. lotus generis masculini p. 322, 7. cf. de. 

latus cf. fundus. 

lectio p. 306, 11. 


legonatos (? fort. lagenatos) p. 401, 21. 
32* 


500 Index verborum. 


lewa (mensura viae apud Gallos, lieve) p. 370, 6. 8. 373, 17sq. (ef. Du 
Cange gloss. s. u, leuca). 
lex agraria p. 217, 7, 239, 18. — agris. limitandis metiundis p. 211, 24. — 
agrorum ex commentario Claudi Caesaris p. 211, 22. — et censecratio vetus 
p. 234, 21 (cf. Il. R. $ 14). — limitum p. 11, 33. 109, 18. 221,6. — 
Aelia p. 224, 6. (cf. II. p. 178, not. 43.) —- Augustea p. 215, 3. 253, 15. 
255, 4. 256, 25. 258, 24. — Augustiana p. 226, 13. 235, 7..236, 1. — 
divi Augusti p. 201, 7. 203, 15. — imperatoris Augusti p. 224, 11. — Cae- 
— sariana p. 224, 15. — Cornelia p. 169, 1. — Graccana p. 233, 10. — Julia 
p. 169, 2. 210, 13. 213, 7. 220, 9. 231, 8. 233, 14. 259, 18. 24. 260.1. 
. 14. 18. 272, 1. — Mamilia ef. R. II. $ 2) p. 11, 5. 12,12. 37,24. 43,20. 
66, 15. 74, 17. 144, 19. 169, 7. 263, 1. — Roscia Peducea- Alliena Fabia 
p. 263, 1. — "Sempronia p.169, 1. 210, 12. 216, 3. 219, 1. 228, 18. 229, 
16. 230, 21. 237, 11. 238,19. 255, 12. 260,18. 272,1. -— Sullana 
p. 230, 10. 231, 11. 232, 1. 20. 233,3. 234,15. — Syllana p. 237, 5. 
triumviralis p. 214, 10. 226, 7. 230, 13. 231,3. 7. 14. 235,9. 245,1. 
255, 6. 256, 3. 258,7. 259,10. — divi Vespasiani p. 261, 22. cf. 
colonicus. (R. H. p. 333.) 
liber beneficiorum p. 202, 5. 203, 1. 295, 12. 400, 12 (ubi legendum libro). 
(R. II- p. 406.) — conditionum Italiae agrorum p. 258, 12. — regionum 
p. 229, 12. 258, 2. libri auctorum p. 253, 25. cf. aes. 
libra (pondus) p. 374, 18sqq. 375, 4sq. 7. 18sq. 24. 29. 376, 2. 5. — (men- 
sura agri in Gallia Narbonensi) p. 122, 7. 10. 
lignarius cf. via. 
ligneus palus p. 252, 17. — terminus p. 127, 3: 218, 5. 221, 17. 221, 6. 
limes explicatur p. 3, 8. — unde dictus p. 153, 7. 167, 17. 366, 14. limitum 
nomina p. 247, 21. — origo p. 27, 13. limitem adducere p. 7, 18. — s. li- 
mites agere p. 51, 7. 83, 13. 112, 9. 136, 17. 155, 9. 160, 2. 168, 11. 
169, 3. 175, 15. 192, 14. 17. 207, 5. 349, 18. 397, 14. limites constituere 
p. 11, 16. 108, 14. 18. 166, 2. 8. 167,4. 169, 5. 170,2. 180, 4. 10. 182, 
14. 217, 9. — instituere p. 152, 24. 154, 11. 13. 165, 13. — mittere, 
emittere p. 31, 8. 170, 7. 10, — regere, dirigere p. 273, 7. 358, 10. — 
struere p. 160, 22. limitibus cludere, includere p. 7, 17. 30, 5. 115, 19. 
122, 19. 158, 10. 204, 4. — continere p. 362, 28. — distribuere p. 110,9. 
— haerere p. 196, 17. cf. actuarius, Augusteus, Augustianus, austrinalis, 
centuriatus, colonicus, cultellare, decimanus, diagonalis, egregius, fasciatus, 
finalis, finitimus, Gallicus, gammatus, Graccanus, hypotemusalis, intercisivus, 
Julianus, linearius, maritimus, maximus, montanus, nonanus, normalis, or- 
dinatus, orientalis, passivus, peregrinus, perennis, perpetuus, praefecturalis, 
prorsus, quadratus, quintarius, quintus, rectus, regalis, roboreus, sextaneus, 
solitarius, Sullanus, temporalis, tessellatus, torris, tortuosg, transversus, 
triumviralis, undecumanus. 
limitatio p. 32, 17. 154, 17. 158, 11. 160, 14. 18. 164,8.11. 465,10. (R. Il. 
p. 289. 335 sq.) 
limitatus ager p. 5, 5. 72, 14. 199, 11. — rigor p. 41,6. (R.II. p. 284. 288.) 


Index verborum. . 501 


limus i. e. transversus p. 29, 13sq. 167, 17sq. 366, 15. (R. HI. p. 289.) 

linea p. 2, 11. 6,24. 7,5. 25. 8,7 etc. linearum genera p. 99, 3. 410, 8. 
413, 3. lineae mensurarum p. 366, 12. linea currens p. 347, 29. — extrema 
p. 117, 8. 121, 12. — media p. 66, 25. 189. 10. 286,20. — prima 
p. 357, 2. — circuli p. 189, 5. — orientis occidentisque p. 188, 16. lineam 
constituere p. 193, 4. — dirigere p. 362, 23. cf. circularis, circumcurrens, 
circumductus, éircumferens, confinalis, consortalis, determinatus, diagonalis, 
finitimus, flesuosus, normalis, ordinatus, pligorius, rationabilis, rationalis, 
rectus. 

lineamentum p. 47,13. 18. 67, 4. 78, 8. 13. 

linearis cursus p. 281, 15. — rigor p. 41,.8. 72, 16. 

linearius limes p. 168, 10. 13. 169, 4. 248, 14. — rigor p. 206, 14. 

lineatus ]apis p. 206, 6. — terminus p. 250, 2. 24. 28. 406, 3. 10. 

liquis p. 100, 1sq. 414, 20sq. 

litigium p. 25, 32. 70, 15. 267, 9. 399, 15. 

litterae singulares p. 353, 10. 20. 357, 1. (R. IL. p. 276.) 

locus materia controversiarum est p. 9, 2. 16. 37, 20. loca publica quae sint 
p. 54, 17. 

longitia p. 316, 2. 321, 14. 333, 9. 363, 15. 

longus: in longo pro eo quod est in longitudiaem p. 358, 15 usque ad 
p. 359. 8. 

lunatus ager p. 355, 8. — angulus p. 102, 17. 103, 4. 

lycus (mensura) p. 339, 22. 

Iympidum latus termini p. 302, 2. (R. Il. p. 275. 422.) 

lyra p. 368,8. 

macer: macra loca p. 324, 26. 329, 16. 398, 2. 

maceria p. 33, 16. 138, 23. 142, 26. 148, 23sq. 149, 4. 13. 15. 18. 150, 4. 
211,10. 227,15. 347, 25. 401, 4. macheriae p. 149, 29. 228, 6. 24. 241,3. 
252, 5. 253,22. 255,23. 256, 9. 361,11. 365, 10. cf. finalis. (R.1I. p.270.) 

machina p. 295, 11. — superna p. 394, 4. (R. II. p. 336.) 

magister pagi p. 146, 8. 164, 28. 348, 23. (R. II. p. 238) 

magisterium p. 23, 15. 

mancipatio p. 36, 5. 63, 4. 369, 4. (R. II. p. 303.) 

mappa p. 244, 13. 358, 12. 360, 31. 

margo p. 12,19. 281,9.12. marginesterrae p. 364, 23. cf. solidus. (R. II. p. 271.437.) 

maritimus limes p. 30, 3. 168, 4. 209, 15. 221, 16. 223, 8. 225. 5. 226, 6. 
227,12. 248,9. 252,2. 255, 3. 256, 6. 13. 17. 25. 258, 6. 15. 259, 9. 
260, 3. 308, 18. 314, 29. 328, 20. 334, 10. 359, 15sq. 22. (R.IL p.348.) 

marmoreus terminus p.351, 24 sq. cf. palumbacius, prasinus, viridis. (R.II. p.273.) 

massatium fabritum p. 360, 11. 

maleria: materiam deicere p. 144,6. materia controversiarum p. 9, 2. 16. 398, 
17. — litis p. 37, 22. 

materialis forma agri p. 1, 22. — controversia p. 66, 1. — controversiarum 
status p. 25. 10. 28sq. 66, 5. 70, 3sq. 11. 


502 Index verborum. 


Mausoleus cf. Moesilea, 

maximus limes p. 10, 25. 11,9. 40,9. 15. 71, 7.13. 248,3. 318, 3. 350, 16. 
— terminus p. 344, 9. cf. cardo et decumanus. (R. Il. b 350. 420.) 

medietas p. 312, 11. 354, 17. 

medimnon (mensura ef. R.U. p. 282. 421.) p. 123, 7. medimna p. 376, 11sq. 

melum ef. cotoneus. 

memoria (1. e. tumulus s. titulus) p. 316, 9. 320, 3. 324, 2. 25. 329, 7. 16. 
352,23. 364, 30sq. 

mensalis terminus p. 343, T. 

mensor p. 4, 31. 5, 3. 10, 4. 16, 24. 33,15. 24, 3. 17. 25, 34. 26, 14 etc. 

mensualis numerus p. 393, 12. — speculatio 415, 13. 

mensula (i. e. trapezium) p. 379, 4. 

mensura quid sit explicatur p. 94, 9. 367, 9. 407, 3. 415, 11. mensurarum 
appellationes XII. p. 94, 13. 339, 1. — genera tria p. 246, 3. 295, 1T. — 
interventus p. 48, 7. 49, 2. 79, 3. 26. 84, 15. mensura agrestis p. 367, 17. 
371, 15. 407, 15. — antiqua p. 83, 10. 281, 4. 364, 26. —  monetalis 
p. 123, 8. — pedalis p. 407, 13. — prima p. 357, 2. mensuram accipere 
p. 33, 18. mensuram agere p. 14, 27. 31, 6. 33, 7. 45, 20. 76, 12. 80, 18. 
96,21. 121,13. 122,3. 132,16. 138,13. 153,11. 25. 158, 12. 16. 
183, 8. 192, 11. 203, 5. 206, 8. 211, 5. 222, 14. 244, 8. 252, 21. 261, 
23. 286, 16. 288,6. 293, 19. 295, 5. — comprehendere p. 206, 3. — *. 
mensuras conligere p. 217, 7. 219, 2. 228, 19. mensuram constituere p. 170, 
10. — exigere p. 51, 15. — repetere p. 54, 1. mensura complecti p. 14, 31. 
s. mensuris comprehendere p. 1, 4. 27. 2, 8sq. 11. 4, 3. 17. 5, 4. 198,8. 
283, 17. mensura contineri p.1, 5. 5, 6. 22. 41, 9. 72, 17. — agere p. 5, 
27. 6, 10. — includere p. 159, 24. — praecidere p. 112, 10. ad mensuram 


agere p. 103, 11. in mensuram redigere p. 45,23. 76,15. — — venire 
p. 241, 3. 

mensuralis p. 7, 29. 22, 5. 16. 31, 31. 110, 15. 158, 14. 163, 4. 378,8. 
cf. pes. 


mensuraliter p. 181, 15. 

mensuratio p. 359, 11. 

mensuratus p. 232, 9 

meridianus in meridiano p. 3, 13. 

meta p. 33, 2. 20. 192, 8. 193, 7. 287,6. 401,21. moeta p. 32, 1. 33, 2. 11. 
34, 4. 10. (R. II. p. 340.) 

metatio p. 154, 17. (R. II. p. 289. 405.) 

metreta (mensura) p. 376, 8. 

metycus (uéroixog) miles p. 234, 19. 238, 7. 

micidiores hoc est minores termini p. 321, 24. 

milex (f. e. miles): p. 246, 19. (R. II. p. 360.) 

miliarium (mensura agri) p.94, 12. 15. 95, 9. 96, 6. 315,9. 368, 13. 370. 
5sq. miliarius p. 245, 14, 339, 3. 15. 372, 23. 373, 15s. 18. miliarium 
i. e. via M. passuum p. 97, 3. 415, 18. 


Index verborum. 503 


miliarius terminus p. 343, 10. 

ministeriales imperatorum p. 372, 7. 

minutum (i. e. Xma pars horae) p. 374, 11. 

miscellum aes p. 162, 9. (R. II. p. 410.) 

miscitatus p. 361, 31. 

mistron (sUarooy, mensura) p. 374, 26. 

mna (pondus) p. 374, 16. 

modius (ras rotundum) p. 334, 16sq. 18. 336, 23. — (mensura in liquidis) 
p. 375, 11 sq. 13. 18. 21. 26. 376, 1sq. 5. 7. plur. modia p. 376. 9. 11. 13. 

^ modius (mensura agri) p. 96, 14. 359, 13. 371, 23. 

modus assignationis p. 158, 9. — limitum p. 158,8. — simplex, geminus 
p. 46, 21. 77, 23. modum complecti p. 14, 31. 132, 20. 22. — comprehen- 
dere p. 14, 24. 20. 110, 16. 121, 13. 132, 18. — conligere p. 211, 6. 227, 
13. 261, 23.:— constituere p. 52, 10. — explere p. 47, 14. 78,9. — 
implere p. 132, 18. (R.H. p. 362. 445.) 

Moesilea p. 23, 5. 25. 57, 20. 88, 16. Musileum p.336, 25. Mausoleus p. 406, 
22. cf, Du Cange gloss. s. u. Musileum. 

moeta cf. meta. 

molaris lapis p. 406, 20. — petra p. 401, 20. — terminus p. 214, 5. (R.II. 
p.273.) 

momentum XLma pars horae) p. 374,12. 

sons: montes Romani p. 137, 2. 239, 21. 352, 24. 254. 11. 

montaniosus p. 331, 20. 

montanus limes p. 30, 4. 168, 5. 225, 6. 226, 6. 248, 18. 255,3. 256, 14. 
25. 258, 7. 15. 259, 9. 260, 3, (R. II. p. 348.) 

monticellus p. 306, 9. 307, 18sq. 308, 2. 7. 10. 310, 14. 311, 27. 315, 17. 
319, 4. 322, 15. 325, 9.12. 332, 27. 333, 18 sq. 335, 5. 336, 7. 345, 
16sq. 352, 9. 24. 

montuosus locus p. 58, 15. 228, 7. 22. 

monumentalis terminus p. 306, 28. cf. cippus. 

monumentum p. 19, 28. 30. 161, #5. 240, 6. 253, 22. 254, 18. 260, 5. 271, 
6. 9. 11. 272,16. 19. 341,21. 347,5. 348,14. 19. 361, 12. 401, 13. 
406, 21. munumentum p. 316, 22. monumenta publica p. 162, 27. — vetera 
p. 280, 5. 

movere terminum p. 40, 24. (R. II. p. 243. 431.) 

multilaterus p. 378, 10. . 

multipeda p. 190, 6. 

municipalis ager p. 35, 15. 36, 2. 62, 21. 26. 

municipium unde dictum p. 135, 18. (R. II. p. 414.) 

murta (i. e. myrtus) p. 360, 27. 

Musileum cf. Moesilea. 

muti lapides (i. e. non inscripti) p. 172, 2. 

nativus lapis, petra p. 228, 13. 335, 14. 337, 8. 362, 2. (R. II. p. 272.) 

natura loci s. locorum p. 12, 6. 25, 17. 27, 10. 30, 1. 32, 7. 36, 7. 38, 13. 


504 Index verborum. 


39, 9. 40, 22. 42, 7. 45, 18. 64, 6 etc. naturae locorum p. 41, 11. 72, 19. 
220, 13. (R. II. p. 432. 462.) 

naturalis arbor p. 143, 15. — lapis petra p. 142, 28. 151, 15. 250, 11. 262, 
2. 282, 3. 302, 12. 306, 27. 307, 2. 809, 2. 342, 16. 346, 7; — philo- 
sophia p. 65, 12. — proximitas p. 38, 12. 68, 5. naturales res p. 60, 23. 
65, 9. 283, 21. naturaliff p. 60, 1. 

naturaliter p. 59, 9. 23. 64, 24. 302, 7. 372, 31. 373, 2. 414, 12. 

ne pro eo quod est non p. 111, 19. 

necessitas eocorum p. 148, 2. 

nequiens p. 69, 23. 25. 27. nequeuntes *p. 69, 19. 

Neronianus lapis p. 243, 3. 348, 10. — podismatus ager p. 247, 15. 

nervia p. 32, 20. (R. II. p.337.) 

nexum habere p. 63,1. (R. II. p. 307. 373.) | 

ni pro eo quod est ne p. 212, 9. niquis i. e. nequis p. 263, 15. . 

nobilitates quae manu fiunt p. 142, 22 (cf. II. R. p. 276). 

nomen: nominum antiquorum defensio p. 14, 1. in nominibus assignatus ager 
p. 238, 5. 18. 239, 2. 6. 12. (R. HI. p. 402.) - 

nonani limites p. 248, 8. 

norma p. 108, 8. 117, 9. 286, 2. 321, 1. 357, 12. 363, 22. — prima p. 357, 
2. 24. — secunda p. 357, 30. 

normalis ager p. 247, 11. — angulus p. 100, 11. 101, 2. 107, 16. 411, 21. 
25. 412,2. 413, 11. 16» 414, 1sq. — limes p. 218, 14. 223,8. 254,9. 
— linea p. 7, 7.27sq. — longitudo p. 167,3. 217,13. 412, 1. — rigor 

p. 128, 21. normale p. 12, 19. 

normalite p. 33, 9. 188, 17. 189, 13sq. 190, 2. 191,7. 192, 18. 19,7. 
246, 8. 

normatio p. 31, 31. 108, 3. 

normatura p. 310, 28. 

nota p. 127, 10. 19. 21sq. 140, 8. 142, 20. 144, 13. 198,21. 357,2. 402, 
18. notae iuris p. 310, 3. 311, 1. 312, 11. 314,25. 316,19. 365, 31. 32. 
(R. H. p. 276. 407.) 

notatus lapis p. 139, 15. notata arbor p. 12, 18. 22. 44, 17. 75,10. 126, 10. 
127, 18sq. 138, 18. 144, 12. 14. 145,3. — petra p. 12, 21. 140, 7. 142, 
28. 151, 16. 

notus: notae arbores p. 44, 20. 75, 13. (R. II. p. 268.) 

novalis ager ezplicatur p. 369, 18. 

noverca (cf. II. R. p. 269) p. 227, 14. 240, 14. 241, 11. 250, 4. 252, 4. 12. 
255, 23. 256, 8. 341, 19. 349, 13. 401, 15. 406, 12. 

numerus agri, terrae p. 27, 8. 31, 16. 

nymphae p. 260, 6. (scrib. videtur nympheis, i. a. aquarum receptaculis). 

obligare p. 138, 17. 181, 10. 15. 198, 14. 19. 365, 33. (R.II. 238. 252. 254.) 

obolus (pondus) p. 373, 25. 27. 374, 24. 315. 24. 

obsecundare p. 171, 16. 

observabilis p. 151, 24. (R. II. p. 236.) 

observare (4. e. servare) p. 12, 22. 143,14. 151, 25. 206, 8. 211, 16. 227, 





Index verborum. 505 


8. 228, 15. 280, 10. 13. 307, 13. 313, 4. 317,14. 23. 346, 2. 26. 349, 
11. 352, 4. 21. 362, 6. 365, 19. 30. 402, 16. 414, 25. (R. I. p. 236.) 
observatio p. 5, 7. 224,4. 378,9. 402, 19. 410,6. — finium p. 3, 8. — 
limitum p. 205, 9. — loci p. 366,3. — partium p. 213, 12. 409, 23. 
observationes summitatium metiundi p. 99, 15. 414, 19. 

obtusiangulum (sic ibi legendum videtur) triangulum p. 378, 17. 

obtusus angulus p. 377, 15. 378, 17. 387, 17. obtunsus ang. p. 344, 14. 387, 
18sq. 20. 

occidaneus ventus p. 318, 25, 

occupatorius ager (cf. IH. R. p. 252) p. 2, 20. 5, 23. 16, 25. 115, 4. 124, 3. 
137, 21. 138,3. 151,17. 154, 5. 284,9. occupatoria condicio p. 153, 4. 
— licentia p, 284, 7. 

oetogonum p. 326, 24. 

oecumene p. 61, 19 sq. 62,3. 

oleaginei cyppi p. 211,16. 

olivarius ager p. 303, 4. 8. 

olivastellum p. 305, 4. 308,8. 20. 333, 11. 352, 2. 2]. 360,25. 361, 15. 

omnifariam p. 383, 7. 

operatio naturae p. 60. 8. 

opus i. e. agrimensura p. 415, 2. opera caesa p. 364, 24. 

orbita explicatur p. 370, 26. 

orca p. 303, 14. 361, 28. 

orcula p. 337, 21. 344, 26. 346, 19. 

orculeris terminus p. 344, 25. 

ordinarius cf. ius. 

ordinatim p. 280, 6. 

ordinatio p. 10, 4. 22, 20. 24, 2. 40, 28. 47,3. 56,2. 71,26. 77,26. 86, 
30. 87, 5. 182, 13. 191, 10. 194, 7. 

ordinatus finis, limes, rigor p. 31, 8. 41, 7. 72, 15. 92, 14. 151, 6. 170, 10. 
188, 15. — terminus p. 11. 4. 346, 6. — circulus p. 186,8. ordinata linea 
p. 98, 16. 101, 17. 102, 3. 9. 190, 12. 191, 8. 193, 3. 15. ordinatum 
facere aliquid alicui rei p. 187, 4. 

ordo coloniae p. 198, 3. 6. — mensurarum p. 42, 13. 66, 8. 73, 20. — ter- 
minorum p. 22, 6. 17. 

orientalis finis, limes p. 247, 22. 310, 24. 311, 9. 315, 25. 317, 12. 318, 16. 
319, 31. 321,9. 322,21. 323, 30sq. 324, 19. 29. 329, 4. 330, 7. 334, 
10. 337, 6. 22. 350, 15. 364, 13. — terminus p. 351, 22. cf. rectura. 

orthogonius p. 301, 6. 10. orthogonion p. 106, 18. orthogonus p. 404, 14. 
hortogonus p. 357, 14. ortogoneus p. 249, 1. hortogonius 297, 16. 298, 12. 
300, 1. 7. 12. 14. 341, 2. 357, 8. 12. 20. 26. 358, 5. 378, 15. 

ostentum (LXma pars horae) p. 374, 12. 

otiosum solum p. 53, 23. 81, 18. 

oxifalum (ó£uBaqoy?) p. 375, 1. . 

oxygonius p. 299, 4. 300, 12. 341, 8. 378, 17. oxygonum p. 299, 6. 13. 


506 Index verbortim. 


paginae fundorum p. 313, 3. (R. H. p. 407.) 

pagus cf. magister. 

palestres (i. e. palustres) res p. 315, 16. . 

palmus (mensura) p. 94, 14. 18. 95, 1sq. 5. 96, 1. 3. 245, 10. 339, 2. Asq. 
6. 367, 15. 18. 21. 371, 13. 16. 27. 372, 4. 407, 10. 16. 

palumbacii marmorei termini p. 351, 24. (R. Ik. p. 273.) - 

palus cf. actuarius, ligneus, ‚picatus, sacrificalis. (R. II. p. 237. 272. 355.) 

parallelogrammus terminus p. 249, 9. 340, 27. 405, 6 (primo et tertio loco 
falso scriptum est pararerogamus), parallelogramma mensura p. 223, 4. 
parallelogrammum p. 384, 11. 14. 17. 27sq. 385, 1sq. 4. 7sq. 21. 23. 
386, 1. 

paralleloneus terminus p. 309, 14. 

parallelos p. 33, 12. 187, 7. parallela (mensura agri in Gallia Narbonensi) 
p. 122, 7. parallelae p. 379, 4. 

parasanga (mensura viae apud Persas) p. 370, 6. 

pars (XVa pars horae) p. 374, 12. pro parte p. 211, 15. 234, 4. 13. 235, 
5sq. 13. 236, 14. 20. 237, 2. 12. 

particulatim p. 15, 14. 48, 14. 79, 11. (R. H. p. 398. 400. 447.) 

partitio agrorum p. 37, 13. 64, 15. 

passivus limes p. 248, 23. 

passus (mensura) p. 94, 11. 16. 95, 6. 96, 4. 15. 245, 5. 11. 44. 339, 2. 10. 
367, 14, 18sq. 21. 368, 12. 371, 12. 17. 372, 9. 22. 318, 8sq. 165g. 
407, 8sq. 17. 

paziis (??) p. 321, 27. 

pedalis terminus p. 213, 8. cf. mensura. 

pedatura (zodıauos) p. 216, 1. 217,9. 240, 12 (?). 252, 10. 309, 16. 315, 
21. 337, 5. 13. 344, 3. 345, 4. 351, 20. 353, 9. 356, 24. 364,1. 

pentagonus p. 249, 9. 328, 10. 342, 2. 343, 18. 360, 31. 405, 6. pentagonum 
p. 314, 12. 338, 22. 27. pentagonon p. 106,24. 290, 5. pentagonium 
p. 348, 27. 

per c. ablat. p. 308, 12. 311, 15. 332, 20. 345, 21. 352, 15 (?). 363, 9. 

peramus cf. pyramis. 

percooperire p. 307, 5. 

perdescribere p. 365, 21. 

perdolatus a ferro p. 342, 24. 

peregrinus lapis p. 139, 13. 350, 3. — terminus p. 127, 2. peregrina arbor 
p. 253, 23. 260, 5. 262, 3. 306, 2. 309, 3. 350, 9. 361, 23. (R. II. p. 268. 
272. 

perenni limites p. 229, 14. 234, 4 (? utroque ioco legendum videlur peregrinis 
militibus). (R. lI. p. 366.) 

perennitas p. 271, 13. 

perlimes p. 290, 3. 

permittere intransitive p. 365, 5. 

perpendicularis p. 100, 13. 101, 1. 4. 9. 297, 2. 6. 10. 12.16. 299, 6. 16. 





Index verborum. 507 


301, 8. 13. 377, 14. 382, 19. 387, 21. 388, 5. 7. 390, 13. 411, 23. 26. 
413, 13. 15. 19. 23. 

perpendiculus p. 33, 5. 34, 1. 192, 8. 285, 16. 287, 5. 288, 3.26. 389, 15. 
409, 7. (R. H. p. 337.) j 

perpensum p. 26, 11. 32, 18. (R. H. p. 337.) 

perpetui limites p. 192, 4. 249, 28. 

perpetuitas p. 284, 17. 

persamus ef. pyramis. 

perseveratio operis p. 192, 5. 

persona publica p. 16, 8sq. — coloniae p. 54, 23. (R. II. p. 286.) 

pertica p. 18, 9. 20, 5. 26, 7. 33, 22. 34, 5. 51, 16. 19. 22. 83, 22. 25. 28. 
95, 7. 113, 14. 117, 20. 151, 16. 159, 20. 160, 8. 10. 164, 8. 171, 4. 
180, 6. 181, 3. 199, 4. 14. 201, 11. 202, 15. 203, 5. 245, 7. 12sq. 353, 
2. 354, 2. 4sqq. 355, 2. 6sqq. 356, 2sqq. — a portando dicta p. 367, 19. 
— i. e. mensura X vel X11 pedum p. 339, 3. 12 sq. 367, 14. 19. 22. 
371, 12. 17sq. 372, Asq. 9. 15. 19sq. 407, 8. 17. — quadrata p. 354, 5. 
355, 19. 356, 19. in pertica divisi agri p. 369, 27. cf. decempeda. (R. II. 

, p. 280. 355. 402.) 

pes (mensura) p. 94, 10. 14. 95, 2. 6sqq. 96, 2sqq. 122,2. 5. 126, 3etc. 
constratus p. 95, 8. 97, 5. 415, 21. — PDrusianus p. 123, 9. — manualis 
p. 372, 32. — monetalis p. 123, 2. 5. — naturalis p. 373, 1. — porreetus 
p. 95, 3. — prostratus p. 96, 8. — Ptolomeicus p. 123,1. — quadratus 
p. 95, 4. 96, 10. 13. 97,10. 296, Asq. 7. 9. 14. 16. 19. 22. 26. 354, 3. 
356, 11. 368, 10. 415, 25. — solidus p. 96, 12. 

picatus palus p. 349, 15. picitus palus p. 307,3. 346,9. 361,33. (R. II. p.272.) 

pignus: iure pignoris possidere p. 278, 3. 279, 9. (R. Il. p. 434.) 

pinnalis rigor p. 254, 1. 3. . 

piperacia loca p. 309, 13: cf. Du Cange gloss. s. u. piperatius. 

piramis cf. pyramis. 

pittacium. (zzzz&xeov) p. 113,11. (R. II. p. 367.) 

plaga ef. determinatus. 

planitia p. 397, 6. 

planuria p. 352, 15. 

planus angulus p. 103, 18. 377, 7. plana superficies p. 377,6. 379, 5. planum 
explicatur p. 97, 4. 415, 20. 

platuma p. 343. 9 (idem videtur quod platoniae, quod vide in glossar. Du 
Cungii, an e graeco zÀ«rvaGua corruptum est?) 

plenitudo p. 408, 16. 

plethron p. 30, 9. 

pleuricus terminus p. 224, 3. (R. II. p. 400.) 

pligoria linea p. 315, 13 (cf. R. II. p. 408, not. 452). 

plinthis p. 115, 8. 122, 17. (R. Il. p. 287. 421.) 

plumbatus terminus p. 321, 31. 

plurilaterus p. 105, 8. 16. 106, 5. 11. 14. 21. 107, 2. 

pluvius cf. aqua. 


508 Index verborum. 


podismare p. 300, 11. 301, 4. podismatus terminus p. 219, 8: cf. Neronianus, 

podismus p. 32, 5. 222, 17. 295, 16. 355,22. 358, 14. — pro eo quod es 
hypotenusa p. 297, 106. 

politus lapis p. 139, 14. 194, 14. 200, 5. HH» 10. — terminus p. 127,2. 
306, 27. 362, 12. 

pollex p. 372, 1. 373, 1. 

polygonium p. 225, 12. policonus p. 338, 19. 

pomerium p. 17, 2. 30. 33. 21, 21. 

ponere terminos p. 11, 17, 24. 42, 6. 43, 16. 72, 12. 108, 16. 109, 9. 141, 
19 etc. (R. IL p. 431.) 

porca (mensura agri) p. 246, 1. 339, 16. 368, 0sq. cf. du Cange gon. 8. u. 
(R. II. p. 280. not. 138.) 

porcamis (mensura agri) p. 372, 19. 

portio circuli p. 388, 7. 9. 17. 389, 2sq. 5. 10. 390, 18. 391, 2sq. 4sq. 10. 
14.16. cf. clusaris. 

pos pro eo quod est post p. 118, 6. 294,6. 329, 12. 

positio angulorum p. 48, 3. 78, 25. — terminorum p. 9, 7. 10, 1. 6. 11, 10. 
25, 25. 37, 20. 39, 17. 40, 16. 65, 22.25. 66, 4. 69, 20. 70, 17. 71, 14. 
240, 4. 281, 17. 398, 22. 309, 4. 

possessio p. 9, 8. 10, 5. 10. 22. 26 etc. — explicatur p. 369, 3. — firma 
p. 44, 4. 7. 15. 75, 1. 8. — legitima p. 80, 23. (R. HI. p. 448.) 

post c. ablat. p. 315, 26 (?). 

postica p. 28, &. 166, 17. 249, 29. 303, 23. 304, 7. 

postulatio p. 32, 4.14. 37,2. 63,30. 172, 12. 180,11. 203,10. (R. II. p. 34154.) 

praecenturiare p. 32, 1. 

praecisura p. 190, 14. 299, 7. 13. 15. 301,8. 14. in praecisura assignatus 
p. 232, 18. in praesisuris ass. p. 230, 11. 236, 8. 237, 21. 260, 6. in 
praecisuras ass, p. 238, 14. (RH. 1I. p. 296. 361.) 

praecisus locus p. 261, 26: 

praedamnare p. 11, 33. 

praedium unde dictum p. 369, 8. 

praefectorius locus p. 398, 6. 

praefectura p. 16, 11. 21,21. 26,10. 49, 9. 55, 18. 80, 3sq. 86, 18. 135,2. 
160, 4. 9. 163, 21. 27. 171, 5sq. 8. 10. 209, 4. 242, 6. 263, 5. 10. 264, 
9. 11. 265, 6. 344, 6. (R.II. p. 402.) 

praefecturalis limes p. 248, 20. 

praescriptio quinque pedum p. 269, 2. (R. II. p. 435—445.) 

praesidens terminus p. 346, 27. (R. 1I. p. 274.) 

praestator (i. e. patronus) p. 403, 8. 

prasinus marmoreus terminus p. 351, 25. (R. Il. p. 273.) 

pratus pro eo quod est pratum p. 322, 5. 

principalis fundus p. 335, 26. (R. II. p. 235. not. 12.) 

privatus rivus p. 279, 22. — terminus p. 163, 23. cf. via. 

professio p. 15,22. 20,23. 90,19. 93, 13. 121,8. 129,9. 130,9. 134,17. 158,23. 
178,7. 205, 7, 17. 222,13. 273,16. 403,14. (M. II. 174. R.II. 321. not.240.) 


Index verborum. 509 


professor p. 36, 9. 64, 8. 181, 11. 

professus cf. iussus. 

promissio p. 14, 6. 

proportionabiliter p.392, 4. 

proportionales termini p. 211, 18. 213, 11. (R. H. p. 275. 381.) 

propositio (controversiae) p. 67, 16sq. — stans p. 67, 24. — non stans p. 67, 
A4. cf. res. 

proprietas p. 15, 1. 3. 5. 8. 14. 18. 23. 28. 16, 11. 15. 44, 8. 48, 6. 9. 14. 
49, 1. 4. 12. 75, 2. 78, 28. 79, 3. 6. 11. 15. 25. 28. 80, 4. 8sq: 15. 119, 
22. 268, 16. 278, 3. 279, 8. domus proprietatis p. 398, 23. (R.II. p. 447.) 

prorsi limites p. 29, 9, 16. 167. 16. „168, 1. 206, 12. (R.]I. p. 289 not. 154 
p. 342.) 

proximior p. 314, 28. 315, 1. 319, 11. 

proximitas p. 38, 11. 68, 5. cf. naturalis. 

proximum c. ablat. p. 310, 20.27. 313, 31. 315, 24. 318,8. 323, 10. 30. 
324, 11. 20. 329, 24. 330, 7. 

pulveratica p. 273, 6: cf. Du Cange gloss. s. u. pulveraticum. 

pulvinus p. 12, 20. 126, 14sq. (R.IL p. 270.) 

pumica p. 348, 24. ) 

punctum ezplicatur p. 372, 2. punctos p. 360, 29. punctum caeli p. 184, 6. 
14. 185, 7. 

punctus (Vta pars horae) p. 374, 11. 13. 

puteum p. 253, 24. 255, 23. 341, 30. 

pyramis: piramis p. 416, 2. peramus p. 405, 12. perramus p. 405, 13. 

quadra p. 207, 12. 16. 

quadrangulus p. 362, 1. 

quadrans (pondus) p. 373, 283sq. 

quadratarius p. 302, 6. 

quadratura p. 107, 7. 112, 10. 206, 15. 285, 5 

quadratus ager p. 30, 15. — lapis, petra p. 242, 1. 243, 4. 402, 1. — limes 
P. 209, 8. — terminus p. 240, 4. 254, 16. 345, 1. 346, 25. 348,11. 

quadratum ezplicatur p. 378, 19. cf. centuria et pertica. 

quadrifinalis p. 312, 8. 316, 3. 338, 8. 

quadrifinia p. 25, 20. 39, 11. 57, 18. 69, 11. 88, 14. 

quadrifinium p. 2, 5. 10, 3. 9. 23, 27. 25, 21. 110, 12. 250, 33. 302, 20. 
306, 8. 17. 307, 10. 12. 20. 308, 21. 310, 15. 311, 27. 312, 6. 318, 1. 
319, 5. 20. 323, 18. 341, 16. 342, 24. 343, 19. 25sq. 344, T. 345, 18. 
25sq. 27. 340,17. 348,26. 349, 11.25. 352,5. 10. 353, 13. 361, 4. 
366, 7. 399, 7. quatriffnium p. 332, 2. 334, 6. 12. 336, 12. 337, 7. 21. 
360, 3. 361, 3. 5. 364, 14. 

quadrifinius terminus p. 250, 3. 27. 343, 28. 405, 21. 406, 2. 7sq. 105sq. 

quadrilaterus p. 106, 3. 13. 378, 7. 19. 379, 3. 390, 20. 

quadrus terminus p. 342, 16. 346, 28. 353, 3. quadra finis p. 363, 25. 28. 
— possessio p. 326, 9. quadrum p. 314. 20. 320, 14. in quadrum dolatus 
terminus p. 305, 13. 


510 Index verborum. 


quaestorius ager p. 115, 15. 125, 19. 131, 11. 136, 16. 151, 18. 152, 22. 
154, 1. 349, 18. (R. II. p. 285.) | 
qualitas p. 1, 3. 7. 2, 4. 6. 17. 31. 3, 7. 23, 5. 38, 24. 39, 3. 60, 16, 61, 9. 
65, 8. 68, 24. 28. 93, 14. 110, 10. 114, 2. 144, 11. 149, 16. 23. 

‚ quantitas locorum p. 396, 18: 

quaternarii p. 321, 23. 

quatrifinium cf. quadrifinium. 

quattuor angulatilis p. 305, 25. 

queuntes p. 69, 18. - 

quinquangulum p. 392, 9. 11. 

qninque pedalis tetminus p. 340, 24. 

quintarius (sc. limes) p. 191, 16 19.207,8. 357,8. primus quintarius p. 357,18.26. 
quintarius cardo p. 120, 20. —  decimanus p. 120; 20. 175, 12. — limes 
p. 5, 17. 112, 11. 174, 13sqq. 248, 6. 357,16 (ef. quintus). — terminus 

p. 357,18. (R. II. p. 349.281.) 

quintus limes quomodo distet a quintario p. 174,15. 

rasta (mensura viae apud Germanos) p. 373, 18: cf.. Du Cange gloss. s. u. 

ratio caeli, mundi p. 170, 3. 10. — finium, limitum, terminorum: p; 181, 17. 
252, 18. 253, 8. 271, 14. 19. 272, 2. 4. 9. — mensurae, mensurarum 
p. 24, 5. 20. 92, 13. 181, 16. 

rationabilis angulus p. 413, 6. — linea p. 31, 14. rationabile p. 3, 29. 108, 15. 

rationalis angulus p. 100, 5. 411, 16. — humerus p. 59,18. — linea p. 4, 
34. 103, 6. 9. 104, 4. 11. — longitudo. p. 98, 10. rationalia p. 65, 1. 

recensiit p. 242, 13. recensivit p. 348, 3. recensitus p. 216, 5. ef. censiri. 

reciperativus controversiarum effectus. p. 68, 18. 69, 10. 16. — — status 
p. 25, 10. 20. 

reciproce p. 212, 8. 

rectagonum p. 338, 24. 

rectiangulus p. 378, 15. 20sq. 23. 385, 12. 21. 386, 5. 7. 9sq. 24. 413, 16. 

rectilineus p. 377, 10. 378, 5. 383, 15. 385, 4. 6. 8. 386, 23. 387,15. 22. 
390, 10sq. 391, 15. rectilinius p. 386, 17. 

rectura p. 5, 15. 11, 30. 12, 8. 10. 25, 22, 39, 12. 58, 13. 69. 13. 89, 15. 
109, 14. 19. 21. 166, 6. 168, 6. 181, 4. 192, 14. 204, 17. 213, 13. 217, 
11. 218, 15. 220,0. 221,3.8. 10. 223, 17. 224,5. 254,9. 271,8 
311, 17. 312, 9. 397,2. 409, 16.24. — orientalis p. 217, 18. recturae 
maritima et montanae p. 215, 4. 

rectus. angulus p. 32, 2. 13. 41, 3. 91, 29. 100, 1. 3. 5, 9. 13. 101, 1. 3. 6. 
10.16. 102, 6. 15. 17sq. 106,17. 107, 7. 10. 21. 24. 117, 9. 181, 14. 
198, 19. 246, 7sq. 249, 1. 296, 1sq. 301, 7. 377, 13. 15. 378, 16. 379, 
2. 12. 14. 16. 382, 17. 21. 25. 383, 6. 384, 5. 385, 11sq. 14. 18. 27. 
388, 22sq. 390, 7. 16. 21. 391, 2sq. Asq. 404, 14. 411, 16. 20. 23.25. 
412, 1. 413, 10. 13. 17. 20. 414, 1. 22. — finis p. 139, 8. — limes 
p. 219, 10. 289, 1. 397, 1. 408, 20. — rigor p. 365, 18. — rivus p. 150, 
24. recta linea. p. 5, 11. 31, 21. 98,16. 99, 4. 14. 100, 6sq. 8. 10 sq. 


Index verberunt. 511 


101, 6eq. 102, 5sq. 103, 1. 13. 104, 6. 11. 19. 105,10. 12. 18. 106, 1sq. 
5.8sqg. 107,10sq. 15sqq. 189, 9. 11. 13. 191, 3. 5. T. 192, 18. 193, 
41.14. 316, 24. 365, 13. 377,3. 7. 10sq. 21. 378, 1. 6sq. 379, 5. 9. 13. 
15. 380, 3. 5. 10. 17. 19. 21sqq. 381, 7. 9sqq. 382, A sq. 7. 12. 16sqq. 
383, 1. 11. 14. 23sq. 26. 28. 384, 1. 7 sq. 385, 6. 10. 22. 386, 3. 5. 8. 12. 
16.21sq. 387, 3. 7sq. 14. 25. 388, 4. 8. 11. 20sq. 389, 4. 14. 21. 29, 
390, Asq. 8sq. 12sq. 15sq. 18. 391, 7sq. 12. 14. 24sq. 392, 8. 395, 5. 
397, 18. 410,13. 411, 13. 17sq. 20sq. 413,8. 10. 12. 20sq. 22. 414, 4. 
18. rectum explicatur p. 97, 2. 415, 16. in rectum p. 191, 6. 

reddo: redditum p. 6, 19. 110, 20. 155, 14. 24. 156, 20. 27. 157, 5. 22. 
160, 24. 202, 13. 246, 12. redditum et commutatum pro suo p. 155, 15. 
22. 161, 20. 202, 12. redditi commutatique agri p. 117, 14. (R. II. p. 389.) 

redhibitio p. 270, 1. 

regalis limes p. 248, 12. ef. via. 

regammans p. 24, 27. 41, 27, 73, 7. 347, 21. 

regelationes p. 50, 22. 83, 4. 

regio explicatur p. 135, 4. (R. Il. p. 235. 251.) 

regius: regii agri in provincia Cyrenensium p. 122, 16. (R. Il. p. 421.) 

regula p. 7, 10. 41, 23. 73, 2. 

relicta loca p. 9, 10. 21, 7sq. 29sq. 22, 19. 55, 23. 56. 7. 86, 26. 28. 87, 4. 
180, 18. 399, f. (R. 1I. p. 393. 459.) 

religiosa loca p. 8, 4. 13. 9, 10. 22, 9. 24. 23, 3. 16. 56, 12. 87, 9.11. 
399, 2. (R. II. p. 264. 460.) 

relocatum coloniae p. 117, 22. 

remensurari p. 348, 4. 

renormare agrum p. 232, 16. 288, 25. 27. 

repetitio p. 16, 26 (ubi sic legendum pro eo quod scriptum est repetio) 25, 13. 
124, 5. 150, 27. 399, 18. 

repositio limitis p. 286, 11. (R. II. p. 341 not. 276.) 

repositionalis terminus p. 409, 21. 

reprobus terminus p. 307, 9sq. 346, 13sq. reproba aciestermini p. 307, 8. 
944, 15. 

res stans p. 68, 7. — non stans p. 68, 7. cf. propositio. 

retransire p. 335, 23. 

rhomboides p. 341, 7. 278, 23. 

rhombos p. 341, 4. 378, 22. rombus p. 405, 14. rumbus p. 250, 16. sumbus 
P. 249, 6. subus p. 405, 3. 

rigor (cf. R. lI. p. 432) p. 2, 34. 3, 1. 9. 9, 7. 10, 2. 7. 11, 3. 13. 15sq. 18. 
28. 31. 25, 25sq. 33, 4. 9. 11sq. 44.21. 34, 2.5.12. 37,23. 39, 8. 41, 
6. 66, 11. 13. 69, 6. 21. 70, 1. 5. 72, 5. 7. 10. 92, 14. 98, 6. 11. 13. 
108. 17. 19. 126, 12. 127, 11. 128, 20. 129, 1. 6. 139, 19. 140, 8sq. 142, 
7. 14. 151,7. 95q. 12. 159, 3. 154, 6. 193, 6. 9. 206, 4. 7. 253, 8. 254, 
1sq. 285, 6. 8sqq. 286, 7. 287,10. 17. 22. 26. 288,8. 303, 6sq. 13. 18sq. 
319, 15. 19. 325, 2. 346, 6. 347, 12. 21. 358, 1. 398, 23. 399, 5. 408, 


512 Index verborum. 


11.18. 411,3. 5sq. 412,3sq. 5. 8. 414, 25. 415, 2.4. — primus p. 357, 
10. 14. — secundus p. 33, 10. 357, 14. — secundarius p. 357, 24. — ter- 
tius p. 357, 14. — maximus p. 357,16. rigorem mittere p. 33, 13. cf. dictare, 
hebes, interiestivus, limitatus, linearis, linearius, normalis, ordinatus, pinnalis, 
rectus, subruncivus. . 

rigora p. 362, 14. 366, 3 (ubi legendum videlur rigorie). euro p. 332, 20. 
27. 363, 18. 

rivorum (1. e. rivus) p. 327, 25. 328, 32. 330, 17. 26. 332, 3. 834,2. 

roboreus limes: p. 112, 12. — terminus p. 127, 3. 172, 6.- 

robustus terminus p.340, 24.. 

roscidum latus termini p. 302,3. (R. HI. p. 275. 432.) 

rotundus terminus p. 213,8. 228, 8. 240, 2. 20. 250, 25. 255, 18. 257, 27. 
259, 24. 305, 24. 348, 1. 353, 4. 360, 9. 361, 5. 401, 1. 405, 22. rotundi 
fines p. 315, 14. 325, 7. 332, 22. rotundae fines p. 328, 31. 

rudis ager p. 203, 7. (R. II. p. 277. 278.) 

rumbus cf. rhombos. 

rumor loci p. 366, 2. 

rumpere limitem p. 350, 15. AE 

sabucus p.308, 9. 347,26 (Glossae Lat. Gr.: . sabucus’ xr. &ldoc Boravss). 

sacer (i. e. imperalorius) p. 8,28. 

sacrificalis palus p. 43, 12. 74, 10. 218, 5. 223, 2. 252, 17. 255, 23. 251, 
24. 347,10. — terminus p. 43,3. 73,34. 127, 4. 221, 17. 227,6. 401, 
19. sacrificales arae p. 241, 5. 401, 5. (R. II. p. 237.) 

sacrificium cf. abuti. 

sagraba p. 306, 8. 

saltum dare p. 359, 21. 

samardacus terminus p. 305,22. samartia p. 360, 21. 

sanctuarium Caesaris p. 154, 24. 26. 155,2. (R. II. p. 405. 406.) 

sanctus: sanctior id est iustior p. 359, 16. 

sarcofagum p. 361, 29. _ 

saxeus terminus d. 214, 5. (R.1I. p. 273.) - 

saxuosus p. 6, 29. 41,21. 72,30. 140, 3. -149, 15. 17. 228, 7. 308, 12. 
350, 7. 365, 7. ' 

scalenon (0xeÀgv0ov) p. 341, 10. 378, 13. 

scamnatus ager p. 3, 14. 110,2. 218, 3. 293, 11. 15. (ef R. II. p.290— 
298. 420. 421.) 

scamnum p. 206, 11. 13. 207, 2. 4. 6. 326, 1. 397, 22. secundum p. 207, 
14. 208, 2. per scamna p. 3, 5. 7. 12. 31, 4. 6. 206,9. 231, 10. 255, 17. 
257,5.20. 259, 19. 260, 10. cf. striga. (R.TI. p. 290 sq. 420sq.) 

scarifus (4. e. forma) p. 244, 4. 8. (R. lI. p. 405.) 

sciotherum p. 189, 1. 

scorofio p. 211, 10. 227,16. 228, 6. 241,11. 243,11. 252, 5. 21. 256,9. 
341, 15. 350, 5. scorpio p. 138, 23. 142, 25. 401, 15. ef. R. II. p. 270. 

scringis (? ablat.) p. 306, 15. 


Index verborum. . 513 


scriptura (4. e. inscriptio termint) p. 13, 8. 32. 14, 10. 19, 29. 111, 24. 
288, 7. 290, 21sq. 291, 5. 8. 12. 292, 4. 8. 294, 1. 8. 295, 2. — (1. e. 
modus agri in tabula scriplus) p. 129, 13. 131, 12. — formae p. 131, 15. 
scripturae divinae p. 375, 9. (cf. R. II. p. 276. 353.) 

scriptus lapis p. 293, 3. 402, 4. — terminus p. 127, 2. 211, 15. 366, 8. 
— Greca littera p. 249, 13. 360, 29. 405, 10. scripta latitudo p* 13, 2. 
— petra p. 402, 1. scripto facere p. 23,9. 

scripulus (pondus) p. 373, 25sq. 27. 374, 24. 

sculteilatus terminus p. 341, 12 (degendum videtur scutulatus). 

scutanei termini hoc est dolatiles p. 302, 18. 

sector circuli p. 388, 15. 

sedes (angeli) p. 100, 14. 101, 6. 

segregatio locorum p. 408, 16. 25. 

sela (mensura) p. 339, 20sq. 23. 

semicirculus p. 355, 14. 356, 1. 378, 3. 390, 9. 26. 391, 1. 

semiiugerum p. 372, 17. 

semipes p. 95, 3sq. 214, 5. 339, 2. 

semissalis p. 215, 7. 

semiuncia p. 339, 24. semuncia p. 123, 2. 

septagonus p. A05, 8. septagenus p. 249, 11. 

septentrionales limites p. 247, 23. 

sepultura militaris in finem p. 341, 3. cf. finalis. (R. II. p. 264.) 

sepulturarii fines p. 303, 12. . ' 

seria (vasculi species, cf. Du Cange gloss. s. u.). p. 341, 28. 

serra cava p. 317, 19. 323, 27. 328, 33 (ubi leg. serras habet cavas). — recta 
p. 345, 19. 352, 11. 

servitutem prestare p. 6, 23. 146, 17. 152, 11. (R. II. p. 403.) 

sescontrarius p. 33, 21. 102, 16. 186, 9. 187, 5. 14. 

sescuncia p. 123, 10. 339, 26. 

sesquipes p. 95, 4. 194, 16. 212, 9. 242, 17. 348, 6. 

sextaneus (scil. limes: cf. R. II. p. 344) p. 313, 27. 316, 17. 321, 7. 328, 
2. 15. 329, 26. 333, 16. 337, 6. sextaneus limes p. 248, 15. 312, 14. 29. 
314, 20. 324, 12. 325, 4. 327, 20. 22. 331, 16. 18. 335, 3. 350, 14. 
— rivus p. 327, 8. a sextaneo p. 313, 22. 327, 29. 345, 18. 352, 11. 
sextanea pars p. 310, 13. 21. 311, 6. 20. 313, 21. 318, 22. 319, 8. 17. 
21. 31. 320, 14. 322, 27. 329, 7. 332,9. 333,23. 334, 13. 335, 6. 
336, 4. 338, 5. 342, 25. a sextanea (-neo?) p. 321, 26. sextaneum latus 
p 333, 10. 

sextans (mensura) p. 94, 14. 19. 95, 5. 96, 1. 339, 27. 

sextarius (mensura) p. 375, 5sq. 8. 10. 12sq. 26sq. 376, 1. 3. 7sq. 

sicca petra p. 341, 29. 

signalis (active) p. 361, 32. 

signatim p. 307, 5. 

Römische Feldmesser Il. 33 





514 . Index verborum. 


signatus lapis p. 253, 21. 262, 2. signata petra p. 228, 13. 240, 19. 256, 41. 
400, 24. (R. II. p. 258.) 

signes (mensura viae apud Egyptios) p. 370, 6. 

significantia p. 162, 6. 

signinum p. 306, 26. (R. II: p. 274.) 

signum (i. e. id quo lhnites designantur) p. 2, 6. 24. 6, 27. 11, 5. 13, 4. 41, 

* 48. 47, 22. 48, 4, 72, 27. 98, 7. 10. 99, 5sq. 110, 13. 114, 8. 140, 12. 
15. 141, 3etc. signa cogere p. 33, 9. signum £. e. punetim (anutioy, cf. 
Marl. Capella lib. Vl, $ 707, ibique Kopp.) p. 97, 15. 98, 1. 7. 99, 4. 6. 
410, 13. 17. 414, 5sq. 8. 26. 

siliceus palus p. 252, 17. (iliceus?) — terminus p. 109, 11. 127, 1. 139, 11. 
216, 7. 217, 11. 219, 3. 220, 16. 228, 20. 234, 13. 255, 10. 14. 256, 27. 
341,25. 347, 13. 351,18. (R. II. p. 242. 272.) 

silicinea lapis p. 306, 22. 

siliqua (mensura) p. 373, 22. 26sq. | 

silva glandifera p. 205, 14. — vulgaris p. 205, 14. (R. IJ. p. 318.) 

silvester locus p. 44, 14. 75, 7. — silvestria p. 56, 3. 86, 3]. 

simmatus (simatus?) terminus p. 250, 5. 406, 13. 

sin autem pro eo quod est si minus p. 55, 14. 80, 14. 181, 6. 

sinagonus (?) p. 249, 12. 405, 9. 

sinistra pars quae sit ezplicalur p. 27, 10. 160, 14. sinistra decumenum 
p. 111, 18. 27. 112, 1. 6. 15. 155, 12. 162, 7sq. 173, t. 174, 115q. 195, 
9. 12 sq. 17. 294, 11. 14. 295, 3. (R. II. p. 341.) 

sinistratus ager p, 247, 5. sinistrata pars p. 291, 11. 18« 292, 5. 10. 

sinistratun p. 290, 19. 292, 115sq. 

sitiagitat (??) p. 44, 19. 75, 13. 

soliditas cf. corpus. 

solidus (pondus) p. 374, 1 sqq. 

solidus ager p. 42, 6. 73,13. — angulus p. 103, 20. — (inis p. 152, 20. — 
lapis p. 307, 11. — margo p. 132. 3. (R. II. p. 437) solida terra p. 141, 5. 
solidum ezplicajur p. 97, 9. .415, 24. 

solitarius limes p 2:9, 27. — Syllanus ager p. 247, 14. 

solum agreste p. 18, 3sq. 18sq. — amorum p. 156, 2. — incertum p. 156, 2. 
-—— urbanum p. 18, 3sq. 173g. 

solutus: soluti agri p. 137, 23. soluta loca p. 41, 2. 73, 3, in soluto p. 4l. 
19sq. 72, 28sq. 225,16. 236,21. 237, 3. 238, 1. cf. absolutus. (R. II. p. 232). 

sors p. 14, 3. 30,17. 113, 1. 4. 8sq. 11. 13. 36 sq. 158, 17. 200, 1. 4, 201, 6. 
— prima p. 113, 5. in sortem mittere p. 199, 13. in sorte tenere p. 231, 33. 
(R. II, p. 366). 

sorticula p. 113, 12. 

spatula p. 341, 13. — cursoria p.240, 5. 250, 29. 31. 254, 17. 255, 18. 
257, 27. 347, 14. 406, A. 6. 

specialia argumenta p. 38,8. 67, 25. 

specialiter p. 26, 24. 90, 20. 146, 16. 415, 8. 

species p. 46, 13. 47, 15. 20. 66, 12. 70, 4 etc. 


Index verborum. 515 


speciosus terminus hoc est formonsus p. 363, 20. 

spectamen p. 61, 13. 

spectationes terrae p. 389, 18. 

spectivus controversiarum effectus p. 68, 18. 28. 

speculatores arti p. 415, 9. 

spissus: spissiores termini p. 11, 28. 219, 7. 221, 2. 228, 23. 

squalidus ager explicatur p. 369, 21. 

stadialis ager p. 368, 11. 372, 21. 

stadium (mensura) p. 94, 12. 15. 95, 9sq. 96, 6. 370, 5. 9. 373, 14. stadius 
p. 245, 14. 339, 3. 14. plur. stadios p. 95, 10. 

stagnus p. 365, 23. ef. finalis. 

stater (pondus) p. 373,29. 

status est unius cuiusque altitudo (statur) p. 373, 12. status controversiarum 
p. 25, 9. 65, 15. 69, 17. 72, 2. 75, 28. cf. assumptivus, effectivus, expo- 
sitivus, generalis, iniectivus, initialis, materialis, reciperativus, subiectivus, 
status possessionis p. 343, 4. ! 

stella iunior (i. e. eignum stellae simile palis terminalibus affixum) p. 307, 7. 
346, 9. (R. II. p. 336, not. 272.) 

sterelis p. 6, 30. 41, 21. 48, 10. 72, 30. 79, 7. 179, 6. 326, 4. 

sterelitas p. 116, 24. 292, 19. 

stereon (oregeov) p. 97, 10. 415, 25. 

stipendiarius p. 36, 1sq. 62, 25. 63, 1. (R. II. p. 316. 374.) 

strata p. 370, 12. 14. 

stricta ad pectus casa p. 325, 13. 15. 

striga (cf. R. II. p.290 sq. 419) p. 206,11. 13. 207,2. 4. 208,1. 397,23. — prima 
p. 207, 14. per strigas p. 3, 4. 7. 11. 31. 4, 6. 206, 8. 230, 6. 8. 17. 236, 
8. 255, 17. 257, 5. 260. in strigas assignatus p. 238, 15. 

strigatus ager p. 3, 12. 110, 1. (H. II. p. 290sq. 419.) . 

structura parietum p. 347, 14. 

studiri recte solet limes quod interpretatur non extorcet p. 339, 17. 

subcavus p. 305, 20. 307, 18. 345, 16. 352, 9. 

subcumbus terminus p. 305, 9. 11. succumbum p. 360, 4. 

subiectivus controversiarum effectus p. 68, 18. 69, 8. — — status p. 25, 9. 18. 

sublimitas auctorum p. 346, 1. 

subruncivus limes p. 111, 15. 168, 14. 169, 8. 192, 1, 194, 12. 212, 7. 248, 
13. — rigor p. 41, 7. 72, 15. subruncivi cardines et decumani p. 120, 21. 
(R. II. p. 350.) 

subsecare p. 6, 5. 7, 6. 25. 155, 28sq. 284, 3. 

subsecivus ager p.:2, 9. — fluminum modus p. 157, 19. subseciva fosaa 
p. 366, 3. subsecivum p. 6, 8, 12sq. 17 sq. 21sq. 7, 11. 15. 24. 28. 8, 10. 
14. 21. 20, 14. 17. 23. 29. 22, 13. 15. 110, 14. 19sq. 23. 111, 1. 5. 157, 
9. 162, 20sq. 163, 6. 13. 15. 241, 3. 342, 4. 345, 22. 352, 17. 369, 18. 
25. 28. — maius et minus p. 6, 21sq. (quae tamen rectius scripta laguntur 
p. 111, 1sq.). subsicivus ager p. 246, 27. 295, 14. 369, e Fi 24. 400, 8. 


516 Index verborum. 


subsiciva loca p. 398, 4. subsicivum p. 6, 4sqq. 7, 1. 8. 8, 15. 9, 9. 20, 
3.6. 21, 6. 22, 2. 30,21. 52, 5. 7. 53, 16. 19sq. 54, 1. 4. T. 81, 3sq. 
7. 13sqq. 82, 2. 81, 2. 4. 117, 18. 25. 119, 4. 121, 20. 124, 2. 132, 
24sq. 133,3. 5. 10. 13. 155. 26sq. 171, 13. 199, 2. 202, 5. 9. 203, 6. 
213, 1sq. 226, 1. 284, 3. 290, 4. 295, 10. 400,16. cf. R.II. p. 390.455). 

subsequi terras p. 158, 4. 

substructio p. 341, 24. 

subterius p. 408, 25. 412, 15. 

subtilissimus terminus p. 361, 5. 363, 20. 

subtus c. ablat. p. 316, 9. 

subulus p. 306, 28. 

suburbana loca p. 21, 14. 17. 23, 28. 55, 8. 10. 57, 19sq. 86, 8. 11. 38 15. 
17. 347, 3. 349, 22. 29. (R. II. p. 458.) 

subus cf. rhombos. 

succumbus cf. subcumbus. 

sucitarium (?): casa in suis sucitariis p. 337, 29: ad idem pertinere videtur 
suis ceteris p. 318, 8. et suis sociteri p. 330, 26. 

Sullanus limes p. 236, 4. Syllanus limes p. 237, 6. Syllana mensura p. 238,11. 
cf. lex. 

sumbus cf. rhombos. 

summitas p. 99, 11sq. 15. 373, 3. 411, 9sq. 412, 21. 413,5. 414, lásq. 
16sq. 19. 

supercilium p. 2, 27. 12, 7. 42, 14. 17. 23. 73,21. 24. 30. 115, 12. 126, 12. 
128, 15. 131, 7. 138, 19. 143, 3sqq. 151, 23. 255, 27. 256, 11. 259, 20. 
281,9. 12. 410, 4. 412, 10. — naturale p. 139, 4. 

superficialis p. 3, 16. 

superficies explicatur p.377, 4. 

superflue p. 403, 16. 

sura (montium) p. 240. 1. 254, 13. 

susum pro eo quod est sursum p. 111, 24. 

syllogismus dialecticus p. 394, 23. — rethoricus p. 395, 2. 

synopsis pontium p. 92, 17. 

tabella p. 11, 11. 40,17. 71,15. _ 

tabula aeris p. 202, 11. 223, 7. — prima p. 200, 14. 201, 3. tabula (mensura 
agri eadem quae conternatio) p. 200, 12. 354, 9. 14. 19. 355, 7. 12. 
20. 27. 

tabularium Caesaris p. 202, 17. 203, 3. 400, 9. 14. 

tabulatum p. 415, 23. 

talentum (pondus) p. 374, 18. — maximum p. 374, 20. 376, 4. — medium 

- p. 374, 19. 376, 2. — minimum p. 374, 19. 

taliatura p. 360, 17. (R. II. p. 276. not. 129.) 

taliatus p. 360, 18. 

taxare p. 14,18. 132, 2. 23. 144, 9. 155,19. taxatus a ferro p. 342, 23. 
945, 13. 346, 21. 352, 20. (R. II. p. 274.) 


Index verborum. 517 


tectoria opera p. 97, 8. 415, 23." 

temeratores legis p. 275, 5. 

tempestative (pro eo quod est tempestive) p. 400, 6. 
templares fines p. 302, 20. (R. II. p. 203.) 
temporales limites p. 248, 11. 

tempus: tempora (Jahreszeiten) p. 374, 8. 


tenor rivorum p. 227, 8. 252, 19. 
termetis p. 344, 2. 


terminalis arbor p. 270, 6. — aqua p. 333, 13. — lapis p. 333, 12. 


terminate p. 335, 29. 


terminatio p. 23, 27. 57, 10. 88, 6. 196, 17. 204, 17. 259, 10. 307, 4. 342, 
30. 362, 27. 

terminatus (substant.) p. 69, 24. 

terminus: terminibus p. 12, 17. 21. 19, 19. 21, 27. 55,21. 70, 26. 86, 24. 
103, 14. 126, 10. 19. 252, 15. 256, 9. 21. 27. 258, 11. 262,1. 283,8. 
305, 1. 309, 23. 349, 9. 21. 351, 13. 19. 352, 1. 24. 353, 21. cf. acutus, 
angulus, angustus, Augusteus, bifurcus, brevis, cavatus, centustatus, Cilicius, 
circulatus, Claudianus, coctus, comportionalis, cursorius, decimanus, decur- 
sorius, egregius, enchorius, epilogonius, epipedonicus, epitecticalis, finalis, 
formalis, gammatus, gemellus, ignifer, incursorius, inpolitus, inscriptus, 
itinerarius, laguenaris, lapideus, laterculus, ligneus, lineatus, marmoreus, 
maximus, mensalis, miliarius, molaris, monumentalis, orcularis, ordinatus, 
parallelogrammus, pedalis, pleuricus, plumbatus, podismare, politus, praesidens, 
privatus, quadratus, quadrifinius, quadrus, quinque pedalis, quintarius, repo- 
sitionalis, reprobus, roboreus, robustus, roscidus, rotundus, samardacus, 
saxeus, scriptus, siliceus, simmatus, speciosus, spissus, territorialis, testacius, 
Tiberianus, Tiburtinus, transpertusus, trifinius, trigonius, tufineus, tysilogramus, 
voratus. 

terrenum pro eo quod est terra p. 62, 4. 67, 2. 5. 

territorialis terminus p. 4, 21. 19, 19. 114, 7. 14. 

territorium p. &, 23. 6, 28. 9, 9. 17, 1. 29. 19, 12. 15. 17. 20. 31. 20, 1. 12 
(ubi explicatur nomen). 41, 19. 52, 23. 53, 6sq. 72, 28. 84, 26. 85, 1sq. 
11. 112, 23. 114, 9sq. 13. 16. 115, 3. 118, 1. 4. 10. 119, 21. 23. 25. 
133, 23. 137, 17. 138, 7. 159, 27. 29. 160, 9. 11. 15. 161, 16. 162, 29. 
163, 2. 5. 7. 20. 25. 164, 1sq. 6. 9sq. 26sq. 165, 19. 22. 197, 20. 198, 1. 
211, 2. 4. 212, 2. 214, 2. 223, 7. 12. 232, 4. 246, 19. 21. 264, 13. 278, 
15. 283, 8. 325, 10. 338, 10. 340, 15. 362, 8. 307, 12. 371, 9sq. 407, 
6. ius territorii s. territoriorum p. 19, 5. 52, 14. 18. 53, 9. 84, 11. 20. 
85, 5. 114, 11. 124, 2. 132, 17. 398, 24. cf. R. II. p. 251. 454. 
tessellatus ager p. 247, 9. —- limes p. 248, 16. 

testacius terminus p. 342, 29, 346, 13. cf. coctus. 

tetartemorion p. 02, 2. 187, 4. 7. 

tetragonon p. 219, 2. 228, 5. 8. 19. 255, 13. tetragonus ager p. 247, 8. 
354, 6. 


518 Index verborum. 


tetrans p. 33, 5. 178, 3. 180, 8. 194, 13. 285, 8. 12. 286, 3. 9. 287, 1sq. 

Tiberianus terminus p. 218, 10. 254, 7. Tiberiani campi p. 218, 9. 254, 5. 
255, 28. 258, 19. 

Tiburtinus lapis p. 306, 20. 320, 5. Tiburtina lopis p. 336, 8. Tiburtinus ter- 
minus p. 11, 27. 109, 11. 127, 1. 211, 10. 15. 220, 16sq. 228, 7. 234, 
14. 253, 6. 20. 254, 17. 255, 9. 22. 256, 21. 27. 259, 19. 260, 4. 281, 
18. 282, 2. 347, 13. 352, 19. Tivortinus t, p. 250, 7. Trivortinus t, p. 406, 
15. (R II. p. 273.) 

titulus p. 4, 21. 114, 7. 146, 12. 228, 8. 241, 10. 242, 1. 364, 3. 401, 14. 
402, 3. — finalis p. 364, 3. 

togatus p. 309, 1. 347, 2 (cf. M. If, p. 175, not. 39.) 

tonos p. 185, 7. tonus p. 185, 1. 

tornatilis p. 361, 4. 362, 19. 

torris limes hoc est torus p. 361, 19. 

tortuosus limes p. 319, 8. 323, 6. 363, 13. 

tortus: tortae fines p. 313, 5. 327, 24. 

toxa p. 308, 7 (?). 

Traiani lapides p. 243, 3. 348, 10. 

trames explicatur p. 370, 21. 

transcendentia controversiarum p. 25, 30. 65, 14. 67,19. 68,8. 69,18. 24. 26. 
70, 6. | 

transferre terminum p. 40, 21. 26. 71, 19. 23. 

transire p. 7, 30. 49, 22. 82, 13. 15. 

transitus p. 24, 10. 24. 

transpertusus terminus p. 305, 6. 360, 13. 

transversus finis p. 23, 8. 30. — limes p. 29, 10. 13. 16. 167, 16. 168,1. 
206, 10. — terminus p. 43, 16. 74, 13. 

trapizeus p. 249, 6. trapizeum p. 290, 4. trapezium p. 379, 3. trapideus p. 405, 
3. trapeteus p. 341, 5. trapeadi p. 343, 9. 

trea pro eo quod est tria p. 99, 3. 246, 7. 296, 1. 303, 2. 325, 15. 

triangulum p. 378, 11. 380, 3. 6. 16. 25. 381, 3. 22. 25. 382, 1. 13. 383, 9. 
6. 8. 10. 12. 384, 3. 19. 21. 24. 27. 29. 385, 4. 6. 11. 16. 387, 17. 39, 
1sqq. 395, 9. A411, 24. 

triangulus p. 101, 1. 3. 9. 106, 18. 300, 13. 382, 9. 383, 17. 392, 8. 413, 
16. 18. 23. 

tributarius p. 4, 29. 5, 1. 35, 14. 62, 20. (R. 1l. p. 316. 374.) 

trifinia p. 25, 20. 39, 11. 57, 18. 69, 11. 88, 14. 

trifinium p. 2, 5. 10, 3. 8. 13. 23, 27. 25, 21. 39, 21. 43, 17. 70, 22. 14, 
14. 110, 11. 141, 18. 252, 16. 273, 4. 305, 5. 8. 23. 306, 8. 307, 10. 
308, 4. 20. 23. 26. 309, 12. 14. 28. 311, 18. 20. 313, 8sq. 315, 2. 18. 90. 
317, 12. 318, 28. 320, 5. 9sq. 16. 321, 23. 323, 1. 19. 324, 4. 19. 323, 
10. 327,25. 328, 30. 329, 10. 330, 7. 335, 17. 336, 24sq. 341, 6. 342, 
6. 343, 23. 27. 344, 13. 15. 345,11. 24. 346, 16. 20. 27. 348, 26. 349, 


Index verborum. 519 


4.11. 25. 352, 5.14. 353, 13. 360, 20. 22. 24. 27sq. 364, 11. 367, 5. 
399, 6. 

trifinius terminus p. 250, 21. 343, 28. 405, 18. 

frigon: trigones p. 389, 11 (ub tamen legendum videtur trigonae). 

trigonium p. 241, 10. 286, A. 6. 314, 14. 317, 4. 338, 22. 

trigonius terminus p. 228, B. 341, 12. 

trigonum p. 290, 11sq. 297, 16. 298, 10sqq. 299, 2. 4. 300, 1. 7. 10. 301, 
4. 6. 10. 326, 7. 354, 20. 22sq. 387, 16. 412, 1. 

trigonus p. 249, 8. 290, 4. 300, 11. 341, 2. 8. 342, 5. 354, 16. 405, 5. 

trihemitonium p. 185, 3. 

triideus (fort. triodeius, 4. e. in trivio csnstitutus) terminus p. 250, 10. triideos 
p. 406, 18. 

trilaterus p. 105, 16. 106, 13sqq. 378, 6. 19. 

tripertitio p. 64, 12. 

triturare fruges p. 370,3 (ubi leg. triturandis) sq. 

triumviralis ager p. 247, 13. — lapis p. 242, 7. — limes p. 226, 9. 237,22. 
cf. lex, centuria. (R. II. p. 333. 352.) 

Trivortinus cf. Tiburtinus. 

tubulus p. 345, 10. 

tufineus terminus p. 347, 14. 352, 20. (R. II. p. 273.) 

tutelatus ager p. 18, 22. 114, 5. 

typos p. 154, 18. 294, 1. typus p. 202, 15. 203, 4. 293, 4. 6sq. 294, 2. 5. 
7. 15. 19. 

tysilogramus (?) terminus p. 214, 8. 

vacuus cf. centuria. 

varare p. 285, 6. 288, 20. 289, 7. 9. varatus p. 287, 9. 13. 

varatio p. 285, 4. 288, 18. 22. 289, 2. 11. 14. 349, 12 (ubi falso legitur 
variatio). (R. II. p. 341.) 

varoverrimus (?) p. 250, 9. 406, 17. 

vectigalis ager p. 116, 5. 125, 19. 204, 16. 205, 5. 9. 206, 3. 278, 1. 279,6. 
283, 19. (R.IL. p. 315.) 

vehis p. 296, 20. 22. 

veritas loci, mensurae p. 31, 13. 32, 6. 

versura p. 67, 4. 139, 18. 140, 9. 144, 20. 22. 285, 7. 11. 287, 9. 290,1. 
341, 32. 

versus (modus agri in Dalmatia) p. 122, 1sq. Ásq. 10. 339, 19. 

vertex lapidis p. 171, 16. 172, 7. 10. 173, 11. vertices agrorum p. 302, 4. 9. 11. 

verticalis diagonalis p. 225, 8. 

Vespasiani lapides p. 243, 3. 348, 10. 

via explicatur p. 370, 10. — communis p. 147, 2. 8. — consularis p. 179, 12. 
— lignaria p. 24, 26. 41, 27. 73, 6. — militaris p. 169, 3. 241, 7. 347, 
16. 370, 15. 401, 8. — privata p. 24, 26. 41, 27. 73, 6. 128,8. 147, 5. 
349, 3. — publica p. 128, 8. 146, 2. 7. 147, 8. 169, 4. 279, 17. 21. — 


520 Index verborum. 


regalis p. 146, 2. — vicinalis p. 24, 26. 41, 27. 73, 6. 128, 7. 146, 6.15. 
147, 2sq. 8. 152, 8. 349, 3. 

vicinalis ef. fossa et via. 

vicinitas p. 281, 10. 

vicinus inferior p. 42, 8. 73, 15. — superior p. 42, 9. 73, 16. (R.II. p. 432) 
— tertius p. 226, 3. 254, 30. 259, 5. — quartus p. 15, 3. 10. 204, 3. 
226, 3. 254, 30. 259, 5. (R. II. p. 398. 447.) 

villa unde dicta p. 369, 1. 

vindicatio rei p. 276, 3. 

viridis marmoreus terminus p. 351, 24. 

visibilis p. 393, 3. 

vivus cf. aqua. 

uliginosus ager p. 369, 23. 

ullageris v. 306, 21. (R. II. p. 273). 

ulna (mensura) p. 245, 11. 339, 9. 

ultra c. adlat. p. 22, 15. ultra primum (sc. decumanum) y. 112, 17sq. 19. 
cf. cardo. 

ultratus ager p. 247, 7. ultrata pars p.291, 6. 8. 11. 292, 9. 14. ultratum 
v. 290, 18sq. 292, 11. (R. II. p. 341.) 

ultro citroque c. genet. p. 150, 10. 

umbilicus soli p. 285, 16. 287, 5. 288, 1. 3. | 

umbrae tres p. 189, 16. 190, 1. umbra prima p. 190, 4. — secunda p. 190, 
8. 191, 2. — tertia p, 190, 9. 

uncia (mensura) p. 94, 10. 14. 18sq. 95, 1sqq. 96, 2. 273, 8. 339, 2.4. 
20 sqq. 340, 1 sqq. 367, 15. 17. 371, 14sq. 27. 407,10. 16. — (pondus) 
p. 373, 30. 374, 2sq. 

unciales numeri p. 216, 6. 

undecumani limites p. 248, 21. 

universaliter p. 138, 7. 

universitas p. 14, 5. 26, 8. 64, 19. per universitatem p. 5, f. 

volumina eruditorum virorum p. 371, 4. 

voratus terminus p. 401, 18. 

vorsum (mensura agri apud Oscos et Umbros) p. 30, 9. 

urna (mensura) p. 376, 5. 8. 10. 

usurpative p. 372, 31. 

usus: usu capere p. 12, 15sq. 13,16. 50,17. 56, 13. 82,31. 87, 13. 126, 
65q. 127,15. 130,2. (R. II. p. 438.) 

uti c. accus. p. 125, 10. 

vulgaris cf. silva. 

ypotenusalis : cf. hypotenusa. 

zacon p. 288, 13. 17. zaconus p. 289, 26 (natum videlur ex eo quod est dıayay 
el dicyoyioc, ut idem sit quod diugonalis). 

zametrus (4. e. diametrus) y. 296, 11. 24. 

zonto id est angulo p.357, 10.30 (corruptum videlur e graeca yw»vía). 


iin 


IL. INDEX GEOGRAPHICUS, 





(col. signifinat coloniam, opp. oppidum, pr. provinciam, prf. praefecturam, 
ter. territorium). 


Abella municipium (cf. M. JI, p. 186) p. 236, 18. 

Abellinum col. p. 229, 16. 

Acerras col. p. 229, 21. 

^ Admedera p. 180, 2. 

Adrianus ager p. 227, 11. 252, 2. 257, 11. 

Adrumentini p. 57, 3. 87, 29. 

Adteiatis cf. Atteiatis. 

Aecanus ager p. 210, 8. 

Aeclanensis ager p. 210, 4. Eclanensis p. 261, 5. 

Aegyptus p. 188, 5. 12. 393, 5. Aegyptii p. 274, 16. Egyptii p. 370, 6.. 

Aemilianus fundus p. 325, 25. 

Aequiculanus cf. Ecicylanus, 

Afidena p. 259, 17. Alfidenatis ager p. 2$9, 21. 

Afile opp. p. 230, 21. 

Africa pr. p. 47, 8. 53, 5. 57, 2. 25. 78, 4. 84, 34. 87, 29. 88, 28. 136,2. 
180, 1. 307, 23sq. 344, 4. 353, 2. 20. 

Alatrium col. (cf. M. II, p. 186) p. 230, 7. 

Albensis ager p. 253, 5. Albenses p. 244, 13. 

Alexandria p. 269, 12. 

Alfidenatis cf. Afidena. 

Allifae opp. p. 230, 3. 

Alpes p. 17, 24. 50, 21. 83, 4. 135, 26. 

Amerinus ager p. 224, 11. 

Amiternus ager p. 228, 4. 10. 

Ana fluvius p. 51,22. 52, 1. 7. 83, 28. 32. 84, 4. 

Anagnia col. p. 230, 15. 

Anconitanus ager p. 225, A. 227, 1. 253, 3. 


522 Index geographicus. 


Antium p. 229, 19. Antianus ager p. 259, 21. 

Appia via p. 179, 14. 

Apulia pr. p. 137, 10. 210, 3. 212, 1. 260, 17. 261, ?1. 

Aquinum col. p. 229, 13. . 

Arabes p. 188, 6. 10. 

Ardea opp. p. 231, 1. 

Ardona cf. Herdonia. 

Aricia opp. p. 230, 10. 

Arpanus ager p. 210, 10. Aspanus p. 260, 23. 

Arretium col. p. 215, 3. 

Asculanus ager p. 229, 4. 232, 14. 254, 12. 257, 6. 14. 258, 5. Asculana 
regio p. 244, 10. Asculani p. 18, 11. 19, 8. 244, 8. 

Asetium (cf. M. II, p. 186, not. 54) p. 230, 13. 

Asia p. 62, 8. 10. 137, 11. 206, 1. Asiana diocesis p. 267, 5. 

Aspanus cf. Arpanus. 

Atella col. p. 230, 1. 

Atenas prf. p. 209, 6. ) 

Aternus p. 258, 24. Aternensis ager p. 226, 13. 253, 45. 

Atina col. p. 230, 4. 

Atteiatis ager, opp. p. 240, 10. Adteiatis p. 252, 8. 259, 8. 

Aveias ager p. 228, 16. . 

col. Augusta Concordia p. 54, 22. 85, 29. 

Augustini p. 22, 7. 54, 18. 85, 25. 398, 10. 

Aurelia p. 221, 15. 

Ausculinus ager p. 210, 10. 260, 18. 24. 261, 4. 11. 

Ausimatis ager p. 227, 3. 253, 1. 3. 251, 8. 

Austranum ter. p. 211, 2. 

Autariatae (?) p. 241, 15. 

Axurnas (-atis?) col p. 179, 13. 

Beneventum col. Concordia p. 231, 5. Beneventana col. p. 232, 7. Benebentanus 
ager p. 210, 1. 

Benusinus cf. Venusinus. 

Betica pr. p. 368, 5. Betici p. 368, 1. 6. 

Beturia (i. e. Vet.) p. 171, 1. 

Bobillae opp. p. 231, 11. ! 

Botontinus ager p. 262, 9. 

Bovianum opp. p. 231, 8. Bobianus p. 259, 23. 260, 2. 11. 

Brittii p. 44, 19. 209, 11. 

Brondisinus ager p. 262, 6. 

Buxentinus ‚ager p. 209, 14. 

Cadatia opp. (?) p. 233, 10. 

Caelinus ager p. 262, 9. 

Calabria pr. p. 211, 1. 261, 20. 

Calagna col. (cf. M. II, p. 186) p. 231, 16. 


Index geographicus. 523 


Calatia opp. p. 232, 3. 

Calis municipium yp. 232, 13. 

Camerinum p. 240, 7. Camerinus ager p. 257, 9. Kamerinus p. 256, 16. 257, 2. 

Campania pr. p. 3,2. 15, 1. 8. 48,16. 79,13. 178, 4. 179,13. 212, 1. 
221, 14. 229, 12. Campanus ager p. 29, 4. 170, 15. 209, 21 (ubi faiso 
correctum Clampetinus: cf. M. II, p. 161, not. 17). 

Canusinus ager p. 210, 8. 260, 25. 261, 2. 7. 

Capenus ager p. 255, 9. 

Capitulum opp. p. 232, 20. 

Capua p. 29, 5. 170, 16. — col. Julia Felix p. 231, 19. Capys col. p. 216, 11. 

Capuensis p. 232, 4. 244, 4. 

Carmeianus ager p. 261,3. 

Carsolis ager p. 239, 20. Cassiolis p. 254, 10. 

Carthago cf. Chartago. 

Casentium (cf. M. II, p. 186) p. 231, 14. 255, 6. 

Casinum opp. p. 232, 17. 

Cassiolis cf. Carsolis. 

Castellense municipium p. 254, 23. 

Castranus ager p. 226, 13. 254, 20. 22. 

Castrimonium opp. p. 233, 3. 

Caudium opp. p. 232, 6. 

Cereatae Mariana municipium p. 233, 7. 

Chartago p. 307, 24. 308, 7. 

Cingulanus ager p. 254, 25. 258, 14. 

Clampetinus cf. Campanus. 

Clibes p. 260, 1. 

Clinivatius vicus p. 241, 14. 

Colatinus ager p. 210, 10. Conlatinus p. 261, 3. 

Comsinus ager p. 210, 7. 261, 1. 

Conlatinus cf. Collatinus. 

Consentinus ager p. 209, 16. 

Consiline prf. p. 209, 6 (cf. M. II, p. 165). 

Constantinopolis p. 270, 2. 273, 18. 

Corfinius ager p. 228, 18. 229, 9. 255, 3. 12. 260, 3. 15. 

Cremona p. 30, 19. 170, 19. 

Cumis col. p. 232, 10. 

Curium Sabinorum ager p. 253, 17. 250, 1. 258, 22. 

Cyprensis ager p. 254, 21. Cuprensis p. 226, 13. 

Cyrenenses p. 122, 15. 

Dacia p. 92, 16 (cf. M. II, p. 147, not. 1). 93, 7. 

Dalmatia p. 122, 1. Dalmatiarum pr. p. 240, 16. 

Divinos municipium p. 233, 12. 

Ecicylanus (i. e. Aequiculanus) ager p. 255, 17. 

Eclanensis cf. Aeclanensis. 


52A Index geographicus. 


Egeum mare p. 62, 9. 

Egyptii cf. Aegyptus. 

Emerita p. 171, 1. Emeritensis p. 51, 21. 83, 27. 171, 6. 

Epirus p. 136, 4. 

Esernia col. p. 233, 14. 260, 7. 13. 16. 

Etruria p. 48, 23. 79, 21. 223, 10. Aetruria p. 350, 19. Etrurii p. 137, 11. 
Etrusci p. 166, 11. 

Europa p. 62, 8sq. 10. 

Fabrateria p. 234, 6. 

Falerionensis ager p. 227, 11. 256, 6. 14. Fallerionensis p. 256, 28. 

Faliscorum ager p. 217, 15. Col. Junonia quae appellatur Faliscos p. 217, 5. 

Fanum Fortune p. 30, 2. Fanestris Fortuna p. 256, 13. 18.  Fanestres p. 19, 
11. 13. 52, 22. 53, 1. 84, 24. 27. 

Ferentinum opp. p. 234, 3. Ferentinensis col. p. 216, 3. 

Feronia cf. Lucus. j 

Ficiliensis ager p. 256, 1. 

Fidenae p. 255, 28. 

Firmo Picenus ager p. 226, 9. 256, 3. 

Florentia p. 349, 15. Florentinus ager p. 212, 3. 214, 3. 223, 14. 225, 4. 

Florentina col. p. 213, 6. 

Formias opp. p. 234, 11. 

Foro Novanus ager p. 255, 21. 256, 4. 257, 4. 258, 3. 

Forum Populi opp. p. 233, 18. 

Friges cf. Phrygia. 

Frusinone opp. p. 233, 16. 

Fundis opp. p. 234, 8. 

Gallia p. 17, 23. 29, 11. 83, 2. 136, 1. 137,11. Gallia togata p. 50, 20. Gal- 
liae p. 307, 23. 353, 2. Galli p. 137, 9. 11. 368, 9. 370, 6. 373, 17. 30. 

Gallicum mare p. 62, 9. 

Garganus mons p. 210, 11. 261, 4. 

"Gavinas terr. p. 349, 28. Gavinatium ager p. 349, 31. 

Gavis opp. (Gabii) p. 234, 15. 

Genusiaus ager p. 262, 9. 

Germania p. 123, 9. Germani p. 373, 18. 

Graeci p. 30, 8. 61, 18. 24. 97, 5. 9. 106, 18. 24sq. 235, 16. 237, 1. 370,5. 

Graviscos col. p. 220, 1. 

Grumentina prf. p. 209, 8. 

Hadriaticum litus p. 136, 4. 

Herdonia p. 210, 10. Ardona (cf. M. 1I. p. 168) p. 260, 23. 

Hispania citerior p. 4, 5. 28. Spania p. 122, 8. 

Ignatinus ager (1. e. Gnatia, cf. M. II. p. 168) p. 262, 9. 

Illyricum p. 136, 4. 

Indi p. 188, 6. 

Interamna opp. p. 234, 18. Interamna Flaminae p. 226, 5. Interamna Paletino 








Index geographicus. 525 


(leg. Praetutiano) Piceni p. 226, 5. Interamna Palestinae Piceni p. 255, 1. 
Teramne Palestina Piceni p. 259, 1. Interamnates Praetutiani p. 18, 10. 19, 7. 

Jobanus p. 260, 12. 

Istonüs col. p. 260, 10. 

Italia p. 15, 6. 17. 27. 20, 23. 23, 12. 30, 20. 52, 11. 53, 3. 54, 9sq. 56, 
19. 57, 23. 62, 20. 81, 28. 82, 2. 84, 29. 87, 19. 88, 26. 123, 12. 133, 
13. 134, 16. 135, 26. 1306, 6. 137, 8. 168, 14. 169, 7. 170, 18. 177, 11. 
335, 8. 337, 25. 340, 16. 346, 26. 396, 5. 

Juliensis p. 198, 5. 202, 3. 9. 

Junonia col. cf. Faliscos. 

Lanuvium col. p 235, 4. 

Larinus ager p. 260. 14. 

Latium p. 137, 9. 413, 3. Latini p. 393, 9. 

Laurum Lavinia p. 234, 21. 

Leucopetra p. 136, 2. 211, 21. 

Libya p. 62, 8sq. 10. Lybie p. 137, 10. 

Liguris Bebianus et Cornelianus p. 235, 9. 

Liris fluvius p. 178, 6. 

Liternum col. p. 235, 1.‘ 

Lucania pr. p. 209, 4. 

Lucerinus ager p. 210, 15. 261, 9. 

Lucus Feroniae p. 47, 19. 78, 14. Luco Feronia p. 256, 19. Lucus Feroniae 
Augustinorum p. 46, 17. 77, 20. 

Lunensis ager p. 223, 14. 

Lusitania p. A, 4.26. 22, 7. 51, 21. 83, 27. 

Lyppiensis ager p. 262, 9. Lyppiense terr. p. 211, 2. 

Macedonia p. 136, 3. Macedonis p. 137, 10. 

Maricus cf. Massicus. 

Marsus municipium p. 229, 6. 256, 23. Marsensis ager p. 258, 17. 

Massicus mons p. 48, 17. 79, 14: idem est mons Maricus p. 15, 17. 

Matilica opp. p. 240, 8. 237, 1. 

Mauritania p. 353, 21. 

Metapontinus ager p. 262, 10. 

Minturnas col. p. 235, 12. Minturnenses p. 178, 5. 

Mullicensis regio p. 171, 8. 

Mutela mons p. 21, 3. 9. 

Narbonensis pr. p. 122, 6. 

Neapolim p. 235, 16. 

Nemus fluvius p. 340, 16. 

Nepis col. p. 217, 15. 

Nilus fluvius p. 62, 11. 274, 17. 393, 7. 

Nola col. Augusta p. 236,3. Nolanus p. 162, 3. 

Nomatis p. 257, 7. 

Nucería Constantia col. p. 235, 20. 





526 Index geographicus. 


Numentum p. 257, 3. 

Nursia p. 257, 5. Nursinus ager p. 227,11. 

Oceanus Atlanticus p. 61, 20. — australis p. 61, 21. 23. — eous p. 61,21. 
meridianus p. 61, 21. 23. — septemtrionalis p. 61, 22. | 

Orianus ager p. 262, 10. 

Qsci p. 30, 9. 

Ostensis ager p. 236, 7. 

Ostrensis ager p. 257, 9. 

Padus fluvius p. 17, 6. 50, 10. 82, 24. 124, 11. 

Palatini p. 4, 5. 28. 

Pannonia p. 121, 9. 205, 3. 13. 200, 3. 

Panormitanorum ter. p. 211, 13. 

Pausulensis ager p. 226, 11. 257, 13. 15. 

Peltuinorum col. p. 229, 4. Plentinus col. p. 257, 16. 

Persae p. 370, 6. 

Pestana prf. p. 209, 6. 

Phrygia p. 206, 1. Friges p. 137, 9. Frigiis. p. 137, 12. 

Picenum pr. p. 18, 10. 44, 19, 137, 2. 211, 11. 225, 3. 14. 226, 5. 228,1. 
244, 8. 252, 1. 255, 2. 256, 12. 21. 257, 25. 258, 0. 25. 

Pinnes p. 257, 11. Pinnensis ager p. 227, 12. 

Pisaurensis ager p. 157, 21. 257, 23. Pisaurenses p. 158, 5. . 

Pisaurus fluvius p. 17, 27. 32, 11. 

Plentinus cf. Peltuinorum col. 

Pollia iugera p. 201, 4. 

Portus Tiberis p. 222, 11. 14. 

Potentinus ager p. 226, 11. 254,26. 257, 15. 19. 259, 13. Potentina prf. 
p. 209, 6. 

Praeneste opp. p. 236, 14. 

Privernum col. p. 236, 18. 

Puteolis col. Augusta p. 236, 11. 

Reate p. 257, 26. Reatina regio p. 21, 10. 114, 6. 137, 2. 

Ricinensis ager p. 226, 11. 258, 4. 

Rodinus ager p. 262, 10. 

Roma p. 222, 14. 254, 5. 258, 20. urbs Babylonis Romae p. 308, 18. urbis 
Babylonis Roma p. 359, 22. 

Rubustinus ager p. 262, 10. 

Sabini p. 21, 3. 9. 136, 16. Sabinensis ager p. 349, 17. 

Saepinum col. (cf. M. II, p. 187) p. 237, 14. 

Salmaticensis p. 4, 4. 26sq. 

Salpis col. p. 261, 12. Salpinus ager p. 210, 11. 261, 14. 

Salviensis cf. Urbis. 

Samnium p. 14, 12. 131, 17. 259, 16. 

Saprinus vicus p. 241, 14. 


Index geographicus. | 527 


Sardiatae p. 241, 15. . 

Segestanorum ter. p. 211, 21. 

Senogalliensis ager p. 226, 11. Sinogalliensis p. 258, 10. 
Sentis opp. p. 258, 6. 

Septempeda opp. p. 240, 9. 258, 13. 

Setia col. p. 237, 23. 

Sicilia pr. p 136, 1. 198, 23. 211, 12. 

Signia col. p. 237, 20. 

Sinogalliensis cf. Senogalliensis. 

Sinuessa opp. p. 237, 8. 

Sion p. 360, 30 (ubi cum Rigaltio leg. a Sion). 
Sipontum p. 261, 14. Sipontinus ager p. 210, 11. 
Sirenianus mons p. 237, 2. 

Sirmium p. 353, 2. 

Solmona (i. e. Sulmo, cf. M. II, p. 167) p. 260, 16. Solomontina col. p. 229, 8. 
Sora col. p. 237, 17. Sorana forma p. 244, 3. 

Spania cf. Hispania. 

Spellates p. 179, 10. Spellatinus ager p. 224, 6 (ef. M. If, p. 165). 
Spoletinus ager p. 225, 15. 

Stellatina iugera p. 201, 5. 

Suessa Aurunca p. 237, 11. Suessa Arunca p. 3, 2. 

Suessanum p. 15, 16. 48, 17. 79, 14. 

Suessula opp. p. 237, 5. 

Superequum p. 258, 15. Superaequana col. p. 229, 1. 
Surrentum opp. p. 236, 22. 

Sutrium col. p. 217, 17. 

Tanais fluvius p. 62, 10. 

Tarentinus ager p. 262, 10. Tarentinum ter. p. 211, 2. 
Torquinios col. (cf. M. If, p. 184) p. 219, 1. 

Teanum Siricinum (leg. Sidicinum) col. p. 238, 6 (cf. M. If, p. 187). 
Tcanus Apulus ager p. 210, 14. 

Teate p. 258, 24. 261, 16. Teatinus ager p. 258, 27. 259, 14. 
Tegenensis prf. p. 209, 7. 

Telesia col. p. 238, 3. 

Teramne cf. Interamna. 

Terebentum "opp. p. 238, 14. 

Terracina opp. p. 238, 12. 

Tiberiani campi cf. index verborum s. u. Tiberianus. 

Tiberis fluvius p. 55, 19. 86, 22. 126, 14. 

Tibur p. 254, 5. 258, 18. 20. 350, 1. 

Tiferinus ager p. 224, 1. 

Tolentinus ager p. 226, 8. 259, 9. 

Trebula municipium p. 238, 17. Tribule p. 258, 21. 

Treensis ager p. 259, 12. 


- 


528 Index geographicus. 


Truentinus ager p. 226, 13. Troento p. 258, 27. 

Tuder col. Fida p. 214, 3. Tudertini p. 19, 11. 52, 22. 53, 1. 84, 24. 27. 

Tuficum opp. p. 259, 7. 

Tungri p. 123, 9. 

Turgoliensis regio p. 171, 9. 

Tuscia pr. p. 211, 22. 24. 225, 9. 340, 10. 349, 14. Tuscia urbicaria et an- 
nonaria p. 346, 13 (cf. M. II, p. 172). 

Tusculi opp. p. 238, 10. 

Tyrreni p. 137, 10. Tyrrenum mare p. 62, 9. 

Tysdritani p. 57, 3. 87, 29. 

Valeria pr. p. 228, 3. 

Varinus ager (i. e. Barii; cf. M. II, p. 168) p. 262, 11. Varinum ter, p.211,2. 

Veios col. p. 220, 8. 13. 221, 15. 223, 10. 

Veliensis prf. p. 209, 10. 

Vellitras opp. p. 238, 19. 

Venafrum opp. p. 239, 7. 

Venusinus p. 261, 19. Benusinus ager p. 210, 7. 

Veragranus ager p. 259, 14. ' 

Veretinus ager p. 262, 11. 

Verulae opp. p. 239, 11. 

Vibinas ager p. 210, 8. 

Vivonensis ager p. 209, 19. 

Ulubra opp. p. 239, 1. 

Umbria p. 30, 2. 179, 9. Umbri p. 30, 9. 

Volaterrana col. (cf. M. IT, p. 184) p. 214, 10. Volaterranum ter. p. 340, 11. 

Volturnum col. p. 239, 4. 

Urbis Salviensis ager p. 226, 6. 

Uritanus ager p. 29, 11. 262, 11. 

Vulcentana prf. (rectius Volceiana s, Vulceiana: cf. M. 1I. p. 184; Mommsen inscr. 
Neapol. n. 216) p. 209, 6. - 

Ydrontinus ager p. 262, 11. 


* 


II. INDEX NOMINUM. , 





Ablavius consul p. 268, 20. ) 

Imp. Adrianus p. 222, 1. 231, 1. 234, a. 404, 3. Hadrianus p. 235, 7. 
236, 7. 

Aemilius consul p. 244, 7. TEE . 

Agenus Urbicus p. 59, 1. 403, 23. Agennus Urbieus p. 1, 6.. Urhicus p. 246,16. 

Agerius Auli f. p. 200, 7. 

Alauda (nomen legionis V) p.200, 7. 

Imp. Aelius Hadrianus Antoninus Augustus Pins p. 251, 2. 

Imp. Antoninus p. 229, 2. 236, 9. 

Imp. Antoninus (i. e. Caracalla) p. 404, 1. 

I. Antonius p. 246, 11. 

M. Antonius Triumvir p. 177, 9. 213, 4. 244, 6. 271, 2.. 

Imp. Arcadius p. 269, 1. 12. 14. 270, 2. 343, 20. 351, 12. Archadius p. 404, 9. 

Archimedes p. 184, 7. . 

Architas p. 413,2. 

Arraus Veltymnus p..350, 17. EE 

Imp. Augustus Caesar p. 8, 20. 18, 6. 28. 111, 4. 112, 24. 113, 24. 119,24. 
162, 10..170, 19. 172, 2. 177, 8. 194, 10. 197, 9. 201, 7. 203, 15. 209, 
2. 16. 220, 1. 11. 221,15. 224, 11. 229, 21. 230, 1. 232, 7. 10. 15. 233, 
12. 234, 9. 235, 1. 21. 236, 11. 237, 18. 238, 6 (ad quem locum cf. M. 1, 
p. 187). 239, 10. 15sq. 242, 12. 396, 6. 402,7. 40%, 5. 

Balbus mensor p. 91, 1. 225, 14. 239, 15. 245, 1. 249, 1. 402, 8. 403, 28, 

Bassus perfectissimus vir p. 268, 4. Bassus consul p. 268, 20. ; 

Bauto consul p. 269, 13. 

HMRsius Taurinus miles cohortis VI praetoriae p. 251, 12. 

Cassius- Longius p. 17, 9. 124, 14. 399, 23. 403, 29. 

Cecilius Saturninus centurio cohortis VII et XX p. 244, 14: idem est Cilioius 
Saturninus p. 253, 11: cf. M. II, p. 171, not. 28. 

Celsus p. 91, 1. 3. 92, 12. 

Christus filius dei p. 362, 26. 
Römische Feldmesser II. 34 


530 Index nominum. 


Claudius Caesar p. 211, 23. 229, 10. 232, 12. 238, 20. 403, 35. 

Coenius cf. Hoenius. 

Imp. Commodus p. 229, 2. 236, 10. 

Imp. Constantinus p. 267, 4. 404, 11. 

Cyrus Praefectus Praetorio Orientalium p. 273, 20. 

Diomedes p. 137, 9. 12. 

Dolabella p. 302, 1. 

Imp. Domitianus p. 8, 22. 20, 22. 54, 11. 82, 2. 111, 6. 133, 12. 284,6. 

Drusus Caesar p. 230, 15. 231, 16. 233, 8. 239, 2. 

Euclides p. 108, 6. 377, 1. 385, 20. 387, 23. 391, 17. 403, 32. 

Ezechihel p. 367, 23. . 

Faustus uir perfectissimus auctor p. 307, 21. 353, 1. 

Florentius Praefectus Praetorio p. 273, 10. 

Frontinus cf. Julius. 

Gaius (ICtus) p. 276, 14. 278, 25. 280, 16. 

Gaius auctor uir perfectissimus p. 307, 1. 345, 23. 

Gaius Caesar p. 235, 12. 242, 15. 348, 5 

Gallicanus consul p. 268, 2. 11. 

Graccus p. 136, 7. Graechani p. 165, 10. +5. 

Hadrianus cf. Adrianus. 

T. Hoenius Severus consul p. 244, 12: idem est Coenius Severus p. 252, 26. 

Imp. Honorius p. 269, 14. 404, 10. 

Hyginus p. 108, 8. 166, 1. Higenus p. 3, 23. 28. 108, 9. Iginus p. 403, 31. 
Igenus p. 403, 19. Egenus p. 336, 2. 

Innocentius uir perfeetissimus auctor p. 310, 2. 

Sanctus Johannes evangelista p. 362, 26. 

Isidorus p. 371, 6. 

Julianus p. 278, 18. 

G. Julius Caesar p. 213, 4. 232,2. 233, 1. 245, 1. 246, 16. 18. 253, 19. 
395, 15. 21. divus Julius p. 162, 10. 242, 11. Imp. Caesar p. 231, 19. 239, 
4. Julius triumvir p. 271, 2. 

Julius Frontinus p. 1, 1. 18.26. 3, 16. 9, 20. 10, 19. 26, 3. 71, 1. 408, 20. 
415, 9. : 

M. Junius Nipsus p. 285, 2. 403, 2 

Latinus p. 305, 1. 309, 1. 347, 1. 

Sanctus Laurentius p. 362, 25. 

M. Lepidus triumvir p. 177, 9. 213, 4. 271, 3. 

Lucanus p. 188, 9. 

Mago auctor p. 348, 16. . 


Mamilius Nepos miles cohortis HI pretorine p. 244, 11: idém est Manilius Nepos 
p.252,25. ' 


L. Manilius Sei f. p. 197,.8. 
G. Marius p. 233, 7. 
Matheus p. 362, 25. 





Index nominum. | 531 


Metellus Nepos p. 244, 5. 

Modestinus p. 278, 13. 

Moyses p. 373, 4. 

Mysrontius togatus Augustorum auctor p. 347, 1. 

Neoterius praefectus praetorio p. 269, 2. Neuterius p. 358, 11.- 

Imp. Nero Claudius p. 209, 3. 230, 4. 231, 6. 233, 5. 237, 15. 239, 15. 403, 
34. 404, 6. 

Imp. Nerva p. 133, 16. 239, 12. 

Nipsus cf. Junius. 

Noe p. 373, 6. ' 

Q. Nonius Priscus cons. p. 244, 16: ad eundem pertinet quod legitur p. 253, 
-44: Q. Scitio et Prisco conss. 

. Numerius p. 201, 5. 

G. Numisius G. f. p. 201, 4. 

Numus [Magnus] magister officiorum p. 273, 1. 

Orfitus ef. Scipio. 

Papianus p. 280, 4. 

Paulus p. 270, 4. 276, 1. 10. 18. 280, 9. 

Sanctus Paulus p. 362, 25. 

Q. Pedius Camidianus p. 246, 16. 

Sanctus Petrus p. 362, 25. 

Ptolomeus rex p. 122, 17. 

Rufinus praefectus praetorio p. 269, 14. Rufinus consul p. 270, 3. 

Sabinus p. 279, 20. 

Satrius Verus miles p. 244, 5. 

Scipie Orfitus consul p. 244, 16: idem est Orfitus Senior p. 253, 13. 

Q. Seitius cf. Nonius. 

Scius p. 14, 3. Seius T. f. p. 200, 6. Seianus fundus p. 197, 8. 

Seneca p. 394, 10. 

Septicianus fundus p. 54, 22. 85, 29. 

Imp. Severus p. 404, 1. 

Siculus Flaccus p. 134, 14. 403, 21. 

Sirene Parthenope p. 235, 16. 

Stoga consul p. 244, 12: idem est Stola p. 252, 20. 

Sulla Felix p. 232, 4. Syllani p. 165, 10. 15. 

Symmachus consul p. 208, 2. 11. 

L. Terentius Luci f, p. 201, 3. 

Tertullianus uir perfectissimus p. 267, 4. - 

Imp. Theodosius p. 269, 1. 14. 273, 1. 19sq. 345, 23. 358, 11. 404,8. cor- 
pus Theodosiani p. 267, 1. 

Imp. Tiberius Caesar p. 218, 10. 220, 2. 224, 2. 254,6. 258, 18. 271,2. 
272, 22. 403, 36. 

L. Titius p. 14, 2. L. Titius Luci f. p. 200, 6. 

Imp. Titus p. 54, 10. 82, 1. 133, 11. 235, 18. 34* 


532 Index .neminum. 


Imp. Traianus Augustus Germanicus p. 121, 10. 223, 3; A. 2. n, 7. 348, 
10. 404, 4. 

Tuscenius Felix praetor p. 251, 8. 

Imp. Valentinianus p. 269, 1. 273, 1. 20..404, 7, 

Valerius uir perfectissimus anctor p. 307, 21. 983, 1. 

Varro p. 6, 1. 27, 13. 393, 8 

Vegoia auctor (i. e. Begoe, nympha Tusca) | P. 2, 18. 350, 17, 

Vergilius p. 185, 14. ur 

Imp. Verus p. 229, 2. 236,9. x 

Imp. Vespasianus p. 14, 12. 54, 3. 81, 22. 111, 6. 122, 20. 131, 12. 133, 8. 
211, 8. 13.230, 19. 234, 1. 22. 236, 3. 7. 201,22. 40$ 2 . Vespsasianys 
p. 8, 21. 348, 10. 

Vettius Ruflnus tribunus cohortis VI pretoriae p. 244, 9. 252, 22. 

Vitalis auctor p. 307, 14. 343, 20. 352, 7. 

Ulpianus p. 276, 4. 279, 24. 


Zusammenstellung: der Sexenzahlen in der Ausgabe 
von Goesius (1674) mit den entsprechenden Seiten 


der gegenwärtigen Ausgabe. 
Von Blume. 


Vorbemerkung. Nicht aufgenommen sind in die gegenwärlige Ausgabe 


Gpes. en Lachm. 


nur die von Goesius willkürlich eingeschalteten Fragmente alter Ge- 
seze und zwei Pandektenstellen, pag. 34p. 46. 348 bis 360. Dagegen 
steben auf 5. 27. 59 bis 62. 123 bis J34. 244 bis 240. 249 bis 251. 
276 bis 280. 290, 295 bis 301. 339. 356. 370. 381 bis 401. 403 bis 
416 unserer Ausgabe Stücke, welche bei Goesius fehlen, von denen 
aber ein Theil schon im Rheinischen Museum für Jurisprudenz Bd. 5 
und 7, bei Turnebus und in den Ausgaben des Boethius gedrukt war. 


Goes. ex Lachm. 


Goes, == Lachm. 





p. dux p. 134, 14 p. 22 zz p. 161, 3 p. A1 xs p. 15, 1 
2 135, 19 162, 9 42 ' 20, 1 
3 5 163, 13 43 23, 4 
4 138, 15 164, 18 44 27, $—9 
5 140, 3 246, 24 1, 6 
6 141,16 248, 10 45 2, 3 
7: . 142,27 91, 1 46 2, 94 
8 144, 6 92, 11 47 4, 11 
9 145, 11 94, 11 48 5,17 

10 146, 22 96, 21 72,24 
11 148, 10 98, 16 49 6, 26 
12 149, 19 101, 5 50 8,13 
13 . -150,22 - 102, 19 51 9, 21 
14 152, 1 52 11, 7 
15 153, 7 53 12, 12 
16 154, 8 54 13, 17 
17 ^ 155,12 55 14,21 
18 156, 13 | 506 15, 25 
19 157, 18 57 17, 6 
20 158, 21 58 17, 33 
21 159, 27 59 19,18 





Goes. == Lachm. 
p. 60 2p. 20,27 


22, 14 
23, 24 
25, 7 
26, 13 


Zusammenstellung der Seitenzahlen. 


Goes. ex Lachm. 


fig. 42—67 


p. 102 == p. 229, 10 


103 
104 
105 
106 
107 
108 


>41 dog 


110 


111 
112 
113 
114 
115 
116 
117 
118 
119 


121 
122 
123 


124' ' 


125 


126 : 
127 - 


138 
129 


‚130 
131 


132 


120: 


230, 15 
231, 19 
233, 12 


' 235, 2 


236, 12 
237, 23 


' 939, 1] 
959, 1^ 


210, 1 


2341, .8- 


212, 13 
215, 5 


247,11 -.— 


220, 1 
221, 16 
223, 16 


225.14 7 
|. 937,13 
:252,- 2 


253, 3 


. 254,10 
' 255,12 " 
256, 16 


257, 20 


258,27 . 
260, 5 


261, 7 


90, 3 


220, 8 
222, 5° 
217,18. 
224, 1 
: 216, 3 
216, 8 - 


215, 3 
219, 1 
214, 3 


211,24 : 


139 


Goes. == Lachm. 
p. 90—101 = p. 26, 26 | p. 133 == p. 211, 24 


134 


195 '- 


136 
137 
138 


233, 7 
234, 18 
223, 14 
232, 17 
236, 7 


: 280, 9 


235, 15 
218, 9 
220, 1 
254, 26 
255, 6? 
229, 13 
231, 12 
233, 14 
214,10 
216,11 
234, 6 
234,21 


- 237, 3 
' 938, 17 
. : 29840 


339,20 - 
.2339, 14 


339, 15 
- 228,14 


.327, 12 
225,15 
227, 1 


: .226, 11 


227, 11 


5:1. 240, 7 


' 242,11 


243, 13 
328, 3 
228, 21 
210, 4. 
214, 1 
240, 16 
242, 5 
401, 10 
401, 20 











Goes, sez Laehm. 


p.149 2p. 403, 3 


150 
151 


153 
154 
155 
156 
157 
158 
159 
160 
161 
162 
163 
164 
166 
166 
167 
168 


169 
170 
171 
172 
173 
174 
175 
176 
177 
178 
179 


180 
181 
182 
183 
184 


152° 


: 409, 20° 
- 213,14 
. 221, 7 


11, 33 
166, 1 
167, 10 


408, 11 
:. 169,15 


170, 12 
171, 6 


- 471,17 . 
. 173, 6 


173, 14 
175, 4 
176, 9 
178, 10 


178,11. 


179, 8 
180, 4 


. 180, 16 


180, 18 
181,14 
182, 13 
192, 17 
182, 14 
183, 17 
184, 13 
184, 16 
186, 14 
188, 4 
189, 1 
189, 11 
191, 4 
192, 4 
192, 12 
194, 1 
194, 2 
194, 6 
195, 5 
195, 12 
196, 8 


Goes. == Laehm. 


p. 185 == p. 196, 15 
186 . 


18? 
188 
180 
190 
191 
192 
193 
194 
196 
196 
198 
199 
200 
201 
202 
203 
204 
205 
206 
207 
208 
209 
210 
211 


212 
213 
214 
215 
216 
217 
218 
219 
220 
221 
222 
223 
224 
:225 
226 


197, 7° 


197, 21 
198, 12 


' 198,14 


198, 22 


199, 12. 


201, 7 
202, 5 


fig. 196b 


p.203, 7 


. 97. 


fig. 197 


p. 204, 16 


206,13 . 


207, 3 
207,11 
208, 1 
111, 9 
112, 13 
115, 15 
116, 23 
118, 6 
119, 12 
120, 20 
122, 3 
123, 14 
340, 9 
340, 24 
341, 14 
341, 28 

27,13 
- 99, 4 

30, 19 

32, 8 

33,21 
310, 1 
310, 27 
312, 2 
313, 0 
314, 7 
315, 10 
316, 13 


Zusammenstellung der Seitenzahlem 


Goes, == Lachm. 
p. 227 zx p. 317, 15 
228 318, 16 
229 319, 16 
230 320, 17 
231 321, 19 
232 .322, 21 
233. 323, 23 
234. 2324, 28 
. 235 327, 4 
236 327, 28 
237 328, 31 
238 329, 33 
239 331, 1 
240 331,27 
241 332, 29 
242 334, 2 
243 335, 4 
244 336, 6 
245 337, 9 
246 338, 12 
247 342, 13 
248  . 342,29 
249 . 943, 16 
250 343, 23 
251 344, 8 
252- 345, 1 
253 345, 26 
254 346, 29 
255 347, 29 
256 348, 26 
257 348, 27 
258 349, 30 
259 351, 2 
260 352, 2 
261 352,16 
262 353, 22 
357, 1 
263 357, 30 
264 358, 29 
265 359, 22 
266 360, 11 
267 361, 9 


Goes. == Lachm. 


p.208. 69. fig. 344 . 


270 zx p. 362, 8 


271 
272 
278 
274 
215-77 
278 
279 
280 
281. 
282 
. 283 
284 
285 
286 
287 
288 
289 
290 
291 
292 
293 


294 
293 
290 ' 


p. 


363, 5 
364, 1 
364, 23 
365, 16 
fig. 345 
325, 11 


325,21 . 


326, 1 
326, 9 


. 326, 14 


3206, 17 
326, 24 
285, 1 
286, 16 
287, 28 
289, 3 
289, 19 
366, 10 
367, 24 


:368, 7 
: 309, 13 


302, 1 


. 302, 3 


302, 20 
303, 1 


Zusammenstellung der Seitenzehle. 


Goes. == Lachm. 
p. 297 == p. 303, 19 
298 290, 17 
299 291, 8 
300 293, 3 
301 294,13 . 
302 305, 1 
303 :305, 20 
304 306, 10 
305 306, 23 
306: 307,15 
307 308, 15 
308 308, 22 
. 42,21 
309 ' 42,12 
. 74, 114 
310 309, 1. 
311 309, 19 
354, 1 
312 354, 10 
313 354, 22 
. 314 355, 8 
346  . 356, 1 
316 377, 1 
317 378, 6 
318 379, 19 
319° 380, 24 
320 371, 1 





Got». &= Lachni. 
.[p. 321 ap. 372, 4 
322 373, 4 
323 374, 5 
324 375, 6 
325 à 376, 8 
326—388. — 
339 263, 1 
340 264, 10 
341 267, 8 
342 268, 18 
348 : 273, 4 
344 274, 2 
345 275, 11 
278, 13 
276, 24 
276, 29 
346 — 
270, & 
.276, 24 
277,10 
271,4 
347 271, 7 
348 272, 19 


349—300 — 





——